Nr. 215 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeigerfür Gberheffeiy Montag, H. September (925
Amerikanische Stimmen über Kriegsschuld, Völkerbund und Sicherheitspatt.
Bon Professor Ferdinand Dreher (Friedberg).
Mit dem 9. November 1918 hatte der Feindbund «auf der ganzen Linie gesiegt". Die Wehrlos- machung Deutschlands durch die Revolution gab der Entente die Möglichkeit, Wilsons „14 Punkte" hohnlachend in den Papierkorb zu werfen Nun konnte man in Versailles, entsprechend den bis 1913 zurückreichenden geheimen Abmachungen, Deutschland vollends entmannen und ausplündern und die Ehre des deutschen Volkes dadurch vor aller Welt schänden, daß man es im Art. 231 des „Frie- dens"ocrtrages und in der Mantelnote vom 16. Juni 1918 wider besseres Wissen als den alleinigen bös- willigen Kricgsbrandsti'ter verleumdete und als den Abschaum der Menschheit brandmarkte. Gestützt auf die Lüge von Deutschlands alleiniger Schuld am Weltkrieg und nut Hilfe französischer Bajonette zwang der Völkerbund, das Werkzeug des intcr- nationalen Grobkapitals, das entrechtete deutsche Volk für unabsehbare Zeit zu unmenschlichem Frondienst. Weiter Strecken deutschen Bodens, unserer Kolonien, unserer Rohstoffquellen und Absatzgebiete, unserer Handelsflotte, unseres Volksoer- mögens beraubt und unter willkürliche Militär- kontrolle gestellt, sind wir Deutsche nichts anderes mehr als Wild, dos von erbarmungslosen Treibern eingekreist ist. Wohin wir auch blicken, stehen längs der verstümmelten deutschen Grenzen Franzosen oder deren Vasallen im Anschlag, ermutigt durch das Gewinsel deutscher Pazifisten, die sich im Staub der Selbsterniedrigung wohl sühlcn.
Der verblendete deutsche Michel erscheint unempfindlich gegen Fußtritte, Prügel und Beschimp- fung, träumt wie ein Kind vont ewigen Frieden auf Erden, von den Segnungen des sogenannten Völkerbundes und zermartert sich den >ämmerlich ver- beulten Kopf, wie ein Pakt geschloffen werden könnte zur dauernden Sicherheit — seines bis an die Zähne bewassneten Todfeindes Frankreich! Und das ausgerechnet zu einer Zeil, wo deutsche Frauen am deutschen Rhein von farbigen Franzosen ye- schündet werden und deutsche Fremdenlegionäre unter Frankreichs Fahnen mit ihrem Herzblut den Boden Marokkos düngen müssen.
Was der Völkerbund und insbesondere Frankreich will, besagt dos Telegramm Iswolskis an Sakonow aus Bordeaux vom 30. September 1914, Nr. 497:
.......Sodann besteht das hauptsächlich sie Ziel Frankreichs — und in dieser Hinsicht sind alle drei verbündeten Mächte (Frankreich, Rußland, England) durchaus solidarisch — darin, daß das Detitsche Reich vernichte t ... w i r b."
„Die politische und ökonomische Kraft Deutschlands zu vernichten" sei Frankreichs notwendiger Wunsch.
Seit Ludwig XIV. und den beiden Napoleons ist Deutschland das Opfer französischer Raubgelüste. Zunisch enthüllte Poincarö am 26. Juli 1922 Frankreichs Kulturaufgabe:
„Ich für meinen Teil ziehe die Besetzung und die Eroberung dem Geldeinstreichen und Reparieren vor. Daher werden Sie es verstehen, warum wir eine starke Armee, einen wachen Patriotismus brauchen, und daß das einzige Mittel, den Versailler Vertrag zu retten, darin besteht, es so zu arrangieren, daß unsere Gegner, die Besiegten, ihn nicht einhalten können. Wenn Deutschland die in Versailles eingegangenen Verpflichtungen erfüllte, wäre es um die Macht unserer Armee getan. Dann müßte abgerüstet werden."
Hier grinst uns zähnefletschend das wirkliche Antlitz Frankreichs entgegen. Aber seit der Oesf- nung der russischen Geheimarchive durch die Sowjetregierung und der Bekanntgabe des „diplomatischen Schriftwechsels Iswolskis 1911—1917” ist ein allmählicher Umschwung der Weltmeinung zugun- ften Deutschlands ersichtlich. Schritt für Schritt bricht sich die Wahrheit Bahn durch die giftigen Gase jahrelanger deutschfeindlicher Propaganda.
Ein bedeutendes Ereignis in der Kriegsschuld- frage ist das soeben erschienene zweibändige Werk des Königlich britischen Rates John S. Ewart aus Ottawa in Kanada „Die Wurzeln und Ursachen der Kriege von 1914—1918" (Neuyork: G. H. Daran Company. 1925). Ewarts Quellenwerk, eine unerschöpfliche Fundgrube zum Verständnis des großen Dramas, ergibt, daß alle Gegner Deutschlands, auch Amerika, unter scheinheiligen Vorwänden lediglich aus selbstsüchtigen Beweggründen zu den Waffen griffen:
„Im Unterschied au den anderen Kontinental- machten suckle Deutschland keine Gebietserweiie- rung in Europa. Für Deutschland gab es keine un- erlösten Gebiete — kein französisches Elsaß Lslh ringen, fein italienisches Trieft ober Treniino, fein serbisches Bosnien ober Herzegowina, fein rumänisches Bessarabien, Siebenbürgen und Bufowina, kein russisches Konstantinopel. Es waren Deutsch- lands 43 Friedensjahre, die ihm feine wunderbare Entwicklung ermöglichten. Sein wirtschaftliches Gedeihen konnte nicht durch Krieg erhöht werden. Abgesehen von der Erhaltung Oesterreich-Ungarns als eines wirksamen Bundesgenossen und abgesehen von dem Widerstand gegen russische Gewalttätigkeit hatte Deutschland keine Kriegsurfache. Die Amerikaner glaubten, daß sic für Freiheit lind Dolksherrschaft und für die Zivilisation kämpften,
daß sie ihre Hilfe der (Erhaltung der Menschheit boten. Derartige Ausflüchte, um dem Wunsch der Menge willfährig zu sein, herrschten wahrend des Krieges."
Nicht minder scharf als Ewart gehl die amerikanische Zeitschrift „The American Momhly" den im ,Böllerbunb" oei< ni ttn Leibe und bcirf Sicherheit spakt
„Run, da Deutschland völlig in Ketten liegt, öffnet man ihm den Käfig des Völkerbundes. Es gibt deutsche Narren, die in ihm einen Schritt zum Humanitären Ideal erblicken Sehen denn diese Träumer nicht, daß dieser Völkerbund genau wie der Versailler Vertrag und das Dawcsabkommen zur Voraussetzung die dsutsche Sklaverei und die deutsche Kriegsschuld haben? Begreifen diese Narren nicht, daß jeder Vertrag mit den Alliierten, jeder Abrustungsplan nur eine List ist, um den „Status quo“ zu garantieren, um den Verlust der Glieder Deutschlands (Elsaß, Oberschlesien, Saar) zu verewigen?”
Und ebenso kommt der amerikanische „New Statesman" zu dem Schluß:
„Solange Deutschland als einzige Macht besetzt und entwaffnet ist, kann es praktisch keinen gleichberechtigten Platz in der Völkerbund-.Versammlung und noch sehr viel weniger im Dölkerbundsrat entnehmen."
Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Kriegs- schuld, Völkerbund und Sicherheitspakt find drei in sich verknüpfte, untrennbare Fragen.
Deutschland und Deutschtum, deutsches Fühlen, Denken und Können versinken in bas Nichts, wenn der Kamps gegen die Kriegsschuld!'.:.' nur deshalb aufgegeben würde, um dem Völkerbund beizutreten.
Die ehrliche Verständigung und Versöhnung der Völker hat zur Voraussetzung, daß der Fehlspruch von Versailles für ungültig erklärt wird: daß Deutschland nicht weiterhin als Verbrecher an der Menschheit dastehl, daß Frankreich abrüftet und den Rhein verläßt. — Auf Gewalt und Lüge läßt sich keine dauernde Weltordnung aufbauen.
Das Ergebnis der deutschen Spitzbergen-Expedition!
Don Dr. Max Grotewahl.
Die deutsche Spitzbergen-Expedition, die sich infolge der ungünstigen Witterungsverhaltnisse in ernster Gefahr befand, ist, wie wir bereits berichteten, von dem deutschen Fischereischuhboot „Ziethen" glücklich geborgen worden. Der Leiter der Expedition, Dr. Grote- w a h l. sandte uns nun aus Tromsö den nachstehenden Bericht über die Forschungsergebnisse. D. Red.
Tromsö, Anfang September 1925.
Trotz teilweiser Erschwerung durch Wetter und Eisgang formte die deutsche Splhbergen- Expedition ihr Programm restlos durchführen. Reiches wissenschaftliches Material über die Zoologie, Botanik. Bereisung der dortigen Gegend, Vermessung, Kartenaufnahmen, Ozeanographie und Photographie, soweit alles im Rahmen der Expedition lag, konnte beigebracht werden. Das Gebiet, in dem die Expedition arbeitete, war vor allem die Magdalenenbricht und die Gegend nördlich davon btS zum Virgo Hafen und Smeerenburg Sund.
Der innere Teil der Magdalenenbucht wurde mit den Faltbooten bis zu einer Tiefe von 138 Meter ausgelotet, Grundproben genommen, und hierbei wurde die Brauchbarkeit der inneren Bucht als Hasen erwiesen. Eine Gezeitenmessung konnte vollständig durchgeführt werden: d. h. die Feststellung, wann im nördlichen Eismeer Ebbe und Flut einsehen, wie groß der Unterschied zwischen Ebbe und Flut zu jeder Zeit ist (der Unterschied wechselt innerhalb 14 Tagen Sprengflut — Ribbflut). Angaben hierüber haben bisher im ganzen nördlichen Eismeer gefehlt. Diese Messungen, in Verbindung mit zahlreichen Küstenvermessungen und Lotungen, sowie einer Reihe von photographischen Küsten- ansjchten von See aus, dienen vor allem — außer ider Wissenschaft — dem Seemann, um sein Schiff sicherer in dortigen Gewässern zu führen. Ein sehr großer Erfolg war der einwandfreie Rachweis, der uns gelungen ist, daß die Vereisung zurückgeht. Vermessungen haben die Größe des Rückganges ergeben.
Der zweite Hauptteil der Expedition war die Inlanodurchquerung. Er erfolgte mit Schi und Schlitten und führte in ein zum größten Teil unbekanntes Gletschergebiet. Leider war das Wetter sehr ungünstig Schnee- stürme und Rebel beeinträchtigten diele Unternehmung sehr. Trotzdem gelang es wie beabsichtigt — die Liesdebucht. die dritte Bucht der Rordküste. zu erreichen. Rordwestspihbergen ist nur einmal von Rord nach Sud vom norwegischen Rittmeister Isachfen durchquert worden. Der Expedition war es Vorbehalten, die Durch- querung von West nach Ost und zur ü ck durchzuführen. Don dem neuentdeckten Gebiet wurden trigonometrische und photogrammatisch: Aufnahmen gemacht.
Faltboot. Schlitten und Zelt, d e Gegenstände, die eine Reukonstruktion waren, und zum ersten Male in der Arktis ausprobiert werden sollten, erwiesen sich als sehr gut und brauchbar. Kleine Aenderunqen wären allerdings zu treffen.
Abgeholt wurden wir durch die Hilssex- pedition der deutschen Marine Als
das Wetter dauernd sehr schlecht war. und es sehr fraglich war. ob der Dampfer .General San Martin", die letzte Möglichkeit der Rückkehr. die Magdalenenbucht zu finden und anzu- laufcn, entschloß sich die Marine sofort, eine Hilfstpedition auszusenden, um unbed.ngl sicher zu gehen, daß die vier Teilnehmer abgeholt wurden und einer Gefahr der Überwinterung entgingen. Diele Hitsserpedition. de mit dem Fischereikreuzer .Ziethen", Kommandant Kapitän- [cutnant Feldbausch. ausgcfühn und von dem bekannten Spitzbergenfahrer Kapitän Rit- scher geleitet wurde, hat ihre Ausgabe in glänzender Weise gelöst und die Erpedition an Bord genommen. Sie befindet sich jetzt auf dem Rückweg. Eine reiche Ausbeute an Photos und Film ist gelungen.
Deutscher Ausschuß für wirtschaftliches Bauen. Tagung zu Dresden aut 8.u.0.2eptcmb.
Die Tagung des vor 5 Jahren in Dresd^r gegründeten Ausschusses war von etwa 350 Teilnehmern aus allen Teilen des Reiches besucht. Da anschließend an die Tagung die Reichs- wohnungskonferenz abgehalten wurde, waren auch die Reichsregierung und alle Landesregierungen vertreten. Die Direktoren sämtlicher zu einem Reichsverband zu- fammengcfafjten Wohnungsfürsorgegesellschaften waren anwesend. Es war von besonderem Interesse, die in den letzten Jahren von Literatur und Interessenvertretungen viel erwartete und je nach der Einstellung der Dersechter verschieden beantwortete Frage, ob das Grohhaus — der Stockbau, oder das Kleinhaus — der Flachbau wirtschaftlicher sei, von Praktikern, wie dem Regierungsbaurat L ü b b e r t von der niedersächsischen und Dipl.-Ingenieur Graf von der Sächsischen Wohnungsfürsorgegesellschaft erörtert zu hören. Rach den Ausführungen des letztgenannten Redners können die Kosten des Kleinhauses denen des Großhauses zum mindesten gleichgestellt werden, wenn die günstigsten Maßen- und Raumdispositionen in Lageplan, Grundstücksbildung und Daukörper getroffen werden. Auf Grund gesetzmäßig verlaufender Bedingungen für jeden Grundrihtyp lasse sich die günstigste Grundrißfvrm hinsichtlich Breite und Länge ermitteln. An Hand präziser Untersuchungen, die für den Interessenten ebenso wie die übrigen Dorträge, demnächst im Druck erscheinen werden, wußte der Redner zu überzeugen, daß durch Wirtschaftlichkeit des Grundrisses und des räumlichen Aufbaus das Kleinhaus so gestaltet werden kann, daß es dem Großhaus gegenüber in jeder Beziehung wettbewerbsfähig ist. Unbedingt abgelebt müsse werden, den hohen Grundstücks- Preis als Argument für die Rotwendigkeit des Großhausbaues anzuführen, da ja der Bewohner des Mietshauses letzten Endes nicht in den Genuß der augenblicklich billigeren Baukosten des Großhauses komme, sondern diesen vielmehr in die Tasche bet jetzigen oder früheren Grundstücksbesitzer als unbegründeten Gewinn fliehen
Retzicrungsbaurai L ü b b c r : führte den RachweiS für t ie w.rtschafttiche Gleich, e .chtigung des Kleinhausee. indem er für . v und dasiclbe Gebäude 6 verschiedene Austrilungsarten und Bebauungen, vom ögeschossig -:i Berliner M.cls- haus bis zur offenen Bauweite mit zwcigeichosfi- ger Randbebanung und 1> ,g fcholsiger Innenbe- Lauung annaLni Dabei wurden die Gelamtkosten für die Aufschließung des Geländes und für die Ausführung der Bauten für jeden Baukall errechnet und aus den jeweiligen Gesamtlosten die Kosten je Wolmraum bestimmt Er zeigte dabei, wie lieb beim Kleinhausbau durch wirtlchaftl chere Gestaltung des Grundrisses und des Ausbau- der unproduktive Bauaufwand deS Massenmiet- bauses vermeiden lasse. Dabei ergaben lich für je einen Wohn raum an Stubifmctcr umbauten Raum und Baupreisen.
5geschoss. 125,32 cbm umb. Raum 3922M. Baukosten 4 . 100,51 . „ . 3080 „
3 . 107,43 „ . . 3590 ..
2 . 73,82 , „ „ 2279 .
(2geschvssige Reihenhäuser als Einfamilienhäuser) Flachbau Linfamilienreihenhäuser am Rand und offene Bauweise im Innen. 71,42 Kubikmeter umb. R. 2238 Mark Baukosten.
Welch erhebliche wirtschaftliche Dorteile sich aus dem Typen- und Serienbau im Wohnungswesen ergeben, wußte Regie.ungsbau- rat Stegemann überzeugend darzustellen. Er ging davon aus, wie unbegründet eS fei. diesem Gedanken etwa als einer neuen Erfindung skeptisch gegenüberzustehen.
Der Umstand, daß 85 Pro- unserer Bevölkerung in Kleinwohnungen wohnten, habe zwangsläufig bestimmte Wohnungstypen von selbst her- ausgebildet. Man habe diese Tatsache nur inS Bewußtsein gehoben, die Typen systematisch dar- gcfiellt und Wohnungs'ürsocgegesellschasten und Handwerk hätten die Möglichkeit, im engen Zusammengehen dep Wohnungsbau gewissermaßen zu industriealisieren und auf völlig neue Grundlage zu stellen. Dabei konnten die Typen, die im Gegensatz zur Aorm etwas Bewegliches seien, durch Verwendung bodenständigen Materials durchaus den örtlichen Derhältnissen angepaßt werden.
Dielfach wird eingewandt, Siedlung und Flachbau feien Utopien, weil hierfür gar nicht das nötige Land zur Verfügung stehe und daü uferlose Anwachsen der Städte eine Unmöglichkeit fei. Demgegenüber ergab die Tagung, daß Vs Prozent des deutschen Bodens genügt, um die Hälfte aller Deutschen im Flachbau anzusiedeln. Den zweiten Einwand suchte Regierungsbaumeister Riemeyer zu entkrästen, der in feinem Dortrag über Regional- und Flächenausteilungs- plane den jetzt oft empfohlenen Weg der Trabantenstädte zeigte: Statt Vergrößerung der Städte Anlage neuer Städte von nicht mehr als 50 000 Einwohnern mit Schaffung von Arbeitsmöglichkeit an Ort und Stelle durch Dezentralisierung der Industrie.
Die bautechnischen Dorträge wurden ergänzt durch Dorträge von Dr. med. R e u b c r t, Dresden, über „Grohhaus und Kleinhaus vom hygienischen Standpunlt" und Privatdozent Dr. Braunsfeld, Darmstadt, über Arbeits- psychologie und Bauwirtschaft und aufs wertvollste illustriert durch die DreSdne* Iahresschau für Wohnung und Siedlung.
Reg.-Rat Dr. R i n d f u ß , Friedberg.
25 Jahre Mehener Sport-Club von 1900
Der Pionier der Gießener Sportbewegung, der Gießener Sportclub von 1 900, beging am Samstag und am gestrigen Sonntag in schlichter Weise die Feier seines 2 5 jähri - gen Bestehens. Arn Samstagabend bereinigte ein
Kommers
im Gasthaus Hindenburg die Mitglieder des Clubs mit zahlreichen g ladenen Gästen von hier und Angehörigen befreundeter auswärtiger Vereine. Die Beteiligung an dieser Veranstaltung war außerordentlich stark: sie offenbarte den vortrefflichen sportkameradschaftlichen Geist im Club und die hohe Wertschätzung, die diesem Verein allenthalben zuteil wird. Der Clubvorsihende Albert Döh entbot herzlichen Willkommen, sein besonderer Gruß galt den Gästen von hier und von auswärts. Die
Festrede
hielt das Clubmitglied Hans Kümmel, der dabei interessante Angaben aus der Vereinsgeschichte zur öffentlichen Kenntnis brachte. Danach führt der Club sein Entstehen auf eine Zusammenkunft von neun Fußballsreudigen im August 1900 zurück, die sich damals zu einer monatlichen Deitragsleistung von 1 Mark zwecks Anschaffung eines Fußballs verpflichteten. Allem Spott und aller Abneigung der Bevölkerung trotzend und ungeachtet des mangelnden Verständnisses. das damals die Behörden gegenüber dem Fußball noch an den Tag legten, ging die kleine Schar der Fuhballkämpen allsonntäglich ihren Hebungen nach. Allmählich ging es dann mit dem Verein voran. 1903 trat er zum ersten Kampf an, und zwar hier auf dem Trieb gegen den Siegener Fußballklub. 1:1 war das Ergebnis. 1904 und 1905 zeigte er sich den Frankfurtern und Offenbachern gegenüber durchweg überlegen, nur dem Hanauer F. C 1393. mit dem schon damals engere Beziehungen geknüpft
wurden, mußte er sich beugen. 1907 errangen die Gießener 1900er bereits einen glänzenden Sieg über Kickers-Frankfurt, der sich auf dem eigenen Platz 7:1 geschlagen sah. An diese Siege reihte sich bann' im Lause der Jahre eine sehr große Anzahl weiterer Erfolge an. die ja auch durch die vielen wertvollen Siegespreise des Vereins zur Genüge bewiesen wurden. 1910 weihte der Club seine Sportanlage auf der Hardt ein, wobei der e.rg befreundete Hanauer F. C. 1S93 als Gast und Spiclg gner hier weilte. Durch den Krieg hat der Club schwere Einbußen erlitten. 63 Mitglieder sind den Heldentod gestorben, ein schwerer Verlust für die SportauS- übung im Club. Diesen tapferen Helden, wie auch den übrigen Toten des Clubs galt ein stilles Gedenken der Versammlung. Der Sport erlitt in den Kriegsjahren schweren Abbruch, erst nach der Heimkehr der Krieger aus dem Felde ging es sportlich wieder aufwärts. Als besonders verdiente Wegbereiter für diesen Aufbau nannte der Redner die Sportler Paulus, jetzt Leiter des Etadtamtcs für Leibesübungen in Wetzlar. Rudi Fischer und Aug. Wallenfels. Seit etwa Jahresfrist ist der Club eifrig um die Schaffung der neuen Sportplatzanlage auf dem Trieb bemüht. hierbei haben sich die Mitglieder Müller und Schmidt besonders verdient gemacht. Hoffnungsfreudig und tatfrof) blickt der Club in die Zukunft, er ist bereit, alle fe:ne Kräfte ein- zusehen für die Ertüchtigung unserer Jugend, für den Wiederaufbau des Vaterlandes, damit auch aus seinen R ihen kraftvolle, nationalstolze Männer heranwachsen. die mit dazu beitragen, daß unserem Daterlande wieder die Sonne lacht. (Langanhalt oder lebhafter Beikall.) Die lange Reihe der
(Hlrickninlisch--Attsprache.r
eröffnete Beigeordneter Dr. Seib im Ramerr der Stadtverwaltung. Er sprach zunächst die
Oie Lichiwirischaft
behandelt Wirtschastsfragen vom Standpunkt ber Beleuchtung. Sie bekämpft den Irrglauben vom Luxus der elektnschen Beleuchtung und fordert von jedem die Nutzbarmachung der dem Licht innewohnenden wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte.
Unfere Anzeigenfolge wird sich mit Fragen befassen, die sich hieraus für Sondergebiete ergeben. 1


