Ausgabe 
6.7.1925
 
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Montag, 6. Juli 1925

Nr. (55 Zweites Statt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aus dem Reiche der Frau

gläubischen Einbildung sein.

M. G.

künstlerischer Kräfte im Kinde gegeben. 3m übri­gen: ein völlig leerer Raum ist für Kinder ein viel besserer Spielplatz als die gewöhnlichen überladenen Kinderzimmer, in denen die Kinder sich selten frei bewegen können.

Kindheit und Jugend brauchen nicht viel zum Glücklichsein, nur Freiheit, Raum und Zeit und Betätigungsmöglichkeiten.

chen Kleinigkeiten nicht allein zu helfen weih, und bittend und bewundernd zu ihrem Mann ausschaut, während sie ihm in schweren Schicksalsfragen eine mutige Gefährtin ist. Und die heitere und sonnige Frau. Eine ernste, schwermütige Frau mag sie noch so viele wertvolle Eigenschaften haben wird nie ihren Mann und ihr Haus glücklich machen.

Sie überlegt, zweifelt, ich glaube aber doch, sie wird versuchen, ihren Kindern einen Kinder­garten zu schassen.

laß ihn nicht Wolf sein." Dabei habe ich gelernt! Wir können überhaupt auf diesem Gebiet von Kin­dern lernen. Unser Eingreifen sei daher zart und behutsam, mehr unmerklicheHilfe" als Oberbefehl. Verständnis, Mitfreuen, Interesse ist gewöhnlich alles, was das Kind von uns verlangt. Wir soll­ten aber auch unsere Wahrnehmungen, wenn sie uns noch so sehr in Staunen sehen und belustigen, teilen. Wir nehmen ihm dadurch die Unbefangen­heit, schüchtern es ein oder machen es gefallsüchtig. Der schaffende Trieb, den das Kind mit dem Künst­ler gemein hat, ist an der Wurzel getroffen und gestaltet nicht mehr nach eigensten Gesehen, son­dern beirrt durch äußere Rücksichten. Dagegen kön­nen wir manches dazu tun, die Einbildungskraft des kleinen Volkes zu bereichern und zu veredeln. Nichtnur, indem wir im Mitspielen unsere eigenen Phantasien walten lassen und die seine dadurch er­gänzen, sondern indem wir es vorsichtig und mit Maßen in jene Welten blicken lassen, die Erfahrung, Wissenschaft, Kunst, und vor allem der Niederschlag der Phantasie früherer Geschlechter, das Märchen, uns ausgebaut haben. Der Wert des Märchens für das Kindergemüt wird in unserer Zeit, die auf Wahrheit und Klarheit bringt, oft bestritten. Aber ohne den holden Traum kommen wir ja doch nicht aus, wenigstens nicht in der Jugend. Solange die Sehnsucht' im Menschenherzen lebt, wird er sich ewig neu ergänzen. Und dem Kinde, das der Welt der Tatsachen so hilflos gegenübersteht, sollten wir sein Traumland nicht gönnen? Wer wirklich mit Kindern gelebt, sich in sie hineinversetzt hat, der weiß, was es ihnen bedeutet. Ich glaube, die Leute, die das Märchen aus der Kinderstube verbannt wissen wollen, haben sich nicht recht innerlich mit den Kleinen abgegeben. Ihnen kann es am ersten geschehen, daß Dienstboten oder ungeeignete Ge­fährten der hungernden Phantasie mit Spuk- und Gespenstergeschichten entgegenkommen, und das Herz ihrer Kleinen wird nicht auf feiten ihres auf­klärenden Verstandes, sondern auf feiten der ober­

erhielt im Kindergarten seinen festen Stand und wurde nut noch zum Winter hrneingenommen. Das Spielzeug lag oft lange im Sande ver­scharrt und bereitete neue Freude, wenn man es wieder auffand. Je größer die Kinder wur­den desto größer und tiefer wurden die Löcher und Gruben. Man hoffte da tief in der Erde womöglich noch Schätze der Dorzeit zu finden, und fand man nichts, so sollten wenigstens die späteren Geschlechter etwas finden I Flaschen mit kleinen Briefen und Zettelchen versehen, ver­schiedene Münzen, altes Spielzeug wurde tief in den Erdenschoß gebettet und im Geist malten sich die lleinen Schatzgräber das Erstaunen der Leute nach Hunderten von Jahren aus, wenn sie den Fund ans Tageslicht ziehen würden!

Begräbnis" wurde natürlich oft genug ge­spielt; jedes tote Bögelchen, jedes im Ei er­storbene Kücken usw. wurde mit vielstimmigem Gesang begraben und die lleinen Hügel oft lange mit Blumen geschmückt. Als die Knaben, der Dorfschule entwachsen, aufs Gymnasium mußten, zog Liebe und Anhänglichkeit an ihren Garten mit ihnen. Allerlei Pläne zur Verschönerung wurden gemacht, ihre Ersparnisse dazu ange­wandt und so entstanden in den Ferien immer neue Herrlichkeiten: In der einen Ecke des Gar­tens eine Steingrotte, wozu die Steine mit größ­ter Mühe hingekarrt wurden, ein lleiner Spring­brunnen, künstlich aus einer hochangelegten Tonne gespeist, eine lange Tannetthecke, wozu die Setz­linge weit von einem Förster auf der Schub­karre geholt wurden. Die Zeit ist darüber hin­gegangen, die Tannenbäume sind groß gewor­den und wieder abgehauen, die Kinder sind als Männer in Amt und Beruf hinausgezogen in die weite Welt, aber in der Erinnerung an ihre Jugendzeit wird der Kindergarten ihnen sicher unvergeßlich bleiben. Die Veil­chen blühen, die Lerchen sind da, ich flehe mit einer jungen Mutter am Gartenzaun und erzähle ihr von unserer Kinder Kindergarten.

Stehen wir als Erzieher nicht durchaus im fluten­den Lebensstrom der Gegenwart, bauen wir nicht bewußt mit an einer Kultur, die unseren inneren Zeitbedürfnissen Rechnung trägt, so können wir unsere Kinder nicht für die Zukunft erziehen. Denn: Es ist Lebensgesetz, daß die Entwicklungsstufen der Menschheit von einzelnen Menschen durchlaufen wer­den müssen, ehe er eine neue und höhere Entwick- lungsepoche einleiten kann. Es ist Erfahrungstat­sache, baß viele unserer heranwachsenben Jugenb- lichen burch ben Einfluß ber häuslichen Umgebung im 19. Jahrhunbert stecken bleiben unb hier ver­kalken. Ich habe junge Mäbchen gekannt, bie in sich ihre Großmutter personifizierten.

Hier liegt auch bie Tragik begrünbet, bie wir heute im Verhältnis zwischen Eltern unb Kinbern er­leben. Zwingen bie Eltern ihre Kinber, sich nach ihren Anschauungen zu bilben, so entfremben sich bie Kinber ihren Eltern vorausgesetzt, baß noch etwas Selbstänbigkeit in ihnen lebendig geblieben ist. Sind aber die Eltern einsichtsvoll genug, der Jugend freie Bahn zu geben, so erleben sie den Schmerz ber Loslösung unb Selbstänbigkeitswer- bung vielleicht ebenso stark, wenn auch ohne Bit­terkeit. Tragisch ist bie Lage immer: Wo zwei Zei­ten aufeinonber treffen, ist bie Krisis geboren. Es liegt an ben Menschen ber Umgebung unb an ber ganzen körperlich-seelischen Gestaltung ber Häus­lichkeit, ob jung unb alt biefe Krisis gesunb Über­stehen, ober ob sie zugrunbe gehen.

Die meisten bürgerlichen Wohnungen sinb heute entroeber Tröbelkammem für überflüssige Jnbu- ftrieartifel ober kümmerliche Versuche, kleinstäbti- sche Museen zu ersetzen. Kinber, bie in biefer Um­gebung heranwachsen, werben fast burchweg Be­satzer all ber Jnbustrien, bie Luxusartikel, Reise- anbenten unb Hausgreuel Herstellen. Sie halten es für selbstverstänblich, baß bie Hausfrauen bie Hälfte ihres Lebens mit Abstauben verbringen müssen. Unb noch mehr: sie bekommen Angst vor bem freien Raum, unb bas heißt, baß nicht mehr sie selbst Gestalter ihres Lebens sinb, fonbern baß bie Ma­terie sie erbrüeft, sie körperlich unb seelisch verge­waltigt.

Hat man niemals beobachtet, wie bie Augen ber Kinber bei leudjtenb bunten Farben strahlen? Mein etwa breijähriger Neffe spielte mit einem bunten Farbenbomino. Auf einmal hebt er ben roten Stein hoch unb jubelt ganz glückselig:Tut maul, Tante Henny, wie bas Steinchen lacht!" Unb nun halte man Umschau bei ben Farben un­serer Wohnungen unb versuche sie mit ben Augen bes Erziehers zu schauen. Ein Grauen überkommt uns ob unserer Nüchternheit unb materiellen Zweck­setzung. Wie farblos sinb Wänbe, Möbel, Fuß- böben unb Stoffe! (Die paar Sofakissen aus bunter Wolle, bie ja doch nurSchlager" sind, ändern am Grundcharakter gar nichts!) Und da wundern wir uns, wenn uns und unseren Kindern jegliches na­türliche Gefühl für Schönheit in Farbe unb Form verloren geht, wenn wir gar kein persönliches selb- ftänbiges Urteil über Kunstwerke haben unb immer erst abwarten müssen, bis uns irgenbein Kritiker bie Richtung gegeben hat?!

Erziehung ist in ben ersten Lebensjahren vor allem Gewöhnung. Das Kleinkinb, besten Intellekt noch wenig ausgebilbet ist, nimmt alle Einbrücke gefühlsmäßig in sich auf. Sein Körper unb feine Seele atmen förmlich bie Lebenslust bes häus­lichen Milieus in sich ein, unb ba sein Wesen noch frisch unb unberührt ist, prägen sich biefe Einbrücke tief unb unauslöschlich ein. Die Regelmäßigkeit ber Lebensweise, Drbnung, Sauberkeit unb eine ver- nünftnge Pünktlichkeit sinb notroenbige Regulie­rungen unseres Lebens. Durch Gewöhnung können wir sie unseren Kinbern als Geschenk mit auf ben Lebensweg geben.

Im Kinbe leben probuktive Kräfte. Das Klein­kinb hat bas Bestreben, alles, was es innerlich er­lebt, nach außen in bie Tat umzusetzen. Es will gestalten. Durch fertiges Spielzeug wirb biefe schöp­ferische Kraft gehemmt, burch zuviel Spielzeug vielleicht ganz unterbunben. Masse erzieht zur Ober­flächlichkeit. Was bas Kinb bagegen braucht, ist ge­staltloses Material, wie es uns zum Teil bie Na­tur bietet in Sanb, Steinchen, Eicheln unb Tan­nenzapfen, unb wie wir es zum anbern Teil selbst beschaffen können: Ton unb Plastilin, Weißpapier unb Buntpapier, Bleistift unb Buntstifte, Bau­steine unb Bauklötze. Kommt bazu ein niebriger Tisch unb ein Stühlchen, ber Größe bes Kinbes an­gepaßt, so sinb bie Vorbebingungen zur Entfaltung

Kindliche Phantasie.

So sehr bas Kinb, gerabe bei sorgfältiger Er­ziehung, mit seinem Denken, Fühlen unb Sinnen vom Erwachsenen abhängt, ein Gebiet bleibt ihm, auf bem es felbftänbig walten unb schalten kann: bas Reich ber Phantasie. Ein kleiner König ist es in biefem Reich mit mehr als königlicher, mit schöpferischer Gewalt.So er spricht, so geschieht's, so er gebeut, so steht's ba." Die Fußbank wirb zum Pferb, bas roilbe Ritte vollführt, ber Stuhl zum Wagen, auf bem ber Knabe ernst unb majestätisch sitzt, bie Peitsche in ber Hcmb. Das Mäbchen wärmt abenbs ber Puppe bas Bettchen am Ofen unb er­zählt als Entschulbigung:Sie friert so, sie bibbert recht." Das fertige Spielzeug wirb bolb unbeachtet beiseite liegen ober zu ganz anberen Zwecken als bem gebuchten bienen. Die Einbilbungskraft bes Kinbes will felbftänbig formen. Der Erwachsene hört mit Staunen, baß bies mit bem Stiel nach oben gestellte Tausenbschönblümchen ein Kinb sei, das früh nach bem Aufstehen im roten Unterröck­chen umherlaufe. Die Mutter sieht bie Sessel in einem bunflen Winkel zusammengeschoben, unb bie Silberschale, ben Golbstuhl bahinter blinken, wäh- renb ihre Kleinen, an ber Erbe fauernb, bie fteu- big-erwartungsoollen Gesichter zu ihr emporrich- ten. Ja, sie hat bie Felsenhöhle vor sich, in ber bie Zwerglein ihre Schätze bewachen! Wie verkehrt wäre es, ba zu lachen, abfälliges Erstaunen zu äußern ober gar mit nüchterner Aufklärung ba- zwifchen zu treten. Ich habe einmal einem beson- bers zartsühlenben kleinen Mäbchen sehr wehge­tan, inbem ich, mit ihm fpielenb, einen zerschlage­nen Parzellanhund zum Wolf erniebrigte, in dessen so zugänglichen Bauch Rotkäppchen und bie Groß­mutter verschwinben sollten. Unter Schluchzen kam plötzlich bas Geständnis:Ich hab' ihn so lieb.

Das Modebild des Sommers.

Geschmackliches unb Geschmackloses.

Durch die Straßen der Stadt ergießt es sich, hell, buntfarbig, tarriert, gestreift, alles ist erfüllt von sommerlich bunter Leichtigkeit. Die Sonne wird zur Verbündeten der Mode, läßt ihre vio­letten strahlen durch die Seide auf die Haut brennen und verwandelt langsam Hals und Arme in die berühmte ModefarbeArabe . Das Kleid Eomplet, bisher der einzig seligmachende Mode- faktor wird von Frau Sonne diktatorisch in den Hintergrund gedrängt, wer weiß, wie bald wir es vielleicht unter kühlen Regenschauern hervorholen müssen. Freuen wir uns ber Sonne unb sommer­lichen Hitze, sie belebt im gutem unb bösem Sinne bie Gegenwart. Der gute Sinn ist all bie farbliche Fröhlichkeit unb kostumliche Freiheit, ber böse, bie oft gerabezu verblüffenbe Geschmacklosigkeit, welche sich mit grotesker Komik breit macht. '21 n unb für sich bas kann man auch von ber Mobe sagen ist kein Ding gut ober böse, erst bie verkehrte An- roenbung beschwört bie Geschmacklosigkeit herauf. Die Aermel kriechen ber Temperatur entsprechend immer höher am Arm empor, bis sie am Punkte völliger Abwesenheit angelangt find. An sich wäre das ja ganz nett, aber es kommt auf bem Arm an; bas ist bie Karbinalfrage, bie in ben seltensten Fällen beuchtet wirb. Die Stoffe Übermänteln ihre Durchsichtigkeit burch farbenfrohe bekorative Mu­ster. Diese Muster wachsen mit Zunahme ber Hitze ins Gigantische, so baß manche Frau zum man- belnben Ornament wirb Die Sommermobe ist wie ein grüner Sumpfboden, man wagt sich harm­los auf das verräterische Gebiet unb versinkt in rettungslose Lächerlichkeit. Unbärmherzig beleuchtet ber grelle Sonnenschein alle Geschmacklosigkeiten, bie Mobe entfaltet einen größeren Jbeenreichtum, bringt erhöhte Lebhaftigkeit ber Farben unb Muster, sie ist bebeutenb anziehenber in Form und ßinienfpiel als die Wintermode, birgt aber Fähr­nisse in sich, welche der geschmacklich Unsicheren zum Verhängnis werden.

Aber wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen! Das modische Gesamtbild zeigt leider immer noch viele erfolglos Jagende. Die fonfeftio« nelle Vervielfältigung ist ein schmerzensreiches Ka­pitel im Buche der Mode; hier wird viel gegen ben guten Geschmack gefünbigt. So wirb Wasch- scibe bie(en Sommer Gemeingut ber ganzen weib­lichen Einwohnerschaft ber Stabt (voriges Jahr war es Frottä). Man kann einem, in Schnitt unb Linie recht feschem Kleibe am Tage zehnmal be­gegnen, bie Konfektion entwertet Öen Begriff Kleib als bestimmter Perfönlichkeitsausbruck zur Uniform. Zwei, brei Exemplare sinb ja aanz '-eit unb lustig, aber biefes lleberfluten mit foftüml d)tr Gleichheit steigert, sich zur Monotonie, bie eine entsetzliche mobische Langeweile atmet. Auherbem sinb wir ja schließlich keine Tillergirls in ber Re­vue bes Lebens.

Da nun einmal bas Wort gefallen ist, auch bie Röcke sinb von einer reoueartigen, brüberlidjcn, parbon, schwesterlichen Gleichheit in bezug auf d'e nicht vorhanbene Länge. Sie verkürzen sich stark unb schnurren von ber Fußfreiheit bis zur Knie­freiheit zusammen. Dieses Gebot ber Mobe w'.d. nicht immer schön, aber kritiklos, burchgesührt. Ueberhaupt bie Selbstkritik, wo bleibt sie? Die alten Griechen schrieben über ihre Tempel:Er­kenne Dich selbst". Wumm prangt biefe überaus wichtige Mahnung nicht über ben Türen ber Mobegeschäfte, benn Selbsterkenntnis wäre einem großen Teile ber Weiblichkeit so bitter nötig. Sie ist bas erste Gebot zur geschmackvollen Gestaltung bes äußerenIch" (von ber inneren Gestaltung wollen wir schon gar nicht reben). Hauptsache ist, baß man die richtige Form zum Körper finbet.

Aber wie bem auch sei burch bie Straßen ber Stabt ergießt es sich, hell, buntfarbig, tarriert unb gestreift, geschmackvoll unb geschmacklos spiegelt bie Stabt bas Mobebilb bes Sommers. L. W.

Unser Kindergarten.

Von MarieAeuter.

Vicht eineKleinkinderbewahranstalt" meine ich, die ja Wohl auch oft diesen Barnen trägt, sondern das Stücklein Erde, das unserer Kin­der Eldorado war, woran sie wohl noch letzt, nachdem alle längst erwachsen sind, mit Freude gedenken.

Wir hatten keinen großen Obst- und Gemüse­garten, aber trotzdem gehörte ein Stück davon unseren Kindern, ganz den Kindern. Als die beiden Aeltesten schon laufen und das dritte ins Freie getragen werden konnte, suchte sich unser Kindermädchen im Garten die sonnigste und geschützteste Stelle aus und lieh da ihre kleinen Pfleglinge nach Gefallen auf der Erde herumkrabbeln. Unser Garten hat Sandboden, und wenn man einen Spaten tief die Mutter­erde weggrübt, kommt der schönste weiße Streu­sand zu Tuge. Wir räumten also einen Platz von der Muttererde und hatten unser Ver­gnügen, den kleinen Maulwürfen zuzufehen, wie sie sich mit ihren kleinen Spaten und Schaufeln immer tiefere Löcher in den Sand buddelten. Der geschützte sonnige Platz lockte noch andere Kindermädchen mit ihren Kleinen herbei und bald war's eine höchst bunte GeseUschaft, die sich hier täglich zusammensand. Da machte es sich denn fast von selbst, daß so eins nach dem anderen von all den herrlichen Dingen entstand: Die Schaukel, wo hinein auch die Kleinsten gefahrlos gesetzt werden konnten, und hakte man sie aus, dann waren die Ständer ein Turn­gerüst, ein verstellbares Beck, worin schon Vier­jährige ihren Aufschwung und ihre Dauchwelle machen konnten. Später folgte ein Barren, eine Wippschaukel, in dem Basen, der an einer Seite terrassenförmig ansteigt, wurden Sandmühlen und Maulwurfshöölen angelegt, die den Garten nicht gerade zierten, aber den Kindern unendliches Vergnügen bereiteten. Der alte Kind er tisch

Das Glück in der Ehe.

Von C h r i ft i n e Holstein.

Das Glück ber Ehe beruht in ben weitaus meisten Fällen auf ber Lebenskunst ber Frau, auf ihrem Takt, ihrer liebevollen unb liebenswürdigen Klugheit. Eine kluge unb eine liebensroürbige Frau wirb kleine Aufmerksamkeiten ihres Mannes, z. B. bas Mitbringen von Blumen, nie gleichgültig unb achtlos hinnehmen- selbst wenn sie im Augenblick noch so beschäftigt ist, fonbern immer eine herzliche Freube barüber zeigen unb bie kleinen Geschenke sorgsam zur Geltung bringen, sie wirb auch für ritterliche Hilfeleistungen einen anmutigen Dank, ein freunbliches Lächeln haben sonst wirb ber Mann bies alles gar halb unterlassen unb bie Ehe zur grauen, nüchternen Alltäglichkeit werben, wäh- renb boch gerabe bie Seelenanmut ber Frau einen warmen Glanz unb feinen Hellen Schimmer barüber breiten kann.

Leiber besitzen gerabe außergewöhnlich schöne Frauen biefe sonnige seelische Anmut unb Freunb- lichkeit seltener. Sie sinb in ihrem Mäbchenleben unb als Braut so sehr mit Aufmerksamkeiten unb Zärtlichkeiten überschüttet worben, baß sie bies alles leicht als etwas Selbftverstänbliches, ihnen Gebührendes hinnehmen. Unb in ber Eye fehlt es ihnen oft an Selbstbeherrschung unb Ausgeglichen- heit. Sie möchten immer bie angebetet», umwor­bene, verwöhnte Frau fein. Schönheit macht eben sehr leicht anspruchsvoll unb ist zugleich ein Frei­brief für kapriziöse Launen unb kleine Zügellosig­keiten bes Charakters. Das enge, bauernbe Zu­sammenleben in ber Ehe verlangt aber eine ganz anbere Jrauenari, b i e Frau, bie bem Manne bas Haus zur Heimat macht. Hier liegt ber tiefe Grunb, warum gerabe bie Ehe sehr schöner Frauen oft unglücklich ausgeht.

Eine sehr verhängnisvolle Unklugheit ist es, wenn bie Frau ben Interessen ihres Mannes gleich­gültig gegenübersteht. Sehr viele Männer haben neben ihrem Beruf irgenbeine Liebhaberei, einen Sport, eine Kunst, bie sie in ihren Mußestunben pflegen. Ich kannte eine junge Frau, beren Mann Sonntags mit Begeisterung segelte. Er hatte sich's fo schön gebucht, mit seinem reigenben Frauchen auf seinem weißen Schifflein zu segeln. Aber bie junge Frau ging lieber im buftigen Sommerfleib unb neuem Hut spazieren, um in einem schattigen Kaffeegarten bei Kuchen unb Schlagsahne zu lan­den. Ein paarmal folgte sie wohl halb widerwillig ihrem Manne auf das Segelschiff, ein paarmal brachte sie ihn dazu, sie zu begleiten. Aber bald ging jedes seine eigenen Wege. Der Konflikt scheint gering. Aber die Ehe wurde nach einigen Jahren geschieden. So kann s gehen, so kann sich ein Riß zur Kluft erweitern.

Eine andere Frau kannte ich, die hatte einen großen, naturwissenschaftlichen Liebhaber und Sammler geheiratet. Zwei Zimmer der Wohnung waren ein förmliches Museum voll von ausge- ftopften Vögeln, Tierskelekten unb Schübeln, Ko­rallen, vorzeitlichen Krügen unb Urnen, Glaskästen mit Voaeleiem und Schmetterlingen. Nach Schluß seiner Geschäftszeit war es für ben Mann bie liebste Beschäftigung, in seinem Museum einzuorb- nen unb zu registrieren. Obwohl bie Interessen ber jungen Frau auf anberen Gebieten lagen, ging sie lebhaft unb liebensroürbig auf bie naturwissen­schaftliche Sammlung ihres Mannes ein; sie half ihm beim Drbnen, ließ sich erklären Mit reizenber Schelmerei sagte sie einmal, ben größten Spaß be­reite es ihrem Manne, wenn sie rechtbumm" sei unb er sie belehren müsse. Diese Ehe ist bie bentbar glücklichste geworben.

Es ist ja eine harmlose Schwäche nicht ber schlechtesten, nein, oft ber besten Männer, baß sie ihre kleine Fram gern ein wenig belehren. Unb warum soll bie kleine Frau biefer Schwäche nicht liebensroürbig schmeicheln, wenn sie einen treu- forgenben, guten Mann hat?

Ein sehr kluge Frau, bie alles besser weiß, wirb kaum von ihrem Manne heiß geliebt werben. Ebenso wenig bie sehr zurückhaltenbe Frau, bie ihre Liebe unter Scheu unb Herbheit verbirgt. Diese Eigenschaften mögen an einem schonen jungen Mädchen reizvoll sein. Aber in seiner Ehe will der Mann nicht rätseln und erobern. Da will er in dem warmen, traulich holden Wesen seines Weibes aus- ruhen von den Kümpfen draußen in der Welt. Unb fo ist die geliebtefte Frau noch immer die weiche, süße, anschmiegsame Frau, die sich in man-

Der Einfluß der häuslichen Umgebung auf das Kind.

Von Henny Schumacher.

Wer die Weisheitssprüche Goethes kennt, entsinnt sich auch seines Wortes:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen, Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist alsobald und fort und fort gediehen Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.

So mußt du fein, dir kannst du nicht entflieh'n". So sprachen schon Sibyllen, so Propheten, Und keine Zeit, keine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

In diesen Worten betont Goethe die Macht der Natur, die Macht der uns als Wesenseigentümlich­keit geschenkten Anlagen und Kräste, die alsdas Dämonische" unser Sein und unser Dasein be­stimmen. Mit der Erfahrungstatsache, daß unsere Seele also feinunbeschriebenes Blatt" darstellt wie vergangene Zeiten wohl meinten, fällt grund­sätzlich die sogenannte Milieu-Theorie, die den Men­schen rein als das Produkt seiner Verhältnisse an- sieht. Ebenso wissen wir aber heute, daß die 'Natur­kraft in uns durchaus nicht die einzige, uns bestim­mende Macht ist, daß vielmehr Heide Kräfte in Vereinigung das gestalten, was wir den Menschen und sein Schicksal nennen. Die bewußte und un­bewußte Gestaltung der äußeren Einflüsse bezeichnen wir ganz allgemein als Erziehung. Eine Erziehung wäre unmöglich, wenn die Menschennatur allein von innen her gestaltet würde. Es ist schon so: Das Milieu hat die Fähigkeit, unsere Seele zu wandeln, sie eindrucksfähiger und sensibler zu machen, rich­tunggebend zu wirken allerdings nur unter Be­rücksichtigung aller Gelegenheiten. Die menschliche Persönlichkeit ist einem Strome zu vergleichen, ber aus zwei Quellflüssen entstauben ist. Die Wässer strömen zusammen unb verwischen sich berart, baß ber Stromlauf eine Einheit bilbet.

Welche von ben beiben uns beftimmenben Kräften bie stärkste Macht ist, bas ist, ganz allgemein, nicht zu beantworten. Die Erfahrung lehrt uns, baß ber Durchschnittsmensch bem Milieu saft burchweg er­liegt, baß aber Willensmenschen unb starke Geistes­begabungen sich burchsetzen. Wobei allerbings zu be- benfen ist: Wir wissen nicht, wieviel geniale Naturen, etwa burch wirtschaftliche Note, in ihrer Entwick­lung gehemmt ober gar zugrunbe gerichtet würben.

Hier liegt baher unsere Verantwortung. Der Mensch als Gattungswesen kann die Umgebung des Kindes erziehlich und unerziehlich gestalten. Aller­dings gibt es eine gesetzmäßige geschichtliche Entwick­lung, die über den einzelnen Menschen hinweggeht. Aller menschliche Wille wäre z. B. nicht imstande, die Industrie zu negieren, um zum Handwerk zurück­zukehren. Es ist notwendig, diese geschichtlichen Ge­setze zu erkennen, um durch ihre Ausnahme in un- seren Willen von ihnen frei zu werden, und um dann in Freiheit den gestaltenden Weg der Er­ziehung gehen zu können.

Die häusliche Umgebung, die einen der stärksten Erziehungsfaktoren darstellt, ist nun ihrerseits durch die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kultu­rellen Verhältnisse bedingt, unter denen nicht nur das einzelne Volk, sondern die ganze Menschheit lebt. Es gibt überhaupt keinesplendid Isolation, sondern an irgendeinem Punkte ist jeder Einzelhaushalt, jeder einzelne Mensch aufs festeste und schicksalstragisch mit Welt und Menschheit verknüpft. Erziehlich be­deutet dies, daß jeder Mensch als Erzieher die Pflicht hat, bewußt diese Zusammenhänge zu sehen, um diese Kultur- und Schicksalsverflochtenheit als eine Erziehungsmacht wirksam werden zu lassen. Es gibt Menschen, unter ihnen solche, die sich Päda­gogen nennen, die wohl mit ihrem Körper im 20. Jahrhundert leben, aber in ihrer seelisch-geistigen Entwicklung um einige Jahrhundert zurückgeblie­ben sind. Es wäre eine Steitfrage, ob nicht Prügel­pädagogen und Haustyrannen sogar ins Mittelalter gehörten.

iflt fen. titen, bäumtet: Nem Arier, em usw. iten, nsiusenausAasaltlava « . Granit,

x, Darunter: Mhvlz zu liefern abjubinben Zuschlägen, iten, darunter; erdach neefanggitler. n, barunter: gerinne Krrhre. läge, darunter: Mtung Weitung.

Sedingungen und An- rd auf unserem Zweig- die letzteren zum Selbst- e 3onat reicht, erhält- > verschlossen und post- nder Bezeichnung oct- ch, den 15.3UÜ 1925, r, bei uns einzureichen, in Anwesenheit etwa ber erfolgen wird, wrbehaltlich ministe- g 3 Wochen.

3uli 1925. toeigbureaudauttiimL Getbel. 6620c

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