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yuM .|t uiiucumyi rioiiy. -ver nruyzug ab 6.15 Uhr in Lich und der Vormitfagszug, der 9.25 Uhr Lich verlassen soll, müssen wichtige Anschlüsse in Grün­berg erreichen. Beide haben fic aber auf der Strecke für die großen Lasaltwerke Wagen zu stellen neben dem Güterverkehr, den sie zu bedienen haben. Oesters war besonders der zweite Zug |o überlastet, daß er kaum geringe Steigungen überwältigen konnte, weil 10 und mehr Guterwagen angehängt waren. Es ist (dgar vorgekommen, daß er bis zur Station zurückkchren und Wagen abhängen muhte, um überhaupt weiterfahren zu können. Dadurch find Anschlüsse nicht erreicht worden, und die Frem­den, die den Zug benutzten und solche Erfahrungen machten oder mit knapper Not den Anschluß er­reichten, aber durch die Nervenanspannung, die die Erwartung verursachte, ob es auch geraten werde, erschöpft waren, die mit der Uhr in der Hand und klopfenden Herzens die letzte Zugstrecke zurücklegten, setzen sich diesen Aufregungen nicht zum zweiten Male aus, bleiben von der ButzbachLicher Bahn fort und warnen vor ihrer Benutzung. Nur durch Einlegung dieses Zuges kann auch dem Widerspruch der Stadt Grünbcrg, die drei Zugpaare, die die ganze Strecke durchlaufen, osrlangtz begegnet wer­den. Der gute Güterverkehr, der gerade auf der oberen Bahns recke vorhanden ist, muß es er­möglichen, auch diesen Zug fahren zu lassen. Daß daneben der Abendzug bis Oueckborn läuft, ist selbstverständlich. Es ist auch nicht zu erwarten, daß von feiten der Betriebsführerin allzugroße finanzielle Bedenken geäußert werden können, die ja im Wider­spruch stünden mit einer gewissen Frei­geb i gk e i t, die sich in dem Entwürfe des neuen BetriebsvertraIes feftstellen läßt. Ist für Kosten der Betriebsführung so viel mehr Geld vorhanden, als vor dem Kriege, muh es auch vorhanden sein, wenn es gilt, die im Inter­esse der Gemeinden liegenden Züge zu fahren.

Aus der Provinz.

Landkreis Gretzen.

" Klein-Linden, 9. Juni. Ein treues Be­kenntnis zum evangelischen (Stauben durchdrang in allen seinen Teilen des von Pfarrer 21 ck e r - mann geleitete christliche Fest am Sonntag in Rinns Garten. 9n den Dienst der guten Sache hatten sich der Gitarrenchor und die Chöre der Stadtmission Gießen, der Posaunen- und Kirchen­chor Klein-Linden und der Jungfrauenchor aus Kinzenbach gestellt. Ansprachen hielten Pfarrer Ackermann und die Stadtmissionare Möller und Herman n.

* Lollar, 8. Juni. Am Samstag trat un­sere Sänger Vereinigung zum erstenmal unter ihrem neuen Leiter, Lehrer Rodhe - Mar­burg, dem altbewährten Dirigenten derMarbur­ger Liedertafel", an die Oesfentlichkeit. Der im SaalbauZur Linde" veranstaltete Familien- abend war sehr gut besucht, und ein schönes, ab­wechslungsreiches Programm ließ alle Besucher auf ihre Rechnung kommen. Der z. Z. ca. 90 aktive Sänger starke, auf der Höhe stehende Chor sang Lieder von Silcher, Brahms, Sonnet u. a. und be­wies damit aufs neue, daß er seiner Aufgabe voll und ganz gewachsen ist. Ganz besonderes Lob ver­dient Frau Markos, Marburg, die Tochter des Dirigenten R o d h e , die durch vorzüglichen Dor­trag einiger schöner, mit reichem Beifall belohnter Volkslieder sehr wesentlich zum Gelingen der Ver­anstaltung beitrug. Die Musik wurde von der Ka- pelle Lyuker ausgeführt, die mehrere einwand- . frei gespielte, sehr beifällig aufgenommene Kon- jr jertftude zu Gehör brachte. Der Abend nahm einen schönen Verlauf und wird noch lange in ange- ' nehmer Erinnerung bleiben.

Burkhardsfelden, 8. Juni. Unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und außerordent­lich zahlreicher Festgäste wurde gestern die fünf­zigjährige Jubelfeier unserer Kleinkin- derschule begangen. Die Feier nahm bei herr­lichem Wetter rinnen erhebenden Verlauf. Um 3- Uhr stellte sich der Festzug bet der schön geschmück­ten Kleinktnderschule auf und bewegte sich nach dem festlich hergerichteten schattigen Lindenplatz vor der Kirche. Nach der durch die Kleinen dargebotenen sinnigen Festliturgie fang der Schülerchor unter Lei­tung von Lehrer Stumpf das LiedIch bete an die Macht der Liebe". Schülerinnen trugen hierauf der Bedeutung des Tages entsprechende Gedichte vor. Große Freude erweckte bei den Kleinen die Verteilung der von der Gemeinde reichlich gestifteten Brezeln. Schöne Musikstücke trug der durch das Kalbhennsche Hornquintett verstärkte PosaunenchorvonOppenrod vor, der auch die gemeinsamen Gesänge begleitete. Nach der Be­grüßungsansprache des Ortspfarers Hellwig- Reiskirchen hielt Pfarrer Bastian vom Diako­nissenhaus Nounenweier die warm empfundene Festrede auf Grund von Psalm 105, Vers 12 ff.

Die Familie des Pjotr Iwanowitsch.

Eine russische Erzählung.

Von K. P. Mönch.

Mit starrer Duldermiene sitzt Marußja Michailowna auf dem niedrigen Hocker, das eine der Zwillinge an der Brust, das andere, das sich seit Qtunben in Leibweh krümmt und jämmer­lich weinend in der Wiege liegt, hin und heo- schaukelnd.

Iwilsch, Iestm, Sascha und Gawril liegen, zu einem Knäuel verwickelt, die Fäuste in ihre gegenseitigen Haare verkrampft, mörderisch schrei­end in der einen Ecke des Zimmers, während Lisa, Mascha und Rabaschinka sich vergeblich bemühen, der großen, auf dem Boden liegenden Harmonika melodische Töne zu entlocken.

Allem zum Trotz sägt aber der Vater dieses lärmenden Haufens, Pjotr Iwanowitsch, in Seelenruhe ein großes Scheit Holz, da ihm der Frost draußen die Hände verklemmt hat und es ihm behaglicher erscheint, in der dem großen Ofen entströmenden Hitze zu arbeiten.

Pjotr I" ruft schließlich Marußja verzweifelt, es ist nicht zum Aushalten mehr! Irgend etwas muß geschehen! Reun Kinder und wir in dem engen Zimmer, das halt ich nicht mehr aus!"

Ritschewo," antwortet Pjotr in Seelenruhe, da ist doch nichts dabei zu machen, mein Täub- chen. Werden die Kinder größer, werden wir auch mehr Ruhe haben."

Aber bis dahin bin ich schon längst unter der Erde! Vein, so kann es nicht bleiben! Geh zum Popen, der ist so klug! Er wird helfen!"

Sodann hielt der Superintendent für Oberhessen, Dberhrd;enrat Wagner, eine Ansprache an die Feftver'a'.n.ning und überreichte als Zeichen des Dankes und der Anerkennung im Namen des Landeskirchenamtes unseren beiden Schwestern Elisabeth Alt und Elisabeth Stotz, die seit 1878 bzw. 1881 in vorbildlicher Treue und Gewissen­haftigkeit in der Gemeinde wirken, prächtige Gesang­bücher. Die Glückwünsche und Grüße des Dekanats Gießen überbrachte Dekan G u ß m a n n - Kirch­berg. Die Ansprachen wurden stimmungsvoll um­rahmt durch wertvolle Chöre, die unser Kirchen- ch o r" sowie die GesangvereineLieder- b l ü t e" undGermani a" zum Vortrag brachten. Mit dem Schlußwort des Ortspfarrers und dem ge­meinsamen Gesang:Nun danket alle Gott" endete das schöne Fest. Die Kollekte ergab den Betrag von 86 Mark. Der Dank und die Wertschätzung der lang­jährigen segensreichen Arbeit unserer Schwestern kam auch noch dadurch zum Ausdruck, daß ihnen vom Gemeindevorstand, vom Kirchen- v o r st a n d und den örtlichen Vereinen schöne Bilder und andere Erinnerungsgaben überreicht wurden. Auch ließen es sich die Gesangvereine nicht nehmen, gegen abend vor der Kleinkinderschule noch ein Ständchen zu bringen. Vorbildlich und herz­lich war wieder die Bewirtung, die den so zahl­reichen auswärtigen Gästen in den Häusern der Ge­meinde zuteil wurden. Alle, die das schöne Jubelfest mitfeiern konnten, werden mit Dank und Freude daran zurückdenken.

t (5 tun Berg, 8. Juni. In den hiesigen Waldungen hat sich der Eichenwickier sehr schädlich bemerkbar gemacht. Zahlreiche Eichenstämme sind völlig kahlgefressen, ein trost­loser Anblick für den Naturfreund. Äu den Feldern und Wiesen wird eben sehr eifrig gearbeitet. Die Saaten stehen erfreulich gut. Auch mit dem Fruchtansatz des Steinobstes kann man zufrieden sein. Am Samstagabend kehrten unsere Kufsteinsahrer wieder zu­rück, hochbefriedigt von den unvergeßlich schönen Eindrücken, die ihnen diese prächtige Fahrt ver­mittelte. Mit Lampionschmuck marschierte der lange Zug der Teilnehmer zum Marktplatz, wo Studienrat S e y p o l d eine Ansprache hielt, der der Gesang einiger vaterländischer Lieder folgte. Hierauf ging es dem Elternhause zu.

Lich, 8. Juni. Die Familie Diev ist, wie die Kirchenbücher bezeugen, eine der äl­testen hier nachweisbaren Familien. 3n verschiedenen Zweigen ist der alte Stamm noch heute hier stark vertreten. Daß der Stammbaum des in Wiesbaden lebenden und als Mundart- dichter bekannten Lehrers Rudolf Dietz auch in Lich wurzelt, dürste den meisten Einwohnern unbekannt sein, selbst solchen, die sich an den lustigen Versen des Dichters schon oft erfreut. Im vergangenen Herbst weilte Rudolf Dietz meh­rere Wochen hier, die er fleißig dazu benutzte, in den Kirchenbüchern gründliche familiengeschicht­liche Studien zu betreiben. Seine Nachforschungen hier und an anderen hessischen und nassauischen Orten haben das interessante Ergebnis gezeitigt, daß das Lehrerhaus Rudolf Dietz in diesem Jahre ein besonders seltenes Fest feiern kann. Anno 16 7 5 trat der Theologe Johann Dietrich Dietz aus L i ch in den Schuldienst, und seit dieser Zeit haben die Dietz in sieben Generationen in 22 hessischen und nassauischen Schulorten in ununterbrochener Reihe 250 Jahre der Volksschule gedient. Die Söhne des Jubilars kehren wieder ins Pfarramt zurück, das einst der Urahn mit dem Schuldienst ver­tauscht hatte, was in der Zeit vor und nach dem 30jährigen Krieg nicht nur in vereinzelten Fällen geschah, wie die schulgeschichtlichen Forschungen von Prälat D. Dr. Diehl erwiesen. Rudolf Dietz beschließt mithin vorläufig die lange Schul­männerreihe. Aus Anlaß des seltenen Gedenktags hat die Bildniskünstlerin Olg« Hasselmann - Kurtz in Wiesbaden, wie dieWiesb. Ztg." mitteilt, ein Pastellbild des Vierteljahr- tausend-Lehrerjubilars gemalt. Auch die Stadt Lich wird es gewiß nicht versäumen, dem Dichter zu seinem Jubiläum in irgendeiner sinnigen Form ihre Glückwünsche darzubringen.

L Hungen, 8. Juni. In Ronnenroth hat man jetzt jede Rächt den Genuß, eine Nachtigall schlagen zu hören, von etwa Mit­ternacht bis zum ersten Morgengrauen. Ratürlich macht das den Einwohnern viel Freude und jede Rächt sind Leute draußen, um den hier seltenen Vogel zu hören.

Kreis Alsfeld.

t Atzenhain, 8. Juni. Bei der gestrigen Dürgermei st erwähl wählte man den seit­herigen Bürgermeister H ch. Erb 5. mit 167 Stimmen wieder. Der Gegenkandidat Hch. Katz erhielt 135 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war sehr stark, von 331 Wahlberechtigten hatten rund 91 Prozent abgestimmt.

Pjotr murrt. Die Arbeit ist noch lange nicht fertig, und draußen weht einem der Schnee Über dem Kovf zusammen.

Ach was, wickle Dir ein dickes Tuch um die Ohren," schlägt er begütigend vor,was anderes wird unser Väterchen, der Pop, auch nicht raten."

Aber Marußja bestehl auf ihrem Willen, und Pjotr entschließt sich seufzend $um Gang.

Er ist bald zurück, ganz aufgeräumt. Der Pop hat wohl einen wunderlichen Rat gegeben, doch er ist so klug, es wird schon stimmen.

«Run, was hat er befohlen?

Wir sollen die Hühner auch ins Zimmer nehmen, dann wird es besser sein."

Marußja reißt die Augen auf.Die Hüh­ner ... ?! Den Hahn auch?

Ja, Väterchen hat es gesagt. Cs wird schon stimmen."

Also kommt Pjotr, die drei Hennen unter einem Arm, den Hahn unterm andern, ins Zimmer. Alle vier flattern mit Krähen und Gegacker auf den Ofen, wo Pjotr eS sich gerade hat bequem machen wollen, Unb der Hahn kräht zu den unwahrscheinlichsten Zeiten, dir Hennen fühlen das Bedürfnis, Eier zu legen, alle flattern den Kindern auf die Köpfr, und der Lärm wird betäubend. So geht es dir ganze Rächt.

Marußja ist wütend. Als der Morgen graut, weckt sie den Mann.

Ratürlich hast du den Popen salsch ver­standen. Steh auf! Geh zu ihm, sprich dich mit ihm aus. Er wird schon Helsen."

Murrend geht Pjotr aus der Stube, den Kopf noch ganz wirr von der schlechten Rächt. Aber er weiß genau, der Pop hat grtade so besohlen. Dann wird es schon irgendwie stimmen. Rach kurzer Zeit kommt er vergnügt zu­rück.Der Pop meint, es sei so gut, wir sollen &i« Kuh nur auch noch ins Zimmer nehmen."

T Lehnheim, 8. Juni. Bei der gestrigen B ü t g e t in e i st e r w a h l wurde der seitherige Bürgermeister Dick har dl mit 111 Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat, Bei­geordneter H ö n i g, erhielt 75 Stimmen. Abends wurde dem Gewählten ein Ständchen gebracht, wobei auch verschiedene Ansprachen gehalten wurden.

-er. Homberg a. d. Ohm, 8. 9unu Bei der am gestrigen Sonntag stattgefundenen Bürger- mei st erwähl erhielten Landwirt L a n g ft r o f f 64, Kanzleigehilfe Köhler 143 und der fettherige Bürgermeister Spamer 536 Stimmen. Dieser ist sonach mit einer erdrückenden Mehrheit von 329 Stimmen miedergewählt woroen. Die Wahl­beteiligung war sehr rege; über 90 Proz. der Wahl­berechtigten schritten zur Wahlrune. Die Gegenagi­tation war stark.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 7. Juni. Nachdem die Bewohner derV o r st a d t zum Garten" schon seit einigen Jahren wieder alljährlich die Feier ihrer K t r ch w e i h e begehen, haben Die Bewohner der Barbaravorstadt nunmehr auch beschlossen, in jedem Jahre eine derartige Feier zu veranstalten, die heute zum ersten Male unter starker Teilnahme her ganzen Stadt statt- fand. Um 2 Uhr bewegte sich der stattliche F e ft- o u g, an der Spitze eine Musikkapelle und Rad- faörerabteihtng, durch die Straßen des Stadt­teils nach der Barbarapforte, dem letzten Ueber- bleibsel der alten Barbarakirche, die im Iayre 1787 abgebrochen wurde. Hier hielt Archivdirek- tor Pros. Dreher die Festrede und gab in kurzen Zügen einen Ueberblicf über die geschicht­liche Vergangenheit der Vorstadt. Gr «erwähnte, daß gerade diese Stelle der älteste geschichtliche Boden wäre und daß hier schon zu Kaiser Au­gustus' Zeiten ein großes römisches Crdtastell ge­standen habe. Vor der Barbarakirche habe im Jahre 1640 der kaiserliche Feldmarschall Grleen seine Batterien ausgesahren und das Fauerbacher Tor in Trümmer geschossen und die Stadt der Plünderung preisgegeben. Seit der Gründung der Gasfabrik im Jahre 1863 und durch die Tätigkeit des BauvereinsEigener Herd" ist die Vorstadt wieder in Blüte gekommen, im Jahr: 1907 wurde ihr durch Beschluß der Stadtverord­netenversammlung der alte geschichtliche Rcune Barbaravorstadt" verliehen. Die Einwohner­zahl, die damals ungefähr 500 betrug, ist unter­dessen auf über 800 angewachsen. Rach der mit großem Beifall aufgenommenen Festrede mar­schierte der Zug nach dem hübsch gelegenen Fest­platze, dein Rofentale, woselbst sich eine vielhuü- dertköpfige Menge versammelte und sich bald mit Hilse eines reichhaltigen Vergnügungsparkes und einer Anzahl Festwirtschaften ein buntes Treiben entwickelte. Einem schon längst empfundenen, dringenden Bedürfnis soll jetzt durch die Kana­lisation des südlichen Stadtteiles vor dem Mainzer Tore bis zur Ackerbau­schule entsprochen werden, denn die Verhältnisse waren teilweise fast nicht mehr langer zu ertra­gen. Gleichzeitig damit soll eine Vergröße­rung der Rieselfelder an der Zucker­fabrik verbunden werden; die Kosten sollen sich auf ungefähr 150 000 Mark belaufen.

Kreis Büdingen.

'! Büdingen, 8. Juni. (Bürgermeister- w a h l e n.) Am gestrigen Sonntag fanden in un­terem Kreise in 13 Gemeinden Bürgermeister- Neuwahlen statt, und zwar inAltenstadt, Aulen- diebach, Bad-Salzhausen, Berstadt, Hainchen, Höchst a. d. N., Oberau, Oder-Mockstadt, Rinderbügen, Ro­denbach, Rohrbach, Rommelhausen und Wolf. In A11 e n st a d t hatte der seitherige Bürgermeister Kröll sich nicht wieder aufstellen lassen. An seine Stelle wurde gegen weitere zwei Kandidaten der Uhrmacher und Üntercrheber Karl Wagner mit großer Mehrheit gewählt. Ebenso hatte Bürger­meister Wolf van B e r st a d t wegen hohen Alters sein Amt niedergelegt. Kandidaten waren zwei Vet­tern, nämlich Reinhold und Rudolf Alter. Rein- Bold Alter wurde gewählt. In der Gemeinde Wolf wurde der seitherige Bürgermeister Möser nicht mehr gewählt. An seine Stelle tritt der Land­wirt Otto Henrich. In allen übrigen Gemeinden wurden die seitherigen Bürgermeister wiedergewählt. Durchschnittlich war die Wahlbeteiligung eine sehr rege, in einzelnen Gemeinden annähernd 100 Proz. Zu Ausschreitungen ist es nicht gekommen. Die Mehrzahl der Gemeinden unseres Kreises wählt erst am kommenden Sonntag, 14. Juni.

Unter-Schmitten, 8. Juni. Das 3. Bundesfest des Niddatalsangerbun- d e s, verbunden mit der Fahnenweihe des hiesigen Männergesangvereins, das gestern hier ftaitanb, erfreute sich einer außer­ordentlich stakken Beteiligung. An dem Festzug, der sich um 1 Uhr mittags durch die färben- und fahnenfrohen Dorsstraßen bewegte, beteiligten sich

Die Kuh!" - Marußja schreit auf.Wo soll denn die Platz haben?! Es ist doch kein Eckchen mehr leer!"

Ja, der Pop hat's gesagt. Der muh es wissen."

Marußja sieht sich verzweifelt um. Wenn sie nun das Bett der vier Knaben In drn Stall brächte, dort, dicht am Herd könnte am Ende die Kuh noch Platz Haben. Die Buben mühten Dann noch zu ihr ins Bett, wo schon Die MäDchen ihre Liegestelle hab^n. Die Kuh toicb heretn- geführt. Aber auch Dieser scheint Der Lärm nicht zu behagen. Sie wirst mit Dem toebelnben Schwänze Den Kochtops vorn HerD, Dah alle Kartoffeln Durch Das Zimmer rollen. unD Daß heiße Wasser Pjotr über Die Füße läuft. Sie brüllt mit ohrenbetäubenDem, Lärm Tag unD Rächt. Der Hahn kräht unD flattert, Die Hennen gackern, Die KinDer schreien unD Pjotr sägt sein Holz

Marußja weint vor Erschöpfung. Tag unD Rackt keine Minute Ruh! Das hält sie nicht aus!

Geh zum Popen unD erzähl ihm, wie es hier zugeht!" befiehlt sie.Der Pop wirb Helsen."

UnD Pjotr geht. Rach kurzer Zeit kehrt er zurück.

Der Pop hat gesagt, es fehle nur noch Das Schwein, wenn Das auch im Zimmer ist, wird es schon gemütlich sein."

Marußja starrt vor sich hin.Das Schwein, Das Schwein! Wo in aller Welt follen wir noch für Das Schwein Platz schaffen? Und Der Gestank. Es ist ja jetzt schon nicht mehr zum Aushalten."

Aber Der Pop hat's gesagt. Es wirD schon stimmen!" Das Schwein WirD unter Das große Ehebett verstaut. Es Darf sich nur ja nicht auf­stellen, liegenD hat es allenfalls Platz."

Aber Die Sau will natürlich nicht still liegen. Sie hebt sich. Sie scheuert sich am Backofen.

9 Bundes-, 6 Gastvereine sowie die verschiedenst« örtlichen Korporationen. Die Niddaer Feuerwehr« kapelle in schmucker Uniform stellte die Festmufik. Auf dem geräumigen, hochgelegenen Festplatz am Nordabhang des Dorfes, von wo sich das Nidda­tal und die Gipfel des Dogeibergs in ganzer Schön- heil dem Auge darboten, wickelte sich in rascher Auf­einanderfolge das Festprogramm ob. Nach dem Be- grüßungsliede des festgebenden VereinsGott grüße dich" überbrachte der Bundesoorsitzende Sch a f e r - Eichelsdors den Gruß des Bundes und würdigte das deutsche Lied als stärkstes Bindeglied für deutsches Wesen. Den Willkomm des festgeben­den Vereins entbot dessen Vorsitzender Ußner. Die Weihe der neuen Fahne vollzog Pfarrer Köhler- Nidda. Seine herzwarmen Worte weck­ten begeisterten Widerhall im Herzen aller Zuhörer. Frl. Ußner entbot den Gruß der Frauen und Jungfrauen an die enthüllte Fahne und das deutsche Lied. Auf den Massenchar des Niddatal- sängerbundes, den Justizinspektor D a p p e r. Nidda dirigierte, folgten die GesangSvsrträae der einzelnen Vereine. Wenn auch das lärmende Festes- treiben und die Orgel des Karussells überaus stö­rend wirkten, konnte doch manche Perle deutschen Männergesangs zum Vortrag gebracht werden, und die dankbaren Zuhörer spendeten reichen Beifall. Am Abend folgten turnerllche Vorführungen seitens der Schulkinder und des Turnvereins, die, von dem Dirigenten des feftgebenden Vereins, Lehrer W o 11, eingeübt und geleitet, einen überaus fesselnden und wirkungsvollen Anblick gewährten. Der sonnige Tag brachte es mit sich, daß es in den Festzelten überaus lebhaft zuging, unb Festwirte, Verkäufer nicht zuletzt der feftgebende Verein mögen gut abge- schnitten haben.

Starkenburg und Rheinhessen.

spD. Reu-Isenburg, 8. Juni. Seit ge­raumer Zeit wurden bei hiesigen Bürgern Steu­erbeträge Doppelt unD vielsach, wenn sie Die Zahlung verweigerten, Durch Pfän­dung eingezogen. Eine Rachprüfung ergab schließlich, Daß zwei BürogeHilfen Durch betrügerische Machenschaften und falsche Eintragungen sich Diese lohnende Rebenbeschäftigung verschafft hatten. Die jungen Herren wurDen verhaftet.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt«. M., 8. Juni. Die Bau­tätigkeit macht in Franlfurt außerorDentliche Fortschritte. WährenD Das Geschäftsjahr 1923/24 nur 1267 Baugesuche brachte, wies Das Jahr 1924/25 bereits 2130 Gesuche auf. Im laufenden Jahr hat die Bautätigkeit einen weiteren über­raschenden Aufschwung genommen. Im Mai wurden allein 306 Bescheide erteilt. Den größten Teil der Wohnungen stellen gemeinnützige Ge­sellschaften und Die Stadt her. Die Stadt leistet zu Den Baukosten der Gesellschaften Baukostenzu­schüsse von 6000 Mark zu 3 Prozent als zweite Hypothek. Stark ist Der Mangel an geeigneten Bauarbeitern. Dringlich wirD auch demnächst Die Dauplatzfrage. Die Baukosten liegen rund 60 Prozent über den Friedensbaukosten. In den nächsten Tagen wird die Fl uh-Schiffs­werft der Leux-Werke A.-G. dem Betrieb übergeben. Damit wird einem von den Reede­reien und Schisfahrtskreisen lang gehegten Wun­sche entsprochen. Denn mit einer Ausnahme be­findet sich an der kanalisierten Mainstreckc bisher keine Werft. Der Werftplatz umfaßt ein Gelände von 45 000 Quadratmetern, er ist mit Gleisan­schluß versehen, die Maschinen sind nach Dzm neuesten Stand der Technik aufgebaut. Ferner ist Raum für eine später anzuglieberndr Fabrik vorhanden. Der Hauptausschuh der Stadt­verordnetenversammlung beschäftigt: sich mit hem Antrag eines Bürgers auf Erhebung einer Fenst erste u^er nach Hanzösischem Muster. Für jedes Fenster einer Wohnung sollte ein bestimmter Betrag erhoben werden. Der An­trag fand Ablehnung. Schade! Das städtifche Steuerbuketl wäre dann um eine besonders hübsche Blüte bereichert worden. Auf An­trag zahlreicher biologischer Gesellschaften soll das sogenannte Gnkneimer Ried als Ra- turschutzgebiet erklärt werden. Das Ried ist ein ehemaliger Mainarm und birgt noch heute eine Fülle seltener, an anderen Stellen Der Heimat längst ausgerotteter Ti-ere unD Pflan­zen. Diese Fauna unD Flora WirD seit mehreren Jahren von Hanauer unD Frankfurter Ratur- freunfcen mit groher Sorgfalt gehegt. Dor kur­zem fanD eine Besichtigung DeS Rieds statt, an der u. a. Vertreter Der Regierung, Der zuständi- gen Bau- und Kulturämter. Der Kommissar für Denkmal und Raturschutz, Mitglieder Der KreiS- und Gemeindebehörden und Abgeordnete Der Biologischen Gesellschasten teilnahmen. Das Er­gebnis der Verhandlungen war Die übereinstim­mende Meinung, Dah an Diesem urwüchsigen Stuck Erde keine Veränderung vorgenommen werden

Das ganze Bett wankt und zittert. - Sie grunzt, die Kuh brüllt, und Der Hahn kräht. Die Hennen garfern, Die Kinder schreien, und Pjotr sägt sein Holz. ' - Dazu Der Gestank!

Marußja liegt auf Dem BoDen, den Kopf in viele Tücher gewirfel!. Sie kann nicht mehr! Geh zum Popen!" ist alles, was sie noch sagen kann.

UnD Pjotr geht.

CtrahlenD kommr et zurück.

Der Pop hat gesagt, wir sollen Kuh. Schwein unD Hühner unD Hahn hinausjagen. Dann tocrDen wir erst sehen, wie gemütlich es ist."

Ein Freudenschrei! Marußja weint unb lacht. Sie hat es ja gesagt. Der Pop wirs helfen! Sie fuhrt Die Kuh am Halfter in De.i Stall zurück. Pjotr folgt mit Hahn unD Hennen. Iwilsch, Icfim, Sascha unD Gawril treiben tobenD, lärmenD unD sich balgend die grunzende Sau vor sich her auS Dem Zimmer hinaus. Lisa, Mascha unb Rataschinka fangen hinter allen einen Freudentanz, selbst die Zwillinge heben neugierig Die Köpfe, um zu sehen, was es gibt. Dann kehrt Marußja mit Dem Riesenbesen allen Unflat aus dem Zimmer, Das Fenster wird geöffnet, wohl zum erstenmal feit hem Sommer, frische Zugluft weht alle schlechten Dunste hinaus, unb bann sinkt sich alles gerührt in hie Arme.

Wie schön, wie gemütlich ist unser Zimmer- chen jetzt!" rufen bte Kinhcr.

Werb' ich hiese Rächt schön schlafen!" lagt Pjotr und steckt sich gemütlich sein Pfeifchen in Brand.

Und Marußja?

Wehmütig lächelnd blickt sie auf ihre Kinder. In ihrer Verzweiflung hat sie sie verwünscht. Jetzt strahlt sie mütterlich auf sie alle nieder. Roch nie ist ihr ihr Zimmerchen so geräumig erschienen. Sie hat es ja immer gewußt:Dee Pop wird helfen."