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Ma«pM kn 11. Dezember 1925. M in Wen.
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der Statistik mit 98 erkrankten, gefallenen oder ge- töteten Tieren. Besonders gefährliche Seuchen find Milzbrand, Rauschbrand und Tollwut. Milzbrand ist bei 2- Rindern und einem Schwein feftgefteUt worden, Rauschbrand bei fünf Rindern, sämtliche Tiere sind getötet worden. Tollwut ist nur in Darmstadt und Kelsterbach aufgetreten; es [mb nur Hunde von ihr befallen worden, und zwar drei in Darmstadt und acht in Kelsterbach.
Der Schutz gegen die Seuchen ist eine Angelegenheit des Reiches. Die Gesetzgebung hierüber stammt im wesentlichen aus den 70er Jahren des vergange. nen Jahrhunderts und ist später mehrfach ergänzt und erweitert worden. Die Anordnung und die Durchführung der Sicherheitsmaßregeln ist Sache der Länder. Die Mahnahmen gegen Einschleppung der Seuchen werden in Hessen vom Ministerium des Innern getroffen, die Kontrolloorschriften gegen die Verbreitung der Krankheiten werden dagegen l on den Kreisämtern erlassen und von ihnen über, wacht. Die Vorschristen über Stoll- oder Gehöft- sperren finden oft nicht den Beifall der Landwirte, nach weniger die Derkehrsperren und Viehmarktver- üote wegen ihrer pekuniären Auswirkungen. Aber die hier mitgeteilten Zahlen der Statistik. dürften gezeigt haben, wie notwendig es ist, die Einschlep' pung und Weiterverbreitung der Tierseuchen zu verhindern, denn sonst würden sie geradezu Verheerungen unter den Viehbeständen anrichten und nicht allein 4)en Landwirten, sondern auch dem Dolksver- mßgen gewaltigen Schaden zufügen.
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•• ÜntDerfitätfl - Gottesdienst. Rächsten Sonntag, 13. Dez., findet um ll1/* Upr akademischer Gottesdienst in der Aula der Uni- nerfliät statt. Die Predigt hält Prof. D. Hans Schm i d t.
•* ßin Fackelzug der Gießener Studentenschaft zu Ehren deS Geheimrats Prof. Dr. B o st r o e m wird sich heute gegen Abend durch einen Teil unserer Straßen zur Wohnung deS Gelehrt m in der Frankfurter Straße bewegen. Damit will die Studentenschaft Geheimrat Prof. Dr. Dostroem, der im Oktober seinrn 75. Geburtstag beging, eine Ehrung bereiten. Tic sich zur Zeit^des Geburtstages nicht verwirklichen lieh, weil damals die Studenten? schäft noch nicht vollständig hier dngetroffen war. Wie wir hören, wird sich der Zug um 5 Uhr auf dem LudwigSplah aufstellen. Ar schließend veranstaltet die Medi-inerschaft zu Ehren Geheimrat BostroemS einen Kommers Inv Kath. Vereins- Haus.
*• Dom Provinzialausschusi. Die für morgen, Samstag, angesetzte Verhandlung über eine Berufung in der Sache Durgerweist erwähl in Herchenhain findet nicht statt, da die Derufung von den Reklamanten in- zwische,-. flunldgenommen wurde.
•• Der Verkehr mit dem besetzten Gebiet. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft teilt den unterstellten Behörden zur Ordonnanz $08 der Rheinlandkommission folgende- mit; .Unter Bezugnahme auf die Ordon- nan» 308 (Milderung des DesatzungsregimeS) mache ich darauf aufmerksam, bo5 alle Personen daS besetzte Gebiet nach wie vor nur mit einem Ausweis betreten dürfen. Eine Anzeige der Beamten des Geschäftsbereichs, die in daS besetzte ©ebiet versetzt worden sind, oder dort in Ruhestand treten, ist nicht mehr ersor- derllch.
" Die Geltungsdauer der Weih- nachts - Fahrkarten. Die für die Weihnachtsfeiertage gelösten Eisenbahn - Fahrkarten
gelten diesmal, da der lag nach Weihnachten auf einen Sonntag fällt, vom 23. bis einschließlich 27. Dezember.
•• Weihnachtsbriefe nach Amerika. WeihnachtSbricse erreichen den östlichen Teil der Vereinigten Staaten noch, wenn sie von Southampton am 15. mit dem Dampfer .Lcvlathen" oder am 16. mit dem „Majestic" abgehen. Sie sind dann am 21. und 22. in R«o Bork fällig. Schlutzzeit ist je 2 Tage vorher in Hamburg 7 Alfjr abends, Bremen 9 Uhr abends, Köln tagd zuvor 7.32 Llhr vormittags. Beide Damp^r erhalten Rachversandte in Cherbourg, tag« zuvor aufi Frankfurt a. M. 12,12 Tlhr nachmittags.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7 Uhr „Toska" (Ende 10 Uhr). — Ehern. 118er: 8.30 Uhr „Postkeller" Jahresversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Bei mir Riagara". — Astoria-Lichtspiele: „Der Fall Gregory". /
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Rochmals sei in letzter Stunde auf Ole heutige Ausführung der Oper „Toska" durch ein Gastspiel des Frankfurter Opernhauses und Operirhausorchcsters hinge- wiesen, die einen auserlesenen Genuß verspricht.
Schwurgericht Gießen.
* Glesien, 10. Dez. Die heutige Sitzung des Schwurgerichts findet wiederum unter dem Dorsih des Landgerichtsrats Strack statt. Als tretet bet Anklage fungierte Staatsanwalt Justizrat Weidemann, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Albrecht. Angeklagt war die Fr. Sp. aus Offenbach wegen Meineids. In einem Entscheidungsprozeh wurde die Angeclagte vor dem Amtsgericht Glesien als Zeugin vernommen. Hierbei soll sie unter Eid in verschiedenen Punkten unwahre Angaben gemacht und eine Angabe verschwiegen haben. Rach der recht eingehenden Beweisaufnahme ergaben sich jedoch gewichtige Bedenken an der Schuld der Sp. Der Staatsanwalt wies nachdrüalich auf diese entlastenden Momente hin und stellte die Entscheidung ins Ermessen deS Gerichts. Der Verteidiger plädierte in längeren Ausführungen auf Freisprechung. Rach geheimer Beratung verkündete der Vorsitzende das auf Freisprechung lautende Urteil; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.
Kleine Strafkammer Wetzlar.
Q Wetzlar. 9. Dez. Wegen Wid rfiands und Sachbeschädigung sowie wegen Verübung groben Unfugs war der Invalide Johann Sch. von Wetz- l a r seinerzeit durch Urteil des Amtsgerichts Wetzlar zu 70 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Wie die Verhandlung ergibt, hat der Angeklagte am 12.7. dadurch, daß er in betrunkenem Zustand auf der Lahnbrücke mit einem Revolver in der Hand umherlief, die Passanten In Aufregung versetzte. Einem Polizeibeamten, der auf das Treiben des Angeklagten aufmerffam gemacht worden war, folgte der Angeklagte dann auf besten Aufforderung, mit zur Wache zu gehen, ein Stück Wegs, versuchte dann aber auszurücken. Als der Beamte dies jedoch zu verhindern suchte, widersetzte sich der Angeklagte, schlug um sich und biß den Zeugen. Später auf die Wache gebracht, demolierte der An- geklagte noch die Pritsche in der Gefangenenzelle. Der Angeklagte war geständig. Er behauptete, schwer nervenleidend zu sein, auch könne er keinen Alkohol vertragen. An dem fraglichen Tage habe er etwas
viel geturnten, und nur in diesem Zustand habe er die strafbaren Handlungen begangen. Er bat um mildere Strafe. Das Urteil lautete wegen groben Unfugs auf 5 Ti a r t und wegen Widerstandes auf 10 Mack Geldstrafe. Wegen der Sacbbefchä- digung erfolgte Einstellung des Verfahrens, da fein Strafantrag gestellt war.
Wegen Diebstahls war das Dienstmädchen Anna Sch. von Altenkirchen vom Amtsgericht Braunfels zu 10 5 Mark Geldstrafe an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt worden, wogegen sie Berufung einlegte. Die Angeklagte war beschuldigt, bei ihrer früheren Dienstherrschaft altes Gold> und Silbergeld im Wert von etwa 95 Reichsmark entwendet zu haben, was die Angeklagte entschieden bestritt. Die heutige Be- weisaufnahme ergab nichts, was eine Verurteilung der Angeklagten rechtfertigte. Demgemäß lautete auch das Urteil auf kostenlose Freisprechung.
Geraume Zeit dauerte die Verhandlung gegen die Arbeiter Hermann B-, Paul R. und Karl St., alle aus Waldgirmes, die sich wegen gefähr- kicher Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten hatten. Es ergab sich folgendes: In einer Nacht im Mai befand sich der Nachtwächter B. von A tz b a ch auf einem Dienstgang im Orte, als ihm drei männliche Personen begegneten. Als diese anfingen, zu fingen, gab sich der Nachtwächter zu erkennen, ermahnte sie zur Ruhe und ging dann wieder seines Weges. Die drei Personen folgten nun dem Nachtwächter und gingen in einem Abstand von etwa drei bis vier Schritten hinter ihm her. Mehrfachen Aufforderungen des Beamten, ihres Weges zu gehen und ihn in der Ausübung feines Amtes nicht zu stören, leisteten sie keine Folge, sondern gingen weiter hinter ihm her. Schließlich kam eine vierte Person aus entgegengesetzter Richtung, die anscheinend friedlich vorbeigehen wollte. Diesen ergriffen die drei und warfen ihn gegen den Nachtwächter, gleichzeitig faßten sie den Nachtwächter, drückten ihn zu Boden, schlugen mit einem harten Gegenstand auf ihn, traten ihn mit den Füßen gegen die Hüften und rissen bann aus. Der Nachtwächter trug hierbei mehrere Verletzungen am Kops, Auge und in der Hüstgegend davon. Gekannt hatte er damals keinen der Tater, sondern erst einige Zeit später gelegentlich des Sängerfestes in Atzbach stellte er die drei Angeklagten als die Täter fest. In erster Instanz waren die Angeklagten, obwohl sie die Täterschaft bestritten, zu Geldstrafen von ie 300 Mark, hilfsweise für je 5 Mark ein Tag Gefängnis, verurteilt worden. Hiergegen legten sowohl die Angeklagten, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der heutigen Verhandlung wurden zwei Zeugen unter dem Verdacht des Meineids vorläufig fest genommen und weitere Zeugen aus Münchholzhausen und Waldgirmes herbeigeholt. Spät nachmittags kam das Gericht zur Vertagung, da zur Klärung der Widersprüche zwischen den einzelnen Zeugenaussagen weitere Ermittlungen angestellt werden sollen. Die beiden vorläufig festgenommenen Zeugen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.
Buntes Allerlei.
Die Frauen und das geilungsinserat.
In seinen grimblegenben Studien über: -Das Verhältnis der Frau zur Zeitung", die grötzten- teils auf umfangreichen und erschöpfenden Umfragen bei allen Kreisen der Bevölkerung beruhen, behandelt der englische Philosoph MorreS auch die wichtige Frage, wie sich die Frau zu dem Zeitungsinserat stellt. Hat eS für sie eine Bedeutung? Werden Inserate von ihr gelesen? Mißt sie ihnen einen Wert zu und richtet sie sich
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danach? Bach diesen drei GestchttpanSen Wird die wichtige Frage von dem Philosophen behaw- beit. Er kommt auf Grund der Mitteilungen. bU er von den Frauen aller Kreise erhalten hat. zu der äleberzeugung. dasi die Inserate einet Zeitung für die Frauen durchaus nicht nur eine Zugabe zu dem unterhaltenden Tert darsteUet^ sondern eine große Bedeutung haben. Die Anschauung, dasi neben dem Roman die Inserate die interessanteste Lektüre einer Zeitung bilden, kehrt in den meisten Antworten der Frauen wieder. AUe stimmen dann überein, dasi die Inserate von ihnen ausS eifrigste studiert werden. Manch« Frauen legen den größeren Wert auf die Familienanzeigen in weitestem Sinne, d. h. nicht nur auf die Aeiratsgesuchr und Anzeigen, sondern auf alle Inserate, die mit dem HauSwesen in irgendeiner Beziehung stehen. Ob die Anzeigen die Küche und den Keller oder andere Wirl- schaftsgegenstände betreffen, ist gleichgültig. Ein anderer Teil der Frauen legt wieder größere« Wert auf die Anzeigen, welche die Toilette bet Frau betreffen. Interessant ist dabei die Feststellung, daß diejenigen G schäfte, deren Ramen in den von den Frauen g:l Jenen Zeitungen wiederholt vorkemmen, rach Aussagen der Frauen ihnen allmählich auch dann vertraut und gleichsam befreundet werden, wenn sie bis dahin die betreffenden Zirmen persönlich noch gar nicht kennen. Die Erklärung hierfür ist darin zu suchmt. dasi die Frauen zu den Kaufleuten Vertrauen fassen, die sie in den bei ihnen beliebten Zeitungen wiederfinden. Auf Grund dieser Anschauungen ist eS ganz klar, wie die Beantwortung bet dritten Frage lautet, ob bi? Inserate für die Frauen Wert haben. Die m.i'tcn Frauen erklärten sich in ihren Antwortschreiben dahin, dasi sie ihre Einkäufe fast auöschliesilich nach den in ihren Zeitungen enthaltenen Anzeigen richten. Viele bemerken dazu sehr fein, dasi die Anzeigen für sie darum so interessant sind, weil sie im gewissen Sinne ihre Phantasie anregeu. Eine Menge Verschönerungen der Häuslichkeit, auf die die Frauen von selbst nicht verfallen waren, verdanken sie den Inseraten, uurch die sie darauf aufmerksam gemacht worden sind. Gerade um die Weihnachtszeit wird darum die Zeitung von den Frauen am meisten studiert, weil der 3nferatew- teil ihnen der beste Helfer und D?rater auf dem schwiengen Gebiete dec Geschenke ist. Die Zeitung ist eben nicht nur ein Führer deS Lebens durch die darin enthaltenen lehrreichen und unterhaltenden Artikel, sondern auch durch die Ankündigungen, die zwischen der ll'inen Welt der Frau im Hause und der ganzen groben Welt da draußen ein inniges Dand schaffen Für diesen älmstand zeugen diejenigen Antworten der Frauen, die sich dahin aussprachen, dab sie trotz des Zeitmangels, der sie hindert, sich in der Welt umzufehen, mit allen Ersch inungen der Reuzeit: durch die Lektüre des Anzeigenteils mitleben. Darum ist ihnen das Lesen der GeschäftSanzeigen täglich aus den mannigfachen Gründen ein grobes Bedürfnis. Diese Darstellung, die zum erstenmal in psychologischer Weise bad Verhältnis der Frau zu einem Teils des Zeitungswesens in erschöpfender Form feftlegt, ist auS dem Grund doppelt interessant, weil sie gleicherweise zur Kenntnis deS Zeitungswesens und feiner Bedeutung sowie zur Kenntnis der Frauenseele viel Stofs beibringt.
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