Einzelbild herunterladen

voiinerstag, o. August (925

«iezener Anzeiger (ivenerat-Anzeiger für Gderhe»e>i,

Nr. (82 Zweites Blatt

meister Mar Möckel Vorbehalten, in jahrelang« GrfDdcbung des Problems baS eigentliche Geheim- nis der italienischen Meistergeigen zu lösen. Wie Dr. Alfred Dradenwitz in der Leipziger .Illustrier­ten Zeitung' berichtet, kam Möckel au' den Gedanken, dast der sogenannte .Goldene Schnitt", die eigen­artige Linienausteilung, bei der der kleinere Ab- schnitt zu dem größeren im gleichen Verhältnis steht wie der gröhere zur ganzen Linie, beim ita- lienischen Geigenbau eine "Rolle spielen könne. Hat man den .Goldenen Schnitt' doch auch bei den Formen des menschlichen Körper» und bei den Verhältnissen mancher Kunstwerke nachgewiesen. Geometrisch erfolgte ja eine Aufteilung nach dem Goldenen Schnitt im regulären Fün'eck. dem Penta­gramm. und eS gelang Möckel, ein aus Pentagram­men bestehendes Schema zu schasten. da« die De- grenzungülinien der klassischen Geigenform darstellt. Durch vier reguläre Fünfecke wird die Form bestimmt, auf der sich die ganze weitere Entwicklung der einzelnen Geigenteile aufbaut. "Dill man die Linien­führung irgendwie abändern, so braucht man da« Schema nur zu verkürzen ober zu verlängern, um aus den neuen Begrenzungslienien wieder reguläre Fünfecke herzustellen und damit die Grundlage für neue Geigensormen zu schaffen. Es ist schwer zu verstehen, wie die einfache Konstruktion so vollkommen verloren geben konnte, nur zu erklären aus den strengen InnungSvorschristen der alten Geigenbauer, die den Meistern verboten, die alten Formen zu übernehmen. Natürlich haben auch die grohen Geigen­bauer eisersüchtig über die Gcheiinhaltung ihrer .Konstruktionen gewacht und ihre Zeichnungen stet« vernichtet. Möckel konnte aber feststellen, das) im Nachlaß des AntoniuS Stradivarius stch zwei eigen­händige Zirkelkonstruttionen der F-Löcher befanden, und diese Zeichnungen konnte er so ergänzen, daß sie sich vollständig mit der von ihm durchgesührten Gesamtkonstruktion decken. Beim Sau einer Geige nack diesem Schema muh man natürlich auch den -seit geraumer Zeit bekannten - italienischen Lack verwenden. Möckel baute nach der von chm ausge­stellten Theorie eine Anzahl Instrumente, die stch den besten Schöpfungen eines Stradivarius oder Guanerius durchaus gleichwertig zeigten. Damit ist es endlich geglückt, den altitalienischen Meistern ihr so lange gehütetes Geheimnis vollständig abzu- lauschen

Strafkammer Gießen.

Gießen, 5. Slug. Durch Urteil des hiesigen Schöffengerichts vom 10. 6. 25 waren der Inva­lide Johann (Beorg E. von Kiesten und seine Ehe­frau wegen schwerer Kuppelei zu Gesängnisstrasen von 1 Jahr 3 Monaten bzw. "2 Jahren und ,e 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Gegen die­ses Erkenntnis hatten die Angeklagten und auch die Staatsanwaltschaft Berufung verfolgt. Nachdem unter Ausschluß der Oefsentlichkeit heute tue Be- weisaufnahme bereits teilweise stattgefunden hatte, nahmen die Angeklagten und sodann auch die Staatsanwaltschaft das von ihnen eingelegte Rechts­mittel zurück, das Urteil des Schöffengerichts wurde hiermit rechtskrästig.

Wirtschaft.

Die deutsche Wirtschaftskrise.

Düsseldorf, 4. Aug. (OB'S.) Heute fand hier die Mitgliederversammlung deS Verein« Deutscher Eisen- und Stahlindu­strie 11 e r imb deS Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in dem Rheinland und Westfalen statt. Der Vorsitzende Dr. Reu sch, der die Versammlung eröffnete, verbreitete sich über die Sorgen der Wirtschaft und erklärte u. a.: Unsere Wirtschaft befindet sich in schweren Zuckungen; insbesondere die wichtigen Grundstoffindustrien, Kohle und Eisen, sind von ernsten Krisenerschei­nungen befallen. 3m Lohnwesen haben wir seit Anfang 1924 Steigerungen zu verzeichnen, die an die Inflationszeit erinnern. Die Vor­kriegslöhne sind längst überschritten, mindestens gehen die jetzigen Löhne in ihrer Kaufkraft weit über die Vorkriegs lohne hinaus. Solange die Zwangswirtschaft im Lohnwesen nicht verschwin­det, können wir nicht gesunden. Auch durch die Erweiterung der sozialen Versicherungen wer­den der Wirtschaft immer neue Lasten aufge- bürdet. Allein durch die in den letzten Wochen beschlossenen Aenderungen im Unfallver- sicherungsgeseh, den Ausbau der An-

Deutschland undPaneuropa".

Don Otto Corboch.

Wenn der paneuropäijche Gedanke, so wie er sich im Kopfe des österreichischen Politikers, Grafen Eoudenhooe-Kalergi gestaltet hat, richtig wäre, so gäbe es gerade für das deutsche Volk nichts heilsameres, als sich ruckhaltslos dazu zu bekennen. Das gute Beispiel würde seine Feinde moralisch entwaffnen, die paneuropäische Bewegung würde alle führenden Geister Europas in ihren Bann ziehen und das Ideal derBereinigten Staaten Europas" wäre binnen kurzem verwirklicht.Pan- europa" wurde dann alle Wunden, die der Krieg ,chlug, rasch heilen. Die unsinnigen Grenzen, die der Versailler Frieden zog, hätten nunmehr pa- pierne Bedeutung, in der Wirklichkeit würde der Verkehr hemmungslos über sie hin- und herfluten und die wirtschaftlichen und kulturellen Bezichun gen zwischen den Völkern immer enger gestalten. Paneuropa" soll zwar R u ß 1 a n d und E n g - land nicht einschliesten, aber da es über den Ko- lonialbesitz der übrigen Staaten verfugen wurde, bedeutete es eine ebenbürtige Größe im Vergleich m den schon bestehendenpolitischen Kontinenten : Sowjeirußland, dem britischen Weltreiche und Panamerika. In sich einig und jeder äußeren Bedrohung gewachsen, könntePaneuropa" die ge­waltigen Energien, die es bisher auf Krieg und Rüstungen verwendete,zu produktivem Schassen zusammenschließen", könnte esweite Strecken ber Sahara in Weideland verwandeln wie das einige Amerika seine westlichen Wüstengebiete in Siedlungsgebiete, zum Teil sogar in Gärten ver­wandelt hat: es könnte die Schlafkrankheit in Innerafrika ausrotten und den Urwald des Kongo durch Plantagen zur Rohstoffquelle der europä­ischen Induftne umschaften.

Wie schade, daß wir noch nicht so wett sind! Wie schade vor allem, daß die Kräfte, die heute noch die europäische Wirklichkeit gestalten, uns kaum die Luft zum Atmen gönnen, geschweige die nötige Muße, solch schonen Idealen wie dempon- europäischen" nachzustreben! Man denke an das Massenelend deutscher und oolnischer Optanten, und gestehe, daß die Leidenschaften, die im Europa der Nachkriegszeit, die eine Zeit zwischen Weltkriegen ist, gegeneinander wüten, nicht von der Art sind, um sich mit paneuropäischen Träumereien be schworen zu lassen. Nur moderne Aeftheten mit kaltem Herzen und umso schwülerem Kopse können wahnen, den Völkern Europas im allgemeinen, dem deutschen Volke im besonderen könne zur Zeit mit noch so schönen allgemeinen Dölkeroerbrüderungs- gebauten gebient sein.

Das würben freilich auch die Paneuropaer Eoudenhovenscher Observanz einsehen, wenn sie ihren Gedanken nur zu Ende dächten. Sie wollen angeblich die Freiheit des deutschen Volkes, sein Selbstbestimmungsrecht, seine Kultur, seine natio­nale Existenz nicht auf dem Altäre ihres Ideals opfern. Wir wollen uns gerade im Gegenteil im Nahmen Paneuropas frei auswirken dür­fen. Wäre es ihnen ernst damit, so müßten sie in allererster Linie die Revision der Verfall- (er Friedens und des Dawesabkom­mens, sowie die A b r ü ft u n g u nf er er Nachbarn fordern. Das fällt ihnen aber nicht cm. Sie packen den Stier nicht bei den Hornern, sandern am Schwanz, und er wird sie daher mit sich chleifen, wohin er will. Frankreich, meinen sie, werde schon abrüsten, wenn erst das paneuropa- ische Friedens- und Freundschaftsbündnis geschiss­en sei. Ihr ahnungslosen Engel! Das moderne Frankreich fühlt sich viel mehr als Mitglied einer atlantischen denn einer europäischen Kulturge­meinschaft; es weiß die Tatsache zu würdigen, daß England seiner Bundesgenossenschaft bedarf, weil es feine Inseln in einem zukünftigen Kriege von vorn­herein am Rhein und an der Schelde verteidigen müßte, und das macht es von dem übrigen Europa genügend unabhängig, um in dem Bestreben zu- verharren, es mit Gewalt in Schach zu halten. Uebrigens läßt Coudenhove die Rüstungen Frank­reichs und seiner Vasallenstaaten im letzten heft (einer ZeitschriftPaneuropa" auch ausdrücklich rechtfertigen. Solange Rußland nicht ab ruft e, heißt es da, könne der europäische Friede im Osten nur gewährt werden durch eine zweifache Siche­rung: Durch die europäische Uedermacht und den europäischen Friedenswillen. Damit ist klipp und klar ausgedrückt. worauf Coubenhoves Paneuropa hiuausläust: Deutschland soll als politische Macht endgültig lahm gelegt und jeder Mög­lichkeit beraubt werden, durch eine selbständige

Eindrücke von der pariser Uunstgewerde-Ausstellung.

Don Pros. C. Fries.

Die Wahl des Geländes für die Ausstellung machte zunächst Schwierigkeiten. Staat und Stadt waren im Widerstreit, bis man sich dahin einigte, baß der Staat den Grand Palais und die Stadt den Invalidenplatz hergab. So umfaßt die Ausstellung mit dem Pont Alexander III. und dem Pont des Invalides einen Teil der Seine, auf der bu von Poiret zu Restaurants und TH6s dansants umge- wandelten Pöniches, unseren Spreekähnen ahnsich, in elegantesten Farben blühend und vop befrackten Oberkellnern durcheilt, schaukeln. Bald werden auch Fontaines lumineuses aus dem Strom auffteigen und im Kreuzfeuer verschiedener Scheinwerfer bun­teste Wassersäulen zeigen. Der große Glasobelisk von ßalique mit seinen schuppenartig anliegenden Kristallplatten in öeegrün wird dann auch Fluten speien. Die vier Riesentürme von Blumet, die archi- lektonisch ganz belanglos das Mittelstück der Aus­stellung bilden, derben als Riesensterne die Nacht erhellen. Kurz, wenn erst alles fertig ist, wird man allerdings sagen können: Das hat die Welt noch nicht gesehen. Was an Glanz, an Pracht, an Farben- schönhsit hier vereinigt ist, übertrifft alles bisher Gewesene. Man staunt und schaut. Der Park der Attraktionen wird unzählige, neuartige Belustigun­gen bringen. Man wird Im Karussell auf den Schul­tern, auf den Armen, dem Rücken, dem Schoß riesen­hafter komischer Gestalten sitzen, die statt der Sessel dienen. Welche Rolle die Musik spielen dürste, wird der ermeffen, der mit der Gastkarte bei der Er- öffnunazeremonie das Riesenorchester hörte, das die Marseillaise und Konzertstücke vor und nach den Ministerreben Horen liefe. Herr Doumergue erklärte mit lauter Stimme die Ausstellung für eröffnet, die Garde Röpublicaine flankierte in schimmernder Gala den Auszug der Regierung und des Corps Diplo- mattque, und so war die Ausstellung eröffnet, wenn man auch in Wirklichkeit nichts sah als einen riesigen

Die Buchkunst war immer ein Ruhmestitel der Franzosen, die mit ihren Lederbänden mit starken Bünden und Goldschnitt einen eigenen Stil zeigten. Jetzt gestaltet man den Einband mit freier, expressio­nistischer Kraft und weife ihn dem Inhatt formal an- zugleichen, wie übrigens Paul Karsten bei uns immer getan hat. Die Bände von Pierre Legrain verdienen wahre Anerkennung. Uebrigens kann ich es nur für eine Spielerei halten, wenn hiriart Tri- bout und Beau in ihrem Bau des Berlages Crds die Form von Büchern nachahmen deren Rücken als fannellierte Säulen mit Inschrift als Etikette gefaßt find. Das liegt jenseits der Kunst.

Die Textil- und Modeabteilung zeigt Frankreich auf feinem eigensten Gebiet, und was hier an Schön­heit und Geschmack geboten wird, ist wohl nicht zu überbieten. Es liegt dem Volke im Blute. Man sieht in den Straßen von Paris wohl keine Dame, die nicht geschmackvoll gekleidet wäre. Die Auslagen in diesen Magazinen sind genußreich. Kurz und gut, es wird auf allen Gebieten Schönes und Anregendes gezeigt, wenn auch in vielen Fällen der Eindruck besteht, daß nicht immer die reine Kunst, sondern die Freude am Geschmackvollen, Zierlichen, Graziösen, Anmutigen den Hauptimpuls des Schaffenden bar- stellt. Die wuchtigen, großen Linien unserer ge­bantentieferen Kirnst sind dort nicht Derbreitet, und man mufe sagen, daß eine Beteiligung Deutschlands, ble wegen der verspäteten Einladung und, wie es hieß, aus finanziellen Nöten heraus abaelehnt wurde, uns vielleicht sehr genützt und unser Ansehen gesteigert hätte, wenn auch das Kunstgewerbe we­niger als die Kunst selbst unsere Domäne barstellt.

Was nun die anderen Staaten anbetrifft, so war der Norden zuerst auf dem Plan. Dänemark bringt entzückende Produkte seiner Porzellanmanufaktur, deren Formenschatz sich erweitert hat. Schweden zeigt interessante Textilwaren, Bücher, Möbel, Japan hat ein stilechk gebautes heim, in dem es feine Teppiche, Porzellane, Gemälde, Flechtwaren, Metalle und Ge­räte zeigt, ohne sonderlich Neues yi sagen. Die an­deren Länder find noch nicht am dem Plan. Der Besuch ist trotz der langsamen Fertigstellung sehr rege, und zählt Sonntage noch hunderttausend«^

Tor im Kreise stehen, wirken eher roie_ eine technisch notwendige Anlage als wie eine künstle­rische Begrüßung der Völker Europas. Also archi­tektonisch sind die Franzosen zurückgeblieben und werden von Deutschen und Holländern in den Schat­ten gestellt. Unser Belling oder Poelzig hätte einen Pavillon gebaut, der stärkere Konturen zeigte. Leider hat man die Einladung abgelehnt.

Auf dem Gebiet der Innendekoration gewinnt man schöne Eindrücke. Man gibt zu, daß das russi­sche Ballett auf alle Kunst revolutionierend gewirkt hat. Ader Meister Poiret hatte bereits die neuen, kühnen Farben eingeführt. Da sieht man etwa einen Raum von Barbedienne ganz in Alabasteroerklei­dung. Zwischen Pilastern, die die Wände gliedern, sieht man Bronzereliefs in Nischen, während der Boden dunkle Mosaiken xeigt. Oder ein Bogengang mit Glasdach von Sezille und Rapin, auf grauen Pfeilern ruhend, zeigt die Vitrinen der Keramik in femabgeftimmter Tonung. Die Halle mündet in eine architektonisch gegliederte rote Querwand. Der Kon­greßsaal von haubold und Magne zeigt gelbe Wand- und Plafondlönung bei violetten Sitzreihen auf bor- beaurotem Grunde. Der in Grün und Graugelb ge­gliederte Verkaufsraum des Hauses Jean Luce von Sszille stimmt gut zu den keramischen und Glas- objetten des Innern. Nicht ganz frei von ostaflati- schem Einschlag scheint der Speisesaal für eine Ge­sandtschaft von Sszille, Selmersheim und Rapin, der als Tonnengewölbe mit Glasdaw auf roten Pfeilern und Säulen ruht und weißgelb schachbrett­artige Musterung des Mosaikbodens zeigt. Auch ein Interieur des Generalkommissariats von Lalanne verdient Erwähnung. Es zeigt braun marmorierte Wände mit dunklem Paneel, blaue Säulen, bron« irrten Deckenfries und violette Fenstervorhänge und Teppiche, ein Gesamtembruck von eigener Dor- nehrnheii. .

Die Keramik ijt fein entwickelt. Die Glaskunst zeigt vor allem bte Meisterwerke von ßalique. Es gewährt eigne, hohe Genüsse, am Derdömeplak seine weiten Räume zu burchwandeln unb ben zahllosen Vitrinen bie Unerschöpflichkeit einer auf ein Mate­rial konzentrieren Individualität zu betrachten.

Bauplatz, auf bem an den meisten Türen stand: I (Eintritt verboten.

Mit rühmlicher Gelassenheit unb frei von jeber Ueberstürzung gerieten bie herftellungsarbeiten bann in Gang. Man muß ohne Ironie anerkennen, daß eine große Arbeit geleistet worben ist. Es sind Bauten von mächtigem Umfang in folibem Mate- rjpl errichtet worben, unb jetzt geht man wie burch tlnen ffiunbergarten ber Schönheit unb Pracht. Be­sonders die gärtnerischen Anlagen entzücken unser Auge immer wieder. Die Franzosen wißen dem Material Farben und Formen abzugewinnen, die uns noch nicht geläufig find, unb von benen wir viel lernen können. Em ganzes Chaos von mannig­fachstem Material, glasierte, hellblaue Kacheln um­geben Teiche, Blumenbeete türmen sich zu flachen Pyramiben, bie Wege sind mit kunstvoll abgetönten unb geformten Kacheln geschmückt, kurz, man hat ben Eindruck eines Irrgartens ber Lieblichkeit unb Anmut. Weniger hoch steht bie französische Kunst, wie gesagt, auf bem Gebiet des Bauens. Don all diesen Riesenbauten hat kaum ein Zehntel eine wirk­lich neuartige interessante Form. Die großen Waren­häuser Lasayette, Printemps, Bonmarchs usw. konnten es sich wahrlich leisten, erfttiaffige Bau- künstler zu verpflichten und haben es auch getan. Aber das Bauen selbst steht in Frankreich nicht so hoch. Lambert, Sauoage, Plumet werden sehr be­wundert. Aber für uns sind ihre Schöofungen ver­altet, unoriginell, ideenlos. Sie wiederholen bie (anbläufigen Gebanken, bie man seit Jahrzehnten unb länger kennt, wenn sie auch nicht gerade die alten Stile kopieren. Plumet baut einen Pavillon des Handwerks, den sogar deutsche Kritiker beroun- berten, ohne anscheinenb zu merken, baß es sich allein um eine unbegabte Nachahmung ber Casa bei Denetti in Pompeji handelt, jenes Atrium, dessen Gartenanlagen man mit neuen Blumen auffüllte, um einen Begriff von bem antiken Zustanbe zu geben. Der Pavillon Lasayette von Sauoage ist nichts als ein großes Wigwam, ein Riesenzeltbau mit flacher lürfafiabe, allerdings sehr apart und fein bemaltem Dach. Auch die zehn quabrattschen Türme, die an ber Place be la Toncorde als künstlerisches

Fühlungnahme mit ben Ostoölkem sich allmählich roicber aus einer Lage zu befreien, bie man mit ber eines Urroalbbaumes vergleichen kann, ber in der eisernen Umschnürung einer Würger" Liane förmlich erstickt.

Alle bisherigen wirklich großen kontinental- europäischen Begebungen waren gegen die poli- t.sche Vormundschaft der britischen Seemacht ge­richtet. Was Wunder, baß auch Coubenhoves Pan-Europa-Bewegung" in ben Verbacht geriet, bafe ihr e n gla nb f e i nb11 d) e Tendenzen innewohnten. Man hat ihr unrecht getan.Couden- Hove", versichert die ZeitschriftPaneur^pa" (fieft 7 8),ist sogar ausgesprochen anglophil: Er wirbt für die Einführung des Englischen als internationale chilfssprache und fordert als wesent- lichen Punkt feines Programms die engste Entente zwischen Pan-Europa und England." Die Grund- eften des britischen Weltreiches wanken unter den Erschütterungen kontinentalpolitischer Bewegungen in anderen (Erbteilen, nur in (Europa soll es eine Kontinentalpolitik geben können, bieausgespro­chen anglophil" ist, bie weder die Freiheitsbe­wegung der Inder, noch die der Aegypter billigt unb ben eigenen Kontinent nur in ber Berftüm melung zu bejahen wagt, in ber ihm der britische, französische und amerikanische Imperialismus ein Recht zu leben gestattet. Unb einem solch jämmer­lichen Gebilbe zuliebe, bas aller Trabition echter europäischer Kontinentalpolitik widerspricht, soll das deutsche Volk feinen eigenen politischen Willen auf- geben! Es gäbe keinen schlimmeren Verrat an ber wirklichen politischen Tenbenz Gesamteuropas. Die Zukunft Europas liegt in ber Linie des Selbst- beftimmungsrechtes des deutschen Volkes, und der Kampf um dieses bedeutet vorläufig einen unerbittlichen Kampf vor allem gegen die gegen­wärtige europäische Umwelt, der gewiß auf beut- scher Seite nicht mit kriegerischen Mitteln ausge­fallen werben kann, ber aber in erster Linie vor­aussetzt, baß wir ebenso rücksichtslos Freunbe unb Bunbesgenoffen in allen Weltteilen zu gewinnen suchen wie unsere Feinbe im Kriege solche gegen uns zu gewinnen wußten.

(Eine geschichtliche (Erinnerung.

Don Gras Pvfadowfkh

Im Jahre 1505 muhte einer meiner Vor­fahren. Ambrosius von Jenkwitz, Rat der Stabt Vreslau, dem ehrbaren Rate geloben, in 14 Ta­gen 1 Mark (= 334 Gramm Silber) aufzulegen, darum, daß er in der Ratssitzung l m grymme off den Tisch geschlagen und aus eigener Dewegrruh off gestanden und von bannen gegangen ist." (Ratsarchiv der Stadt Breslau, Hs., G. 5.64.) Wie hoch würde es wohl der ehrbare Rat deS mittelalterlichen Breslau geahndet haben, wenn das Mitglied einer gesetzgebenden Versammlung statt auf Öen Tischim grymme" auf einen feiner Kol­legen geschlagen hätte, von wörtlichem Be­leidigungen und Störungen der Verhandlungen ganz zu geschweigen? Wenn alle Mitglieder einer gesetzgebenden Versammlung in ähnlicher Weise geahndet toürben, welcheoffstehen und aus eigener Dewegnuh von dannen gehen" so könnte dadurch bei der fortgesetzten Leere der Sitzungssäle ein erheblicher Betrag der Ver- waltungsiosten dieser Versammlungen gedeckt werden. Die so viel gerühmteKultur" hat m unseren Tagen ungeahnt herrliche Fortschritte gemacht.

Don ber Volkszählung in Oberhefsen.

Die Einwohnerzahl im Streife Alsfeld.

Insgesamt ortsanwesend am 16. Juni 38 009, davon männlich 18 335, weiblich 19 674. Rus die

Buntes Allerlei.

Der Geigenbau nach dem Goldenen Schnitt.

Die kurze Blütezeit des italienischen Geigen­baues hat die Welt mit einer Anzahl Meister« geigen beschenkt, deren Vollendung nie wieder er­reicht worden ist, so sehr man sich auch bemüht hat, den Geheimniffen ihres Baues auf die Spur zu kommen. Schon bald nach dem Verfall dec von Sttadivarius und Guanerius begründeten Schule hat die wiffenschaftliche Forschung versucht, das Geheimnis zu ergründen, und man hat bald in der gegenseitigen Abstimmung der Refonanzplatten; bald in dem dabei verwendeten Lack oder Holz den wichtigsten Teil erblickt. Merkwürdigerweise aber hat man das Rächstliegende, die charakteristische Form der alten italienischen Geigen und die Ver- hältniffe der einzelnen Teile zueinander, wenig be­achtet, und so war es dem Berliner Geigenbau-

Ort:

männl.

weibl.

zus.

Bleidenrod

131

136

267

Brauerschwend

256

270

526

Bühseld

115

121

236

Burg-Gemünden

394

362

756

Dannenrod

130

103

233

Deckenbach

201

209

410

Ehringshausen

373

295

668

Sifa

236

308

594

Elbenrod

144

168

312

Elpenrod

198

203

401

Erbenhausen

135

149

284

Ermenrod

179

168

347

Eudorf

185

228

413

Eulersdorf

60

67

127

Fischbach

35

45

80

Flensungen

237

240

477

Gleimenhain

98

98

196

Gontershausen

96

97

193

Grebenau

322

365

637

Groß. Felda

506

520

1026

Haarhausen

87

75

162

119

123

242

131

140

271

Heimertshausen

175

165

340

Helgersdorf

83

97

180

Höingen

47

69

116

Homberg

690

724

1414

5) r vf gart en

156

157

313

Ilsdorf

73

64

137

Kestrich

134

140

274

Kirtorf

403

413

816

Lehnheim

176

191

367

Lehrbach

169

191 '

360

Leusel

290

294

584

Liederbach

175

182

357

Maulbach

207

227

434

Merlau mit Kirschgarten

334

341

675

Münch-Leusel

41

47

88

Rieder-Breidenbach

92

94

186

Rieder.Gemünden

253

267

525

Rieder-Ofleiden

249

249

498

Rieder-Ohmen

655

667

1322

Ober-Breidenbach

229

274

503

Ober-Gleen

271

281

552

Ober-Ofleiden

178

157

335

Ober.Ohmen

312

368

680

Ober-Sorg

75

70

142

Ohmes

162

219

381

Otterbach

69

59

128

Rainrod

262

252

514

Reibertenrod

68

82

150

Reimenrcch

67

72

139

Renzendorf

54

54

108

Romrod

388

444

832

Rülfenrod

63

67

135

Ruhlkirchen

227

281

508

Ruppertenrod

304

362

666

Schadenbach

89

105

194

Sctzlvabenrod

130

145

275

Schwarz

Seibelsdorf

344

114

346 HO

690

224

Stomdorf

356

401

757

Sttebendorf

141

155

. 296

Udenhausen

156

159

315

Anter-Sorg

29

40

69

Vadenrod

208

215

423

Vocken rode

117

138

255

Wahlen

203

247

450

Wallersdorf

100

108

208

Wc-ttsaasen

110

110

220

Windhausen

179

213

392

Zeilbacb

81

107

188

3eH

308

324

632

Orte des Kreises verteilen sich diese Gesamt- ziffern folgendermaßen:

Ort:

männl, weibl.

zus.

Alsfeld

2437

2659

5096

Altenburg

371

402

773

Angenrod

247

279

526

Appenrod

145

153

293

Arnshain

190

218

408

Atzenhain

247

278

525

Bemsburg

143

160

294

Dernsfeld

215

226

441

Bieben

109

137

246

Billertshausen

119

128

247