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Gießener Stadttheater.

Puccini:Madame Butterfly".

Gastspiel der Frankfurter Oper.

Puccini ist stets ein Mittelpunkt Im Widerstreit der Meinungen gewesen. Man lehnt ihn ab, man will ihn nicht verstehen. Jo, vis fium Fanatismus steigert sich der Kamps um ihn, und es gehört sogar zum guten Ton, über Puccini herablassend zu lächeln, ohne ihn jemals im Grunde seines Wesens erkannt zu Haven.

Da stoßen Eigenarten von Rationalitäten hart aufeinander. Der affektiv veranlagte Süd­länder ist primär, ursprünglich naiv in seinen, Fühlen, seiner Leidenschaft, er gibt sich als der, der er ist: für ihn ist alles Wirklichkeit, gegebene Realität und in seinem aufwallenden Tempera­ment geht er oft über das hinaus, was uns als gegebenes Mast erscheint. Der Nordländer in seiner Verhaltenheit neigt zu idealisierender Reflektion, für ihn erscheinen die Dinge, die Begebenheiten vergeistigt. Und darum wendet .sich der Nordländer meist von jenem Realismus ab, den der Italiener auf der Bühne darstellt: denn für den Menschen des Rordens bietet das Theater Darstellung von Handlungen, denen irgendwelcher symbolischer Wert beizumessen ist, und wir haben wohl kaum eine nordische Oper, Die gänzlich frei von allegorischen Einmischungen wäre Der Südländer aber lebt selbst in der Maske, und über sie hinaus erhebt er sich als Mensch, und als Mensch wird er dann zum Heroen (Rigoletto, Bajazzo, Butterfly). Denn Theater ist für ihn Handlung, reales Leben und Kämpfen warm durchbluteter Menschen: jeder

verzweifelt. Die früher blühende Stadt Danzig zählt unter ihren 200 000 Einwohnern allein 15 000 Arbeitslose, der Handel, von altersher der Haupterwerbszweig der Stadt, liegt darnieder. Don Deutschland ist Danzig durch die -Zollunion mit Polen abgeschnürt. Die leb­haften Beziehungen nach Rußland sind infolge des schlechten Verhältnisses zwischen Rußland und Polen nahezu abgebrochen. Rach Polen .selbst geht der Handel immer stärker zurück, weil die polnische Strategie mit kalter Lieberlegung darauf hinausläuft. Danzig aus?, uh ungern und zu erdrosseln. Der wirtschaftliche Boy­kott, der mit der Briefkastenaffäre einsetzte, dauert irun schon monatelang. Sind die Kreditverhält- nisse Polens in den letzten Jahren ohnehin denk­bar schlecht gewesen, so überbietet die Art, wie der Danziger Kaufmann jetzt behandelt wird, noch sich selbst. Ilm das Bild vollständig zu machen, genügt die Hinzufügung, daß allein der seewärtige Warenverkehr gegenüber der Vorkriegszeit bis zu mehr als der l f te zürückg eg a n g eN ist.

Lind selbst in dieser verzweifelten Lage hat Danzig, hat sein Senat, hat seine Bevölkerung

bis heute treu zu seinem Deutschtum ge­standen, obwohl es weiß, dah aller Drück auf­hören wird, wenn es sich morgen den Polen in die Arme wirft, eine Freude, die Polen allerdings nicht erleben wird. Die Katastrophe von Star­gard stellt dieses Stück deutschen Schicksals erneut scharf vor unser Auge, dieses Stück deutschen Schicksals, das eigentlich drei Tragödien enthält: die des heroischen Kampfes Danzigs, die des dem langsamen Verfall überantworteten Kor­ridors Und schliestlich die der Insel Ost­preußen. Das Slawentum, gegen das deutsche Ordensritter, freiheitlicher Hansegeist ünd preu­ßische Zähigkeit jahrhundertelang im Kampfe ge­legen haben, drängt von neuem nach dem Westen und sucht dieses Land an sich zu reißen. Hier entscheidet sich das deutsche Schicksal Nicht minder als in dem Kampf um den Rhein. Immer wieder kann man von denen, die hier in den Ost marken den erbitterten Kamps um ihr Deutschtum führen, hören, daß sie nur ihre Pflicht tun, aber auch die Erwartung, daß Deutschland sie nicht im Stiche lassen wird.

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Die Kanalisierung der Lahn.

Das gegenwärtige Projekt.

In der Hauptversammlung des Fulda- Lahnkanalvereins, die vor einigen Tagen tn Meßen stattfand und über die wir in unserer Rr. 101 schon berichteten, sprach der Geschäfts­führer des Vereins, Direftor D a n s a - Limburg, tn einem fesselnden Vortrag über das Projett, das der Verein zur Verwirklichung der Lahn- Kanalisierung gegenwärtig verfolgt. Aus den Darlegungen ist folgendes hervorzuheben.

Die größeren Projekte zur Kanalisierung der Lahn waren durch die Höhe ihrer Baukosten unwirtschaftlich. Man betrachtete ein Fahrzeug als vorgeschrieben und richtete die Wasserstraße unter enormen Kosten danach ein, statt das Fahrzeug nach der Ratur des Flusses zu be­messen. Der Fluß hat einen zweifachen Stempel: 1. Die Lahn ist schmal und viel gewunden: also ist ein schmales Schiff wünschenswert und ein recht bewegliches, gut steuerbares, also am besten ein Selbstfahrer. Die Verwendung an­derer Fahrzeuge, von Schleppern und von Treidelei, ist habet nicht ausgeschlossen. 2. Die Lahn ist schon teilweise ausgebaut: wenn man sich an die Masse der vorhandenen Anlagen und an die Möglichkeiten, diese zu erweitern, hält, können die etwa 15 Millionen Kapital ge­spart und verwertet werden, welche in den fünf­ziger Jahren in die unvollständige Kanalisierung der Lahn verbaut wurden. Diese kann mit ver­hältnismäßig geringen Kosten fertiggestellt wer­den. Der Bau wird billiger und dadurch wirt­schaftlich. Es kommt nicht auf die Gröhe des Schiffes an, sondern auf die Frachtersparnis, welche durch Jneinanderpafsen von Schiff und Wasserweg erzielt wird.

Diesen Gedankengang schlugen auch seit 1911 die Erwägungen des Fulda-Lahnkanalvereins ein. Gs wurde auch nach Entwürfen von Geheimrat Flamm, dem schiffsbautechnischen Professor tn Charlottenburg, ein Dersuchs-Motorlastschiff ge­baut, natürlich in den kleineren Abmessungen der bestehenden Schleusen, welches sich sehr gut bewährte. Leider unterbrach der Krieg seine 'Fahrten, und tn dessen weiterem Verlauf mußte es verkauft werden. Die für das vorliegende t Projekt als bestes Fahrzeug gedachten Delbst- , fahret entsprechen dem Versuchsschiff: nur wird * die Gesamtlänge 50 Meter.

In den ziffernmäßigen Grundlagen für die r vorgesehene, dem Flußcharakter entsprechende Ka­nalisation ist nun eine außerordentliche Ver­besserung dadurch eingetreten, daß als Länge des Schiffes 50 Meter statt 45 Meter beim 230-Tonnen-Projett von 1911 angenommen und dadurch die Tragfähigkeit auf 280 Tonnen ge­stiegen ist. Weil dabei die Betriebskosten für das Schiff die gleichen bleiben, werden die Schiffahrtsselbstkosten für die Einheit, die Tonne oder das Tonnenkilometer entsprechend ver­ringert, die Wirtschaftlichkeit vermehrt. Der da­nach sich ergebende Vergleich zwischen den Masserfrachten und den konkurrierenden Eisen­bahnfrachten zeigt im (üngetoogenen) Durchschnitt der 35 wichtigsten Frachtsätze eine Ersparnis von 66 Proz. zugunsten der Wasser­fracht! Diese Ersparnis ist so ungeheuer, daß eine bedeutende Kanalabgabe, wie sie den leider heute so hohen Zinssätzen entspricht, daraus getragen werden Fann und den Verfrachtern doch noch ein sehr reichlicher Ruhen verbleibt.

Dem notleidender' Bergbau und den Basalt- und Kalksteinbrüchen kann die Kanallsierung der Lahn und die billige Wasserfracht die Lebensmöglichkelt erhalten

oder vielmehr eine neue Entwicklung geben; es können nämlich dann minder wertige und Stein--

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Torten abgeseyt werden, für welche selbst die Ausnahmetarife der Reichsbahn ganz untragbar sind. So schafft der Kanal Neue Arbeits­gel e g e°n h e i t und Wohlfahrt!

Im ganzen wird der Verkehr nach gehöriger Entwicklung auf 1763 000 Tonnen geschätzt. Rach den ins Einzelne gehenden Feststellungen ent­fallen davon beinahe 80 Proz. auf die Maffen- guter, Erz, Steine, Ton und Kohlen. Für diese Güter, die Grundlagen der ganzen Volkswirt­schaft, sind auch die billigsten Eisenbahnfrachten nicht billig genug. Andererseits verdient die Reichsbahn an deren Beförderung auch nichts, wenn sie nicht sogar zuseht. Ein'weiterer Fall des Verkehrs wird erst durch den billigen Wasserweg entstehen, weil die Cisenbahntarife einen Absatz nicht zulassen, wie zahlreiche Zu­schriften von Interessenten beweisen. Unbedingte Rächhaltigkeit und Verstärkung der Verkehrs- Mengen auf dem Lahnkanal kamt erwartet wer­den; denn der verstorbene bedeutende Landes­geologe Dr. Ahl bürg schätzte in seinem Vor­trag vom 29. Juni 1918 die

noch nicht gehobenen Bodenschätze im Lahntal aus Roteisenstein mindestens 43 Millionen Tonnen, Brauneisenstein mindestens 15 Mill. Tonnen, Kall unerschöpflich, Basalt unbe­schränkt, Ton unerschöpflich.

Für den Anfanasverlehr wird stark eine Million Tonnen mit stark 100 Millionen Tonnenkilometern geschätzt, was sich gut mit früheren Annahmen deckt.

Die verstärkte Ausnutzung der Wasserkräfte, welche auch längs der Lahn mit der Kanalisie­rung Hand in Hand geht, ist heute ein aner­kanntes volkswirtschaftliches Gebot. Der Ge­samtgewinn an Elektrizität, außer den 13 Millionen Kilowattstunden bei Cramberg, die bereits an die Lahnkraftwerke A.-G. vergeben sind, und wofür diese einen Bauabschnitt von etwa einer Million Kosten übernehmen, wird zu rund 47 Millionen Kilowattstunden im Jahr geschäht. Wenn man annimmt, daß davon zunächst nut Staustufen für rund 25 Mil­lionen Kilowattstunden ausgebaut werden, und daß für die Kilowattstunde nur 0.5 Pf. Ab­gabe bezahlt werden, so beträgt die Jahres­einnahme zugunsten der Lahnkanalisation 125 000 Mark. Man kann wohl auch damit rechnen, daß durch die neue billige Krastgewinnung die Industrie und der W o b l st a n d und dadurch die Verkehrsmengen befruchtet werden.

Durch die Regulierung des Lahnlaufes längs und guer wird nicht nur Kraft gewonnen, sondern auch der Hochwasserabfluß verbessert und

die Hochwasserschäden, die an der ganzen Lahn von Marburg abwärts letzthin sehr bedeutend gewesen sind, verringert ober ganz hintangehalten.

Für die neuen Wehre wurden aus dieser Rück­sicht auch nur bewegliche Konstruktionen vorge­sehen. Durch die Erbauung von Fischpässen auch neben den alten Wehren wird die Fischerei gefördert.

Die Baukosten des Lahnkanals werden, wie schon eingangs erwähnt, durch die Erhaltung des Bestehenden und die Beschränkung aus einen kleinen Rahmen wesentlich verringert, und dadurch natürlich auch die laufende Belastung der Schiffahrt mit Abgaben. Wenn man einer­seits die Verteuerung durch die heutige Er­höhung der Löhne und Materialpreise, anderer­seits die Verbllliguüg durch Vorwegleistungen wie bei Cramberg und durch die Fortschritte der Technik usw. in den letzten Jahren berück­

wohl charakteristisch für sich, aber doch wie jeder andere Mensch auch, natürlich, frei, unbeherrscht, ungezwungen, einfach im Denken und Handeln.

Und wieviel stärker ist der Eindruck, wenn die Handlung auf der Bühne, die als Dichtwerk Wohl der llmfleHung in sinnliche Wirklichkeit bedarf, ihre sinnliche, affektive Bekräftigung durch eine Musik wie bei Puccini erhält, die seinerzeit in ihrer ReUheit Kraft ausstrahlte und bis heüte ihre Wirkung nicht verloren hat: denn der naiven Handlung, dem ursprünglichen Erleben vereint sich eine ebenso primär entsprungene Melodik, die packen mutz, weil sie charakteristisch und eine Ausstrahlung des Dramatischen ist. Und das ist Puccinis Größe: die melodische Linie, di: eben primär die Handlung tniterleben läßt.

Daß Puccini einen machtvollen Faktor dar- stellt, das beweist die Zahl seiner Rachahmer, die gerade durch ihr Richtkönnen und Richt- verstehcn dem Meister geschadet haben.

Raives Leben ist es, was sich in dem Schick­sal der Madame Butterfly vor unseren Augen abspielt: das Schicksal in seiner vollsten Tragik läßt aber aus der Geisha eine Heldin werden. Ein Spielball der Laune des Leut­nants Linkerton in der Marine der Ll. S. A. soll die kleine Geisha Cho-Cho-San, genannt Butter- 'lh. werden, indem er mit ihr die , Ehe auf Zett" eingebt. Sie aber erlebt nicht so wie ihre Gefährtinnen, sie geht ganz in ihrer Liebe auf. herzlich, naiv, ergeben,wollt ihr mich nun lieben, em ganz klein wenig lieben? Dann gibt sich so em Magdlein, wie ich bitt, schon zu- ^cAn'" - ^^er die Liebe wächst Linkerton verläßt sie Sie aber lebt nur für ihn und hofft auf seine Wiederkehr,wenn jung Rot­kehlchen leis' im Reste zwitschern". Drei Jahre

fichtigt, so stellt sich der Gesamtkvstenübcrschlag von der Mündung bis Gießen nach heutigen Preisen, trotzdem für pinvorhergesehenes 12 Prozent 1,5 Millionen eingestellt wurden, auf nur 15,2 Millionen, was selbstverständ­lich nur der Einbeziehung der vorhandenen Ka­nalisationsanlagen zu danken ist.

Wenn Reich und Preußen davon einen an­gemessenen Teil gedacht sind nur etwa vier Millionen aus allgemeinen Mitteln der Lan­deskultur und wegen der Erwerbslosenfürsorge übernehmen, so kann mit einer durchschnitt­lichen Kanalabgabe von etwa 0,5 P f. für das Tonnenkilometer das ganze übrige Baukäpital mit 8 Prozeu t oct« zinst und getilgt werden, und trotzdem er­geben sich noch enorme Frachtersparnisse zu­gunsten der allgemeinen Wohlfahrt.

Das Ergebnis der vorstehenden Darlegung ist dahin zusammenzufassen: Der Kanal und die Schiffahrt werden durch die Ausnutzung des Bestehenden und gleichzeitige Anwendung mo­derner Technik billig. Der schwer notleidende Bergbau und die Steinindustrie des Lahntals und seiner Rachbargebiete werden erhalten und in volkswirtschaftlich wichtiger Weise ausgedehnt, die Lebenskosten für die Bevölkerung durch Verbilli- gung der Kohlenfracht usw. herabgesetzt. Es wer­den neue Wasserkräfte zur Elektrifizierung ge­wonnen. Hochwasserabfluß und Fischerei werden gefördert. Die im Gebiete des Kanals ange­nommenen Bodenschätze sind unerschöpflich und die daraus zunächst angenommene jährliche Ver­kehrsmenge genügt, um die Finanzierung bei einer mäßigen Abgabe zu tragen. Dadurch, daß die Hälfte des Kanalbaues schon von unseren Vorfahren hergestellt und nur die unvollständige Anlage zu ergänzen ist, stellt sich die Kanalisie­rung der Lahn finanziell so günstig, wie vielleicht kein zweiter Fall in Deutschland. Es gilt nur, auf dem vor 80 Jahren durch den Staatsvertrag von 1844 von der nassauischen, preußischen und hessischen Regierung gelegten Fundament den Bau zu voll­enden!

An den Vortrag schloß sich eine rege Aus­sprache an, in der die Rotwendigkeit der Ausführung dieses Projekts allgemein be­tont wurde, ohne deswegen das größere Ziel der Verbindung mit der Weser preiszugeben. Vertreter von Marburg wünschten, die K a - nalisierung nicht nur bis Gießen, sondern bis Marburg vorzunehmen. Eine Entschlie­ßung im Sinne des Referenten Und der Ver­sammlung soll vom Vereinsvorstand an die maß­gebenden Regierungsstellen gerichtet werden.

Aus der Provinz.

^attvkrcrs Girsren.

£ Wieseck, 6. Mai. In der Erwerbs­losenfürsorge ergab sich im Monat April folgendes Bild: ES wurden unterstützt am 1. April 41 männliche, 5 weibliche Erwerbslose mit 58 Zu­schlagsempfängern ; am 7. April 42 männliche, 5 weibliche und ;8 Zuschlagsempfänger: am am 15. April 34 männliche. 7 weibliche und 54 Zuschlagsempfänger: am 22. April 31 männ­liche, 6 weibliche und 47 Zuschlagsempfänger: am 30. April 31 männliche, 6 weibliche und 47 Zuschlagsempfänger. Außerdem bezogen 2 0 Kleinrentner und 59 Sozialrentner Unterstützung. Im jetzt abgelaufenen Rechnungs­jahr 1924 beläuft sich der Gesamtaufwand in der Erwerbslosenfürsorge auf 22380 Mark, in der Sozial- und Kleinrent­nerfürsorge auf 7575 Mk. .An Winter- belaufen wurden aufgewendet an Erwerbs­lose 1970 Mk., an Sozial- und Kleinrentner 1395 Mk.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 6. Mai. Die an der I u - gendbewegung beteiligten Vereine und Ver­bände, wie die Pfadfinder, die Turnerjugend, der Wandervogel, der Quickborn usw., hielten am Mon­tagabend in der Turnhalle eine gemeinsame Tagung ab, um alle für die Jugendbewegung interessierten Kreise zu einem Jugendring zu- sammenzuschlieißen. Die Anregung fiel allseits auf fruchtbaren Boden. Die Vereinigung wurde b e - gründet; zum Vorsitzenden wurde Lehrer Rein­hardt gewählt: auch die bessere und ernstere musi­kalische Ausbildung soll in Betracht gezogen werden. Herr Siegler wurde zum Vorsitzenden des Singe- treises bestimmt. Der Zweck der Vereinigung ist hauptsächlich die Beteiligung an der gemeinsamen Arbeit für die Jugendbewegung, besonders auch für die Gründung und Unterhaltung von Jugendher­bergen.

<y. Bad-Nauheim, 6. Mai. Unsere hessische Badestadt steht in diesem Jahr im Zeichen der Kon­gresse. Noch in diesem Monat findet wieder eine bedeutsame wissenschaftliche Tagung statt. Es ist der dritte Bad-Nauheimer Fortbildungs- l e h r g a n g f ü r A e rz t e, der am 28. und 29. Mai vergehen: das Pfand der Liebe, ihr beider Kind, ist ihr Trost geworden. Aber das Hoffen wird immer größer und stärker und das Sehnen immer mächtiger. Lind sie kennt kein seligeres Glück, als sich den Lag der Wiederkehr im Geiste aus­zumalen: und mit welcher Lebendigkeit steht dreses Bild vor ihr, jede kleine Einzelheit lebt, ihr Sehnen ist zu starkdamit ich nicht vergeh' am Wiedersehen", llnh dieses Wiedersehens­bild, daS sie umgaukelt, es wird ihr zur Ge­wißheit. Die rauhe Wirklichkeit beendet dieses Träumen, der amerikanische Konsul verkündet ihr, dah ihr Geliebter nicht toieDerMjre. Aber noch kann sie sich nicht fassen: der Gedanke an ihr Kind, ihr einziger Triumph; dann wieder Zer- knnschung, Schauder davor, wieder als Geisha leben zu müssen.Doch Geisha nie, lieber ging ich den Tod!" -Uhb dennoch gibt fte die Hoffnung nicht auf. Sie sieht Linkertons Schiff in den Hafen fahren; nun lebt sie wieder ganz für ihn, nun muh sie ihn empfangen; er muß kommen mit vollen Händen streut sie Blumen im Hause aus. UnD nun kauert sic sich mit ihrem Kinde und ihrer ergebenen Dienerin an den geschlossenen Läden nieder und erwartet ihn. DaS Kind und Suzuki sind eingeschlafen; nur sie wacht die ganze Rächt, um ihn nicht zu ver­fehlen. Der folgende Tag bringt ihr den Zusammenbruch. Ihr Höchstes ist ihr verloren, ihr Kind will man von ihr das kann sie nicht tragen. Ein bitterer Abschied von dem Kinde;leb wohl, mein Herze, leb wohl, mein einz'ges Lieb!" Sie greift selbst in ihr Schicksal ein, das Harakiri endet ihre Schmach.

Das Schicksal der Butterfly ein eigenes Heldentum, und durch die Gestalt der Butterfly behält die Oper ihre Lebenskraft. Mit der Dar­

abgehalten wird. Gegenstand der Verhandlungen ist die H e rz d i a g n o st i k. Für die darüber zu er­stattenden Vorträge wurden gewonnen: Professor D i e t l e n - Homberg-Saar, der tütjlh.; hier den Röntgenkongreß leitete; Privatdüzent Dr. Groe- d e l - Bad-Nauheim und Frankfurt a. M.; Prof. Ohm-Berlin; Prof. N i e k a u - Tübingen; Prof. Weber- Bad-Nauheim. Die wissenschaftliche Ar­beit wird von künstlerischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen der Bade- und Kurverwaltung um­rahmt. Wie beim Röntgenkongreh sind wieder eine Opernaufführung und ein Sinfoniekonzert vorge­sehen. Nach den glänzenden Erfolgen der beiden ersten Bad-Nauheimer Fortbildungslehrgänge ist mit einer großen Beteiligung zu rechnen. Die Früyjahrskürzeit läßt sich sehr gut an. Neben den schon zahlreich anwesenden Kurgästen befinden sich Richard Strauß Und Staats­sekretär a. D. Hintze hier.

vw. Butzbach, 6. Mai. Das Sportfest der hiesigen Schutzpolizeibereitschaften fiel in allen seinen Teilen, was sowohl die Sport- übungen auf dem Sportplatz im 'Lustgarten, als auch die abendliche Veranstaltung im großen Saale desHess. Hofes" betrifft, sehr gut aus. Mitglie­der unseres hiesigen Z w ei g v er e i n s des V. H. C. führten das Goethesche SchausplielIphigenie auf Tauris" sv vorzüglich auf, daß es auf viel­seitigen Wunsch zum Besten für das zu errichtende Jugendheim und Gefallenendenkmal auf der Herchenhainer Höhe nächsten Freitag noch­mals gegeben werden soll. Aus der jüngsten Stadtverordnetensitzung sei folgendes richtet. Für den ausgeschiedenen Stadtverordneten Wittich wurde Lagerhalter P l o ß in den Dienst als Stadtverordneter eingewiesen. Medizinalrat Dr. Vogt, der gebeten hatte, ihn vom Amte des Vor­sitzenden des Wohlfahrtsamtes zu entbinden, wurde gebeten, dasselbe bis zur Wahl des neuen Bürger­meisters beizubehalten. Es wurde ferner beschlossen, daß zukünftig alle Vergebungen von städtischen Wohnungen der Genehmigung des Stadt- vorstandes bedürfen. Den Herren I. Lange und I. Moser-Frankfurt a.M. soll die Jagd im städtischen Hospitalstrauch für jährlich 350 Mark bis zum Jahre 1928 verpachtet werden. Die Preise fär bte Bäder in der Stadtschule sollen auf 25 bzw. 50 Pf. erhöht werden. Die Durchfüh­rung der Schiller- und deren Parallelstraße durch das frühere Dr. Schlapersche Gelände bis zu, Zipfenwald wird gutgeheißen. Die Arbeiten für bd Reihenhaus am Zipfenweg wurden an hiesige Handwerksmeister vergeben.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 6. Mai. Schon seit längerer Zeit besteht die Absicht, die P o st a u t o bs r = bindung Friedberg Rieder- Flor­stadt - S t a den weiter durchzuführen an die Bahnstation Ranstadt Bislang scheiterte diese Absicht stets daran, daß die beteiligtenGemeinden sich weigerten, die etwa entstehenden Fehlbträge zu übernehmen. In betracht kommen hier die Gemeinden Rieder- und Ober-Mockstadt und Ranstadt. Runmehr hat sich die Oberpostdirektio bereit erklärt, versuchsweise, trotz der ablehne, den Haltung der Gemeinden, die Linie s ü einen Monat b i s Ranstadt durchzu führen. Es ist geplant, das Auto z w e i m a: bis Ranstadt laufen zu lassen, und zwar einmal morgens an den Zug von Gießen, Der um 6.51 in Ranstadt abfährt und dann nochmals mittags an den Zug, der von Gelnhausen kommend ir Ranstadt 1.57 abfährt. Man hofft, durch diese Probefahrten die Gemeinden umstimmen y. können. Der Landbevölkerung wird jedenfalls ein großer Dienst erwiesen. - Auf dem zwischen Büdingen md der Burg Ronneburg gelegenen Herrnhaag, einer Gründung Zinsendorfs, haben die drei Kirchspielsgemeinden Diebach, Lorbach und Vonhausen ein Denkmal zur Ehrung Der im Weltkrieg Gefalle­nen errichtet. Das Denkmal steht auf Dem die Kirche umgeben Den FrieDhof und soll am zweiten Pfingstfeiertag eingeweiht werden. Die Kirche selbst soll im Laufe dieses Jahres noch eine zweite Glocke erhalten, auch soll Die Orgel reno­viert werden. Das weitbekannte Düdinger Pf ing st schießen soll in diesem Jahre toteDer, wie seit früheren Jahren, am Dritten und vierten Pfingstfeiertag abgehalten werden. Dor zwei Jahren war es auf den zweiten und Dritten Feiertag verlegt worden Die Schießstände und Die festgebaute Festhalle liegen auf Dem Hammer. Alle Vorbereitungen Deuten Darauf hin, daß Das Fest wieder Die Größe und Aufmachung eines Vorkriegsschießens erreichen wird.

Ridda, 6. Mai. Gestern unternahm eine Kommission, ' bestehend aus Bürgermeister Ri ngshausen und drei Stadtverordneten, mittels Auto eine Rundfahrt nach Grün­berg, Alsfeld und Lauterbach, um Die Real­schulgebäude dieser Städte zu besichtigen und deren Einrichtungen kennen zu lernen. Soweit

/nölten sterben früher ober spö Jüfttz WnWIdte 'iirttfrihU'

Heilung der Butterfly-Partie steht unD fällt das Werk. Was Elisabeth Kandt gab, das war stark, einfach überwältigend; eine Butterfly aller­größten Formats, darstellerisch wie gesanglich! Wie echt als Mutter zu dem Kinde; wie rührend in ihrer Liebe, in ihrem WieDersehens- hoffeN. Von Att zu Akt wuchs sie. Die Liebes- fzene im ersten Akt war ein Höhepunkt zweier Großer. John Gläser als Linkerton. Mit seiner spezifisch italienischen Stimmtechnik kennt er bei Puccini keine Grenzen; die Höhe mit unendlicher Expansion und mit einem Glanz, wie wir ihn'zur Zeit bei keiner deutschen Tenorstimme wieder finden. DaS Lebewohl war in seiner dramatischen Kraft erschütternd. Adolf Permann fand als Konsul warme Töne; väterlich, beratend, tröstend, vermittelnd; wahr, lebensecht in Der Darstellung, als Sänger immer mit hoher Kunst, musikalisch unD stimmlich in veränderter Größe.

Die Spielleitung batte stimmungsvolle Szenenbilder geschaffen. Am Dirigentenpult wirkte Berthold Sander; er gab Der Musik Linie nnd Leben, vortrefflich von Dem hervorragenden Orchester unterstützt.

Eine Aufführung, wie man sie nur selten erleben jEann, selbst an Den größten Bühnen, in solcher Besetzung und solcher Form! Dies sei der Leitung deS Gießener Stadttheater-S ganz be­sonders vermerkt! Aber wie wenig wurde diese bedeutende Aufführung von den Gießener Ein­wohnern gewürdigt, das Haus wies noch manche Lücke auf. Weiterhin solche künstlerischen Höhe­punkte zu bieten, ist der Direktion aber nur möglich, wenn sie durch die Bürgerschaft reich­liche Hntetftübung findet.In