Ausgabe 
9.6.1925
 
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Kr. 132 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhegei,

Die Deutschen in Ungarn.

(Bon unserem Budapester Mitarbeiter.) Budapest, Anfang Juni.

Seit einiger Zeit haben die Deutschen in Un­garn ihren nationalen Dalksbildungsver- ein, eine unpolitische Vereinigung, die das gesamte Deutschtum in Ungarn (gegen 600 000 Menschen) umfassen soll, was in erster Reihe durch Gründung von Ortsgruppen geschieht, deren Zusammenhang mit der Budapester Zentralleitung im großen ganzen ziemlich lose ist. Wie immer in solchen Jollen die Regierungen zu tun pflegen, wenn Minderheiten ohne die geringste staatsfeindliche Absicht natürlich Rechte kultureller Art für sich in Anspruch nehmen, die sie früher nicht gefordert hatten, machte die ungarische Regierung große Schwierigkeiten, weil sie in der kulturellen Emanzipierung der Deutschen nur den ersten Schritt zu einer Entwick­lung politischer Natur sah

Die Deutschen in Ungarn, die bei der Gesamt- einwohnerzahl von acht Millionen einen immerhin erheblichen Teil der Bevölkerung bilden, find näm­lich durch keinen einzigen Abgeord­neten im Parlament vertreten. Dieser unhaltbare Zustand ist auf den völligen Mangel jeg- kicher Organisation des ungarländischeii Deutsch­tums zurückzusühren, der um so mehr fühlbar wird, als die deutsche Minderheit kulturell auf einem Niveau steht, das dem magyarischen mindestens ebenbürtig ist. Nun ist das Schicksal der deutschen Minderheit Ungarns, deren Angehörige ihrem Land auch in den Stunden der Gefahr stets die Treue bewahrt haben zwar eine innere Frage Ungarns, die sich folgerichtig jede Einmischung, und sei sie noch so gut gemeint, verbieten kann. Aber eines darf dabei nicht übersehen werden: Das ist der Umstand, daß Ungarn, von dem große, von Magyaren be­wohnte Gebiete im Friedensvertrage losgelöst und den neuen Staaten einoerleidt wurden, von allen diesen Staaten erwartet und verlangt, daß die magyarischen Minderheiten in ihrer kul- turellen Entwicklung nicht gehindert werden. Die Voraussetzung zur Erfüllung dieses Wunsches ist natürlich die von ungarischer Seite zu gewährende gleiche Behandlung der auf ungarischem Gebiet lebenden Minderheiten. Denn es ist klar, daß die in Betracht kommenden Regierungen bei Aufrollung der Frage der Behandlung der magyari­schen Minderheiten stets darauf Hinweisen können, daß ein Magyare beispielsweise in der Tschechoslo­wakei trotz aller herrschenden Mißverständnisse ganz andere Möglichkeiten habe, als ein Angehö­riger der deutschen Minderheit in Ungarn, wo ins­besondere arge Mängel herrschen, die zu beheben eine der vornehmsten Aufgaben des Volksbildungs- Vereins ist.

Dies alles hat der ungarifd)e Ministerpräsident Graf Bethlen eingesehen, als er sich nach langen Verhandlungen endlich entschloß, seine Zustimmung zur Gründung des Volksbildungsvereins zu geben. Dabei aber bedang er sich aus, daß zum Vorsitzen­den des Vereins Dr. Gustav G r a tz , der ehemalige ungarische Außenminister, gewählt werden müsse, der zwar seiner Abstammung nach ein Siebenbürger Deutscher ist, durch seine Gesinnung und seinen gan­zen Werdegang aber den Vorsitz in dem deutschen nationalen Volksbildungsverein so auffaßt, daß er nicht nur für den Ministerpräsidenten selbst, son­dern hauptsächlich für dessen Widersacher eine Art Gewähr für die loyale Durchführung der Tendenzen des neuen Vereins barfteUt. Dr. Gratz ist gewiß ein Mann, der deutsche Kultur und deutsche Art liebt und über alles schätzt. Trotzdem kann man feine aufgezwungene Wahl, von einer höheren Warte aus gesehen, nicht gutheißen: denn sie bedeutet auch eben einen Zwang, und gerade Zwang sollte doch in kulturellen Dingen von vornherein ausgeschaltet sein. Aber wenn der Erfolg der Deutschen durch dieses ständige Kontrollorgan auch geschmälert er­scheint, so bedeutet er doch immerhin einen ersten Schritt zur Bewahrung kultureller Eigenart. Und wenn, was zu hoffen ist. der Verein in der drin­gendsten Frage, der S ch u l f r a g e , eine allmäh- lige Besserung erzielt, bann wirb die deutsche Min­derheit in Ungarn hoffnungsfroher als bisher in die Zukunft blicken können.

Ungarn hat noch einen anderen Grund als den hier angeführten, um aus freien Stücken seinen Deutschen zu geben, was diese zur gesunden Ent­wicklung ihres Volkstums für unentbehrlich halten. Dieser Grund liegt wieder in der Außenpoli - t i k. Ungarn ist heute ein kleiner Staat, mit verhält­nismäßig geringem Einfluß bei den Großmächten. Nur eine einzige Großmacht, Deutschland, hat mit seinen Sympathien für das von den Verträgen so verstümmelte Land nie zurückgehalten, und was Deutschlands Freundschaft für die Zukunft zu be­deuten hat, weih man in Ungarn nur zu gut.

Die Magyaren haben trotz großer Fehler in ihrer Minderyeitenpolitik eines stets verstanden: In ihren Minderheiten die Zuneigung und Liede zum Staate zu wecken und wach zu halten. Das ist ein hoch einzuschätzendes Verdienst, aber auch ein Gebot politischer Klugheit. Denn so sehr auch die Politik der heutigen Beherrscher Eu­ropas zu dem Glauben verleiten fönnnie, daß nur Gewalt die Völker regiert, so gewiß wird eine nicht allzu ferne Zukunft den Nachweis erbringen, daß der Bestand eines jeden Staates gefährdet ist, der es unterlassen hat, auch in dem letzten seiner Bürger die Ueberzeugung zu schaffen, daß sein Wohlergehen gleichbedeutend mit dem Wohle der Gesamtheit ist.

Das kostspieligste Fehlurteil von Versailles.

Der Ihifufl der Korridors.

Von Geheimrat Dr. von Hippel.

Seit der Wtrennung Ostpreußens habe ich die zuständigen Stellen immer wieder auf die UnTncgItcftf.it der Lage Ostpreußens h ngewiZen. Ostpreußen kann unter den heutigen Verhältnissen wirtschaftlich nicht bestehen. Die ©reign.f e haben mir schnell recht gegeben: in die em Zähre hat Ostpreußen bereits in weitem Umfange nicht mehr Steuern bezahlen können und sün: Land­wirtschaft existiert weiter nur durch Kredite, d. h durch Geld, das von außen in die Provinz hereinkonnnt. Man wende nicht ein das sei die Erscheinung eines Rotj hr:s. Gewiß, Ostpreußen hat ungeheure AuswinterungZverluste aber das ist keine gesund' Wirtschaft mehr, welch: aus dem Unglück eines Jahres sich nicht selbst durchhel en kann. Außerdem sind die Betriebsverluste die­ses Jahres auch in den Wirtschaften groß, welche nicht nennenswerte Auswinterungsschäden hatten.

Das kann auch gar nicht anders sein und wird sich wiederholen Ostpreußen ist ein rein agra­risches Gebiet. Von der landwirtschaftlichen Pro- duk.ion lebt direkt die Mch z hl der ostpreuhischen Bevölkerung und indirekt die übrige. Es gibt bei uns fast keine anderen Wertquellen: versiegen diese, so leidet das ganze Land. Q'lun befindet sich die Agrarproduktion in einer Weltkrise, die zwar als solche vorübergehend sein wird, die aber die allgemeine deutsche W rtschaftstti e auf dem Agrargebiet roch verstärkt. Ostpreußen als Qlgrar- gcbict ist also von vorherein in einer schwierigen Lage. Dazu kommt, daß Ostpreußen feit 1918 die ungünstigsten Bedingungen für die Agrar­produktion hat von allen deutschen Landen Früher hatten wir hier im Osten die unmittel­bare billige Einfuhr der russischen Futtermittel, auf deren Eiweißreichtum sich die Hochzuchten aufbauten: wir hatten billiges Holz, b llige eng­lische Kohle, bill gc Arbeitslöhne. Alles das ist fortgefallen und hat sich in fein Gegenteil verkehrt. Alles, was der Landwirt braucht, muß er im Reich kaufen und durch die Frachten D>r- teuert bezahlen. Umgekehrt lasten auf den ost- preußischen Produkten wieder die Frachten, so daß wir Minderpreise um 10 bis 17 Prozent gegen Mitteldeutschland haben. Eine Vorstel­lung von der Belastung der ostpreuhischen Wirt­schaft gibt die Tatsache, daß die Dutzende von Millionen Eisenbahnkosten zwischen Ostpreußen und dem Reich von der ohnehin schon schwachen Wirtschaft getragen werden. Ostpreußen kauft alles teurer und verkauft alles billiger. Der Ost- bteufte hat den längsten Winter und braucht mehr Kohle, mehr Beleuchtung, mehr Kleidung als mildere Klimate. Er braucht mehr Arbeit n, mehr Pferde, um in kurzer Zeit das zu schaff na, wozu anderwärts das Klima längere Zeit ge­stattet, er braucht mehr Geld für seine Geschäfte, die ihn nach Berlin führen, mehr Geld, sobald er Verwandte im Reich sehen will.

Dieser Wirtschaftslage fehlt heute jeder Aus­gleich.

Die Ursache für diesen unmöglichen Zustand ist die Abtrennung Ostpreußens vom Reich durch den polnischen Korridor. Er hindert das Reich an einer Frachtenpolitik, welche Ostpreußen wie­der an das Wirtschastszentrum heranrückt, an einer freien Bewegung der Güter mit der nöti­gen Schnelligkeit, er verlangsamt den Personen- verkehr um viele Stunden und hindert den direk­ten Flugzeugverkehr, dieses gerade für Ostpreu­ßen wichtige Verkehrsmittel. Der Korr dor schnei­det uns von unserer Absahbasis für unsere hoch- to rtigen Agrarprodukte (Zuchtvieh und ©aagut), ab, er nimmt uns den natürlichen Ausgleich der Arbeitskräfte, er schreckt die Käufer aus dem Reich ab und verscheucht die Kreditgeber, er gibt uns dauernd das Gefühl des Abgetrennt-

Die Tür.

Don Alfred Döblin.

Ich sitze in Lublin an der Bhstrzyca, in einem, wie man mir sagt, guten Hotel. Die Stadt ist auch schon im zehnten Jahrhu bert ge­gründet: Zeuge ist mein Hotel. Trete ich in d es Hotel, abends, so ist ein Portier da: er liegt wie eine Sarkophag-Figur in seiner Kammer im Hintergrund, hat die Mütze ins Ges.cht gezogen und versteht nicht. Wenn er dann Zeichen gibt, daß er verstanden hat, was der Traum zulieft. Man geht die Treppe hinauf. Das Geländer ist aus beinahe echtem Marmor, vorläufig aus tociftladiertem Holz. Ich wohne im zwe ten Stock. Die Wände wurden geweiht, geölt zur Zeit der Erschaffung der Stadt. Später ergrauten sie, einem natürlichen Triebe folgend. Roch später ist das Hotel offenbar mehrfach in Kriegsgeb et geraten. Innerhalb des Hotels wurde mit Mitrail- teufen geschossen, manche Wände und Türen strotzen von mahnenden Lochern. Schü fen. Die Hotelverwaltung, historisch geschult, ach et a f d e Konservierung der Spuren Roch völlig haben sich in dem Hotel auch Kriegsgebräuche vererbt: man brüllt zum Erschrecken wie zur Attacke, früh morgens auf den Gängen, führt wilde Ge­spräche durch die Tür. Aber unter mir auf dem Hof hat man, eine Konzession an die Reuzeit, eine Maschine aufgerichtet, d.e von 6 ilftr abends bis etwa um 4 Uftr morgens arbeitet und wie eine Lokomotive faucht. Man legt sich ins Bett, das pufft im Takt, und man hat rasch das Gefühl, Schlafwagen zu fahren: eine kostenlose Jllusirn.

Zu den erstaunlichen Dingen in die'em Hotel gehört meine Tür. Ich bemerkte schon beim Durchwandern der Korridore, daß es im Allgemeinen mit den Klin en hier eine Dewa- d nis hat. Wir sind nicht mehr recht an das Handwerk des zehnten Jahrhunderts gewohnt.

An der Hauptstrahe der Krakauer Dorstadt" steht ein Denkmal, ein Obe'isk, zur Evi ne^ung an die Vereinigung von Po'en und Litauen E n viel älteres Denkmal, von beinahe arch olo i- schem Charakter, haben wir vor uns in den Tür­klinken des Hotels. Die Türen sehen von außen unscheinbar aus. etwas petre'alt und wurm­stichig. aber doch wie gewöhnliche Türen. Erst beim Umgeben, oder dem Versuch mit ihnen umzugehen, merkt man, was oder wen man vor sich hat. Die Dinge haben h ec eine Art Charakter. Gewöhnliche Wesen sterben im Laufe der Zei'en, besondere nehmen alternd ein Leben, eine be­stimmte Lebendigkeit an.

Trete ich in mein Zimmer so trete ich zu­nächst nicht in mein Zimmer. Denn ich habe keinen Schlüssel. Der Schlüssel hat feinen Ort, an den er sich hingewöhnt hat. in einer Stube meines Geschosses, halb um das Haus herum: jedenfalls nicht beim Portier. Er kehrt hart­näckig mit Instinkt dahin zurück, wie ein Pferd oder ein Hund, auch wenn ich ihn in Gedanken beim Portier abgebe. Habe ich ihn dann, so habe ich zwei. Es sind immer zwei an einem eifernen Ring, ein Zwillingspaar, das sich nicht trennen konnte. Welcher von ihnen meiner, der richtige, war, habe ich während meiner Anwesenheit n cht ermitteln können. Ich habe jedes Mal physio­logisch durch Ausprobieren die Ident töt fest- steilen gehabt, da ich keinen Knoten in das Eisen machen tonnte, und ein Tintenstrich den ich einmal an den richtigen machte, wischte der bedienende barfüftige Junge wieder ab. Ich suchte dem Jungen ein zweites Mal llarzumachen, was der Strich bedeutete: er sprach polnisch, ich deutsch. Ich sprach, gestikulierte, er sah mir interessiert zu, rief einen zweiten Jungen, der auch Interesse an mir nahm. Eie betrachteten beide den Strich, dieses Resultat meiner langen Ueberlegungen, schüttelten den Kopf, lachten. Dann hatten sie

seins, der erhöhten Gefahr, wir empfinden ihn als Willkür. al8 Unrecht, als Sinnlosigkeit kurz, als Quelle unserer Sorgen und Leiden.

Dazu wissen wir. daß er Polen gar nichts nützt. Er ist der wirtschaftspolitischen Unwissen­heit der Machthaber von Versailles entiprungen. als ob man mit Gewalt aus einem Binnenland einen Seestaat machen konnte. Was ist denn auS den Hoffnungen. Danzig zu einer polnischen Handelsempore der Ostsee zu machen, geworden? Richts! Und so wird es bleiben, wenn man Danzig aus seinem Mutterlande herausschält und es zum polnischen Handel kommandiert. Was hat Polen von dem Korridor im übrigen? Richts! Militärisch ist er ein lächerliches Gebilde mit der Wahl für Polen, ihn sofort aufzugeben oder ihn sich ab Hemm en zu lassen. Und wirtschaftlich leidet seine 'Bevölkerung an der geographischen Unmöglichkeit noch mehr als wir in Ostpreuften.

Der Korridor ist ein Mißgriff willkürlicher Machtpolitik, eine Unmöglichkeit in sich.

Das wissen die Polen ebenso gut wie wir. Die Weitbllckendcn unter ihnen beschäftigen sich längst mit dem Problem einer Losung, wagen sich aber noch nicht an die Öffentlichkeit. Diesen gaukeln die polnischen Chauvinisten die Mogltch- keit vor, die Beseitigung des Korridors (dm auch sie für unhaltbar erkennen) durch Annexion von Ostpreußen zu erreichen. Dafür hat Ost­preuften nut ein Achselzucken. Richt umsonst haben sich in Ostpreußen feit Jahrhunderten die Männer zusammengefunden, die um ihrer Ueber­zeugung willen alles andere auf Erden auf­gaben; von den Salzburgern, den Refugies. den Reformierten an. Das gab eine Bevölkerung von harter, starrer Art, nicht sehr angenehm manches­mal im Verkehr, aber unerschütterlich in Heimat- liebe und Deutschtum. Der Wirtschaftspolitiker weiß, daft materielle Kräfte heute die Welt regieren und Ideales wenig gilt, aber er weift auch, daß die letzten EnllchbÄse für Menschen und Völker aus tieferen Quellen fließen, und daß man diese Machtsaktoren genau so stark in nüch­terne Rechnung einzusteilen hat wie militärische und wirtschaftliche Imponderabilien. Wer oas nicht glauben mag, den erinnere ich an die ost- preuftische Abstimmung vor 5 Jahren: damals lag alles Licht künftiger Aussichten auf feiten von Polen und aller Schatten auf deutscher Seite. Einmütig ginaen wir Ostpreußen in den Schatten. Und gerade Der Wirtschaftspolitiker, dem kühles Abwägen zur Ratur geworden ist, kann es aus­sprechen: die Ostpreußen wären lieber verhungert und hätten sich einzeln totschlagen lassen, ehe sie polnisch würden. Wie viel mehr heute!

Heute ist Deutschland im Aufstieg, während sich in Polen die Unmöglichkeit der künstlich ge­schaffenen Verhältnisse deutlich abzeichnet. Das abgetrennte Gebiet empfindet seine Versetzung in ein Gebiet geringerer Kultur, ganz Deutschland empfindet die Entreißung seines Teiles Landes zu ungünstigerem Dasein, der Ausländer staunt über dieses Unikum staatlicher Begrenzung.

Unter solchen Umständen kann der polnische Chauvinismus, der heute um des Korridors teilten seine Hand nach Ostpreußen auszustrecken vorgibt, nur dazu beitragen, daß die Unmöglich­keit des Korridors Allgemeinerkenntnis wird.

Damit wäre dann der Augenblick für ver­nünftiges Gespräch gekommen. Für Ostpreuften und Deutschland ist die Beseitigung des Korri­dors Lebensfrage, Herzensbedürfnis, Ehrenpunkt. Für Polen nichts dergleichen. Für Polen hängt an dem ihm fremden Landstreifen nicht das Prestige eines eroberten Landes: militärisch und wirtschaftlich ist er teils Ballast, teils ersetzbar, politisch ist er der Stein des Anstoßes zwischen zwei Rachbarn es müßte viel Ungeschick oder Verblendung dazu gehören, wenn unter solchen Verhältnissen nicht eine verständige Losung, welche durch Beseitigung des Korridors Ost­preuften dem Mutterlande wieder anschließt, sich finden lassen sollte!

Streikunterstützung aus öffentlichen Mitteln ist unzulässig

" Darmstadt, 7. Juni. Im Juni vorigen Jahres war in Offenbach ein großer Streik der Portefeuiller (ca. 2000 Mann) aus- gebrochen. Die sozialdemokratisch: Mehrheit der Stadtverordnetenver­sammlung beschloß, den Familien der Streikenden ein: Unterstützung durch datz Wohlfahrtsamt zu gewähren, und zwar nach den Sähen der Erwerbslosenunter- stützung. Das Kreisamt Offenbach be­anstandete den Deschluft u. a. mit der Be­gründung, daft nicht allgemein Unterstützungen

offenbar die Auffassung, daß ich mich über den Strich b'Hagte, als über eine U sauft ri.it an dem Schlüssel. Denn plötzlich fcu.te der eine Junge auf den Schlüssel, wischte ihn am Aermel ab, gab ihn mir mit aufgehetttem Gesicht Wiede'.. Sie erwarteten meine Reaktion Ich versuch e nun verzweifelt, den richtigen Schlüssel vom Bund abzumachen, da griffen beide ein. sagten Protest e- rend ein längeres Gebet und drückten mir die beiden hoffnungslos untrennbaren Ob ehe wie­der in die Hand. Ich zog ab. Da stand ich in dem Korridor, der zienllich finster, beziehungs­weise total dunkel war. Sta-d mit dem Zwill n is- paar und erwog, wie es diesmal abgehen würde. Die Gemütsart des Dchlüs'els und dieser Tür war mir schon bekannt. Die Türklinke h nz zwar herab, aber wenn es glückte, funftionierte sie. Das Schlaft hingegen war völlig verstopft, von einer enormen Tiefe, durch die ganze massive Tür f)'n* durch. Man durchbohrte mit dem Schlüssel die ganze Tür. stieß ihr mitten ins Herz und kam innen heraus, grade das war falsch. Man mußte drin bleiben. Man mußte bei einer gewissen Tiefe Halt machen. Bei welcher: das irar eben das Geheimnis. Ich bin mir über eins nie klar ge­worden: der andere Schlüssel, der falsche, Paßte irgendwie auch. Drehte ich aber mit diesem Schlüssel, dem notorisch falschen, eine Zeitlang, etwa eine Viertel- ober halbe Stunde, in einer gewissen Tiefe des Schlosses, fo war es ganz aus. Ich faßte aber auch manchmal zufällig den richtigen Schlüssel, bann drehte ich ihn auf be- sonbers kultivierte Weise Ich betastete sorgfältig zärtlich das Innere des Schlosses Denn es hatte keinen Sinn, hier grob zu werben Wie ein Tier lieft bas Schloß alles mit sich machen. Ich suchte, gefbannt, sehr höflich, scheinheilig. Endlich fand ich die fragliche Tiefe, drehte herum, einmal, zwei­mal, manchmal dreimal, viermal, fünfmal. Ich arbeitete angstvoll und ich batte auch endlich Glück

J.ensiag, 9. Juni (925

auS öffentlichen Mitteln gezahlt werden dürs­ten. sondern die Dcrhältom? jeder einzelnen Gesuchsstcllers müßten geprüft werken. Die Un­terstützung in ter Form des 6tabtocr?ybn;:en- beschlusfes stelle auch einen Singris' in den Wirtschaftskampf bar Etwa 10 CO? Mark Unterstüru 'gSgel er waren übrigen« bereits au#- bezahlt, als das KreiSamt eingriff und die Zah­lungen untersagte. Die Angelegenheit kam bann vor den Provinzialausschuß, der ter Auffassung des Kreisa m t e s bei- pflichtete und in dem Urteil insbesondere beanstantete, daß die U itetftühung weder zeit- lieft, noch nach ter Personenzahl begrenzt war. Hiergegen halte die Stadl Offenbach Be­rufung beim Verwaltungsgcrichts- hos eingelegt. Der Vertreter des StaatSinter- csses machte in der Verhandlung geltend, daß die städtischen Gelder zur Unterstützung Strei­kender verwendet wurden, was nach der Reichsverfassung unzulässig sei. Der Beschluß verstoße auch gegen Die Befug­nisse der Stadtverordneten. Die Mit­tel des Voranschlags dürsten nur für die darin vorgesehenen Zwecke renrenbet werden im an­der en Falle müßte ein RachtragSvoranschlag vor­gelegt werden. Eine allgemeine Unterstützung ohne Prüfung des Einzelsalles verstoße gegen die Aufgaben der Stadt als SelbstverwaltungS- korper. Der VerwaltungsgerichtShof verwarf die Berufung der Stadt Of­fenbach kostenpflichlig.*

Der neue Hahrplan der Vutzbach-Licher-Eisenbahn.

Als derGießener Anzeiger" vor einigen Tagen die neuen Sommerfahrplöne veröffentlichte, mußte man die bedauerliche Feststellung machen, daß von einer Verbesserung im Bahnverkehr auf der Bahn­strecke L i ch Grün berg keine Rede sein kann. Hier ist eine bedeutende Verschlechterung eingetreten. Zwar konnte es nicht mehr überraschen, daß die Bahnleitung den sehr schlecht benutzten Frühzug von Grünberg bis Lieh ausfallcn lieft, denn so günstig er auch für Reisende war, die ihn gelegentlich benutzten, so mar doch der täg­liche Personenverkehr mehr als gering und deckte nur einen Bruchteil der Stoftcn, die dieser Zug ver­ursachte. Auch die Tatsache, daß der A b e n d z u g nur bis Queckborn läuft, wird der verstehen, her btUlgerrocife zugeben muß, daß der Verkehr aus der Strecke Queckborn bis Grünberg ganz minimal ist, so daß auch hier zumal beträchtliche Gelände­schwierigkeiten (Steigungen von großer Höhe) vor- Legen das rechnerische Ergebnis sehr schlecht aus« füllt. Die Stadt Grimberg hat eben die guten Reichs­bahnoerbindungen und i|t auf die Nebenbahn nicht angewiesen. Aber ganz unverständlich ist es, daß man den Sonntagsverkehr auf der Strecke L i ch Grünberg völlig einge- ste 11that. Das ist eine großeEnttäufchung gewesen für die an der Strecke liegenden Gemein­den. Diese verlangen und daß sie ein Recht nach derKon Zessionsurkunde dazu haben, kann ihnen nicht bestritten werden sofortige Auf­nahme des Sonntagsverkehrs mit mindestens einem Zugpaar. Die Bahnverwaltung dürfte dieses Paar aber nicht nach Gutdünken legen, sondern der Zug müßte gefahren werden, der den (9emeinbeintcref[<n am meisten entspricht. Und das wäre der Abend- zug, der 7.40 Uhr abends nach Eintreffen der Gießener und Gelnhäuser Züge Lich oerläftt, bis Queckborn fährt, um in Lich wieder den Anschluft nach Gießen zu erreichen.» Dann kann man wenig­stens abends wieder mit der Bahn Heimkommen, und Fremde, die in die hiesige Gegend einrci|en, haben die Möglichkeit, die Bahn für ihre Heimfahrt zu benutzen. Auch die Strecke Lich Grün- berg muß man berücksichtigen und nicht hinter die Strecke Butzbach (bzw. Bad-Nw'heim) Lich zurücksetzen. Es ist geradezu unbegreiflich wie die Betriebssührerin der Bahn zur Kritik ihres neuesten Fahrplans herausforderte, zumal ihr doch die Erregung bekannt sein muß, die an der oberen Strecke der Bahn herrscht. Wir hosfen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um diesen offenbaren Fehler des neuen Fahrplans auszumerzen, denn wir glau­ben, daß die Bahnoerwaltung wir unterscheiden zwischen der Betriebsführerin der Bahn iFirma Lenz & Co. in Berlin) und der Bahnoerwaltung gern den berechtigten Wünschen unserer Bevölkerung entgegenkommt. Aber wir haben auch leider die Gewißheit, daß selbst damit der neue Fahrplan nur ein Flickwert ist und solange bleiben wird, als man sich nicht entschließt, einen Güterzug mit Per- sonenbeförderung zwischen nachmit­tags 2j Uhr ab Lich und etwa 6 Uhr zurück von Grünberg fahren zu lassen. Dieser

Di: Bosheit der Tür war nicht sehr gr&ft bas Alter macht schwach und cütig R 'ch ine ge­wissen Zahl Rückdr h ngen w ir es ri' t g D n ging die Tür nämlich nicht auf. Sie war off et. aber sie ging nicht auf. Es lag nun wieder an der Klinke.

Die hing in einem bestimmten losen Zusta-d, der zugleich eine unheimliche Festig' it der Tür gegenüber Oeffnungsab'ichten ver ürgte. Man tonnte die Tür meist nicht völlig zuwerseaie sprang sofort wieder auf. Schnappte sie ein, da rr mit Entschtossenhnt mit D ck'övfigkeit Ich ha te die Ausgabe nach dem Angriff auf das S a ft, der Klinke zuzureden, sie zu erweichen aus ib rmt begreifliche' Deharrungszustcnd dich ;e ; i fe Aktionen herauszum an ö" vieren Auch b<?. - tr. : nur durch Liebe, verbunden mi Cncrg e möq ich. Sanft mußte man drücken, ziehen, ff au'e n d.inn plötzlich, nachdem man sozusagen die Klinke in Sicherheit gewiegt hatte. mußte man ihr einen fürchterlichen Stoß geben. Die Aeberrafch.mg. chleberrumpe'ung, der Ha dstreich wacht? e.'i. Di: Tür flog auf, flog gegen den Waschtisch. der d s- teegen von der Hote'v'.rarallung auf nur kriegs­mäßig mit zwei mass ven Waschgefä?cn be-f h?n war: keineswegs mit zu leichten Wasferaläfern. Karaffen. Rur Ahnungslos tonten fist ärgern, daft fie zum Mund spülen, Zah.ivutzen nichts vrr- fanden: sie wußten nicht um die Seele dieses Hauses.

Ich, von früher her mit solchen Dingen ver­traut, fand mich ein Ich bin vertraut mit der Tür auf eine magisch kabbalistische Art Die Tür wurde mein Barometer für gute und schlechte Tage. Lieft sie sich morgens beim Weggehen leicht öffnen, so war die Luft rein, weigerte sie sich, so mühte ich mich n cht. Ich faftete. nahte ibr stündlich mit Anträgen, bis sie mich hinaus lieft. Sie zeigte große Lleberlicht. volles Verständnis für meine Lane hat mich mütterlich behütet.