Oberhessen.
Landkreis Gießen.
) L i ch, 10. Dez. Heute beginnt hier der von dem Verkehrs- und Der schöne rungs- verein unserer- Stadt veranstaltete Schaufensterwettbewerb. Die Inhaber der hiesigen Ladengeschäfte haben sich offensichtlich große Mühe gegeben, so daß das Preisgericht einen nicht ganz leichten Standpunkt haben wird. Auf die Besucher der Stadt dürften die zum Teil künstlerisch ausgestatteten SchaufensterdelOvationen einen recht guten Eindruck machen. Zu gleicher Zeit findet am 13. und 14. Dezember eine von dem Geflügel- und Vogelzuchtverein Lich und älmgegend veranstaltete Geflügelausstellung in der hiesigen Turnhalle statt, die, wie man hort, gut beschickt werden wird. Ein Besuch der Ausstellung dürfte recht lohnend sein. So hofft man, dem diesjährigen Weih- nachtsmarkt ein ganz besonderes Gepräge zu geben und ihm eine reiche Anziehungskraft zu verleihen; aber des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil. Der Schweinemarkt darf leider nicht statffiuden wegen erneuten Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in dem benachbarten Langsdorf. Cs ist indessen zu hoffen, das, die anderen Veranstaltungen genügende Anziehungskraft besitzen, um einen guten 'Besuch zu gewährleisten. — Heute wurden seitens der fürstlichen Gärtnerei dahier die ersten Christbäumchen in hiesiger Stadt verkauft. Der Verkaufspreis für schöne Bäumchen bewegte sich zwischen 60 Pfg. und 3 Mk.
l. Hungen. 10. Dez. Aus der jüngsten Gemeinde ratssihung ist zu berichten: Die von der Gemeinde zu erhebende Hundesteuer für das Jahr 1926 wird mit 4 Mk. für den ersten Hund eines Besitzers festgesetzt. Für jeden weiteren Hund wird em Zuschlag erhoben. Die alten Drainagepläne sollen durch Ein- Zeichnung der durch die Feldbereinigung gebildeten neuen Parzellen ergänzt werden. Zur besseren Abrimdung des Gemei ndegelän- deS am Mühlberg wird mit einem angrenzenden Aachbar ein Austausch von Gelände vorgenommen. Das Gesuch eines Bauenden um Erlaß 6j>n Zinsen gegen sofortige Abtragung der Bauplatzkosten wird genehmigt, während eine Beschlußfassung über den Ankauf eines Ackers vertagt wird. Ein Gesuch um Äeberlasfung eines D a up l a tz e s in der Rähe der neuen Schule wird abgelehnt, da das betr. Gelände vorerst nicht verkauft werden soll. Das zweite Einzelhaus in der Aiddaer Straße wird einem Mieter zugewiesen, während über die Vermietung des Doppelhauses ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt wird. Verschieden« Gesuche um Stundung und Erlab von Gemeindeforderungen werden der Finanzkom- mission zur Vorbereitimg überwiesen. Um eine Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Langsdorf und die hierdurch für die Landwirtschaft entstehenden Nachteile zu verhüten, wird zur Abschlachtung des von der Seuche befallenen Viehes ein entsprechender Betrag bewilligt.
Kreis Frievberg.
* Butzbach, 10.Dez. Für Wontag hatte die Bruderschaft Butzbach des Iungdeutschen Ordens zu einem junadeutschen Abend in das Gasthaus Isenburger eingebrden. Der Abend wurde mit musikalischen und deklamatorischen 'Mrrträgen eingeleitel. Dann ergriff der Komtur der Ballei Oberhessen, Major a. D. Wichert- Büdtngen, das Wort zu einer längeren Ansprache. Aus einer Schilderung der Verhältnisse und Zustände, die jetzt das deutsche Volk beherrschen und bedrohen, entwickelte er die Aufgaben und Ziele des Iungdeuffchen Ordens. Reicher Beifall war die äuhere Ernte seiner ernsten RÄ>e. Mit einem Schlußworte des Butzbacher Großmeisters und dem gemeinsamen Singen des jung- deutschen OrdensÜedes schloß der schöne Mend.
Kreis Büdingen.
—/— Selters, 10. Dez. Der Zweig - verein des Evangelischen Bundes hielt im Kührckeschen Saal einen sehr gut besuchten Vortragsabend ab. Pfarrer Hoch sprach an Hand von ausgezeichneten Lichtbildern in überaus klarer und eindrucksvoller Weise über Japan, besonders die Arbeit der Mission in diesem Land. Verschiedene Chorlieder verschönten
Franziska.
Roman von LieSbet Dill.
1Z. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Hnb warum dachten Sie das?" fragte Hasse sehr höflich.
„Run, weil man Sie nicht mehr mit ihr zusammen gesehen hat und weit man sagte, daß sie — aber das ist ja jetzt ganz gleich- gfllttg*
„Rein, bitte, was sagte man?"
Worth warf die Zigarette fort, es war ihm nicht angenehm, daraus zu antworten; aber die hellen grauen Augen Haffes bohrten sich ihm auf den Grund feiner Seele, und so sagte er endlich: „Daß sie mit Stephansberger in einer Wohnung lebt...“
Hasse saß einen Autzenblick stumm. Er stutzte sich zu fammeln, sich keine Blöße zu geben, zu begreifen, den Aufruhr in sich niederzudrücken, der in ihm loderte bei den: ersten Wort, das der andere zu ihm gesprochen. „Cs ist Theater- tlatsch", sagte er. indem er sich erhob.
„Natürlich," lenkte der andere ein. „ich hab's ja nur am Stammtisch gehört."
„An welchem Stammtisch?" fragte Hasse, der schon den Hut aufgesetzt hatte und nach seinem Stock giss.
„Am runden Tisch in der Bavaria."
„Gut", sagte Hasse, und er murmelte iroch einmal: „Sehr gut", grüßte und ging in die Rächt hinaus.
Er ging, die Hände auf dem Rücken, den Stock zwischen den Schultern, voran, durch eine Allee an lropfenden Büschen vorüber. Cr dachte cm Franziska und ihre letzten Worte, an das, was sie ihm geschworen hatte... Die hatte es getan, aber zögernd, und in ihren Augen leuchtete etwas wie Furcht... Sie hatte ihm geschworen, darauf kam er immer wieder zurück, daß sie die Wahrheit gesprochen, und damit mußte er sich abfinden.. Aber die hingeworfenen Worte Worths, „der neueste Galan, der DtephanSber- ger", saßen wie Giftpfeile.
Dieser Frauenjäger mit dem brutalen Ge- sicht und dem Stiernacken. Er hatte ihn im „Schmuck der Madonna" gesehen, wo er, die Peitsche in der Hand, auf dem Tisch stand und
den anregend verlaufenen Abend. Derselbe Redner sprach am Montagabend über dasselbe Thema in Llse n bvrn. — Da unsere Kirchen- Heizung nicht mehr ausreichend war, wurde auf Beschluß des Kirchendorstandes ein neuer Kirchenofen angeschafft, den die Eisenwerke Hirzenhain lieferten Gerade in der kalten Zeit hat sich der Ofen glänzend bewährt. Die Mittel zur Reuanschaffung wurden durch eine Haussammlung in Selters und Filialdorf Wippenbach aufgebracht, die Gebefreudigkeit der Gemeinden war, wie immer, sehr groß.
Kreis Schotten.
* Laubach, 9. Dez. Die Eisbahn aus dem O b e r s e e, unterhalb des Ramsbcrges, wurde am Sonntag eröffnet. Am folgenden Tag fand die Hauptversammlung des Eisvereins statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende. Studiendirektor Dr. Hainer, des Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. R o e s ch e n , der an diesem Tage seinen 70. Geburtstag beging. (Er harte sich den Gratulationen durch eine Wanderung in seinen Geburtsort entzogen. Ein von allen Vorstandsmitgliedern unterzeichnetes Glückwunschschreiben wurde ihm am folgenden Tage überreicht.) Sodann erstattete der Rechner den Rechenschaftsbericht über die beiden letzten Jahre. Die Rechnung wurde geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. Die Haftpflichtversicherung soll erneut eingegangen werden mit Wirkung vorn 1. Dez. Dem Amtsgericht Laubach wird mitgeteilt, daß sich in der Zusammensetzung des Vorstandes nichts geändert hat. Die von Prof. Roe sch en entworfene Ordnung über die Pflichten der Eiswarle wird angenommen. Mit der Reinigung der Eisbahn werden mehrere Arbeitslose betraut. Die Kontrolle über den Besuch der Eisbahn soll strenger schondhabt werden. Darauf erfolgte die Feststellung des Voranschlags. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus den Beiträgen der Mitglieder 150 Mk.; Beitrag der Gemeinde 20 Mk.; Beitrag der Realschule 20 Mk.; Kassenvorrat 152 Mk.: zusammen 342 Mk. Die Ausgaben setzen sich zusammen aus: Reinigung der Eisbahn 100 Mk., Erhebung der Beiträge 10 Mk.; Beaufsichtigung der Bahn 5 Mk.; Anerkennungsgebühr an die gräfliche Generalkasse; Instandsetzung der Schleuse 100 Mk.; Verschiedenes 117 Mk.; zusammen 342 Mk. Die alten Eiskarten sollen für dieses Jahr mit einem Stempel versehen werden. Für Sonntag war ein Eisfest vorgesehen.
Kreis Alsfeld.
m. Rieder-Ohmen, 10. Dez. Auf Einladung des Kreisschulamtes Alsfeld hatten sich die Schulvorstandsvorsitzenden der Orte aus der Umgebung Mücke dahier zu einer Beratung über die Verteilung der Fori j bildungsschul stunden versammelt, da Lehrer Roth- Wettsaasen seinen Dienst als hauptamtlicher Fortbildungsschullehrer für Mücke und ilmgegenb antritt. Ihm wurden zugeteilt die Orte Lehnheim, Flensungen und Ilsdorf, Merlau, Bernsfeld, Wettsaasen und Ruppertenrod. Diesen Orten erwächst durch die Ernennung des hauptamtlichen Fortbildungsschullehrers der große Vorteil, daß die Schüler nur an einem Tag in der Woche unterrichtet werden, ferner der Stoff viel eingehender behandelt wird, da der Fortbildungsschullehrer nur in diesem Stoffe lebt und auch viel frischer an die Arbeit geht als dec Volksschullehrer, der seither diesen Unterricht im Rebenamte erteilte.
l. Storndorf, 9. Dez. Urtfer Dorf, oder wenigstens der Rame unseres Ortes ist weithin bekannt. Haben wir doch in der Rahe einige klare Quellen, deren Wasser sich zu einem Bächlein bereinigen, das den Aamen ..Schwal m" erhalten hat und ihn durch schone und fruchtbare Täler weiterträgt. Kaum hat das Bächlein seine Wanderung begonnen, so fühlt es sich schon kräftig genug, im Wiesengrund unseres Dorfes ein Mühlrad zu drehen. Diese Mühle friert fast nie ein. denn der Mühlbach ist Brunnenwasser, das noch nicht lange der warmen Erde entquoll. Die Schwalm, in deren klaren Wasser die beliebte Forelle liebt, fließt munter dahin, treibt Mühlen und Sägewerke und Fabriken; wohl in jedem Ort, den sie berührt, erweist sie sich nutz- ibringend. Storndorf liegt etwas abseits vom großen Verkehr, darum ist es natürlich, daß fast alles, was zu des Leibes Rahrung und Votdurft gehört, von einheimischen Geschäften zu beziehen ist. S ä m t l i ch e H a n d w e r k e r, die der Landwirt braucht, betreiben hier ihr Gewerbe, sogar
die Weiber vor sich, hertrieb, das war eine Rolle für ihn. Ist allen großen, heroischen versagte er. Gr war ungebildet, Stimme und Mensch — roh. Aber er bekam die meisten Blumen. Alle Frau.enherzen flogen ihm zu. Er war ein Cäsar: II n’avait eu qu’ä se montrer pour etre vainqueur. Tlnbegreiflich. Er suchte in seiner seiner Erinnerung, daß er oft mit ihr über den Stephansberger gesprochen, aber er hatte sie von feiner Richtswürdigkeit nicht zu überzeugen vermocht. Konnte man je ein Weib von der Schlechtigkeit eines Mannes überzeugen, der ihr gefiel? Cs war, als kämpfe man gegen einen Berg von Granit. Während in ihm diese Zweifel aufstiegen, geriet er immer weiter in diesen dunklen Park, stieß gegen die Büsche am Weg, die Zweige streiften ihm den Hut. Er kam schließlich auf der anderen Seite der Allee in dem alten Stadtteil an. Ich werde zu ihr gehen, be- schloß er und schritt geradewegs der Parkstrahe zu.
Er fand das Hatts, die Haustür war noch offen. Er flieg nach oben und blieb in dem Treppenraum vor jeder Tür, jeder Visitenkarte stehen, um ein Wachslicht anzuzünden und die unbekannten Ramen zu lesen, bis zum dritten Stock, wo er ihre Karte fand. Sie hing schief, mit einem Reißnagel an der Glastür befestigt. Er läutete an. Bei dem dünnen, bimmelnden Ton der Schelle rührte sich etwas in seinem Herzen wie Mitleid. So wohnte sie jetzt, in dieser ■Umgebung, mit dem schmutzigen Eingang? Das Bimmeln verhallte, aber niemand kam. nichts rührte sich da drinnen. Er läutete wieder und wartete. Kein Laut. War sie eingeschlafen, sollte er sie wecken? War sie überhaupt da drinnen? Und warum kam niemand, die Tür öffnen? Er trat an die gegenüberliegende Tür, das Wachslicht flammte auf, und eine Visitenkarte mit dem Ramen Stephansberger leuchtete, ebenfalls an einem Reißnagel hängend, ihm dort entgegen, als ob dieselbe Hand sie hingehangen. Der Rame schlug vor ihm nieder, wie ein Blitz an einem Körper herabfahrt, die Glieder lähmend. Er zündete ein zweites Licht an und las es noch einmal, dann hörte er unten eine Tur gehen, und jemand kam mit fröhlichem Pfeifen die Treppe herauf. Wenn er es ist, dachte Hasse, in dem sich alles in Haß verwandelte. Gut, dann soll er mir Rede stehen, auf dieser Treppe,
neuere Berufe, wie z. B. der eines Elektrotechnikers, sind hier vertreten. Auch ist ein Arzt am Platze, für abgelegene Ortschaften ein unschätzbarer Vorteil, dessen Bedeutung unsere Gemeinde richtig erkannt hat, als sie vor wenigen Jahren eine neue Arztwohnung erbaute. Weiter hat eine Oberförsterei in unseren Mauern ihren Sitz. Dampfsägewerke bearbeiten die Stämme aus den Vogelsberger Wäldern und geben ;ic dann als fertiges Bauholz in die Städte weiter, eine größere Genossenschafts-- molkerei liefert iricht nur ein ansehnliches Quantum Milch an die Stadt Frankfurt a. M., sondern erzeugt auch Butter und Käse. Weiter wird in unferm Dorf künstliches Tafelwasser nach erprobtem Verfahren hergestellt. Als ein Zeichen fortschrittlichen Geistes, als ein Denkmal bürgerlichen Gemeinfinnes sei noch das neuere, schön gelegene und hübsch eingerichtete Schulhaus genannt.
K Aus dem Kreise Alsfeld, 10. Dez. Gegenwärtig sieht man öfters auf unseren Dörfern Arbeitslose, die sich auf eine ganz neue Art ihren Lebensunterhalt erwerben. Sie verkaufen selb st gerahmte Bildchen, die sie mit einer Glasscheibe bedeckt und an den Setten mit schwarzen Papierstreifen eingefaßt haben, was sehr nett aussieht. Manche verlaufen auch s e I b ft g e m a 11 e Bildchen, die sie mit schwarzer und roter Tusche Herstellen. Sie werden für 50 bis 80 Pf. pro Stück ab- geseht.
Rheinhessen.
WSR. Mainz, 10. Dez. Bei Oberolm wurde in einem Walde eine männliche Leiche ohne Kopf gesunden. Der Kopf lag einige Meter davon entfernt. Er soll sich um einen vor etwa einem Jahre verschwundenen Arbeiter aus einem Rachbardorf handeln.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
XX Wetzlar, 10. Dez. Die Weirerentwicklung der von der Krei soerwaltung geschaffenen Wanüerbücherei, deren Bücherbestand zuletzt bis auf 10 000 gestiegen war, ist jetzt leider gänzlich zum totillftanb gekommen. Eine Fülle von Unterhaltung und Belehrung ging von dieser segensreichen Einrichtung aus. Durch den Umstand, daß die Bücher in den einzelnen Bürgermeistereien alljährlich von Dorf zu Dorf weitergegeben und dadurch sehr verbraucht wurden, hat die Bücherei erheblichen Schaden erlitten. Staat und Kreis sind bedauerlicherweise jetzt nicht in der Lage, die abgenutzten Bände durch neue zu ersetzen.
kz. Wetzlar, 10. Dez. Bei den in diesem Jahre abgehaltenen Reichsjugendwett- kämpfen hatten die hiesigen Volksschulen 194 Sieger bzw. Siegerinnen. 3n der Knaben- Altersklasse 1911/12 waren 49 Sieger, in der Kna- ben-Altersklasse 1913/15 98 Sieger, in der Mädchen-Altersklasse 1911/12 20 Siegerinnen und in der Mädchen-Altersklasse 1913/15 27 Siegerinnen. 10 Prozent der Sieger stand eine besondere schön ausgestattete Ehrenurkunde zu, die den 20 besten Kämpfern überreicht wurde.
* Hohensolms, 9. Dez. Am Sonntag fand im Dundesheirn der „Ehrt st deutschen Zügen b“, dem Schlosse zu Hohensolms, in dem auch gleichzeitig eine Volkshochschule ist, eine seine Advents feier statt. Die Klänge der zum Teil von VolkshochschlUern, zum TÄl von Mitgliedern der christdeutschen Jugend mehrstimmig vorgetragenen herrliche alten Advents- lieber, sowie der Lieder, die mgn unter Begleitung eines Posaunenchores (bestehend aus VolkS- hochschülern unb Ortseingesessencn) fang, die von einem wannen Ton durchwehte schone Adventsansprache eines Christdeutschen und das aufgeführte Weihnachtsspiel erhöhten die feierliche Sttmmung wesentlich unb schlugen die feinsten Satten der Seele an.
XX Vom Lande, 10. Dez. Der strenge und Heuer so früh auftretenbe Frost hat dem Feld- und Gartenungeziefer den Garaus gemacht. Beim Wegschaffen von Schnee konstatieren Landwirte und Gartenbesitzer, daß die Eier der besonders im Nachsommer unb Herbst so überaus zahlreich aufgetretenen kleinen Fleischschnecken durch die Kälte und den Bodenfrost erfroren und vernichtet sind. Auch die stark aufgetretenen Feld-
vor ihrer und seiner Tür, und wenn er mir die Wahrheit sagt... aber konnte er einen Mann dazu zwingen, eine Frau preiszugeben?
And während er wartete, sah er einen kleinen dicken Postschaffner die Treppe heraufkom- men, er stieg an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten. wie ein Rachtwandler, die Treppen hinauf zu den Mansarden.
Hasse nahm aus seinem Rotizbuch einen Zettel, schrieb seinen Ramen darauf, steckte ibn in Franziskas Briefkasten, und ging die Treppen hinab in die Rächt hinaus.
Franziska kam gegen drei Tlhr mittags aus der Probe heim und hatte sich gerade etwas auf das Bett gelegt, um sechs Ahr mußte sie wieder ins Theater-, sie hatte heute abend die Mignon zu fingen, als sie den dünnen Ton der Schelle draußen vernahm. Es wird der Briefträger fein, dachte sie und blieb liegen. Die Schelle tonte wieder, dreimal hintereinander. Herrgoit, so schellte nur er. Was tun, dachte sie, liegen bleiben, schlafen? Ich muß schlafen, ich irnni jetzt niemand empfangen. Da schellte es so dringend, daß sie aufsprang. 3n den seidenen niedergetretenen gelben Pantoffeln, das rosa Muffelinnachtsleid auf der Brust zusammengerafft, schlich sie zu dem runden Ausguck an der Tür und schaute hinaus. Da stand Hasse, sie erkannte seine Schultern, seinen Anzug, seine hellgelben Stiefel, feinen weißen, blanken, Kragen, er schlug sich ungeduldig mit dem Stock auf die Beinkleider. Eine Szene, sagte sie und ließ das Sicherheitskettchen fallen.
Haffe hatte im Park gegenüber dem Kulissenhaus gesessen, die Orchestertöne und die Gesänge gehört, bann war alles still geworden, die Choristen, die Künstler kamen heraus, zuletzt Stephansberger mit dem dicken Tenor, aber Franziska sah er nicht... Gr hatte in der Bavaria zu Mittag gegessen, aber vom runden Tisch war niemand gekommen, dann war er hinausgefahren. Das Warten hatte ihn in eine nervöse Stimmung gebracht.
„Warum machtest du beim nicht gleich auf?“ fragte er, während er ihr durch den dunklen engen Gang folgte. Franziska drängte eine rasch auf steigende Ungeduld zurück. Sie nahm, ohne
mause sind durch das Frostwetter in ihren Astlöchern gestört morden und werden beim raschen Abgehen des ersten Schnees noch weiter vernichtet.
Kreis Marvnrg.
WSN. Marburg. 10. Dez. In Einhausen bei Marburg gerieten gestern zwei Kinder eines Landwirts mit den Händen in die Rüben" f ch n e i d m a f ch i n e. Die Kinder zogen sich, dabei derartig schwere Verletzungen zu, daß sie in die Marburger Universitätsklinik verbracht werden mußten.
Lrllkreis.
bl. H e r b o r n , 10. Dez. An das Wasser- leitungsnetz der Stadt wurden vier weitere Quellen angeschlossen. Die Erweiterung; wurde durch den Mehrverbrauch der Landes- Heil- und Pflegeanstalt und der 'Dahn notwendig. Die Kosten betragen rd. 5000 Mark.
bl. Dillenburg, 10.Dez. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer jüngsten; Sitzung die Ausführung von Rotstandsar- beiten im Wege der produttiven-Eüpcrbslosen- für sorge. Vorgesehen sind 2 Projekte. Auf der Frvhnhäuser Landstraße soll eine Wasserleitung gelegt, ferner soll eine neue Quelle erschlossen werden. Als Weihnachtsbeihilfe an die Arbeitslosen wurde ein Betrag bis zu 2000 Mark zur Verfügung gestellt. Von der Regierung ist der Bebauungsplan bezüglich des Spiel- und Sportplatzes abgelehnt worden. Stadtvervrbnetei'.versammlung und Ortsausschuß für Jugendpflege haben gegen diese Behandlung der Sache scharfen Protest eingelegt, da die Ablehnung der sachlichen Gründe entbehre. Don dem Wirteverein Dillenburg war ein Antrag auf Herabsetzung der Getränke st euer um 50 Prozent bzw. gänzliche Aufhebung eingegangen. Der Magistrat befaßt sich weiter mit der Sache.
Mainqau.
Hanau, 10. Dez. (TU.) Die hiesige Kri- mincckpolizei verhaftete vor einigen Tagen den 27jährigen Arbeiter Emil Steinberg aus Dannenberg i. P., der aus dem Arbeitshaus in iletfernriinöe entwichen war. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß er im Rovembec und Dezember 1924 und im September 1925 in Pommern und Mecklenburg eine Reihe mit Korn gefüllte Scheunen in Brand gesteckt hat.
KreiZ Fulda.
Fulda, 10. Dez. ($11.) 3n Thulba in der Rhön brannten nachmittags 4 Scheunen nieder, wobei sämtliche Futter- und Stroh- Vorräte ein Raub der Flammen wurden. Man vermutet Brand st iftung. Ein Handwerksbursche, der deswegen in Verdacht steht, wurde sestgenommen.
WSR. Fulda, 10. Dez. Beim Holz- f ä I (e n i ft im nahen Rothemann der Arbeiter Flügel von einer um stürzenden Fichte derartig unglücklich getroffen worden, daß er sofort tot war.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
An Ne Leitung des Oberhessischen Museums.
Am vorigen Sonntag wollte ich das im Alten Schloß in Gießen untergebrachte Oberhessische seum besuchen. Ich fuhr eigens zu diesem Zwecke von L. nach Gießen und las beim Eingang des Museums, daß dieses von 11 bis 1 Uhr geöffnet fei. Gegen $12 Uhr bemerkte ich, daß das Tor noch immer gesperrt war, und so zog ick die Glocke. Nun wurde ich von einem Herrn mit ehrwürdigem Bart nach meinem Begehren gefragt. Einigermaßen erstaunt über diese Frage, gab ich die vielleicht doch nicht ganz imerroartete Antwort, ich möchte das Museum besichtigen. Und nun erfuhr ich, das Museum sei wegen der großen Kälte geschlossen. Daß die Kälte an dem betreffenden Sonntag tatsächlich groß war, konnte ich zur Genüge erfahren, als ich draußen vor dem Tore etwa eine halbe Stunde lang wartete, bis das Museum im Sinne der der beim Eingang angebrachten Tafel geöffnet wurde. Nun frage ich: Muß es sein, daß der von auswätts Kommende erst an Ort und Stelle auf eine ganz unangenehme Art erfährt, daß das Museum geschlossen ist? Kann eine Aenderung nicht rechtzeitig zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden? Dr. H.
auf ihn zu achten, vor dem Toilettentisch Platz und begann sich das Haar zu lösen.
„Man schläft doch nicht mit dieser japanischen Frisur!" warf er ein. Sie trug ihr Haar von einem Retz umsteckt, daS die Ondulation schützte unb ihrem seinen Gesicht etwas streng Tlmrissenes, Herbes gab, bas sie aber aus praktischen Gründen nicht ändern wollte.
Sie schüttelte das Haar und bürstete es langsam, mit festen, weichen Strichen. „Ich bin bas so gewöhrtt", sagte sie.
„Wenn ich es nun nicht gewesen wäre, Franziska," sagte er. rittlings auf einem Stuhl Platz nehmenb, sie mit seinem Blick festhaltend wie ein Maler sein Modell, „bann hattest du irgendeinem anderen, einem deiner Kollegen also, in demselben Gewand, das eigentlich so gut wie keins ist, aufgemacht?" fuhr er mit einer Stimme fort, in der die Erregung bebte.
„Ich habe für diese Fälle ein Guckloch an der Tür," sagte sie, „da lass' ich herein, wen ick will, der Milchmann und der Briefträger sind an mich gewöhnt..
Sie warf das gebürstete Haar in den Racken mit einer trotzigen Bewegung unb entzündete die Spirituslampe unter der Drennmaschine.
„Franziska", sagte er weich unb trat hinter ihren Stuhl und umfaßte ihre Schultern und bog dieses süße, reine Gesicht zurück. „Du bist jetzt mein... denkst du daran, alles, dieser Arm. diese Hand, dieser Racken, dieses Haar?" Erzog ihre Hand an sich, drückte sie gegen feine Wange. Aber sie entzog ihm die Hand brüsk.
„Geh weg, du machst so viel Wind, da brennt die Flamme nicht."
Gr nahm neben ihr Platz, nahm einen Streifen ihres dunklen weichen Haares und drückte es gegen feine Augen, die ihm von der durchwachten Rächt brannten, unb blieb fo sitzen. Es kam wie eine Kühlung von ihrem feibigen Haar in seine entzündeten Augen, aber in ihm tobte der 'Sturm. Er entsann sich der Szene mit der Freundin, und er mäßigte sich, er suchte sich zu beruhigen, aber seinen Herzschlag konnte er nicht beruhigen, der ging unregelmäßig und hielt keinen Takt. Plötzlich sagche er:
„Hast du meine Visitenkarte gefunden, Franziska?"
(Fortsetzung folgt)


