Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Von Karl«August von Laffert.
35 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich weiß die außerordentliche Ehre Ihres Besuches zu schätzen", sagte der Japaner. „Mit Vergnügen werde ich Ihnen mein Schiff zeigen."
„Zu meinem Bedauern muß ich Sie darauf Hinweisen, daß ich leider Ihr Schiff dienstlich durchsuchen lassen muß."
Der Japaner verzog keine Miene, sondern behielt sein verbindliches Lächeln bei.
„Darf ich die Gründe dieses außerordentlichen Verfahrens tarier.?"
„Wir i ermuten Konterbande bei Ihnen."
„Soviel mir bekannt ist, führt das glorreiche Frankreich augenblicklich mit keinem Staate Krieg.'
„Krieg führen wir allerdings nicht", entgegnete der Franzose. „Aber mit unserem alten gemeinsamen Gegner Deutschland befinden wir uns immer noch in einer Art von latentem Kriegszustand. Wir haben nun die begründete Vermutung, daß sich auf der „Nagasaki" eine Anzahl Deutscher befindet, die sich gegen Frankreich vergangen haben und die ein Flugzeug namens „Schwalbe" bei sich führen, auf das Frankreich Ansprüche erhebt."
„Ich weiß von keinem Deutschen an Bord", sagte der Japaner. „Sie können meine Schiffslisten einsehen."
Der Franzose wurde dringlich.
„Daß in Ihren Listen nichts zu finden ist, halte ich für möglich. Um so mehr muß ich auf einer genauen Untersuchung des ganzen Schiffes bestehen. Außerdem bitte ich Sie, sofort jeden funkentelegraphischen Verkehr einzustellen."
„Wir befördern dringende Prioattelegramme nach Tokio, die ich nicht ohne Grund verzögern kann."
„Der Grund ist vorhanden", sagte der Franzose. „Befehl meines Kommandanten."
„Mit hat außer meinem Schiffsrceder nurSeine Majestät der Mikado zu befehlen."
„Dann mache ich Sie auf die Folgen aufmerksam."
„Worin würden diese bestehen?"
„Wir lassen ein größeres Kommando an Bord
der „Nagasaki" gehen, das die Apparate besetzt und eine Untersuchung oornimmt."
Der Kapitän beauftragte seinen Ersten Offizier mit einem Befehl. Er selber verharrte schweigend mit festgefrorenem Lächeln. Der Offizier kam zurück.
„Ist die Funkentelegraphie eingestellt?" fragte der Franzose.
„Es wird sofort geschehen."
Vom französischen Kreuzer her erfolgte ein neuer Kanonenschuß, gleich darauf ein weiterer. Fünfzig Meter vor der „Nagasaki" spritzte eine haushohe Wassersäule auf.
Jetzt schrie der Franzose:
„Stellen Sie sofort das Telegraphieren ein, oder Sie werden beschossen!"
Der Japaner verzog keine Miene. Nur sein liebenswürdiges Lächeln war verschwunden. Ein Matrose kam und brachte eine Meldung. Der Japaner wandte sich an den französischen Offizier:
„Sie haben Glück. Das letzte wichtige Telegramm ist abgegangen."
„Warum soll das ein Glück für mich sein?" fragte der Franzose argwöhnisch.
„Weil ich sonst weitertelegraphiert hätte. Dann würde Ihr Schiff vielleicht geschossen haben, und Frankreich wäre in eine sehr unangenehme Lage gekommen."
„Frankreich wird aus jeder noch so unangenehmen Lage einen würdigen und ehrenvollen Ausgang finden. Es gibt niemand in der Welt, den wir zu fürchten brauchen, solange wir auf dem Boden des Rechts stehen. Darf ich Sie jetzt bitten, mir und meinen Leuten die Untersuchung Ihres Schiffes zu gestatten?"
„Ich kann niemals etwas gestatten, was der Würde Nippons zuwider ist."
„Also Sie weigern sich?"
Der Japaner lächelte verbindlich, ohne eine weitere Antwort zu geben.
„Dann ist mein Auftrag beendet", sagte der Franzose, sich verbeugend. „Das Weitere wird sich zeigen."
Raschen Schrittes verließ er die Kommandobrücke und fuhr gleich darauf mit seinem Boote ab.
Nach kaum zwanzig Minuten näherten sich fünf Boote mit französischen Martosen der „Nagasaki", die jetzt in kaum bewegten Wasser ganz still lag. Sie erkletterten das Deck Der Führer, ein älterer Offizier, fragte nach dem Kommandanten.
Niemand antwortete. Auch alles Rufen nach dem Dolmetscher war vergebens, und auf der Kommandobrücke befand sich ein Offizier, der nicht Französisch verstand.
Einen Augenblick beratschlagten die französischen Offiziere, worauf der Führer kurze Befehle gab. Das Kommando verteilte sich. Funkenstation, Steuerhaus und Kommandobrücke wurden besetzt, die ganze erste Kajüte abgesperrt. Dann begann ein Verhör aller auf Deck befindlichen Passagiere, dem ein Durchsuchen der Kabinen folgen sollte.
Sanders, Stratoff und ihr japanischer Begleiter standen unter der Menge, die voll neugierigen Erstaunens die Vorgänge kritisierte. Das Verhör gestaltete sich recht schwierig, da keiner der Ostasiaten Französisch oder Englisch verstehen wollte. Zwei verdächtig erscheinende Inder verhafteten die Franzosen.
Nach mehreren Stunden erst kam Stratoff an die Reihe. Sein Paß schien in Ordnung, sein Kalmückengesicht bot nichts Auffälliges. Anders bei Sanders. Ein französischer Maat feuchtete heimlich sein Taschentuch an und fuhr ihm unvermutet über das Gesicht. Triumphierend zeigte er seinem Offizier die Schminke, die das Taschentuch gelb gefärbt hatte.
Sanders wurde ergriffen und leugnete nicht weiter. Dagegen verweigerte er jede Auskunft über seine Kameraden.
Plötzlich durchdrang ein leises Zittern den Dampfer. Die Maschinen gingen an, die Turbinen drehten, und langsam setzte die „Maru" sich in Bewegung.
„Was ist los?" schrie der französische Offizier.
Wie aus dem Boden gezaubert stand der japanische Kapitän vor ihm.
„Das will ich Ihnen sagen, mein verehrter Herr Kamerad", sagte der Japaner im fließenden Französisch. „Der Panzerkreuzer Seiner Majestät „Kurama" hat unsere Telegramme ausgenommen und unterhält sich soeben durch Funkspruch mit dem „Jnfernet". Ich beeile mich daher, der „Kurama" entgegenzufahren, um seine Befehle, die für mich allein Geltung haben, auszuführen."
Er deutete nach Westen, wo starke Rauchwolken eines eilends herannahenden großen Schiffes sichtbar waren.
„Lassen Sie bitte, sofort stoppen, damit wir von Bord gehen können!" rief der Franzose erregt.
„Es tut mir aufrichtig leid, Ihrem Wunsche nicht zu entsprechen. Ich erhielt vom „Kurama" einen Funkspruch, der mir befiehlt, Sie alle mit mir nach Tokio zu nehmen. Dort wird man Sie dem französischen Konsulat zur Verfügung stellen."
„Eine derartige Beleidigung werden wir nicht auf uns sitzen lassen!" schrie der Franzose. „Wie konnten Sie überhaupt ein Telegramm empfangen, wenn wir die Funkenstation besetzt halten?"
„Ich erlaubte mir bei Annäherung der „Kurama", Ihre Leute durch freundliche lieber rebung zu veranlassen, sich auf kurze Zeit in eine sichere Kabine zu begeben."
„Sie haben französische Seeleute widerrechtlich und mit Gewalt eingesperrt!" brüllte der Franzose.
„Ich hoffe, daß es ohne Gewalt ging, und vermute, daß es nicht widerrechtlich war", sagte der Japaner, höflich lächelnd.
Unterdessen war die „Nagasaki" bereits in schnelle Fahrt gekommen.
„Warum schießen die Unseren nicht?" rief er ratlos.
„Weil eine Salve der „Kurama" "Ihren „Jnfernet" in viertausend Meter Tiefe befördern würde", sagte der japanische Kapitän. „Ich bitte Sie, Herr Kamerad, sich in die Funkenstation begeben zu wollen. Von dort können Sie mit Ihrem Kommandanten sprechen."
Wutschnaubend rannte der Franzose ab.
12.
In der Downing Street Londons liegt ein prächtiger Renaissancebau, wo die Fäden der hohen Politik des weltumfassenden Jnselreiches zusarnmen- laufen. Hier, in einem mit solider Pracht eingerichteten Raume des Foreign Office, hatte der Leiter der englischen Außenpolitik den Admiralitätslord und den Chef des Generalstabs zu einer Besprechung gebeten.
Das markante, glattrasierte Gesicht des Ministers zeigte die gesunde rotbraune Farbe, ein Zeichen seiner eifrigen Tätigkeit auf dem Golf Links und der Jagd auf die Moorhühner des schottischen Hochlandes. Sein Leben war dem Sport geweiht, und auch die Politik betrieb er sportsmäßig. Wenn er arbeitete, so geschah es mit höchster Intensität, aber niemals bis zur Ermüdung. „In jedem Sport schadet das Ueberpacen", war sein Wahlspruch.
(Fortsetzung folgt.)
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Gießen, den 29. April 1925.
Der Oberbürgermeister.
__________I. D.: vr. Selb. 4687B
Vergebung m AnslrMerarbkiten.
Die Arbeiten zur Erneuerung des Anstrichs der sichtbaren Eisenteile sämtlicher Kreisstrahenbrücken des Kreises Gießen sollen öffentlich vergeben werden.
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Zuschlagsfrist 3 Wochen.
Gießen, den 5. Mai 1925. Kreisbauverwaltung.
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Vergebung m Zimmerarbeiten.
Auf Grund der Derdingungsvor- schriften werden nachstehende Zimmerarbeiten für das Deamtenmiethaus Vilbel öffentlich ausgeschrieben und zwar: 16cbm geschnittenes Tannenholz zu liefern, 1200 m Holz abzubinden, 860 m Bohlensparren, 116 m Gesimse, 8 Gauben, 2 Giebelaufbauten, 195 qm Lattenver- schläge, 215 qm rauher Tannenholzsuß- boden, 1 Bodentreppe. Angebotsunterlagen sind auf unserem Zweigbureau in der neuen Blindenanstalt (1. Obergeschoß) zum Selbstkostenpreis erhältlich, woselbst auch die Zeichnungen eingesehen werden können. Eröffnungszeit: Montag, 18.Mal, vormittags 11 Llhr, in vorgenanntem Zweigbureau. Zuschlagsfrist 8 Tage.
Friedberg, den 5. Mai 1925.
Hessisches Hochbauamt: Haag. 4703V DerVoranschlag der Gemeinde Grüningen für Aj. 1925 liegt vom 7. Mai d. IS., eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es ist dir Erhebung einer Umlage beschloßen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Grüningen, den 5. Mai 1925. Bürgermeisterei Grüningen.
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Bekanntmachung
Die Straße Gießen - Krofdorf ist infolge Wafferleitungsverlegung vor dem Ort Krofdorf für die Zeit vom 7. biS 9. Mai 1925 für den Fuhrwerksverkehi gesperrt.
Krofdorf, den 6. Mai 1925.
Die Wegepolizei.
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