Nr. bl Drittes Blatt
Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berljeflen)
Stettag, (3. März 1925
Das Problem des deutschen Westens.
H. Der Kampf um den Rhein'). Köln, Milte März.
Dom Ruhrgebiet zum Rheinland wechselt die Szene, die Städte bekommen. was die Be- satzungSverhällnisse anlangt, ein ganz anderes äußeres Gesicht. 3m Ruhrgebiet nämlich ist die Besatzung in den beiden letzten Jahren doch am stärksten heroorgetreten. 3m Rheinland hatte sie sich sozusagen eingelebt, man hatte sich an sie gewöhnt, soweit dieser Ausdruck überhaupt möglich ist. Jetzt ist das Militär im Ruhrgebiet saft ganz aus dem Dilde der Straßen verschwunden. Rach dem Londoner Abkommen sind von Paris aus doch Instruktionen zu möglichster Zurückhaltung ergangen. Die Soldaten können auch aus pekuniären Gründen nicht mehr so stark hervortreten wie früher, als der Franken gegenüber der Billionenmark noch Goldwährung war Dazu bnd die Truppen int Ruhrgebiet auch zahlenmäßig einigermaßen vermindert worden, waS zum großen Teil allerdings nur in Form einer Rückverlegung ins Rheinland durchgeführt wurde. Dieser Modus bedingt es schon von selbst, daß die Desahung im Rheinland weit stärker ins Auge fällt. Das englisch besetzte Köln ist durch das Londoner Abkommen gar nicht berührt worden, wenn wir vom äußeren Bilde sprechen. Hier hat sich der Wandel mehr innerlich vollzogen. Die Engländer haben eine Reihe von Funktionen, die sie sich in den ersten 3ahren Vorbehalten hatten, wieder an die deutschen Verwaltungsorgane zurückge- geben. Manche 'Bestimmung, die für die Bevölkerung eine schtvere Härte bedeutete, ist fallengelassen oder zum mindesten durch eine ver- nüftigere ersetzt worden. Trotz alledem bedeutet die Besatzung auch hier, ganz abgesehen von der psychologischen Auswirkung, ganz abgesehen von dem demütigenden Gefühl, das ihre Gegenwart an sich für jeden anständigen Deutschen mit sich bringt, in allen Zweigen des öffentlichen, politischen, tvirtschaftlichen und kommunalen Lebens eine B e l a st u n g, die wie ein Reh hemmend über der freien Entwicklung liegt. Wenn der Kölner Oberbürgermeister kürzlich selbst von gewissen Erleichterungen sprach, die in der letzten 3ett eingetreten sind, so unterstrich er nichts- destotveniger die Rotwendigkeit, daß die Räumung des Rheinlandes die erste Sorge der Reichsregierung fein müsse.
Man muß nach Wochen noch auf diese Mahnung zurückkommen, denn sie trifft den Kern aller Probleme des Rheinlandes. Ehe die Besatzung nicht heraus ist, ist ein geordneter Ausbau gar nicht möglich Aus der anderen Seite aber muß das unbesetzt^ Deutschland, muß vor allen Dingen Berlin sich vor einer Gefahr hüten, auf die einsichtige Kenner des Westens schon seit Jahr und Tag immer wieder hingewiesen haben. DaS ist die alte Klage, daß es so furchtbar schtver fei, mit Berlin „Tuchfühlung" zu bekommen. ES gibt kluge Leute, die der Ansicht sind, daß hier auch eine der wesentlichsten Schuld- fragen für daS Abbröckeln und schließlich das Erliegen des passiven Widerstandes zu suchen ist. Hüten wir unS, daß wir diesen Fehler noch einmal machen. 3m Grunde genommen wird er ja täglich gemacht. Aber sorgen wir um so mehr dafür, daß er sich vermindert. Man darf nicht vergessen, daß hier im Westen gerade wegen der Schwieriakeit der Derteidigung die Haupt- front des deutschen Volkes ist. Halten wir sie nicht, dann wird Deutschland so stark amputiert, daß es diese Operation bei dem ohnehin keineswegs gesunden Zustand seines Staats- u,td Dolkskörpers und nach allem, was voraus- gegangen ist. kaum Überstehen wird.
3m besetzten Gebiet herrscht- auch bei den führenden Kreisen des öffentlichen Lebens der Eindruck, daß die Franzosen wohl in absehbarer
•) Siche auch Gieß Anz. Rr. 50 vom 28 Febr. (Rachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten I)
Die Diene in der Geschichte |
Don H Erdmann.
Die Biene begleitet den Menschen ebenso durch seine ganze Geschichte, wie das hilfsbereite Pferd, das nahrungspendende Rind und der treue Hund. Don dein 3mmenleben raunt die Sage, und ihr geheimnisvolles Leben wird oft zum Gleichnis für Unfaßbares, für Hohes und Heiliges. Die Biene hat eine weite Heimat, Don der heißen Zone mit ihren wunderbaren Blüten- tcichtum. durch die gemäßigte Zone bis zum Polarkreis, wo irgend Bäume ragen und Blüten duften, ist die Diene daheim. Mit den Menschen wanderte sie von der alten Welt nach Amerika und Australien. 3n Amerika hat sich dieses wundersame 3nfeft besonders eingebürgert und mehrt Freude und Reichtum.
An Alter überragt die Diene den Menschen bedeutend. 3n der geologischen Periode der Kreide traten die ersten Dlütenpslanzen auf, und Im Tertiär finden wir neben wenigen anderen 3nfekten auch die e r st e B i e n e. 3n den Steinbrüchen bei Oehningen. Amt Konstanz, bat man sie entdeckt, und in Zürich bewahrt man diese älteste fossile Diene auf. 3n Pfahl- bauresten gibt es Tongesäße, die nach Ansicht der Forscher zum Seihen des Honigs dienten.
Ganz sichere Kunde von den Dienen haben wir in dem Schrifttum der alten Kulturvölker des Morgen- und Abendlandes. Dei den Aegyptern wurde der Honig beim Gottesdienste verwendet. Die heiligen Krokodile und der heilige Qtier Apis wurden gar mit Honigkuchen qctüttc'-t. Wachs diente dm 3F'*av'f*e 1 zur Einbalsamierung der Leichen. 3n der D i b e l wird der Honig 38 mal genannt, und Palästina ist das „2a.io. wo Milch und Honig fließt1. 3n
3eit aus dem Ruhrgebiet herausgehen werden, aber damit ist auch die starke Derürchtung verbunden. daß sie sich a u f den Rhein zurück- ziehen und alles aufbieten werden, um ihn nicht aus den Händen zu lassen, eine Anschauung. die ja schließlich nicht nur durch die De- satzungsverhältnisse. sondern auch durch die offizielle Politik der französischen Regierung leider nur zu sehr bestätigt wird Der Kampf um den Rhein, der nun schon tausend 3af)re zwischen den benachbarten Völkern tobt, wachst damit für uns in eins der kritischsten Stadien hinein. Die Geschichte dieser tausend 3a&re kann kaum Zweifel darüber lassen, daß Deutschland doch letzten Endes der Sieger in diesem Ringen fein wird, nicht nur, weil die Abmeffung der Kräfte der beiden Gegner, die Möglichkeit ihrer weiteren Stärkeentwicklung zu dieser Aussicht berechtigt. sondern auch, weil wir die inneren Kräfte des rheinischen Volkes auf unserer Seite haben. Wenn man jetzt wieder ins Rheinland kommt, muß man den Eindruck haben, als sei es nie so deutsch gewesen wie gerade in diesem Augenblick, da die Verschiebung der Räumung als neuer Albdruck über dem Land liegt.
Aber vergessen wir eins nicht: Das Rheinland hat eine besondere Mentalität. Es hat seine Eigenarten, die wir als StammeseigenfchU- len im deutschen Gesamtbilde nicht missen möchten und weiß Gott auch nicht entbehren könnten. Aber sie erlegen dem unbesetzten Deutschland und vor allen Dingen der deutschen Politik besondere Pflichten auf. nämlich die Pflicht der flammesgemähen Rücksichtnahme und des pfleglichen Eingehens auf die besonderen Wünsche, die sich aus der Rot des besetzten Gebietes von selbst ergeben. 3m Rheinland sitzt ein anderer Schlag als etwa im preußischen Osten. Seit den Zeiten von Gorres hat sich wohl schon eine stärkere gegenseitige Befruchtung innerhalb Preußens durchgeseht. Aber die Verschmelzung muß noch enger werden. Das geht nicht mit dem Mittel banal ausgedrückt — preußischen 3rnports zum Rheinland, sondern nur durch eine Härtere Heranrückung des Westens an die centrale des Reiches. Zweifellos haben wir darin gewisse Fortschritte gemacht, seit die beiden Ramen Luther und 3 a r r c s in der deutschen Politik mit an der Spitze stehen. Aber Dr. Jarres hat sich wieder -urückgezogen, und was Herrn Dr. Luther anlangt, so muß die ganze Reichsregierung, müssen alk verantwortlichen Stellen in Berlin dabei helfen, daß der erste Rheinlandbesuch des Kanzlers bei der Fülle der Aufgaben, die in der Kompliziertheit unserer augenblicklichen Verhältnisse auf ihm lastet, nicht eine bloße Geste bleibt. Herr Dr. Luther hat einen stärkeren Anfang zu engerer Tuchfühlung gemacht Hoffen wir, daß sie nun dauernder und stärker befestigt wird. Wohin man hört, überall hier im Westen kann man von dem Eindruck hören, daß das Reich sich noch lange nicht genug um das besetzte Gebiet kümmere, daß namentlich aber auch d i e breite Masse der Bevölkerung des unbesetzten Deutschlands leider noch immer nicht daS Gefühl für die besonderen Sorgen und Röte des Rheins habe. Der Oberbürgermeister einer der größten Städte deS Westens sprach mir mit tiefer Bitterkeit davon, daß Deutschland sich mit Skandalen zudecke und das Rheinland darüber vergesse.
DaS alles sind Stimmungen, Imponderabi- lien, die sich schwer in konkrete Formeln bringen lassen. Man kann daS Rheinland eben nur verstehen, wenn man eS kennt, wenn man seinen Pulsschlag gefühlt hat, man kann aber auch feinen großen Wert für unser staatliches wie für unser wirtschaftliches und kulturelles Leben nur dann ermessen. Bald wird nun der Frühling hier einziehen, der Frühllng, der früher einen Strom von Gästen aus dem ganzen Reich an den Rhein führte. Früher — aber in den letzten 3ahren, schon feit dem Kriege her, als der Rhein die Basis der deutschen Westfront war und militärische Rotwendigkeiten eine Abdämmung her beiführt en, vor allem aber nach dem Kriege unter den Schwierigkeiten der Ein-
dcn Spalten des Kreidekalks leben heute noch wllde Bienen, und es schmilzt hier das Wachs, und der Honig flieht aus den Kliff ten heraus.
3n der griechischen Mythologie begegnen wir den Bienen immer und immer wieder. Die Biene hat Zeus genährt und die ihm geweihte Eiche spendet Honig (Ausschwitzung aus den Blättern). Vom Honigtau sagt das Sprichwort: „Zeus regnet Honig". Auf alten griechischen Kunstwerken find oft Dienen abgebildet, und Aristoteles studierte ihr Leben in einem De- obachtungskasten aus Glas.
Dei den alten Römern wurde schon fleißig Dienenzucht getrieben. Diele Schriftsteller erzählen davon. Plinius Sekundus meint: „Den Dienen gebührt der erste Platz unter allen Insekten und die größte Dewunderung: denn sie haben eine Staatsverfassung und sogar eigentümliche Sitten und einen gemeinschaftlichen Zweck." Der Honig kam bei den Romern auf den Altar, unb bei Gastmählem machte der Honig den Anfang und den Schluß. Aus ihm bereitete man Weinmet und Arznei gegen Mund-, Hals- und Drustkrankheit. Dienenwachs verwendeten die Römer zur Deleuchtung, als Politur und Pomade.
Dei unserenVorfahren war die Diene schon längst Haustier, als die Römer in Germanien eindrangen. Der griechische Geograph Pytheas erzählt 33 3ahre vor Ehr., daß die Dewohner des Demsteinlandes Honig auf das Drot streichen und aus Honig und Getreide Met bereiten. Rach Plinius u. a. begegneten den Römern zu ihrem Schrecken auf ihren Zügen durch das germanische Land zahlreiche Dienenschwärme. Mit der Einführung des Christentums wurde die Bienenzucht gewaltig ausgebreitet, und Ambrosius v. Mailand wurde der Schuh
reise und überhaupt des Lebens hier, ist es anders geworden. 3eht aber find diese Hemmungen zum Teil gemildert. Es besteht wieder stärker die Möglichkeit, die Schönheiten des Rheines aufzusuchen. Sucht sie wieder! Der Kontakt innerhalb des gesamten deutschen Volkes wird auch dadurch wieder enger. Das Rheinland selbst wird euch dankbar begrüßen und aufnehmen. Liegt nicht der Sinn unfercs ganzen Wiederaufbaues letzten Endes in dem Zusammentragen lauter kleiner Steine? So helfe jeder denn an feinem Teil mit, die Vorbedingungen schaffen, damit, wie es in dem schönen hoffnungsfrohen Liede heißt, auch der Vater Rhein eines Tages wieder das 3ubellich von deutscher Freiheit fingen kann.
Die albanischen petroleuniselder.
Während des Wellkiieges haben italienische Offiziere der Landarmee und der Marine in Aloanien Petroleumqucllen entdeckt. die jetzt Gegenstand eines heftigen Streites zwischen England und 3talicn geworden find. Für diese Petroleumfunde hat sich nämlich die Anglo-Perfian Oil Companv sehr in- tereffiert und auch bereits tm Jahre 1921 von der damaligen albanischen Regierung Brioni eine Erlaubnis zur Ausbeutung der neuentdeckten Erdölfelder erhalten. Die fpätere albanische Regierung Achmed beg Zogu hat diele Konzession bestätigt. Als die italienische Regierung von der Konzesfionsertellung an die Qlrglo- Persian Oil Company erfuhr, wurde sie in Tirana vorstellig und verlangte das Recht der Ausbeutung aller albanischen Petrleumvorkom- men für f i ch. Die Anglo-Persian Oil Company suchte darauf den Schuh der englischen Regierung nach, die den Botschafter in Rom beauftragte, sich bei der italienischen Regierung für diese Angelegenheit zu interessieren und das englische Konsortium und seine Rechte zu schützen.
Die italienische Regierung, die die Petroleumquellen in Albanien für die italienischen Staatsbahnen auszunühen gedachte, glaubte sich natürlich in ihren Interessen geschädigt und beschloß, auch ihrerseits wieder bei der englischen Regierung Vorstellungen zu erheben. Die italienische Regierung betont in ihrer Rote, daß das Vorgehen der albanischen Regierung taktlos sei, und daß Italien es nicht gestatten werde, daß Albanien Don fremden Staaten wirtschaftlich aus- genützt wird. Die italienischen Interessen, so heißt es in dieser Rote, verlangen kategorisch, daß Italien das Vordringen in die Adria niemandem gestatte, der Italien gefährlich werden könnte. Auch die italienische Presse nahm sich der Angelegenheit an und eröffnete gegen England eine heftige Kampagne. Zugleich wurde der Kampf gegen die albanische Regierung aufgenommen, gegen die der Vorwurf erhoben wird, daß sie die italienifchen Untertanen schikaniere und alle Konzessionen kündige, die die frühere Regierung Fan Roll ihnen erteilt hatte.
In diplomatischen Kreisen ist man sich schon jetzt darüber klar, daß Italien einen Druck auf die Regierung von Tirana ausüben wird, um die Petroleumfelder für die italienische StaatSbahndirektion zu erhalten. Da daS Vorgehen der italienischen Re- gieruna ohne Zweifel wieder eine Aktion der englischen Regierung zugunsten ihres Schützlings, der Anglo-Persian Oil Company gerbet führen dürfte, ist eS mir zu wahrscheinlich, daß die während des Weltkrieges entdeckten Erdölquellen in Albanien noch zu einem diplomatischen Konflikt zwischen England und Italien führen werden.
Die Entwicklung der ganzen Angelegenheit verdient um so größeres Interesse, als neuerdings auch die amerikanische Regierung bei dem Streit auf ihre Kosten zu kommen sucht. Die Vereinigten Staaten, die sich für das albanische Petroleum ebenfalls interessieren und auch einen Fachmann zur Untersuchung der albanischen Erdölvorkommen entsandt haben, der in der Zwischenzeit aber ermordet worden ist. protestieren nämlich dagegen, daß England in Al-
patron der Imker. Die Kirche gebrauchte ja sehr reichlich das Wachs, „Die göttliche Fettigkeit", zur Bereitung- der Kerzen. Die Wachskerze gatt als das Sinnbild des Erlösers, weil das Wachs aus den keuschen Blumen von der „jungfräulichen Diene" eingetragen war. Zu Karls des Großen Zeit waren die Kirchen stets erleuchtet und gerade dieser Kaiser förderte mit der Landwirtschaft besonders auch die Dienenzucht. Auf allen seinen Gütern muhte ein besonderer Zeidler die Immen pflegen. Den Reichswald bei Nürnberg wandelte Karl der Große in einen Reichsbienengarten um. Den Geistlichen gestattete der Fürst, Honigzins zu erheben. Unser Kloster Lorsch erhielt von einem Ort ein Seidel Honig, das „14 Munde und 2 Finger "enthielt.
Im Mittelalter stand das Zeidelwesen ober die Waldbienenzucht in hoher 'Blüte. Ueber den Zeidelbetrieb wachte das Zeidelgericht. Die Dienenweiden waren erblich und konnten auch verkauft werden. „Wer einen Immen (Dienenstock) erbricht, soll wie ein Kirchenräuber angesehen werden. Wer fremde Bienen aus den Bauten nimmt, der soll ohne Gnade dem Henker Überantwortet werden, welcher ihm alle seine Gedärme um den befohlenen Daum (in die die Bauten eingehauen waren) herumwinden und ihn hernach daran erhenken soll."
Mit dem ausgehenden Mittelaller endet die erste Blütezeit der deutschen Bienenzucht. Die Reformation verzichtete auf den Glanz der Wachskerzen und viele Klöster, wo die Bienenzucht besonders musterhaft betrieben worden war, waren aufgehoben. Der aufblühende Handel brachte außerdem Rohrzucker als Honigerfatz. Der 30jährige Krieg versetzte der deutschen Imkerei geradezu den Todesstoß. Rach dem großen Kriege
banicn eine bevorzugte Stellung erhalten soll.
DaS Interessanteste an der Sache ist aber. daß. wie neuerdings behauptet wird, die albanischen Petroleumvorkommen lediglich ein großer Bluff fein sollen, den die albanische Regierung geschickt ausnützl um für sich finanzielle Doi teile herauSzufchlagen. was ihr in England und Amerika auch schon gelungen ist.
Buntes Allerlei.
Aus der Bühne ermordet.
Kürzlich haben sich hintereinander, das eine Mal in Offenbach, das andere Mal in E n g land, zwei Fällt ereignet, in denen auf der Bühne durch ein Versehen eine Schauspielerin und ein Schauspieler getötet wurden. Solche ilnglüdäfällc sind nicht so selten, wie man wohl annehmen mag. wenn sie auch frei lich nicht immer so tragisch ablaufcn Richt immer handelt es sich um ein Versehen, sondern bisweilen auch um verbrecherische Absicht, um Reid und Rache, die die Herzen des leidenschaftlichen Bühnenvolkes gar manchmal erfüllen.
Eins der berühmtesten Beispiele für einen solchen Tötungsversuch auf offener Bühne ist ein Erlebnis der berühmten französischen Tragödin Ml le. Georges, der Geliebten Rapoleons I. Die Reigung des Kaisers schuf ihr viele Reibe,. und als fie sich eines Abends auf der Bühne erdolchen mußte, wurde ihr statt einer Attrnpve ein richtiger scharfer Dolch in die Hand gcfVielt. Die Künstlerin war gewohnt, sehr rcaliftifd) zu sterben. Sie stieß sich den Dolch, dessen Klinge bei der Attrappe in den Griff zurücktrat, mit voller Gewalt in die Brust Run war sie eine sehr starke Dame und trug ein Korsett mit Stahl- ftäben. Das war ihr Glück, denn als sie den richtigen Dolch, dessen Wucht sie bei der Erkennt nis der wahren Sachlage nur wenig abdämpfen konnte, gegen sich führte, prallte er an dem Stahl ab. Der Vorfall rief großes Aufsehen hervor und als sich die Aufregung gelegt hatte, machte Rapoleon einen guten Witz, in dem er als erfahrener Stratege sagte, er sei bei ihr „über die Verteidigung der Flanken" beruhigt gewesen.
Tragischer verlief ein anderer Vorfall, von dem Louis Schneider in einem Pariser Blatt erzählt. Die tschechische Schauspielerin Lenoni trat 1895 auf dem Prager Theater als Julia auf. und als sie sich am Ende der Tragödie den Dolch ins Herz stieß, horte man einen rauben Schrei: daS Blut strömte in purpurner Flut übei ihr weißes Gewand, und sie war sofort tot. Die Künstlerin hatte von dem Garderobenmeister ein scharfes Stilett erhalten und es nicht bemerkt.
Am Pariser Ambigu-Theater hatten zwei Schauspieler in einem Stück „Der Bucklige" ein Duell auszufechten. Da sie verfeindet waren, so beschlossen sie eines Abends, mit scharfen Waffen zu kämpfen. Der eine von ihnen. La- garberc, wurde verwundet und mußte von her Szene ins Krankenhaus geschafft werden.
Berühmt und berüchtigt wegen des Realismus feines Spiels war der große englische Schauspieler Garrick. ES kam schließlich so weit, daß feine Schauspielerin die Desdemona geben wollte, wenn er den Othello spielte, weil er des öfteren in feiner Leidenschaft versucht hatte, die Dar stellerin wirklich zu erwürgen.
1896 ereignete sich in Londo'n ein Totschlag auf offener Bühne. In einem Stück „Die Sünden der Rächt" wurde'der Held, ein fpanischer Bandit, von dem Bruder seiner Geliebten mit einem Dolchstoß getötet, weil er sie verführt hatte. Den Banditen spielte Temple. den rächenden Bruder sein bester Freund Wilfried Moritz. Da Moritz der Dolch, der ihm als Requisit geliefert wurde, nicht prächtig genug war, nahm er einen schönen Dolch aus seinem Besitz mit auf die Bühne und verwundete damit im Feuer des Spiels den anderen so heftig, daß er tot zusammenbrach. Ratender Beifall lohnte dem allzu wirllichen Spiel, aber der Vorhang hob sich nicht wieder. Moritz war von der Tat so erschüttert, daß er geisteskrank wurde. Man stellte ihn vor Gericht, aber es blieb nichts anderes übrig, als ihn einem Irrenhaus zu überweisen.
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ließen fast nur noch die Fürsten die Bienenzucht ausüben. 1664 richtete Landgräfin Sophie Eleonore, die Witwe Georg II., auch in Darmstadt in der Rähe des Lustgartens einen „Bienengarten" ein.
Im 19. Jahrhundert blühte die Bienenzucht aber wieder überall in unterem Dater- lanhe mächtig auf. Der schlesische Pfarrer Ioh. Dzi e rz o n (1811- 1936) zeigte einen ganz neuen Weg mit der beweglichen Wabe. Heute geht die Raturwissenschaft Hand in Hand mit her praktischen Bienenzucht, und sie schätzt die Diem als das wertvollste Infekt für die Blüten- befruchtung. Wir toiffen. Ohne Biene kein Obst, und ohne Obst gefundheitliche und wirtschaftliche Rot.
Die Biene ist darum ein notwendiges Haustier. Ihr Leben ist Arbeit und Poefie im Dienste der Menschen.
Interessante Zahlen aus dem Dienendolk.
Eine Biene wiegt 0.06—0.23 Gramm. 10 003 Bienen gehen etwa auf ein Kilogramm. — Die Honigblase der Biene hat in der Ruhe etwa 14—16 Kubikmillimeter Fassungsvermögen. 1000 Kubikmillimeter Honig wiegen etwa 1 Gramm. — Die Honigblase vermag etwa 20 Milligramm aufzunehmen. Zu 1 Kilogramm Honig find also die Füllungen von 50—60 000 Honigblafen nötig. Eine Rotkleeblüte sondert etwa 0.000 793 Gramm Rektar ab. Um 1 Kilogramm Zucker zusammen- zubringen. müssen die Bienen etwa 7 500 000 Rotkleeblüten. 5 000 000 Esparsette und 2 000 000 Akazienblüten befliegen. Eine Biene vermag bei zehnstündiger Arbeit etwa 7000 Blüten zu befliegen. Man kann danach berechnen, wie lange ein Volk von 12 000 Bienen braucht, um einen Honigtopf zu füllen!
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