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Folge nur ganz selten ein paar kleine Wiesen versprengt eingegliedert liegen. Lind in dem von der letzten Melioration noch unberührten Ge­lände. im Rhinluch, zwischen Friesack und Rhinow, hat dieser Prozeß auch schon mit sprunghaften Schritten begonnen.

Dadurch ist der Werdegang der Moorkultivie- rung in ganz andere Bahnen gedrängt worden, in solche, die zwar zunächst nicht ungünstig, aber doch nicht diejenigen sind, die beabsichtigt worden waren. Vermehrung der Milch- und Fleischprodultion war das Ziel, und Kartoffel-, Rüben- und Getreideanbau das Resultat der Melioration.

Wie konnte cs aber geschehen, daß die Dinge sich so ganz anders entwickelt haben oder, wie ich meine, sich unbedingt entwickeln muhten?

Es ist bekannt, daß die Gletscher der Eis­zeit mit ihren Moränenablagerungen undSchmelz- wassern das Antlitz der Mark modelliert haben. Die Abflußgebiete der Gletscherwasser waren die großen Urstromtäler, wie das Warschau-Berliner, in denen mcilenlange Stauseen ruhten. An diesen großen Talseen erschienen vor etwa 9000 bis 10 000 Jahren die ersten Jäger und Fischer, deren Sicdlungsreste von mir aus dem Rhinluch bei Friesack ausgegraben worden sind. Sie be­finden sich jetzt im Saal 1 der Vorgeschichtlichen Abteilung der Staats-Museen, Prinz-Albrccht- Straße. Aber schon zur selben Zeit, also in,der' sogenannten Ancylusperiode, begann die lang­same Vermoorung dieser Seen, die bis in die Reuzeit hineindauerte. Die Seen vertorften, ver­schwanden. Rur im Westen haben sich noch einige halten können. Lieber den Talgrund, über seine Seen und Hügel wuchs das Moor, ein Riesen­schlamm, aber das große Wasserreservoir für das ganze Havelland. Mit der ersten Melioration im

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18. Jahrhundert brachte der Mensch diese Ent­wicklung zum Stillstand. Das Moor wurde trockener, sackte zusammen, 1 bis 2 Meter wurden als Brennstoff abgetragen, und immer neue Grä­ben vollendeten die gewaltsame Austrocknung des ganzen Luchs.

Mit diesem Zeitpunkt beginnt es das Schick­sal dec iiefgelagerten Gelände und Seen in der Limgebung von Berlin zu teilen, das schon zu so vielen Rotrusen Anlaß gegeben hat. Wie viele Pfühie, Teiche sind auf den Hochflächen um Berlin, wie viele Fenne und Seen in den Tälern und Grunewaldrinnen im Laufe der letzten Jahrzehnte verschwunden! Der Franzosenpfuhl auf dem Tempeihoser Felde, der Vierstückenpfuhl und der Riemeister°See bei Zehlendorf, der Schö- nower See bei Teltow, der Milmersdorfer See existieren nicht mehr. Die Krumme Lanke und der Schlachtensee werden nur durch tägliches Auf- pumpcn noch künstlich am Leben erhalten, und itdie Ver''andungszone an den Havelufern wird jährlich breiter, u. s. f. Es hilft kein Verschleiern *met)r: Was dem aufmerksamen Veobachter längst ^tlar war, was der Geograph Halbfuß auf Grund eines großen, eindrucksvollen Ma'erials erwiesen hat, ist richtig: Rorddeutschland trocknet aus!

Die Abholzungen der Wälder, die Regu­lierung und damit der schnelle Abfluß der Ströme, die Meliorationen der Moore jagen das Wasser aus dem Lande ins Meer, und der Riesenverbrauch der Großstädte an Wasser im Haushalt und in der Industrie saugt den letzten Tropfen aus dem Boden Von Jahr zu Jahr sinkt, wenn nicht ganz besondere klimaiische Ver­hältnisse auf kurze Zeit diese unheilvolle Ent­wicklung durchbrechen, der Grundwasserspiegel. Schon klagt man allerorten, abgesehen von den diesjährigen außergewöhnlichen Llmständen, in Rorddeutschland über eine Abnahme des Er­trages trotz sorg'ältiger Düngung. Fremdartige Krankheiten be a .en plötzlich Wald, Obstbäume, Sträucher, Feldsrüchte.

Von diesen Raturumwälzungen ist auch das Luch mit betroffen. Denn die Wasserhältnisse Groß-Berlins sind wie ein weitverzweigtes Ader­system mit der Spree an die Havel, Elbe und Rordsee angeschlossen. Größere Ader ässe im Zentralgebiet, als das Berlin anzusehen ist, müssen sich unbedingt auch im Havelland aus­wirken und dort bei vermehrten Abflußmöglich­keiten stärker in Erscheinung treten, und desto deutlicher, je näher dem Zentraigebiet. Der Land­wirt merkt davon zunächst nichts oder macht sich wenig Gedanken da.über. Rur plötzlich fällt ihm auf, daß ein Teil feiner Wiesen so trocken wird, daß sie wenig Heu liefern. Lind er baut Rüben, Kartoffeln, Getreide darauf und ist glücklich über den guten Gedanken, der ihm bessere Ernten und höheren Gewinn bringt. Denn der in dieser Beziehung noch jungfräuliche Boden liefert bei richtiger Behandlung wirklich gute Erträge, im Ansaig na ürlich. Lind so verschwindet allmählich das Luch und wird zum Ackerfeld. Freilich muß fleißig mit Kainit und Thomasmehl gedüngt und die schwere Motorwa^e den Moorboden zu- sammenpre sen, sonst jagt der Wind ihn in die Weite. Bis auch dies nicht mehr hilft, bis die Austrocknung so weit vorschreitet, daß das Luch auch als Ackerboden ferne Rolle aus gespielt hat.

Denn das Have^ländische Rhinluch ist ja gar kein Moorgebiet mehr wie die nordwestdeutschen Moore. Die Bohrkac en der CeosogUchen Landes­anstalt und meine eigenen Bohrungen im Frie- acfec Rhinluch haben erwiesen, daß die post- glazialen Stauseen nur sehr flach, meist nur 1,50 bis 2,25 Meter tief waren und in einem recht unruhigen Gelände lagen. Daraus konnten nicht sehr mächtige Moore entstehen, und von diesem späleren Hochmoor ist früher schon die Oberhälfte abgetragen worden und der Rest stark '.usainmengesackt. In dem weitaus größten Luch- eil lagert nur eine vAhältnismäßig dünne hu­mose Oberkrume über dem sterilen Talsand. Selbst genügende Riederschiäge würden zu ihrer Be­fruchtung nicht ausreichen, wenn der Grundwasser­spiegel zu tief liegt. - Bei dem Tempo, in dem die Austrocknung und damit das Enlwiesen und Vecackern des Luchs in dem letzten Jahrzehnt vor sich gegangen ist, wird nach weiteren zehn Jahren

dort wohl alles unter den Pflug genommen worden sein, doch nach anderen 20 bis 30 Jahren dürften auch da die wogenden Kornfelder zu den Seltenheiten gehören. Die Landwirtschaft nicht nur im Havellande wird darum wohl daran denken müssen, sich im Laufe des nächsten Men­schenalters gründlichst umzustellen und mehr vom Ausland zu beziehen, als der Volkswirtschaft zuträglich ist, wenn sie nicht bald auf Ab­hilfe sinnt.

D;e Verschwörung gegen den faszistischeu Staat.

Von unserem römschien C.-Korrespondenteu.

In dem Dome, der auf Michelangelos Ge­heiß aus den Trümmern der Dioklethiansthermen herauswuchs, liegt das Volk auf den Knien. Auf dem Kapitol wehen die Fahnen, sie wehen von Türmen und Zinnen, flattern auf Baikonen und Straßenbahnen. Rachts flammt das Lik- torenbündel am Bahnhof auf, an den Ministerien, den Staatsgebäuden. Die Menschen gehen da­hin wie unter dem Zwang eines schicksalhaften Geschehens. Berge von Telegrammen wandern aus aller Welt nach Rom. Blumen schließen sich an, auf ihrem Zuge nach dem Herzen der Stadt, wo in einem arbeitsfrohen Raume eines aten IPalazzo das in eines einzigen Menschen Brust gelegte Herz des Volkes schlägt: Musso­lini.

Was ist geschehen? Run. nichts Beson­deres, nichts, was nicht auch schon in anderen Ländern passiert wäre. Aber nun multipliziere man mit dem südlichen Temperament! Wenn der Palazzo Chigi nicht so fest im antiken Schutt des Montecitorio wurzeln würde, das aufge­wühlte Meer eines Volkes hätte ihn fortgc- schwemrnt und erdrückt. Wer diesen Abend nicht miterlebt hat, als Mussolini von dem Schick- salsbaikon herunter, auf dem er abgeschossen wer­den sollte wie eine Gipspfeife in der Schießbude, die Brandung beschwichtigte und ihr feinen Wil­len aufzwang, ihr streng untersagte, auch nur mit einer Welle gegen seine Feinde zu lecken, der sollte niemals feil e Schreibtischmeinung, das italienische Volk stände nicht hinter dem Duce, laut werden lassen. Dieses Volk erkannte, mochte es politisch noch so weit ab vom Faschismus stehen, die eminente Wahrheit in dem Worte des todgeweihten Mannes:Wenn mich der Schuß niedergeknallt hätte, so wäre nicht ein Tyrann gefallen, sondern der Diener des ita­lienischen Volkes."

Der Schuß, er ging nach hinten los Tau­sende und Abertausende, die ihr Vaterland mehr gefühlsmäßig als nach Vorschrift der Partei lieben, die bisher das Gesicht abwandten, weil sie es als gute Demokraten nicht verwinden können, nur einen Teil des Volkes regieren zu sehen, jubeln ihrem Mussolini zu was noch nicht heißen will: dem Faschismus. Hier stößt man auf die Achse, um die das Geschehen in Italien seit Jahren kreist und noch auf Jahre hinaus kreisen wird. Mit einer unerbittlichen Logik, mit einer grausamen Zwangsläufigkeit ent­wickeln sich die Dinge, verwickelt sich der Kno­ten. Bis ihn nur noch ein G e w a l t st r e i ch lösen farm.

Gewalt was bleibt der Opposition anders übrig? Die Möglichkeiten demokratischer oder parlamentarischer Staaten sind unerschöpft. Aber die Gewalt wiederum verursacht einen Rück­st o ß, der den Faschismus vorwärts treibt. Sulla oder Catilina welche Rolle spielt Mussolini? Ich glaube, keine von beiden. Der niemals aus den Pennälerschuhen herausgekommene Schreibmaschinenpolitiker mag jetzt fein Quousque tandem zitieren: Wie lange gedenkst du noch unsere Geduld zu mißbrauchen? Aber wenn überhaupt, so spielte diese eatilinarische Ver­schwörung mit vertauschten Rollen insofern, als sie die Ciceroworte an den Diktator richtete, während gerade ihre Drahtzieher nichts zu ver­lieren hatten. Rein, wenn ein Bild aus der Antike paßt, so nur das tragische eines Julius Cäsar. I nstinktiv, vielleicht aus dunkler Ver­bundenheit und Ahnung heraus fühlte sich Mus­solini von jeher jenem Diktator und Allein­herrscher verwandt, der als Opfer einer Ver­schwörung fiel. Seit dem Marsche auf Rom legt Mussolini jedes Jahr auf der Stelle auf dem Forum, wo Cäsars Leichnam verbrannt wurde, einen Kranz nieder. An Cäsars, des Tyrannen Leichnam sein Leben war in dem Augenblicke verwirkt, wo er über den Jmpera- torentitel hinaus zur Kaiserwürde strebte oder getrieben wurde entzündete sich das Volk, wandte sich in raschem Llmschwung gegen die Mörder. Genau an diesem Punkt stehen wir nun, das mißglückte Attentat hat es gezeigt, im heu­tigen Rom Die andern, die auch einmal ans Ruder kommen wollen und die Alleinherrschaft des Diktators und seine Ausrufung zum Impe­rator fürchteten, holten zum tödlichen Schlage aus. Aber es bedurfte nicht einmal der Voll­endung, um dem Volk die Augen zu öffnen. Alles, was Mussolini vielleicht noch fehlte zum Volkshelden, alles das hat ihm der fehlgegangene Schuß besorgt. Der König umarmte ihn, der Papst segnet ihn, niemand, der widerspräche, wenn man nun liest, feine Person fei heilig und unantastbar.

Was wäre geschehen, wenn es anders ge­kommen wäre? Man stelle sich das Bild vor: Ganz Italien lebte in dem Zeichen des 4. Ro-- vember, dem alljährlichen Siegesrausch. Den Corso entlang ziehen die endlosen Scharen der Patrioten zum Altar des Vaterlandes, unter dem der unbekannte Soldat schläft und wacht, vorbei an dem Palazzo Chigi, auf dessen histo­rischen Eckbalkon Mussolini steht und nicht müde wird, den römischen Gruß zu erwidern. Plötz­lich fällt er zusammen wie ein leerer Sack, dec Zug stockt, die Revolver der als Schwartz- Hemden maskierten Verschwörer knattern, um Lern Mörder die Flucht zu erleichtern. Wer der Mörder ist? Llnendlich gleichgültig. Wer der Ermordete? Mussolini? Rein, die Ration, das Volk, Italien! Aufruhr. Ein Gemet­zel, gegen das die Bartholomäusnacht verblassen würde, das sind keine Phantasien, das ist das Gesicht der furchtbaren Wirklichkeit, wie sie in dem Telegramm Farinaccis zum Ausdruck kam: Wir gehorchen deinem Befehl, o Duce, aber wenn es nach uns ginge, würden sämtliche An­hänger und Mitläufer jenes Zaniboni massa- £ eiert werden.

Aber die Tragik Italiens ballt sich nicht nur um den einen Mann. Schließlich ist ja auch ein .Mussolini sterblich und die Zeit muß über sein Grab hinwegschreiten. Eines Tages voll­endet sich also doch das Drama. Sehen wir daher den Dingen ruhig ins Gesicht.

Im Gegensatz zu Sulla, der auf der Hohe feiner Macht zurücktrat, um den Weg für die natürliche Entwicklung freizugeben, ist weder Mussolini noch der Faschismus gewillt, auch nur um Haaresbreite zu weichen. Auf der anderen Seite stehen die Li u g e d u l d i g e u, denen die Zeit zu langsam läuft, die deshalb als deus ex machina in das Drama eingreifen möchten. Mit einem einfachen Schuß aus einem Mauser­gewehr mit Zielfernrohr ist es nicht getan, denn der Faschismus ruht nicht mehr, wie bis zum vorigen Jahre, bloß auf zwer Augen, er ist eine Armee geworden, ein Prätorianerheer geblieben in dem Sinne, daß jeden Tag ein neuer Jmpergtor aus seinem ehernen Schoße erwachsen kann. Folglich muß der Mord so organisiert werden wie jener in Serajewo, wo die Kugel nur den Zweck hatte, die Lawine auszulösen. Verbrechen? -Untere Zeit kennt nur Helden. Jenem Prinzip wurde ein Denkmal errichtet. Hinter Zaniboni steht ein Haufen von Anwärtern, die es ihm gleichfalls danken wer­den.

Die Fäden laufen nach faschistischer Darstel­lung in Frankreich zusammen, dasKartell" sei mitschuldig. Alle italienischen Emigranten, die vor der faschistischen Verfolgung flüchteten, haben sich, ähnlich wie die Auslandrussen, zu- sammcngetan, um das verhaßte Regime zu kur­zen. Roch ist das Verhältnis gc<radezu lächer­lich, Mussolini stützt sich auf so und so viele Millionen Bajonette. Aber darf man das königliche Heer wirklich dazu zählen? Je­denfalls muß die Verschwörung versuchen, dort den Hebel einzusetzen. Es gelingt, den General C a p c l l o, den Führer der 2. Armee (dem man nun die Hauptschuld an Karfreit aufbürdet) zu gewinnen. Er macht sich vor allem an die entlassenen Offiziere und Unteroffiziere heran, gibt Geld, aus eigener Tasche freilich nicht, denn er lebte in kümmerlichen Verhältnissen und war glücklich, als ihm Mussolini mit zehntausend Lire unter die Arme griff. Ausländisches Gold! Französisches! (Immer nach faschistischer Darstellung.) Capello hatte wenig Gluck, die braven Soldaten, denen er sich anvertraute, mel­deten alles nach oben. Aber M war Zani­boni, der Führer dec uni a.istischen Sozialisten, ein früherer Offizier, ein Unerbittlicher persön­licher Feind Mussolinis, der Parteidiplomat, dem es gelang, ein Bündnis zwischen Sozialdemokratie und Freimaurerschaft herzustellen. Er über­nimmt nach monatelanger, raffinierter Vorbe­reitung die Ausführung der entscheidenden An­fangstat persönlich.

Es gibt Stimmen, die an das alles einfach nicht zu glauben vorgeben. Theatermache, ben­galische Beleuchtung für Mussolini! Gesetzt den Fall, es wäre so, was ändert sich dann an dem Resultat eines Experimentes? Richts. Wir wis­sen nun, was auf Mussolinis tatsächliche Er­mordung folgen würde. Aus den Leichen am Fuße des Tarpejischen Felsen erheben sich, müssen sich erheben Rächer, wie ihre Anhänger sagen, Verschwörer, wie die Faschisten sie nennen. Das Drama geht seinen Gang. Roch sind wir nicht einmal im dritten Akt, auf dem Höhepunkt an­gelangt. Doch eine Spannung ist da, die schier unerträglich auf dem Lande lastet.

Oberhessen.

LarrdLreis Gießen.

* Klein-Linden, 11. Rov. Der Eisen­bahnschaffner i. R. August Steger feiert sei­nen 8 0. Geburtstag. Möge es dem allseits beliebten alten Mann, der im Jahre 1870 unser deutsches Vaterland verteidigen half und der bis heute frisch und rüstig ist, auch vergönnt sein, im kommenden Jahre fein goldenes Ehejubiläum zu feiern.

i Watzenborn-Steinberg, 9. Oft. Im dichtbesehten Saale des GasthausesZur Krone" hielt unsere Gemeinde am Sonntagabend ihren ersten dieswinterlichen Gemeindeabend. Wie stets wurde der Abend eingeleitet und bereichert durch die mit gewohnter Präzision vorgetragenen Chöre unseres fleißigen Kirchengesang­vereins, der manch schönes Stück aus dem Schatze unserer religiösen Lieder und alten lieben Volksweisen zu Gehör brachte. Die Begrüßungs­ansprache hielt der O r t s g e i st l i ch e. Ec wies darin auf die Aufgaben hin, die im kirchlichen Leben unserer Gemeinde eine baldige Lösung er­fordern, vor allem den Umbau unseres für die heutigen Verhältnisse zu kleinen Gotteshauses. Er regte zu diesem Zwecke die Gründung eines Kirchbauvereins und eines E v a n g. Frauen- und Jungfrauenvereins an, die diese wichtige Frage in Fluh bringen und fördern müssen. Im übrigen stand der Abend unter dem LeitgedankenHeimat- und Rhein­landseier". 60 farbenprächtige Lichtbilder führten den Teilnehmern die Schönheiten unseres Rheins vor Augen. Die Erläuterung zu den einzelnen Bildern gab der Ortspfarrer. Gegen Schluß des anregend verlaufenen Abends ergriff Bürger­meister Schä fev das Wort zu einer warm­herzigen, von echter Liebe zur Kirche zeugenden Ansprache. Zu den eiirzelnen Lichtbildern fang man die bekannten Rheinliedcr. Lehrer Phi­lipp hatte mit feinem Verständnis passende Rheingedichte ausgewählt und trug sie bei den einzelnen Bildern begeistert und begeisternd vor.

t Grünberg, 8. Rov. Dem heute vor­mittag durch Dekan Schmidt abgefjalte.-.eii Gottesdienst wohnie Supe.inlendent Wag­ner, Gießen, bei. Rach der Predigt hielt der Superintendent eine Ansprache über seine früherö Amtszeit in Grünberg. Anschließend an den 2 a hmittag,-Got'.eZdienst (Hsa.rer Gt a u lin g) sand die Vorstellung der Katechismus- schüler statt, wobei der Superintendent Fragen an die Schüler richtete. Danach fand eine Be­sprechung zwischen den drei geistlichen Herren und der Kirchengemeinde-Vertretung statt, in der lokale Angelegenheiten der Kirchengemeinde besprochen wurden. Zu der hiesigen Ge­meinderatswahl besteht zwischen den Listen des Landbundes, der Volksliste und der ®e» rechligkeitsliste Listenverbindung.

= L i ch, 10. Rov. Zu unserem gestrigen Bericht über die Einweihung der Turn­halle wird uns ergänzend noch mitgeteilt: Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns, wie (Sürgermelfter Völker mit Recht in seiner Ansprache ausführte, ist unsere neue Turn­halle. Der Gemeinschaftsgeist tarn auch bei der Einweihung bewußt zum Ausdruck, nahmen doch alle Bevöllerungsrreise daran mit lebhaftem Interesse teil. Besonders erfreulich war, daß sich alle Gesangvereine der Stadt gern und freudig in den Dienst der erhebenden Feier­stunde gestellt hatten. GesangvereinCäcilia", Rothscher Männerchor, Gesangverein »Einig­

keit" und GesellschaftGemütlichkeit" trugen der Feststunde angepaßte Gesangvorträge unter dankbarem Beifall der Festversammlung in treff­licher Ausarbe.tung vor, ein Zeichen für das gute Verhältnis, das zwischen den Gesangvereinen und dem Turnverein besteht. Richt unerwähnt bleiben soll die herzliche Ansprache, die der Vorsitzende des Gießener Turnvereins 1 846. Llniversitätsoberiuspcltor Erle, mit kernigen Lurnerworten unter lebhaftem Beifall hielt, darin den Turnverein und d,ie Stadt Lcch beglückwün­schend zu der neuen Turnhalle und die feit zwei Menschenaltern bestehenden sreundschaftiichen Be­ziehungen zwischen der hiesigen und der Gieße­ner Turnerschaft hervorhebend. Linker den zahl­reichen Gießener Gästen, die der Cin- weihungsfeier beiwohnten, befanden sich einige, die auch an der Weihe der alten Turnhalle im Jahre 1884 teilgenommen.

!! Queckborn, 10. Rov. Hier besteht so große Wahl Müdigkeit, daß sich eine Gruppe Bürger veranlaßt sah, von sich auS wenigstens eine Liste aufzustellen.

Kreis ^-rre-berg.-

. Friedberg-Fauerbach, 10. Rov. Dem Bildhauer Arnold- Beuern, dem Schöp­fer des 116er-Denimals in Gießen, wurde die Ausführung eines Denkmals für die Ge­fallenen des Stadtteils F a u e r b ach über­tragen. Man hofft, das Ehrenmal an Ostern cinweihen zu können.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 10. Rov. Dieser Tage fand im hiesigen oberen Rathaussaal eine Versamm­lung der Bürgermeister des Kreises Büdingen statt. Kreisdirektor Dr. Gaßner eröffnete die Sitzung und hieß die Erschienenen willkommen. Die Feststellung der Anwesenheit ergab, daß sämtliche Gemeinden mit Ausnahme von Hainchen vertreten waren. Der neugewählte Direktor der hiesigen Sparkasse bat die Bürgermeister, ihm bei der Weckung des Sparsinns behilflich zu sein. Die Sparkasse selbst habe sich entschlossen, Geschenksparkasse­bücher für jedes Reugeborene herauszugeben. Die Sparkasse will hierzu 3 Mk. spenden, außerdem sollen die Eltern den gleichen Betrag zuschiehen. Auch die Gemeinden seien gebeten worden, 3 Mk. zuzulegen. Jedoch die wenigsten Gemeinden hätten dem Wunsche entsprochen. Der Redner bat die Bürgermeister, bei den Gemeinderäten darauf hinzuwirken, daß die Gemeinden sich an der ge­planten Aktion beteiligen. Im Anschluß hieran sprach Bürgermeister R i n g s h a u s e n - Ridda über die in Aussicht genommenen Dauspar- tonten. Auch hier sollen die Bürgermeister nach Kräften helfen, damit die Beteiligung eine recht rege wird. Die Verhandlungen über die Errich­tung der Bausparkonten sind bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Der Vorsitzende gab sodann die Bedingungen bekannt, unter denen Entschädigun­gen gewährt werden können. Der neuernannte Direktor des hiesigen L a n d w i r t scha s t s- a m t es wandte sich an die Bürgermeister mit der Ditte um Llnterstützung bei Aufstellung der Wirt­schaftskataster. Regierungsrat Fendt vom Finanzamt Büdingen teilte mit, daß demnächst die Veranlagung der Landwirte für die Zeit vom 1. Juli 1924 bis 30. Juni 1925 statt­finden solle. Er bat die Bürgermeister, sich über die Einkommensverhältnisse ihrer Landwirte genau zu orientieren, damit eine möglichst ge­rechte Veranlagung zu Wege gebracht werde. Zum Schluß wies er noch darauf hin, daß die Frist zur Anmeldung des Alt-Anleihebesitzes für die Aufwertung in den nächsten Tagen ab­laufe. Die Bürgermeister sollten dafür sorgen, daß die Besitzer dieser Papiere darauf aufmerksam gemacht werden. Zum Schluß teilte der Vor­sitzende mit, daß feit einiger Zeit ein Hess. Fahndungsblatt erscheine. Er ersuchte die Bürgermeister, darauf hinzuwirlen, daß möglichst viele Gemeinden das Blatt halten, da nur so der Zweck erreicht werden könne.

)( Ortenberg, 9. Rov. Nachdem unsere neue Glocke am voriaen Sonntag im Festzug nach der Kirche gebracht, im Lause der Woche aufgehängt und von dem Kirchenmusikmeister Professor Men­delssohn (Darmstadt) geprüft worden war, wurde sie gestern im Festgottesdienst zum erstenmal feierlich in Gebrauch genommen. Das Gotteshaus war bis zum letzten Platz besetzt. Der Ortsgeistliche sprach im Anschluß an das WortDer Meister ist da und rufet dich" und deutete den Ruf der Glocken für einen Christen bei den ver­schiedensten Ereignissen des Menschenlebens. Ein feierlicher Augenblick war es, als die Glocken erst einzeln und dann zusammen vom Turm aus er­klangen und zuletzt zum Danlcslied der Gemeinde erschallten. Die Feier wurde durch schöne Chöre der obersten Schulklasse, des Gesangvereins Frohsinn und des Männer-Doppelquartetts unter Leitung von Lehrer Roß und Herrn Funk, sowie durch Vortrag oon zwei Glockengedichten (Dora Hebbel, Anna Köhler, Elisabeth Böhm, Otto Resch und Wilhelm Driesch) verschönt. Eine Kollekte für die neue Glocke erbrachte 71.44 Mk., außerdem gingen noch 2 besondere Gaben von zusammen 22 Mk. ein. Die .Heimgehenden grüßte noch lange das wieder harmonisch gewordene Geläut. Die neue Glocke hat den Ton A, die alten fisg, ccis und gis. Die neue Glocke trägt die Inschrift:Der Krieg nahm uns die alte fort, nun klinge ich vom selben Ort, will euch für bessere Zeiten Trost, Freude, Fried' und Hoffnung läuten". Sie ergänzt, soweit das überhaupt bei unserem Gestirn möglich war, nach dem Gutachten des Kirchenmusikmeistersin mög­lichst befriedigender Weise die vorhandenen, so daß die drei setzt tiefsten Glocken ein recht erfreuliches Geläute abgeben. Die hohe gis Glocke (das sog. PfingstglÖckchen) paßt natürlich nicht hinein, gibt aber bem Ganzen ein ländlich idyllisches Gepräge".

Stockheim, 9. Nor>. Unsere K i r ch e wurde in den letzten Wochen einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Gestern fand in An­wesenheit von Dekan S ch ä f e r (Büdingen) durch einen Festgottesdienst die feierliche Einwei­hung statt, an der die ganze Gemeinde teilnahm. Die 9nnenausmalung würde, soviel bekannt, durch Kirchenmaler Belte oorgenommen, auch die Orgel wurde, soweit nölig, erneuert. Sämtliche Arbeiten wurden unter der Leitung des Hochbauamts Bü­dingen ausgeführt.

th. L e i d h eck en, 10. Rov. Zu der be­vorstehenden Gemeinderatswahl wurden in unserem Orte drei Listen eingereicht. Die erste Liste stammt vom Bauernbund, die zweite ist eine Arbeiterlistr, die dritte (Liste Karl Hof) kann gleichfalls als Dauernliste bezeichnet wer­den.

Kreis Schotten.

Schotten, 10. Rov. Bei den jetzt vor­genommenen Wahlen zur Industrie- und Handwerkskammer Friedberg wurde«