Ausgabe 
7.8.1925
 
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Ur. (85 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenj Zreitag, Z. (925

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Schutzkartell deutscher Geistesarbeiter.

Bon Dr. Otto Ever 1 ing, Nikolassee.

Als in der grausamen &it des Währungs» xerfaU» die Not des Volkes und besonders des ge- bildeten Mittelstandes immer höher und höher stieg, traten zahlreiche große Verbände der deutschen Geistesarbeiter zu einemSchutzkartell der notleidenden Kulturschicht Deutsch- lands" zusammen, das durch große Kundgebungen und Pressetätigkeit die Aufmerksamkeit des Auslands und Inlands auf die furchtbare Notlage der deutschen «ildnngsschicht hinlenken und Abhilfe iuchen wollte. Damals prägte ich das Wort, das auch heute noch seine innere Berechtigung Hal:W e n i g e r B e - lastung durch das Ausland, m e h r £ c i (tu n fl im Inland, wenn diese beiden Forte- rungen erfüllt werden, dann kann unsere deutsche Kulturschicht wieder hoffen und arbeiten, dann ist Deutschland zu retten und Europa zu befrieden."

Auch heute noch steht die gebildete Mittelschicht, stehen die deutschen Geistesarbeiter vor großen Sor­gen und einer unsicheren Zukunft. Gut oorgebildete und bewährte Geistesarbeiter trift heutzutage leider nur zu oft das harte Lebensgeschick: In der Jugend kein Einkommen, im Alter kein Auskommen. Viele Träger deutschen Geisteslebens leider unsagbar durch mangelnde Arbeitsgelegenheit und fehlende Altersversorgung. Dabei geben die bisherigen Er- leichterungen in der Lebenshaltung, die augenblick­lichen wirtschaftlichen Verhältnisse, die getätigten Abkommen in der Reparationsfrage, die Gesinnung und Haltung unserer Feinde aus dem Krieg durch­aus keine Gewähr, daß nicht eine neue Notzeit über Deutschland hereinbricht. Dann werden in der Ira« göbie eines hochstehenden bedrängten Kulturvolkes die zahlreichen Träger der Geistesarbeit wieder die Hauptleidtragenden fein. Darum kam in einer 23er« treteroersammlung der Verbände, die sich dem Schutzkartell angeschlossen haben, stark zum Aus­druck, daß trotz der Besserung der Währungsverhält- nisse und damit auch der Lage mancher Geistesarbei­ter die wichtigen Ausgaben des Schutz- kartells noch längst nicht gelöst sind. Die gemeinsamen Belange aller Geistesarbeiter müssen eine gemeinsame Vertretung haben, so schwer os auch ist, diese Schicht unseres Volkes mit ihren Persönlichkeitswerten, mit dem Drange nach eigenartiger Auffassung des Geschehens und persön- sicher Ausgestaltung des Lebens organisatorisch zu- sammenzuschließen. Schon die einzelnen Verbände der Geistesarbeiter wissen, wie schwer Intellektuelle sich organisieren lassen. Das Solidarttätsgefuhl der gesamten deutschen Bildungsschicht muß sich bei der Not und Unsicherheit unseres Volkslebens noch kräftiger regen, Zusammenschluß muß die Parole bleiben und auch ein solch loser, die Ein^elarbcit der angeschlosfenen Verbände nicht hemmender, sondern iörbernber Zusammenschluß, wie das Schugkartell ihn barstellt, hat noch große Ausgaben. Unb barum hat bas Schutzkartell den etwas veränderten Der- hältnissen Rechnung tragend, sich einen neuen Na­men und eine zweckmäßigere Gliederung gegeben. Um seine Neugestaltung nach außen deutlicher zu machen unb um Mißverständnisse, die mit dem alten Namen vielfach verbunden werden, zu vermeiden, Hai das Schutzkartell jetzt feinen Namen geändert und heißt:Schutzkartell deutscher Geistes- a r b e i t e r" (Berlin-Nikolasseee, Lückhofsstr. 24). Unb um seine Arbeiten für bie verschobenen Be­dürfnisse ber einzelnen Schichten ber Geistesarbeiter besser burchführen zu können, sinb aus ben mehr als hunbert großen, bas ganze Deutsche Reich umfassen- den Verbänden vier Gruppen gebildet worden:

1. Verbände der selbständigen freien Geistesarbeiter, 2. Verbände der beamteten Geistesarbeiter,

3. Verbände ber nichtbeamteten feftbefolbeten Geistes- arbeiter,

4. befonbere Zweckverbänbe zur Förderung der Geistesarbeiter.

Das Schutzkartell als Ganzes tritt in Wirksam« feit, wenn die Belange der gesamten Geistesarbeiter unb ber gesamten Kulturschicht dies erfordern. Die im öffentlichen Leben auftretenben Aufgaben, bie nur einzelne Gruppen ber Geistesarbeiter berühren, sollen von ben einzelnen Gruppen behandelt werben,

die unter Umständen, wenn Interessengegensätze nicht oorliegen, von dem gefaulten Schutzkariell unterstützt werden.

In einer Sitzung des Arbeitsausschusses des Schutzkartells, die in der letzten Woche in dem Hause des Vorsitzenden stattfand, wurde die große Bedeu­tung, die ein Zusammenschluß aller Geistesarbeiter har, stark betont, und es wurden die beiden wich« tigen Fragen: Stellenvermittlung für Ar­beit suchende Geistesarbeiter und Zukunits- ficherung für die nicht ruhegehaltsberechtigien und durch bie Inflation verarmten Geistesarbeiter wieder eingehend behandelt und gefördert. Da leider eine Altersversorgung der um ihre Vermögen und damit um ihre Zukunflssicherung beraubten zahl- reichen Geistesarbeiter auf ungeheure Schwierigkeiten stößt, so hat der Vorstand des Echutzkartells beim Steuerausschuß die Anregung gegeben, den alteren Geistesarbeitern die Möglichkeit zum Abschluß von Versicherungen und zu Spareinlagen dadurch zu geben, daß für diesen Fall hohe Abzüge von der Einkommen st euer gemacht werben können.

Der im Steuerauslchuß oorgelcgte Antrag bes Schutzkartells würbe erfreulicherweise in ber Grunb- tenbenz angenommen, unb zwar in solgenber Form:

Bei Steuerpflichtigen, deren Einkommen den Betrag von 15 OÖo Reichsmark unb beren Vermögen ben Betrag von 50 000 Reichsmark nicht übersteigt, erhöht sich bei Versicherungsprämien unb Spareinlagen, zu denen sich der Steuerpslich« tige in ben Jahren 1923 bis 1926 verpflichtet hat, ber nach § 17 Abs. 2zum Ab zugzugelassene Betrag von 480 Reichsmark,

a) wenn ber Steuerpflichtige mehr als 50, aber nicht mehr als 55 Jahre alt ist, auf 960 Reichsmark, b) wenn ber Steuerpflichtige mehr als 55, aber nicht mehr als 60 Jahre alt ist, auf 1200 Reichsmark, c) wenn ber Steuerpflichtige über 60 Jahre alt ist, auf 1400 Reichsmark.

Dies gilt nicht, wenn ber Steuerpflichtige einen Anspruch ober eine Anröartschaft auf Ruhegehalt ober anbere wieberkehrenbe Bezüge von mehr als 2000 Reichsmark im Jahre hat."

Wirb bieder Antrag, woran wohl kaum zu zwei« fein ist, auch im Reichstag selbst angenommen, so ist manchen Geistesarbeitern, bie von schweren Zu« kunftssorgen bebrückt sind, der Versuch, sich und den Ihrigen eine Zukunftssicherung zu geben, einiger­maßen erleichtert.

Es werden sich für bas Schutzkartell immer roie« ber Gelegenheiten bieten, in solchen Einzelfragen balb bieser, balb jener Gruppe ber Geistesarbeiter gute Dienste zu leisten. Aber wesentlicher noch ist es, baß bie großen Gesichtspunkte zur Ret­tung unb Erhaltung einer gefunben beutschen Mit­telschicht unb insbesondere einer lebensfähigen Dilbungsschicht immer mehr Gemeingut aller Glieder des gebildeten Mittelstandes werden. Dazu will das Schutzkartell mit feinen Zielen verhelfen, die es neuerdings folgendermaßen gestaltet hat:

Das Schutzkartell will den Wert und das Le­bensrecht der deutschen Geistesarbeit und Geistes­arbeiter vor dem Inlands und Auslande eindring­lich nachweisen und der Verelendung der deutschen Kulturschicht entgegenwirken.

Das Schutzkartell wendet sich gegen die uner­trägliche Belastung und Behandlung durch das Ausland, die das deutsche Volk, insbesondere den deutschen Mittelstand und bie beutsche Bil- bungsschicht aufs äußerste gefährben.

Das Schutzlartell erstrebt im 3 n l a n b wirt- schaftliche Verhältnisse, bie bie Geistesarbeit ent- sprechenb ihrer Bebeutung unb Verdienste für bas gesamte beutsche Volksleben roieber möglich unb bie Lebensgestaltung ber Geistesarbeiter erträg­lich machen.

Das Schutzkartell wirb versuchen, durch Zu­sammenfassung aller Geistesarbeiter durch Ver­sammlungstätigkeit, Pressearbeit, Einwirkung auf Verwaltung unb Gesetzgebung, biefe Ziele durch-

zusetzen."

Gerabe im Unglück unseres Dalbrlanbes muß bie beutsche Kulturschicht ihre gemeinsamen Belange bester im gesamten Volksleben vertreten. Den beut­schen Geistesarbeitern ist bie Aufgabe gestellt, sich zu einer mutigen Kerntruppe beutscher Gesittung unb beutscher Staatsgesinnung zusammen zusasseu.

Der Fuß als Träger der Gesundheit.

Von Dr. W. S ch w e i s h e i m e r.

Eines Tages muß sich ein Mensch überlegen, wie er ben Fuß setzen soll, wie er ihn bewegen muß, wie er ihn am besten auf ben 'Hoben setzt. Das ist ein Zeichen, baß ber Fuß nicht mehr ge- sunb ist. Denn niemand benft Jür gewöhnlich an leine gefunben Organe. Mit Selbstverstänblichkeit nimmt jeder alles entgegen, was sie für ihn leisten. Von Dankbarkeit ober Anerkennung ist keine Rebe. Das Denken an ein Organ zeigt, daß Schmerzen oder Beschwerden vorhanden sind. Kein Mensch denkt an (ein Herz, wenn nicht Stechen ober Klop- ien in ber Herzgegend ihn daran mahnt. Niemand beachtet es, wie umständlich ber Vorgang bes Schluckens ist, solange nicht eine Manbelentzünbung ihm bas in Erinnerung bringt. Gehen unb Stehen fmb eine ohne Ueberlegung hingenommene selbst- oerstänblichkeit, solange nicht Schmerzen ben nor­malen Ablauf bet kunstvollen Bewegungen hemmen.

Der Schmerz ist ein unangenehmer Begleiter, aber gleichzeitig ein wahrer Lebensfreund. Er meint es aut und ihm ist es zu verdanken, wenn schlimme Schädigungen verhütet werden. Der Fußballspieler würde trotz einer Blinddarmentzündung das Spiel zu Ende bringen wollen unb burch bie heftige Be-z toegung einen Durchbruch des krankhaften Blinb- darminhaltes in die Bauchhöhle herbeiführen, wenn nicht ber Schwerz ihn bewegungsunfähig machte. Der Student würbe trotz einer Sehnenscheibencnt- zunbung am überangestrengten Hanbgelenk weiter- fechten, wenn nicht der Schmerz bie Hand zur Ruhe zwänge. Ein vielbeschäftigter Mann, bie überlastete Hausfrau, würden trotz eines Fußleidens ihre Tätigkeit nicht einschränken, wenn nicht ber Schmerz im Fuß bas zur Notwenbigkeit machte

Eine ber allerhäufigsten krankhaften Veränte- rungen, bie burch Schmerzen ben Weg zu einer Besterungsmöglichkeit weisen, ist ber Senkfuß. Nor- malerweise zeigt die Mitte bes menschlichen Fußes eine Wölbung-nach oben. Nur in bieser Stellung ist bas 3neinanberarbc- n ber zahlreichen Knochen am Fuße, bie beste Abwicklung ber angreifenben Muskelkräfte gewährleistet. Beim Senkfuß ist das ganze Gewölbe des Fußes mehr nach unten ge« drückt, dem Hoben genähert. Die gewölbte tform der

unteren Fußfläche ist infolgedessen mehr abgeplattet. Dauernde Fortsetzung ber Schäbigung, bie ben Senkfuß bewirkt, fuhrt zu ben geringen und stär­keren Graden des Plattfußes. Hochgradige Platt- fußausbildung ist oft sehr schwer günstig zu beein­flussen. Es ist darum wichtig, soweit das verhindert werden kann, es gar nicht so weit kommen zu las­sen und einem beginnenden oder schon fortgeschrit­tenen Sentfuß baldigst entgegenzutreten. Dazu ist es wichtig, sich zunächst über die Entstehungs- nrsachen des Senksußes klar zu werden. 3m wesent­lichen handelt es sich immer darum, baß bem Fuß eine Belastung zugemutet wirb, ber er nicht ge wachsen ist. Das kann in Eigentümlichleiten des Berufes gelegen fein; Kellner, die viel auf glattem Boden laufen müssen, Bäcker, die lange belastet stehen müssen, Frauen, die viel am Herd ober am 'Bügelbrett stehen, Verkäufer, die im Laufe eines Tages in engem Raum mit schweren Warenballen viele Kilometer zurücklegen, besonders aber Lehr­linge und andere jugendliche Personen, deren noch nicht ausgewachsener Fuß einer Überanstrengung gegenüber weniger widerstandsfähig ist sie alle neigen zur Erwerbung eines Senkfußes. Ein fal­schem Gedanke wäre es, wenn man von einem sport­lichen Läufer oder von einem belasteten barfuß- gehenden 'Bauernjungen eine gleiche Gefährdung annehmen wollte. Ein Fuß, ber ftänbig ben un­gleichen, immer wechselnd geformten natürlichen Boden berührt, lernt es, seine Muskeln in abwechi rungsreichem Spiel anzupassen: hier bildet sich kein Senkfuß aus. Das Gefährliche ist der harte, ge­pflasterte Boden der Stabt ober ber ßanbftraßc; bet Fuß wird dadurch in unnatürliche Bedingungen versetzt und das rächt sich auf die Dauer durch Aus­bildung eines Senkfußes. Neben dieser häufigsten Entftehungsweise kann sich ein Senkfuß natürlich auch im (Befolge gewisser Krankheiten ausbilben, etwa nach Knöchelbrüchen, nach Banberbehnungen, nach rheumatischen und gichttichen Gelenkerkrankun­gen sowie im Gefolge einer besonderen Belastung, wie' sie z. B. Schwangerschaft barfteUt

Die örtlichen Beschwerden des -senkfuyes geben sich anfangs in einer gewißen Dumpfheit unb in raschen Ermnbungsgefühlen im Fuß, im Unter­ober Oberschenkel kund. Allmählich kommt em^ boh­render Schmerz an verschiedenen otcUen des ,ruße^ hinzu, an der Unterfeite, in der jerfengegenb. am Fußrucken, in ber Knöchelgeaend, an ben Zehen usw. Die Schmerzen werden so stark, doy der Pa­tient sich unwillkürlich durch Verlegung des Schwer«

in fegens reicher Wechselwirkung der Qküicsarbat mit der Wirtschaft eine gesunde Mittel- schicht .zu erhalten, den Kastengeist, die SUaffenvcr- deyung zu beseitigen unb unter fester ciaatsautori- tat in loyaler Gerechtigkeit die reichen schaft'ensfreu- bigen Kräfte der deutschen Köpfe und Hande zu nationaler Selbstbehauptung zusammenzuschließen.

Was Geistesarbeit unb Wirtschaft unter Förde- lung bes Staates bei verständnisvollem Zusammen wirken auch letzt schon erreichen können, dafür ist der stolze llulturbau des Deutschen 'M u s e u m s in München ein Ehrenzeugnis. Nur höchste Leistung auf allen Uebensgebietcn kann unser Volk wieder retten. Das Recht auf geistige Führung verpflichtet aber die Geistesarbeiter zu höchster eigener Leistung. Es ist ein hohes Ziel des Schutzkartells deutscher Geistesarbeiter, mit der zähen Ausdauer, die die Verheißung des Erfolges in sich hat. an der Erhol tung und hörberunq der deutschen Kulturschicht unb an bem Ausstieg des beutschen Volkes auf diesem Wege mitjuorbeiten:

Amtsgericht Gießen.

Sin Kopfschlächter hatte gelegentlich eines Wortwechsels mit einem hiesigen Metzgermeister diesem im Schlachthaus porgcbaltcn. im Laden seines Bruders sei erzählt worden, seine Leber- wurst sei nicht zu genießen. Daraufhin wurde Privatklage wegen Beleidigung gegen ihn erhoben. Aachdeiu der Kopfschlächtcc heute In der Hauptverhandlung zugegeben hatte, eine ähn­lich lautende Aeußerung getan zu haben, schloffen die Parteien nach erfolgter Zeugenvernehmung einen Vergleich ab. Darnach nahm der Kopf­schlachter feine Aeußerung mit Bedauern zurück und verpflichtete sich zur Zahlung der Kosten des Derfahrens.

Kleine Strafkammer Wetzlar.

Wetzlar, 7. Aug. Wegen Betrüge» war der zur Zeit in der Strafanstalt Ziegen­hain befindliche Metzger H. Sch. aus Herborn vorn Amtsgericht Herborn zu einen Monat Ge­fängnis verurteilt worden. Hiergegen legte der Angeklagte Berufung ein Wie die Ver­handlung ergibt, wollte der Angeklagte zu An­fang dieses Jahres in Herborn bei dem Metzger L. eine Schuld bezahlen. Er traf die Ehefrau an und händigte dieser u. a. eine Gin-Do llar- n o f e aus. Der Zeugin, Die von ausländischem Geld wenig oder gar keine Ahnung hatte, gegen­über gab er an. daß dies eine 1 0 - S o 11 a r - tote fei, indem er die Zeugin, als diese Zweifel hegte, auf einen roten Stempel hinwieß. Die Zeugin, Frau L., gab sich schließlich zufrieden und nahm die vermeintliche Zehn-Dollarnote in Zahlung. Bewertet mürbe iic mit 42,43 Ml. Die Zeugin hat die Dollarnote besonders ausbewahrt. Erst später, als der Ehemann zum Viecheinkauf nach außerhalb fuhr und die Dollarnote in Zah­lung geben wollte, mußte er, der bis dahin diese Note auch für 10 Dollar gehalten hatte, ge­wahr werden, daß es nur ein Dollar war. Der Angeklagte bestreitet, der Zeugin eine ®in- Öollarnotc gegeben zu haben, sondern will von Dem Gerichtsvollzieher W., Der für ihn Geld eingetrieben habe, eine Zehn-Dollarnote er­halten haben, was dieser Zeuge auch bestätigt, und diese Note an die Zeugin ausgehändiglt haben. Die Zeugin bekundet heute unter Etd und unter Vorlage der fraglichen Dollarnote, daß der Angeklagte ihr diese Note übergeben habe, was der Angeklagte bestreitet. Das Ge­richt schenkt den Angaben des Angeklagten keinen Glauben und erkennt auf Verwerfung Der Be­rufung. Da Der Angeklagte zur Zeit eine 13- .nonatige Zuchthausstrafe abbüßt\ wurde diese unter Einbeziehung der einmonatigen Gefängnis­strafe in 13 Monate zwei Wo^cn Zuchthaus umgetoanbelt.

Die Fuhrleute G. 03. aus Offenbach (Dillkrcis) und H. R. aus Bischoffen waren vom Amtsgericht Wetzlar wegen Diebstahls an Stelle einer Ge­fängnisstrafe von je 10 Tagen zu 70 Mk. Geld­strafe verurteilt worden. Auf ihre Berufung stand die Sache daher heute erneut zur Verhandlung. Die Angeklagten hatten für den Holzhändler W. aus Punktes auf eine andere Stelle zu entlasten sucht. Man sieht daher solche Leute immer den Stand wechseln, den einen Fuß aufheben, sich auf den Fußrand stellen, sich niederfetzen, überhaupt auf jede Weife eine Entlastung des Schwerpunktes herbei füßren. Der Senkfuß macht sich aber außerdem in einer Einwirkung auf den ganzen Körper geltend. Das ist es gerade, was dazu zwingt, ihn nicht allzu- leiu,i und sorglos zu betrachten. Zum ersten können die Schmerzen beim Gehen und Stehen sich in wei­ter entfernten Punkten äußern, so in der Leisten­gegend, in der Hüstgelenkgegend und im Kreuz. Be­greiflicherweise wird durch Schmerzäußerung an so entfernten Gegenden die Diagnose oft recht er- schw-rt. Mancher Kranke, ber wegen rheumatischer Beschwerden lange Zeit behandelt wurde, der Bade- kuren mitmachte und erfolglos allen nur erdenk­baren Behandlungsarten sich unterzog, wird durch Anwendung einer richtigen, den Fuß unterstützen- den Einlage jnit einem Schlage geheilt. Der Ge­danke daran liegt offensichtlich zuweilen zu fern und unwirksam, weil am falschen Platz einsetzende Be- Handlung ist die Folge.

Die fielen Schmerzen am Fuß schaden aber dem Körper noch in einer anderen Hinsicht. Es gibt eine neuerliche Auffassung in der Medizin, wonach ver- schiedene Stoftwechselerkrankungen mit ungenügen­der Bewegung Zusammenhängen. Regelmäßige und ausgiebige Leibesbewegung sei notwendig, um die Ausscheidung von Schlacken und Resten des Stoff­wechsels im Körper zu fördern. Wo das nicht durch- gefuhrt werde, könne einearthritische" Krankheits- bereitfchaft zum Vorschein kommen. Man versteht darunter eine vorhandene 'Neigung zu Zuckerkrank­heit, Gicht. Fettsucht. Arlerioiklerose, Nierenerkr^n- kung, Asthma und anderen Erscheinungen. Je nach ihrer Besonderheit soll die arthritische Veranlagung in der einen oder anderen Krankheitsform zutage treten. Es ist aber für einen Menschen, dem das Gehen und Stehen Schmerzen bereitet, undurch­führbar, zur Verhütung derartiger Erscheinungen möglichst viel Bewegung sich zu machen. So ist es ju erklären, daß ein ungenügend behandelter Senk­fuß Mitursache berartiger Sloffwechselslörungen uferten kann. Kommt es aber zum Auftreten von Fettleibigkeit, so wird umgekehrt Der Fuß noch stör- ter belastet, der Senkfuß nimmt zu, das Gehen wird noch schmerzhafter und noch mehr gemieden und so befintet sich ein solcher Kranker in einer unan- aenchmen Lage, in einem wahrhaften Circulus ofttosvs.

Aßlar Holzstämme aus dem Gemeindewald Alten- tuchen. Kreis Wetzlar, abgefahren und diese auf dein 'Bahnhoi Offenbach verladen. Der Zeuge D.. der beim Verladen der Stämme eine genaue Kontrolle führte, stellte am b. 1. 25 fest, daß ein E ichen» ft a m m verich w unde n war Nachdem der An- geklagte ®. dieserhald von dem Zeugen W befragt wurde gab er an, der Stamm muffe gestohlen fein. Erst als der Zeuge sagte, daß er sich überzeugt habe, daß nur die Wagenspur des Angeklagten an der Stelle, wo der Stamm lag zu sehen lei. erklär­ten beide Angeklagte, ter ftoalidje Eichenslamm sei * t bpesahren unb verladen worden, obwohl er in den Listen der Angeklagten und des Zeugen W. nicht als abgefahren verzeichnet war. Auf eine telegra­fische Anfrage bei der Firma, für die die Holz- ienDung bestimmt war, gab diese wieder telegra­phische Antwort, daß der fragliche Eichenstamm er trug die Nr. 504 nicht angenommen sei. Der Zeuge W halte daher, um sich schadlos zu hallen, den Ange klagten den Wert des Stamme ? in Höhe von 54.0b Mk. an Fuhrlolm gekürzt. Letztere hatten dieferhalb den Zeugen in Höhe dieser Forderung verklagt, und ist eine Entscheidung in dieser Sacte noch nicht ergangen. Beide Angeklagten beitreiten den Diebstahl begangen zu haben und behaupten, ben Stamm an der Bahn verladen zu haben. Da» Gericht kam heute zur k o st e n I o s e n Frei­sprechung beiter Angeklagten, da ihnen nicht nachzuweisen war, daß sie den Eichenftarnm ge­stohlen hatten.

Wirtschaft.

Die Reichsbank am Ultimo Juli.

Die im Zusammenhang mit dem letzten Monats- schluß an die Rcichsbank herangetretenen Kredit- und Zahlungsmittelansorderungen hielten sich auf ter zum Ultimo Juni ausgewiesenen Höhe Nach der Wochenübersicht vom 31. v. M. stieg die ge­samte Kapitalanlage während der Berichtswoche um 340,4 auf 2,051,2 Millionen Mark. Wahrend von den bei öfentlichen Stellen rediskondierlen Wechseln 122 Millionen Reichsmark zur Reichsbank zurück- flössen, wurden von privater Seite 179,8 Millionen im Wege des Wechfelkredites und 38,7 Millionen durch Lombardaufnahme beanfpruchl. Das Wechfel- portefeuille nahm dementsprechend von 1487,6 auf 1789,2 Millionen, das Lombardkonto von 21,6 auf 60,3 Millionen Reichsmark zu. Die Summe der rediskontierlenWechfel ging von 580,8 aus 458,8 Millionen zurück. Das Darlehen bei der Rentenbank veränderte sich nur unerheblich.

Der gesamte Zahlungsmillelumlauf in Deutsch­land beträgt für Ultimo Juli 4908 Millionen gegen Ende Juni 4797 Millionen

Die fremden Welter der Bank sanken um 179,1 Millionen Reichsmark auf 699,7 Millionen Reichsmark. Der Goldbestand erhöhte sich um 1,1 auf 1104,1 Millionen, der Bestand an zur Golddeckung herangezogenen Devisen um 0,4 auf 368 Millionen Reichsmark. Die Notendeckung durch Gold ging von 50,1 auf 43,6 Prozent, die Deckung durch Gold unb Devisen von 66,8 auf 58,2 Prozent zurück.

Die jetzige und die künftige Arbeitsmarktlage.

Betrachtungen über die Lage auf tetn Ar- teitSmarkt sind selten fo interessant gewesen wie fehl. Während aus allen Wirlschaftskreisen über Die schlechte Lage immer stärker geklagt wird, haben sich die Verhältnisse aus bem Ar­beitsmarkt im Gegensatz dazu gebessert Insge­samt Hai sich in ganz Deutschland seil Anfang Februar die Zahl ter unterstützten Erwerbslosen verringert um 60 Prozent und im besetzten Ge­bier um 51 Prozent. Dabei ist freilich nicht zu verkennen, baß die amtliche Statistik, Die zuge­standenermaßen unter manchen Fehlerquellen leidet, die Entwicklung wohl zu günstig bar- stellt, denn in derselben Zeit, wie sie oben für die amtliche Statistik angegeben worden ist, weist die Statistik ter Arbeiterfachverbänte eine Ver­besserung ter Arbeitslosigkeit von nur 46 Proz. nach, während der Rückgang ter Kurzarbeiter sogar nur mit 11 Porzent angewiesen ist.

Wenn man die Lage auf dem Arbeitsmarkt näher betrachtet, so ergeben sich folgende 6t-

Abhilfe ist gerade auch in den leichten Fällen notig, die erst anfangen Schmerzen zu verursachen. Dazu gehört, soweit das durchführbar ist, Einschrän­kung von Gehen und Stehen, Sitzen beim Bügeln usw. Auch die Auswahl eines richtig sitzenden Schuhes ist von großer Bedeutung. Die moderne Olthopödie bedient sich der Einlagen in den Schuh, um dem gesenkten Fuß die notwendige Stutze zu verleihen. Es ist verständlich, daß derartige Ein­lagen ebenso gut passen müssen wie der Schuh jelbfi, ja noch genauer, weil andernfalls nur eine Verstärkung der Schmerzen infolge der falschen 'Be­lüftung oder ihre Verschiebung an eine andere Stelle erfolgen würde. Vielfach werden an Hand eines Gipsabgusses, der von dem Fuße genommen wurde und die sich senkenden Stellen erkennen läßt, feste Einlagen hergesteUl. Große Erfahrung und ge­wissenhafte Ausführung, verständnisinnige Zusam- menarbeit von Arzt und Techniker find zu ihrer bestmöglichen Anpassung an den leidenden Fuß not­wendig. Neuerdings werden viel die pneumatischen Fußeinlagen verwandt: ihr wirksames Prinzip be­steht darin, daß in der Einlage ein Luftkissen aus Gummi enthalten ist, das mittels einer kleinen Hand- pumpe nach Belieben und Notwendigkeit mehr oder weniger aufgepumpt werden kann. Durch Zupurn- pen unb Auslassen von Luft kann eine individuelle Anpassung vorgenommen werden, wie sie sich nach zahlreichen Erfahrungen bewährt hat. Die an und für sich wünschenswerte individuelle Anmessung der Einlage, die aus verschiedenen Gründen bei sehr vielen leichten und mittleren Graden von Senkfuß praktisch undurchführbar ist, findet durch biefe vom Patienten leibst zu regelnbe Luftfüllung in ber Re­gel bie glückliche Lösung.

Es ist erfreulich, baß burch große Dauerreklamen ber letzten Jahre die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Fußpflege gerichtet würbe. Viel mehr Menschen als früher beWtigen sich mit ber Pflege ihres Fußes, die mindestens so wichtig ist wie bie Pflege ber Hand: viel mehr Menschen suchen auch ärzt­lichen Rat, da sie durch solche Reklamen erst auf beginnende unb vorgeschrittene Fußleiben, auf bie Erktanmg quälenber Schmerzen aufmerksam ge­macht würben Derartige Aufklärungen mögen von Den betreffenben Herstellern zwar im eigenen Inter- ciie vorgenommen werben, letzten Endes kommen sie aber doch einet Hebung eines ganz bejonbns vernachlässigten Zweiges ber VottsgefunDhsA * gute