Ausgabe 
9.11.1925
 
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Nr. 265 Erster Blatt <u

175. Jahrgang

Montag, 9. November 1925

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Gietzener Anzeiger

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Dr. Friedr. Wilh. Lange.

Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigentcil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.

Erwachen des Islams.

Die Absetzung der persischen Dy­nastie durch die Teheraner Regierung im Verein mit dem Parlament und wohl auch Rußlands hat den Blick weit über Persiens Grenzen hinaus ausdiemohammedanische Frageüber- hanpt geteuft. Die Absetzung des Schahs be­deutet die Verdrängung des engli­schen Einflusses mit einer Entschiedenheit, wie man sie in den letzten Monaten eigentlich nur in Arabien und in China beobachtet hat. In derselben Zeit beginnen Gerüchte über Geheimverträge Rußlands hinsichtlich des Balkans aufzutauchen sowie über Ver­träge Moskaus mit Angora und Teheran. Stimmt man die schon bekannten Tatsachen in Arabien, Syrien, Palästina und in Mesopotamien hinzu, erinnert man sich ferner der auf lodernden Bewegung unter den Mohammedanern Indiens und Aegyptens, so gewinnt das Bild einer mo­hammedanischen Auflehnung scharf umrissene Formen.

Was an den neuen Verträgen und an den Vorgängen in Persien aber von ausschlaggeben­dem Interesse ist, das ist die Llebertragung der Bewegung von einem bisher fast nur religiösem Gebiet auf das der Stammesverwandt- schaft. Von vornherein aber scheint diese Be­wegung in zwei Teile zerfallen zu wollen, von denen der eine unter englischer Führung, der andere unter russisch-türkischer steht. Jedermann weiß, daß Englands Richtlinien im Osten auf die Erhaltung der feudalen Formen ausgehen, während Persien und die Türkei, die neuen republikanischen Regierungen, also, die Freiheit auf ihre Banner geschrie­ben haben. Bemerkenswert dabei ist, daß auch Rußland sich in diesen Staaten politisch eng an die dort vorherrschenden Tendenzen anlehnt. So äußerte z. B. die Moskauer Amts presse gelegent­lich der letzten Vorgänge in Teheran, sie seien dazu angetan, Persien mit Hilfe der natio­nalen Dourgeosie von der Abhängigkeit vom englischen Imperium zu befreien. Während nun di^elbe Presse bei jeder anderen Gelegen­heit die Forderungen der Arbeiter und Bauern in den Vordergrund schiebt, während sie die Weltrevolution über jede andere Llmsturz- form stellt, deutet sie im Falle Persien nur an, Riza Khan müsse sich doch im eigenen Interesse darum bekümmern, daß die persischen Arbeiter und Dauern sich um ihn scharen. Das Maß der Forderungen und Erwartungen ist von Rußland also s<Hr ftart verkleinert worden.

Richt ohne politische Berechnung. Denn als die englischen Diplomaten im Osten der russi­schen Propaganda immer mehr auf die Spur kamen, und als die Zentrale des Imperiums die Auswirkungen der Moskauer Propaganda gegen die Wacht Großbritanniens immer deut­licher spürte, da leitete England ohne Zaudern eine Gegenpropaganda ein. Änd man muß sagen: an der empfindsamsten Stelle des Mohammeda- nismus, in der Türkei. Kemal Pascha hat es nicht verstanden, seit der Vertreibung des Kalifen und der Aufhebung des Kalifats die geist - lichen und konservativen Elemente seines Landes für sich zu gewinnen. 2n diesen Kreisen nun seht Englands Propaganda ein, und, wenn man recht unterrichtet ist, auch Kemal Pascha sieht in diesem Widerstand gegen seine Politik keine geringe Gefahr. Im Gegenteil, wir hatten schon einmal auf die vorjährigen russisch- türkischen Verhandlungen hingewiesen, die die Befreiung der islamischen Länder unter türkischer Führung, aber unter Einschluß turkme­nischer Gebiete Rußlands bezweckten. Damals hat Kemal Pascha sich nicht entschließen können, den Haß der Engländer gegen jede neue nationale Bewegung im Orient auf sich zu kon­zentrieren.

Die M o s s u l - Frage hat inzwischen man­chen Geduldsfaden zerrissen und gestern wurde aus Moskau mitgeteilt, daß Rußland und die Türkei einen Vertrag abschließen, in dem sie sich gegenseitig zum Zusammengehen in der gesamten Ostpolitik, insbesondere aber in Bezug auf das Mossul-Problem verpflichten. Angedeutet wird, der Vertrag von Locarno habe dazu nicht wenig beigetragen. Auf der andern Seite nähern Persien und die Türkei sich von denen gerade ersteres in der Mossul» Frage bisher auf Seiten Englands stand, und zwar dank der Eingriffe der Anhänger des Schahs in die Außenpolitik Riza Khans. Diese Einflüsse sind jetzt beseitigt, sodaß einer Konsolidierung in der Richtung Tür­kei-Rußland-Persien nur noch wenig im Wege steht-

Auf der anderen Seite verrät die moham­medanische Bewegung, soweit sie sich mit großen polirischen Fragen nicht verbinden will, die außerhalb der eigenen Interessengebiete liegen, eine Reigung zur Verselbständigung gegenüber jedweden Mächten. Aber auch diese Gruppe ten­diert nach Konstantinopel, und Kemal Pascha soll sich auch ihr gegenüber mit einer Art Führung einverstanden erklärt haben. Die Abbröcke­lung von England macht Fortschritte, seine Anhänger in islamittschen Kreisen werden an Zahl geringer und an Einfluß schwächer. Cs bleibt abzuwarten, was London zu unternehmen gedenkt, um den gegen ihn gerichteten Schlag zu parieren. Das persische Interessengebiet, wo es bis jetzt noch auf die Unterstützung von feiten der Armee rechnen zu können glaubte, ist ihm entglitten. Vollzieht sich die Vereinheit­lichung der mohammedanischen Bewegung in Indien in dem Tempo, das jetzt eingeschlagen worden ist, konzentriert sich das Interesse der ara­bischen Stämme auch weiter auf Syrien, bahnt sich zwischen Angora und einem entstehenden Panarabien ein Ausgleich an, werden schließ-

Die Rückwirkungen.

Die Note der Botschafterkonserenz. Weitere Verhandlungen über das künftige Rheinlandregime.

Berlin, 7. Noo. Der deutschen Regierung ist heute die Antwort der Bolschafterkonserenr aus die letzte deutsche Note in der Entwassnungssrage zu­gegangen. Die Antwort bestätigt d i e sach­lichen Angaben verdeutschen Note über den Stand der Lntwaffnungssrage. wegen einiger Linzelpunkte, die deutscherseits noch als offen bezeichnet worden waren, hat die Bot- ichafterkonferen; die deutsche Regierung aufgefor­dert, neue Vorschläge zu machen. Dabei hat die Botschafterkonferen; erklärt, daß sie nach Emp­fang der deutschen Vorschläge in Der Lage wäre, Den endgültigen Termin für d i e Räu­mung der nördlichen R h e i n l a n d z one K zu können, und zwar in der Welse, daß mung am 1. Dejember zu beginnen habe.

Ein Havasbericht besagt, daß die Antwort der deutschen Regierung auf die letzte Rote der Botschafterkonferenz vorn 23. Oktober zwischen dem 15. und 30. Äovember eintreffen müßte, damit die alliierten Regierungen das Da­tum der Abberufung der interalliier­ten Militärkommissionen aus Berlin festsehen könnten. Es wird hervorgehoben, daß die deutsche Rote diesmal direkt der Do ^schäf­te rkonserenz zugehen wird. Die ca. 100 französischen, englischen, belgischen und japanischen Kontrolloffiziere werden im Verlause des De- zeniber Berlin verlassen. Im Dezember soll auch der Völkerbund wegen der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zusammen­treten. Mitte Januar soll die Räumung der Kölner Zone zu Ende geführt fein. Die Militärkontrolle wird bekanntlich künftig durch den Völkerbund versehen werden und zwar wird auf Antrag einer alliierten Regierung die Entsen­dung eines Untersuchungsausschusses an Ort und Stelle veranlaßt werden. Für Deutschland kommt als Leiter des Untersuchungsausschusses der Ge­neral Desticker in "Betracht. Die Reichst gierung wird 15 Tage vorher benachrichtigt wer­den, ohne daß man ihr jedoch den Ort befannt ge­ben wird, an den sich der Untersuchungsausschuß begeben wird-

Was die

Erleichterung des Rheinland-Regimes anbelangt, so stoßen die von Deutschland auf­gestellten Forderungen im großen und ganzen bei den Alliierten auf keinerlei Bedenken. Die deutsch« Forderung auf Herabsetzung der Zahl derBesatzungstruppen auf 40000 Mann, eine Ziffer, die ungefähr dem Stande der deutschen Truppen in den rheinischen Garnisonen um 1914 entspricht, wird von den Alliierten angenommen werden. Es versteht sich von selbst, daß nach der Räumung der ersten Rhein­landzone die Truppenzahl vermindert werden wird und daß über die Zahl der in den beiden anderen Zonen noch verbleibenden alliierten Truppen eine Verständigung erzielt werden kann.

Weitere Erleichterungen werden sich auf das Paßwesen, die Aufenthalterlaubnis in der zweiten und dritten Zone, das Ausenthaltsverbot, von dem gewisse Deutsch« bisher betroffen worden sind, die Requisittonen und die Unterbringung der Militär- und Zivllverwaltungsbehörden er­strecken. Ferner werden

Aenderungen im Militär-, Zivil- und Justiz- Wesen

vorgenommen werden, so z. B. will man eine Verminderung der Befugnisse der Kriegsgerichte zugestehen, sowie die ilebertragung von Abur­teilungen auf die deutschen Zivilgerichte und die Liebertragung der örtlichen Verwaltungsfragen aut die Gemeindebehörden. Ganz allgemein wird gegen die von der deutschen Regierung in der Zivilverwaltung geforderten Erleichterungen nichts eingewandt; nichtsdestoweniger werden sie nur unter der Bedingung der Ge­genseitigkeit zugestanden, d. h. daß Deutsch­

land, abgesehen von der Beobachtung der Cnt- waffnungsllausel, auch den von den Alliierten geforderten Bedingungen Rechnung tragen muß, besonders was die Wiederherstellung des Postens des Oberkommissars bei der Rhein­landkommission anbelangt, was ja übri­gens bereits geschehen ist. Deutschland muß fer­ner die sogenannten Ordonanzen des passiven Widerstandes abberufen.

Wiedereinsetzung der Reichs- fommifiars für die Rheinlande.

Berlin, 7. Noo. (Wolff.) Amtlich. 3m An­schluß an die Verhandlungen in Locarno war die Reichsregierung mit den an der Besetzung des Rheln- landes beteiligten Mächten wegen Wiederernen­nung des Reichskommissars bei der Interalliierten Rheinlandkommission in Verhandlungen eingetre­ten. Die Reichsregierung hat diesen Mächten davon Mitteilung gemacht, daß sie für den Posten den deutschen Botschafter in Madrid, Freiherrn Langwerth v. Simmern, ausersehen habe. Sie hat nunmehr die Nachricht erhalten, daß dieser Ernennung z u g e st i m m t werde, hierbei ist sei­tens der Besatzungsmächte zum Ausdruck gebracht worden, daß ebenso wie sich nag) ihrer Ueberzeu- gung der neue Reichskommissar von dem Geiste der Verhandlungen von Locarno leiten lassen werde, auch die Interalliierte Rheinland­kommission sich ihrerseits diesem Geiste ge­treulich anpaffen wolle.

hamburgische wirtschastsfuhrer über Locarno.

S) a m b u r g, 7. Nov. (WB.) An den Reichs­kanzler ist folgende von 38 bedeutenden Persönlich­keiten des Hamburger Wirtschaftslebens unterzeich­nete Erklärung abgegangen:

In den Verhandlungen von Locarno wurde der Versuch gemacht, eine Annäherung der Staaten Europas durch eine Politik des verständigen Aus. gleichs zu erzielen. Nur wenn ein solcher Versuch gelangt, besteht für die Wirtschaft von ganz Europa Aussicht, die Zeit schwersten Drucks zu überwinden, unter dem sie noch heute leidet. Das Ergebnis der Verhandlungen von Locarno ist zur Zeit in seiner Gesamtheit noch nicht zu übersehen. Uebereilt und für den wirtschaftlichen Wieder­aufbau Deutschlands gefährlich wäre es daher, schon jetzt das Vertragswert zu verwerfen, dessen Bedeu­tung ohne Kenntnis der gesamten Verhandlungen und ohne Kenntnis der noch ausstehenden Rück­wirkungen nicht zu beurteilen ist. Die Erörterung tibn Fragen einer noch im Flußbefind­lichen Außenpolitik in breitester Deffenb lichkeit ist stets mit gewissen Gefahren für die Erreichung des Zieles der Beauftragten eines Lan­des verknüpft.

Die Unterzeichneten, die verschiedenen Kreisen des hamburgischen Wirtschaftslebens angehören, hal­ten es im gegenwärtigen Augenblick für besonders bedenklich, das noch nicht feststehende Gesamtergeb­nis des Vertragswerks zum innerpolitischen Streit­punkt der Parteien zu machen.

Th. Ansinck, Dr. G. A. M. Aufschläger, A. Barn« warth, Cornelius Frhr. v. Berenberg-Goßler, I. v. Berenberg-Goßler, M. Boeger, Otto Bock, heinr. Bornhöved, Dr. W. A. Burchard-Motz, h. Diede- richsen, F. C. h. Heye, A. v. holzendorff, Dr. hopff, A. hübbe, Dr. Kiep, h. A. Klöpper, N. W. Kochen, Dr. Melchior, Herrn. Münchmeyer, Alfr. O'Swald, Rud Petersen, F. F. Richter, O. Riedel, Anton Rodatz, Gras Rödern, Dr. E. Schiele, Dr. I. Schlinck, Edgar Schlubach, Rud. Frhr. v. Schröder, Dr. Walter Schues, Dr. K. E. Siemens, George Simon, Paul Stahl, G. h. Stoltz, Kurt v. Sydow, h. C. Traun, h. C. Bering, F. h. Witthöft.

DieTimes" über die inner­politische Lage in Deutschland.

London, 7. Rov. (WTD.) In einem Leit­artikel beschäftigt sich dieTimes" mit der schwie­rigen politischen Lage in Deutschland im Zu­sammenhang mit den Locarnoverträgen. DaS Blatt führt aus, Luther und Sttesemann führten: die Geschäfte mutig mit dem sogenannten Rumpf- kabinett fort. Sie zeigten in diesem Dilemma Eigenschaften nationaler Führer, die sich über alle Parteischranken erheben. Der Locarnovertrag bedeute für Deutschland nicht, wie die Rationa­listen behaupten, eine Beschränkung, sondern eine Befreiung. Die verschiedenen Parteien, die sich zusammenschlössen, um gewisse endgültige Handlungen der Westmächte als Be­weis ihres Willens zum Frieden an» zusehen, feien vermutlich die Wortführer der all­gemeinen Auffassung des deutschen Volkes, das in den langen Jahren der Vereinsamung miß­trauisch geworden sei. Dieser Beweis werde zweifellos in kurzer Zeit gegeben werden, und zwar in der Form von großen Erleichterungen hinsichtlich der Bedingungen der Rheinland­besetzung. Die Räumung Kölns sei ü b e r f ä l l i g. Es blieben nur die technischen Hindernisse, die jetzt ein genaues Gegenstück zu den langsamen und mühsamen Arbeiten der deutschen Partei­maschine bildeten und die nicht länger die Be­kanntgabe des endgültigen Datums dec Räumung verzögern sollten. Die Botschafterkonferenz habe bekanntgegeben, daß noch ein paar kleine strittige Punkte vorhanden seien. Warum solle man sich mit solchen Richtigkeiten aushalten, wenn die Hauptsache erledigt sei? Auf beiden Setten gelte es jetzt, Hand und Herz zu gebrauchen, um die mächtigen Hindernisse hinwegzuräumen, den Pakt zu sichern und ihn zu einer Wirtlichteit in demjenigen Gebiet zu machen, welches er hauptsächlich berühre, nämlich im Rhein- lande.

Die Einberufung des Reichstages

Berlin, 9. Rov. (LU.) Wie dieMorgen- Post" meldet, sind Reich st agspräsident L ö b e und die deutschen Parlamentarier Frau Mende und Abgeordneter Mittelmann (D. Vpt.), Pfarrer Korell (Dem.). Frau Schrö­der und Abg. Hildenbrand (Soz.) mit dem HapagdampserDeutschland" am Sonntagnach­mittag in Cuxhaf en gelandet. Reichs­taaspräsident Löoe hat bisher nur durch einen allgemeinen Funkspruch Kenntnis von dem Be­schluß seiner Fraktion erhalten, eine sofortige Einberufung des Reichstags zu fordern. Ev glaubt nicht, daß eine Einberufung des Parla­ments vor dem 19. oder 20. Rovember frühestens sich ermöglichen läßt. Lobe, der von Cuxhafen direkt nach Berlin durchreiste, wird sich beute mit dem Reichskanz ler unb dem Reichspräs i- denten in Verbindung setzen, um alsbald die erforderlichen weiteren Schritte für die Einbe­rufung des Reichstags einleiten zu können.

Rücktritt des Völkerbunds- Kommissars von Danzig.

Genf, 8. Rov. (SH.) Aus Völkerbunds- freifert wird mitgeteilt, daß der Dölkerbunds- ommissar für Danzig, der Engländer Macdo - ncl, sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe. Sein Rücktritt wird auf die Schwierigkeiten, die zwi- ' fchen ihm und dem polnischen Minister für Danzig, Straßburger, entstanden ftnb, zu- rückgeführt. Als Rachfolger Macdonels wird Der Holländer Hamel, der jetzt Direktor der Rechts- abtcUung des Dölkerbundfekretariates ist, ge­nannt. Der Posten des Direktors der Rechtsabteilung beim Dölkerbundsekre- tariat soll für einen Deutschen ausersehen sein, für den Fall, daß Deutschland in den Döllerbund eintritt.

lich von feiten des Gegenüber große Armeen ins Steffen geführt, so bleibt nur eines: der Kompromiß. Ob das zu einer Stärkung der Position Englands führt, darüber braucht nicht debattiert zu werden. Eine andere Frage ist und bleibt die bolschewistische Gefahr.

painknes Sanierungsplan abgelehnt.

Ministerpräsident Painlevö hat gestern mit der Finanzkommission verhandelt und sich dabei über die Vorlage der Regierung hart Wahrheit sagen lasten müssen. Es wurde betont, daß sie d i e Ge­fahr einer Inflation mit s i ch bringe.

Besonders die sozialistischen Mitglieder der Korn- mission haben unumwunden ihrer Enttäuschung über die von der Regierung vorgeschlagenen Maß- nahmen Ausdruck verliehen. Bekanntlich wird in der Hauptsache die Errichtung einer Amortisations­kaste geplant, die durch folgende zwei Einnahme­quellen geteilt werden soll:

1. Auflegung von Umsatzsteuern, u.a. einer Kopfsteuer von 20 Franken für jeden Franzosen vom 21. Jahre an. Man erwartet, daß der Ertrag 500 Millionen beträgt.

2. Eine außerordentliche Abgabe auf sämtliche Formen des Vermögens. Diese Ab­gabe würde während 14 Jahren hindurch erhoben werden: sie kann einmal entrichtet werden, wofür eine Ermäßigung von 25 Prozent zugestanden wird, oder nach drei Jahren, was eine Ermäßigung von 5 Prozent mit sich bringen würde, oder im Verlauf von 14 Jahren ohne jede Vergünstigung.

Da die bevorstehenden Maßnahmen nicht so­fort in Kraft treten können, wird ein Kredit von drei Milliarden Franken beantragt, der den ersten Fonds der Amor- tifationskasse darstellt.

Nach langer Debatte nahm dann die Finanz- kommifsion mit 17 gegen 14 Stimmen bei zwei Entwallungen einen Antrag Vincent A u r i o I s an, der die Inflation verurteilt und die Regierung auf­fordert, ein Projekt einzureichen, das der von den Linksgruppen vorgeschlagenen Kapitalabgabe weitgehend Rechnung trägt. Painleoö versicherte, daß im Laufe der Nacht ein neues Projekt ausgearbeitet werden soll.

Neue französische Schlappe in Syrien.

Damaskus. 9. Rov. (Wolff, Funkspruch.)- Die Aufständischen h^ben v?r Damaskus neue

Erfolge davongettagen und schicken sich jetzt an, ihren Vormarsch auf Homs Baalbek toieöer aufzunehmen. Falls die französischen Truppen noch weiter zurückweichen, werden die beißen französischen Garnisonen von Aleppo und Hauran abgeschnitten. Der französt'che Militärgouverneur von Damaskus, General Ga­rn e l i n, hat Verstärkungen ausgeschickt und man erwartet neue Kämpfe.

In Damaskus sind drei Araber, die an einem Lieberfall auf einen Transport nach Bag­dad teilnahmen, bei dem ein französischer Haupt­mann getötet und mehrere Soldaten verwundet wurden, öffentlich gehenkt worden. Jede Leiche trug ein großes Plakat, auf dem die Einzel­heiten des Verbrechens verzeichnet waren.

In Reuyork sind Meldungen über die Ein­äscherung amerikanischer Missions­schulen und Kirchen in der Gegend südlich von Damaskus cingetroffen, wo die Drusen die armenischen und syrischen Christen vertrieben ha­ben. Sie amerikanische Hilfskommission für den Rahen Osten berichtet, daß diebritischenDe- Hörden in Palästina die Grenzen für die Flüchtlinge aus Syrien geschlossen haben, so daß sich jetzt zahlreiche Flüchtlinge an der Grenze angesammelt haben. Es wurden Vorbereitungen getroffen, um gegebenen-