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Feuer am Nordpol.

11. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

bei

sie

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Von Karl-August von Lassert.

,^)abcn Sie zufällig ein Stückchen Platin sich?"

Stratoff zog ein Ledertäschchen hervor.

Hier sind mehrere Platinkörnerchen, wie direkt aus dem Sonde gewaschen wurden."

Man muß keinen Winkel undurchsucht lassen", sagte Stratoff.

Nun begaben sich alle nach draußen. Die alte Frau wurde mit gefesselten Händen initgeführ!.

Hier berichtete Stratoff der erregt fragenden Fürstin.

Worum erschossen Sie den Unglücklichen?" fragte Linda empört.

Aus Liebe zu Ihnen. Für Sie würde ich auch jedes andere Verbrechen begehen", sagte Stratoff leise und fügte laut hinzu:Jener Schurke bestahl Sie und versetzte Sie in Aufregung. Dafür mußte er sterben.

Linda wandte sich ab, und Sanders fragte den Russen:

Sind die Körner, chemisch rein, oder bestehen sie aus der gleichen Legierung wie Ihre Kassette?"

Die Kassette ist reines Platin. Die Körner da­gegen sind noch verunreinigt."

Besitzen Sie nicht irgendein anderes Stück­chen reinen Platins?"

Leider nein."

Können Ihnen meine Ohrringe helfen?" fragte Linda.Sie sind in Platin gefaßt."

Sanders betrachtete voller Interesse die beiden großen Perlen in Lindas Ohren.

Es wird gehen," sagte er, da kein anderes Metall dabei verwendet ist."

Die Fürstin nahm die Perle aus ihrem linken Ohr und reichte sie Sanders. Dieser zog aus seiner Tasche eine kleine Metollkapsel, in der er den Ohr­ring barg. Die Kapsel befestigte er mit einem Kettchen an der Schlinge der Wünschelrute, so daß sie frei herunterhing.

Wozu geschieht das?" fragte Linda höchst inter­essiert.

x)d) machte ötc trrsayruna, daß die 'Jane leuy» ler reagiert, wenn man an ihr ein Stückchen des zu suchenden Metalles oder Stoffes anbringt. Da ich noch nie auf Platin rutete und dessen Ausschläge nicht kenne, muß ich mich dieses Verstärkungsmtttels bedienen. Doch vermag ich nicht für den Erfolg zu bürgen."

Er stellte die Rute aufrecht zwischen die Zeige­finger, so daß sie trotz der oufgehöngten Koosel einigermaßen ausbalancierte. Run ging1 er langsam in das Haus zurück, gefolgt von Linda und Ste- fanescu.

Im regen Eifer hatte die junge Frau den Toten vergessen. Als sie ihn unerwartet vor sich liegen sah mit dem dunkel geronnenen Blutfleck an der Schläfe, schreckte sie instinktiv zurück. Doch die bren­nende Erwartung überwand das Entsetzen.

Unmittelbar vor dem Toten begann die Rute sich leicht zu drehen. Sanders ging zur Pritsche, auf welcher der Russe gelegen hatte. Die Rute stand. Auch bewegte sie sich an keiner anderen Stelle des Zimmers, nur über dem Toten selber drehte sie weiter.

Merkwürdig!" meinte Sanders.Die Aus­schläge vom Platin kommen von jenem Manne her. Aber er kann doch unmöglich die große Kasiette unter seiner Kleidung verborgen haben."

Falls er sie nicht in einzelne Stücke zerschlagen hat", sagte Stefanescu.

Vielleicht trägt er noch die Ausströmungen des Metalls in seinen Kleidern", riet Linda instinktiv.

Die Fürstin hat recht", erklärte Sanders und warf Linda einen dankbaren Blick zu.Die Aus­schläge kamen mir auch so merkwürdig schwach vor."

Ader die weitere Durchsuchung des Hauses und des zerfallenen Stalles ergaben nicht das geringste Resultat.

.Wir müssen auf der alten Fährte zurückgehen", sagte Sanders, hoffentlich wurde sie unterdessen nicht unkenntlich."

Er entfernte die Kapsel mit der platingefaßten Perle und nahm die Rute in gewöhnlicher Weise. Hinter der Stelle, wo die Diener mit den Pferden hielten, beschrieb er quer zur Richtung, aus der er gekommen war, einen Halbkreis. Die Rute zuckte. Er hatte die Fährte wieder.

Trotz der sengenden Mittagshitze begleitete Ste- sanescu chn unermüdlich zu Fuß, während die an-

veren zu Pferde folgten. Er ging Den Weg zurück, den sie vor kurzem in schnellem Galopp durchmessen hatten.

Plötzlich wich die Fährte im rechten Winkel ab. Erstaunt hielt Sanders einen Augenblick an und blickte voraus. Ein nicht sehr entferntes Dornen- aeftrüpp ließ ihn seine Schritte beschleunigen. Die Spur wies ins Innere des dichten Busches.

Sanders hing aufs neue die Kapsel mit dem Ohrring an die Silberschlinge. Kaum stand sie auf­recht, als sie hastig nach dem Dornendickicht drehte. Er umschritt den nicht sehr großen Busch. Stets geigte die Schleife mit der Kapsel nach der Mitte des Gestrüpps.

Schicken Sie Ihre Diener hinein", sagte er zu Linda.Dort drinnen liegt die Kassette des'Herrn Stratoffs versteckt."

12.

Am späten Nachmittag trafen zwei Autos von Saratu her vor dem Bohrturm der anglorumäni» scheu Kompagnie ein. Dem ersten Wagen entstiegen die Fürstin, Sanders und Stefanescu, die Prin­zessin und Stratoff dem zweiten. Iorga und Nagel empfingen sie.

Der erstere berichtete:

Die Bohrung war bis auf 500 Meter Tiefe fortgesetzt. Das Bohrloch blieo auch ohne Ver­rohrung intakt. Bei den letzten fünf Metern hatte sich eine Komplikation ergeben. Durch Ausstößen auf einen besonders harten Felsen, anscheinend ver- sprengtes Urgestein, lösten sich einige Diamanten der Krone los, die diese beim Weiterbohren gefährdet hätten. Der Versuch, mit einer Wachsbüchse die Splitter zu fangen, blieb erfolglos. Auf Anraten des Ingenieurs Nagel brachte man eine Quecksilberschicht in das Bohrloch, auf deren Oberfläche die los- aelöften Diamanten und einige SDletaUfplitter schwammen, so daß man sie nach längerer Bemühung abzufangen vermochte.

Die hierdurch eingetretene Verzögerung war so groß, daß man die Arbeit noch nicht völlig be­endet hatte. Die Sprengladung, zehn Kilogramm Pikrinsäure, war gelegt und verdämmt. Es mußte nur noch der Rest des Gestänges gehoben werden.

Stefanescu sprach sich anerkennend aus. Dann machte er den Damen die nötigen Erklärungen, die cs nicht begreifen konnten, daß man in einer so ungeheuren Tiefe einerseits die winzigen Diamant­

splitter zu fangen vermochte, anoererfens schwere Sprengladung an die richtige Stelle brach.

Jetzt begaben sich alle in das Innere des Tur mes und schauten zu, wie das fast 500 Meter lancx Gestänge Stück für Stück aus dem Schlunde bc Erde gehoben und oben abgefchraubt wurde.

Sanders allein blieb draußen und ließ fein, Rute an verschiedenen Stellen spielen. Mehrfae überprüfte er die Tiefe der petroleumführende, Spalte und versuchte sich Klarheit über den Druc des Oellagers zu verschaffen. Schließlich schien e befriedigt.

Als das letzte Stück des Gestänges gehoben war ging man an den Abbau der Bohrmaschine.

Kann die Explosion uns gefährlich werden^ fragte die Prinzessin.

«Don der Sprengung in der großen Tiefe vo 500 Meter werden wir hier oben kaum etwas ve: spüren", erklärte Stefanescu.Wir entfernen abt die Maschinen, weil ihre Tätigkeit beendet ist. Fall der erhoffte Oelausbruch erfolgt, legen wir dan sofort eine Rohrleitung an das Bohrloch, die da Petroleum zum nächsten Tank übersührt."

Falls die Oelspalte kräftig angeschlagen wird rechne ich mit einer starken Eruption", sagte Son ders.Da der Wind von Westen S?ht, rate ich, da in der Windrichtung liegende Motorenhaus eben falls abzubauen."

Das würde einen berartigen Aufenthalt vei urfachen, daß wir heute nicht mehr sprengen kön nen", warf Iorga ein.

Und wir wären vergebens hergekommeu", rit Linda bedauernd.

Vielleicht ist diese übertriebene Vorsicht un nötig", meinte Stefanescu.

Wenn Sie eventuell Ihren Motor opfen wollen, bann lassen Sie es", sagte Sanders ruhic

Ich vermag nicht die geringste Gefahr zu ei blicken", erklärte Iorga.Ich habe gewiß schon mein Sprengungen geleitet als mein verehrter Herr Kol lege." Er verneigte sich etwas spöttisch vor San ders.

Als Laie beuge ich mich natürlich dem Sack verständigen", erklärte der Deutsche.

Nach einiger Zeit meldete Nagel, daß die Mo schinen abmontiert seien.

Dann also losl" rief Stefanescu.

(Fortsetzung folgt)

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