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Mittwoch, 9. September 1925

Nr. 211 Erster Blatt (l>

<75. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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NeueSchlappe ber Spanier

Mißglückter Landuugsversuch bei

AlhucemaS.

London, 9. Sept. (DTD. Junkspruch.) meldet aus Tanger, ein vom Haupt, quartier Abo e l Krims herausgegebener Be­richt besagt, dost die Versuche der Spanier, bei Wad.Lau Truppen zu landen, zurückgeschla» gen wurden. Hier seien 7 Schiffe und bei Alhucemas 14 Schiffe versenkt worden. Der Berichterstatter teilt mit, dast eine Be­stätigung dieser Meldung in Tanger nicht zu erlangen war. Aach Aussagen von Aisanhängern feien an der ganzen Küste von Rifkriegern Minen gelegt worden.

Wie dagegen in Madrid amtlich bekannt gegeben wird, ist-es gelungen, spanische Truppen in der Ducht von Alhucemas zu landen. Ueber die Landung hat General Primv de Aivera, der sich an Bord des SchlachtschiffesAl­fonso XIII " befindet, folgenden IunksPruch an den König und die Regierung gerichtet: Heute Wittag sind die Truppen in der Ducht von Gedadilla gelandet. Um 12.30 Uhr haben fie nach kurzer Artillerievorbereitung und ohne auf Wider ft and zu st osten, Stellung be­zogen. Die Landung ist auf der Halbinsel Morro Ruovo (AlhucemaSbucht) erfolgt.

Die Pariser Morgenblätter bringen Ein- zelh e iten über den mißglückten Landungs- Versuch bei Alhucemas. Französische und spa- nische Schisse hielten vom Sonntag abend ab die Küste ständig unter Feuer, und, nachdem man die Aisstellungen für genügend erschüttert hielt, schritt man gestern zur Landung. Es zeigte sich jedoch sofort, daß die Artillerie b e r Rif­leute nicht zerstört war. Auch hatte das Artillerieseuer aus die Felsenstellungen der Rif­leute wenig gewirkt; die Verteidigung hatte die besten Abwehrmaßnahmen getroffen. Gin Torpedoboot lief auf eine Mine in der Ducht von Alhucemas und muhte, schwer beschä­digt, von einem Linienschiff abgeschleppt werden. Auch das spanische SchlachtschissAl- sonS 13 hat durch Artilleriefeuer schweren Schaden erlitten. Primo de Rivera, der sich*an Bord dieses SchifseS befand, muhte sein Hauptquartier auf einen anderen Kreu - zerverlegen. Das fpanisch-französische Ober­kommando gibt bekannt, dah am Dienstag nach gründlicher Artillerie-Vorbereitung noch ein­mal ein Landungsverfuch unternommen werden soll.

Abd el Krim setzt seine Angriffe vor allem an bet spanischen Westfront energisch fort. Es ist ihm jedoch bisher nicht ge­lungen, die spanischen Linien zu durchbrechen, obwohl sich die Spanier eine große Strecke zurückziehen mußten. Spanische Flugzeuge warfen im ganzen Rifgebiet Ausrufe Primo de Riveras ab. worin bic Bevölkerung aufgeforbert wird, Abd el Krim zu verlassen. Er droht den Stäm­men schärfste Strafen an. Alle Leute, bic gegen Spanien kämpfen, würben von ben Spaniern als Rebellen behanbelt und erschossen werden. Sollten die Rifleute an spanischen Gefangenen Vergeltung üben, so werde er das Gleiche an ben gefangenen Rifleutcn tun.

Rach ben letzten Meldungen aus Tetuan erwartet man heftige Angriffe der Rifleute auf bic spanischen Stellungen, bic gestern während bes ganzen TageS von schweren Geschützen Abb el Krims beschossen wurhen. Die Artillerie ber Risleute steht in Höhlen, so dah fie von ben Fliegern nicht aufgefun- ben und unschädlich gemacht werden kann. Das Artilleriefeuer hat in ber Stabt große Beunruhi­gung hervorgcrusen unb viele Menschenleben ge­fordert.

Auch im Raum von 3f fual setzten die Rifleute ihre Angriffe trotz schwerer Verluste hartnäckig fort. Die Araberstämme, bte noch vor kurzem mit den Franzosen wegen Unterwer­fung verhandelten, haben die Verhandlungen abgebrochen und beteiligen sich wieder an den Kämpfen gegen die Franzosen. Unter den Araberstämmcn hinter der französischen «zront macht sich wieder eine besonders starke Propa­gandatätigkeit der Agenten Abd el Krims be­merkbar. Der U m s ch w u n g in der H iltung der Araberstämme wird daraus zurückgoührt. daß sich die Kerntruppen der Rifleute an den Kämpfen beteiligen und die Angriffe von Abd el Krim persönlich geleitet werden.

Rückkehr des Reichspräsidenten aus Bayern.

Berlin, 8. Sept. (I.U.) Der Reichspräsident ist heute nachmittag 3 Uhr nach mehr als drei- wöchigem Aufenthatt in den bayrischen Bergen wieder nach Berlin zurückgekehrt. In Dietramszell hatten sich vor dem Schlosse, in dem sich Reichspräsident von Hindenburg von seiner liebenswürdigen Gastgeberin Frau von Schil­cher verabschiedete, die Feuerwehr und die Zög­linge des Klosters ausgestellt, die dem Scheidenden Blumensträuße überreichten. Die Landbevölkerung, die sich gleichfalls angesammelt hatte, begrüßte den Präsidenten nochmals stürmisch, als er den Kraft­wagen bestieg. In Holzkirchen war auf dem beflaggten Marktplatz die Schuljugend aufgestellt. Als der Zug des Reichspräsidenten Holzkirchen ver­ließ, ertönten jubelnde Hochrufe. Hindenburg rief wiederholt zum Abschied:Auf Wiedersehen" zu. In München hatten sich zur Begrüßung auf dem Hauptbahnhos Eisetzbahnpräsident von Volker und der Vertreter des Reiches in Bayern, Herr

Völkerbund und Sicherheitspakt.

An einem Septembertagc 1924 hielt ber ba- malige französische Ministerpräsident Herrivt in Gens eine programmatische Dölkerbundsrede; im September 1925 tat sein Rachfolger Pain- l e v 6 das gleiche. Painlevös Rede, die am Stecken eines ausführlichen Manuskripts ge­mächlich baßer zog. soll ein erheblich weniger großer rednerischer Genuß gewesen sein, als bic temperamentvolle Improvisation seines Vorgän­gers. Painlevö war zum Vorsitzenden der dies­jährigen Völlcrbundstagung bestimmt und hatte bic Ausgabe, die Fortschritte festzustellen, die der Völkerbund auSweisen muß, um sein Re- nomme zu wahren.

In wesentlichen Punkten bildeten die Aus­führungen Painlevös eine bloße Reueiukleidung längst ausgesprochener und immer wiederholter Gedanken. Hierher gehört z. D. die Bemerkung, daß der Völkerbund einen neuen Seelen- zustandunter den Völkern schassen müsse. Wenn die Idee des Völkerbundes so siegreich vorwärts marschiert wäre, wie Painleve dies an einer anderen Stelle seiner Rede schilderte, so hätte der neue Seelenzustand schon längst geschaffen sein müssen. Gewisse übervorsich­tige Entscheidungen, die der Völkerbund seit seinem letzten Zusammentritt gefällt hat, vor allem aber die Art und Weise, wie die einzelnen Völker auf die Schiedssprüche deS Völkerbundes reagiert haben, beweisen eigentlich, baß der alte Seclenzuslanb noch längst nicht aus- gerottet ist. Dadurch, daß Painlevö sich einer ausführlichen Rieberschrift bediente, hatte er die Möglichkeit, die verschiedenen Klippen, die sich einer Rundfahrt um die Arbeitsgebiete des Völkerbundes entgegenstellen, in vorgezeichnetem Fahrwasser zu umschiffen. Die mannigfachen unb sehr schwerwiegenden Gegensätze, die in einer Reihe von Fragen zwischen dem französischen und dem englischen Standpunkt bestehen, wurden höflich als die Folgenraffenmäßigec Verschiedenheit" erklärt. Chamberlain hat diese Bemerkung mit einem halb dankbaren, halb ironischen Lächeln quittiert.

Das Kernstück der Painleveschen Rede war natürlich die Sicherheitsfrage, an der sich der Völkerbund auf seiner Icßtjäß eigen Ta­gung die Zähne ausgebissen hatte. Der Enthu­siasmus, mit welchem damals das Genfer Protokoll aufgenommen worden war. ist in­zwischen längst einem großen Katzenjam­mer gewichen. Painlev6 glaubt Frankreichs An­hänglichkeit an das durchgefallene Protokoll da­durch bekräftigen zu müssen, daß er Frankreichs unveränderte Zuneigung gegenüber dieser Lö­sung der' Sicherheitsfrage betonte. Vielleicht hat er aber diese Bemerkung nur gemacht, um gleich­sam in Gedankenstrichen hinzuzufügen, daß Frank­reich auch heute noch den Geist der Gewalt mit derselben Energie zurückweife wie damals, als es das Opfer dieser Gewalt ge­wesen fei. Vermutlich hätte ein deutscher De­legierter in Genf die nächste Gelegenheit b-' nutzt, um diese Anspielung auf Deutschland- Schuld am Weltkriege gebührend zurückzuweisen Im vorigen Jahre lobte Herriot den Vor sailler Vertrag: in diesem Jahre toärir fein Rachsolger Painleve längst widerleg!. Kriegsschuldmärchen aus. Es ist schwer zu sagen, ob man daraus rein gefühlsmäßig den Schluß ziehen soll, daß wir zur Verbreitung besserer Aufklärung in den Völkerbund Hinei' müssen oder aber zur Vermeidung politischer Anrempeleien besser draußen bleiben.

Painleve hat den jetzt in Verarbeitung 6c- kindlichen Sicberheilspakt als eineEinschrän­kung" gegenüber der vor einem Jahr in Aus­sicht genommenen Lösung der Sicherheitsfrage bezeichnet. Damit soll der Welt die ziemlich unverhohlene Abneigung, die das amtliche Frank­reich anfänglich der deutschen Anregung entgegen­gebracht hat. motiviert werden. Frankreich hat. so wollte Painleve seine Genfer Zuhörer glauben machen. bis zuletzt an der Hoffnung feft» gehalten, daß die umfassendere Lösung in der Sicherheitsfrage angenommen werde. Erst als sich die'e Hoffnung als trügerisch erwies, haben sich Painlevö und Briand schweren Herzens zu dem von Deutschland dargebotenen Surrogat be­

kannt. DieS stimmt zwar nicht mit den Tatsachen überein, hört sich aber gut an unb löst den Bei­fall derjenigen aus, die für ihr Ideal mehr äußere Schönheit als inneren Wert herbei- wunkchen. Man kann Herrn Painleve beim besten Willen nicht zustimmen, wenn er behauptet, daß der jetzt in Aussicht genommene Pakt ohne die Verhandlungen des Völlerbundes in der Sicher - heitssrage vom vorigen Jahre nicht möglich ge­wesen wäre. In Deutschland hat man damals mehr mit Belustigung und Ironie als mit Emst und Begeisterung die krampshasten Versuche der Ocnfcr Völkerbundsleute versolgt. das Wesen einesAngrifses" eindeutig sestzulegen und eine unter allen Umständen wirksame Exekutive gegen Friedensbrecher sicherzustellen. In diesen Be­ratungen ist allen Ernstes von der Schaffung eines Völkerbundsgeneralstabes die Rede ge­wesen, der alle möglichen Kriegskombinationen vorher auszuarbeiten und aktenmäßig festzulegen hätte.

Was Painlevä über bic Möglichkeit Deutsch­lands. schon recht bald in ben Völkerbund eituu- treten, sagte, war nicht überwältigend. Er refe­rierte lediglich über den Rkeinungsaustausch. der zwischen der Reichsregierung und dem Dölker- bundsrat in dieser Frage stattgefunden hat. und versicherte, daß die Völker ihren Willen auf die Ueberwindung des Mißtrauens" richten müß­ten. Der Redner vergaß .hinzuzufügen, daß Deutschlands Mißtrauen in vielen Punkten ge­rechtfertigt sei. Wir werden erst dann in den Rölferbunb eintreten können, wenn die Völker- bundsmächtc die Gründe für unser berechtigtes Mißtrauen beseitigt haben werden.

Dr. Gaus zum Bericht bei Stresemann.

Berlin. 9. Sept. (Prlv.-Tel.) Mehrere Blät­ter melden, daß sich Ministerialdirektor (Baus in Begleitung des Staatssekretärs von Schubert heute nach Norderney begeben wird, um dort dem Reichsaußenminister Stresemann übet das Ergebnis der Londoner Besprechungen der juristischen Sachverständigen Bericht iu erstatten. Red) 2Uf'. rgen bervussisch.n Zeitung" unb des vorwärts" aus Genf soll der deutschen Regierung als Datum für den Zusammentritt der Minisker- konserenz über den Sicherheitspakt der 29. Sep­tember oorgeschtagen worden sein. 3m übrigen fei Im Auswärtigen Amt eine offizielle Einladung noch nicht eingetroffen.

Vie Minisierzusammenkunst.

Die Antzenminifter bei Baldwin.

G e n f, 8. Sept. (TU.) Painleve. Cham­berlain und Briand begaben sich heute nachmittag nach Aix-Les-Dains, um dem dort weilenden brittschen Ministerpräsidenten Daldwin einen Besuch abzustatten. Bei dieser Gelegenheit wurden die Berichte der Londoner .ichverständigen einer genauen Prüfung unter- gen. Weiter wurde über die bevorstehende Z u- nmmenkunftderalliiertenMinister lit D r. Stresemann Beschluß gefaßt. So- j wohl in englischen als auch in französischen maß- j gebenden Kreisen war man nicht abgeneigt, der ufammcnfunft der Minister einen bedeutsameren barakter durch die Teilnahme der Minister- .äsidenten zu gehen. Diese Anregung, die ur- prünglich von deutscher Seite ausging und durch ie Wsicht Mussolinis, an den Besprechun­gen teilzunehmen, neue Rahrung erhielt, war heute ebenfalls Gegenstand der Ministerbespre­chungen in Aix-Les-Dains.

Painlevö, Briand, und Chamberlain sind von ihrem Besuche in Aix-les-Bains zurückge- kehrt. Sie versicherten der Presse, sie hätten Baldwin einen reinen Höflichkeitsbe- s u ch abgeftattet. Jede weitergehende Aeußerung wurde von den Ministern mit scherzenden Worten verweigert. Kurz nach seiner Ankunft hat P a i n- leve den aus Südamerika zurückgekehrten Di­rektor des internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas empfangen.

In Genf traf der französische juristische Sach­verständige Fromageot ein. Heute abend soll

von H a n i e I, eingefunden, ber dem Reichspräsi­denten erklärte, sein Aufenthalt in Bayern und die Fühlungnahme mit der Bevölkerung hätten aufs neue zur Festigung des Bandes zwischen Nord unb Süd beigetragen. Der Reichspräsident von Hinden­burg ist am Dienstagabend 8.48 Uhr wieder in der Reichshaupt st adt eingetroffen. Zum Empfang waren am Bahnhof erschienen der Der- treter des Reichskanzlers, Reichswehrminister Dr. Gehler, und die Herren des Bureaus des Reichs­präsidenten.

Dienstprämien für Staatsarbeiter.

Berlin, 9. Sept. (241.) Der Reichs­finanzminister hat eine Verfügung erlassen, wo­nach Staatsarbeitern, die 25 Jahre im Dienst sind, wie vor dem Kriege eine ein­malige Prämie von 100 Reichsmark zu gewähren ist. Der Erlaß ist auf mehrfache Anregung des Reichswehrministeriums ergangen. (Bei bereits abgebauten Arbeitern, die bei 25jähriger Dienstzeit keine ^Dienstprämie erhalten hatten, kann die Oberste Verwaltungsbehörde die nachträgliche Bewilligung an­ordnen. damit Harten vermieden werden. Lohn­empfängern. die der Angestelltenversichc- nrng unterliegen, wird keine Prämie gewährt,

dagegen können Dien st Prämien aus Anlaß der Vollendung von 40 oder 50 Dienstjahren im Einzelfalle mit Zustimmung des Reichsfinanz­ministeriums gezahlt werden.

Um öas hessische Wahlgesetz.

(Bon unserer Darmstädter Redaktion.)

Darmstadt, 8. Sept. Im Landtagsgebäude war heute nach langer Pause reges Leben, da der Präsident für heute den Vorstand und den Aeltesten» rat sowie den Gesetzgebungsausschuß zu einer Be» sprechung über die neue Vorlage über die Wahlen für Gemeinden und Gemeindeverbände (Kreise und Provinzen) eingeladen hatte. Bekanntlich ist dem Landtag im Juni bereits eine größere Vorlage zu- gegangen, in der das Wahlrecht zu den Selb st Verwaltungskörperschaften von Grund aus neugeordnet wird. Diese Vorlage konnte aber wegen der vorgerückten Zeit während der Sommertagung nicht mehr beraten werden. Die Regierung hatte auch nicht mehr damit gerechnet, daß dieses Gesetz noch für die kommenden Wahlen in Betracht komme, sie hat deswegen die Abände- rungsoorschläge zu dem jetzt geltenden Wahlrecht vom Jahre 1922 dem Landtag zur Annahme unter­breitet. Es hätte nun die Möglichkeit bestanden, der Regierung die Befugnis zu geben, die Abände-

der endgültige Text der Einladung, die an Dr. Stresemann zu der Lausanner Konferenz ergehen soll, festgefetzt werden. Die Emlabung wird von Chamberlain. Dandervelde. Briand und Scialoja unterzeichnet sein. Vandervelde wird Gens morgen verlassen, um einen kurzen Ur­laub im Süden zu verbringen. Briand beab­sichtigt. dieser Tage nach Paris zurückzukehrcn Chamberlain wird sich eine kurze Ruhe­pause gönnen, die er in der Schweiz verbringen will, um dann erst gegen Schluß der Völker- bundstagung nach Gens zurückzukehren. Die Stadtverwaltung von Lausanne bat mitge­teilt, daß sie glücklich sein werde, die Außen­minister zu der geplanten Konferenz zu emp­fangen.

Belgien auf der Zuristen- konferenz.

(Sine Unterredung mit dem Sachverständigen Rolli«.

Paris, 8. Septbr. (WTD.) Der Sonder­berichterstatter der Havasugentur in Gens batte eine ilntcrrebunfl mit dem belgischen Sachver­ständigen R ol I i n. in der dieser u. a. erklärte Die aus London verbreiteten Rachrichten, denen zufolge bei den Sachverständigenverhandlungen Belgien die deutsche These unter­stützt hätte, sind völlig aus der Luft gegriffen. Tatfache ist. daß die Londoner Beratungen sich von Anfang bis zu Ende in einer Atmosphäre der Herzlichkeit abgespielt haben, die man vielleicht noch niemals, selbst nicht in Genf, angetroffen hat. Wenn ich mich nicht gegen die englischen oder sranzösischen Vorschläge habe zu wenden brauchen, so hatte das darin seinen Grund, daß zwischen diesen und den deutschen Vorschlägen die Diffe­renzen bedeutend weniger ausge­prägt waren, als man hätte glauben können. Wir haben in unserem deutschen Kollegen Gaus einen Unterhändler gefunden, der von dem kon­ziliantesten Geiste beseelt war und das erllärt vielleicht daß tn»r recht gute Arbeit ver­richtet haben. Heber die genauen Ergebnisse unserer Arbeit kann ich Ihnen nichts sagen. Ich kann indessen versichern, daß wir glauben, de» Boden für die demnächst igen Verhandlungen in nützlicher Weise vorbereitet zu haben. Gaus kannte seine Partner bei ben Londoner Beratungen bereits, denn er hatte schon bei früheren Be­sprechungen an dem Sicherste itspakt mit gearbeitet. Es ist vielleicht nicht übertrieben, zu behaupten, daß die früheren Zusammenkünfte zwischen Fromageot und Gaus zu der Annäherung bei getragen staben, die bei den Lon­doner Besprechungen erreicht wurde. Zweifellos bleiben noch große Schwierigkeiten zu überwinden, linier Eindruck ist indessen günsttg. Wir sind glücklich, nach der Fühlungnahme mit den Außenministern fest stellen zu können, daß sie unsere Gefühle teilen.

(Bitte zweite Abrüstungs­konferenz.

London, 9. Sept. (WTB. Funksvruch.) Rach einer Meldung aus Swampscott hat Prä­sident Coolidge die Absicht, eine zweite 2lbrüstungs-Konferenz einzuberulen, sobald die Umstände es gestatten. Der Präsident widersetzt sich auch nicht der von P a i n l e v ö ausgespro­chenen Ansicht, daß die Initiative vom Völkerbund ausgehen soll. Jede Kon­ferenz. die zu einem Ergebnis führe, fei ihm recht. Die Wahl des Konferenzortes f$i eine Frage zweiter Ordnung.

Die Türkei besteht auf Mossul

Genf, 8. Sept. tWV.) Die Türkei hat ihrer Delegation die Weisung erteilt, unnach­giebig an die türkischen Forderungen hinsicht­lich des Mossulgebietes f e st z u h a 11 e n. Mit einer Aushebung der Entscheidung des Dölker- bundsrates wäre die Türkei nur einverstanden, falls gleichzeitig vom Völkerbund eine Volks­abstimmung im Mossulgebiet angeordnet

rungen auf dem Wege der Verordnung in Kraft treten zu lassen, aber diesen Weg haben alle Parteien in der heutigen Besprechung a b ge­lernt. Man sprach sich dahin aus, lieber das neue Gesetz in beschleunigter Be­ratung durchzubringen, als erst die No­velle zum alten Gesetz zu beraten, was allerdings Schwierigkeiten bereitet, als in dem neuen Gesetz manche Punkte, wie z. B. die Aufenthaltsdauer für die Wahlberechtigung il a., voraussichtlich heiß um­stritten werden, die Verhandlungen sich dadurch in die Länge ziehen können und das Gesetz nicht so rechtzeitig verabschiedet werden kann,.daß die Wah. len bis Ende Dezember vorgenommen werden können. In diesem Falle soll der Gesetz, gebungsausschuß sich mit dem Landtags­präsidenten ins Benehmen setzen, daß die Geltungs­dauer der Amtszeit für die Gemeinderäte und Bei­geordneten ufw. um zwei Monate verlän­gert wird. Der Gesetzgebungsausschuß will am 15. September mit seinen Beratungen beginnen. Als Wahltermin wird vielfach der 22. November oenannt. Sollten sich jedoch Schwierigkeiten bei den Beratungen ergeben, müßte also die Amtszeit der Gemelnderäle oerlängert werden, so muß auch der Wahltermm bis in das nächste Jahr hinausgeschoben werden.