NHz
Hin
426
• an 5«
lösen.
1154
531
75S
an 603 „ 821 . 13» ° 62
an 736 „1016
. 505 „ 931 „1030
• an 541 ■ . 8<o
• • 854 • .1140 • . 222 • . 526
• ■ 524 • . 63.1
an 500 . 9% „ HA . 504 ° 7« - . 9«
.. an 62» . . „ 633 .. „1225 .. „ 1» . . „ 215 ... KL ' • • „ 415 ■ • ■ „ 601 ... „10M •• . 921 .. „1<C
456 r)Un9C« & ?Ungert ert^OUBge«
) aio «t»-., l8-
, fiFi L^bn-g
. 425
JJ ?nS
' 5 Na . '
' “Na."
' ; ° Na ;.....
- Na ......
’ 812 Dlibba.......
‘^ÄÄ......
"Lotten.
' Sdjotten . schalten o« Schotten S c?Ollen ...'.'.
Scholten .., 'Uw-SSidda. °5- Nidda • "Vj ’Jlibba
Nidda ......
• b" Nda.......
""i-Lauterbach.
ib 4« Lauterbach » bw ifitbetn . ■ 915 Tidern .
• 125 Bedern
■ 2« Dttenberg..' „ 2is Lauterbach ,. , 3-i Gebern
■ b3) Oberieeinen.. . 7^ Lauterbach .. , 836 E^ern .,,. . Gebern .... bach—Ltockheiin.
Huiigetz
Zungen 123 ^bach ... Zungen
^lonbets u „
,e«t.(sUn «krage h.
L bonn^?°nlnirn.
?n §Un9tn . t ^U1'8tit.
b 5« Slodil)tim.....an 653
. 5« Stockheim.....„ M
„ 7». Gedern......ji».
,1253 Stochhem....... ’47
. 25« 5to6heim...... 310
, 3°» 5lackheim......ßoi
, 6« Gedern....... 7Ü
, 725 Stockheim...... 8Öi
cor Sonn, un» Erlagen t en Skritcgen not Sonn. u. Feiertagen. Samstags
rwcchs u Samstags.
tticim-t'ilbcl.
ab 406 Vilbel.......an 5^
. 453 Vilbel........6’5
, giö Vilbel........ 9»
207 Vilbel........325
" 6L Vilbel........7«
239
102« 1149 , 1"
3" 9® IO*
an 6M 701 ; 930 , 25‘ . J46
72 752 : E
iel—Stockheim.
ab 622 Stockheim
625 Heldenb.-Winbeck.
' W 5tockheim.....
]06 Stockheim.....
' 427 Stockheim.....
’ 531 Stockheim.....
’ 023 Stockheim.....
§iy Stockheim.....
' 7$. Kirchham 904 Kirchhain
irg.u. 51icMr.®<““"be";
gi.u.Mtiniinbenanb» ^LL-mnben.SU ' 113 Wer-oMden-- - x • V I.uL.'GeMndEN , * ' 3 n.^emünbon,
• 5 Mber-Osliib-n.. .
lb»)2 Philippstem-. " ° g57 6 027 Philipp^!"' ' ' °ll40 ’llio ’PWKtift': : 20° ' t40 Braunfels SM. 3l8 ' 94.; Philippi'^ ° 5'0 - Jw Philipp"!'''''' , 73J " 7oi Vb'lipps"!"" " 812
- 72 * i
WZ" MW
er-8cmüuden—Kirchhain.
ab 653 Kirchhain.....an 1
930 Kirchhain .. -
' 1055 Kirchhain . - - " 1212 Vieber-osleiden
Kirchhain .. •
an 7* 1250
' 315 * 605 " 920
bahn-
' h ti) Sieben ' 1^ eilK'
•tf- Gießen - • «0 Gießen - ' g«> Gießen •
Nr. 234l Erster Blatt <d
175. Jahrgang
Dienstag, 6. Moder 1925
Ericherm täglich, autzer Sonn» und Feiertags
Beilagen:
GießenerFamilienblätter Heimat im Bild.
Monatr-Bezvgrpreir:
2 löoldmark u 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anfchlüste: -»chriftleitung 112, Verlag undGeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeiarrSiehen.
Postscheckkonto: Sranffurt a. M. 11686.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
vnick und Verlag: vrühl'sche UniverfitS1§-Vuch- und Ztelndruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchul'ttahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne» KIome»An;eigen v 70n m Breite 35 Gold Pfennig, Platzvorfchrift20" .Aufschlag. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr.Friedr Wilh Lange; für den übrigen Terl: Ernst Dlumschem,. für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen
Die Eröffnungssitzung in Locarno.
Es ist nicht viel, was man von der ersten Sitzung der neuen „Friedenskonferenz von Locarno" erfährt, das offizielle ®ommumqu6_ ist absichtlich sehr allgemein gehalten und beschrankt sich eigentlich mit einer Inhaltsangabe der Er- öffnungsrede Chamberlains, um dann nur kurz festzustellen, dast der Londoner Entwurf der Sachverständigen als Grundlage der Besprechungen benutzt werden soll. Einzelne Punkte sind den Sachverständigen zur wetteren Durchberatung überwiesen, einzelne sind bereits angenommen, und emzelne behalt sich die Konferenz selbst vor, vermutlich alle dre- jenigen, die den politischen Charakter des ganzen Vertrages bestimmen. Aber eben wett sie so wenig Sachliches zu berichten haben schildern uns die zahlreichen Sonderberichterstatter die Aeußerlichkeiten in aller Ausführlichkeit Wir erfahren, dast sämtliche Herren im einfachen Iackettanzug erschienen sind, dast Herr Dr. Luther und Dr. Stresemann sehr ernst ausgesehen haben, während Staatssekretär Schubert „heiter lächelnd, mit der Zigarre im Munde" dem Auto entstieg während am Schluß der Sitzung sämtliche Herren sich dem Kreuzfeuer der Photographen in den Weg stellten und sehr vergnügt aussahen. Halten wir dazu noch die sensationelle Meldung, daß der englischen Delegation von einem Fuhrunternehmer in Locarno ein Automobil zur Verfügung gestellt ist, dessen Motor für ein deutsches Flugzeug bestimmt war, dann ist eigentlich die Auslese aus den spaltenlangen Berichten schon erschöpft. •
Das ist reichlich wenig, entspricht aber der bei allen Delegationen bestehenden Absicht, möglichst wenig Aufhebens von dem Auftakt der Konferenz zu machen, und alles, was noch Etikettefrage aussehen könnte, beiseite zu lassen. Deshalb hat auch Herr Chamberlain den Vorsitz geführt, obwohl nach der internationalen Reihenfolge eigentlich Deutschland an der Reihe gewesen wäre, da bei solchen Gelegenheiten lisch der französischen Schreibweise gerechnet wird, bei der „Allemagne" immer obenan steht. Ob es freilich auf die Dauer möglich sein wird, überhaupt ohne irgendeinen Vorsitzenden auszukommen, ist einigermasten zweifelhaft; das würde eine sehr freundschaftliche, reibungslose Aussprache voraussetzen, und die Liebenswürdigkeiten der Eröffnung dürfen doch nicht darüber hinwegtäuschen, dast die sachlichen Gegensätze vor der Hand noch in alter Schärfe bestehen.,
Wir wollen deshalb auch nicht untersuchen, wie es möglich war, dast die tschechische und polnische Fahne zusammen mit den Flaggen der übrigen Staaten über dem Konferenzsaal wehte. Das könnte eine kleine Spitze gegen die deutsche Delegation sein, die auf diese Weise feft- gelegt werden soll für die Teilnahme der Polen und der Tschechen an der Konferenz. War das die Absicht, dann wird sie zweifellos mihlingen; Deutschland bleibt darauf bestehen, Last es sich zunäch st nurmitdenWe st machten auseinanderzusetzen hat. Gelingt es hier, zu einer Verständigung zu kommen, die auch unseren Wünschen gerecht wird, dann würde allerdings von uns aus nichts mehr im Wege stehen, um späterhin - aber gewissermaßen in einer zweiten Konferenz — auch die Tschechen und Polen zuzuziehen, um mit ihnen über Schi e d s - gerichtsverträge zu beraten, die ober tn- sofern einen wesentlich anderen Charakter haben, als Deutschland sich ja gerade Vorbehalten will und must, jederzeit unter Ausschaltung kriegerischer Maßnahmen die Reufestsetzung der deutsch-polnischen Grenze zu beant-
tragen.
3n dieser Lebensnotwendigkeit Deutschlands liegt ja die gefährlichste Klippe für die ganze Konferenz. Bisher sind noch keinerlei Airzetchen dafür sichtbar geworden, daß die Westmachte allein bereit sind, hier den deutschen Wünschen entgegenzukommen. England freilich rst mehr desinteressiert und hat in seiner Presse offen ausgesprochen, daß der.Korridor ebenso rote die Teilung Obers ch kostens auf die Dauer u n ha l t b a r e K o n st r u k t t o n e n ,tnd. Frankreich dagegen will offtztell Polen mcht fallen lassen und klammert stch mit aller Macht an der Auffassung fest, daß es zwar die deutsch- französische Grenze sich mit englischer Hilfe garantieren lassen will, daß es aber an der deutschen Ostgrenze selbst als Garant a u f t r i t t und dadurch lederzett die Möglichkeit hat, in deutsch-polnische Auseinandersetzungen sich mit seiner gesamten HeerEmacht zu unseren Hngimften einzuschAen. Gibt Frankreich in diesem Punkte nicht nach dann ist nicht zu sehen, wie überhaupt ein befneoigenbet Ausgang der gesamten Konferenz möglich fern soll denn das würde darauf hinauslaufen, daß unsere Lage in der Mitte Europas künftig noch u n g ü n st i g e r ist als heute. Dazu aber sind wir nicht auf die Konferenz gegangen, wir wollen nach unseren Kräften gern dazu beitragew anstatt drs bewaffneten Friedens einen wirklichen Frieden zu schaffen, der ja auch für uns die Doraussetzuiig zur freien Entfaltung unserer Kräfte ist. Ein Bertragswerk aber, das auch jetzt wieder uns alle Lasten, der Gegenseite Ägen alle Vorteile sichert, kommt für uns in Betracht. Vom deutschen Standpunkt aus kann das gar nicht oft genug gesagt werden, roeil die Möglichkeit eines Scheiterns der Konferenz doch besteht und wir nachher nicht die Verantwortung dafür tragen wollen.
Sitzungsbericht.
Locarno, 5. Oft. (SU.) Schon von lOÜIjr morgens an ist die Umgebung des In st tz - palastes, in dem um 11 älhr die erste Sitzung stattfindet, abgesperrt. Der Zutritt zu dem Palast ist nur den Mitgliedern der Delegation gestattet. Als Konferenzsaal ist ein geräumiger Raum in der ersten Etage vorgesehen, der durch einen mächtigen metallenen Kronleuchter geziert wird. Ein großer viereckiger Tisch steht auf einem Perserteppich. An jeder der vier Seiten sind vier Stühle aufgestellt für die Außenminister und ihre nächste Begleitung. Wohl ist auf Briands Wunsch vermieden worden, ein Oben in der Rangordnung zu schaffen. Kleine Tische an den Seiten des Saales sind für die übrigen Mitglieder der Delegation reserviert. .Unter den Fenstern des Sitzungssaales hängen die Fahnen der an der Konferenz beteiligten Mächte, nach dem französischen Alphabet geordnet. Sogar die polnische und tschecho-slowa- kische Fahne sind seltsamer Weise angeordnet, obgleich nach allgemeiner Auffassung ihre Vertreter unter das wartende Publikum gehören.
Die Ankunft der Sensationen.
Als erster trifft um 10.45 Uhr Chamberlain mit seinem Kabinettschef und seinem Privatsekretär in einem auffallend schweren Wagen aus gehämmertem Aluminium ein, umlagert von einer Menge neugieriger Journalisten. Dann erscheinen die Vertreter der Schweizer Regierung unter der Führung des Syn - dikus von Locarno. In kurzen Abständen folgen die Mitglieder der anderen Delegationen. Die Belgier kommen zu Fuß, Van derde l d e im Bratenrock und Schlapphut, ferner erscheinen die Italiener, Senator Scia- loja und Unterstaatssekretär Gr an di. Dann folgt die französische Delegation mit Driand. Um 11 Uhr fahren die neuen Mer- cedeswagen der deutschen Delegation vor. Im ersten Wagen haben Reichskanzler Dr. Luther, Außenminister Dr. Stresemann, Staatssekretär Kempner und Reichs- Pressechef Dr. K i e p Platz genommen. In kurzen schwarzen Röcken mit gestreiften grauen Hosen und weichen schwarzen Hüten steigen sie langsam die Treppe hinauf, an der Spitze der Kanzler mit sehr ernstem Gesichtsausdruck, Stresemann einen halben Schritt hinter ihm. Im zweiten Wagen folgen Staatssekretär v. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus. Die Herren begaben sich in den Konferenzsaal, wo sie in folgender Ordnung Platz nahmen: In der Mitte der Tafel saß der Syndikus von Locarno, R u s k a , ihm gegenüber Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann, rechts von dem Syndikus Chamberlain und S c i a l o j a , links Driand und Dandervelde.
Der Shndilus dvn Locarno
hieß die Diplomaten herzlich willkommen: „In meiner Eigenschaft als Bürgermeister dieser Stadt," so erklärte Herr R u s k a, „habe ich die Ehre, Sie zu begrüßen, eine Ehre, die meiner bescheidenen Person nicht zukommt und mir eine Pflicht auferlegt, der ich mich nicht entziehen kann. Locarno entbietet Ihnen feine ehrfurchtsvolle Dankbarkeit, da Sie es durch Ihre hohe Güte zu dem Ort Ihrer Konferenz auswählten und so seinen Ramen mit dem erhabenen Werk verbinden wollen, das Sie hier zu beenden beabsichtigen. Sie gestatten mir, Ihnen meine Wünsche dahin auszusprechen, daß Ihre edlen Anstrengungen von vollem Erfolg gekrönt sein mögen."
Im Ramen der Delegation antwortete Chamberlain
hierauf mit folgender Ansprache: „Der Empfang, den Sie uns im Rainen der Stadt Locarno bereitet haben, hat mich tief berührt. Ich glaube damit das Empfinden aller derer auszudrücken, die in diesem Saale vereinigt sind. Es ift- nicht das erste Mal, daß ich Ihr edles und schönes Land besuche, älngezählte Male habe ich hier in der Vergangenheit Ruhe nach den Arbeiten und Schwierigkeiten des Alltagslebens gefunden. Als ich gestern vormittag von neuem in Ihre lachenden Täler fuhr und die Gipfel ihrer majestätischen Berge erblickte, habe ich mich gefragt, weshalb das heute noch leidende Europa nicht auch die Erleichterung finden sollte, die es notwendig hat, nach der es sich mit all feinen Fasern sehnt und die es gegenwärtig in höchstem Maße verdient. Das schöne Schweizer Land, so habe ich mir gesagt, wird uns den Erfolg unserer Aufgaben sichern."
Meine Herren! Wir haben keineswegs durch Zufall auf der Suche nach einem Zusammenkunftsort, wo wir diese für die Geschicke Europas so wichtige Erörterung führen könnten, übereinstimmend unsere Blicke nach der Schweiz gerichtet. Durch ihre Tradition, durch ihre Geschichte ist sie das Land der D e f r i e- digung und des Friedens. Es wäre überflüssig, meinerseits an all die Dienste zu erinnern, die die Schweiz der Menschheit schon geleistet hat. Diese finden in der ganzen Welt Anerkennung. Wiederum kommt die Schweiz uns zu Hilfe. Von diesem Augenblick an hängt es nur noch von uns ab, uns der Ehre, die uns angetan wurde, der ' Freundschaft, die uns bekundet wurde, würdig zu erweisen. Roch einmal lege ich Wert darauf, Ihnen in meinem Ramen und ich glaube sagen zu können im Ramen aller hier Vereinigten, die Empfindungen der Dank
barkeit auszusprechen, die uns erfüllen. Den herzlichen Empfang nehmen wir als günstiges Vorzeichen und legen Wert darauf, Ihnen, Herr Bürgermeister, dafür zu danken."
Bürgermeister R u s c a verc.bfchiedete sich alsdann von seinen Gästen. Vor Eintritt in die Arbeiten der Konferenz wurde beschlossen, der schweizerischen Bundesregierung telegraphisch den Dank auszusprechen für die Gastfreundschaft und die freundliche Aufnahme, die den Delegationen in Locarno zuteil geworden fei.
Daraus eröffnet Chamberlain die eigentliche Sitzung mit folgender Ansprache:
Dem einstimmigen Wunsch entsprechend, den Sie freundlichst geäußert haben, habe i ch die Ver- antroortung dafür übernommen, unsere erste Zusammenkunst einzuberufen, da irgendjemand unter uns notwendigerweise die Initiative dazu übernehmen mußte. Ich wünschte, daß diese Unterhaltungen einen s o freien und s o wenig formalistischen Charakter wie möglich bewahrten. Sobald wir die großen Linien unseres großen Vorgehens festgestellt und unsere Dispositionen für die Einberufung der Zusammenkunft getroffen haben, erlaube ich mir anzuregen, daß wir auf die Förmlichkeiten eines Vorsitzes verzichten und uns auf dem Fuße vollständiger Gleichheit treffen, wobei jeder nach bestem Können für den Erfolg unseres gemeinsamen Werkes beiträgt, das den Frieden und die Wohlfahrt Europas anstrebt."
Die einzelnen Delegationen brachten sodann den Geist der Aufrichtigkeit und des guten Willens zum Ausdruck, mit dem sie an die gemeinsame Arbeit Herangehen. Es wurde einstimmig beschlossen, von einer Generaldiskussion abzu- sehen und sofort in eine Erörterung der einzelnen Artikel des von den Rechtssachverständigen in London auSgearbeiteten Paktes einzutreten. Hinsichtlich einiger Artikel, gegen deren Fassung Widerspruch nicht erhoben wurde, konnte sofort älebereinstimmung fest- gestellt werden. Andere Artikel gaben zu Ergänzungsanträgen Veranlassung. Diese Anträge wurden den Iuristen zur eingehenderen Erörterung überanefen. Schließlich wurden einige weitere Artikel der internen Erörterung der Konferenz Vorbehalten.
Rach Schluß der Sitzung verlieh zunächst die französische Delegation dasIustiz- gebäude unb hielt mit gutem Humor dem Schnellfeuer einer großen Schar von Photographen stand, wobei Driand durch einige scherzhafte Bemerkungen beifälliges Gelächter erzielte. Als zweite folgte die belgische Abordnung, geführt von Dandervelde, dicht dahinter die deutsche Delegation, bei deren Erscheinen sich das Knipsen zu einem wahren Massen- a n g r i f f verdichtete. Die allgemeine Zwanglosigkeit, der Verzicht auf Vorsitz und Geschäftsordnung, die gegenüber herkömmlichen Konferenzen geringe Feierlichkeit der Zusammenkunft, haben eine verhältnismäßig helle Atmosphäre geschaffen.
Beratung der Juristen.
Locarno, 6. Okt. (T. U.) 21m Montagnachmittag um 3 Uhr traten die juristischen Sachverständigen Dr. Gauß, Fromageot, Hurst, Rollin und der Vertreter der italienischen Delegation zu einer Sitzung zusammen, um die juristischen Fragen des Entwurfes weiter zu bearbeiten. Nach der offiziellen Sitzung hat bis zu einem Grade auch die erste persönliche und politische Fühlungnahme ftattgefunben. Von maßgebender Seite erfahren wir, daß die d e u t s ch e D e t e g a t i o n mit dem Verlauf der ersten Sitzung recht zufrieden ist, trotzdem in den gestrigen späten Abendstunden ein heftiger Kampf um das Tempo der Konferenz vorherging. Die alliierten Delegationen, darunter namentlich die Franzosen und Engländer, hatten nach Informationen aus englischer Quelle die Absicht, das Tempo stark zu beschleunigen, also gewissermaßen die Deutschen zu überrumpeln. Natürlich wurde diesem Versuch von deutscher Seite heftiger Wider st and entgegengesetzt. Es ist anzunehmen, daß die Weiterberatung der j u r i st i ° s ch e n Fragen zunächst einen großen Raum der Verhandlungen einnehmen wird.
Die Arbeitsmethode darf als recht glücklich beze»ck)net werden. Das Fortschreiten von leichteren zu den schwierigeren Problemen ist geeignet, von vornherein eine Atmosphäre der Der - ständigung zu schaffen, die sonst nur schwer erreichbar wäre, wenn sofort mit den schwierigsten Problemen begonnen worden wäre, ü6er die eine Einigung erst langsam erzielt werden kann.
Cs war ein guter Gedanke, die Sachverständigen bereits am ersten Tage ju einer Besprechung Zusammenkommen zu taffen und ihnen als leicht zu tosende Aufgaben diejenigen Paragraphen des Londoner Sachverständrgenproto- kolls zu einer neuen Beratung zu überweisen, bei denen es sich nur um formale Aragen und um neue Fassungen handelt.
Der nächste Schritt wird bereits etwas schwieriger sein, denn es handelt sich hierbei schon um Gegen- stänbe politischer Natur, die aber keinen grundsätzlichen Charakter tragen. Man darf annehmen, daß die Lösung dieser Fragen einige Tage in Slnspruch nehmen wird. Nach der in der Vormittagskonferenz getroffenen Dreigliederung der zu beratenden Probleme werden die Sachverständigen als dritten Tell ihrer Aufgaben diejenigen Probleme
zu bearbeiten haben, über die ein# grundsätzliche Einigung zu erzielen fein wird, ja von denen es heute noch fraglich erscheint, ob eine Lösung in der ersten Konferenz von Locarno gelingen wird. Zu diesen Problemen gehören vor allen Dingen die Fragen des Abschlusses der O st o e r t r ä g e und des Eintritts Deutschlands in den Völker- bunt). Wie erinnerlich, nimmt Frankreich die Garantierung der Ostverträge für sich selbst in Anspruch, während von deutscher Seite die Absicht vorliegt, diese Ausgabe dem Völkerbund zu erteilen. Man versteht nun auch, warum die Tschechoslowakei und Polen mit ihrem Eintreffen in Locarno bisher gezögert haben. Sie halten ihre Anwesenheit erst in dem Augenblick für notwendig, wo die sie persönlich berührenden Fragen Gegenstand der Beratungen bilden werden. Auch der § 16 des Dölkerbundspaktes darf in die Kategorie derjenigen Gegenstände eingereiht werden, für die man fürs e r ft e noch keine Lösung siebt. Der Optimismus, der am ersten Tage so offensichtlich von allen Delegierten zur Schau getragen wird, darf daher nur als gutes Omen aufgefaßt werden. Die Schwierigkeiten werden sich wohl in der zweiten Woche einstellen.
Leichte Indisposition Dr. Stresemanns.
Die für Dienstag vormittag 10.30 llfjr angc- sehte Sitzung der Konferenz ist verschoben worden. Die Verschiebung ist wegen einer leichten Indisposition des Ministers Dr. Stresemann erfolgt, die auf die Auswirkung des Klimawechsels zurückzuführen sein dürfte und voraussichtlich am Dienstag behoben fein wird.
Empfang der Presse bei Chamberlain.
Berlin, 5. Ott. ($1L) Der englische Außenminister Austen Chamberlain empfing die in Locarno anwesenden Pressevertreter des Ausländes. Aus den gestrigen Erklärungen der deutschen Vertretern hätte er denselben guten Willen herausgelesen, der ihn selbst bestreit. Gr begrüße es, daß nach den gestrigen Erklärungen des Herrn Stresemann die Berliner Verhand- lungen mit Tschitscherin keinesfalls diese Konferenz belasten. Er stimme der deutschen Regierung zu, die die Pflicht gehabt habe, den russischen Außenminister zu empfangen, zumal dadurch die Entwicklung der Ostfragen gefordert worden fei.
Chamberlain unterstrich ferner die Bedeutung der Tatsache, daß so kurz nach dem Abschluß eines Dölkerringens die führenden beiderseitigen Staatsmänner sich zu einer freundschaftlichen De- fprechung zusammensärrden. Zweck und Aufgabe der Konferenz sei eS, die Bitternis des Krieges unter den Völkern zu beseitigen, die durch den Krieg hervorgerufemm Leiden zu beheben und die Versöhnung unter den Rationen anzubahnen. Der Frieden dieses schönen Stückcherrs Erde sei hoffentlich eine Garantie für den guten Verlauf der Konferenz. Es liege allerdin^ im Wesen einer derartigen Konferenz, daß Schwierigkeiten vorhanden seien, dock hoffe er, daß sie sich werden überwunden taffen. Er gebe der dringenden Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen nicht von außen gestört würden.
Italien aus der Paktkonserenz.
Locarno, 5. Ott. lTTl.) Senator Scia- l v j a , der Führer der italienischen Delegation, enrpflng am Montag vormittag einige italienische Pressevertreter, denen er folgende Mitteilung machte: Die italienische Regierung habe nicht die Absicht, die Frage der Sicherung der Brenner-Grenze auf der Locarnoer Konferenz aufzuwerfen, da sie sie nicht zum Gegenstand eines Handels machen wolle. Wenn eine re st lose Einigung zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland erzielt werden sollte, die Gewähr für einen sicheren Frieden bieten würde, so wäre die italienische Regierung bereit, ihre Unterschrift unter ein derartiges Abkommen zu setzen.
Polen und Tschechen auf dem Wege nach Locarno.
Prag, 5. Okt. (TA.) Der tschecho-slowattsche Außenminister Bene sch, der am Dienstag mit seinem juristischen Sachverständigen und seinem" Sekretär nach Locarno abreiste, erklärte in einer Hnterrebung, daß die Sicherheits-Konferenz erst Ende der Woche die tschecho- slorvattsch-deutsche Schiedsgerichtsfrage beraten wird. Er hege volle Hoffnung auf ein gutes Gelingen. Auch der polnische Außenminister S k r z y n s k i ist nach Locarno abgereist. Er wird von folgenden Personen begleitet. Mora w s k i, Polens Vertreter beim Völkerbund, dem Brüsseler Legationsrat Michelstein, die Referenten im Außenministerium L i p s k i und K o r m a n i d i und dem Berliner Gesandtschaftsrat Iaskobski.
Die englische Presse zur Konferenz.
London, 6. Oft (W.T.B. Funkspruch.) Die Morgenblätter beschränken sich im wesentlichen auf die Wiedergabe der Berichte ihrer Sonderkorrespondenten und der Rachrichtenagenturen aus Locarno. Alle Meldungen heben die, optimistische und herzliche Stimmung hervor, die auf der Konferenz herrsche. Die Rachricht von Stresemanns leichter Erkrankung erregt Bedauern, doch


