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borf Dr. Grühner ba8 Unfimrige dieser An­würfe mit aller Schärfe klargestellt hat.

Ebenfalls ein rheinisches Kind ist der Kan­didat des Zentrums Dr. Marx. Er ist lange Jahre als Richter in verschiedenen Städten des Rheinlandes tätig gewesen und betrat schon früh die parlamentarische Laufbahn als Abgeordneter des preußischen Landtags und seit 1910 auch des Reichstags. Ramentlich widmete er sich hier der Schulpolitik, bevor er 1921 Vorsitzender der Reichstags fr aktion des Zentrums wurde. Als Reichskanzler deS Kabinetts, das die Veichand- langen über das Dawesgutachten führte und als Führer der deutschen Delegation auf der Londoner Konferenz erwarb sich Dr. Marx durch die vornehme Sachlichkeit seiner Verhandlungs­führung und die Ausgeglichenheit seiner Person im In- und Ausland großes Vertrauen, das er sich jedoch durch ferne unklare Haltung in den Regierungskrisen des vergangenen Jahres und seine erneuten, von stetem Wiherfolg begleiteten Bemühungen um ein Kabinett der sog. Volks­gemeinschaft in Preußen zum guten Teil ver­scherzte. Als Exponent einer einzigen, noch dazu scharf konfessionell eingestellten Partei hat Dr. Marx naturgemäß einen weit beschränkteren Aktionsradius als seine Mitbewerber für den Drasidentensesfel.

Dr. H e l l p a ch, der demokratische Präsident^ schaftskandidat, ist außerhalb seiner badischen Wahlheimat weniger bekarmt. Er ist eigentlich Mediziner, wurde 1911 Professor für Psychologie und Pädagogik an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und erwarb sich als Verfasser von zahlreichen medizinischen und pädagogischen Schriften bald einen Ramen in der wissenschaft­lichen Welt. Trotzdem er dem badischen Landtag nie angehörte, ist er seit Oktober 1922 Minister für Kultus und Unterricht und bekleidet augen­blicklich nach verfassungsrechtlichem Brauch im Wechsel mit seinen Ministerkollegen das Amt des badischen Staatspräsidenten.

In den nächsten Tagen werden vermutlich die Präsidentschaftskandidaten sich an die Oeffent- lichkeit wenden. Pflicht eines jeden Wählers ist es, sich in der noch verbleibenden kurzen Zeit­spanne Rechenschaft darüber abzulegen, welcher Persönlichkeit er das Staatsruder anvertraut wissen will, welcher Kandidat ihm seiner poli­tischen Vergangenheit nach verbürgt, daß er über alle Parteien hinweg als unabhängiger, auf­rechter deutscher Mann, als Hüter des Rechts, als nationaler Erzieher und Förderer des sozialen Ausgleichs das Amt des Reichspräsidenten zum Segen des deutschen Volkes verwalt»? wird.

Ur. 62 Erster Blatt

|Z5. Jahrgang

Samstag, März 1925

Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Kandidaten.

Vom 29 März, dem Tage der ReichSpräfi- dententvahl, trennen uns nur noch 14 Tage. Pa war eS an der Zeit, die Ramen der Kan­didaten bekanntzugeben, die man dem Volk zur Wahl seines Staatsoberhauptes Vorschlägen teilt Die Sozialdemokraten, von denen die bürgerliche Linke Verzicht auf einen eigenen Kan­didaten zugunsten einer republikanischen Sammel- randtdalur erhofft hatten, traten als erste Partei mit ihrem Kandidaten Braun hervor.

Sin Ausschuß, der sich schon Ende vorigen Sahres unter dem Vorsitz des ehemaligen preu­ßischen Innenministers und jetzigem Präsidenten M Reichs rgerrotS von Loebell aus Bet­tretern aller Parteien der Rechten anfangs auch des Zentrums, der vaterländischen Organffatio- ren, des Reichslandbundes, von Industrie und Handel gebildet hatte, einigte sich am vergangenen SamStag bereits aus die Person deS Duisburger Oberbürgetm elfter«, ehemaligen Reichsinnenmini­ster« Dr. Jarre« Der Ausschuß suchte bann auch da« Zentrum und die Demokraten für seinen Kandidaten zu gewinnen und lieh sich als diese Kandidatur auf Widerstände stieß auf Verhand­lungen über andere Persönlichkeiten ein. So ver­ging lag um Tag Jede neue Stunde brachte «ine neue Situation, neue Verwirrung, neue Miß­verständnisse. AIS dann endlich mit fester Hand Jugepacki wurde, um dem Hin und Her ein Ende äu machen, schob man die Verantwortung für den Abbruch der Verhandlungen und das Richtzu­standekommen einer bürgerlichen Einheitslandi- Datur von einer Partei auf die andere. Dem Zentrum scheint es mit der Kandidatur Geh­le r, die man schließlich mit einiger Aussicht auf Erfolg zur Debatte gestellt hatte, von vorn­herein wenig ernst gewesen zu fein. Es bat viel­mehr ganz offensichtlich versucht, durch die in zahllosen Krisen oft erprobte DerschleppungS- taftif die bürgerliche Einheitsfront des Loebell- schen Ausschusses zu sprengen und für eine Kandi­datur Marr mürbe zu machen. Anders ist die Entschsußlosigkeit des Zentrums nicht zu ver­stehen, seine Unterhändler blieben ohne Voll­macht zur endgültigen Annahme, erbaten Stunde um Stunde neue Bedenkzeit und zögerten die Entscheidung solange hinaus, bis man auf der Gegenseite das Spiel durchschaute und durch ein sofortiges aul-aut beendete

Gewiß ist eS auherordenllich bedauerlich, dah sich aut diese Weise die Hoffnung auf ehre ®rn- heitskandidatur aller bürgerlichen Parteien und Gruppen wenigstens für den ersten Wahlgang zer­schlagen hat und nun das Bürgertum gespalten ir den Wahlkampf zieht. Aber bei einer weiteren Verschleppung der Verhandlungen drohte die eigenbrödlerische Tendenz einzelner Gruppen und Ginippchen durch Aufstellung von Sonderkandida- hrren auch auf der Rechten zu Absplift-rungen zu führen So propagierte der Jungdeutsche Orden eine Kandidatur De« Generals von Seeckt, troftbem der Chef der Heeresleitung schon zu Beginn des Wahlkampfes genau so wie der Leichskanzler Dr. Luther gebeten hatte, von einer Aufstellung seiner Person Abstand zu mehmen. Auch andere Sonderteünsche, die auf ben ehemaligen Reichskanzler Michaelis, auf ben Verteidiger Ostafrikas General von ßet = toto-Borbccf oder schließlich gar auf einen besonderen Aufteertungskandidaten abzielen, wer­ben zugunsten der bürgerlichen Einheitsfront zu- eudgcfteUt werden müssen.

3um ersten Rial seit vielen Jahren wählt daS deutsche Volk nicht irgend eine von Parteien Qm zurechtgemachte L'ste von meist unbekannten Damen, sondern eine einzelne Persönlichkeit. Zum ersten Male seit der Reichstagswahl von L912 sollen die Wähler nicht über tote Partei­programme. sondern über Menschen abstimmen, über Menschen, deren Persönlichkeit und politische | Tätigkeit den breiten Massen seit langem bekannt Jlnb. Der deutsche Wähler w rd zum ersten Mal txi neuen Staat nicht parteipolitisch, sondern AaatSpolit sch denken und handeln müssen, er wird selbst unterscheiden müssen, welche Persönlichkeit ihm des Vertrauens würdig zu sein scheint, das höchste Amt zu betreiben, d.rs das Deutsche Reich ki vergeben hat. Da es dieses Mal also nicht jxrrtcibogmcn zu verfechten gilt, ist zu hoffen. Daß sich der Wahlkampf in vornehmeren und ge­mäßigteren Formen abspielen wird als hn De- 4r"mber vorigen Jahres. Die Kürze der Zeft wird auch dazu beitragen, daß die Gegensätze sich nicht so anSto rten, wie es im Winter be» diuerlicherwcise in den langen Wochen des Wahl- k-impfes der Fall war. Vor allem wäre es grundfalsch, wollten nun die bürgerlichen Kan- 'bidaten einant-ci befehden. Wenn auch der Kan- bidat der Rechten Dr. Jarres durch die großen s bürgerlichen Gruppen und Bereinigungen, die 1 b'.ntcr ihm stehen, die Wahrscheinlichkeit für sich Ölt. schon im ersten Wahlgang die absolute Mehr- b?it auf sich zu vereinigen, so ist doch immerhin durch die Splitterkandidaturen des Zentrums unb der Demokraten mit der Möglichkeit einer Stichwahl zu rechnen und für diesen zweiten Dahlgang muß es bann zum Zus ammen- shluß des gesamten Bürgertums -inter einer Einheitskandidatur kommen, die für d-m ersten Wahlgang sich bedauerllcherweise noch nicht hat erreichen lassen. Lind dazu heißt es sth int gegenwärtigen Wahlkampf die Arme frei falten und keine unnötigen Gegensätze schaffen, Me nach der Wahlschlacht schwer zu überbrücken flnb.

Die bürgerlichen Präsidentschaftskandidaten lind den breiten Wählerin ff en snt langem als Männer bekannt, die im p lltischen Leb n Deutsch­lands eine führende Rolle spielen. Dr. 3ar-

Die Genfer Verhandlungen.

Das Begräbnis des Genfer Protokolls. Der Garantiepakt zu Fünfen.

Die Rede Chamberlains in Genf hat eine reinliche Scheidung der Geister herbei­geführt- Herr B e n e s ch , der Vater des Genfer Protokolls, ist dadurch In eine unangenehme Situation geraten, er hat sich nicht anders zu Helsen gewußt, als einen Vertagungs­antrag tzu stellen, der auch angenommen wurde. Bis zur nächsten Tagung wird sich also nunmehr reichlich Gelegenheit geben, das von Chamberlain angesteuerte Ziel der direkten Ausein­andersetzung zwischen Frankreich und Deutschland zu erreichen. Die .Times" erflärt auch bereit« in einem Kommentar zur Chamberlainschen Rede, Frankreich und Deutsch­land möchten die Vereinbarungen treffen, die der englische Außenminister Vorschläge, England werde dann nicht zögern, einem derartigen Ab­kommen beiz u treten.

DieRation" sagt, der deutsche Vorschlag eines Fünfmächtepaktes sei in seiner Entwicklung von allergrößter Bedeutung, vor allem durch die ernsthafte Aufnahme durch Chamberlain. Der deutsche Vorschlag sei gerade im richtigen Augenblick erfolgt, um seinen bedeutenden Ein- sluß auf die englische Politik auszuüben.

Chamberlain erklärte England trete un­verändert für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und für einen Ralsslh Deutschlands ein. Er ließ jedoch die Frage offen, ob der Fünf er Pakt nur nach oder noch vor Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zustande kommen könne. Für seine Auffassung über den Abschluß von Verträgen zur gegen­seitigen ünterftütiung blieben die letzten Sähe seiner gestrigen Erklärung über den Abschluß von Sonderabkommen rein defensiven Charakters maßgebend. Zur Haltung Eng­lands gegenüber dem Gedanken eines allgemeinen obligatorischen Schiedsverfahrens be­merkte schließlich der Minister, England, daS selbst in zahlreichen Fällen das Schiedsverfahren praktisch angewendet habe, könne sich unter den heutigen Verhältnissen keineswegs im vor­aus dazu verpflichten, das; es alle Fragen dem obligatorischen Schiedsverfahren unterwerfe.

Das Echo. daS btze Genfer Debatte in Frankreich ausgelöst hat. klingt allerdings weniger freundlich, dieKamm nckommiffion für aus­wärtige Angelegenheiten Hit sich einheitlich dafür ausgesprochen, daß die Räumung Kölns nicht früher in Betracht gezogen werden solle, bis nicht daS Problem der französi­schen Sicherheit gelöst sei. Man versucht also jetzt schon krampfhaft, einer sich etwa an­bahnenden Verständigung möglichst große Hinder­nisse in den Weg zu legen. DerTemps" sagt, als Ergebnis des gestrigen Tages lasse sich bie Absicht Großbritanniens fest stellen, das Gen­fer Protokoll durch gegenseitige Ga­rantieabmachungen zu ersehen, zu denen Deutschland herangezogen werden solle. Großbritannien- stehe aber auf dem Standpunkt, daß ein Abkommen mit Deutschland erst nach dem vorbehalllosen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund getroffen werden könne. Ob sich Deutschland aber je dazu bereit erklären werde, fei recht zweifelhaft.Liberte" stellt fest, daß Chamberlatn und Brianb keineswegs in großem Gegensatz zu einander stehen. Zusammenfassend lasse sich sagen, daß sich die Auffassungen Cham­berlains und Brianb« der Stresemannschen zu nähern scheinen.

Die französische Opposition.

Paris. 14. März. (WTB. Funkspruch.) Ere Rouvelle" schreibt:Der Senats-Aus­schuß für auswärtige Angelegenheiten hat die Regierung ausgefordert, der Räumung der Köl­ner Zone nur unter zwei Bedingungen zuzu­stimmen : der Entwaffnung Deutsch­lands und dem Abschlüsse eines Ga­rantiepaktes. Der Kammer ausschuh für auswärtige Angelegenheiten hat sich einstimmig für die Richträumung der Kölner Zone ausgesprochen, solange die Sicherheitsfrage nicht geregelt ist. In den Wandelgängen der Kammer

und des Senats ist eine Stimmung zu bemerken, die mächtig und unwiderstehlich für ein star­res Fe st halten an diesen Bedingungen für die Räumung ist. Es scheint auch, daß die Diplo­maten Frankreichs diese Haftung einnehmen.

Großbritannien muh begreifen, daß es in weitestem Maße dazu beigetragen hat, diese Einigkeit" herbeizrfführen. die natürlich nicht ge­eignet ist, seinen Ansichten zu dienen. Es hat dieseEinigkeit" herbeigeführt mit seiner insu­laren Politik, die darin veleht, mit der einen Hand zurückzunehmen, was es mit der anderen Hand gibt, in einem dauern­den Zustand der Richteriüllung seiner eigenen Unterschrift zu leben und durch die Tatsache, das entschieden zu verneinen, zu dem man sich durch Unterschrift verpflichtet hat. Unsere De- mvfarlte will ruhig leben, d. h., sie will nicht untätig Angriffen ausgefeft, sondern gegen An­griffe geschützt fein. Sie wünscht weder den Besiegten niederzudrücken, noch dem geringsten Zorngefühl Raum zu geben.

Danzig und das Saargebiet.

Die Vrrhand'nnqcn des Pölkerbnudsrats.

Genf, 14. März. (T.U.) Die Rachmittags- sihung des Völkerbundsrats war den Saar- und Danziger Fragen gewidmet. Der Berichterstatter, der Italiener Scialoja, teilte mit, daß sich die Stärke der französischen Truppen im Saar­gebiet aus 4000 Mann belaufe- Der Vorsitzende der Saarregierung. R o a u l t. versicherte, daß die Gendarmerie bis zum 31. März 1925 aus 723 Mann erhöht werde und die französischen Truppen entsprechend zurückgezogen würden. Chamberlain fragte Roault, ob man nicht auf die französischen Truppen ver­zichten könne, sobald die Stärke der Gen» barmerie 1000 Mann erreicht habe. Roauft er­klärte, sich ohne Einverständnis mit den an­deren Mitgliedern der Saar-Regierungskommis- sion nicht binden zu können. Die Frage wurde darauf auf Samstag vertagt. Man erwartet, daß Dcialoja der Saarregierung die Anregung Chamberlains empfehlen wird und eine Unter- br ingung von französischen Trup­pen in französischen Garnisonen in der Rähe der Saargrenze Vorschlägen wird, um sie bei besonderen Anlässen schnell zur Hand zu haben.

Heber die Danziger Frage

berichtete der Spanier Quinones de Leon. Er bedauere, daß Polen die Schlichtung der Streitigkeiten aus friedlichem Wege nt ht ermög­licht habe. Der Rat rnüje daher nochmals be­tonen, dah eine versöhnliche Verstän­digung zwischen Polen und Danig dringend gebeten sei. Die Verträge, auf die sich das Verhältnis Polens zu Danzig gründet, mühten genau eingehalten werden, um jede po­litische K. mplilation zu vermeiden. Er sch age vor, dah der Rat ihn beauftragen möge, zum 10. Mai 1925 gemeinsam mit dem General­sekretär des Völkerbundes und dem Danziger Hohen Kommissar genaue Vorschläge für die Regelung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten auszuarbeiten. Vorher müsse jedoch unbedingt verhindert werden, dah Polen selbständig vorgehe und den Rat vor vollendete Tatsachen stelle, die schlechte Folgen h iben könnten. U iter selb­ständigem Vorgehen sei alles zu versteh n, was die Beziehungen zwischen Danzig und Polen beeinträchtigen könnte. Es könnte sich hierbei sowohl um aktive Handlungen als auch am puss.ven Widerstand h tn ein. Die Entscheidung darüber hrbe der Danziger Hohe Kom­missar zu treffen. Seine Entscheidungen müß­ten bis zum Urtell des Rats für beide Teile verbindlich sein.

Der polnische Außenminister Skrzhnski erklärte, auch Polen wünsche die Befcittgung der Anlässe zu Streitigkeiten. Danzig fei in einer wirtschaftlich günstigen Entwicklung be­

griffen. Senatsprä'ident Sahm bestritt dann die günstige Wirtscha tslage, da von 380 000 Be­wohnern des Danziger Gebiets 10 000 arbeit«- l o s seien. Daraus wurde

die Angelegenheit der polnischen Briefkasten ausgenommen. Der Berichterstatter schlug vor. bei dem Haager Internationalen Ge­richtshof ein Gutachten darüber einzu­holen. Chamberlain befürwortete den Vorschlag, worauf der Rat beschließt, den Internationalen Gerichtshof unverzüglich zu einer Sondersitzung zur Erstattung eines Gutachtens einzuberusen. Die Vertreter Danzigs und Polens erklären sich damit einverstanden.

Ein neuer Hafenchef wurde nickt ernannt, da für den Schweizer Obersten R e h n I e r bisher kein Rachfolger gefunden wurde. Chamberlain wurde beauftragt, sobald eine geeignete Person gefunden sei, sie von sich auß ins Amt einzu- seycn, das bis dahin in den Händen ReynierS bleibe. Obgleich die für Danzig so überaus wich­tige Anerkennung als Staat im inter­nationalen Sinne nicht ausgespro­chen wurde, widerfuhr dem Danziger Standpunkt doch insofern Gerechtigkeit, als Polen durch den Rat gezwungen wurde, den Eisenbahnver­trag mit Danzig zu ratifizieren, wo­rin tatsächlich eine Anerkennung Danzig« als Staat zu erblicken ist. Senatspräsident Sa hm bedauerte auf« lebhafteste, daß keine ge­nerelle Entscheidung in dieser Frage ge­troffen wurde und wies darauf hin, dah gerade hierdurch die meisten Schwierigkeiten entstehen fonnten. Der Hohe Kommissar schloß sich diese' Auffassung ausdrücklich an.

In der Frage der Hafenpoliyei wurde der Vorschlag des Hafenchess. der für eine Probe­zeit von zwei Jahren eine Zweiteilung, Ötabt- und Hafenvolizei vorsi^t, angenommen. SenatS- präsident Sohrn wies vergeblich auf die hierdurch entstehende ülnsicherheit in Danzig hin. In seiner Entscheidung in der Frage der polnischen Zölle kam der Rat den Wünschen Danzigs entgegen, indem er die Zölle für Transit­waren fortfallen ließ. Auch muß die Stobt Danzig vor der Verhängung neuer Zölle befragt werden. Senatspräsident Sahm bedauerte zu die­sem Gegenstand der Tagesordnung, daß Polen nicht gründ,ätzlich die Ausfuhrzölle gegen Danzig aufhebe. In der Frage der polnischen Eisenbahndirektion auf Danziger Gebiet bestätigte der Rat das ilrtetl des juristilchen Komitees, das den Danziger Forderungen gerecht wird.

Neue deutsch-polnische Streitfragen.

Paris, 14. März. (TU.) Die polnische Regierung hat gegen öte im Rovember v. 38. von der Botsch afterkonserenz getroffene endgül­tige Regelung des Zugangs der Bevölke­rung von Ostpreußen zur Weichsel bei der B t chffterkonferenz Protest erhoben und hat außerdem vor allem die Veröffentlichung und Inkraftsetzung dieser Regelung zum 1. Februar ds. Js. a b g e l e h n t. Die polnischen Einwen­dungen richten sich gegen die Bestimmungen der Botschofterkonferenz über die Fischerei in der Weichsel, bcsinderS gegen das Ber- bot der Liquidation der deutschen Fischereigerechtsamkeiten. D.eseS prl- nische Vorgehen droht Deutschland um eine der wen.gen Vergünstigungen zu bring n. die ihm in der von der Botschafterkvnserenz getroffe­nen endgültigen Regelung unter der Fülle un­günstiger Beitimmungen zugebilligt worden sind. Die deutsche Regierung h it. so wenig sie selbst mit der getroffenen Regelung einverstanden ist. gegen diese« Vorgehen der polnisch m Regi rung bei der Botschifterkonferenz Protest einge­legt und daraus gedrungen, dah die polnische Regierung gleichfalls ihre Verpflichtungen gegen­über den Anordnungen der Botschastertonferenz nachl mrne. da andernfalls Deutschland ü erhaupt um alle Rechte aus Artikel 9Z Absatz 5 deS Btt- sailler Vertrags gebracht werden würde.

res. für den sich die gesamte Rechte, zahl­reiche politische Verbände, Organisationen der Wirtschast und des Handels, vermutlich auch die Bayerische Vokkrpartei, einsttzen. ist g borener Rheinländer und seit 1914 als Duisburger Ober­bürgermeister. Oberhaupt einer der größten rheinischen Gemeinwes n. Im Ruhrkampf war er als einer der tatkräftigsten Führer des pas­siven Widerstandes der erste, der noch im Januar 1923 mit Gewalt aus Duisburg aus« gewiesen, das Martyrium der Verbannung auf sich nehmen muhte. Als Symbol für Deutsch­lands Sorge um den deutschen Rhein gaft im Rovember 1923 feine Ernennung zum Vize­kanzler und Reichsinnenminister. der Dr. Jarres in Zeiten schwerster wirtschaftlicher *2Lot. äußerer Bedrückung und innerer Unruhen der Mann des sozialen und politischen Ausgleichs war, der vor allem die für die gedeihliche Ent­wicklung unseres politischen Lebens so dringend notwendige Aussöhnung der nationalen Oppo­sition mit dem neuen Staat anbahnte. Zur richtigen Ch-rJlerfierung be« blcben Verleu.n« dungsfcldzuges, ter Dr. Jarres zum sog. ,Ver- sackungspelitiker" stempeln möchte, genügt der Hinweis, dnh sein parteipolitischer Gegner, der aus dem Ruhrkampf aller Welt bekannte soztal- demokratische Regierungspräsident von Düs sei-