Ausgabe 
7.4.1925
 
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m. 82 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverhefsen)

Dienstag, 7. Iptfl 1925

'A

Die revolutionäre Bewegung in Brasilien und das Deutschtum.

Don unserem Korrespondenten in Brasilien Dr. R. P e s ch k e.

Dio de Janeiro, Mitte März.

tenbc Dezember wurde durch ein Telegraphen du reo u aus Ersuchen des brasilianischen Gesandten in Berlin ein Bericht verbreitet, der das Lar- hanbcnicm einer ..Devolution" in Brasilien bestritt unb behauptete, irgendeine Schwierigkeit politischer oder sozialer 'Art. die der augenblicklichen 'Abstel­lung bedürfen würde, gibt es überhaupt nicht". Diese 'Auslassungen werden im Vanbe selbst, wo weite Strecken seit dem Iuliputsch in Sao Paulo »och nicht wieder zur Ruhe gekommen sind, wo immer wieder im -Neer und in der Marine revo­lutionäre Ausbrüche erfolgten, mit recht skeptischem Lächeln gelesen.

Richtig ist, dasz eine Revolution nach euro­päischen Begrissen. die auf Weltanschauung und theoretisch durchgebildetem Parteiwesen beruht, in Brasilien nicht besteh': wohl aber zeigt sich eine aus mehreren Wurzeln hervorgehende revolu­tionäre Bewegung noch ungeklärten Cha­rakters, die aus einer allgemein vorhandenen Un­zufriedenheit besonders mit den wirtschaft­lichen Verhältnissen ihre Rührung zieht. Im Heere sind unklare Borstellungen von einer Besse rung der von einer oligarchischen SUiguc gelenkten Geschicke des Riesenlandes durch Errichtung einer Militärdiktatur nach spanischem oder italie­nischem Dorbildc vorhanden, in i n t el l e k t u e l - l e n Kreisen vertreten Schriftsteller Sortierungen, die aus schnellere unb durch kulturelle Hebung be­wirkte Schaffung eines ft r a f f e r e n Ratio nalslaates hinauslaufen. Schließlich bewegen sich in derselben Richtung aus Umsturz der be stehenden Verhältnisse Mitglieder der herrschenden Oligarchie, die sich aus persönlichen Gründen mit ihresgleichen entzweit haben. Die soziale Frage ist zwar auch überall deutlich wahrnehm bar vorhanden, spielt aber noch keine ausschlag­gebende Rolle, wenn auch die Rebellen von Sao Paulo mit ihr gerechnet hatten.

Die Militärerhebungen waren immer gang und gebe; daß diese aber gerade jetzt so häufig und im Zusammenhang Vorkommen, ist in gewissem Sinne cm rtung der Teilnahme Bra­

siliens am Weltkriege und seiner engeren Fühlungnahme mit den europäischen Strömungen. Der leicht empfängliche Brasilianer hat unter dem Druck einer künstlich erzeugten Kriegsstimmung, deren realer Kern die Sehnsucht nach einigen Schiffen war, dem Militarismus gehuldigt, hat die allgemeine Wehrpflicht eingeführt und dadurch den Offizieren eine Macht und eine Bedeutung gegeben, so daß sie sich zur Rettung des Vaterlandes auf dem Wege der Revolution für befähigt halten. Dieser völlig unberechtigte Militarismus sowie der aus der Teilnahme an der Wctthetze gegen die Mittelmächte hervorgegangene enge Kontakt mit Frankreich und England, der sich in der hervorstechenden Teilnahme Brasiliens am Vs terbund zeigt, haben Brasilien unendliche finanzielle IS a ft c n aufgebürbet, bie ein be­deutend Mehrfaches besten barstellen, als der Ge­winn der paar deutschen Schiffe beträgt. An dem Rachbar Argentinien sehen wir, wie eine kluge Politik während des Krieges und nachher die für Südamerika so günstige Weltlage durch strenge Neutralität ausnutzt. Aehnlich konnte Brasilien, das über noch größere Zukunftsaussichten als Argen­tinien verfügt, heute auch daftehen; es brauchte nicht einen Kurs zu haben, der saft viermal so schlecht ist als der argentinische unb eine bisher völlig un­bekannte Teuerung.

Von der Kriegsstimmung ist man ja im all­gemeinen sehr schnell wieder abgekornmeii. Deutschland hat nicht den geringsten Anteil daran, daß Brasilien jetzt mit soviel Schwierig feiten zu kämpfen hat, vielmehr verschulden dies SranFreid), Amerika unb England, bie es in den Krieg hineinftießeu, unb von denen Frankreich durch Militärkommisfionen und Lieferung seines alten Kriegsmaterials den Militarismus noch besonders -förderte. Der französische Einfluß ist es auch, der ®immer noch die alten Lügen aus der Kriegszeit ab unb zu aufs Tapet bringt und die damals künstlich erzeugte» Leidenschaften zu neuem Leben zu er­wecken sucht.

Das zeigte sich deutlich, als am A u f st a n d i n Sao Paulo auch Einwanderer aus Deutschland ttilgenommen hatten. Die armen Teufel waren von den gewissenlosen Führern der Rebellen mit großen Versprechungen an Lohn und späterem Landbesitz verladt worben, unb ba ihnen das Kriegshandwerk meist noch bekannt war, gingen sie, völlig lande- unkundig. auf die Angebote ein. 3n der großen Zeitung ..Paiz" n: Rio de Janeiro aber schrieb ein brasilianischer Politiker, dessen Geistesrichtung durch französische Zitate gekennzeichnet mar. daß Deutsch land letzt mit seiner gewohnten Gründlichkeit sich auf den Massencl.port von Mördern verlegt habe Ueberschrieben waren diese Stilblüten:Der Herr Professor der Schlächterei." Zn Wirklichkeit war die 'Beteiligung deutscher Einwanderer eher ge­ringer als die andersstämmiger ixremblingc aus brasilianischem Boden, wenn man nämlich bedenkt, daß über die Hälfte aller Einwanderer im vorigen Jahr aus Deutschland kam. Unter den 120 Bänden, die die Anklogeschrist h» dem Riefenprozeß füllen, der bemnächs» in oao Paulo wegen der Julivor- gange 1924 verhandelt wird, handelt ein Band über die sogenannten .'> Fremdenbataillone im Rebellen­heer. ein italienisches, ein ungarisches unb ein deutsches. Dasdeutsche" wurde geführt von einem Dr. Plansch chinski, unb zu bieier Truppe ge­hörten neben Oestereichern unb Schweizern, die wir gern dazurechnen, noch Polen, Russen unb Tiche- dien, wie ja der Name des Führers offenbar nicht deutschen Ursprungs ist. Zwei Uniftanbc haben den Anteil der Deutschen großer erscheinen lassen, als er in Wirklichkeit war. einmal, daß sie sich bis

zuletzt, als sie teilweise von ihren Komeraben ab- ichttich bei der Flucht aus Sao Paulo zurück­gelassen waren, tapfer schlugen, unb sodann, daß die Deutschen nach alter guter Sitte ihre Gefallenen ehrten, ihre Särge mit Blumen schmückten unb sie mit dem GesangIch hott' einen Kameraden zur letzten Ruhe begleiteten. Dieser rein äußerliche Vorgang war den Brasilianern ungewohiit unb blieb beshalb besonbers in ihrem Gedächtnis haf­ten. Die übrigen Revolutionsopfer würben fang- und klanglos verscharrt.

Bleibt so von einem besonderen Anteil der Deutschen an der Revolution, bie auch von einer englischen Zeitung in Brasilien unterstrichen würbe, nichts übrig, so haben sich bei dein Uebcrgreife» der Bewegung auf bas zu gut einem Viertel vom deutschen Element bewohnte Rio gründe do S u l gerade die beutschstämmigen Brasilianer unb bie neudeutschen Einwanderer als Hüter der Ordnung erwiesen. In dem hügeligen, von Wald und Kamps bedeckten Grenzgebiet nach Argentinien zu, den drasilianisdien Missiones und der Scrra, war es der von feiten der deutschen Kolonisten gegründete S e l d st s ch n tz , der schwere Leiden für die ganze Bevölkerung verhütete. Schon als im Jahre 1923 hier örtliche politische Wirren zum Austrag kamen, hatte die rein deutsche Kolonie Reu-Württemberg einen Selbstschutz aufgefteUt, der die Kolonie zu einer friedlichen Insel machte. Dies Beispiel wurde, als am 29. Oktober 1924 plötzlich über Rächt vier Grenzgarnisonen meuterten und damit begannen, unbefdjügtc Plätze anzugreisen, zum Zweck der Plünderung der Geschäfte unb Ban­ken sowie des Raubes von Autos, Pferden und Vieh, von den anderen Kolonien nachgeahmt. Die guten andersstämmigen Elemente, Lusobrasilianer, Italiener, Letten, Schweden, Polen u. a. schlossen sich den deutschen Kolonisten an, die die Anreger und Organisatoren waren. Vielfach lag die Leitung bei ehemaligen Kriegsteilnehmern. In Reu-Würt- temberg ist der Führer des stramm militärisch ge­übten Selbstschutzes ein ehemaliger Kolonialdeut­scher aus Südwest, in einem benachbarten Mu- nizip (Streis) waren ein früherer Kampfflieger und ein Held von der Mooe die Seele der Drganfation. Es hat freilich auch nicht an einzelnen wenigen Neudeutschen" gefehlt, die inNiewiederkrieg"- Stimmung die Heimat verlassen hatten unb nun sehr entsetzt unb mißmutig waren, hier im fernen Brasilien wieberum bas Gewehr 98 im Arm Wache schieben zu müssen. Denn im November, Dezember unb z. T. noch Januar hatte ber Selbstschutz in den Kolonialgebieten fast polizeiliche Macht und zwang einfach alle, den Wachdienst zu versehen, Drahtverhaue zu bauen, Schützengräben und Wacht- häuschen anzulegen. Kleineren Banden konnte auf bie Art überall gewehrt werden. Als die legalen Truppen, die inzwischen herangerückt waren, die Re­bellen rund 3000 Mann zusammen getrie­ben hatten und diese um die Jahreswende einen Durchbruch nach dem nördlichen Nachbarstaat San­ta Catherina machten, da konnten die an den einzelnen Stellen nicht mehr als etwa 100 Mann zählenden Selbstschutzleute freilich ihnen nicht den Weg verlegen, zumal sie von den legalen Truppen, deren Führer vielfach mit den Rebellenoffizieren befreundet waren, nicht genügend unterstützt wur­den. Mit Weibern und Kindern, vielen 1000 Stück Vieh und 6000 Pferden, Autos unb Kinoopera­teuren zog der rcooltierenbe Hauptmann Prestes auch durch deutsches ftoloniftengebiet, oft plündernd, au anderen Stellen, wo die Führer des Selbst­schutzes mit ihm verhandelten, friedlich seines We­ges ziehend. Nur Bälle zu veranstalten und Pferde zu stehlen, konnten die auf leben und leben las­sen gestellten Rebellen sich nirgends verkneifen. An der Grenze von Santa Eatharina kam es dann schließlich mit diesem Räuberheer dock) zu größeren Kämpfen mit Staatsmilitär, bas die Revolutionäre zumeist zerstreute, etwa 1Q00 Mann fielen aber noch in die jenseits des Uruguay in Santa Catharina liegende, erst ein Jahr alte Kolonie Porto Feliz ein eine Tochtergründung von Neu-Württemberg, wo' etwa 100 teils eben herübergekommene Ein­wandererfamilien aus Deutschland, darunter viel Intellektuelle, leben.

Zweifellos hat der Selbstschutz in Rio graube do Sui wesentlich geholfen, daß nicht noch ganz an­dere Zustande einrrffen. Das ist auch von der Staatsregierung und von Rio graube do Sui be rcitwillig anerkannt unb des deutschen Elementes rühinend gedacht worben, während einzelnen 'Blät­tern in Rio und Sao Paulo schwül bei dem Ge­danken würbe, im Silben etwa 15 001) Deutsch­brasilianer und Reichsdeutsche unter Waffen zu wissen, unb schon wieder einedeutsche Gefahr an die Wand malten. Sie können fick) beruhigen, diese freiwilligen Ordnungshüter haben nur Brasilien gebient und wieder einmal gezeigt, daß es der Loy­alität feiner deutschstämmigen Bevölkerung unbe­dingt vertrauen kann, auch wenn nod) schwerere Verwicklungen kommen sollten.

Kunst und Wissenschast.

Hessen-Nassauisches Wörterbuch.

Hebet die Arbeiten an diesem großen Hei- inatwerlc im Zähre 1924 berichtet in den Sitzungsberichten der Preußischen Akademie der Wissenschaften Herr Pros. Wrede in Marburg:

Mit der im Berichtsjahr zunehmenden Fe­stigung der deutschen Währung konnten auch die Arbeiten am Hessen-Tlasfauifchru Wörter­buch wieder gleichmäßigeren Dahnen folgen. Die Ausarbeitung des populären Idiotikons mußte dabei etwas zurücktreten gegenüber der ständigen Prüfung und Einordnung des einlaufenden Ma­terials. Zu den Fragebogen, die in der ersten Jahreshälfte gute Erträge lieferten, lam reiche Deute aus privaten canunlimgen. Hier seien nur die wertvollen Einsendungen von Frau Prof. Hom-Gießen (2320 Zettel für Grohen-Duseck». Herrn Baurat Jacobi (505 Zettel für Homburg und llmgegenb). Herrn Mittelschullebrer Kappus (1607 -Settel, zumeist für Weisel bei Eaub>, Herrn

Lehrer Schäfer-Zimmersrobe 186O Zettel für Densberg am Kellerwaldtz Herrn etubienrat Schneider- Frankenberg> 905 Zettel, gesammelt bei seinen Schülern) erwähnt. Den geno rnten. aber aud> allen andern Heisern in Stadt und Land sei aufs neue herzlich gebmxtt. Der revidierte und stets benutzbare Apparat des Wörterbuchs umfaßt heute 187 500 Zettel

Die Eigenmarke rmseres Werkes wird in der starken Detonung deS wortgeogiaphischen Prinzips liegen. Diesem diente im letzten Sommer folgendes Verfahren, das hier mitgeteilt und zu vielseitigster Nachahmung empfohlen sei. 3m An­schluß an einen Dortrag, den ich zu Werbungs­zwecken vor dem ßebreroerem des Kreises Di eben- köpf gehalten hatte, stellte Herr LandratBreuer, ein energischer Förderer aller Heimatforschung, uns einen Platz in seinem Dienstaulo zur Verfügung, der bei den bevorstehenden Imp frosten des Kreis­arztes von Ort zu Ort noch frei sei. Das wurde gern angenommen, und so konnte an sechs ver­schiedenen Tagen in 90 Ortschaften des Kreises, während m der Schule die Impfung vor sich ging, an anderer Stelle des Ortes jedesntal die DeanlWartung derselben Wohl überlegten 75 lexi lalifchen Dialektfragen eingeholt werden. Dem Herrn Landrat und seinen hilfsbereiten Bürger- meistern sei auch an dieser Stelle Dank und An- crlcmiung für die der Wissenschaft geleisteten Dienste ausgesprochen. Der Kreis Biedenkopf marschtert jetzt in wort geographischer Erkenntnis an der Spitze der Wörterbuchbezirke und bei ber erreichten Vollzähligkeit wohl an der Spitze der deutschen Dialektkandschaften überhaupt.

Das Ende der Quäkerspeisung.

Vom städtischen Wohlfahrtsamt, Abt. Jugend­amt, wird uns geschrieben:

Mit dem Abläufe des Schuljahres findet auch eine Einrichtung ihr Ende, die feit vielen Jahren großen Segen unter unserer Jugend gestiftet hat, die amerikanische Kinderspeisung.

Schon während des Krieges wurden in den Amerika verbündeten europäischen Ländern ftinber durch den European Chlldren's Fund (Europäischer Kinderfonds) gespeist. Im November 1919 machte der Leiter dieser Speisungen, Herbert Hoover, der Religiösen Gesellschaft der Frepnde (Quäker) von Amerika das Angebot, die Kinderspeisung auch in Deutschland durchzuführen. Die Quäker haben, dieses Werk gern übernommen unter der öffentlich be­kanntgegebenen Voraussetzung, daß es außer einer bloßen Speisung zugleich eine wirkliche Botschaft des Wohlwollens und der Ermutigung von Ame­rika an das deutsche Volk zur Zeit seiner schmerz­lichen Prüfung sein sollte. Die Basis des Werkes, so teilten uns die Quäker damals mit, war durchaus religiös. Es war ein Versuch, den Glauben der Religiösen Gesellschaft der Freunde, daß dauernd Gutes niemals durch Krieg und Gewalt, sondern nur durch Liebe und Dienen verwirklicht werden kann, praktisch zu betätigen unb die wesentlichen Grundsätze des Christentums auf die gegenwärtige Wettlage zur Anwendung zu bringen.

Im Jahre 1920 begannen die Speisungen in den deutschen Großstädten. Am 10. Januar 1921 wurde in Gießen imGasthof zum Löwen" die Speisung eröffnet. Die ehrenamtliche Leitung der Speisungen übernahm Frau Johanna Haas. Sic hat dieses arbeite- unb oerantwortungsreiche Ehren amt unter schwierigen äußeren Umftänben bis zu ihrem Tobe am 22. Februar 1922 in Treue unb Gewissenhaftigkeit recht im Sinne ber Begrünber des Werkes geführt. Ihre Nachfolgerin war Frau Martha Asch, bie bis jetzt im gleichen oinnc wie ihre Vorgängerin ihres Amtes gewaltet hat. Unter­stützt würbe bie Leiterin durch Gießener Samen, die ihre Zeit freiwillig und uneigennützig dem Liebeswerke an unseren Kindern opferten. Die Verwaltung der Speisung wurde beim städtischen Wohlfahrtsamt geführt. Geschäftsführer war Ver- waltungsamtmann Keitzer. Beschlußfastende Kör­perschaft war ein Ausschuß, nach den Vorschriften der Quäker zusammengesetzt, derAusschuß für die amerikanische Kinderhilfe in der Stadt Gießen". Er' stand unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Frey unb bestaub aus Vertretern ber höheren Schulen unb ber Volksschulen, ber Aerzteschaft, ber Geistlichkeit unb der Organisation ber freien Liebes­tätigkeit, ber politischen Parteien, ber Gewerkschaften unb ben Fürsorgerinnen.

Währenb ber gesamten Speisezeit vom 10. Ja­nuar 1921 bis 28. März 1925 finb an 897 Speise­tagen 1005 941 Portionen ausgegeben worben.

Diese verteilen sich auf die Teilnehmer wie folgt:

Kleinkinder 147 180 Portionen,

Schulkinder 797 455

Mütter 61 300______

Zusammen 1 005 941 Portionen.

Die Herstellung dieser Portionenzahl bedingte den 'Verbrauch von 137 Zentner Fett, 253 Zentner Zucker, 59 Zentner Kakao, 76 Zentner Bohnen, 143 Zentner Reis, 7,50 Zentner Haferflocken, 6,25 Zentner Nudeln, 9 Zentner Eorned-Beef, 24,50 Zentner Maisgrütze, 636 Zentner Dosenmild) und 1096 Zentner Mehl. Nach den heutigen Groß Handelspreisen stellen die genannten Mengen einen Gesamtwert von rund 132000 Goldmark dar.

Anfänglich wurden die Speisen in den Räumen desGasthauses zum Löwen" zubereitet. Am 25.8. 1924' wurde bie Küche in das ehemalige Garnison­lazarett, Braugasse, verlegt.

Die höchste Teilnehmerzahl wurde im Sommer 1924 erreicht, wo täglich 1197 Personen gespeist wurden. Die Sommerspeiseperiode 4924 gipfelte in dem Kinderfest, das am 24. September 1924 auf der Liebigshöhe ftattfanb unb an bem über 1200 Schulkinber teilnahmen, um für bas menfchen- freunblichc Werk ihren Dank barzubringen.

Die Speiseperiobe im Winterhalbjahr 1924 bis 1925 begann am 10. November 1924. Sic um­faßte 16 Wochen, an denen täglich 815 Kinder im

Alter von 614 Jahren, 275 Kinder tm Atter von 26 Jahren und 50 werdende ober stillende Müt­ter gespeist wurden. In den einzelnen Speisestellen nahmen teil:

Bezirksschule 220 Kinder von 614 Jahren, Stabtknabenschulc 315 614

Sladttnädchenschule 280 614

Kleinkinderschule 130 26

Volkskindergarten 70 26

Mütterspciscstelle 60 ,, 26

(Braugasse) und litt werdende ob. still. Müttek zusammen 1125 Teilnehmer.

Die Gesamtausgaben während des Winterhalb­jahres betrugen 3751,2« Mk., denen bie Einnahmen in Höhe von 3551,86 Mk. gegenüberstehen, so baß die Stadt einen Zuschuß von 199,42 Mk. leisten muß.

Es ist zu bemerken, daß durch die Spenden des Auslandes die Lebensmittel selbst aufgebracht würben. In Deutschland wurde der für die Be­förderung, für die Verteilung unb ^Übereilung erforberlid)c Betrag aufgebracht. Es geschah die» z. T. burd) bie sog. Elternbeiträge, die zuletzt in Gießen in ber Woche 20 Pf. betragen haben. Den ungebeeften Zuschuß hat die Stobt getragen.

Die Quäker haben nicht immer bie Leitung ber Speisungen innegehabt. Im Jahre 1922 zagen sie sich davon zurück, inbem sie die lieber,Beugung aus- sprachen, daß nunmehr die deutsd)en Verwaltungs­stellen, deren Tätigkeit sie bewundern gelernt hät­ten, allein in der Lage seien, die Speisungen fortzu- führen. Sie selbst wandten sich dem Hungergebiet in Rußland zu . Die Lebensmittel wurden nun nicht mehr von den Quäkern gestiftet, sondern durch Sammlungen unter den Deutsch-Amerikanern auf- gebracht. Als jedoch im Jahre 1923 bie 'Jlot aufs Höchste flieg, nahmen bic Quäker ihre Tätigkeit wie­der auf. Ganz Amerika, nicht nur bic Deutsch-Amc rilancr, sondern gerade auch hervorragende Anglo- Amerikaner forderten öifentlid) auf, die Liebestätig­keit für die deutschen Kinder wieder aufzunehmen. An erster Stelle ist hier dankbar der General Allen, der frühere Dbcrtommanbierenbe der amerikanischen Truppen in Koblenz, zu erwähnen. So wurde cs möglich, daß in der besonderen Notzeit auch be­sonders reiche Hilfe kam.

Mit Ablauf des Sommerhalbjahres 1924 waren die Sammlungen in Amerika beendet, und es wurde die Quäterspcisung zum großen Teil in Deutschland eingestellt. In Gießen ist es dank vorhandener Vorräte möglich gewesen, die Speisung noch bis jetzt fortzuführen.

In ben stäbtischen Voranschlag für 1925 ist ein Betrag eingestellt, ber cs ermöglichen sott, dem größten Teil ber an der Quäkerspeisung betei ligten Kinder ein Frühstück aus Frischmilch unb Brötchen zu gewähren, in ähnlicher Weise, wie das vor dem Kriege schon geschehen ist. Da bic Stabtvcr. orbnetcn Versammlung ihre Mitwirkung noch ni< versagte, wenn cs galt, unseren Kinbern zu Helsen, so ist' bestimmt zu hoffen, bckß biescr Teil des Vor- anschlags Genehmigung finden wird unb bic Spei­sung in bieser Form weitergeführt werden kann.

In der ersten Sitzung des Ortsausschusses am 19. März 1925 wurde ein UeberbHrf über den ge­samten Verlaus der Speisung und insbesondere über den im letzten Halbjahr gegeben. Besonderen Dank wurde Frau Martha Asch und ben Dasneu aus­gesprochen, die ehrenamtlich geholfen haben. Da seine Aufgabe erledigt ist, löste sich der Ausschuß nunmehr auf.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter SenderS.

(Aus ber'Radio-Umschau*.)

Mittwoch, 8. April:

1045 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 12 Uhr! Aachrichtendienst 3 unb 4 Uhr: Wirtschaftsmel- bringen. 4 20 Uhr: Nachrichtendienst. 4.30 Uhr: Kinberstunde. 5.30 bis 7 Uhr: Rachmittagskon- zert bes Hausorchestevs Mendelssohn. 1 Oul>. zSominernachtslraum", 2. Frühlingslied (Lied ohne Worte), 3. Gesang. 4. Quv. ..Die Heimkehr aus der FreiiBe", 5. Gesang. 6. Venezianisches Gondellied, 7. Hochzeitsmarsch a. b.Sommer* nachtslraum". 7 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7 30 Uhr: Steiwgraphischer Fortbrldungs- türsus für alle Systeme (Diktat von 80 SilbeU aufwärts). 7.30 bis 8 Uhr: Funkhochschule. Paul Vetter: .Musikgeschichtliche Wandlungen". 17. Vortrag .Rationale Strömungen in Konzert und Oper". 8 bis 8.30 Uhr: Vortragszyklus ber 3iv» buftrio unb Hanbelskammer Frantturt a. M-» Hanau:Jur Frage des Finanzausgleichs zwi­schen Reich, Ländern unb Gemeinden". Referent:- Reg -Rat a. D. Dr. Keck. 8 30 bis 9.30 Uhr. Vioiin-Duos. 1. Sonate für 2 Violinen mit be­ziffertem Baß von G F. Händel, 2. Konzert für 2 Violinen in l l°Moll op. 88 von L. Spohr. 9 30 Uhr: Rachrichtenbienst, Wettermeldung, Sportbericht. 10 bis II Uhr: Konzert des Blaser, chors des Wartburgvereins.

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