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Mittwoch, 9. September 1925

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger fürOberheffen)

Nr. 2U Zweites Blatt

Schwierigkeiten an, die bei uns

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find, so begreist man.

zu geben nicht ganz einfach ist, und man muh feststellen, daß bte jetzige Steuerreform allerhand

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Doch man soll in so schweren Zeiten wie

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es bedeutet, König zu jein. Der Blick schien von weit her, über Jahrhunderte von Not, Stampf und

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und Zorn wechselten in den Blicken und den Stim­men der dem Fürsten unaufhörlich zujubelnden

zu fordern. Es würde grundfalsch sein, jetzt am System etwas ändern zu wollen, und derjenige, der das System grundsätzlich

rung um mehr als 2 ist eine Tatsache,

Prozent betragen, und daS besonbers im Hinblick auf

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aus Vermögen, anlagen anderer als der im § 1 Absatz 2 bezeichneten Art verlangt werden kann, darf sie das im § 2 vorgesehene Maß

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Chamberlains sämtliche Werke erschienen in vielfachen Neuauflagen im Berlage F. Druck- mann A.-G. in München.

oeitgehend das -Keia? <nt- Teilen Deutschlands garu Konnte eS doch

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diese Klarheit dem § 12 der 3. nung mangelte. § 12 der 3. nung bestimmte

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lausenden Rechnung oder einem Kontokorrent, die den Saldo als solchen betreffen, werden nicht ausgewertet.

Rach dieser Bestimmung war die Auswertung von Bankguthaben nicht grundsätzlich in jedem Falle ausgeschlossen. Die Regierungsvorlage zum neuen Auswertungsgeley aber lah die völlige Ausschließung der Auswertung fämtlidjer Bank­guthaben vor. 3m § 66 des AufwertungS- gesetzes ist angeordnet, daß Ansprüche aus einem Darlehen oder einem Berwahrungsvertrage der im § 700 des Bürgerlichen Gesetzbuches bezeich­neten Art nicht aufgewertet werden, wenn sie sich gegen ein Unternehmen richten, dessen De- schästsbetrieb der Anschassung und Darleihung von Geld dient und nicht der Schuldner das Geld vereinbarungsgemäß in wertbeständigen oder auf­gewerteten Dermögensgegensländen anzulegen hat. lieber diese Frage der Aufwertung der Bank­guthaben (Depositengelder) entwickelte sich ins­besondere bei der 1. Lesung im Ausschuß de- Reichstags eine äußerst lebhafte Debatte. Der offizielle Bericht des Ausschusses des Reichs­tages besagt hierzu, der Regierungsentwurs schließe die Bankguthaben lDepositengelder) rest­los von der Aufwertung aus. Ein Antrag Dr. Best vertrat den Standpunkt, daß da, wo eine Anlage der Depositengelder in Sachwerten nicht stattgesunden habe, eine Aufwertung nicht gefordert werden könne daß man aber die Auf­wertungspflicht für die Fälle feststellen müsse, in denen die Banken wie die Sparkassen und andere Kreditinstitute tatsächlich die Einlagen wertbeständig angelegt hätten oder dazu in Der Lage waren.Dagegen wurde vorgebracht, daß es für den Gläubiger unmöglich fei, festzustellen, wo seine Dermögensanlage geblieben sei und daß daher jeder annehmen würde, von seinem Gelde feien Sachwerte beschafft. Das werde zu einer Flut von Prozessen gegen die Banken fuhren." (Bericht des 18. Ausschusses des Reichstag-, Seite 25.)

Die Kompromihparteien hatten bei der 1. Le­sung den Antrag gestellt, Depositengelder, welche nach den Grundsätzen des reinen Spar­kassenverkehrs zu beurteilen sind, als Der- mögensanlagen, die als solche der Aufwertung unterliegen würden, zu bezeichnen. ..Cs wurde

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der beste Soldat, der Zweifter und der einzige, der imstande ist, wirklich zu glauben. Ach, du geliebte deutsche Nation, wirst du denn nie die Größe deiner Aufgabe entdecken und einfeben, -daß deine Wege nidjt die der anderen Völker sein dürfen^" H. R.

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banken den öffentlichen Sparkassen starke Kon­kurrenz gemacht und Spargelder wie diese an sich gezogen und vielfach darüber Sparbücher ausgestellt und wie Sparkassen darüber abge»* rechnet hätten. In solchen Fällen fei eS für das Publikum unverständlich, daß die Banken ihre Verpflichtungen einfach gestrichen erhielten. Zu diesem Punkt gab der Reichswirtschasts- minifter eine ausführliche Darstellung über die Lage der Banken in Bezug auf ihre Depositen- verpflichtungen und den Erfolg einer etwaigen Aufwertungspflicht .. Die Vertreter der Kom­promißparteien erklärten dazu, dah sie nach

geht, in den einzelnen verschieden veranlagt wurde.

Vorkommen, dah das gleiche Objekt einen anderen Den für die Landesgrundsteuer beigemessen er­hielt. als für die Reich-Vermögenssteuer! Man wird mit gutem Gewissen behaupten können, dah die einheitliche Veranlagung aller Objekte, aller DermögensweNe. einen erheblichen Schritt vor­wärts bedeutet Die die einzelnen Vorschriften be» Gesetzes sich in der Praxis auSwirken, wird man abwarten müssen. Vielleicht wird nicht alles

ist zurückgeschraubt worden, wenn auch nicht auf das von allen bedeutenden Wirtschaftlern für richtig gehaltene Maß. Ging der Erzbergersche Steuertaris bei der Einkommensteuer über 60 Prozent hinaus, so hat der jetzige bei 40 Pro­zent fein Ende gefunden Diele 40 Prozent find immer noch zu hoch, da wir ja neben der Ein­kommensteuer noch andere große Steuern zu zahlen haben, aber einen gewissen Fortschritt bedeutet die Ermäßigung eben doch. Roch be­deutender ist der Fortschritt bei der Vermögens­steuer. 1922 bildete man sich noch ein, da- Ver­mögen mit 3 Prozent jährlich besteuern zu kön­nen. Heute ist man von dem Dahn abgekommen. Zwar ist die Staffelung der Sätze bei der Ver­mögenssteuer ein Mißgriff, zwar find die Sätze immer noch fehr hoch. befonderS wenn man fie mit dem Ertrage, den heute ein Dermögen bringt, vergleicht, aber der durchschnittlich zur An­wendung kommende Satz von 4 bis 5 pro Mille bedeutet eine Besserung., Elplas absolut Gutes, absolut Richtiges wird ;<lan "ia mit einer Koa­litionsregierung niema zustande bringen.

Der bedeutsamste < wurde aber wohl mit der Senkung der ilv.^fteuer getan. Die Ermäßigung um ein Drittelvn 1,5 Prozent auf 1 Prozent, wird für viele D» -n eine Erleichte-

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Sorge zu kommen, und er schaute weit, weit hin­aus/ unbeirrt, doch nicht jubelnd, sondern als sähe

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er Kampf über Kamps sich auftürmen."

9m Jahre 1870 hatte Chamberlain eine zweite Begegnung, die feinen ferneren Lebensweg so ent­scheidend in den Bannkreis des deutschen Geistes lenkte. Cs war in der Schweiz, wo er sich wegen feiner schwächlichen Gesündheit aufhalten mußte. Seine Tante glaubte, auch hier für den Unterricht ihres Schutzbefohlenen sorgen zu müßen. Nach mehreren mißlungenen Versuchen verpflichtete sie Otto Kuntze, einen deutschen Theologiestudenten aus Straljund. Kuntze war ein tüchtiger Schul­meister und brachte, wie Chamberlain selbst sagte, einige Ordnung in das Chaos seiner gänzlich ver­pfuschten Schulbildung. Er war aber mehr als bloßer Lehrer und hat sich nicht damit begnügt, seinem Schüler nur die notwendigen Kenntnisse einzupauken. Er wußte in ihm eine leidenschaftliche Sehnsucht zu erwecken, sich die deutsche Sprache und die Güter der deutschen Kultur ganz zu eigen zu machen. 9n dem Umgang mit feinem Lehrer war dem jungen Engländer, so sagt L. von Schröder, der Biograph Chamberlains, das deutsche Wesen als etwas Neues, Großes und Herrliches auf­gegangen. 9hm fühlte er sich unverwandt. Das war die Delk, der er angehören wollte.'Das war, so fühlte er, die geistige Heimat, nach der er im tief­sten 9nnern, unbewußt, voll Sehnsucht, ausgeschaut hatte. , Ich wollte gern meine sinke Hand entbehren, wenn ich als Deutscher geboren märe.

Freilich kostete cs zunächst noch viel Arbeit, bis sich Chamberlain in den Weg zur deutschen Kultur

Don den neuen Steuern.

Don Dr. Kulenkamps s. Dl. d. R.

Die Steuergesetze find abgeschlossen, und wir stehen vor der Frage, was die Reform uns denn nun gebracht hat. Alle Einzelheiten, durch die der alte Zustand verändert wird, auszuzählen, würde nur im Rahmen eines Buches möglich sein. Wan wird sich also darauf beschränken

Haltung gewährleisten kann, die zwar sehr wün­schenswert. aber infolge unserer Verarmung nicht zu schaffen ist. Erkennt man die ungeheuren

Ausfuhr und Zahlungsbilanz nicht zu unter- schätzen ist.

Bleibt, im Großen gesehen, noch die ver­änderte Hauszinssteuer zu erwähnen. Zwar kann man mit Recht sagen, daß der Zwang, Woh­nungen aus öffentlichen Mitteln zu bauen, et­was sehr Bedenkliches hat, aber angesichts der Einstellung der Mehrheit des Reichstages und wohl auch des deutschen Volkes war die Bereit­stellung großer Mittel für den Wohnungsbau nicht zu umgehen. Wir haben es ja bei den übrigen Zwangswirtschaften gefehen, dah der Abbau langsam geht, und daß neben den wirt­schaftlichen Momenten die psychologischen nicht übersehen werden dürfen. Immerhin muh er­wähnt werden, dah diese Verwendung eines großen Teiles des Aufkommens der Hauszins­steuer wohl das Dedenllichste an der ganzen Steuerreform ist, so populär sie zur Zeit noch sein mag. Sieht man doch jetzt schon Erschei­nungen auf dein Daumarkte, die sehr skeptisch stimmen. Das Eine allerdings muß, abgefehen von der Verwendung der Gelder gesagt werden: Jeder Schritt, der geeignet ist, uns allmählich von der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen abzubringen, ist zu begrüßen, und unter diesem Gesichtswinkel erscheint das Prinzip der HauS- zinssteuer nach wie vor als nicht schlecht. Es wird zu erwägen sein, in welcher Weise man diese Steuer zu etwas endgültig Brauchbarem umgestaltet, da sie ja in der jetzigen Form nur begrenzte Laufzeit haben soll.

Daß die Abgaben von Bier und Tabcck, das heißt Genuhmitteln. von denen der einzelne nicht unbedingt die gewohnte Menge zu ver­brauchen gezwungen ist, eine Erhöhung erfahren mußten, war selbstverständlich. Seltsam nur, daß die Herren, die die englischen Steuern stets als vorbildlich hinstellten, hier auf einmal ihr Vor­bild nicht hervorzogen. Wir haben noch nicht» die Höhe der Belastung, wie sie in England besteht, erreicht. Wer von den bayerischen Ver­hältnissen absieht, und, wenn es sich um das Wohl des ganzen Volkes dreht, wird man daS auch einmal tun müssen, so sehr wir auch ge­wöhnt sind, ernste Rücksichten zu nehmen, wird nicht bestreiten, dah gerade diese Steuererhöhun- gen, die beträchtliche Summen bringen werden, nicht unerträglich sind.

Alles in allem ist hier ein Werk geschaffen worden, das man zwar nicht in allen Punkten für gut halten kann, das aber doch einen gewalti­gen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Kon­solidierung unseres Steuerwesens darstellt. Aus­gabe von Regierung und Reichstag wird es sein, das neu geschaffene Werk mit großer Aufmerk- famfeit weiter zu beobachten und einzugreifen, sobald sich Erscheinungen zeigen, die auf gemachte Fehler schließen lassen. Grundsätzliche System­änderungen wird man vorläufig nicht ins Auge zu fassen haben. Eines allerdings wird man be­sonders genau beobachten müssen: Die Frage, wie weit der gesamte Steuerdruck ertragbar ist. Es ist wenig wahrscheinlich, daß die deutsche Wirtschaft ihn im jetzigen Umfange auf die Dauer aushält. Die Länder und manche Gemeinden täten gut daran, sich das immer wieder fla»

müffen, einige grundsätzliche Punkte herauszu- greifen und sich zu fragen, ob die neuen Gesetze eine wesentliche Verbesserung des bisherigen Zu- standen bedeuten. In einem Punkte ist das zweifelloS der Fall. Dir haben endlich ein Reichsbewertungsgefeh. Es war nachgerade un­erträglich geworden, daß die Vermögenssteuer, also eine Steuer, die weitgehend das Reich an-

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Versammlung am Tonnttslu 10.9.25, abWi:

Booirhauö. Tage-Sorön.: 1 G oänne, LAufnm neuer Mitglied 3. Abrudern. 4. ko fttikbentS.

Vorstands» 8% Uhr.

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Dir bitten urf« WglieSer.daA gen (StmnaM) abend im theater ftottfabflv den

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überall richtig findet, wird augenblicklich die Rotwendigkeit. daß die Wirtschaft Ruhe hat, ?um übergeordneten Gesichtspunkte machen. Roch ann niemand übersehen. waS geändert werden soll. Dor allem sollte man sich davor hüten, parteipolitische Geschäfte mit der Kritik der Steuern machen zu wollen, und sich stets darüber flat sein. dah. wer auch als Finanzminister am Ruder ist. Parteigeschäste für eine Regierungs- Partei auÄ Steuerdingen nicht abzuleiten sind. Mit Steuern macht man sich immer unbeliebt. Deshalb denn parteimäßige Kritik auch sehr billig und einfach ist.

Eine große Frage allerdings wird schon bald wieder aufgerollt werden müssen, nachdem durch den Einfluß der Länder die Sache zunächst ver­fahren worden ist, die Stage der Besteuerung der Derforgungsbetriebe Es ist ein völlig uner­träglicher Zustand, daß z. B. städtische Elektri­zitätswerke sich nicht an den Reichssteuern be­teiligen. die Reparativnslasten nicht mittragen sollen, während Dersorgungsbetriebe in privater oder teilweise privater Hand von diesen Lasten mitgetroffen werden. Dir müssen sehr bald zu der Anerkennung des Grundsatzes kommen, daß jeder, der in Deutschland einen Betrieb unterhält und mit ihm Geld verdient, voll steuerpflichtig ist. Geschieht das nicht, so werden wir es erleben, dah private Betriebe mehr und mehr in die Hände der Gemeinden übergehen, denn die 8 bis 12 Prozent vom Umsatz, die die privaten an Steuern tragen müssen, bedeuten eine Dorbe­lastung, unter deren Druck kein noch so gut gelei­tetes privates älnternehmen gegen ein (sogar schlecht geleitetes) öffentliches ankommen kann. Ab­gesehen von Oer reinen Eteuerseite spielt hier noch ein gewaltiges, ich möchte sagen wirtschaftlich- ethisches Moment mit: Dir leben in einer Zeit, in der alle Kräfte auf sparsamste Wirtschaft, auf allerbeste Detriebsführung eingestellt wer­den müffen. Dadurch, dah man Gerneindebetriebe stark bevorzugt, nimmt man ihnen den Druck der Konkurrenz ab und tut das Gegenteil von Er­ziehung zur Wirtschaftlichkeit, einer Erziehung, die wir alle miteinander nötig haben. Da es sich hier um eine, wenn auch wichtige Sonderfrage handelt, die an sich mit dem System nichts zu tun hat. da überdies die Reichsregierung selbst auf dem Standpunkte der Rotwendigkeit der Be- fteucrung der Versorgungsbetriebe steht, ihn im ersten Entwurf zu den Steuergesehen vertreten und nur dem Druck der Länder nachgebend ver­lassen bat. so dürften bei einiger Energie von feiten des Reichstages und der Regierung die Schwierigkeiten, mit dieser Sache fertig zu werden, nicht allzu groß sein.

Im übrigen aber sollten die Kritiker doch das Eine nicht übersehen: Es mußte nicht nur gehandelt, es mußte auch rasch gehandelt wer­den. Wenn behauptet wird, die Steuergesehe seien durchgepeitscht worden, so ist das eine Irreführung der öffentlichen Meinung. Gewiß, fie sind in sehr kurzer Zeit in über 50 Ausschuß- sitzungen durchberaten worden, aber niemand kann behaupten, daß die Opposition nicht richtig zu Worte gekommen wäre, im Gegenteil, bei etwas größerer rednerischer Zurückhaltung und starker Beschränkung auf das rein Sachliche hätten manche Redner dem Steuerausschuh die Arbeit sehr erleichtern können. Ob dann später im Plenum des Reichstages die Reden länger oder kürzer waren, das war praktisch völlig uninter­essant. Kein Eingeweihter glaubt doch an das Märchen, daß man im Plenum Gesetze grund­sätzlich bessern könnte. Man kann in den meisten Fällen nur sagen, an welcher Stelle man in Zukunft Aenderungen vornehmen will, und das läßt sich für den, der sachlich bleibt, mit sehr wenigen Worten machen.

Selbst die Opposition wird zugeben müssen, daß gegenüber dem bisherigen Zustande an vielen Stellen Derbesserungen geschaffen worden sind. Die übermäßige Kompliziertheit der Steuemot- verordnungen ist weitgehend beseitigt und, was ebenso wichtig ist, die Meberfbannung der Sätze

zu machen, und rechtzeitig diejenigen Spannah­nahmen zu treffen, die notwendig find, damit die kommende Rot nicht zu überstürzten Schritten führt.

Die Auswertung von Sparguthaben bei privatfparlassen und Banken.

Don Direktor ®g. Saal, Darmstadt.

Unter dieser Ueberschrist wurde in Rr. 198 des Gießener Anzeigers die Auffassung ver­treten und zu begründen versucht, es bestehe für die Spareinleger gegenüber den P r i v a t - par lassen und Banken die Möglichkeit, im Rechtswege gemäß § 63 Absatz 1 und 4 eine Aufwertung zu erzwingen.

Diese Auffassung erscheint jedoch bei näherer Prüfung als abwegig und unhaltbar. Um nicht falsche Hoffnungen zu wecken, deren Zerstörung um fo schmerzlicher empfunden werden müßte, je später sie kommt, wird eS richtig sein, ehesten- die hier angeschnittene Frage zu erörtern

Wegen der -elufaertung von Bankguthaben ist auf § 66 des Auswertungsgesetzes zu Der- weifen, der absolute Klarheit schafft, während

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Menge. Er aber, sonst so wohlwollend, stand regungslos am offenen Fenster des Eisenbahn­wagens, die edlen Züge wie versteinert in dem Ausdruck des furchtbaren, heiligen Ernstes; und es lag in dem Auge eine solch tiefe Trauer, ein so tragisches Bewußtsein der Verantwortung vor Gott, daß sich mir die Kehle zuschnürte. 9ch erfuhr.

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gebessert hat Ganz abwegig find auf alle Fälle gewisfe Angriffe, die dahrn abzielen, die Steuer­reform alS mißglückt hinzustellen. und Reform der Reform für die allernächste

der Unternehmer ohne den Arbeiter und daS Derk ist nichts, und eine ganze Schar Arbeiter ohne Derk und Unternehmer sind arbeitslos. Aufbringen kann überall die Steuern nur die Einheit, die aus Unternehmer. Arbeitnehmer und Werk besteht, und es ist relattv gleichgültig, wer die Steuern bezahlt- Auf jeden Fall sollte diese Frage nur auf Grund praktischer Er- toägungcn, nicht aber mit unsachlichen Momenten behandelt ©erben. Es ist z. B. sehr zu bedauern, daß die Reichsregierung den großen Schritt nicht gewagt hat. von der Lohnsteuer in ihrer heutigen Form abzugehen. Wie jede Steuer, so wird auch die Lohnsteuer ausgebracht von der oben erwähn­ten Einheit, ganz aleichgültia, ob der Unterneh­mer sie bezahlt oder der Arbeitnehmer. Hätte man diese Erkenntnis zugrunde gelegt, wir wären zu einer weit einfacheren Zahlungsweise für die Lohnsteuer gekommen und hätten auch an anderen Stellen bessere Arbeit leisten können.

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jetzigen mit Kritik zurückhaltend sein. Unter ferer Verfassung genügt es ja leider nicht, ein Minister eine durchschlagende gute Idee auf wirtschaftlichem Gebiete hat, er muß sie durch den Reichsrat bringen, bevor er sie im Reichstage ver­wirklichen kann. DaS bedeutet stets einen mehr oder minder scharfeir Kampf mit den Ländern, die ihrerseits sich nicht immer von Sonderwün- fchen soweit fembalten. wie es im Interesse der gesamten Lage liegt, die vor allem noch nicht eingesehen haben, daß das Reich ihnen auf die Dauer bei allem guten Willen nicht eine Lebens-

freigemacht hatte, bis et* die deutsche Sprache so beherrschte, daß er es mit manchem deutschgebo- renen Schriftsteller von Nang ousnehmen konnte. Auf Chamberlains schriftstellerische Leistungen, auf seine tiefschürfenden Werke über Richard Wagner, über Goethe Kant, auf feine persönlichste reli­giöse Auseitkanoersetzung inMensch und Gott" und vor allem auf seine ..Grundlagen des IS. Jahrhunderts" hier näher einzugehen, verbietet der beschränkte Raum. Dieser Aufsatz soll auch nur von Chamberlain, dem ..Deutschen" sprechen, er soll die Wege aufzeigen, auf denen der begabte Engländer zum Deutschtum, zu seiner wahren Heimat, hingefunden hat. Deshalb seien diese Zeilen beschlossen mit der gekürzten Wieder­gabe eines Briefes, den Chamberlain als Zwanzig­jähriger von einer Spanienrciie aus geschrieben hat, und in dem seine ganze Entwicklung, die ihn später zu einem so mutigen Kämpfer für Deutsch­lands Erneuerung werden ließ, schon vorgezeichnet ist.Ich kann Dir gar nicht sagen, wie meine Der ehrung. meine leidenschaftliche Liebe für, mein Glaube an Deutschland zunimmt. 9e mehr ich andere Nationen kennen lerne, je mehr ich mit Leuten aller Klaffen aus allen Völkern Europas verkehre, desto mehr liebe ich Deutschland und die Deutschen. Mein Glaube, daß die ganze Zukunft Europas, das heißt der Zivilisation, der Welt, in Deutschlands Händen liegt, ist zur Sicherheit ge­worden. Das Leben des Deutschen ist ein ganz an­deres, als das von anderen Menschen. 9n ihm hat das Selbstbewußtsein, das Gefühl feiner Würde, den Höhepunkt erreicht. Er ist zu gleicher Zeit der Dichter und prakttsche Organisator, der Denker und

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standhaften Aber Darauf kommt es weniger an. Die Hauptsache ist und bleibt, dah hier em neuer Schritt zur Vereinheitlichung unseres Steuerwesens getan worden ist, der nicht nur wirtschaftlich richtig ist. sondern auch die politische Auswirkung haben wird, daß viele recht unan­genehme Ähwierigkeiten nicht mehr Vorkommen torrnen

Eine Sache verdient besondere, nicht lobende Erwähnung Daß grundsätzlich die Objekte der Landwirtschaft anders bewertet werden alS an­dere Objekte. Während bei der Industrie die Bewertung nach ber Leistungsfähigkeit, (im wahren, nicht im Erzbergerschen Sinne des Wortes) d. h. nach dem gemeinen Werte erfolgt, wird die Landwirtschaft nach dem Grtragswerte. daß heißt, nach der effektiven Leistung bewertet. ES erscheint fraglich, ob dieser Zustand auf die Dauer wird beibehalten werden können.

Im übrigen hat die Steuerreform etwaS arundsählich Reues kaum gebracht Dir gehen im Grunde auf dem DorkriegSwege weiter, ohne ernsthaft zu fragen, ob Dege, die damals für ein reiches, blühendes Volk gangbar waren, es auch heute noch sind. Leider ist in der Steuer­reform ber Frage viel zu wenig Rechnung ge­tragen. wer eigentlich Steuern aufbringt. CS wirb immer noch gefragt, wer Steuern zahlt. Aufbringen kann ber Einzelne überhaupt keine Steuern. Sin einzelner Mensch, losgelöst von allen Produktionsmitteln. schafft keine Erträge, eine Fabrik ohne Menschen ist ein Haufen Steine.

Sang- und klanglos wurde er zu Grabe getragen. Nicht einmal Lord Roberts, sein ehemaliger Ad­jutant und langjähriger Freund, wagte es, seinem Sarge zu folgen. Der einzige Kranz, der sein Grab schmückte, war im Auftrag des deutschen Kaisers niedergelegt worden! Die öffentliche Meinung Eng­lands hatte es dem greifen Feidmarfchall nicht ver­zeihen können, daß er eine eigene Meinung hatte, daß er es wagte, gegen die wenig rühmlichen Me­thoden der Kriegführung aufzutreten, die Lord Kitchener im Burenkriege anzuwenden für richtig hielt. Chamberlains ehrliche Soldatennatur machte fein Hehl daraus, daß sie mit ihren Sympathien auf der Seite des tapferen Burenvölkchens stand, dessen einziges Verbrechen es war, in einem Lande zu leben, das Diamanten und andere Schätze in feinem Boden barg.

Doch zurück zum Neffen. Houston Stewart Chamberlain hatte eigentlich nie eine richtige Hei­mat ober ein Elternhaus besessen. Die Mutter war schon bald nach seiner Geburt gestorben, und der Vater, ein hoher englischer Marineoffizier, befand sich meist auf See. Bis ;um elften Lebensjahr lebte der Knabe in Versailles, bei seiner Großmutter. Dann besuchte er einige Jahre englische Schulen. Zu Anfang des Jahres 1870 erkrankte er aber fo schwer, daß er die Schule verlassen und mit seiner Tante nach Ems zur Kur reifen mußte. Seit dieser Zeit hat Chamberlain nie mehr ein Heim in Eng­land befeffen.

Die Emser Reise wurde zum großen Wende- punkt im Leben Chamberlains. Täglich begegnete der fünfzehnjährige Knabe mehr als einmal der ehrwürdigen Gestalt des alten Kaisers. Diese Be­gegnungen machten einen tiefen Eindruck auf fein empfängliches Gemüt. Durch Zufall wurde er sogar, allerdings ohne die Bedeutung dieses Augenblicks zu ahnen. Zeuge jenes denkwürdigen Gespräches, das ber Preußenkönig mit bem Grafen Benebetti auf ber Surpromenabe hott». Der junge Chamber­lain war bann auch Zeuge ber Abreife des Königs. Unb sollte ich hundert Jahre alt werben," schrieb er später,nie werbe ich bie Abfahrt des Königs nach Berlin vergessen. Begeisterung, wilde Freude

Derdeutsche" Chamberlain.

Hum 70. Geburtstag Houston Stewart Chamberlains am 9. September.

Das tragische Schicksal Deutschlands hat vielleicht kaum einen Deutschen so tief getroffen, wie gerade denEngländer" Houston Stewart Chamberlain. Denn ttotz seiner Abstammung war er, ber Sohn eines englischen Abmirols unb ber Neffe eines britischen Felbmarschalls, ja längst kein Engländer mehr. Das WortRenegat", mit bem man ihn in feiner ehemaligen Heimat unb gelegentlich auch in Deutschlanb moralisch zu edebigen gebuchte, konnte ihn burchaus nicht treffen. Auf bem Wege einer ganz natürlichen Entwicklung war er schon Jahr­zehnte vor bem Weltkriege ein wahrhafter Deut­scher geworben, ein begeisterter unb berufener Künder deutscher Kultur unb deutschen Wesens. Es war nur die selbstverständliche Fortsetzung dieser Entwicklung, daß er im Jahre 1916 durch Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft auch äußerlich ein Deutscher wurde. Und es roar jiud) durchaus nicht verwunderlich, daß er, der Sohn Cnglanbß, im Kriege zum leidenschaftlichen Gegner dieses Landes wurde, das er mit fo glühender Be­geisterung, mit so inbrünstigem Glauben unb so großer Hingabe für bie Sache seiner Wahlheimat, für ben sieg bes beutschen (Bebanfens, ber beut- fchen Waffen eintrat.

Houston Stewart Chamberlain war übrigens nicht ber einzige in seiner Familie, ber durch sein Gewißen in einen Gegensatz zur offiziellen Politik Englands getrieben wurde. Sein Oheim, Sir Ne­ville Chamberlain, war ihm hierin ein leuchtendes Vorbild gewesen. Sir Neville war ein echter Sol- bat. ein verwegener Draufgänger, der in der Ar- mee den Beinamenber Bipfere" führte. Trotz achtmaliger Bermunbung erreichte er ein hohes Alter und brachte es bis zum Feldmarschall, der höchsten Würde, die die englische Armee zu ver­geben hat. Als er aber 1902 starb, gehörte er in England zu den bestgehaßten Männern seiner Zeit.