Ausgabe 
9.5.1925
 
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Samstag, y. Mai 1925

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Er. 108 Zweites Blatt

Außenpolitische Amfchau.

| Don Professor Dr. Otto Hoetzsch, M .d. R.

Die Rede des Reichskanzlers am 29. April bat nur bestätigt, was alle Welt wußte, daß der Sieg des Reichsblocks in der Präsidentenwahl die Grundlagen unserer Innen- und Außenpolitik weder ändern will noch kann. Der Dawes-Plan bleibt recht­liche Bindung der deutschen Außenpolitik, ebenso aber steht fest, daß er nur in den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit ausgeführt werden kann und wird. Deutschland ist ferner bereit, die Sicher- heitSdiskussion fortzusetzen mehr nicht! vorausgesetzt, daß die Sache überhaupt bei dem gegenwärtigen Verhältnis zwischen England und Frankreich weilerkommt. Deutschland steht in Reserve. Sein Standpuntt ist klar: Teilnahme an der Diskussion, aber nur, wenn es gleichbe­rechtigt mitbe stimmen kann für eine Lösung, die den deutschen Lebensinteressen gerecht wird. Dr. Luther legt keineswegs Deutschland in der Sicherheitssrage stärker als bisher oder un­zulässig fest. Auch er protesttert scharf gegen die Richtlösung der R ä u m u n g s f ra g e, die er als einen Widerspruch in sich selbst neben der Erörte­rung der Sicherheitsfrage empfindet.

Wie gesagt, so ist für die englische Politik, der es daraus ankommt, Europa in Ruhe und Ordnung zu bekommen, heute Deutschland auch nach dem Siege des Feldmarschalls und durch ihn ein sicherer Faktor als Frankreich. 3n der Lon­doner ZeitschriftObserver" wird auch überein­stimmend damit gesagt, daß die Reihe nun an Frankreich sei. Läßt aber Driand den Willen zur Zusammenarbeit mit Deutschland, auch mit England, in der bisherigen Dahn er­kennen? Hat er nicht den Artikel 44 des Ver­trages wieder ausgegriffen, den Chamberlain gerade als unmöglich ablehnte? Man hat nach den Rachrichten aus Paris nicht den Eindruck, als wenn Vriand die Gelegenheit suche, sich mit England zu verständigen. 3m Gegenteil! sieht es aus. als sollte die Sache in die Länge gezogen werden. 11 es ist ein großer Unfug, diese Ver­schiebung als Folge des Hindenburgsieges darzu- steilen, während sie eine Wirkung des Um­schwunges in Frankreich ist, des Er­satzes von Herriot durch Driand.

3m Innern wünscht Driand gewiß die stär­kere Dindung Englands an Frankreich, als Cham­berlain beabsichtigt. 3m 3nnem wünscht er den Garantiepakt mit England und Belgien gegen Deutschland und mit der Spitze gegen Deutschland. Wir nehmen auch an, daß er die Auffassung vertritt, erst müsse Deutschland in den Völkerbund ein treten, und dann würde man sehen, ob die Sicherheitsfrage weiterzu- sühren sei. Das aber ist eine Auffassung und ein Zusammenhang, die das ganze Projekt zerschla­gen, weil das für Deutschland unannehmbar ist.

Jetzt heißt es, die Verständigung zwischen London und Paris würde im 3uni erst erfolgen. Dafür spricht wohl, daß erst einmal der Aus­gang der französischen Gemeinderats- wahlen ganz endgültig fein muß. Die Wahlen waren am 3. Mai, aber fest steht das Ergebnis erst nach den Stichwahlen am 10. Mai. Diese Wahlen sind nicht viel weniger Wahlen der Selbstverwaltung, sondern über ganz Frankreich hin über 400 000 Kandidaten mußten gewählt werden ausgesprochen politische Wahlen, deren Ergebnis auf die Zusammensetzung des Senates unmittelbar wirkt Vorläufig sieht es aus, als wenn diese Wahlen den 11. Mai des vorigen Jahres bestätigt hätten und die Hoffnung des nationalen Blockes sich nicht erfüllt haben, hierbei den Sieg des Kartells der Linken vom 11. Mac 1924 wieder auszuwetzen. Steht das erst einmal fest, so ist die Frage, wie das nun wirkt aus die Außenpolitik, das heißt auf die Ent­schlüsse Driands. auf den es ankommt.

Der Juni hat aber noch eine andere Bedeu­tung. Da findet die nächste Tagung des Völkerbundsrates statt, auf die von der letzten viel Arbeitsstoff verschoben worden ist. Will Driand erst da. wo er erscheint und Chamberlain auch, mit England sich verständigen? In Genf werden dann auch große Diffevrnzpunkte noch hervortreten: In der Völkerbunds-Militär- fontrotie, der Frage der sogenanntenständigen Kontrollelernente", die Frankreich will und Eng­land ablehnt, und der Frage, ob in der ganzen Kontrollsache Mehrheit oder Einstimmigkeit bet Beschlüsse gelten soll.

100 Iahre Börsenverein der Deutschen Buchhändler.

' Durch eine Reihe festlicher Veranstaltungen in Leipzig wird in diesem Jahre während der San« tatemesse "(811. Mai) das 100jährige Jubiläum des am 30. April 1825 gegründetenBörsenvereins der deutschen Buchhändler gefeiert. Es war eben­falls während der Kantatemesse, als im Jahre 1825 unter Führung des Potsdamer Buchhändlers G. Christian Horvath, mit Unterstützung der Buch­händler Dr. Friedrich Campe aus Nürnberg und Bernhard Friedrich Voigt aus Weimar, die noch heute maßgebende Organisation des gesamten deut­schen Buchhandels ins Leben gerufen wurde. Frühere Bestrebungen ähnlicher Art hatten nicht zum Ziele geführt.

Der neugegründeteBörsenverein", wie er von den Buchhändlern kurz genannt wird, übernahm zunächst die Aufgabe, der dem Buchhandel eigen- tümlichen Abrechnungsart, der sogenannten Öfter- meffe, ein eigenes Heim zu schaffen an Stelle der für die Messeabrechnung bis dahin benutzten Miets­räume, die sich damals in einem Kaffeehaus, später in einem Auditorium der Universität in Leipzig, befanden. Bald aber erweiterte der neugegründete Verein seinen Aufgabenkreis und verfolgte auch solche Ziele, die nicht rein buchhändlerischer Art, sondern für die ganze gebildete Welt von Interesse waren. Er begann den Kampf gegen den unberech­tigten Nachdruck und für den Schutz des Eigentums an Werken für Wissenschaft und Kunst der damals bei den vielgestaltigen deutschen Staatsgebilden sehr im argen lag. Bald konnte derBörsenverein" als ersten Erfolg verzeichnen, daß dank seinen Be- mühungen durch Abschluß von Literaturoerträgen zwischen den einzelnen deutschen Staaten den ge» jährlichen Nachdruckern, die eine schlimme Schädi­gung sowohl der Schriftsteller wie auch der Verleger darstellten, das Handwerk gelegt wurde. Die Im 2ahre 1837 geschaffenenVerordnungen zum Schutze des literarischen Eigentums" bildeten später die Grundlage für das im Jahre 1869 vorbereitete

Ist daS wirklich Driands Berechnung. so sicht eS nicht aus, als wenn die Sicherhcitsfragr sehr bald wciterkäme. in der ja Immer wieder betont werden muh: Es harrdelt sich gar nicht um einen ausgearbeiteten Plan, der so, wie voriges Jahr der Dawesplan vorläge, unb im einzelnen zu kritisieren wäre, ber etwa schon durch eine vor­schnelle deutsche Politik angenommen sei. Es handelt sich lediglich um eine Diskussion, um eine Anregung, die über eine allgemeine Idee, einen sehr allgemein gefaßten Wunsch der englischen Politik noch gar nicht herausgeht. Rirgends gibt es für die Sicherheitsfrage einen aus gearbeiteten Plan. Auch die deutschen sogen. Vorschläge sind nichts mehr als Anregungen, dürfen auch schlechterdings nicht mehr fein als der Ausdruck der Bereitwilligkeit, in dieser Er­örterung mitzureden, falls damit etwas für die Herstellung eines wirklich dauerhaften FrieDens in Europa geschehen kann. So ist ein großer Unterschied zwischen heut und der Lage gegen­über dem Dawes-Gutacht cn. Damals bas klar ins einzelne durchgearbeitete Programm Rord- amerikas, hinter dem England und andere Mächte standen, heute die allgemeine Anregung Eng­lands, der dabei Amerika zustimmt, ohne Eng­land aktiv zu unterstützen, unb die Rotwendigkeit, über diese allgemeine Anregung hinaus zunächst einmal im schwierigsten Verhältnis, bas es gibt, zu einer Einigung zu gelangen. Denn trotz aller schönen Reden, wie Chamberlain neulich wieder eine gehalten hat, ist das schwierigste welt­politische Verhältnis heute im Grund das zwi­schen England und Frankreich, in dem die Tendenzen, die Wünsche, die Möglichkeiten immer stärker und stärker auseinandergehen, frei­lich ohne daß England heute die militärische und politische Kraft hätte, die aus reichte, um sich wirklich von Frankreich zu trennen.

Mr. Houghton, bisher Botschafter Rord- amerikas in Berlin, jetzt in London, hat am 4. Mai bei einer Gelegenheit, die gern zum Aus­druck englisch-amerikanischer Gemeinschaft unb brüderlicher Gefühle benutzt wird, eine Rede, die großen Eindruck gemacht hat, gehalten. Vkit sitt­lichem Pathos hat der neue Botschafter Amerikas Wünsche für eine baldige Befriedung Europas ausgesprochen. Amerika will nicht Ratschläge erteilen, aber es hofft auf einen Frieden von Dauer und würde dann seine Hilfsbereitschaft bis zum äußerst Möglichen ausdehnen.

Das ist eine Kundgebung gerade in diesem Augenblick von großer Bedeutung und von großer Klarheit. Da ber Botschafter eben aus Amerika gekommen ist. nach engster Fühlung mit ben leitenden Staatsmännern der Union sprach, so drückte er damit den politischen Willen Rordamerikas aus. Aber Rord- amerila muß zugeben, daß, wenn es mit solchen Mahnungen das Deutsch-französische Verhältnis im Auge hat, Deutschland das seine getan hat. Zuletzt gerade eben in dem großen Pro­gramm der Steuerreform, das der Reichs­finanzminister entwickelt hat. Die deutsche Wäh­rung ist gesichert. Das Gleichgewicht im Staats­haushalt ist hergestellt. Jetzt geht DeHtschland mit Energie daran, in großem Zuge fein ganzes Steuersystem neu aufzubauen und zu ordnen. Es zeigt ben bestimmten Willen zur Festigung der Verhältnisse und friedlich-sachlicher Arbeit und Betätigung. Wenn also die Mahnung aus Rordamerika an Europa sich an einen Staat mit Recht wendet, so ist das Frankreich. Roch ist Frankreich in seiner unsicheren Inneren Lage und dem Gegeneinander, sagen wir einmal der Richtungen Herriot und Poincarv, ein Faktor der Unsicherheit, der Unruhe, der Störung in Europa. D i e Reihe ist an Frankreich! Wort -und Entschluß sind an Frankreich, wenn Europa jetzt im Sinn ber englischen Politik unb ber amerikanischen Wünsch: weiter kommen soll!

Kunst und Wissenschaft.

Die Einheitsftenographie wird durchgeführt.

Amtlich wird zu dem Beschluß des Dildungs- ausschusscs des Reichstages, der am 3. April die Reichsregierung ersuchte, die zur Einführung ber Einheitskurzschrift getroffenen Maßnahmen so lange auszusetzen, bis ber für bie Prüfung des Systems eingesetzt: Länderausschuß das Ein­heitssystem überprüft hat, mitgeteilt:

und im Jahre 1871 angenommeneGesetz zum Schutze des Urheberrechts an Werken der Literatur und Kunst gegen Nachdruck".

Ein weiterer Erfolg war demBörsenverein" beschieden in seinen Bestrebungen für die Herbei­führung der Pressefreiheit, die in den ersten Jahr­zehnten des 18. Jahrhunderts in einer geradezu.un­erträglichen Weise beschränkt war. Den wiederholten Eingaben und nachdrücklichen Vorstellungen des Vereins über die häufig geradezu in grotesker Weise angewandte Zensur und Knebelung der öffentlichen Meinung war es schließlich mit zu verdanken, daß die Verhältnisse der Presse endlich im Jahre 1874 durch dasGesetz über die Presse" geregelt wurden.

Ganz besonders ließ sich derBörsenoerein" naturgemäß auch die Regelung desVerlagsrechts", d. h. die Kodifizierung bindender Bestimmungen über die zwischen den Schriftstellern und Verlegern abgeschlossenen Verlagsoerträge angelegen sein, und wir verdanken seiner gründlichen Vorarbeit auf diesem Gebiete auch die verschiedenen gesetzgebe­rischen Maßnahmen, die schließlich in derVerlags­ordnung vom Jahre 1893" und in demGesetz über das .Verlagsrecht vom 19. Juli 1901" ihre gesetz­liche Krönung fanden.

Neben diesen Fragen, welche die Allgemeinheit berührten, ließ es sich der ..Börsenverein der Deut­schen Buchhändler" begreiflicherweise besonders an­gelegen sein, die internen Verhältnisse des deutschen Buchhandels zu regeln, bindende Normen für den Verkehr der Buchhändler untereinander zu schaffen und namentlich den Verkehr zwischen dem Verlag und dem Sortiment zu regeln. Es war dies keine leichte Aufgabe, da die Interessen des Verlags, d. h. desjenigen Teiles des Buchhandels, der die Bücher herstellt, mit den Interessen des vertreibenden Buch­handels. dH. buchhändlerisch ausgedrückt des Sorti­ments, häufig kollidierten, und es gehörte in frühe­ren Zeiten und auch noch jetzt ein nicht geringes Maß von Sachkenntnis und taktischer Geschicklichkeit dazu, um in diesem Interessenstreit die mittlere Linie zu finden.

Als eine wahre Großtat desBörsenvereins" kann auch die Gründung derDeutschen

Dieser Beschluß steht mit ben tatsächlichen Verhältnissen im Widerspruch, weil aus der Regierungskonfevenz am 17. Oktober 1924 be­schlossen wurde, daß an dem von den Reichs- rcssorts und sämtlichen Länderregierungen ein­stimmig angenommenen Juli-Entwurf von 1922 zur Zeit sachliche Aendcrungen nicht vor­genommen werden dürfen, und weil ferner der als Organ der Länder und des Reiches vor­gesehene Ausschuß für die deutsche Kurzschrist, ber bisher überhaupt noch nicht gebildet ist, lediglich die Frage zu prüfen gehabt hatte, in- toktocit auf Grund praktischer Erfahrungen oder wissenschaftlicher Forschungsergebnisse also erst in der Zukunft eine Aenberung der System­urkunde im Interesse einer organischen Fort­entwicklung der deutschen Kurzschrift sich als notwendig erweist. Derzeit ist also eine Aendc- rung des Einheitssystems nicht angängig, und es könnte daher der Beschluß des Dildungs- ausschusfes, selbst wenn er im Plenum des Reichs­tages angenommen würde, gemäß der 'Verein­barung vom 17. Oktober 1924 gar nicht durch- geführt werden. Es ist auch mit Sicherheit anzunehmen, daß die Länder, insbesondere Bayern, sich jeder Aenderung des Systems b>r Einheitskurzschrift im jetzigen Zeitpunkt wider­sehen werden: namentlich hat es bei den für die Bayerischen Antcrrichtsanstalten gctroffci?n Maßnahmen wegen Einführung der Einheits­kurzschrift in ben Schulbetrieb sein Bewenden. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat diese Meinung in einem Schreiben an das Reichsministerium des Innern, die übrigen Reichsressorts und sämtliche Länder zum Aus­druck gebracht."

Aus der Provinz.

Landkreis Äicsicn.

* Klein-Linden, 8. Mai. Wegen Vor­nahme von Walzarbeiten wird die Kreis­st raße Klein-Lind enDutenhofe n vom Montag, 11. Mai, ab bis auf weiteres für jeden Verkehr gefperrt. Der Durchgangs­verkehr wird über Heuchelheim geleitet.

cf Lollar, 8. Mai. Aus der jüngsten G e ° meinderatssitzung ist zu berichten: Das Stammholz vom Holzschlag des vergangenen Winters wird der Firma B. Ru h n zu den von ihr eingereichten Preisen überlassen. 160 Fstm. werden für acht im Vorjahre bereits erbaute Wohnhäuser überwiesen. Der Preis für dieses Holz ist 20 Proz. niedriger als der von der Firma Ruhn gebotene. Der Radfahrer­verein Lollar ersucht um Tleberlassung der Festwiese zu seinem am 11., 12. und 13. Juli statt findenden Radfahrerfest. Dem An­trag wird stattgegeben und als Anerkennungs­gebühr 10 Ml. festgesetzt. Ein Antrag der Dasaltwerke Dau st er, ihr den Lollarer Kopf zur Dasaltausbeute zu überlassen, wird, da schwerwiegende Bedenken dagegen bestehen, vorerst vertagt. Mit der Antragstellerin soll in Verbindung getreten werden, um nähere Einzel­heiten zu erfahren. In nichtöffentlicher Sitzung wird beschlossen, den vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassenen Schuldiener zu pensionieren und die Besetzung dieser Stelle auszuschreiben. 3n der letzten Zeit wird von verschiedenen Seiten darüber Klage geführt, daß Schi eh Übungen gewisser Per­sonen auf Vögel zu einem unerhörten Unfug ausarten. So würden u. a. Singvögel, an einem ber letzten Tage zwei erschossene Dros­seln, bei einem Raturfreunde abgegeben. Es wäre sehr zu wünschen, wenn durch energisches Eingreifen diesem ruchlosen Treiben ein baldiges Ende bereitet würde.

* ® a r b e n t e i d). 9. Mai. Am morgigen Sonntag feiern Heinrich Kullbach unb Ehe­frau Susanne, geb. Wallbott, das Fest der gol­denen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich noch seltener Rüstigkeit und Frische.

Kreis Büdingen.

t. Ridda, 8. Mai. Der Kranken­pflegeverein hielt in derKrone" feine Hauptversammlung ab. Der Verein besteht nun 29 Jahre. Rektor Gahert begrüßte als Vor­sitzender die Mitglieder und gedachte in ehrenden Worten der im vorigen Jahr verstorbenen lang­jährigen Mitglieder des Vorstandes, Mehger- meisters Heinrich R u l l m a n n und Bürger­meisters Erk. Dank gebührt auch der Unter­

stützung des Vereins seitens der Stadt, der Riddaer Bank, der Krankenkassen, der Eisen- bahndirektion Frankfurt und der Erben der ver­storbenen Eheleute RIoll. Rach einem Bericht über die Tätigkeit der Krankenschwester wurde die Anstellung einer zweiten Schwester besprochen. Aus der Rechnung des Uereinß ist zu entnehmen, bafj die Einnahmen 2473 Mark unb bie Aus­gaben 2247,22 Mk betrugen. Somit verbleibt ein Vorrat von 225,78 Mk. In den Vorstand wurden neu gewählt Metzgermeister Rull- man n unb Pfarrer Laut. Mit Beginn ber Frühjahrsarbett sind die Frauenabende bes Evangelischen FrauenvereinS bis zum nächsten Herbst eingestellt worden. Sie sind ein zwangloser Zusammenschluß von Frauen auS Ridba unb Kohden. Sie finden statt alle 14 Tage am Montagabend in ber Kleinkinderschule und werden abwechselnd von den beiden Psarvern ge­leitet. Sie bilden einen Kreis, ber nicht zusammen­gesetzt wird nach irgendwelchen Standes-. Ver­wandtschafts-, Freundes- oder sonstigen Inter­essen, sondern dcw jedem offen steht und in dem jeder gleichermaßen willkommen ist, wenn er sich innerlich hineingezogen fühlt. Es eint diesen Kreis lediglich das Interesse an der Kirche, bad lebendige Bewußtsein der Zugehörigkeit zur Ge­meinde. An dem einzelnen Abenden wurden von den Frauen Handarbeiten angefertigt und von den Pfarrern wurden vorgelesen: Marie 3ofcn- hans: Meine alten Weiblein: Heinrich Raumann: Das ist der Sag des Herrn, Jeremias Gotthels: Der Erbvetter. An Vorträgen wurden gehalten: Das Eheleben: DaS Los der Mädchen und Frauen in Oftafifti und die Arbeit des Allgem. Evang Protest. Missionsvereins in China und Japan: Was soll eine Mutter ihre Kinder lehren? An einem Abend nahm auch die Mädchen- Vereinigung teil mit Vorträgen und Liedern über das christliche Haus, die Familie und den Segen deS Elternhauses. Zur Einleitung des Abends wurde ein Lied aus dem Gesangbuch gesungen, am Schluß eine kurze Andacht ge­halten.

Mr eia Schotten.

+- Schotten, 8 Mai. In den im Bann­kreis des Waldes liegenden Gemeinden fällt alljährlich ein nicht unbedeutender Teil unseres Geflügels den Raubvögeln zum Opfer. Ramentlich die am Dorfrand Wohnenden wer­den dadurch stark geschädigt. Um sich vor Schaden zu bewahren unb der- Raubvogelplage entgegen­zuwirken, hat sich ber hiesige Geflügel­zuchtverein entschlossen, den Iagdberechtigten unb dem Forst schütz personal ber Stadt Schuß­prämien für hnerhabichte, Wander­falken und Sperber zu gewähren. Für Sperberweibchen werden 2 Mark, für alle anderen Raubvögel je 1 Mark bezahlt.

Starkenburg und Rhcinhcsfcn.

!-! Offenbach, 8. Mai. Das hessische Ministerium hat bis zur Verabschiedung des Voranschlags durch die Stadtverordnetenver­sammlung und Der endgültigen Beschlußfassung über die Höhe des Gewerbesteueraufkommens, namentlich aber mit Rücksicht auf die Damit zu verbindende Beschlußfassung über den anteiligen Ausschlag dieser Summe auf das bereits mit rund 90 000 000 ermittelte gewerbliche Anlage- und Betriebskapital, Die von der Stadtverord­netenversammlung beschlossene vorläufige Gewerbesteuer nur als vorläufige Be­steuerung des Ertrags mit 40 Prozent Der Vorauszahlungen auf Die Reichs einkommen- unD Körperschastssteuer genehmigt. Die Stadtverord- netenoerfammlung hatte als vorläufige Desteue- rung von Ertrag und Kapital Die Erhebung von 60 Prozent beschlossen. Rach der Ent­scheidung des Ministeriums soll das Anlage- und Betriebskapital aber erst durch den noch zu beschließenden Ausschlag belastet werden.

Hefsen-Nafsau.

spd. Frankfurt a. M., 8. Mai. 3m Monat April wurden in Grobfrankfurt wegen krimineller Straftaten insgesamt 1347 Personen verhaftet bzw. verhört. Es handeltet sich dabei in je einem Fall um Mord, Mord­versuch, Raub und Hehlerei. Diebstähle wurden im Derichtsmonat 108, Cinbruchsdiebstähle 103, kleinere Eigentumsvergehen 216, Betrugssätte 157 gemeldet. In 117 Fällen hatte sich die Polizei mit Unterschlagungen und in 60 Fällen mit Münzverbrechen zu beschäftigen. Die Zahl den Sittlichkeitsverbrechen und -Übertretungen wuchs

Bücherei" bezeichnet werden, die eine Reichs- biblrothek in Leipzig darstellt von einer Vielseitig­keit und einem Umfange, wie sie von wenigen an­deren staatlichen und städtischen Bibliotheken er­reicht wird. Dieses Institut hat nicht nur für den Buchhandel, sondern für die gesamte deutsche Wissen- schäft eine außerordentliche Bedeutung. Es ist ein Archiv des deutschen Schrifttums, eine öffentliche, unentgeltliche, in Leipzig zur Benutzung freistehende Bibliothek, welche die Aufgabe hat, die gesamte vom 1. Januar 1913 an erschienene deutsche und fremd­sprachliche Literatur und die deutsche Literatur des Auslandes zu sammeln, aufzubewahren und nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu ordnen.

Die Anzahl der Mitglieder desBörsenoereins", gliede«. aufwies, beträgt jetzt rund 5000. DieSat- die bei feiner Gründung im Jahre 1825 108 Mit­zungen" des Vereins enchalten im wesentlichen die Bestimmungen über die Pflichten und Rechte der Mitglieder untereinander, während in einerVer­kaufsordnung" die für den Verkehr zwischen Buch­handel und dem bücherkaufenden Publikum rechts­gültigen Normen und in derBuchhändlerischen Verkehrsordnung" das für den deutschen Gesamt­buchhandel verbindliche buchhändlerische Gewohn­heitsrecht feftgelegt ist.

Der Vorstand desBörsenoereins" setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen, die ihre Tätigfeit ehrenamtlich ausüben. Der Vorstand wird in seiner Tätigkeit unterstützt durch dieGeschäftsstelle", die durch zwei Syndici geleitet wird, und in der zur Zeit 128 Angestellte beschäftigt sind. Das offizielle Organ desBörsenoereins" ist das täglich erschei- nendeBörsenblatt für den deutschen Buchhandel", ein Fachblatt, wie es in keinem anderen Lande von einer buchhändlerischen Zeitschrift ähnlicher Art über­troffen oder auch nur erreicht wird. Ferner wird jährlich vomBörsenoerein" auch das im Jahre 1839 gegründeteAdreßbuch des Deutschen Buch­handels" herausgegeben, und seit dein Jahre 1922 das früher im Verlage Sperling erschieneneZeit schritten-Adreßbuch". Die Herausgabe der biblio­graphischen Derzetchnisie, die ftüher in anderen Verlagen erschienen, ist jetzt auch vomBörsenver­

ein" übernomemn worden, und ein wöchentliches Perzeichnis bringt die erschienenen bzw. sich in Vor­bereitung befindlichenNeuigkeiten des deutschen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels" nach Wissen­schaften geordnet und mit Registern, Versassssern, Verlegern und Stichworten versehen. EinHalb­jahr-Verzeichnis" bringt dann eine für diesen Zeit- raum entsprechende Zusammenstellung und einen weiteren Katalog bringen die umfangreichenMehr­jahrs-Verzeichnisse". Das seit Beginn dieses Jahres ebenfalls in den Verlag desBörsenoereins" über­gegangeneLiterarische Zentralblatt für Deutsch­land" unterrichtet den Leser über die wichtigsten wissenschaftlichen Bücher- und Zeitschriftenaussätze und bringt auch Besprechungen ausländischer wissen­schaftlicher Neuerscheinungen. Für Werbezwecke gibt derBörsenverein" die monattich erscheinenden BlätterNimm und lies" für den Buchhandel, für den MusikalienhandelNeue Noten" und für den KunsthandelDu und die Kunst" heraus.

So darf derBörsenoerein der Deutschen Buch­händler" mit Stolz auf seine Leistungen in den ver­flossenen 100 Jahren zurückblicken. Was ihm, gegen­über ähnlich gearteten Vereinigungen, eine besondere Eigenart verleiht, ist die Zusammensetzung feines Vorstandes aus den angesehensten Vertretern des deutschen Buchhandels. Wenn man die lange Reihe der Vorstandsmitglieder, die in den vergangenen 100 Jahren ihres Amtes gewaltet haben, an sich vorüb erziehen läßt, so sind es Namen von Klang, die nicht nur den Buchhändlern, sondern jedem ge­bildeten Deutschen geläufig sind. Es seien nur ge­nannt Friedrich Campe, Carl Sünder, I. C. B. Mohr, Georg Reimer, Paul Parey, Eduard Brock- haus, Julius Springer, Karl Engelhorn u. a.

Im Jubiläumjahre vereinigen sich deshalb wohl nicht nur alle Angehörigen des deutschen Buch­handels, sondern auch alle jene Kreise, die mit dem Buchhandel in Beziehungen stehen, in dem Wunsch, daß demBörsenverein der Deutschen Buchhänd­ler", der mehr als mancher andere Verein seine Daseinsberechtigung erwiesen hat, ein weiteres Wachsen, Blühen unb Gedeihen beschieden fein möge.