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Nk. 286 Zweites Blatt
Zamilienschutz und Steuerpolitik.
Don Direktorin Dr. Matz. M. d. R.
Die Reichstagssraktion der Deutschen Volkspartei hat am 27. November folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, dis Reichsregierung zu ersuchen, in dem in Aussicht genommenen Gesetzentwurf über eine Aenderung des Einkommensteuergesetzes
1. eine Vereinfachung der Lohn st euer im Interesse der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer hcrbeizuführen:
2. d i e Steuermilderungen zugunsten der kinderreichen Familien auch für die mittleren Einkommen im Ausmaß des Steuerüberleitungsgesetzes wiederherzuftellen.
Die steuerliche Verschlechterung für die Kinder- reichen ist bedeutsam genug, um hier ausführlicher dargestellt zu werden. <Jür einen verheirateten Gehalts- oder Lohnempsänger mit 250 Mark Einkommen ergeben sich folgende monatliche Steuern: Bei einem Kind: vom I. September bis 1. Oktober 13,60 Mk. (feit dem 1. Oktober 13,60 Mk.); bei zwei Kindern 10,20 Mk. (11,90 Mk.); bei drei Kindern 6,80 Mk. (9 Mk.); bei vier Kindern 3,40 Mk. (4 Mk.), vom fünften Kinde ab frei (frei).
Bei 400 Mk. Monatseinkommen: Bei einem Kind: vom 1. Juni bis 1. Oktober 25,60 Mk. (feit dem 1. Oktober 25 60 Mk.); bei zwei Kindern 22,40 Mk. (22,40 Äk.), bei 3 Kindern 16 Mk. (19,20 Mk.), bei 4 Kindern 9,60 Mk. (16 Mk.), bei 5 Kindern 3,20 Mk. (12,80 Mk.), bei 6 Kindern frei (9 Mk.), bei 7 Kindern frei (4 Mk.), bei 8 Kindern frei (frei).
Bei 600 Mk. Monatseinkommen: Bei 1 Kind: vom 1. Juni bis 1. Oktober 41,60 Mk. (feit dem 1. Oktober 41,60 Mk.), bei 2 Kindern 36,40 Mk. (36,40 Mk.), bei 3 Kindern 26 Mk. (31,20 Mk.), bei 4 Kindern 15,60 Mk. (26 Mk.), bei 5 Kindern 5,20 Mk. (20,80 Mk.), bei 6 Kindern frei (15,60 Mark), bei 7 Kindern frei (10,40 Mk.), bei 8 Kindern frei (5,20 Mk.), bei 9 Kindern frei (frei).
Bei höherem Einkommen ergeben sich noch größere Spannungen.
Das Steuerüberleitungsgesetz, das vom K Juni bis 30. September d. I. in Geltung war, hatte ein ausgesprochenes Kinderprivileg gebracht, indem für die Ehefrau und das 1. und 2. Kind je 1 Proz. (bei Einkommen bis zu 250 Mk. für das 2. Kind schon 2 Proz.) und vom 3. Kinde ab je 2 Proz. von dem lOprozentigen Steuerabzug in Fortfall kamen, so daß ein Steuerpflichtiger mit 6 Kindern (bis zu 250 Mk. mit 5 Kindern) ganz steuerfrei war.
Für die nach den obigen Zusammenstellungen jetzt erheblich stärker belasteten Familien ist es nur ein geringer Trost, daß die ersten Beschlüsse des Steuerausschusses zum Emkommer.fteuerge- seh sich für die mittleren und höheren Einkommen noch wesentlich ungünstiger auswirkten. Im An- schluh an sozialdemokratische Anträge war nur die Freilassung von festen Einkommensteilen in Aussicht genommen, die in das Gesetz in der Form von Mindestfreiteilen (für die Ehefrau und das erste Kind je 10 Mk., für das 2. Kind 20 Mk., für das 3. Kind 40 Mk., für das 4. und jedes weitere Stint) je 50 Mk.) Aufnahme gefunden haben. Cs ist sofort ersichtlich, daß diese Form lediglich den kleinen und kleinsten Einkommen zugute kommt, während dieDelaftung der mittelbürgerlichen Familien sich aufs äußerste gesteigert hätte. Es ist insbesondere das Verdienst des Abg. Keinath, das schließlich in einem Kompromiß neben der Form der Mindestfreiteile auch die prozentuale Ermäßigung wieder Aufnahme fand, wenn auch in der leider sehr abgeschwächten Form der gleichen Ermäßigung um je 1 Proz. für jedes Kind, die vor dem 1. Juni gleichfalls galt.
Wenn auch gegenüber den ursprünglichen Plänen des Steuerausskbuffes eine gewisse Besserung anzucrkennen ist, so bedeutet doch die neue Form in der doppelten, ziemlich verwickelten Berechnungsart nicht nur eine Erschwerung des 23er- fahrens, sondern vor allem eine erheblich stärkere Anspannung der kinderreichen Familien, die, wie sich aus obigen Tabellen ergibt, mit wachsen- der Kinderzahl zunimmt. Getroffen werden im wesentlichen die mittleren und höheren Einkommen. Diese Belastung ist umso bedenklicher, als die kinderreiche Familie ohnehin durch die größere Wohnung, die sie braucht, und vor allem durch die indirekte Besteuerung des notwendigen Lebensbedarfs, die sich der Kopfzahl entsprechend auswirkt, gegenüber den Unverheirateten beiderlei Geschlechts, den kinderlosen ober kinder-
August Roeschen.
Zum siebzigsten Geburtstag.
Von Prof. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn.
Die hessische j)eimatpflege und Heimatforschung weist wenige Namen aus, die einen besseren Klang haben als der August Roeschen, dessen Träger am 7. Dezember 1925 fein 70. Lebensjahr vollendet. Seine Bedeutung für feine engere oberhes- sische Heimat und feine mannigfachen Verdienste um sie gebieten es, aus diesem Anlaß ein Bild seines Lebens und Wirkens an dieser Stelle zu ent» werfen.
Wilhelm August Roeschen hatte das Glück, daß feine Wiege in einem Landpfarrhaufe stand. Das idyllisch bei Gießen gelegene Dörfchen Winnerod, der einstige Sitz der 1612 ausgestorbenen Herren von Windhausen, ist sein Geburtsort. Sein Vater, Friedrich August Roeschen (geb. 1826 zu Oberrosbach) war daselbst von 1854 bis zu seinem Tode am 17. Mai 1909 Pfarrer. Seine väterliche Familie war erst in der zweiten Generation in Ober» Hessen ansässig. Sein Großvater, August Roeschen, der Sohn eines 1793 bei Kaiserslautern gefallenen preußischen Hauptmanns, war in den Befreiunugs- friegen in die Gegend gekommen, später Oberförster in Oberrosbach geroo den und als solcher 1836 geworben. Ein Detter s ünes Vaters war der Ober» Hesse Friedrich Diez (1794—1876), der Begründer der romanischen Philologie. Seine Mutter, Karo- line Engel (geft. 1890) aus Londorf, war eine Nichte des oberhessischen Genremalers Karl Engel (geft. 1870).
Den ersten Unterricht empfing August Roeschen im oäteriichen Hause. Sein Vater, der in mehreren Sätteln gerecht war und nicht nur seine Fachwissen- schäft beherrschte, sondern auch als Liederkomponist und als Geschichtsforscher tüchtig war, unterwies den Sohn nicht nur in den alten Sprachen, sondern weckte in ihm auch frühzeitig den Sinn für die Hei matsgeschichte, und es darf schon hier heroorgehoben werden, daß sowohl der Vater (Urkunden von Winnerod, Jahresbericht des Oberhcss. Vereins für Lokalgeschichte, 3, 1883, S. 82—100), als auch der
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Zu
Ziwar Pascha
Don Dr. van Bleuten.
Sohn (Alte und neue Bilder von Winnerod, Frischauf! 3. Jahrg., S. 65—68, 81—84, 94—97) über die Geschichte Winnerods geschrieben haben. Im Herbst 1870 wurde Roes ck en in das Gießener Gymnasium aufgenommen. Unter seinen dortigen Lehrern mar auch Professor Dr. Kari Glaser, der Gc- schichtsschreiber von (Brünberg und Verfasser der beiden VoUserzählungen „Vogelbärbchen" und „Schloß Friedelhaujen", der in seinem Unterricht im Deutschen und in der Geschichte damals schon das Ortsgeschichtliche und Zeitgenössische mit der allgemeinen Geschichte zu verbinden verstand. Auf Ostern trat Roeschen in die Prima des Büdinger Gymnasiums über, dessen Direktor Dr. Ludwig Krämer seinen Schülern „ein treuer Vater, gar manchem aber ein Lebensretter" war. Neben diesem, der im Griechischen unterrichtete, förderten ihn noch besonders der pflichttreue und kenntnisreiche Dr. Karl Oßwald, ferner der tüchtige Historiker und feinsinnige Aesthetiker Prof. Dr. Franz Joses Dlüm- mer, der einst katholischer Theologe gewesen und zum Protestantismus übergetreten war, sowie der feingebildete Ferdinand Bender, der mit seinen Schülern Tasso und Petrarca in der Ursprache las. Dem Büdinger Gymnasium hat Roeschen stets ein freundliches und dankbares Andenken bewahrt, für das sein an der Schwelle des Grcisenalters niedergeschriebener Au satz „Aus der Büdinger Pennalszeit" (Frischau ! I, 1912/13, S. 30—33, HO—113) ein schönes Zeugnis ist.
Nachdem Roeschen am 17. September 1874 das Zeugnis der Reife erlangt hatte. Genügte er vom 1. Oktober ab seiner einjährigen Militärpflicht bei dem 2. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen und widmete sich bann mit Ausnahme des in Bonn verbrachten Sommersemesters 1876 an der hessischen Landes Universität dem St"di"m der romanischen Philologie und daneben der Germanistik und der Geschichte. Von besonderem Einfluß auf den Gang seiner Studien waren die Neuphilologen Ludwig Lemcke und Alfred Birch-Hirschseld sowie der Altphilologe Wilhelm (Hemm. Diesen verdankt er auch bei seiner Arbeit über ben „syntaktischen Gebrauch der Negation bei Villehaurdouin", auf Grund deren er im Jahre 1884 von der philosophischen
des Ostens über Syrien tr.b Persien bis China bereift und in einem höchst t..:crc;janten und aktuellen Buche „Gelb gegen Weiß. aus dem Freiheitskampfe Astens" feine C:.-i*rüde beschrieben (Leipzig, F. A. Brollhaus). Seine Audienz bei dem Premierminister Ziwar ist br dcrs eindrucksvoll geschil- dert, das feltfa:.« r'ord\;iöe, Gebundene, Verschränkte, das dieser 'J'.cr.n zur Schau trug, kommt gut zum Ausdruck. Er wundert sich notzdem, daß England und Amerika - egen Deutschland gekämpft haben, er horcht, welches jetzt nach Erich von Salz- manns Meinung di: erste Weltmacht fei, und ist mit Amerika nicht ganz einverstanden. Er erzählt, daß ein bedeutender Engländer ihm erklärt habe, England sci in den Krieg gegen Deutschland eingetreten, „weil Rußland und Deutschland China hätten teilen wollen, Deutschland fei doch schon in Kiautschau gewesen". Zu den europäischen Ereignissen will er feine Stellung nehmen, ja, er hält sogar mit seinem Urteil über dies offenkundige Unrecht der Nichträumung Kölns am 10. Januar 1925 .Zurück. Schließlich sagt er wörtlich: „England mischt sich nicht mehr in unsere inneren Angelegenheiten. Die ägyptische Regierung hat die vollkommene Freiheit des Entschlusses (.'), England will nur die unbedingte Freiheit der Schiffahrt auf dem Suezkanal. Mein VerhälMis zu den Engländern und Franzosen ist sehr gut und angenehm, ebenso wie jetzt die Beziehungen Englands zu Frankreich in Aegypten sehr friedlich sind. Ein Gegensatz zwischen England und Frankreich in Aegypten besteht nicht (!)... Wir können die Autokratie eines einzelnen nicht gebrauchen (das ging gegen Zaglul Pascha), wir gebrauchen ein Equilibrium der Parteien. Wir wollen gute Beziehungen zu allen Ländern haben, insonderheit natürlich zu England, das hier eine Sonderstellung hat. Auch zu Deutschland wünschen wir gute und friedliche Beziehungen. Was Aegypten braucht, ist eine Veimunftehe mit allen Ländern!"
Der „vorsichtige" innerlich gutartige „Erfüllungspolitiker", der diese Worte, die zum Teil an jene Spottkarten mit harmloser Aufschrift erinnern, die man erst erwärmen muß, ehe die richtige scharfe Schrift erscheint, Ende Januar sprach, ist nicht mehr. Aegypten hat der drückenden Vernunstehe den flammenden Rausch vorgezogen. Und jetzt flammt es nicht nur in Aegypten auf, auch in Marokko, auch in Syrien, auch im Irak, und jeden SlugenHirf kann die lodernde Flamme des ganzen Osten in Feuer setzen. __________
Gas oder Elektrizität?
Man schreib! uns: Wir haben jetzt täglich Gelegenheit, zu beobachten, wie das Gas und die Elektrizität miteinander wetteifern, auf den verschiedenen Gebieten den Manschen zu dienen, ihre Wohnungen zu beleuchten un) zu beheizen, ihren Küchen Wärme zu geben, die Wäsche zu waschen und zu bügeln, kurz, hundert klein: Der- richtungen im Haushalt zu erleichtern. Wir sehen Gas und Elektrizität im Wettbewerb beim Gewerbetreibenden und Industriellen, die beim Heizen, Schmieden, Schmelzen, Härten, Löten oder sonstwie Wärme verbrauchen.
Es ist natürlich von Interesse, einmal grundsätzlich die Gesichtspunkte gegenüberzustellen, die man bei der (Beurteilung dieses Werbens von seilen der Gas- und der Elektrizitätsindustrie beachten muß. Ieder erklärt, er sei der bessere, aber wenn man näher zufieht, so ertennt man bald, daß die Dedingungen, unter denen der eine oder der andere der bessere ist, verschieden sind.
Für die Beleuchtung muß man von verschiedenen Doraussetzungen ausgehen, nämlich daß für einen bestimmten Daum eine bestimmte Menge Licht notwendig, oder daß für eine bestimmte Verrichtung eine bestimmte Art von Licht besonders förderlich ist und schließlich, daß die Lage des Raumes eine bestimmte Zuleitungs- form für den Lichtträger bevorzugt. Dem Lichtbe- darf wird sowohl das Gas als auch die Elek- tlizität durch Unterteilung der Lichtkörper heute schon ziemllch gerecht. Die Pflege und Bedienung des Leuchtgerätes ist bei der Elektrizität einfacher als beim Gas, andererseits ist für die Verlegung von elektrischen Leitungen größte Sorgfalt erforderlich, wenn diese nicht eine ständige Quelle von Reparaturen oder gar von Gefahren bilden sollen.
Wie steht es nun beim Kochen? Hier ist das Gas im Vorsprung. Jahrzehntelang hat sich die Technik mit der Schaffung von Gaskochertypen befaßt. Das heute am Markt befindliche Gaskochgerät paßt sich nicht nur den verschiedensten Verwen- dungszwecken sowohl durch hohe Leistungsfähig-
unb kostete zahlreiche Aufstände und Menschenleben, bis das britische Weltreich sich die Freiheit des Nil- landes wirklich abzwinaen ließ. Zaglul Pascha der Vorkämpfer der Selbständigkeit, wurde Ministerpräsident mit einer Mehrheit von 199 Stimmen bei 214 Abgeordneten des ägyptischen Unterhauses. Die Bewegung wurde immer bedrohlicher, da wurde im Herbst 1924 der englische Oberbefehlshaber ermordet. Sofort wurden Aegypten von England alle Frei- heiten wieder genommen, das Land mußte sich beugen und feine Hoffnungen vertagen. Träger dieser Erfüllungspvlitik war Ziwar Pascha, ein ehe- maliaer türkischer Verwaltungsbeamter, persönlich ein freundlicher, großer, behäbiger Herr, der wohl von den besten Absichten beseelt war.
In diesem Zusammenhang ist die Schilderung einer Unterredung bemerkenswert, die Erich von Salzmann am letzten Januar dieses Jahres mit dem jetzt Ermordeten hatte. Salzmann hat die Welt
Fakultät zu Gießen zum Doktor promoviert wurde, nachdem er im November 1881 die Staatsprüfung bestanden und in der modernen Philologie die Lehrbefähigung für alle Klaffen erhalten hatte, wertvolle Anregung. Seinen Akzeß, während dessen er noch eine Anzahl Vorlesungen hörte, trat er Ende Januar 1882 an dem Reawymasium zu Gießen an, an dessen Spitze damals der bekannte Limes- forscher Wilhelm Sotdan stand. Von Ostern 1882 bis Ostern 1884 verwaltete er daselbst eine Hilfslehrerstelle, bann wurde er auf Präsentation des Kuratoriums des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach zum Lehrer an dieser Anstalr ernannt, fiier wirkte er zwanzig Jahre. Er wurde auch der Gescl'ichtsschreiber dieser Schule, indem er zu ihrem 25. Jubiläum auf Grund der Akten die Schrift ..Rückblick auf die Geschichte der Lateinschule und des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach in Hessen" verfaßte.
Laubach wurde seine zweite Heimat. Am 20. August 1885 gründete er daselbst seinen Hausstand mit Elisabeth Pullmann, deren Vater in dem benachbarten Grünberg Pfarrer und Dekan war. Don 1891 bis 1904 verwaltete Roeschen das gräflich folms- laubachfche Archiv zu Laubach und feit 1897 auch die dortige Bibliothek. Die folmifche Geschichte ward nun neben der hessischen das Spezialgebiet seiner Forschung. Eine auf gleiche Neigungen und Liebhabereien gegründete Freundschaft verband ihn mit dem durch seinen „Odenwaldfuhrer" bekannten Lau- bacher Gymnasialdirektor Dr. Georg Windhaus, der im Januar 1891 der Nachfolger des ersten Direktors Dr. Ernst Ritsert wurde, aber schon drei Jahre daraus starb. Noch vier Tage vor seinem Tode ersuchte er Roeschen bei besten letztem Besuche, die Bearbeitung eines ihm angetrrpenen Wetterauführers zu übernehmen. Aus der Erfüllung bieses Wunsches des Verewigten entstand die 1897 in Gießen bei Emil Roch erschienene „Wanderung durch die nördliche Wetterau von Butzbach über Münzenberg und Arneburg zum Pfahlgraben". Zur 215= fassung eines solchen Werkes war Roeschen der ge- aebene Mann: Obcrhei e von Geburt, durch zahllose Wanderungen mit Weg und Steg ebenso vertraut wie mit der Geschichte des Landstriches, war
•trmen Ehepaaren eine erhebliche Vorbelastung zu tragen hat. Es ist etwas ganz anderes, ob ein Junggefsäe 500 Mk. Steuern zu zahlen hat, oder ein Familienvater von 4—5 Kindern. Die kinderreichen Familien empfinden diese Belastung um so schwerer, als sie in der Uebergangs- zeit von 4 Monaten erheblich günstiger gestellt waren und ihren ohnehin schwer balanzierenden Haushaltsplan darauf eingestellt hatten.
Wer will sich bei diesen Tatsachen darüber wundern, daß in Deutschland „bie Furcht vor dem Kinde" ständig zunimmt, daß nach einem gewissen Anstieg in der Zeit nach dem Krieg- die Gc :rten- zifsern dauernd a b f i n t e n. (Auf 1000 Einwohner 1900 : 36,8, 1913 : 27,7, 1920 und 1921 je 26,1, 1922: 23,6, 1923: 21,6, 1924: 22,1 Geburten. Berlin 1924: 10 Geburten auf 1000 Lebende). Die Großstädte gehen voran, die Kleinstädte und das Land folgen nach. Wir sind in Deutschland nicht nur beim Zweilindersystem, sondern vielfach beim Kein- kindersystem angelangt. Man hat errechnet, daß bei 20 Geburten auf 1000 Einwohner der Stillstand eines Volkes ein setzt, der freiwillige Rückgang der Rasse sich anbahnt. Der Wille zum Kinde, der gesunde Bevölkerungsauftrieb, der allein Deutschlands Zukunft verbürgt, ist stark gehemmt, In einigen Jahren wird sich die starke Verschiebung der Altersgliederung in unserem Volk, der Mangel an jungem Nachwuchs fühlbar machen. Fremde Einwanderung kann nicht deutsche Volkskraft ersetzen. Deutschland ist auf dem besten Wege, Clemenceaus furchtbares Wort von den 20 Mill. Deutschen, bie zuviel sind auf der Welt, d irch Geburteneinschränkung, durch Rassenselbst» mord, allmählich zur Verwirklichung zu bringen.
Wenn wir nicht ein sterbendes Do'° werden wollen, so muß die kinderreiche Familie, die in der Sorge für einen starken Nachwuchs dem Staat einen erheblichen Dienst leistet, nickt nur freundliche Zusicherungen, sondern jede r it ben Staats- intereffen irgend vereinbare Förderung ersah- ren. Da eine Gehalts- und Lohnpolitik zugunsten der Kinderreichen erheblichem Widerstand beg-’qnet, ist die wichtigste staatliche Maßnahme, eine wirksame steuerliche E n 11 a ft u n g , die für die Kinderreichen einen gewissen Ausgleich schafft. Beoölke- rungspolitik und Sozialpolitik gehören eng zusammen. Nach dem am Schluß der Steuerberatung angenommenen Jnitiativgesetz hat die Neichsregie- rung einen Gesetzentwurf über Erhöhung der Abzüge bei kinderreichen Famalien und des steuerfreien Betrages vorzulegen, wenn das Aufkommen aus der Lohnsteuer in der Zeit vom 1. Oktober 1925 bis zum 31. März 1926 ober später in einem Zeitraum von zwei aufeinanberfolgenben Kalen - dervierteljahren ben Betrag von 600 Millionen Reichsmark übersteigt. Da schon jetzt die volksschä- digenden Wirkungen für die Kinderreichen heraustreten, sollte mit der Erweiterung der Ermäßigung für die Kinderreichen etwa im Ausmaß des Steuer- Überleitungsgesetzes nicht lange gezögert werden.
den Gewittern und Blitzen, die aus ganz Nordafrika, ja aus der ganzen islamtifchen Welt die Sieger von Versailles erschrecken, meldet der Draht ein Neues: Ziwar Pascha, der ägyptische Ministerpräsident, der es unternehmen wollte, als ein Ersüllungsminlster England gegenüber, Aeanpten, das flammende, feine Selbstbestimmung heischende Land, in den Frieden zu steuern, ist ermordet worden. Im Dezember 1914 hatte Aegypten die Selbstbestimmung von England erhalten, aber,man kennt doch England, es dauerte bis 1922
Montag, 7. Dezember 1925
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feit als auch durch fparf-.mcn Verbrauch hervor» rayend an, sondern las Gerät ist auch dauerhaft, solide und preiswert. Vom eie.krischen Kochgerät wird der ruhige Beobachter das gleiche nicht behaupten können. Es ist das Produ.t einer ve.hältnismeißig jungen Industrie, die noch größtent.ils im Stadium tastender Versuche steckt und aus technischen Gründen bei weitern nicht so siabiles, innerlich einfaches und daher widerstandsfähiges Gerät liefern kann wie die Gasindustrie. Die einfache Handhabung des elektrischen Kochgeräts täuscht vielfach über die geringe Leben:da er, hohen Anschaffuneskoslen ui d teueres Wirtschaften hinweg. Hierfür gibt ben besten Beweis ein kurzer B.ick auf die für den Koch, ober Wärmebedarf erforderlichen Energiemengen. Der .Kubikmeter Gießener Gas, welcher bei der nachfolgenden Berechnung mit 20 Pf. angcfcijt werden soll, enthält 5000 bis 5200 Wärmeeinheiten (WE). Der Goctocher nutzt diese zu 5j bis 60 vom Hundert. Wir erhalten also für 10 Pf. mindestens gus 1400 N u tz Wärmeeinheiten. Die Kilowattstunde Kochstrom, die in der sperrfreien Zeit 10 Pf. kosten soll, enthält nicht mehr als 804) WE. Diese WE werden für Kochzwecke zu 80 bis bestenfalls 95 v. H. ausgenutzt, so daß wir für den Preis einer Kilowattstunde c.wa 690 bis 820 oder gut gerechnet durchschnittlich 800 Nutz Wärmeeinheiten e' halten. (Die regelbare elektrische Kochplatte soll deshalb hier nicht mit zum Vergleich herangezogen werden, weil sie durch ihren sehr geringen Nutzeffekt das Bild noch mehr zu Ungunsten der Elektrizität verschieben würde.) Zur Bereitung von Speisen sind jeweils bestimmte Mengen von WE notwendig. Z. B. sind zur Erwärmung von 1 Liter Wasser von 15 Grad bis zur Siedetemperatur ober was dasselbe ist, zur Zubereitung von zehn Tassen Tee 80 WE erforderlich. Eine einfache Ueberlegung oder Ve- rcchnung zeigt, daß das Kochen mit Gas weitaus billiger ist als das Kochen mit Elektrizität, denn eine nutzbar gemachte Gaswärmeeinheit lostet bei unserem Beispiel etwas mehr als die Hälfte einer aus- genutzten ele'trifchen Wärmeeinheit während der sperrfreien Zeit. Wie steht es aber mit den Kosten für das Warmhalten von Speisen, Wasser usw.'? Auch hier ist etwa der doppelte Kostenaufwand erforderlich, selbst wenn man den Stromverbrauch mit äußerstem Geschick durch Aus- und Einschalten so herabgesetzt, wie es in der Praxis kaum durchgeführt werden kann. Während der Sperrzeit des Kochstroms schnellt aber der Kostenaufwand bc;m elektrischen Kochen um das Fünffache in die Höhe. Die Bequemlichkeit spielt beim Vergleich des Kochens keine Rolle. Gewiß kann man eine Taffe Tee im Wohnzimmer kochen, aber um ein Mittagessen oder Abendessen herzustellen, braucht die Hausfrau Platz und mehrere Kockgeräte.
Das gleiche gilt für das Wohnungsheizen mit Gas oder Elektrizität. Auch hier wird eine bestimmte Menge von WE gebraucht, und wenn ein Gasheizofen mit 80prozentiger Wärmeausnutzung aus dem Kubi'meter Gas uns rund 4000 WE ins Zimmer liefert, so kann der elektrische Heizofen für den Preis einer Kilowattstunde niemals mehr als 100 Prozent gleich 864 WE liefern. Für 10 Pf. werden 2000 WE bei der Gasheizung und nur 864 WE bet der elektrischen Raumheizung geliefert.
Aehnllch wie bei der Raumheizung verbalten sich die Kosten der Zubereitung eines Vollbades, wozu rund 5000 WE. erforderlich sind. Bei einem Gaspreis von 20 Pf. je Kubikmeter kostet ein Voll" bad 27 Pf., während ein mit einem elektrischen Badeofen hergestelltes Bad bei einem Preis von 10 Pf. je Kilowattstunde in der sperrfreien Zeit und bei einer Wärmeausnutzung des Warmwasier- erzeugers von 100 Prozent 58 Pf. kostet.
Was für das Kochen, Heizen usw. im Haushalt gesagt ist, gilt in erhöhtem Maße für den wesentlich größeren Wärmebedarf in dem Gewerbe und in der Industrie.
So scheiden sich bei näherer Betrachtung die Verwendungsgebiete für Gas und Elektrizität von selbst. Es ist noch zu erwähnen die vielfältige Verwend-mg von Elektrizität zum Antrieb von Kleinmotoren, die
er ein genauer und gründlicher Kenner von Land und Leuten wie wenige. Diese Schrift war eine Vorarbeit zu dem 1904 ebenfalls b:i Emil Rotb erschienenen Werke „Vogelsberg und Wetterau nebst den schönsten Teilen der Rhön , der kurz vor seiner am 23. März 1904 erfolgten Versetzung an das Realgymnasium zu Gießen erschien.
In Gießen wurde Roeschen im Jahre 1905 zum Mitglied der Historischen Kommission für Heften und Waldeck und 1907 im Nebenamt zum Bezirksurkunden- und Denkmalpfleger für die standes- herrlichen Gebiete von Oberhessen ernannt. Um sich diesen Aufgaben vollständig widmen zu können, trat er am 25. August 1909 in den Ruhestand. Die nächste literarische Frucht seiner auf diese Weise gewonnenen Muße war die neue Bearbeitung feines vortrefflichen Führers, der im Frühjahr 1910 bei GIroert in Marburg unter dem Titel „Durch Vogelsberg, Wetterau und Rhön" herauskam. Bald darauf bezog er wieder in Laubach das gemütlich im Grünen liegende Haus un Hain, das feiner Zeit ganz nach feinen Absichten erbaut wurde und nun der Sitz seines Atters ist. Bald nach Ausbruch des Weltkrieges fah er feinen einzigen Sohn ins Feld -iehen. Wenn er auch an den Umwälzungen, die das unglückliche Kriegsende brachte, bei feinen konservativen und nationalen Anschauungen so schwer wie nur einer trug, so durste er sich doch über die Erhörung feiner Gebete um die glückliche Heimkehr seines Sohnes freuen, der nun fein Studium — er hatte dasselbe ergriffen wie fein Vater — rasch und erfolgreich erledigte.
Sein inzwischen vergriffener Vooelsbergführer erfuhr die Folgen des unglücklichen Krieges. Die dem Friedensschluß folgenden teueren Zeiten ge» boten eine gekürzte Form. Von dieser erschien 1922 der „Führer durch den Vogelsberg" (Marburg, N. G. (flmert 1923). Der der Wetterau gewidmete besondere Teil, dessen baldiges Erscheinen geplant war, steht dagegen nach aus.
Im Vorhergehenden wurden nur die als selbständige Werke erschienenen Erzeugniffe aus Roes- chcns Feder erwähnt. Sie machen indessen nur die kleinere Hälfte feines Schaffens aus. Die ander»
Jeder Weinhändier liefert:
VERTRETER: H. Elges jr., Gieren, Seltersweg 68


