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Ltt. sr trjies Blatt

175. Jahrgang

Zrettag, p. Ze-mar 1925

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Explosion aufMinister Stein".

Schwierige Bergungsarbeiten. 119 Tote geborgen. Der Reichskanzler in Dortmund.

Sin Schrei d«S Schmerzes und der Angst kommt aus dem Ruhrrevier zu unS: einhundert, unddreißig brat* Bergleute sind auf der Zeche Minister Stein" ein Opfer unberechenbarer Raturgewalten geworden, nur wenige konnten dem schwarten Tod aus Weichen Erschöpft, tod- matt von der ausgestandenen Angst liegen sie im Krankenhaus. n«h nicht fähig. Auskunft über die Schlagwetterkatastrophe zu geben. Erst später, wenn die Geretteten vernehmungsfähig, wenn die zusammengestürzten Schächte und Gänge wieder ausgebessert sind, wird sich vielleicht er­möglichen (affen, die Anfänge der Katastrophe festzustellen, sofern sich eine derartige Feststes, luna überhaupt machen lassen wird. Heute hat noch kein Mensch Zeil dazu, es gilt erst, die Derschütteten und Erschlagenen herauszuholen, die, Gott sei's geklagt, ihren Angehörigen nicht lebend wiedergegeben werden können.

Die Schlagwetterkatastrophe aufMinister Stein" ist wohl eine der schwersten, die der Ruhrbergbau überhaupt tarnen gelernt hat. Die größte ereignete sich im Jahre 1909 auf der ZecheR ad b o d", der mehrere hundert Berg­knappen zum Opfer fielen. An die zweite Stelle kommt die jetzige Katastrophe, die noch größer ist, als die seinerzeit auf der Zech?M o n t CeniS" achtzig Arbeiter hinrassmde Schlag­wetterexplosion. Auch daS ilngtücf aufKa­ro l i n e n g l ü ck" gehört mit zu den härtesten, die den Ruhrbergbau bisher getroffen haben. Schwer war es in fast jedem Fall dieser be­deutenden Katastrophen, die LIrfachen und An­fänge festzustellen, meistens verliefen die Unter­suchungen ergebnislos, weil gerade jene den Tod gefunden hatten, die am ehesten hätten Auskunft geben können. Ebenso liegen anschei­nend auch die Dinge bei dem jetzigen ilnglüd. Hoffentlich gelingt es aber hier, die Llrfachen zu eraründtti, um ähnlichen älnglüdSsällen in Zukunft vorbeugen zu können.

Mitten aus der Arbeit heraus, ein Opfer dieser ihrer schweren Arbeit, blieben weit über hundert Mann an der UnglückSstätte, vor Ort, wo der Hauer die Kohle brach, im Schacht, wo der Knappe verzimmei te. überall dort, wo dir erst vor wenigen Stunden eingesahrene Belegschaft schasste und tätig war zum Wohle der Mensch­heit, im Dienste der deutschen Wirtschaft und dem von ihr beschäftigten Arbeiterheer. Mütter haben ihre Söhne verloren. Frauen ihre Männer, Kinder ihre Väter. Wohl keine Familie in dem kleinen Dergarbeiterort Riedereving hat nicht einen Toten zu beklagen. Familienb.indr find zer- rissen, weil eine stärkere Macht eS so wollte. Ehre dem Andenken der im Dienste der deutschen Wirtschaft und deS deu'schen Volkes Gefallenen, man sehr ihnen einen Denkstein!

Vie Urfachen -er Uatastrophe.

Dortmund, 13. Febr. ($11.) Die Nach­richten über das Dortmunder Explosionsunglück überstürzen sich, lieber die 11 rf a che der Ex­plosion ist immer noch kein positiver Ausschluß möglich. Verwaltung und Ver­treter der Bergbehörde, die sofort alle Maß­nahmen eingeleitel hatten, erklären übereinstim­mend. daß genaue Feststellungen erst gemacht werden können, wenn die Sohle 1 von den Gasen freigemacht worden fei. Bezeichnend für die Ge­walt der Explosion ist die Tatsache, daß von ihr die 1.. die 2. und die 3. Sohle betroffen wurden. Die 1. Sohle befindet sich 175 Meter unter der Erde. Sie ist die ausziehende Wetter­sohle. durch die die Ventilation geregelt wurde. Gearbeitet wird hauptsächlich auf der zweiten und dritten Sohle.

ES schwirren die wildesten Gerüchte über die Ursache des Unglücks umher. 11. a. wird von einer Entzündung der Gase durch die Funken «einer Maschine gesprochen. Das scheint jedoch nach Ansicht maßgebender Fachleute kaum mög­lich. Oberbcrghauptmana Overt h u n. der mit der Grubenrettungszentrale Essen ebenfalls eingetros- fen ist. ist nach seiner ersten Enfahrt mit Berg- rat Sund dem Generaldirektor der Zeche, heute vormittag um 11 Uhr noch einmal ein­gefaßten. Die endgültige Fest stel - t u n g wird sich wohl noch über Tage hin - ziehen. Aach den Vorschriften werden eine Fachkommission und dann auch eine parlamen­tarische Kommission noch eingehende Prüfungen anzustellen haben.

D>e Rettungsarbeiten

find dom ersten Augenblide an mit aller Energie durchgeführt worden. Um 8.30 Uhr abends rückte bereits die erste Rettungsmannschaft heran. Ihr Vordringen gestaltete sich aber nicht nur dadurch außerordentlich schwierig, daß die Strede durch die Explosion starke Brüche erlitten hatte und durch daS Gestein versperrt war, sondern auch dadurch, daß die Zerstörung der Ventilation jedes Vordringen sehr ge­fährlich machte. Die Rettungsmannschaften muh­ten infolgedessen mit aller Sicherung arbeiten, indem sie sich einer Vorhut und einer Nachhut bedienten.

Don der Verwaltung wird betont, daß die Zeche alle modernen, technischen Vor­sichtseinrichtungen besaß, die geeignet er­schienen. llnglücksfälle zu vermeiden. Don den 12 Steigerrevieren sind zwei in Mitleidenschaft

gezogen. Der Schacht 3, in dessen Nähe sich das Unglüd ereignete, hat lediglich die Be­deutung der Seilfahrt und der Wetterführung. Wenn das Unglüd nicht in der Nähe des ßuft- schachteS. sondern im eigentlichen Abbauseld pas­siert wäre, so könnte man sich von dem ohnehin schon jetzt ungeheueren Ausmaßen deS Unglück- gar keine Vorstellung machen. Die Belegschaft der ZecheMinister Stein" betrug 3000 Marrn.

In den Abendstunden des Donnerstags hat sich die Rettungsaktion bedeutend schwieriger ge­staltet. Aach den Angaben der Rettungsmann­schaften sind die Sohlen 2 und 3 jetzt von Toten frei. Dagegen nehmen die Arbeiten auf Sohle 1 einen außerordentlich langwierigen Verlauf, vor allem, weil die noch nicht geborgenen Leichen unter starken Druchmassen liegen, waS die Ge­fahr für die Rettungsmannschaften v e r st ä r k t.

Immer wieder werden durch Gasvergif­tung in Mitleidenschaft gezogene Rettungsleute zur Derbandsstube gebracht. Bei fünf von sieben ist der Zustand bedenklich. Ein Rettungs­mann ist gestorben.

Bis Donnerstagabend sind 115 Tote zutage gefördert worden. Weitere 11 liegen unten am Schacht 1. Man nimmt an, daß 4 bis 6 Leichen noch nicht gefunden sind.

Der zuständige DetriebSbeamte hat drr Ver­waltung gemeldet, daß er noch am Abend vorher sämtliche Betriebs stellen genau unter­sucht und sie betriebssicher gefunden hat. Die Toten vonMinister Stein".

Ein Berliner Aachrichtenbureau bezifferte die Gesamtzahl der Toten zu einer Zeit, als noch ein sehr großer Teil der Bergleute nicht geborgen war, auf 13 6. Diese Meldung ist falsch.

Tatsächlich sind von dem Unglüd 130 Bergleute betrossen worden, wovon sieben vom Tode er­rettet wurden. Die Gesamtzahl der Toten beträgt also 131, eine Ziffer, die nach Angaben der Verwaltung nur um weniges differieren kann. 3m Laufe des Donnerstag find nach einer Mitteilung der ZechenverwaltungMinister Stein" 119 Tote geborgen. Die Aufräumungs­arbeiten gestalten sich sehr schwierig. Schätzungs­weise werden noch 12 bis 14 Bergleute vermißt.

Die Leichen liegen in vier langen Reihen auf Stroh gebettet in der Halle der neuen Waschkaue. Eine Abteilung der Sanitäts­mannschaften ist damit beschäftigt, die Toten zu identisizieren. Die Angehörigen umlagern weiter bt8 Eingangstor zum Zechenplatz. In der Stadt Dortmund sieht man überall die Fahnen auf Halbmast. Der ganzen Stadt hat sich nach der ersten Erregung eine tiefe und allgemeine Aiedergeschlagenheit bemächtigt.

Die Untersuchung des Unglücks.

Der Leiter des Grubensicherungsamtes, Mi­nisterialrat H o l z s e l d, hat sich am Donners­tag an die Ilnglüdsstätte begeben. Ebenso sind durch einen Beschluß des Reichstages die vier Reichstagsabgeordneten 3 m b u s ch (Z.), 3 a n - schek (Soz.), Ziegler (Dem.) und Dr. Hae- dencamp (Dntl.) beauftragt worden, an der Untersuchung des Grubenunglücks bei Dortmund

durch die preußische Gruben-SichcrheitS-Kommis- sion und den Betriebsrat der ZecheMinister Stein "teilzunehmen.

Der Reichskanzler am Unglücksort.

Donnerstag abend um 11.40 Uhr traf Reichs­kanzler Dr. Luther mit dem Baseler O-Zug auf dem Hauptbahnhof in Dortmund ein. Auf dem Bahnhof hatten sich der Oberbürger­meister der Stadt Dortmund, Dr. Eichhoff, der Direktor der ZecheMinister Stein", Assessor Brandt, sowie Vertreter des Ma­gistrats der Stadt Dortmund eingefunden. Die Herren fuhren zum Hauptschacht der Zeche Minister Stern", wo ihnen an Hand der vor­gelegten Grubrnkarten die Unglücksstelle und das Unglüd näher erklärt wurde. Aach einer halb­stündigen Besprechung begaben sie sich um 12,40 Uhr zum Unglüddort.

Hier stattete der Reichskanzler zuerst den Toten in der Waschkaue einen Besuch ab. Cs liegen zur Zeit 119 Tote an der großen Halle. Der Reichskanzler war von dem Eindruck aufS tiefste erschüttert. Dann begab er sich in die große Maschinenhalle, wo einige Abtei­lungen der Rettungsmannschaften mit ihren Ge­räten Ausstellung genommen batten. Er sprach ihnen hier im Aarnen der Reichsregierung seinen Dank für die tatkräftige Haltung auS. Dem Oberbürgermeister und dem Vertreter der Zechenverwaltung, Assessor Brandt, hatte der Reichskanzler beim Empfang auf dem Bahn­steig in tiefempfundenen Worten und namenS der Reichsregierung sein Beileid ausgedrückt. Kurz nach 1 Uhr verlieh der Reichskanzler die Unglüdsstätte und fuhr zum Bahnhof, um gegen 2 Uhr morgens nach Berlin weiterzufahren.

Deileidskundgebungen.

Gleich nach CMaimttocrben des furchtbaren Grubencrnglüds aus der ZecheMinister Stein" ist der Oberpräfident von Westfalen, Gro- n o w s k i, an die Unglücksstelle geeilt Dem Oberbürgermeister von Dortmund. Eichhoff, lieh er im Aamen der Staatsregierung und der Provinz Westialen ein Deileidstelegra mm zugehen. Die badische Regierung, bei der Reichskanzler Dr. Luther seinen Besuch so plötzlich rbb.eden muhte, übermittelte durch drn Staatsprä identen Dr. Hellpach ihr Beileid. Der preußisch? Handelsminister Siering hat den B.tei bsrat der ZecheMinister Stein" tel-graphisch g beten, dm Ang h rig?n der Ver­unglückten sein herzliches Beileid aus.zudrüdrn. Ebenso hat de: preußische Ministerprä­sident ein Beileidstelegramm gesandt.

Der Reichspräsident

hat an den Derghaupnnann von Westfalen fol­gendes Telegamm geich et:

Die Aachi bt von icm schween Unglüd auf der ZecheMinister Stein" hat mich tief er­schüttert. 3ch bitte Sie, den Hinterbliebenen der auf ihrer Arbeitsstätte getöteten Bergleute die Versicherung meiner herzlichsten Anteilnahme auszusprechen und auch der Direktion der Gelsen­kirchener Dergwerksgesellschaft sowie den Berg- arbeiteroerbänden mein Beileid zu übermitteln. Als Beitrag zur Dehinderung von Aotständen in den betroffenen Bergaibeitcrsamilien habe ich aus meinem Dispositionsfonds den Betrag von 50 000 Mk. überwiesen. Reichspräsident Eber t.

Skandalszenen im Barinatausschrch.

Das Auswärtige Amt und Barmat. Polizeiliche Rar mung

des Sitzungssaales.

Berlin, 12 Febr. (TU.) Arn 11. Droh'nt- lungdtag des preußischen D rmai ussch sf-s w r > Ministerialdirektor Köppke v m Auswärtigen Amt über die Beziehungen des Auswärtigen Amtes zu den Gebrüdern Barmat vernommen. Er erllärt. daß er im 3anuar 1921 einen Brief deS Reichskanzlers a. D. Bauer erhallen habe, in dem dieser um Erleichterung der Durchreise für die Familie Brrmat bat. 3n den Vorakten befand sich ein Vermerk:Der Reichsminister ist damit einverstanden". Um die Durchreise dieser Personen kontrollieren zu können, h be der Zeuge um entsprechende Mitteilung der Grenzbehörden gebeten.

Legationsrat von Pannwih. der von 1917 bis 1919 als LegationSrat der Gesandtschaft im Haag zugeteilt war. erklärt, daß Darmat der deutschen Gesandtschaft im Haag zuerst a l s Bolschewist bekannt wurde, der sich bemühte, mit Trotzki in Verbindung zu kommen. Darmat habe Trotzki vorgeschlagen, er werde in Holland ein Hilfskomitee gründen, und wäre falls die Bolschewisten bereit wären, ihn gegenü er den Holländern zu deden, bereit, für dieses Hilfskomitee einen Betrag von 150 000 Dold- mark zur Der'ügung zu stellen. Ende deS 3ahres 1918 habe dann Darmat versucht, mit der ukrainischen Rada in Verbindung zu treten. Dann sei Darmat 1919 wieder a l s Sozialist erschienen und habe Fühlung mit gewissen Kreisen der holländischen Sozialdemo­kratie gesucht. 3n einem ausführlichen Drief hat der Gesandte von Rosen über Darmat

gesagt, er sei ein rufsischer 3ude und sowohl in politischer w e in finanzieller De- ziehung ein sk rupell os er Opportunist. Später fei dann Brrmat beim Unterstaa sfekre- tär pfer erschienen. Einer Aotiz zufolge war Darmat bei Töpfer durch den Abg. Heit­mann eingeführt worden.

Aach einiger Zelt gelangte ein Brief deS Unter- staatSsekretärS Töpfer an den Gesandten von Rosen, in dem Töpfer schrieb, daß zwischen dem Reichspräsidenten Ebert und Darmat in­timste Beziehungen beständen. Er, Töpfer, bitte den Gesandten, Barmat einen Dauersichtvermerk zu erteilen.

Auf triefen Dries hin erteilte die Gesandtschaft den Sichtvermerk, da sie der Ansicht war. daß zwischen dem Reichspräs denten und Darmat intime Beziehungen bestünden. Auf eine FragA. wann Darmat das Dauervisum erteilt wurde, erwiderte der Zeuge, davon fei ihm nichts be­kannt. Der handschriftliche Vermerk deS Reichspräsidenten auf dem Telegramm Darmats sei wahrscheinlich erfolgt, als das Visum schon erteilt war. SS liegt ein Drief Dar­mats an Töpfer vor. in dem Darmat Töpfer feinen Dank für seine 'Bemühungen ausfpricht. Auf eine Frage des Abg. Dr. Kaufhold (Dntl.) erklärt der Zeuge: Anfang 1919 habe der Abg. Heilmann den Minister Müller- Franken um eine Einreiseerlaubnis für 3udko Darmat und feine Familie gebeten. Weiter sei das preußische Grenzamt durch den

Minister Hermann Müller drahtlich angewiesen worden, dem Uebertritl von Salomon Darmat keine Schwie­rigkeiten zu bereiten. Auch der Reichskanz­ler Dauer und der sozialdemokratische Abg. Stüdlen hätte sich für die Erteilung der Paßvisa eingesetzt.

In der Aachmittagsverhandlung gibt Poli­zeipräsident Richter zunächst ein Bild über die Zustände, die in Berlin bei seinem Amts­antritt im 3ahre 1920 herrschten. Gr erklärt, daß besonders auf dem Gebiet deS Danken- wesens inDerlin unerhörte Zustände Herrichten. ES habe insbesondere ein außerordentlich starker Zustrom von Ausländern eingesetzt, so daß sämt­lich« Behörden, die sich mit dieser Einwanderung zu beschäftigen hatte», vollkommen macht- und hilflos waren. Aus Grund einer Verordnung, die die Anmeldepflicht für Ausländer einfübrle, hätten sich etwa 50 000 Ausländer gemeldet. Leider Hütten die Maßnahmen, die Ausländer zu entfernen, versagt.

Richt mir die Gebrüder Dirmat seien zu ihm gekommen, sondern die Desucher hätten sich au:> allen Ständen rekrutiert. Wo er habe helfen können, habe er geholfen. Polizüprälldcnt Richter wendet sich der Frage der Aufenthalt o- bewilligung für Mitglieder der -Sam-lie Darmat zu. DaS Polizeipräsidium fei an die An­weisungen des Wohnungsamtes durchaus nicht gebunden gewesen.

ES wird bann in die Prüfung der W o h - nungsangelegenheit Kutisker und Darmat eingetreten. AuS dem Bericht er­gibt sich, baß Kutisker in der Lüyenburgerstraße 2 wohnte, durch einen angeblich vom Wohnungs­amt genehmigten Tausch das Hau>> Rankest r. 22 erwarb, in daS aber später durch Eingreifen der WohnungSbehörde ein anderer Mieter eingewiesen wurde.

Der Ausschuß stellt fest, daß in der Woh­nungsangelegenheit Darmat-Kutisker große äln regelmähigkeiten vorgekommen seien. Abg. Dr. Seerbarg (Dntl.) beantragt dic Ladung deS Berliner bOerbürgermeisterS Böß

Der Abg. Kollwih (Kom.) bittet dafür zu sorgen, daß die Zeugen sich nicht vorher tm Zuschauerraum aushalten. Es sei genug, wenn sie sich die Komödie nachher von hier auS ansehen. Der D rs-Hende ruft erregt den Abgeordneten Kollwitz zw i Mil zur Ordnung und als Kollwih auch dann feine Aeßerung nicht zurüdnimmt, fordert der Vor­sitzende ihn auf. Öen Saal z u verlassen. Kollwih weigert sich. Der Vorf.hende laßt den Zuhörer R um und die Pressebänke räumen und ruft nach der Parlamentswache. Rach der Feststellung, daß keine Parlamentswache im Haufe fei. wird der als Zeuge anwofende Polizeipräsident Richter um 3nter- vention gebeten. Richter beordert telefo­nisch Polizei herbei. Bild darauf erfcheinen 5 Sd)uhWeilten und führen die drei kommu­nistischen AuSschuhrnitglieder hinaus. Rach Wie­derherstellung der Oeffenllichkeit erteilt der Vor­sitzende Dr. Leidig dem Polizeipräsidenten Rich­ter die Anweisung, der morgigen Sitzung eine Parlament w che zu stellen. Die Sitzung wurde dann geschlossen.

Neue Verhaftungen.

Bei der Untersuchung in der Barmat- Kutisker Angelegenheit stie ßdic StaatSin- waltschaft auch auf Konten des Ber- lincr IustizratS Dr. Werthauer und seines Sozius Dr. Engelbert und Dr. Proell. Die genannten Anwälte haben sich schwer gegen bi? G?setze zugunsten be? Kutts- kerkonzcraS vergangen. Darauf hat sich die Staatsanwaltschaft entschlossen, Dr. Wert- Hauer und Dr. Engelbert fest zunehmen wegen Dcihilfe zum Betrug zum Schaden der Preußischen Staatsbank und wegen Bei­hilfe zum Konlursvergehen. Dr. Engelbert wurde in seiner Wohnung festge- n v m m e n, während Dr. Werthauer, der zu- ?eit in Dresden weilt, von dem SiaatSanwalt, der im Flugzeug nach Dresden ge­fahren war. nicht ermittelt werden konnte. Weiter sollen, wie derLokal-Anziger" schreibt, die Ermittlungen neues Material er­geben haben, durch das Polizeipräsi­dent Richter nicht nur der passiven Beamtenbestechung, sondern auch der Begünstigung und anderer Delikte be­schuldigt wird, sodaß daS Ermittln ngsver- fahren und die Untersuchung gegen ihn ein- geleitet wurde.

Das Verfahren gegen Höüe.

Berlin. 12. Febr. (TU., Heute vormit­tag ist Dr. Hölle. aus dem Unterfuchongsge- tängniä in Moabit in bas Lazare11 des Untersuchungsgefängnisses überführt worden. Diese Uebersührung war erforderlich, da feftge- stellt wurde, daß Dr. Hölle an Herzmuskel- schwäche leidet M^izinalrat Dr. Thiele, hat sich für sein vorläufiges Verbleiben im Lazarett ausgesprochen. Der Vorwurf wegen Untreue im Amt wurde mit Zustimmung der Staatsanwalt­schaft in dem Haftbefehl gestrichen. Ferner scheint cs. daß die Depositen- und Handelsbank den Rarnen Dr. Höfles fälschlich in ihren Büchern geführt hat. Die bisherigen Ermittlungen in dieser Richtung haben nichts Belastendes gegen Dr. Hölle ergeben.

Andererseits beharrt jedoch Oberttacisanwalt Linde bei seiner Auffassung, daß Dr. Hölle di«