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Ur. 8f Swettez Blatt

Jenseits der pyrrhenäen.

Don unserem ständigen o. u. St. Korrespondenten. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, Ende März 1925.

Dec Weltkrieg ist nicht über die Schneeberge der Pyrrhenäen gedrungen, und so Hot denn auch der 3etger der Zeitenuhr hier im Sonnenlond Jberien Glicht die unsinnigen Sprünge gemacht wie im übrigen Europa. So vieles erinnert noch an die 4"tc alte Zeit, die zwar von vielen verdammt wird, mb der es sich aber leichter und zielbewußter als im Brodeln der neugeformten Staaten Zentral- «md Mitteleuropas leben ließ. Gewiß Hot auch t 'Spanien durch den Staatsstreich Prima de 'Riveras und durch die Verhängung der Mili. tärdiktatur eine Umwälzung der politischen Vcrhättnisse erlebt, sic greift aber keineswegs an die Wurzeln des öffentlichen Lebens. Dem Mann auf der Straße ist es im Grunde ganz gleichgültig, ob der schöne Cortespalast in der Carrera de San Jcronymo geschlossen ist, wie jeszt, ober ob sich der Redestrom der Parlamentarier dort ergießt. Spa- . nicn unter dem Direktorium oder unter den Cortes ; bleibt stets dasselbe Königreich, das sich auf den durch die Ueberlieferung oorgezeichneten Bahnen fortentwickelt.

Vorläufig bleibt die Regierungsgewalt, trotz aller gegenteiligen Gerüchte, unbestritten in der Hand des Direktoriums. Sinter Primo de Ri- oero steht das Militär und steht die Geist­lichkeit, die in Spanien nach wie vor der größte Machtfaktor ist. Der Diktator selbst ist ein Schüler der Jesuiten und er macht aus feiner ultrakathottscken Gesinnung kein Sehl. Während der Messe pflegt er mit kreuzförmig ausgestreckten Firmen, das Gesicht in Demut auf die kalten Stein­fließen gedrückt, vor dem Altar zu liegen. Bis- roeifen tut er auch öffentliche Buße für begangene oiinben, die nickt immer ganz gering sind, denn der Diktator ist ein Uebemaim, der den Freuden die- ser Wett gar nicht abgeneigt ist. Wenn er nicht an der marokkanischen Front, sondern in der Residenz weilt, kann man ihn oft im Kreise schöner Frauen non nickt ganz einwandfreiem Rufe und bei exqui­sitem Weine in der calle de Peligros oder in einem ber Madrider Luxuslokalc treffen. Primo dc Rivera ist Andalusier, tapfer, impulsiv, Patriot, klug, ein Redner von Gottes Gnaden, aber kein Staatsmann im Sinne Mussolinis. Er ist Sidalgo, aber fein po- litischer der hohen Schule. Es kann behauptet wer- den, daß ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung sich willig der Diktatur beugen. Es gibt eine Gruppe liberaler Politiker, unter denen sich hervorragende Talente, wie namentlich der Graf Romanones, befinden, es gibt Neider, die sich durch den System- wechsel von der Futterkrippe verdrängt sehen, und die, wo cs nur immer, angeht murren und schmä­len. Von diesen Gruppen werden über Paris mei» siens falsche Gerüchte über die Vorgänge in Spa­nien verbreitet. Es gibt noch die kleine Partei der Sozialdemokraten, die kaum mehr als 10 OOO Mitglieder besitzt, und die polittsch ohnmäch­tig ist. Von allen diesen Parteien droht der Dikta- tur keine ernste Gefahr. Wirkliche Gegner find die stets kampf- und putfchbcreiten S y n d i k a l i ft e n und Anarchist en, zum Teil auch die k a t a l o - vischen Separatisten, aber mit denen wird bisher Gerdarmerie und Polizei ganz gut fertig.

Bemerkbar ist das Regiment der Diktatur in der P r e s f e , die unter scharfer Zensur steht. Nicht, daß es etwas anderes zu verbergen gäbe, aber die schöne Kafffeehausruhe der Spanier soll nicht durch leidenschaftliche Artikel und Tendenznachrichten oufgepeitscht werden. Zwar lesen wir häufig kleine Geschichten aus den Zeiten von Alcibiades, Tal- keyrand oder Gladstone, die sich leicht auf die mo­dernen Verhältnisse umbeuten lassen, aber sie machen doch lange nicht denselben Eindruck wie eine di­rekte Polemik. Es märe im übrigen gänzlich falsch, sich unter der Militärdiktatur eine Art von Schrek- kensregime vorzustellen. Die Regeln der öffent­lichen Ordnung sind allerdings etwas straffer an- gezogen, aber im übrigen lebt es sich in Spanien ungemein frei. Eine Polizeistunde im deutschen Sinne gibt es nicht, die Cafes und Tanzlokale find bis zum Morgengrauen offen und stets von fröh­lichen Leuten überfüllt. Die hohe Obrigkeit mischt sich so wenig wie möglich in das Privatleben ihrer Schutzbefohlenen und ist immer von einer ausge­suchten Höflichkeit. Wer sich nicht gerade mit Piitsch- plänen abgibt und Bomben in der Tasche trägt, der lebt in Spanien freier als in irgend einem anderen Lande. e

Spanien hat ferner das Glück, den popu­lärsten König in Europa zu besitzen. Don Alfonso XIII. ist 39 Jahre alt und 39 Jahre König seines Landes, da er wenige Monate nach dem frühen Hinscheiden seines Vaters zur Welt kam und als Säugling auf dem Schoße seiner £ Mutter, der Königin Marie Christine von Habsburg, die Sulbigung des Cortes und des Lan- des entgegennahm. Es heißt von ihm, daß er der j liebenswürdigste Mann seines Reiches sei und in der Tat besitzt er keine persönlichen Feinde. Die r Diktatur beengt natürlich das Feld seiner konstitu- t iionellen Tätigkeit, und doch kann man sich die Dik- \ tatur ohne den Monarchen nicht vorstellen, und ; wenn auch anfangs zwischen ihm und Primo de | Rivera Gegensätze bestanden haben mögen, so haben fic fick doch im Laufe der Monate ausgeglichen. ? Auch Alfonso XIII. ist, ebenso wie der Diktator, in seinem Wesen ritterlich und expansiv. Da Primo de Rivera in Marokko weilt, so begleitet ihn bei politischen Reisen und Akten, wie z. B. bei der Einweihung des Denkmals für Dato in Dik - ( toria, der stellvertretende Leiter des Direkto­riums, Graf von M a g a z, und bringt die Worte des Königs mit den Absichten des Direktoriums in Einklang. In Viktoria war Don Alfonso von vier früheren Ministerpräsidenten aus der Zeit des par­lamentarischen Regimes umgeben, die das Ohr des Monarchen zu gewinnen versuchten. In politischen Kreisen blickte man mit großen Erwartungen nach Viktoria. Es war eine Enttäuschung! Der König wechselte mit seinen früheren Ministerpräsidenten herzliche Sändcdrücke, zog sich aber vor den poli­tischen Reden mit dem Grafen von Magaz zu­rück. Es ist somit alles beim alten geblieben.

Im gesellschaftlichen Leben spielt der Sof eine sehr große Rolle. Trotz der strengen spanischen Etikette bei offiziellen Gelegenheiten verkehrt das Königspaar in seinem Privatleben ungezwungen in der Gesellschaft. Auch finden oft intime Emp­fänge im Palast statt. Die Königin Viktoria ist tonangebend. Dank ihr bürgern sich in der höheren Gesellschaft allmählich auch ein wenig freiere For­men ein, die in Spanien, wo eine Frau, die etwas auf sich hält, noch immer nicht allein auf die Straße geht, befreiend wirken. Donna Mktoria

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

raucht auch, das bedeutet eine kleine Revolution, cs ist natürlich, daß ihr die Damen der Aristokratie nachahmen. Auch die Serzogin von Alba, die Damen von Medinaceli usw. können jetzt mit einer Zigarette angetroffen werden. Das sindpc- quennezes". Kleingkeiten .... gewiß! Aber eine auch nur leichte Emanzipation der spanischen Frau aus den eisernen Gesetzen der Tradition bringt auch Erneuerung in das politische und kulturelle Leben Spaniens.

Das Schicksal Spaniens liegt in Marokko. Gelingt es Spanien, sich von dem marokkanischen Alp zu befreien, so ist mit keinerlei Unruhen zu rechnen. Im Rifgebiet aber dürfen ernstere Kämpfe erst im späten Frühjahr erwartet werden. Es wäre heute jedenfalls verfrüht, nach der einen ober nach der anderen Seite hin den Propheten spielen zu wollen.

Eine Farbigenrevolte in Südwest.

3n London eintreff ende Meldungen über einen in unserem früheren Deutsch-Sübwest- Afrika ausgebrochenen Aufstand der Äriegcr des Rchowoth-Stammes bestätigten die Voraussage von Kennern des Landes, die fett Monaten auf die Anzeichen gesteigerter Unruhe in der far­bigen Bevölkerung Süd-Afrikas hinwiesen. Die lokale Bedeutung dieser einen Revolte braucht man nicht allzu hoch einzufchähen. Gleichzeitig aber werden auch aus Kapstadt amtlich bestä­tigte Mitteilungen gemacht über Anruhen in Detschuana-Land, Basuto-Land und Swazi-Land. Seit Monaten durchziehen Agenten der grobafrikanischen Aegerbewe-- g u n g. welche angeblich über größere Geldmittel verfügen, die europäischen Kolonien des schwar­zen Erdteils. Das weitere Umsichgreifen der aethiopischen Bewegung, die von. der Aeger- bevölkerung der Vereinigten Staaten ge­fordert wird, beweist, daß der sett dem Welt­krieg erwachte Emanzipationsdrang der schwarzen Bevölkerung eine nicht zu unterschähnrbe Ge­fahr für die europäischen Kolonialbesitzungen bil­det. Besonders in Südafrika und bei seiner in­telligenten, europäischer Bildung sich zuwenden- den Eingebornen-Devölkerung ist das gesteigerte Selbstbewußtsein mehr als an irgendeiner an­deren Stelle des afrikanischen Kontinents be- nrerklich hervorgetreten. So rächen sich die Fehler der verantwortungslosen französischen und eng­lischen Politik, welche bei Beginn des Welt­krieges zur Unterdrückung des deutschen Wider­standes die Eingeborenen mobilisierte und in diesen Naturvölkern ein für allemal die bis dahin unbezweifelte Vorstellung von der Heber fegen- heit des Europäertums restlos vernichtet hat.

Krieg und Alkohol.

Zu der In Nr. 68 desGieß. Anz." veröffentlichten Besprechung geht uns vomDeutschen Brauerbund" noch fol­gende Zuschrift zu, mit deren Abdruck wir die Erörterung dieses Themas schließen.

Ueber die Ursachen des militärischen Zusammen­bruches im Oktober 1918 ist von vielen Berufenen und von noch mehr Unberufenen bis auf den heu­tigen Tag gesprochen und geschrieben worden. Der­artige Ausführungen sind, zumal wenn sin nicht von kompetenter Seite erfolgen, vielfachen Gefahren innen» und außenpolitisch ausgesetzt. Eine jede Dar­stellung versucht mehr ober weniger für sich den Anspruch zu erheben, die letzte Ursache des ver­lorenen Krieges gefunden au haben, und geht oft soweit, in einseitiger Verkennung der Tatsachen folgenschwere Entschlüsse vorbereiten zu wollen, die das Selbstbestimmungsrecht des Individuums durch eine Bevormundung zu ersetzen suchen. In diesem Sinne ist auch die- kürzlich erschienene Schrift Warum haben wir ben Krieg verloren?" von Pro­fessor Dr. Sans Schmibt zu verstehen. In bieser Schrift wird für das Versagen der deutschen Offen­sive in den entscheidungsreichen Tagen der Monate März, April und Juni des Jahres 1918 der Alko­holgenuß der Offensivtruppen verantwortlich ge­macht.Die Schuld an dem Entgleiten des Sieges hat niemand anders als der französische Wein ge­tragen, die Widerstandsunfähigkeit deutscher Männer gegen den Trunk", heißt es wörtlich in dieser Sajrift. Dieser Satz zeugt in der Tat, wie bereits öffentlich bezichtigt, von einer beispiellosen Leicht­fertigkeit des Urteils angesichts des Zusammenwir­kens so vieler unheilvoller Kräfte, die für den un­glücklichen Ausgang des Krieges entscheidend ge­wesen sind. Im Dienste der Antialkoholbewegung ist eben jedes Mittel gut, auch das der Bezichtigung der Trunkenheit deutscher Truppenformationen in den entscheidungsreichen Tagen des Jahres 1918.

Es ist ein billiges Mittel, mit Silfe sehr fleißig gesammelter Briefe und sonstiger Dokumente, die oft in übertriebener Weise gewisse, in einem Kriege ungewöhnliche Vorkommnisse aufbauschen, gegen den Alkohol zu Felde zu ziehen und ihn als die letzte Ursache des militärischen Niederganges zu be­zeichnen. Da die Schrift, wie schon gesagt, ben Alkoholgenuß vollkommen verurteilt, so erscheint es angesichts der versteckten Forderung nach einer ooll- komenen Beseitigung des Alkohols angebracht, auch auf die Segnungen eines rationalen Alkoholgenusses in den außerordentlichen Jahren eines Krieges hin- zuweisen.

Der Alkohol ist während der Kriegsjahre immer ein treuer Verbündeter der sanitären Maßnahmen für die Gesunderhaltung der kämpfenden Truppen gewesen. Die segensreichen Wirkungen der Attohol- versorgung in kämpfereichen Tagen bei anhaltender Kälte und feuchter Witterung wird niemand be­zweifeln. Mancher Frontsoldat wird sich noch heute daran erinnern und der Alkoholversorgung danken, die so manchen, der zusammenklappen wollte, der kämpfenden Truppe erhalten hat. Wer denkt nicht zurück an die tagelang währenden Vernichtungs­feuer, deren entnervender und erschütternder Wir­kung einzig und allein der Alkohol entgegentreten konnte? Er wirkte in der Tat einmal neroenent- spannend, und dann wirkte er in bestimmender Weife auf die Psyche der Soldaten selbst ein. Wer denkt nicht zurück an die Wirkungen der Alkoholversorgung in den Tagen der Ruhe. All das Schwere der er­lebten Stellungstage wurde in mancher fröhlichen Stunde überwunden. Traurige Eindrücke wurden verwischt und neuer Mut und Kampfesfreudigkeit gewonnen. Wie hätte hier Limonade ober Setters­wasser gewirkt? Die epidemischen Krankheiten wie Ruhr unb Typhus. Grippe hätten in ganz anberer Weife ihre verheerenden Wirkungen ausüben kön­nen, wenn der ,Teufel" Alkohol nicht gewesen

wäre! Das wird jeder Frontsoldat unb jeder Trup­penarzt beftätigen können.

Auf oll das geht die obenerwähnte Schrift nicht ein. Bei dem Zwecke, den sie erfüllen foU, ist dieses Unterlassen, das ganz und gar auf Kosten der Sach» lichkeit geht, nicht anders zu erwarten. Damm muß das Buch entsprechend gewertet und beurteilt werden.

Mit den vorstehenden Ausführungen sollen alle die Entgleijungen, die sich die Frontsoldaten hin» sichtlich eines allzu starken Alkoholgenusses haben zuschulden kommen lassen, nicht ausgelöscht werden. Gewiß sind hier Exzesse vorgekommen, die bc> bäuerliche Vorgänge verursacht haben. Aber damit hätte gerechnet werden müssen. Das Versehen liegt hier bei der Obersten Heeresleitung, die schon früh­zeitig die nötigen Anordungen für die Rationierung der Älkoholvorrale. mit deren Auffindung gerechnet werden mußte, hörte treffen inüffen. Diese unent­schuldbare Unterlassung darf in keiner Weise nun dazu benutzt werden, den Frontsoldaten, dessen Los in feiner Weise zu beneiden war, und den Alkohol für den tragischen Ausgang des Krieges verant­wortlich zu machen. Die beispiellose Leichtfertigkeit einer Beweisführung über dievernichtenden" Wir­kungen der Alkoholversorgung der Fronttruppen sei hiermit dokumentiert. Im Dienste der Anti- alkoholbewegung ist eben jedes Mittel gut, und selbst die Bezichtigung ganzer geschlossener Truppen­verbände der Besoffenheit vom General bis zum ein­fachen Mann. Ein Frontkämpfer.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

f Grünberg, 4. April. Die Staats­domäne W a r k h o f bei Grünberg, etwa 300 Morgen groß, ist von der Lanbwirtschafts- fantmer gepachtet worden, die dort eine Jungviehweide für ben nördlichen Teil des Kreises Gießen und die anschließenden Seile des Kreises Alsfeld einrichten will. Heute vor­mittag wurde von dem seitherigen Pächter eine öffentliche Versteigerung der Pferde, Geräte usw. abgehalten. Aus nah und fern waren Käufer und Neugierige in großer "Anzahl erschienen. Für ein neunjähriges Pferd wurden 650 Mk., für ein 12jähriges 680 Mk., für eine sechsjährige trächtige Stute 1220 Mk., für zwei vierjährige Hengste 1440 Mk., für einen zweijährigen Hengst 430 Mk., für ein Hengstfohlen 410 Mk., für ein Stuifohlen 680 Mk. und für eine fünfjährige Stute 1260 Mk. gezahlt.

i. Ettingshausen, 4. April. Gestern wurde der von Frl. M u t s ch e l e r in unserer Gemeinde abgehaltene Haushaltungskur- s u s beendigt. Cs sand eine Prüfung der Schü­lerinnen statt, zu der außer dem Orts- und Schul­vorstand Oberregierungsrat Dr. Heß und Kreis­schulrat Fischer und die Mitglieder des Kreis- ausschusfes Rechtsanwalt Hornberger, Beck- m a n n und Benner erschienen waren. Die von der bewährten Lehrerin abgehaltene Prüfung, die sich auf alles, was eine Hausfrau wissen muh, erstreckte, legte glänzendes Zeugnis ab für den Fleiß von Lehrerik» und Schülerinnen. Es war geradezu erstaunlich, was die Kursusteil­nehmerinnen in der verhältnismäßig kurzen Zeit von sechs Wochen geleistet hatten. Das tarn auch verdientermaßen zum Ausdruck in den anerken­nenden Worten, die Oberregierungsrat Dr. Heß an die Lehrerin und Schülerinnen richtete. Ein gemeinschaftlicher Kaffee, zu dem es allerlei Zu­taten gab, brachte den Beweis, daß auch das praktische Können der Kursusteilnehmerinnen sich sehen und essen lassen konnte. 3m Verlause die­ses gemütlichen Teiles begrüßte Lehrer K n ö l l namens des Schul- und Gemeindevorstandes die Erschienenen, besonders die Vertreter der Be­hörde und die Mitglieder des Kreisausschusses, die durch ihr Können ihr Interesse bekundet hatten. Kreisschulrat Fischer richtete auch sei­nerseits Worte der Anerlennung an die verdiente Leiterin und der Ermunterung an die Teilneh­merinnen des Lehrgangs, die er ermahnte, das so gut Gelernte nun auch im Leben anzuwenden als tüchtige unb wirtschaftliche Hausfrauen, bie heute nötiger seien als je. An bem Kursus nahmen 22 Schülerinnen teil, darunter 5 aus Harbach und eine aus Münster.

Hungen, 4. April. Zu dem töd­lichen Autounsalr erfahren wir noch fol­gendes 2 Genfer und alleiniger Insasse des von Lich kommenden Autos war der Kaufmann B. Schäfer aus A i d d a. 3n der Aähe von Hun­gen wollte er gegen 1 Uhr abends das Fuhr­werk des 21jährigen W. Diehl von hier links Überholen. Seinen scheuenden Pferden beizu­springen, sprang Diehl im letzten Moment vom Wagen dttett vor das Auto und wurde über­fahren. Der Lenker des Autos fuhr den Schwer­verletzten nach bem hiesigen Krankenhaus, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festzustellen war.

Kreis Friedberg

sf. F r i e d b e r g, 5. April. Aus heute nach­mittag 4 Ahr war eine Eisenbahner-Ver­sammlung in ben Ratskeller berufen, welche sich eines ftarfen Besuchs erfreute. Die beiben Referenten Elaß und 3 a h n sprachen sich hauptsächlich über die rechtliche und soziale Stel­lung der Reichsbahnbeamten ge^nüber den Reichsbeamten aus und suchten festzustellen, daß die Rechte der Reichsbahnbeamten geqeiü'er den anderen Deamtengruppen, ja selbst g ge über ben freien Angestellten, durchaus nicht ungünstig feien. Olur eine geschlossene Organisation, in welcher sich die Beamten und Arbeiter zusammenschlössen, könne in dieser Beziehung Aussicht auf eine Besserung herbei ühren. Die Ausführungen wur­den mit Beifall ausgenommen, doch wurde in der anschließenden lebhaften Diskussion von ver­schiedenen Setten auf bie großen Schwierig- fetten hingewiesen, welche seither einem derartigen Plane gegenüberftanben und welche auch jetzt noch fortbestehen. Eine bestimmte Beschlußfassung fand deshalb nicht statt.

vw. Butzbach, 4. Aprtt. Aus den jüngsten Verhandlungen der Stadtverordneten­versammlung seien als wichfgste Punkte bzw. Beschlüsse hervorgehoben: Die nachgesuchten Güterverpachtungen wurden ge'efjmigt. Es sollen in Zukunft Baudarlehen in Höhe bis zu 12 000 Mk. bei 6prozent:ger Verzinsung bewilligt werden. Die definitive Anstellung der technischen Oebterin Frl. Hertlein an der Mädch:nsortbild ingsfch.l? zu D itzbach wurde be­schlossen. Aus der, Berichterstattung des Schul­arztes Medizinalrates Dr. Schäfer war die erfreuliche Tatsache zu entnehmen, daß sich der Gesundheitszustand der Schuljugend

Montag, 6. April 1925

durch die hygienischen Maßnahmen, Untersuchung der Kinder. 'Bäder usw sehr gebessert habe. AuS der Mitteilung der Oberrealschuldirek- l io n war zu entnehmen daß b:' vorgebrachten Beschwerden wegen zu hohen Prozentsatzes der Zurückbleibenden, bzw. Mitteilungen ans Eltern­haus durchaus nicht über die Zahl der Mahnah» men an anderen höheren Lehranstalten hinaus- gingen Was die Erweiterung der Schul» räume für bie Kleinkinderschule be­trifft, so soll der betr Antrag dem Schul» und Dttdungsausschuß zur weiteren B.'handlung über­geben werden. Laut Mitteilung wurde dem Gesuch um Freigabe der wenigen Schul-Dusche» und -Wannenbäder in der neuen Schule an Erwachsene an den schulfreien Rachmittagen statt­gegeben. Die von der Stadt beschaffte Ma- girus »Zweirad -Benzin -Motor­spritze. welche die Ulmer Fabrik Magirus lie­ferte, ist ein getroffen und hat ihre Probe glänzend bestanden.

i Butzbach, 4. April Unter Leitung von Medizinalrat Dr Pogt afe Vorsitzendem des Auslichtsrats sand heute im Verwaltungsgebäude der Butzbach- Licher Gisenbahngcsell- schäft eine Versammlung des Aufsichtsrates dieser Gesellschaft unter Zuziehung des Land» tagsabgeordneten Fenchel statt, die sich mit der Aenderung des Betriebsver trä­ges befaßte. Cs wurde beschlossen, hinsichtlich deS Paragraphen 15, der die Zuschüsse an die Be­triebsleiterin aus dem lieber fdjufi der Betriebs­einnahmen und aus den Brutobetriebseinnah­men regelt, die Zustimmung bann auch zu geben, wenn bas Hessische Ministerium als Aussichts- behörbe keine Einwenbungen erhebt. Die übrigen Paragraphen bes Vertrages wurden genehmigt. Die Sitzung wurde weiter mit der Besprechung des kommenden Fahrplans ausgesülll. Die Vertreter der Teilstrecken gaben ihre Wünsche zur Kenntnis, denen für den Sommerfahrplan Berücksichtigung zugesagt wurde. Die Abendzüge mit der Strecke LichButzbach sollen wieder an zwei Wochentagen gefahren werden. Auf der Strecke Lich Grünberg sollen die Züge wie seither bleiben.

Miete Büdingen

,. ? ^Inter-Schmitten 4. April. Die von hier nach Ulfa führende Chaussee ging seither mitten durch die Wohn- und Wirtschafts- gebäullchkeiten des GutesHaubenmühle", so daß es der Gutsverwaltung unmöglich war, durch Anbringung von Toren den Gutshof ab« zu schließen. Auch die Hofhunde durften wäh­rend der Rachtzeit nicht losgelassen werden. Rach langwierigen Verhandlungen hat das Gut jetzt die Genehmigung erhalten, die Chaussee außerhalb seiner Gebäulichkeiten her u m z u füh r e n. Mit dem 'Bau der ihn» tührung hat inan bereits begonnen. - Die dem Gute angegliederte Gärtneret ist nach statt- gehabler Besichtigung von der Landwirt- fchastskammer als Lehrbetrieb aner­kannt worden.

Mr eie Schotten

a. Ober Lais, 4. Aprtt. Am Sonntag sand im Dornrittagsgottesdienst die Prüfung und Vorstellung der diesjährigen Konfirmanden statt 3n diesem 3ahrc werden am 2. Oftertag 29 Kinder konfirmiert (16 aus Ober-Lais, 13 aus Glashütten). Die Kollekte für Ober-Mörlen ergab ben Betrag von 20 Mk. Der alljährliche Kon­firmandenausflug führte die Kinder am Dienstag nach Marburg und Gießen. Ein­gehend wurde in Marburg die schöne Elisa- bet henkirche b sichtigt. Wundervoll war auch der Blick vorn Schloß auf die Stadt. 3n einer gut besuchten Versammlung des Krieg er Vereins, zu der auch alle Kriegsteilnehmer eingeladen waren, hielt Amtsgerichtsrat Muhl- Ridda einen Vortrag über die Bedeutung der Krieger vereine. Den Dereinsmitgliedern Schreinermeister 3akob Hirtz und Waldarbeiter Friedrich Hähinel wurde aus Anlaß ihrer 25febtigen 3ugJ;öriyfelt zum Vorstand deS Krie­gervereins Ober-Lars eine Ehrenurkunde über­reicht. Der Kirchenvorstand und die Kirchen- genreinbevertretung beschlossen die baldige innere und äußere Herrichtung der alten Kirche zu Anter-Lais.

Mreis Alsfeld.

M Alsfeld. 4. April. Auf Einladung des Zweigvereins Alsfeld des Evgl. Bundes und des Gustav-Adolf- Frauenvereins sprach gestern in der hie­sigen Turnhalle Pfr. Dr. Müller aus Rüs­selsheim a. M. überEvangelische Freiheit und kirchliche Gemeinschaft". Der Dortragenbe wieS in seinen scharf durchdachten, allgemeinverstänblichen Aussührungen auf das Wesen dieser beiden Grundbegriffe des protestantischen Wesens und Glaubens hin, die in engstem Zusammenhang mtt unserer deutschen Geschichte und Kuttur stün­den, wobei er den Begriff der evangelischen Freiheit als Vorbedingung für eine wirkliche Gemeinschaft bezeichnete, ausgebaut auf der Per­sönlichkeit und dem Wesen der evangelischen Kirche als Dolkskirche, im Gegensatz zu der Hierarchie der katholischen Kirche, wobei er von der geschichtlichen Entwicklung der christlichen Ge­meinschaft als einer bewußten Lebensgemei nschast ausging. Er schloß seine interessanten Aussuhrun- gen mit dem Hinweis, daß evangelische Freiheit und kirchliche Gemeinschaft für unser deutsches Volk von großer Bedeutung sein könnten. Der Vorsitze Pfr. Dr. Hechler dankte dem Redner in einem herzlich gehaltenen Schlußwort für seine wohldurchdachten, überaus anregenden, von ver­söhnlichem Geiste getragenen Ausführungen.

Starkenburg und Rheinhessen.

!- Offenbach, 4. April. Die Stadtver- ordneten-Versammlung beschloß die Einsetzung einer Deputation für Leibes­übungen, welcher Stadtverordnete, Vertreter des Sportkartells für Volksbildung und Volksgesundheit, Vertreter der Ortsgruppe Oftenbach des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, ein Vertreter des Sportausschusses der Lehrerschaft und mit be­ratender Stimme der Stadtarzt, ein Stadtschulrat und ein Direktor der höheren Lehranstalten an­gehören. Nach der Soßung ist die Deputationin Anerkennung des hohen Wertes der sportlichen Be­strebungen für die Volksgesundheit bestimmt, durch Anregungen und Gutachten den Zusammenhang der Stadtoertretung mit allen Leibesübungen treibenden Vereinen herzustellen und olle Bestrebungen in der Stadt zur Förderung der Leibesübungen zu unter­stützen . Ferner wurde beschlossen, den Stadtver.