voiinerstag, o. August (925
«iezener Anzeiger (ivenerat-Anzeiger für Gderhe»e>i,
Nr. (82 Zweites Blatt
meister Mar Möckel Vorbehalten, in jahrelang« GrfDdcbung des Problems baS eigentliche Geheim- nis der italienischen Meistergeigen zu lösen. Wie Dr. Alfred Dradenwitz in der Leipziger .Illustrierten Zeitung' berichtet, kam Möckel au' den Gedanken, dast der sogenannte .Goldene Schnitt", die eigenartige Linienausteilung, bei der der kleinere Ab- schnitt zu dem größeren im gleichen Verhältnis steht wie der gröhere zur ganzen Linie, beim ita- lienischen Geigenbau eine "Rolle spielen könne. Hat man den .Goldenen Schnitt' doch auch bei den Formen des menschlichen Körper» und bei den Verhältnissen mancher Kunstwerke nachgewiesen. Geometrisch erfolgte ja eine Aufteilung nach dem Goldenen Schnitt im regulären Fün'eck. dem Pentagramm. und eS gelang Möckel, ein aus Pentagrammen bestehendes Schema zu schasten. da« die De- grenzungülinien der klassischen Geigenform darstellt. Durch vier reguläre Fünfecke wird die Form bestimmt, auf der sich die ganze weitere Entwicklung der einzelnen Geigenteile aufbaut. "Dill man die Linienführung irgendwie abändern, so braucht man da« Schema nur zu verkürzen ober zu verlängern, um aus den neuen Begrenzungslienien wieder reguläre Fünfecke herzustellen und damit die Grundlage für neue Geigensormen zu schaffen. Es ist schwer zu verstehen, wie die einfache Konstruktion so vollkommen verloren geben konnte, nur zu erklären aus den strengen InnungSvorschristen der alten Geigenbauer, die den Meistern verboten, die alten Formen zu übernehmen. Natürlich haben auch die grohen Geigenbauer eisersüchtig über die Gcheiinhaltung ihrer .Konstruktionen gewacht und ihre Zeichnungen stet« vernichtet. Möckel konnte aber feststellen, das) im Nachlaß des AntoniuS Stradivarius stch zwei eigenhändige Zirkelkonstruttionen der F-Löcher befanden, und diese Zeichnungen konnte er so ergänzen, daß sie sich vollständig mit der von ihm durchgesührten Gesamtkonstruktion decken. Beim Sau einer Geige nack diesem Schema muh man natürlich auch den -seit geraumer Zeit bekannten - italienischen Lack verwenden. Möckel baute nach der von chm ausgestellten Theorie eine Anzahl Instrumente, die stch den besten Schöpfungen eines Stradivarius oder Guanerius durchaus gleichwertig zeigten. Damit ist es endlich geglückt, den altitalienischen Meistern ihr so lange gehütetes Geheimnis vollständig abzu- lauschen
Strafkammer Gießen.
Gießen, 5. Slug. Durch Urteil des hiesigen Schöffengerichts vom 10. 6. 25 waren der Invalide Johann (Beorg E. von Kiesten und seine Ehefrau wegen schwerer Kuppelei zu Gesängnisstrasen von 1 Jahr 3 Monaten bzw. "2 Jahren und ,e 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Gegen dieses Erkenntnis hatten die Angeklagten und auch die Staatsanwaltschaft Berufung verfolgt. Nachdem unter Ausschluß der Oefsentlichkeit heute tue Be- weisaufnahme bereits teilweise stattgefunden hatte, nahmen die Angeklagten und sodann auch die Staatsanwaltschaft das von ihnen eingelegte Rechtsmittel zurück, das Urteil des Schöffengerichts wurde hiermit rechtskrästig.
Wirtschaft.
Die deutsche Wirtschaftskrise.
Düsseldorf, 4. Aug. (OB'S.) Heute fand hier die Mitgliederversammlung deS Verein« Deutscher Eisen- und Stahlindustrie 11 e r imb deS Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in dem Rheinland und Westfalen statt. Der Vorsitzende Dr. Reu sch, der die Versammlung eröffnete, verbreitete sich über die Sorgen der Wirtschaft und erklärte u. a.: Unsere Wirtschaft befindet sich in schweren Zuckungen; insbesondere die wichtigen Grundstoffindustrien, Kohle und Eisen, sind von ernsten Krisenerscheinungen befallen. 3m Lohnwesen haben wir seit Anfang 1924 Steigerungen zu verzeichnen, die an die Inflationszeit erinnern. Die Vorkriegslöhne sind längst überschritten, mindestens gehen die jetzigen Löhne in ihrer Kaufkraft weit über die Vorkriegs lohne hinaus. Solange die Zwangswirtschaft im Lohnwesen nicht verschwindet, können wir nicht gesunden. Auch durch die Erweiterung der sozialen Versicherungen werden der Wirtschaft immer neue Lasten aufge- bürdet. Allein durch die in den letzten Wochen beschlossenen Aenderungen im Unfallver- sicherungsgeseh, den Ausbau der An-
Deutschland und „Paneuropa".
Don Otto Corboch.
Wenn der paneuropäijche Gedanke, so wie er sich im Kopfe des österreichischen Politikers, Grafen Eoudenhooe-Kalergi gestaltet hat, richtig wäre, so gäbe es gerade für das deutsche Volk nichts heilsameres, als sich ruckhaltslos dazu zu bekennen. Das gute Beispiel würde seine Feinde moralisch entwaffnen, die paneuropäische Bewegung würde alle führenden Geister Europas in ihren Bann ziehen und das Ideal der „Bereinigten Staaten Europas" wäre binnen kurzem verwirklicht. „Pan- europa" wurde dann alle Wunden, die der Krieg ,chlug, rasch heilen. Die unsinnigen Grenzen, die der Versailler Frieden zog, hätten nunmehr pa- pierne Bedeutung, in der Wirklichkeit würde der Verkehr hemmungslos über sie hin- und herfluten und die wirtschaftlichen und kulturellen Bezichun gen zwischen den Völkern immer enger gestalten. „Paneuropa" soll zwar R u ß 1 a n d und E n g - land nicht einschliesten, aber da es über den Ko- lonialbesitz der übrigen Staaten verfugen wurde, bedeutete es eine ebenbürtige Größe im Vergleich m den schon bestehenden „politischen Kontinenten : Sowjeirußland, dem britischen Weltreiche und Panamerika. In sich einig und jeder äußeren Bedrohung gewachsen, könnte „Paneuropa" die gewaltigen Energien, die es bisher auf Krieg und Rüstungen verwendete, „zu produktivem Schassen zusammenschließen", könnte es „weite Strecken ber Sahara in Weideland verwandeln — wie das einige Amerika seine westlichen Wüstengebiete in Siedlungsgebiete, zum Teil sogar in Gärten verwandelt hat: es könnte die Schlafkrankheit in Innerafrika ausrotten und den Urwald des Kongo durch Plantagen zur Rohstoffquelle der europäischen Induftne umschaften.
Wie schade, daß wir noch nicht so wett sind! Wie schade vor allem, daß die Kräfte, die heute noch die europäische Wirklichkeit gestalten, uns kaum die Luft zum Atmen gönnen, geschweige die nötige Muße, solch schonen Idealen wie dem „pon- europäischen" nachzustreben! Man denke an das Massenelend deutscher und oolnischer Optanten, und gestehe, daß die Leidenschaften, die im Europa der Nachkriegszeit, die eine Zeit zwischen Weltkriegen ist, gegeneinander wüten, nicht von der Art sind, um sich mit paneuropäischen Träumereien be schworen zu lassen. Nur moderne Aeftheten mit kaltem Herzen und umso schwülerem Kopse können wahnen, den Völkern Europas im allgemeinen, dem deutschen Volke im besonderen könne zur Zeit mit noch so schönen allgemeinen Dölkeroerbrüderungs- gebauten gebient sein.
Das würben freilich auch die Paneuropaer Eoudenhovenscher Observanz einsehen, wenn sie ihren Gedanken nur zu Ende dächten. Sie wollen angeblich die Freiheit des deutschen Volkes, sein Selbstbestimmungsrecht, seine Kultur, seine nationale Existenz nicht auf dem Altäre ihres Ideals opfern. Wir wollen uns gerade im Gegenteil im Nahmen Paneuropas frei auswirken dürfen. Wäre es ihnen ernst damit, so müßten sie in allererster Linie die Revision der Verfall- (er Friedens und des Dawesabkommens, sowie die A b r ü ft u n g u nf er er Nachbarn fordern. Das fällt ihnen aber nicht cm. Sie packen den Stier nicht bei den Hornern, sandern am Schwanz, und er wird sie daher mit sich chleifen, wohin er will. Frankreich, meinen sie, werde schon abrüsten, wenn erst das paneuropa- ische Friedens- und Freundschaftsbündnis geschissen sei. Ihr ahnungslosen Engel! Das moderne Frankreich fühlt sich viel mehr als Mitglied einer atlantischen denn einer europäischen Kulturgemeinschaft; es weiß die Tatsache zu würdigen, daß England seiner Bundesgenossenschaft bedarf, weil es feine Inseln in einem zukünftigen Kriege von vornherein am Rhein und an der Schelde verteidigen müßte, und das macht es von dem übrigen Europa genügend unabhängig, um in dem Bestreben zu- verharren, es mit Gewalt in Schach zu halten. Uebrigens läßt Coudenhove die Rüstungen Frankreichs und seiner Vasallenstaaten im letzten heft (einer Zeitschrift „Paneuropa" auch ausdrücklich rechtfertigen. Solange Rußland nicht ab ruft e, heißt es da, könne der europäische Friede im Osten nur gewährt werden durch eine zweifache Sicherung: Durch die europäische Uedermacht und den europäischen Friedenswillen. Damit ist klipp und klar ausgedrückt. worauf Coubenhoves Paneuropa hiuausläust: Deutschland soll als politische Macht endgültig lahm gelegt und jeder Möglichkeit beraubt werden, durch eine selbständige
Eindrücke von der pariser Uunstgewerde-Ausstellung.
Don Pros. C. Fries.
Die Wahl des Geländes für die Ausstellung machte zunächst Schwierigkeiten. Staat und Stadt waren im Widerstreit, bis man sich dahin einigte, baß der Staat den Grand Palais und die Stadt den Invalidenplatz hergab. So umfaßt die Ausstellung mit dem Pont Alexander III. und dem Pont des Invalides einen Teil der Seine, auf der bu von Poiret zu Restaurants und TH6s dansants umge- wandelten Pöniches, unseren Spreekähnen ahnsich, in elegantesten Farben blühend und vop befrackten Oberkellnern durcheilt, schaukeln. Bald werden auch Fontaines lumineuses aus dem Strom auffteigen und im Kreuzfeuer verschiedener Scheinwerfer bunteste Wassersäulen zeigen. Der große Glasobelisk von ßalique mit seinen schuppenartig anliegenden Kristallplatten in öeegrün wird dann auch Fluten speien. Die vier Riesentürme von Blumet, die archi- lektonisch ganz belanglos das Mittelstück der Ausstellung bilden, derben als Riesensterne die Nacht erhellen. Kurz, wenn erst alles fertig ist, wird man allerdings sagen können: Das hat die Welt noch nicht gesehen. Was an Glanz, an Pracht, an Farben- schönhsit hier vereinigt ist, übertrifft alles bisher Gewesene. Man staunt und schaut. Der Park der Attraktionen wird unzählige, neuartige Belustigungen bringen. Man wird Im Karussell auf den Schultern, auf den Armen, dem Rücken, dem Schoß riesenhafter komischer Gestalten sitzen, die statt der Sessel dienen. Welche Rolle die Musik spielen dürste, wird der ermeffen, der mit der Gastkarte bei der Er- öffnunazeremonie das Riesenorchester hörte, das die Marseillaise und Konzertstücke vor und nach den Ministerreben Horen liefe. Herr Doumergue erklärte mit lauter Stimme die Ausstellung für eröffnet, die Garde Röpublicaine flankierte in schimmernder Gala den Auszug der Regierung und des Corps Diplo- mattque, und so war die Ausstellung eröffnet, wenn man auch in Wirklichkeit nichts sah als einen riesigen
Die Buchkunst war immer ein Ruhmestitel der Franzosen, die mit ihren Lederbänden mit starken Bünden und Goldschnitt einen eigenen Stil zeigten. Jetzt gestaltet man den Einband mit freier, expressionistischer Kraft und weife ihn dem Inhatt formal an- zugleichen, wie übrigens Paul Karsten bei uns immer getan hat. Die Bände von Pierre Legrain verdienen wahre Anerkennung. Uebrigens kann ich es nur für eine Spielerei halten, wenn hiriart Tri- bout und Beau in ihrem Bau des Berlages Crds die Form von Büchern nachahmen deren Rücken als fannellierte Säulen mit Inschrift als Etikette gefaßt find. Das liegt jenseits der Kunst.
Die Textil- und Modeabteilung zeigt Frankreich auf feinem eigensten Gebiet, und was hier an Schönheit und Geschmack geboten wird, ist wohl nicht zu überbieten. Es liegt dem Volke im Blute. Man sieht in den Straßen von Paris wohl keine Dame, die nicht geschmackvoll gekleidet wäre. Die Auslagen in diesen Magazinen sind genußreich. Kurz und gut, es wird auf allen Gebieten Schönes und Anregendes gezeigt, wenn auch in vielen Fällen der Eindruck besteht, daß nicht immer die reine Kunst, sondern die Freude am Geschmackvollen, Zierlichen, Graziösen, Anmutigen den Hauptimpuls des Schaffenden bar- stellt. Die wuchtigen, großen Linien unserer gebantentieferen Kirnst sind dort nicht Derbreitet, und man mufe sagen, daß eine Beteiligung Deutschlands, ble wegen der verspäteten Einladung und, wie es hieß, aus finanziellen Nöten heraus abaelehnt wurde, uns vielleicht sehr genützt und unser Ansehen gesteigert hätte, wenn auch das Kunstgewerbe weniger als die Kunst selbst unsere Domäne barstellt.
Was nun die anderen Staaten anbetrifft, so war der Norden zuerst auf dem Plan. Dänemark bringt entzückende Produkte seiner Porzellanmanufaktur, deren Formenschatz sich erweitert hat. Schweden zeigt interessante Textilwaren, Bücher, Möbel, Japan hat ein stilechk gebautes heim, in dem es feine Teppiche, Porzellane, Gemälde, Flechtwaren, Metalle und Geräte zeigt, ohne sonderlich Neues yi sagen. Die anderen Länder find noch nicht am dem Plan. Der Besuch ist trotz der langsamen Fertigstellung sehr rege, und zählt Sonntage noch hunderttausend«^
Tor im Kreise stehen, wirken eher roie_ eine technisch notwendige Anlage als wie eine künstlerische Begrüßung der Völker Europas. Also architektonisch sind die Franzosen zurückgeblieben und werden von Deutschen und Holländern in den Schatten gestellt. Unser Belling oder Poelzig hätte einen Pavillon gebaut, der stärkere Konturen zeigte. Leider hat man die Einladung abgelehnt.
Auf dem Gebiet der Innendekoration gewinnt man schöne Eindrücke. Man gibt zu, daß das russische Ballett auf alle Kunst revolutionierend gewirkt hat. Ader Meister Poiret hatte bereits die neuen, kühnen Farben eingeführt. Da sieht man etwa einen Raum von Barbedienne ganz in Alabasteroerkleidung. Zwischen Pilastern, die die Wände gliedern, sieht man Bronzereliefs in Nischen, während der Boden dunkle Mosaiken xeigt. Oder ein Bogengang mit Glasdach von Sezille und Rapin, auf grauen Pfeilern ruhend, zeigt die Vitrinen der Keramik in femabgeftimmter Tonung. Die Halle mündet in eine architektonisch gegliederte rote Querwand. Der Kongreßsaal von haubold und Magne zeigt gelbe Wand- und Plafondlönung bei violetten Sitzreihen auf bor- beaurotem Grunde. Der in Grün und Graugelb gegliederte Verkaufsraum des Hauses Jean Luce von Sszille stimmt gut zu den keramischen und Glas- objetten des Innern. Nicht ganz frei von ostaflati- schem Einschlag scheint der Speisesaal für eine Gesandtschaft von Sszille, Selmersheim und Rapin, der als Tonnengewölbe mit Glasdaw auf roten Pfeilern und Säulen ruht und weißgelb schachbrettartige Musterung des Mosaikbodens zeigt. Auch ein Interieur des Generalkommissariats von Lalanne verdient Erwähnung. Es zeigt braun marmorierte Wände mit dunklem Paneel, blaue Säulen, bron« irrten Deckenfries und violette Fenstervorhänge und Teppiche, ein Gesamtembruck von eigener Dor- nehrnheii. .
Die Keramik ijt fein entwickelt. Die Glaskunst zeigt vor allem bte Meisterwerke von ßalique. Es gewährt eigne, hohe Genüsse, am Derdömeplak seine weiten Räume zu burchwandeln unb ben zahllosen Vitrinen bie Unerschöpflichkeit einer auf ein Material konzentrieren Individualität zu betrachten.
Bauplatz, auf bem an den meisten Türen stand: I (Eintritt verboten.
Mit rühmlicher Gelassenheit unb frei von jeber Ueberstürzung gerieten bie herftellungsarbeiten bann in Gang. Man muß ohne Ironie anerkennen, daß eine große Arbeit geleistet worben ist. Es sind Bauten von mächtigem Umfang in folibem Mate- rjpl errichtet worben, unb jetzt geht man wie burch tlnen ffiunbergarten ber Schönheit unb Pracht. Besonders die gärtnerischen Anlagen entzücken unser Auge immer wieder. Die Franzosen wißen dem Material Farben und Formen abzugewinnen, die uns noch nicht geläufig find, unb von benen wir viel lernen können. Em ganzes Chaos von mannigfachstem Material, glasierte, hellblaue Kacheln umgeben Teiche, Blumenbeete türmen sich zu flachen Pyramiben, bie Wege sind mit kunstvoll abgetönten unb geformten Kacheln geschmückt, kurz, man hat ben Eindruck eines Irrgartens ber Lieblichkeit unb Anmut. Weniger hoch steht bie französische Kunst, wie gesagt, auf bem Gebiet des Bauens. Don all diesen Riesenbauten hat kaum ein Zehntel eine wirklich neuartige interessante Form. Die großen Warenhäuser Lasayette, Printemps, Bonmarchs usw. konnten es sich wahrlich leisten, erfttiaffige Bau- künstler zu verpflichten und haben es auch getan. Aber das Bauen selbst steht in Frankreich nicht so hoch. Lambert, Sauoage, Plumet werden sehr bewundert. Aber für uns sind ihre Schöofungen veraltet, unoriginell, ideenlos. Sie wiederholen bie (anbläufigen Gebanken, bie man seit Jahrzehnten unb länger kennt, wenn sie auch nicht gerade die alten Stile kopieren. Plumet baut einen Pavillon des Handwerks, den sogar deutsche Kritiker beroun- berten, ohne anscheinenb zu merken, baß es sich allein um eine unbegabte Nachahmung ber Casa bei Denetti in Pompeji handelt, jenes Atrium, dessen Gartenanlagen man mit neuen Blumen auffüllte, um einen Begriff von bem antiken Zustanbe zu geben. Der Pavillon Lasayette von Sauoage ist nichts als ein großes Wigwam, ein Riesenzeltbau mit flacher lürfafiabe, allerdings sehr apart und fein bemaltem Dach. Auch die zehn quabrattschen Türme, die an ber Place be la Toncorde als künstlerisches
Fühlungnahme mit ben Ostoölkem sich allmählich roicber aus einer Lage zu befreien, bie man mit ber eines Urroalbbaumes vergleichen kann, ber in der eisernen Umschnürung einer Würger" Liane förmlich erstickt.
Alle bisherigen wirklich großen kontinental- europäischen Begebungen waren gegen die poli- t.sche Vormundschaft der britischen Seemacht gerichtet. Was Wunder, baß auch Coubenhoves „Pan-Europa-Bewegung" in ben Verbacht geriet, bafe ihr e n gla nb f e i nb11 d) e Tendenzen innewohnten. Man hat ihr unrecht getan. „Couden- Hove", versichert die Zeitschrift „Paneur^pa" (fieft 7 8), „ist sogar ausgesprochen anglophil: Er wirbt für die Einführung des Englischen als internationale chilfssprache und fordert als wesent- lichen Punkt feines Programms die engste Entente zwischen Pan-Europa und England." Die Grund- eften des britischen Weltreiches wanken unter den Erschütterungen kontinentalpolitischer Bewegungen in anderen (Erbteilen, nur in (Europa soll es eine Kontinentalpolitik geben können, bie „ausgesprochen anglophil" ist, bie weder die Freiheitsbewegung der Inder, noch die der Aegypter billigt unb ben eigenen Kontinent nur in ber Berftüm melung zu bejahen wagt, in ber ihm der britische, französische und amerikanische Imperialismus ein Recht zu leben gestattet. Unb einem solch jämmerlichen Gebilbe zuliebe, bas aller Trabition echter europäischer Kontinentalpolitik widerspricht, soll das deutsche Volk feinen eigenen politischen Willen auf- geben! Es gäbe keinen schlimmeren Verrat an ber wirklichen politischen Tenbenz Gesamteuropas. Die Zukunft Europas liegt in ber Linie des Selbst- beftimmungsrechtes des deutschen Volkes, und der Kampf um dieses bedeutet vorläufig einen unerbittlichen Kampf vor allem gegen die gegenwärtige europäische Umwelt, der gewiß auf beut- scher Seite nicht mit kriegerischen Mitteln ausgefallen werben kann, ber aber in erster Linie voraussetzt, baß wir ebenso rücksichtslos Freunbe unb Bunbesgenoffen in allen Weltteilen zu gewinnen suchen wie unsere Feinbe im Kriege solche gegen uns zu gewinnen wußten.
(Eine geschichtliche (Erinnerung.
Don Gras Pvfadowfkh
Im Jahre 1505 muhte einer meiner Vorfahren. Ambrosius von Jenkwitz, Rat der Stabt Vreslau, dem ehrbaren Rate geloben, in 14 Tagen 1 Mark (= 334 Gramm Silber) aufzulegen, „darum, daß er in der Ratssitzung l m grymme off den Tisch geschlagen und aus eigener Dewegrruh off gestanden und von bannen gegangen ist." (Ratsarchiv der Stadt Breslau, Hs., G. 5.64.) Wie hoch würde es wohl der ehrbare Rat deS mittelalterlichen Breslau geahndet haben, wenn das Mitglied einer gesetzgebenden Versammlung statt auf Öen Tisch „im grymme" auf einen feiner Kollegen geschlagen hätte, von wörtlichem Beleidigungen und Störungen der Verhandlungen ganz zu geschweigen? Wenn alle Mitglieder einer gesetzgebenden Versammlung in ähnlicher Weise geahndet toürben, welche „offstehen und aus eigener Dewegnuh von dannen gehen" so könnte dadurch bei der fortgesetzten Leere der Sitzungssäle ein erheblicher Betrag der Ver- waltungsiosten dieser Versammlungen gedeckt werden. Die so viel gerühmte „Kultur" hat m unseren Tagen ungeahnt herrliche Fortschritte gemacht.
Don ber Volkszählung in Oberhefsen.
Die Einwohnerzahl im Streife Alsfeld.
Insgesamt ortsanwesend am 16. Juni 38 009, davon männlich 18 335, weiblich 19 674. Rus die
Buntes Allerlei.
Der Geigenbau nach dem Goldenen Schnitt.
Die kurze Blütezeit des italienischen Geigenbaues hat die Welt mit einer Anzahl Meister« geigen beschenkt, deren Vollendung nie wieder erreicht worden ist, so sehr man sich auch bemüht hat, den Geheimniffen ihres Baues auf die Spur zu kommen. Schon bald nach dem Verfall dec von Sttadivarius und Guanerius begründeten Schule hat die wiffenschaftliche Forschung versucht, das Geheimnis zu ergründen, und man hat bald in der gegenseitigen Abstimmung der Refonanzplatten; bald in dem dabei verwendeten Lack oder Holz den wichtigsten Teil erblickt. Merkwürdigerweise aber hat man das Rächstliegende, die charakteristische Form der alten italienischen Geigen und die Ver- hältniffe der einzelnen Teile zueinander, wenig beachtet, und so war es dem Berliner Geigenbau-
Ort:
männl.
weibl.
zus.
Bleidenrod
131
136
267
Brauerschwend
256
270
526
Bühseld
115
121
236
Burg-Gemünden
394
362
756
Dannenrod
130
103
233
Deckenbach
201
209
410
Ehringshausen
373
295
668
Sifa
236
308
594
Elbenrod
144
168
312
Elpenrod
198
203
401
Erbenhausen
135
149
284
Ermenrod
179
168
347
Eudorf
185
228
413
Eulersdorf
60
67
127
Fischbach
35
45
80
Flensungen
237
240
477
Gleimenhain
98
98
196
Gontershausen
96
97
193
Grebenau
322
365
637
Groß. Felda
506
520
1026
Haarhausen
87
75
162
119
123
242
131
140
271
Heimertshausen
175
165
340
Helgersdorf
83
97
180
Höingen
47
69
116
Homberg
690
724
1414
5) r vf gart en
156
157
313
Ilsdorf
73
64
137
Kestrich
134
140
274
Kirtorf
403
413
816
Lehnheim
176
191
367
Lehrbach
169
191 '
360
Leusel
290
294
584
Liederbach
175
182
357
Maulbach
207
227
434
Merlau mit Kirschgarten
334
341
675
Münch-Leusel
41
47
88
Rieder-Breidenbach
92
94
186
Rieder.Gemünden
253
267
525
Rieder-Ofleiden
249
249
498
Rieder-Ohmen
655
667
1322
Ober-Breidenbach
229
274
503
Ober-Gleen
271
281
552
Ober-Ofleiden
178
157
335
Ober.Ohmen
312
368
680
Ober-Sorg
75
70
142
Ohmes
162
219
381
Otterbach
69
59
128
Rainrod
262
252
514
Reibertenrod
68
82
150
Reimenrcch
67
72
139
Renzendorf
54
54
108
Romrod
388
444
832
Rülfenrod
63
67
135
Ruhlkirchen
227
281
508
Ruppertenrod
304
362
666
Schadenbach
89
105
194
Sctzlvabenrod
130
145
275
Schwarz
Seibelsdorf
344
114
346 HO
690
224
Stomdorf
356
401
757
Sttebendorf
141
155
. 296
Udenhausen
156
159
315
Anter-Sorg
29
40
69
Vadenrod
208
215
423
Vocken rode
117
138
255
Wahlen
203
247
450
Wallersdorf
100
108
208
Wc-ttsaasen
110
110
220
Windhausen
179
213
392
Zeilbacb
81
107
188
3eH
308
324
632
Orte des Kreises verteilen sich diese Gesamt- ziffern folgendermaßen:
Ort:
männl, weibl.
zus.
Alsfeld
2437
2659
5096
Altenburg
371
402
773
Angenrod
247
279
526
Appenrod
145
153
293
Arnshain
190
218
408
Atzenhain
247
278
525
Bemsburg
143
160
294
Dernsfeld
215
226
441
Bieben
109
137
246
Billertshausen
119
128
247


