Nr. 62 Viertes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyeften)Samstag, H März 1925
Außenpolitische Umschau.
Don Professor Dr. Otto Hoehsch. Rk. d. R.
Eicherheits frage und Völkerbund, darum drehen sich jetzt alle Erörterungen in der groben Politik. Dahinter tritt leider die andere große Frage, nämlich die Neugestaltung unserer Handelsbeziehungen burd) Verträge sehr zurück. Die Verhandlungen mit Frankreich kommen zwar nicht recht voran Aber in dem Provisorischen, dos die Abschlüsse immer an sich tragen, liegt doch eine Gefahr. Gewiß ist nicht absolut bindend, was jetzt in Daris feftgelegt worden ist, aber es legt die Verhandlungen doch weiterhin fest Und ohne auf die Einzelheiten einzugehen. muh immer wieder betont werden, daß diese Verhandlungen ohne Grundlage und ohne Prinzip geführt werden Es hat keinen rechten Sinn, diele Einzelbesprechungen zu pflegen, da die handelspolitische Rüstung noch nicht fettig und da ist. Daran muh mit aller Kraft gearbeitet werden. Der Kamps um die grundsätzlichen Fragen auf diesem Gebiet muh durchgefochten werden, und für die Wirtschaft ist es natürlich um so wertvoller, je früher die Entscheidungen fallen und je eher sie sich auf die neuen Verhältnisse einstellen kann.
Aber im Augenblick hat sich alles mit der SicherheitSsragezu beschäftigen Die wenig übersichtlichen und verworrenen Verhandlungen und Erörterungen über dieses Thema werden jetzt etwa- klarer. Die großen Linien heben sich ab. In denen auf der anderen Seite eine Einigung wenigstens gesucht wird. Das kommt daher, daß die englische Politik nun allmählich größere Klarheit gewonnen hat. Sie hatte längst erkannt. gibt aber jetzt vor der Oeffentlichkeit, in den Ministerreden und in. den Zeitungen zu. dah die SicherheitSsrage nicht nur die französische Sorge vor angeblicher deutscher Gefahr ist. wobei Frankreich eben Englands Beistand haben müsse, sondern dah die Sicherheitsfrage zugleich und vielmehr ist eine Frage der Sicherheit für — England. Endlich zieht man in der englischen Oeffentlichkeit die Schlußfolgerungen aus dem Kriege und seinen Rüstungen und Mitteln, dah England den Charakter als 3 n f e I verloren hat. Mit aller Offenheit hat sich Chamberlain in seiner Rede vom 6 März dahin ausgesprochen, und wenn England für sich Sicherbeit sucht oder fordert, von wem kann die Bedrohung unter den heutigen Verhältnissen denn auSgehen? Doch nur von Frankreich!
Ein Bündnis mit Frankreich und eine M li» tärfonoention lehnt die englische Politik und Oeffentlichkeit ab. Dor allem die großen Kolonien wollen das in keiner Weise. Will man die Sicherheit in dem bezeichneten weiteren Sinne, so bleibt nichts anderes übrig, als den Weg zu gehen, den Chamberlain eben beschreitet, nämlich den Versuch eines Garantiepaktes zwischen Frankreich und England zu machen, dem Deutschland beitritt, und dem sich 3talien und Belgien anschließen timnen
Lord Dreh hatte daS Verdienst, in seiner Rede hervorzuhek^n, dah dafür absolut entscheidend sei, Deutschland auf einem Fuße a l S gleichberechtigte Macht zu behandeln und so die Sicherheit Frankreichs vor Deutschland und Deutschlands vor Frankreich gleichmäßig zu gewährleisten. TDenn überhaupt aus dieser Erörterung etwaS herauSkommen kann, so ist unzweifelhaft daS der Ausgangspunkt. AuS dem Worte Gleichberechtigung ergeben sich auch die Schlußfolgerungen für die Rutsche Politik ganz von selbst.
Fest steht, daß diese englischen Erwägungen ausschließlich den Westen betreffen. Eine Garantie der deutschen Ost grenze in einem solchen Pakt lehnt England durchaus und unerschütterlich ab. Das ist nun der springende Punkt in den Verhandlungen zwischen Herriot und Chamberlain. Das ist der Hintergrund der Besprechungen in Genf. Will und kann Frankreich ein positives Angebot Englands, wie es jetzt doch sehr ernst vorliegt, ablehnen? DaS ist die Zwangslage Herriots; wir werden sehen, auf welchem Wege er sich herauswindet.
Kreuzworträtsel.
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ES bedeuten di« Wörter von links nach rechtS:
1. Moderner Bühnendichter. 2 Durchsichtige Masse. 3. Zweckloses Geschehen. 4. Gebäude. 5. Erdteil, 6 Deutscher Golt. 7. Deutscher Dichter. 8. Weibl. Vorname. 9. Schauspielerin. 10. Technische Erfindung. 11. Inhalt des Vogelnestes, 12. Gesellschaftlicher Begriff, 13. Männl. Vorname. 14. Grasland. 15. Harne des TodeS, 16. Anredeform. 17. Wärmebezeichnung, 18 Antikes Gebäude, 19. Spülwasser, 20. Futtterpflanze, von oben nach unten:
21. Edler Stein, 22. Fluß im Elsaß. 23. Wertung. 24. Lieberlebende Gattin. 25. Metallische Quecksilberverbindung. 26. Türkischer Landesteil, 27. Gefühlszustand, 28. Planet, 29. Operation, 30. Körperteil, 31 Anrede, 32. Männl. Vorname. 33. Quantitätsbezeichnung. 34. Untere Zwinge an der Säbelscheide. 35. Gruppe. 36 Militärische Formation. 37. Grdsch cht, 38 Leitender Eisenbahnoeamter. 39. Dogelart, 40. Erfinder. 41. Haarbehandlung.
Rätsel.
Zweisilbig.
3n meiner ersten waltet würdig die zweite.
Lind durch die Lüste fliegt froh das Ganze dahin.
Viersilbig.
3n der Musik die ersten beiden ein Tempo, Die letzten ein Mädchenname, durch Goethe bekannt und berühmt.
Das Ganze ein glorreicher Sieg aus dem Kriege, da Sieger wir waren.
Als wir das prahlende Frankreich zu unsren Füßen geseh'n.
Rätsel-Ecke.
Ttlben'Rätsel.
a a an at bä berg brand chat che da de der die dol duld e ei ge ge gel gra hil kan le larb mie mis na nan ne ne o or ra ral saS len fen ta te tel to trich trc.
AuS obigen 44 Silben sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein zeitgemäßes Zitat auS Goethes F .ust ergeben. Die Worte bedeuten: 1. Re enf.uß des Mississippi, 2. Pflanze. 3. militärischen Rang, 4. Musikinstrument. 5. Geliebte des Zeus, 6. männlichen Vornamen, 7. Mu'e. 8. Held der deutschen Sage. 9. Halbedelstein. 10. Stadt in Deutschland. 11. Rordpol orscher, 12. Geschoß, 13. Gebirge. 14. Kirchenltederdichter, 15. scholastischen Philosophen des 11. Jahrhunderts, 16. Wissenschaft. 17. Tugend. 18. Zahnwasser.
Zttateti-Rätsel.
1. Herz, mein Herz, was soll das geben; (Goethe).
2. Ein unnütz Leben ist ein früher Tod; (Goethe).
3. Beim Hammer ist viel 3ammet, (Abraham ä Santa Clara).
4. DaS war kein Heldenstück. Oktavio;
(Schiller).
5. Denn er ist der einzige seiner Art. (Lessing).
6. Unrecht Gut gedeiht nicht;
(Sprüche Salomonis).
7. DeS Menschen Zierat ist der Hut, (Schiller).
8. Unbillig ist es, ohne Grund den schlechten Mann für redllch achten, lSophokles).
Jedem der vorstehenden Zitate ist ein Wort zu entnehmen. Diese ergeben zusammen wieder ein Zitat aus Schillers Maria Stuart.
Auflösungen.
Diamant-Aufgabe.
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Literarisches Rätsel.
Pantalon. H k ite, Isolani, ßeicefter, Orstna, Talbot. Alba, Liebel' .P h i l o t a d“.
Silbenrätsel.
1. Tadel. 2. Oboe. 3. Dattel. 4 Ebro. 5 Steuer. 6. Baden. 7. Lotto. 8. Uljen, 9 Trikot. 10. Eleu, 11. Intrige, 12. Sperling. 13. Truhe. 14. Delphin, 15. Amboß. 16. Gusanna. 17. Luna, 18. Ehe, 19. Bibel. 20. Eleve. 21. Reisen .Todesblüte ift bad Leben, Gebend - blüte ist derTo d." Graf Löben.
Zahlenrätsel.
Mimik. Oktroi. Rom, Isis, Torte. Zwei, Morse, Otto. Sims. Ziinmet, Krim, Osiris, Worms, Sylomore, Kirmes, Dock: Moritz Moszkowsky.
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch.
Der temperamentvolle Feuilletonchet einer Zeitung bekommt eines Tages ein Gedicht zu- gesandt mit dem Titel .Weshalb lebe ich?" Er liest es und sendet es mit folgender Antwort zurück: .Weil Sie so vorsichtig waren, mit Ihre Verse mit der Post zu schicken.'
Ein vor Jahren in Berlin bekannter Theater» kritiker wurde beschuldigt, eine Kritik wörtlich abgcschrieben zu haben. Die Angel.genheit war für ihn so peinlich, daß er sich eine Zeitlang nirgends sehen lieh. — Ein Herr sagt < zu Blumenthal: .Wo ist eigentlich der 3L. den sieht man doch gar nicht mehr?" B. antwortet. .Das wissen Sie nicht? — Der ist in London — schreibt den Hamlet I" —
Gespräch. „Hast du einen guten Platz, Liebchen?" — 3a. — »Ist dein Rückenkissen auch recht weich?" — 3a." — .Und zieht'- nicht da, wo du sitzest T* — .Rein, Geliebter." — .So — dann laß und mal den Platz wechseln."
— Stilblüte: ... Zu seinem großen Schmerze starb Schmidt auf seiner Erholungsreise in die Schweiz, die er zur Kräftigung seiner Gesundheit unternommen hatte.
— Die Sachkundige. Da» jungverheiratete Frauchen geht einkaufen und will dem Händler trotz ihrer Jugend imponieren .Warum sind die Eier eigentlich so furchtbar klein?" fragt sie mißbilligend. .3ch bekomme sie nun mal nicht ?-öfter vom Lande." antwortet der Händler, .sie ommen jeden Morgen ganz frisch. .DaS ist eben das Unrecht von den Bauern," erwidert unsere Kennerin. .Sie haben ed so eilig damit, ihre Eier zu verkaufen, daß sie sie immer zu früh aus dem Rest nehmens"
Bei Professors
Sic: „Steh nur, heut nacht ist Schnee ge» fallen!"
Er: .Da muh ich aut geschlafen haben, den» ich habe nichts gehört!"
In diesen ganzen Verhandlungen hat Deutschland mit eigener Initiative eingegriffen. Die Aktion hat sich sehr im geheimen vollzogen, und begreiflich genug ist die Beunruhigung, die weithin in Den nationalen Kreisen darüber entstanden ist Hier steht sehr vieles aus dem Spiel. Hier kann unendlich viel verdorben werden, und mtl deutschen Angeboten haben wir oft genug sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Richtig ist, wenn Deutschland sich in diese Sicherheitsdiskussion einschaltet Es kann nicht daneben stehen, wenn, wie es den Anschein hat, alles auf eine große internationale Konferenz wieder hindrängt, in der über diese Dinge entschieden wird, und die dann die Bedeutung einer neuen Londoner Konferenz erhalten könnte Insoweit ist es richtig, wenn die deutsche Politik aktiv vorgeht. Falsch wäre es aber und sehr gefährlich, wenn damit bereits bestimmte Angebote, formulierte Vorschläge verbunden würden Etwa in dem Sinne, daß Deutschland einen West- garantiepakt mitmachen und im Osten den Aus
weg tn einem Schiedsgerichtsvertrag suchen wollte. Falsch und gefährlich wäre ein solcher Weg! 3n der Anregung der deutschen Regierung, die Chamberlain und auch die französische Presse als .Vorschläge" ober Angebote" bezeichnet haben, sind positive und konkrete Vorschläge nicht enthalten, sondern nur der Standpunkt Deutschland» grundsätzlich bezeichnet
Sine sehr aroße und sehr verwickelte Aufgabe ist damit heraufgezogen Sie erfordert ganz kühle Erwägung und eine Ueberfkftt über die große Weltpolitik, wie kaum je zuvor. Denn selbstverständlich kann Deutschland seine Entschließungen ohne den Blick auf Rußland und Amerika nicht fassen Und das A und O der ganzen Sache ist, wenn überhaupt etwas heraus- »mmen soll, daß die andere Seite Deutschland als gleichberechtigte Macht, als m i t - bestimmenden Faktor behandeln muß. Zugeständnisse, die gefordert werden, müssen freiwillig und auf beiden, auf allen Seiten gleichwertig gemacht werden. Will man Deutschland an diesen Fragen beteiligen (und wenn im englischen Sinne
etwas HerauSkommen soll, ist daS ohne Deutschland nicht denkbar), so m u ß man den deutschen Lebensnotwendigkeiten und LebcnSinteressen Rechnung tragen. Will man Deutschland nicht als gleichberechtigte Macht behandeln, so schließe man gleich von vornherein die Akten.
Mit Skepsis und Zurückhaltung, aber mit wachsamen Augen und ftar über das. was niemals zugestanden werden kann, hat die deutsche Politik ihren schwierigen Weg zu gehen. ES liegt auf der Hand, daß auch deshalb dringend notwendig ist die Rückkehr zur sachlichen Arbeit, daß möglichst bald die durch den Tod des Reichspräsidenten entstandene Lücke wieder ausgefüllt wird Die nächsten Wochen fordern in der Außenpolitik Konzentration, Sammlung Entschlußkraft, und fie fordern deshalb, dah Re- fjerung und Parteien sich eindringlicher unb tärfer mit diesen gewaltigen außenpolitischen Fragen, die in der Forderung der Sicherheit beschlossen sind und zur Entscheidung bränaen beschäftigen und beschäftigen können ald bishert
Der Zinnsoldat.
Während der Wesse hat in Leipzig im Allen Rathaus, in dem die Völkerschlacht mit über taufend Zinnfiguren plastisch festgehalten ist, eine Ausstellung von Zinnsoldaten Leipziger Sammler stattgefunden. Da sich in Leipzig eine der größten und wertvollsten Sammlungen befindet, Die es auf diesem Gebiete gibt, die bed Herrn Hofrats A. K 1 a m r o t h , so ist die Ausstellung ein Ereignis zu nennen, das auch über einen engeren Rahmen hinaus Bedeutung hat.
Dor kurzer Zeit erschien im Verlag Herbert Stubenrauch (Berlin) ein Buch von Theodor H a m p e , dem Leiter des Germanischen Museums in Rürnberg, ..Der Zinnsoldat, ein deutsches Spielzeug", als erster Band der „Heinen volkskundlichen Bücherei". Das Buch ist geeignet, einen fast vollständigen Lieberblick über den gegenwärtigen Stand der Kenntnis von Art und Entwicklung der Zinnfigurenfabri.'a:ion zu geben. Das reiche Bildmaterial stammt zu wesentlichen Teilen aus den Sammlungen des Hofrats Klamroth (Leipzig), aus dem Germanischen Museum in Rürnberg, aus dem Belitz des Zinn igurenfabri anten Ernst Heinrich 1 en (Rürnberg) und Otto Glaser (Probstheida». Das Buch ist auch insofern zu begrüßen, als es einen entschiedenen Vorstoß auf ein von der volkskundlichen Forschung bisher stark vernau)- lässigtes Gebiet unternimmt.
Die Scharen hübsch bemalter Bogenschützen und Speerkämpfer aus Holz, die sich in alt» ägyptischen Gräbern gefunden ft oben, können allerdings noch nicht als Kinderspielzeug an- gesprochen werden, sondern sie wurden dem Toten
als eine Leibwache mitgegeben, die im Jenseits mit ihm zusammen zu neuem Leben erwachen sollte. Doch läßt sich der Charakter des Spielzeugs bei einigen urgeschichtlichen Funden vermuten, so z.D. dem bei Rosegg in Kärnten ausgegrabenen primitiven Rett^rlein der Hallstallperiode und einigen anderen vorgeschichtlichen Bleifiguren, z. D. den sog. „Schardana", kleinen Kriegerfiguren aus Bronze, die auf Sardinien und in Italien aus vorchristlicher Zeit gefunden wurden. Solche kleine Statuetten aus Blei, Zinn und Bronze find nn griechischen und römischen Altertum in nicht unbeträchtlicher Zahl gefunden worden, und es ist durchaus glaubhaft, dah die antiken Kinder mit solchen Figürchen gespielt haben. Im Mittelaller mehren sich dann berartige Beispiele Für das Spielen der Kinder mit Soldaten zeugen auch Abbildungen, wie die berühmte Darstellung aus dem „Hortus belidarum“ der Aebtilsin Herrgd von Landsberg, und die geharnischten Reiter, mit denen auf einem Holzschnitt Burgmaiers Kaiser Maximilian als K.nd ein Turnier aufführt. Ob die kleinen Schiffe mit ihren vielen menschlichen Figürchen, die uns als künslliche Goldschmiedcarbeiten erhalten sind, den Kindern als Spielzeug dienten, ist fraglich.
Die erste urkundliche Rachricht über eine wenn auch noch bescheidene Zinnfpiclfiguren- Industrie ist uns aus R ü r n b e r g für d s Jahr 1578 bezeugt; die Geschmeidegießer erhielten hier das Recht, auch „zinnernes Kinderwerk, da ein Stück über 10 oder 12 Pfennig nit wert ist", herzustellen. Das fünfte- und erfindungsreiche Rürnberg mit seiner Fülle betriebsamer Handwerker war ja besonders dazu geeignet, auch die Spielzeugindustrie auszugestalten. Köstliche, mit größter Sorgfalt gearbeitete Figuren dieser Art
sind verschiedentlich von reichen Fürsten bestellt worden. Den eigentlichen Anstoß zur Entwicklung der Industrie gab aber der französische Hof. Der nachmalige Ludwig XIII. erhielt als dreijähriger Knabe 1604 „eine kleine Kutsche voll von Puppen" geschenkt, und später besaß er ganze Schwadronen von Bleisoldaten, die er'ten in g ö- ftcrer Anzahl hergestellten Spielsoldaten, von denen wir wissen. Don diesen ersten richtigen Spielsoldaten, mit denen sich der kleine Herrscher vergnügte, ist ein Stück bet ©ra- bungdarbeiten in Paris ans Acht gekommen; ed ist ein etwa 7 Zentimeter hoher, auf einem Rundsockel stehender Musketier in der Uniform Ludwigs XIII. Für Den kleinen Sohn Ludwigs xIV. wurden bann noch viel kostbarere Spielsoldaten aus Silber von dem berühmten Rürnberger Mechaniker Hans H a u t s ch berge» stellt, und zwar machte kein geringerer als Der große Festungsbaumeister Dauban die Entwürfe. Der sich zu diesem Zwecke selbst nach Rürnberg begab. Diese mechanischen Kunstwerke konnten sich bewegen und allerlei Kriegsübungen ausführen. Als diese „beiden Nürnberger Armeen" Dem Sonnenkönig vorgeführt wurden, sagte er selbst bewundernd: .Man muß zugeben, daß die Deutschen viel Geist haben," und als darauf ein Höfling bemerkte, die Franzosen hätten doch noch mehr .gab ihm der König die Antwort: „3a, um Kleidermoden zu erfinden."
So wurde durch französischen Einfluß die Industrie Der Spielsoldaten in Rürnberg etnge- führt, und sie erhiell innerhalb der .Docken- macherei", an der sich 17 Gewerbe beteiligten, eine bescheidene Stellung. Aber seinen Einzug in die Kinderstube des deutschen Volkes hielt der Zinnsoldat erst unter Friedrichd. Gr., Der durch die strenge Einführung der Uniform den
Gedanken an die Herstellung größerer Mengen gleichförmiger Figuren nahelegte und dessen Siege überhaupt Die Freude am Soldatenspiel belebten. Goethe hat das Spielen mit Zinw» soldaten. das er als Kind liebte, in feinem Knabenmärchen .Der neue Paris" dichterisch verklärt. Seitdem ist der Zinnsoldat unter und heimisch geworden.
Frankfurter Schauspielhaus.
S a r d o u s alle schmissige Komödie .M a • Dame Sans Göne" wird gegenwärtig mit dem von früher her gewohnten starken Publikumserfolg im Reuen Theater gegeben. On revient toujours ä fed Premiers amours! Das gilt auch für diesen Reißer. Cs gilt in diesem Falle doppelt, denn mit Poldi Sangoro, einer der beliebtesten Schauspielerinnen Frankfurts, ist eine Darstellerin zu kurzem Gastspiel zurückgekehrt, der das Reue Theater in seinen ersten Entwicklungs- und Stabilisierunasjahren unendlich viel zu danken hat. Es ist noch immer die fesche, liebenswürdige Künstlerin, voll Temperament und Laune, Die aus Dem Wäscherinädl eine Figur zu machen versteht, deren Wirkung sich das Publikum nicht entziehen kann. Dor Poldie fangota erschien in der gleichen Rolle Hermine Körner von München. Zwei gegensätzliche Daturen, aber zwei reiche Gestalterinnen und Könnerinnen. Heber Den Charakter Der Darad erolle hinaus ist die unverfälschte Ratürllch. feit Hermine Körners zu preisen: die Trägerin eines tragischen Rollenkreises. Die sonstige Maria Stuart und Lady Milford, eine der besten Darstellerinnen Der deutschen Bühne, entfesselte Beifallsstürme durch ihre liebenswürdige Anmut, ihren mitreißenden Humor und ihr virtuoses Charakterisierungsvermögen. L w.
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