Ausgabe 
6.3.1925
 
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«Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zrenag, o. März (925

nr.5> Swetter Blatt

Deutlchland und Polen.

Don zwei Seiten gleichzeitig werden in die­sen Tagen die deutsch-polnischen Beziehungen in Angriff genommen. Einmal von Dens her durch den DöllerdundSrat, der das Problem der Sicherheit anfaflen will, wobei Frankreich allerdings vergeblich hofft, dah es ihm ge­lingt, eine internationale (Sarantk für die pol­nischen Grenzen gegen Deutschland zu erhalten: zum andern Sich durch unmittelbare Ver­handlungen über einen künftigen Handels­vertrag zwischen Deutschland und Polen. Die Derhandlungen haben am 1. März in Berlin be­gonnen. und zwar ist eigenartigerweise Polen eigentlich das letzte Land, mit dem wir uns in Verbindung setzen. DaS ist nicht unsere Schuld gewesen, aber die Polen sahen bisher aus einem so hohen Pferd, dah sie glaubten, wir hätten nicht- besseres zu tun, als ihnen nachzulaufen. Inzwischen werden sie sich davon überzeugen müssen, wie salsch ihre Berechnung war. Es hat also gar nichts geschadet, dah wir erst einmal den 10. Januar in aller Ruhe verstreichen liehen, um den Polen Gelegenheit zu geben, einzusehen, wie weit sie kommen, wenn sie unsere hohen Zollsätze zahlen müssen. Sie sind bereits nach­denklich geworden, muhten daS ja auch werden, denn schliehlich spielt der Handel mit Deutsch­land für Polen eine ausschlaggebende Rolle, während der Handel nach Polen für uns nur einen kaum nennenswerten Bruchteil unserer WirischaftSbilanz ausmacht. Wir sitzen also am längeren Arm des Hebels.

Run hatten die Polen gehofft, dah wir wegen ihrer landwirtschaftlichen Pro­dukte auf sie angewiesen waren. ES ist ja auch nicht zu leugnen, dah wir ihre Kartoffeln ihnen gerne abneymen. aber wo sollen sie sonst damit hin? Ihre übrigen Rachbarn haben ent­weder kein Geld oder keinen Bedarf, eine Aus­fuhr aus weite Strecken kommt für sie gar nicht in Frage, wenn sie also ihre Erzeugnisse bei unS nicht loS werden, bleiben sie daraus sitzen. Richt anders steht eS mit den oberschlefischen Kohlen. Wenn die Polen glauben, dah wir ihnen kommen müssen, um unsere landwirtschaft­lichen Maschinen loS zu werden, so ist auch daS ein Irrtum, nachdem sich gezeigt hat. dah die polnische Industrie nicht imstande ist. auch nur annähernd, Ersatz für die deutschen Waren zu schaffen.

Kein Wunder also, wenn selbst die deutsch, feindlichsten Zeitungen in Warschau heute schon ganz andere Töne anschlagen und sich auf d 1 S Unvermeidliche eine« Handelsver­trages mit Berlin einstellen. Worum es sich aber dabei handelt, haben sie erst halb begriffen. Sie möchten gerne auch weiterhin nur die Ro­sinen auS dem Kuchen herausholen und wollen unS schliehlich wirtschaftliche Konzessionen ma­chen, soweit daS unbedingt notwendig ist, ohne anzuerkennen, dah letzten GndeS doch ein Han­delsvertrag nur ein Teil einer gesun­den Grenzpolitik sein kann. Wenn wir allo mit den Polen einig werden, dann muh für unS die Voraussetzung bleiben, dah sie ihre Einstellung gegenüber den Deutschen, die durch den Vertrag vop Versailles in ihre Hand ge­fallen sind, grundsätzlich ändern. Mit einem Land, dah die Deutschgeborenen nur als Parias behandelt. daS sie zu Hunderttausenden auS- treibt und weiterhin auS«reiben will, sobald eS sie nur irgendwie entbehren kann, ist eS für unS unmöglich, in engere Beziehungen zu treten. Will Polen diese Methode fortsetzen, dann bleibt nur der wirtschaftliche Kamps. Hat es sich davon überzeugt, dah es diesen Kampf ver­liert, dann muh eS auch die Folgerungen ziehen und die Deutsche n, die polnische Staatsange. hörige geworden sind, genau so wie die übrigen Staatsbürger behandeln.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

_ . *> 2 o 11 a r, 5. März. Durch offiziellen Kirchgang der fünf Kriegervereine des Kirchspiels, nämlich aus Lollar. Stau­fenberg, Mainzlar, Saubringen. Ruttershausen, sowie durch Teilnahme vieler Gemeindeglieder,

Die Oberwälder.

Roman von Alfred B o d.

14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Auf einem seiner Werbegänge, nahe bei Herbstein, fernte der Krämerskarl den Bauunter­nehmer Disping fennen. Das war ein Herr in den besten Jahren mit etnrin Biedermannsaesicht, daS ein blonder, leicht angegrauter Dollbart um­rahmte. Er erzählte, er sei Westfale, habe in Dort­mund'ein Geschäft gehabt und wohne gegenwärtig in Lauterbach Seine Frau, eine RentmeisterS- tochter aus Hirzenhain, sei kränllich und habe die Luft im Kohlenbecken nicht vertragen tonnen. Ihr zuliebe bringe er jetzt seine Tage in unsrei- willig m Richtstun hin, doch holle er. dah sich ihm über kurz ober lang eine Gelegenheit biete, seine Arbeitskraft wieder nutzbar zu machen.

»Wie gehl's dann Ihrer Frau mit der Ge­sundheit hier oben?" fragte der KrämerSkarl.

.Sie schilt auf die Anzneien. die ihr die Doktoren oerorbnet haben," antwortete ber Bau­unternehmer.Ich meine, das ist ein gutes Zeichen."

Der KrärnerSkarl lachte.

-®ie Arzneien helfen immer. Wenn nicht dem Kranken, so doch bem Apotheker. Daß aber die 2uft bei uns was ausmachen tut. das ist gew'h. 's mag ein Jahrer brei, vier her sein, da kam in Herbstein bem Oberförster Dang fein Schwieger­vater an. Der hatt' mit dem Herz zu schaffen. Hnd war so herunter, dah er keinen Schritt vor die Tür seyen könnt. Er stand schon in den Sechzig. Gucken Sie sich den Mann alleweil emal an. Der ist so gesund wie ein Kürbis, Hnb ficht ihn kein Wind und kein Detter mehr an. Hnb nimmt S mit dem Jüngsten auf. Gute Luft ist das halbe Leben!"

Unter lebhaftem Gespräch erreichten die Wan­derer Herbstein. Im Gasthaus zum Oberwald kehrten sie ein. Bei einer Flasche Wein, die er spendierte, erfuhr der Bauunternehmer, dah sein Weggenosse sieben ,Jahre in Do-tmund eine Stelle innegehabt hatte. Verhältnisse halber in s-in Hei­matdorf zurückq^kehrt war und dort das Amt des Rendanten der Spar- und Darlehnskafse belleidete.

besonders der Angehörigen von Gefallenen, hin- terlief) der DolkStrauertag einen ernsten Einbruch 3m TrauergotteSdienfte zu Kirchberg predigte Dekan Guhmann, der auch eine kurze Ansprache nach dem Gottesdienste vor dem Ehrenmale, das sich vor dem Gottes- Hause befindet und weit in daS Lahntal zeigt, an die Versammlung hielt. Rach einem kurzen Geläute und stillem Gebet legte Herr Tau­be r t - Lollar im Ramen der genannten fünf Vereine einen Kranz nieder, während die Fah­nen sich senkten. Das Ehrenbenkmal war von Frauen auS Ruttershausen geschmackvoll ge­schmückt.

* Alten - Buseck, 5. März Gestern feierte unser Altbürgermeister Wilhelm Körber in staunenswerter körperlicher unb g?i- ftiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Kin­der, Enkel. Verwandte und Bekannte hatten sich eingefunden, um an feinem Ehrentage zugegen zu sein. Ungemein zahlreich waren die Glück­wünsche. die ihm aus nah und fern zugingen. Lange Jahre war er unser Bürgermeister, welches Amt er zum groben Degen unserer Gemeinde treu verwaltete, bis das nahende Alter ihn zwang .die führende Stellung an eine jüngere Kraft abzutreten. Doll Dank gegen Gott kann All bürgermeister Körber aus ein arbeitsreiches, erfolgreiches Leben zurückbllcken. Am Abend feines Geburtstages bewegt sich ihm zu Ehren ein Fackelzug durch unser Dorf: es war der Gesangverein Germania, der am Hause des Geburtst. gskindes, seines Ehrenmitglie­des, einige Lieder recht hübsch zu Gehör brachte. Der Jubilar ist der einzige noch lebende Mit- begründer des bereits 61 Jahre bestehenden Ver­eins. Tief gerührt dankte der Jubilar allen für die ihm erwiesenen Ehrungen.

aL 21 (l e n b o r f (Lahn), 5. März. Die hiesige Gemeinde hat einen Stein bruch am Hopsenstein zwischen Klein-Linden und ber Unter- soraermühle an ber Straße GießenWetzlar er­öffnet. Die Steine werben für Bauzwecke, unb zwar an bie Verbraucher selbst ab­gegeben. Der Preis pro Kubikmeter ab Bruch stellt sich für die hiesigen Einwohner auf 3,50 Mark, für Auswärtige 4,50 Mk. Zwischen- hänbler sind vom Bezug ausgeschlossen. Die Arbeiten an ber hiesigen Feldberei­nigung sind in vollem Gange. Die Regulie­rung ber Kleebach von deren Wehr oberhalb der Teufelsmühle bis an den Bahndamm ist beendet, der Weg nach Dutenhofen unb big Hohl nach Lützellinden verschleift. Der Haupt­graben in der Au, welcher zur Entwässerung ber Schulstrahen unb eines Teiles ber Unter- flasse bienen soll, ist fertig unb hat sich als ehr zweckmäßig erwiesen. Gleichfalls wird in ber Lach noch ein Graben angelegt, welcher ebenfalls teils bas Ober« unb teils bas Unter­wasser abführen soll. Ferner ist noch ein Graben längs ber Bahn unb einer in ber Klein-Lindener Au fertiggestellt. Die meisten auSgeführlen Ar­beiten Haven sich alS sehr zweckmäßig erwiesen. Hoffentlich kann bie Uebertoeifung der neuen Grundstücke im Herbst 1926 erfolgen.

is. Steinbach, 5. März. Der in ber ganzen Umgegend bekannte Landbriefträger t R. Ludwig HaaS I. von hier begeht kommenden Sonntag bei noch körperlicher Rüstigkeit feinen 7 5. Geburtst aa. Von 1881 bis 1911, also 30 Jahre hindurch, holte er die Post von Garben­teich und trug sie nach Steinbach, Hos-Albach unb Albach. Bei Wind unb Wetter, meist noch schwerbeladen mit Daketen. muhte er biefen Weg täglich zweimal messen. Trotzdem hatt eer allzeit einen guten Humor, und feine oft derben Aus­drücke, welche aber von allen, die ihn kannten, harmlos hiagenommen wurden, find in noch bester Erinnerung. Mögen ihm noch manche Jahre der beschaulichen Ruhe beschieden sein.

D 2 ich, 5. März. Durch bie zur Zeit von ben Bauunternehmern Fey unb ©tengler aus­geführten Kanalisations- unb W a s s er » leitungsarbeiten in verschiedenen neuen Straßen unserer Stadt ist die Zahl der hiesigen Erwerbslosen erheblich zurückge­gangen. Unterstützt werden z. Z. noch etwa 16 Erwerbslose mit 38 Zuschlag sempsangrrn Auch den in der Holzhauerei der Stadt 2id> beschäf­tigten 2euten konnte bei Beendigung der Holz- hauerei direk t2lrbeit bei den oben erwähnten

Sieben Jahre hat Sie die rote Erbe ge­tragen?" rief Disping überrascht.Da sind wir ja halbe Lanbsleute!"

Ja," sagte ber Krämerskarl,unb ich muß Ihnen gestehen, ich hab Mich in Dortmunb sehr wohl gefühlt."

Der Bauunternehmer hob fein Glas unb sprach feierlich:

Du 2anb vorn Rhein bis Weferstranb, O grüß dich (Sott, Westfalenland."

Sie ftifchten gemeinsame Erinnerungen auf. Wer einmal bie Dortmunder Union, das Stahlwerk Hösch und die Zechen mit ihren nach vielen Tau- fenben zählenden Belegschaften zu Gesicht be­kommen hatte, der konnte dies packende Bild e:ner gewaltigen Industrie nicht vergessen. Drim Droh­nen ber Hämmer, beim Rattern der Räder ver­nahm man ben Herzschlag ber Welt. Unb nun das geruhsame 2eben im hohen Vogelsberg! Ein größerer Gegensatz war nicht auszudenken. Der Wahrheit die Ehre zu geben: die Holzsch-ueibe- reien und Möbelfabriken hier im Gebirgsland hatten sich einen Ramen gemacht. Dennoch waren die Wälder mit ihrem Holzreichtum noch nicht genügend auSgenuht. Und gar bie Basaltlager, bie an Ergiebigkeit ihresgleichen suchten. Da waren Millionen herauszuholen. Der Devölke- rung fehlte eben die Energie, die Schätze zu Heden, die der Boden barg.

In feinem Heimatort, wußte ber Krämerkarl zu berichten, hatte vor vielen Jahren ein ge­wisser Elmenröder Steine brechen lassen. Der war dann gestorben, und die Arbeiter hatten sich ver­lausen. DaS Lager, daS ber Gemeinde gehörte, war unerschöpflich und obendrein mit Tuff unter­mischt. So hatte sich wenigstens ein Dergral aus Darmstadt geäußert. Kam der rechte Mann dahin, konnte er ein Vermögen verdienen.

Der Bauunternehmer horchte auf.

Wie steht s mit den Transportmitteln?"

Da sind wir vorab noch auf Fahrwerk ange­wiesen," erwiderte der Krämerskarl.215er dah wir die Eisenbahn bekommen, ist doch nur eine Frage ber Zeit."

Der Westfale füllte die Gläser.

Ich hätte wohl Lust, mir den Eteinbruch ein­mal anzusehen."

Unternehmern nachgewiesen werden. Recht wün­schenswert wäre es, wenn es bald gelingen würde, sämtliche Erwerbslose im Erwerbsleben unterzubringen. Bei der heutigen, im hiesigen Stadtwald im Distrikt Langcbuche und Gäns- weide abgehallenen Drennholzversteige- r u n g wurden folgende durchschnittliche Erlöse erzielt: Duchenscheitholz 20 Mark pro Raum­meter, Buchenstöcke 6 Mk-, Eichenstöcke 4 Mk. und Fichtenstöcke 2 Mk- pro Rm., Duchenreisig 15, 18 Mk.. und Sichenreisig 10 und 12 Mk. für 50 Stück. Die Versteigerung war sehr gut besucht.

t Gründer g. 4. März. In der jüngsten Demeinderatssitzung wurde beschloßen, daß die B a u l u ft i g c n. bie aut staatliche Darlehen zu Bauzwecken rechnen, ausgefor­dert werden sollten, dies der Bürgermctsterei mitzuteilen. Hierzu haben sich außer ber Stadt noch zehn Personen gemeldet. Die Stadt beab­sichtigt. das Gelände für die Fortsetzung der Theo-Koch-Straße bis zur Giehene Straße demnächst käuflich zu erwerben, um das anliegende Gelände zu Bauzwecken zu erschließen. Der Sturm hat hier und in der Ilmgegend bedeutenden Schaden angerichtet. So sind allerorts eine Menge Dachrinnen, Ziegel- unb Schiefersteine von ben Dächern gerissen, Anten­nen von ihrem Befestigungsort gelöst und fort- geschleudert, und in dem Fernsprechgebiet be­deutende Störungen verursacht worden. Auch an Obstbäumen hat ber Sturm ziemlich Schaden angerichtet, und in bem WaldabteilLinnes", zwischen 2ehnheim unb Merlau, sind ungefähr 2 Morgen Waldbestand umgeriffen. Die hi.s ge 2andwirtschaft hat es schon seit Jahren schwer empfunden, bah Grünberg keine Dresch­maschine hat. Die Landwirte muhten stets im Herbste das Dreschen hinausschieben, bis eine auswärtige Maschine Zeit fand. D efem Hebel» stand wollen jetzt zwei hiesige Landwirte durch bie Aufstellung einer Dreschmaschine abhelfen. Das Unternehmen soll bann noch weiter ausgebaut werden. Man will eine Schrotmühle unb eine Häckselmaschine anbauen lassen, auch beabsichtigt man noch, das Brennholzschneiden an einem noch näher zu bestimmenden Ort für die Bewohner Grünbergs vorzunehmen.

Slrcie St-ricbbcrct.

Butzbach, 5. März Auf Anordnung des Kreisveterinäramles Friedberg, wegen Auftre­tens der Maul- und Klauenseuche im Kreise Friedberg, muhte die für den 12. März vor­gesehene Dullenauktion in Duhbach ab­gesagt werden. Voraussichtlich wird sie in Gießen abgehalten.

4- Dad-Rauheim, 4. März. Rach den überaus zahlreichen ÄarneoaldDetanftaltunpen kommt in ben wenigen Wochen bis zum Degtnn ber Saison bas geistige Leben, das diesen Winter überhaupt sehr rege war, nochmals erneut zu seinem Recht. Eine ganze Reihe von Dortrags- veranstaltungen sind für die letzten Tage wieder zu verzeichnen. So beschloß gestern abend der Dildungsverein feine dieswinterliche Vor­tragsreihe mit einem Lichtbildervortrag des hier sehr geschätzten Professors Keller (Friedberg), der vor großem Zuhörerkreise im Kurhause über Vom neuen Sehen, ein Beitrag zum Verständnis der Kunst ber Gegen­wart" sprach, babei sehr anschaulich bie De- griffe Impressionismus, Expressionismus, Ku­bismus unb Futurismus erläuternd. Auch ber Zweigverein vom Roten Kreuz setzte seine Vortragstätigkeit fort. Dr. Haeberlein sprach in sehr überzeugender Weise überR i» tot in» unb Alkoholschädigung en". Dah sich unter ben sehr zahlreichen Zuhörern, bie in gespannter Aufmerksamkeit den Ausfüh­rungen folgten, auch sehr viel Jugendliche befanden, ist besonders erfreulich, unb ben im Dienste der Jugendpflege stehenden Verbänden und Vereinen, vor allem dem Turn- und Sport­verein, gebührt Dank dafür, dah sie neuerdings ihre Mitglieder immer nachdrücklich zum Besuch ber allgemein bildenden und aufklärenden Vor­träge anderer Vereine auffordern. Auch der Landwirtschaftliche Verein unb der Obst- und Gartenbauverein hatten nach Fastnacht wieder gut besuchte Vortragsverinstal- tungen. Weitere Vorträge finden in den näch­sten Wochen statt. So hat die hiesige Abteilung

Tun Sie's, Herr Bisping," ermunterte ihn der Krämerskarl.Treff ist Trumpf!"

Ich möchte im voraus gar nichts sagen, Herr Rendant. Ich bringe einen Sachverständigen mit Wenn ich etwas in die Hand nehme, muß ich ganz sicher gehen, sonst laß ich die Finger davon."

2lls sich der Krämerskarl bei dämmerndem 2lbend auf den Heimweg beg ib, rechnete er bereits mit der Tatsache, daß ber Steinbruch in Betrieb gesetzt werde. Der Herr Bisping war ein präch­tiger Mensch. Unverstellt und ausbü.ndig gescheit. Der würde der Gemeinde unschätzbare Dienste leisten. Fünfzig, auch hundert Arbeiter fanden durch ihn ihr Brot. Geld 'kam in Fluh Auch die Kasse würde ihren Vorteil davon haben. Wie sich das getroffen hatte! Großartig! Aber den Zufall beim Schöps zu fassen, da lag der Hund begraben. Er. ber Krämerskarl, hatte den Mann mit der Rase auf den Steinbruch gestoßen. Er war's wieder, der bie Kegel schob.---

Die alte Bauernregel traf zu: Wie's wettert um Dartholornä, so wetteri's im ganzen Herbst. Der Regen hörte nicht auf. Bei all der Rässe wollte daS Getreide nicht reifen. Auch die Kar­toffelstauden zeigten bie unheilkünbsnden braunen Flecken, ileoertrug sich ber Krankheitsstofs.auf M? Knollen, war bie Ernte großenteils vernichtet. Daß aber der Landmann nicht ganz verzagte, IWcrten die Wiesen und Weidef lächen eine Heber- fülle von Futter. Wohl dem, der da sagen konnte: Gibst du deinem Vieh, so gibt eS dir wieder!

Auf feiner Gewann am hohen Rain mühte sich der Margolfspeter, einen Graben zu ziehen. Der Regen schlug ihm inS Gesicht unb mischte sich mit dem Schweiß, der ihm auS allen Poren drang.

Gerade hielt er mit seiner Arbeit time, sich ein bißchen zu verschnaufen, als ihn der Daniel QHdQ ansprach, der. ben Karst auf der Schulter, vom Rachbarfeld kam.

Heut braucht man kein Staubwein zu trinken, Peter."

Ree."

Ich fein vor lauter Ruinierung ganz steif und hilft kein Gurgeln und Mergeln. Das Wasser tut die Arbeit fressen."

Der Margolf nahm die Mühe ab, trocknete mit seinem Schnupftuch die feuchte Stirne und

der Deutsch en Kolonialgesellschaft bereits einen Lichtbildervortrag überTogo und die Erlebnisse der deutschen Togo-Gefangenen In Französisch-Dahome" für nächsten Dienst.g in- gezeigt. Eine größere Anzahl, von Vereinen ist auch noch mit ihren Generalversamm­lungen im Rückstand, so daß bis zum Saison­beginn daS DereinSleben noch im Fluß fein wird. Rachher ist aber für Vorträge und ähn­liche Dinge auch nicht mehr viel Zett. Es sind Bestrebungen im Gange, die allen Ernstes den schon oft versuchten Zusammenschluß bet hiesigen Turnvereine, die beide der Deutschen Turnerschaft angehören, in nächster Zeit herbeiführen wollen, was allseits begrüßt wirb.

Kreis Schottert.

-r- Aus bem Vogelsberg. 5. März. Der in ben AnsangStagen dieser Woche wü­te n b e Sturm hat in ben Waldungen unseres Gebirges beträchtlichen Schaben anyerichiet. Defonbers bie Fichten bestäube, die infolge ihrer flachen, tellerförmigen Bewurze­lung stark dem Windwurf ausgesetzt lind, wurden hart mitgenommen. In ber Rähe bes Hofes Zwiefalten bei Eichelfachsen wurden schätzungsweise 300 F st m Fichten umge­rissen. aus anderen Förstereien werden geringere Sturmschäden gemeldet. Die Anlagen der Ober- hessischen Heberlandzentrale hatten gleichfalls stark unter der Einwirkung des Stur­mes zu leiden, ebenso die oberirdischen Sole- graphenleitungen. Dom Postamt Schot- t e n aus waren bie meisten Fernverbin­dungen gestört und nur zwei zu benutzen. 2Iir Mittwoch lieh ber Sturm nach, um sich in ben Abenbstunden ganz zu legen.

-i- Schotten, 5. März. Wie in den Vor­jahren, veranstaltet ber Kreislehrerve r- e i n auch in diesem Jahre eine pädagogische Woche, die zwischen Ostern und Pftngsten ab­gehalten werden soll. Im Mittelpunft der Ta­gung steht daS zeitgemäße ThemaWerkun- t e r r i ch t". Sie wird umrahmt von einen Theaterabend, an dem der Dezirkslehrer verein La ubachFlachsmann als Erzieher" zur Aufführung bringt, unb einem Konzert- abenb bes philharmonischen Orchesters Schot t e n, verstärkt burch auswärtige Künstler, unter Leitung von ®r. Ö e u 11 n g.

B. Aus dem KreiseSchotten, 5 März HeberChina, Lanb unb Leute" spricht zur Zeit gelegentlich einer Vortragsreife im Kreise Schotten ber Mi sionar ber Basler Mission. Ro­bert Krayl. Die Ausführungen bes Redners ber feit 1905 in China ununterbrochen, aud; währenb bes Weltkrieges, wirkte, werden durch eine große Zahl s. tbiger Lichtbilder nach photo­graphischen Aufnahmen von Missionaren er gänzt unb bieten eine Fülle dec Anregung und Belehrung. Mit ben Vorträgen, die oisher in Ober-Seemen. Volkartshain. Herchenhain, Durll Hards und Eschenrod stattfanden, ist ein 2kdauf von Missionsschriften über China verbunden.

KrciS Büdingen.

h. Büdingen, 5 März. Rächsten Samstag hält hier im großen Rathaussaale die Reichs- ,zentrale für Heimatbien st, Abteilung Hessen, eine sachpolitische Dildungstagung für Stabt unb Kreis Büdingen ab Studienrat Dr. König- Gießen, früher in Straßburg wirb in seinem VortragVom Reich, vom Volk unb von ben Grenzen" sprechen Als zweiter Redner wirk Privatbozent Dr Friebrich Raab, Vorstand der Arbeitsstätte für sachliche Politik, aus Frank­furt am Main,Die deutsche Volkswirtschaft unter den Londoner Vereinbarungen" behandeln, und schließlich noch Direttor W Beckmann aus Frankfurt a. M überDeutsche Geschichte und deutsches Schicksal" berichten.

ab. Ribda. 5. März. Rächsten Sonntag findet hier die Deigeordnetenwahl statt die aber lange nicht so rege die Gemüter be­schäftigt. wie die vor zwei Monaten abgehaltene Düraermeisterwahl. Es werden bis jetzt zwei Kandidaten genannt: Meygermeister Heinrich Ru11 mann (Zur Krone) und Iustizobersekre- tär Philipp Haas.

Dorsdorf, 5 März. DaS Forstamt Ridda hielt heute hier eine Drennholzver-

sagte:Was von der Frucht bleibt, wird stockin und mürb."

Der Daniel trat näher.

Das Heu hat, scheint's. dieS Jahr auch feine Raupen. Da erzählt mir vorhin ber Kal per Denner. He steckt gelt' abenb bie Raufen voll und goht aus 'm Stall. Auf einmal macht sich das Vieh los unb springt und tobt wie narriq erum. He wußt sich gar net zu helfen. Zum Glück kam der Iöckelsheinrich dazu. Der kennt sich in den Sachen auS. Hnb schlug ben Tieren brelmal auf bie Schnut. Hnb macht ein Gesahn. Da waren sie fromm wie die Lämmer."

Ich fein babrüber gar net verstaunt" tagte der Peter Margvlf,der Kasper hat bie Wiesen im Totengrund gedacht'. Da iS es net geheuer. Dem Walkmüller fein Vater selig iS dort emal aut Irrkraut getappt unb fand bei hellichtem Tag net heim."

Er nahm den Spaten zur Hand, ben Graben weiter abzuböfchen.

Der Daniel Moll setzte seinen Karst auf ben Doben.

-Ich Hütt noch waS mit dir zu schwätzen,

Der QUargolf blickte auf.

Ro?"

Ich wüht deiner Marie ein'."

Wen dann?"

Dem Setzer fein' Hannbast."

Den Afrikaner?"

Ja."

He spielt gern ben Prahler und -acht sich vor den Leut' dick, daß er nach Gott und der Welt nix fragt DaS gefällt mir net. Sonst hält ich nir gegen ihn einzuwenden "

Der Daniel Moll war vorn alten Selzer be­auftragt. den Warqolfsveter auszuforschen, wie bet die Freite bes Hannbast aufnetjmen würde.

Der Iuna." trat er für feinen Schützling ein, -is mit dem Militär über der Pfüh gew-st Das hat ihn ein Wink verzwirbelt gemacht. 2kber das gibt sich He is hinter feinem Werk her unb fchafft für zwri. DaS muß ihm ber aefbe Reid lassen. Hnb daß seinem Vater der Mehlfack stäubt, das wriht du so gut wie ich. Der Hannbast kriegt ein Duhen mit.

l Fortsetzung folgt)