Rr. 290 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Freitag, U. vezember (923
Die Bosnische Krise 1908—1909.
Die Begegnung von Buchlau — Aehrenthal und Iswolsky — Die Annexion Bosniens und der Herzegowina.
Mit Erlaubnis des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Verlagsge- sellschaft für Politik und Geschichte bringen wir fortlaufend aus der in Kürze erscheinenden neuen Bänderreche des ?roßen deutschen amtlichen Aktenwer» es*) eine Folge von zu Kapiteln zu- sammengestellten besonders wichtigen Dokumenten zur deutschen Außenpolitik der Jahre 1908—1911 zum Vorabdruck.
DVG. Der Vertrag von Berlin 1878 hatte die Okkupation der unter türkischer Souveränität stehenden Länder Bosniens und Herzegowina durch österreichische Truppen zu einem dauernden Rechts- zustand gemacht, unter dem diese Länder faktisch unbestrittener österreichischer Besitz wurden. Es hätte noch im Jahre 1907 sich kein Politiker träumen lassen, daß diese Provinzen Anlaß zu der ersten fiener großen Krisen bieten sollen, die in kurzer Folge den Frieden Europas in dem Jahrfünft vor der Katastrophe von 1914 bedrohten. Eine Reihe von Umständen sachlicher und persönlicher Natur aber brachten es zustande, daß die Umwandlung des faktischen österreichischen Besitzes in den juristischen von nettem die ganze orientalische Frage bedrohlich aufleben ließ.
Das russisch-österreichische Zusammengehen auf dem Balkan, das seit 1897 die Fragen des nahen Ostens hatte zurücktreten lassen, erlitt einen ersten Stoß, als der Außenminister Rußlands — das nach der Niederlage von 1905 seiner Expansivkraft wie- der die Richtung auf Konstantinopel gegeben hatte — den österreichischen Plänen aus Herstellung einer Bahnverbindung durch den Sandschak Nowi- basar nach Saloniki energischen Widerstand entgegensetzte. Schon in dieser Frage verschärften persönliche Reibereien zwischen den leitenden Staatsmännern die sachlichen Schwierigkeiten. Beide Minister — Iswolsky wie Baron Aehrenthal — verbanden eine lebhafte politische Geschäftigkeit mit nicht geringer persönlicher Eitelkeit: in dem Bestreben, die Großmachtstellung ihrer Länder — des durch Krieg und Revolution gegangenen Rußlands wie des in die heftigsten Nationalitäten» kämpfe verstrickten Habsburgerreiches — vor aller Welt darzutun, neigten beide au ausgesprochener Prestigepolitik und bedienten sich dabei einer politischen Methode, die sie notwendig in den Ruf der Unzuverlässigkeit bringen mußte. Da das Schicksal die beiden in vieler Beziehung ähnlichen Männer zu politischen Gegnern gemacht hatte, entstand zwischen ihnen eine Todfeindschaft, die politische Differenzen bis zu den bedrohlichsten Konflikten steigern sollte.
Den äußeren Anstoß für Aehrenthals Annexionsabsichten gab die Schwächung des osmanischen Reiches durch die jungtürkische Revolution im Sommer 1908 sowie das bevorstehende 60jährige Regie- rungsjubiläum Kaiser Franz Josephs. Während man in Wien die Unterstützung seiner Pläne durch hie Berliner Regierung als so selbstverständlich voraussetzte, daß man dem deutschen Bundesgenossen erst wenige Tage vor der Annexionserklärung von seinen Absichten Kenntnis gab, suchte Aehrenthal das Einverständnis Iswolskys auf einer Zusammenkunft in Schloß Buchlau, der Besitzung des damaligen österreichischen Botschafters in Peters- bürg Grafen B e r ch t o l d , herbeizuführen.
lieber diese Begegnung und ihre Ergebnisse entstand nach wenigen Wochen ein heftiger Streit zwischen den beiden Ministern. Fest steht, daß Iswolsky in Buchlau seine prinzipielle Zustimmung zur Annexion eingetauscht hat gegen die Zusage Aehrenthals, die russischen Wünsche bezüglich der türkischen Meerengen zu unterstützen. Doch bestritt Iswolsky späterhin aufs heftigste, daß genauere Abmachungen getroffen seien, und fühlte sich vor allem durch die plötzliche Annexionserklärung am 7. Oktober völlig überrascht und übers Ohr gehauen. Tatsächlich scheiterten seine Meerengenpläne an dem Widerstande Englands, so daß das Geschäft von Buchlau für Rußland jeden Nutzen verloren hatte.
Völlige Klarheit über die Achrenthalsche Begegnung mit Iswolsky, die die Feindschaft der Minister vollends besiegelte, wird wohl nie zu erzielen sein. Einen wichtigen Beitrag aber liefern zwei Schrift-
•) „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius, Albrecht Mendelssohn-Bartholdy, Friedrich Thimme. 5. Reihe. Erste Abteilung: „Weltpolitische Komplikationen". Band 26 bis 29 (6 Teile). Im Verlage der Deutschen Derlagsgesell- schaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8.
stücke aus dem in Kürze erscheinenden 26. Bande der Großen Aktenpublikation. Das erste ist ein Privatbrief Aehrenthals, in dem dieser dem F ü r st e n Bülow von den Buchlauer Ergebnissen sowie dem Annexionsplan Kenntnis gibt, das zweite ein Bericht des Staatssekretärs Freiherrn v. Schoen über eine Zusammenkunft mit dem von Buchlau nach Oberbayern gereiften russischen Minister in Berchtesgaden. Beide Schriftstücke enthalten auch bereits eine deutliche Skizzierung all der Momente, die in den folgenden langwierigen diplomatischen Erörterungen wieder und wieder vorgebracht werden sollten.
I.
Der österreichisch-ungarische Minister des Aeuhern Freiherr von Aehrenthal an den Reichs- kanzler Fürsten von Bülow, z. Z. in Mrderney.
Privatbrief. Ausfertigung.
Wien, den 26. September 1908.
. . . Nach der Wiedereinführung der türkischen Verfassung ergab sich für uns die unbedingte Notwendigkeit, mit dem bisherigen absoluten Regime in Bosnien zu brechen. Außerdem stellte sich für uns die Unhaltbarkeit der Stellung unserer Garnisonen im Sandschak von Nowibasar heraus . . .
Drei Wege standen mir offen, auf denen ich die Politik der Monarchie engagieren konnte. Zunächst der Weg, an der Verfassungsfrage in Bosnien nicht zu rühren, unter Hinweis darauf, daß die Verhältnisse dafür noch nicht günstig sind: wir konnten auch im Sandschak den jetzigen Status quo aufrecht erhalten, aber in beiden Teilen entsprechende militärische Vorkehrungen treffen, um nicht von den schamlosen Hetzereien der Serben, welche in letzter Zeit auch von dem jungtürkischen Komitee wenigstens geduldet werden, überrascht zu werden. Line solche Verstärkung unserer Garnisonen im Sandschak, die Mobilisierung des 5. Korps in Serajevo, wäre sicherlich von unseren Gegnern als Beweis einer aggressiven Politik gedeutet worden. Der zweite Weg, den ich einschlagen konnte, war der, von militärischen Vorkehrungen abzusehen und in Belgrad eine drohende Sprache zu führen, indem ich die dortige Negierung für jeden Zwischenfall in Bosnien und im Sandschak verantwortlich machte. Eine solche Politik hätte leicht zu einem bewaffneten Konflikt mit dem Königreiche geführt, unsere Lage im Sandschak nicht verbessert und auch unsere Beziehungen zu den Mächten, anstatt sie zu klären, eher getrübt. Endlich stand mir der dritte Weg offen, den ich ein- schlagen will. Seiner Majestät, meinem aller- gnädigsten Herrn, oorzuschlagen, unsere Truppen aus dem Sandschak herauszuziehen, auf eine Okkupation jener Gebiete definitiv zu verzichten, gleichzeitig aber die Annexion der beiden Provinzen als fait accompli auszusprechen. Ich entschied mich für diese Lösung nicht nur, weil sie den spezistschen Interessen Öesterreich-Ungarns gerecht wird, sondern auch, weil hierdurch die allgemeine Konstellation der Mächte am wenigsten berührt wird.
Um nun die Frage der Annexion mit dem ge- ringften Risiko zu verbinden, war eine vorgängige Verständigung mit Rußland nötig. Rußland hat die Annexion der beiden Provinzen gleich zu Anfang unserer Verhandlungen aufs Tapet gebracht. In Buchlau hat Iswolsky nach einer von mir vorgebrachten eingehenden Darlegung unserer Beweggründe sich mit der von mir in Aussicht aenom- menen Vorgangsweise im Prinzipe einverstanden erklärt und eine freundschaftliche Haltung Rußlands zugesichert. Iswolsky hat natürlich die Gelegenheit wahrgenommen, um die Rückwirkung der Annexion Bosniens und der Herzegowina auf die Balkanverhältnisie sowie auf die spezifisch russischen Verhältnisse zur Erörterung zu bringen. Er glaubt, daß sowieso eine Revision zahlreicher Bestimmungen des Berliner Vertrages sich als unerläßlich Herausstellen dürfte und diese Revision auf friedlichem Wege durchzusetzen fein werde. Dieser Optimismus ist darauf begründet, daß die Türkei sich mit dem Fallenlassen rein formaler Rechtsansprüche, die sich mit den faktischen Machtverhältnissen nicht decken, abfinden werde, weil sie als Ersatz dafür freie Hand in ihren inneren Angelegenheiten erhält. Iswolsky denkt sich auch den Augenblick gekommen, wo er auf fein großes Ziel — eine Modifizierung der Bestimmungen betreffend die Meerengenfrage — zusteuern könnte. Iswolsky perhorresziert ledcn territorialen Anspruch in und um Konstantinopel. Er fände es im Interesse Rußlands gelegen, wenn der heutige territoriale Besitz der Türkei — exklusive Bosnien und Herzegowina, Ostrumelien und Kreta — solange als möglich intakt bliebe. Für den
Der Schnupfen und feineEefahren
Von Dr. weck. E. Mosbacher.
Die Nase ist zum Riechen da. Aber nicht nur allein zu diesem Zweck; sie ist auch ein wichtiger Bestandteil des Atmungsapparates. Sie wirkt wie eine Art von Filter; werden doch in ihr aus der eingeatmeten Lust Staubteilchen und sonstige Verunreinigungen zurückgehalten, so daß bei ungehinderter Nasenatmung vom Gröbsten gereinigte Lust in Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lungen gelangt. Zudem aber wird die Einatrnungs- luft in der Nase und ihrer Nebenhöhle oorgewärmt und gleitet somit einer — dem Körper angepaßten — Temperatur in die empfindlichen tieferen Teile des Atmungsapparates. Für alle diese Arbeiten ist nun die Nase im Innern recht zweckmäßig eingerichtet. Die Nasenhöhle wird durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen zerlegt; an den beiden Seiten wird sie durch knorplig-elastische Wände, oben durch Knochen begrenzt und unten durch harten und weichen Gaumen von der Mundhöhle geschieden. Damit nun aber die schützende Schleimhaut, die die Höhle innen auskleidet, möglichst breit mit der vorbeistreichenden Luft in Berührung kommt, sind in jedem Nasenabteil drei überein- anberliegenbe, mit Schleimhaut überzogene Wülste angebracht — die Nasenmuscheln. Aber ein gut Teil der Lust muß, bevor sie in den Mund gelangt, imch die im Oberkiefer, Keilbein und Stirnbein liegenden Nebenhöhlen der Nase, die mit dem Naseninnern in enger Verbindung stehen, passieren. Außer der Stirn-, Kiefer- und Keilbeinhöhle ist noch das Mittelohr durch die eustachische Röhre (Ohrtrompete) mit der Nase verbunden. Auch der Ausführungsgang der Tränendrüsen mündet in das Nafeninnere.
Ganz oben in der Nase liegen die Endigungen der Geruchsnerven, die durch die in der Luft enthaltenen flüchtigen, riechenden Gase gereizt werden und uns so Empfindungen übermitteln. Die Schleimhaut der Nasenhöhle enthält weite, in lockeres Zellgewebe eingehüllte, Blutgefäße, außerdem eine große Zahl von Drüsen, in ihrem vorderen Abteil feine kurze Härchen.
Ungestört vermag die Nase mit ihren Hilfsmitteln beim Gesunden ihre Aufgaben zu erfüllen. Mit einem Schlage aber ändert sich das Bild, wenn auf eine Abkühlung, eine Erkältung hin die stets auf der Nasenschleimhaut vorhandenen — beim Gesunden ruhenden — Bakterien anfangen zu wuchern und eine Entzündung, einen Katarrh, einen Schnupfen heroorzurufen beginnen. Zunächst schwillt die Nase zu, d. h. die Blutgefäße der Schleimhaut werden prall mit dem roten Lebenssäfte überfüllt, um den Kampf gegen die Schädlinge mit verstärkten Kräften aufzunehmen, es kommt von Seiten der Drüsen zu vermehrten 2lus- schwitzungen, die zunächst als klare wässrige Flüssigkeit abfließen, um sich späterhin durch Eiterkörperchen, zugrunde gegangene Bakterienleiber und durch Verunreinigungen grünlich-gelblich zu Jär= ben. Die Luftpassage ist stark behindert oder ganz, lich aufgehoben ;der Kranke muß durch den Mund atmen, wodurch eine Austrocknung der Mundschleimhaut hervorgerufen wird, die sich durch er« irinkbedürfnis, besonders des Morgens beim Erwachen geltend macht.
Hand in Hand mit dieser Lrttichen Erscheinung treten Störungen des Allgemeinbefindens auf, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Frösteln, leichtes Fieber, Kopfschmerzen u. bgl. m. Meist wird der Körper jedoch nach ein paar Tagen mit der Infektion fertig; die Absonderung wird klarer, läßt
Fall einer weiteren Abbröckelung des türkischen Be- sitzstandes bleibt Rußland seinen früher mit uns ausgetauschten Zusicherungen treu, daß es für ein Belasten der türkischen Herrschaft in Konstantinopel et le territoire adjacent eintreten will. Die Meer- engen blieben somit nach wie vor unter der Herr- schäft der Türkei. Die Aenderung würde sich bloß auf die Einräumung des Rechtes an die Uferftaaten des schwarzen Meeres beziehen, daß Kriegsschiffe einzeln die Meerengen passieren dürfen. Als Gegenleistung der Annexion Bosniens habe ich Iswolsky eine gleich' freundschaftliche Haltung der Monarchie in Ansehung des erwähnten russischen Petitums in Aussicht gestellt, jedoch nur unter der ausdrücklich betonten Voraussetzung, daß die an den geltenden Bestimmungen vorzunehmenden Aenderungen die Selbständigkeit und die Sicherheit der Residenz des Sultans nicht tangieren dürfen. Wenn also Rußland faktisch diese heikle Frage wird anschneiden wollen, werden jedenfalls weitere Negoziationen nötig fein, in welchen die uns russischer- seits zu bietenden Garantien für die Wahrung unserer Interessen und Rechte am Balkan und am Bosporus zu prüfen und festzustellen fein werden. Ich halte dafür, daß diese unsere Interessen in Kon- ftantinopel so Ziemlich gleichartig mit den Interessen Deutschlands sind, und daß die Bürgschaften, die wir diesfalls werden verlangen müssen, so ziemlich dieselben sein werden wie die, welche DeutsMand anstreben wird. Iswolsky wird Sie ja im Laufe des Oktober aufsuchen und offenbar die Frage auch mit Ihnen besprechen. Mir gegenüber versicherte er, daß er in der Meerengenfrage kein Engagement mit England eingegangen ist . . .
Mein allergnädigster Herr wird vor der Durchführung der Annexion an Kaiser Wilhelm schreiben und ihm seine Beweggründe für diesen Schritt auseinandersetzen. Herr von Szögyeny ist beauftragt, das Schreiben des Kaisers und Königs persönlich zu übergeben. Ich wäre Ihnen zu besonderem Danke verpflichtet, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, für den Botschafter, der am 4. Oktober in Berlin fein wird, eine Audienz, womöglich für den 5. oder 6. Oktober zu erwirken.
Wir rechnen mit vollem Vertrauen auf Deutschlands Unterstützung, wie auch letzteres von uns Beweise erhalten hat, daß wir in ernster Stunde fest zu unseren Freunden stehen.
Aehrenthal.
II.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von S d) o 0 n, z. Z. in Berchtesgaden, an den Reichskanzler Fürsten Bülow, z. Z. in Norderney.
Ausfertigung.
Berchtesgaden, den 26. September 1908.
Herr Iswolsky, welcher sich nach Abschluß seiner Kur in Karlsbad eine Woche bei seiner Familie in Tegernsee aufgehalten, hatte mir den Wunsch geäußert, mir von dort aus hier einen Besuch ab= Zustatten. Dieser Besuch ist gestern und heute zur Ausführung gekommen.
Das Hauptgewicht der Besprechungen legte Herr Iswolsky auf alles, was den nahen Orient betrifft Baron Aehrenthal, mit dem er kürzlich eine De- gegenung gehabt, hat ihn in feine Pläne eingeweiht, deren Stichworte find: Annexion von Bosnien und der Herzegowina, Verzicht auf den Vormarsch nach Saloniki, Zurückziehen der Garnisonen aus dem Sandschak, Bereitwilligkeit, mit Rußland über dessen Wunsche nach freier Durchfahrt durch die Meerengen zu sprechen. Herr Iswolsky hat den Eindruck, daß Baron Aehrenthal, vielleicht mehr durch inner- politische wie durch äußere Erwägungen gedrängt, schon bald an die Lösung dieser Probleme heran- ’iitreten wünsche. Ohne bestimmte Angaben in biet'er Richtung von Baron Aehrenthal erlangt zu haben, neigt er der Annahme zu, daß der österreichisch-ungarische Minister bereits den bevorstehenden Delegationen den Plan der Annexion Bosniens und der Herzegowina oorlegen möchte. Einen so großen Reiz es auch für Rußland habe, dem Ziel feiner Wünsche, der Deffnung der Meerengen für russische Kriegsschiffe, nahezulommen, so könne er sich doch nicht verhehlen, daß die Aehrenthalschen Pläne manche Gefahren in sich schließen: Es sei immerhin fraglich, ob die neue Türkei sich mit der Preisgabe des Sandschaks durch Oesterreich-Ungarn abfinden lasten und nicht weitere Kompensationen, etwa die Revision der Kapitulationen und gewisser auf Mazedonien bezüglicher Bestimmungen des Berliner Vertrages verlangen werde. Bulgarien dürfte wohl r it aller ihm zu Gebote stehenden Kraft für feine volle Selbständigkeit und Erweiterung auftreten und trotz aller ernsten Mahnungen zur Ruhe, an denen es Rußland nicht fehlen lassen werde, geneigt sein, auf blutigem Wege zum Ziele zu gelangen . . .
Mit den bulgarischen Verwickelungen seien übrigens die Folgen, die der österreichisch-ungarische Plan haben müßte, keineswegs erschöpft. Montenegro würde nicht ohne begründetes Recht Anspruch naMBEaWMMgll IW IPTMI I IBWMI I ■■ II I
an Stärke nach, um bald wieder gänzlich aufzuhören; die Schwellung der Schleimhaut bildet sich zurück, die Passage wird freier, bis der normale Luftwechsel wieder ermöglicht wird. Die infolge der Verstopfung des Tränenausführungsgangs entstandene Verquellung und Rötung der Augen verschwindet. Da beim vvllentwickelten Schnupfen die Lust nicht bis zu den Endigungen der Geruchs- nerven bringen kann, so ist auch auf ber Höhe der Erkrankung meist jegliche Geruchsempfindung aufgehoben; auch diese kehrt nach Abklingen ber Ent- zünbung wieder zurück. Außerdem schmecken wir beim Schnupfen wenig ober gar nicht. Süß unb sauer, bitter unb salzig, laugenhaft unb metallisch schmecken wir zwar mit Hilfe ber Zunge; alles andere jedoch, also das Meiste, was wir zu schmecken vermeinen, riechen wir in Wirklichkeit. Und wenn bei einem Schnupfen die Eeruchsnerven ausgeschaltet werden, so geht es uns wie dem Menschen, der bei zugehaltener Naie, also bei Unterbrechung des Luftstromes, und cei oerbun- denen Augen z. B. Tee und Kaffee nicht mehr voneinander unterscheiden kann.
So ungefähr verläuft ber gewöhnliche unkomplizierte Schnupfen.
Anders liegen die Dinge, wenn im Verlaufe des Schnupfens besonders heftige und hartnäckige Kopfschmerzen über einem ober über beiden Augen auf treten ober wenn starke Schmerzen im Oberkiefer cinletzen. Dann muß man stets an eine Komputation, an ein Mitbefallensein ber Stirn- dzw. der Kieferhöhlen decken, um derentwillen man baldigst den Arzt aufsuchen muß. Auch höheres unb länger bauerndes Fieber weist auf Komplikationen hin, z. B. von Seiten des Ohres. Nicht selten entwickelt sich im Verlauf eines Schnupfens, besonders auch bei Kindern, eine Mitteloyrentzün-
auf größere Bewegungsfreiheit erheben, als e» nach dem Berliner Vertrag genießt. Schließlich werbt man auch nicht umhin können, so ungern auch Baron Aehrenthal sich dazu entschließen bürste, Serbien burch einen kleinen Gebietszuwachs auf Kosten von Bosnien-Herzegowina abzuftnben. Kurz, es ergäbe sich eine Fülle teils nützlicher, teils notwendiger Veränderungen, die nicht ohne eine gründliche Revision des Berliner Vertrages vollzogen werden könnten, daher vielleicht einen neuen Kongreß erwünscht erscheinen Netzen. Er für feine Persern würde nicht ben Mut haben, all diese großen Fragen in Bewegung zu setzen, wenn dies aber burch bie Initiative Oesterreich-Ungarns geschehen sollte, so würde die russische Politik für eine gründliche Losung aller auftauchenden Balkanprobleme cintrctcn, immer nur von dem aufriefrj tigen Bestreben beseelt, einen Ausgleich auf friedlichem Wege herbeizuführen.
Ich habe mich einer bindenden Aeußeruug zu allen diesen Fragen, die uns weniger intensiv de-' rührten wie Oesterreich-Ungarn unb Rußland, enthalten, nur stets betont, baß auch wir, wenn bie Balkansteine ins Rollen kommen sollten, un- an den Bemühungen zu stieblichem Ausgleich gern beteiligen würben. Zur Tlecrengenfrage hatten wir keine Veranlassung, uns von vornherein auf einen ablehnenben Standpunkt zu stellen, es käme aber wesentlich daraus an, wie Rußland sich bie Lösung im einzelnen denke. Herr Iswolsky meinte daraus, es würde sich eine Formel finden lasten, welche den Empftndlichkeiten des Sultans sowohl wie der Mächte gebührend Rechnung trage, vielleicht die Limitierung der in gewissen Zeiträumen durchzulassenden russischen Schisse und Garantien für die Nichtantastung der Souveränität des l|3abi« schahs. Wie England sich zu ber Frage stellen würbe, sagte Herr Iswolsky auf meine Frage, wisse er noch nicht, er habe noch feinen Anlaß zu einer Sondierung genommen. Er nehme vorläufig an, daß England nun, nach der Herstellung guter Be Ziehungen mit Rußland, nicht ganz intransigent sein dürfte. Sollte es die freie Durchfahrt nicht allein für russische, sondern auch für alle anderen Schiffe verlangen, so müßte die Erfüllung solcher Forderungen ben Effekt haben, Rußlanb zu enormen Aufwendungen für bie Befestigung feiner Plätze am Schwarzen Meer zu veranlasten. Eine so bebeutenbe finanzielle Mehrbelastung würbe aber Frankreich äußerst ungern sehen, daher wokst zur Einwirkung auf Englanb bereit fein. Auch könnte man letzterem vielleicht eine Kompensation burch Zugestänbnisfe in ber Frage ber Kapitulationen in Aegyvten gewähren. Ich habe darauf einen Zweifel nicht unterdrückt, ob es gut sei, einen fo weitgehenden Handel mit Kompensationen zu treiben, wenn wir auch unsererseits kaum davon würden Abstand nehmen können, für unsere etwaige Zu-- stimmung zur Dleerengeneröffnung einen Gegendienst auf anderem Gebiete zu erwarten.
Herr Iswolsky gedenkt diese Orientfragen mit Euerer Durchlaucht zu besprechen, wenn er in ber zweiten Hälfte Oktober, von Lonbon unb Paris kommend, also vermullich nach erfolgter Sondierung daselbst, in Berlin eintreffen wird. . .
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düng — die Keime wandern von der Nase durch die Ohrtrompete aufwärts — die sich durch heftige Ohrenschmerzen, Ohrensausen und Verminderung der Hörfähigkeit kundgibt. Auch hier ist unbedingt sofortiges ärztliches Eingreifen erforderlich. Weiterhin vermag sich der Katarrh auf den Rachen, den Kehlkopf, ja and) auf die unteren Luftwege festzufetzen — Komplikationen, die burdj Schmerzen, Heiserkeit, Husten und durch länger dauernde erhöhte Temperaturen angezeigt werden. Kurzum so ein anscheinend harmloser Schnupfen kann sich manchmal recht unangenehm entwickeln.
Der 5 unkomplizierte Schnupfen bedarf kaum einer Behandlung, außer wenn erhöhte Temperaturen und stärkere Störungen des Allgemeinbe« findens den Befallenen zwingen, für 1—2 lagt das Bett zu hüten. Hierbei können Schwitzprozeduren unter Zuhilfenahme von heißen Getränken versucht werden. Auck) Einatmen von Wasserdämp» fen bringen vielfach vorübergehende Erleichterung. Da die herabsließende ammoniakhaltige 2lbjonberung die Oberkippe reizt, so fette man diese mit Vaselin oder mit milder Borsalbe ein. Das Einatmen von Aspirin, Pyramidon u. bgl bei jedem lumpigen Schnum'en, zumal ohne Einverständnis des Arztes, ist Unfug. Denn diese Mittel sind keineswegs Harm, los und werden mitunter schlecht vertragen. Et« kalter Umschlag auf die Stirne genügt häufig, um die Kopfschmerzen ganz erheblich zu lindern.
Sobald jedoch Anzeichen für eine der oben genannten Komplikationen vorliegen, so warte man nicht länger ab, sondern nehme umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch. Im übrigen muß man noch wissen, daß her Nasenkatarrh eine Anfangs- ober Begleiterscheinung einer ernsteren, ansteckende« Krankheit wie der Masern, de» Scharlach» ober ber Influenza sein kann.


