Ausgabe 
6.3.1925
 
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llr. 55 Drittes viatt

Siebener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gderhefsen)

Stettag, b. März 1925

Das Ztratzenwefen in Hessen.

Don beftuntcrrid)teteü Seite wird uns ge­schrieben :

Der Entwurf eines Gesches über baß Straßenwesen in Hessen, der im Herbst vorigen Labres dem Landtag zuging, fedoch nicht mehr &ur Beratung kam. ist schon wiederholt in der Tagespresse zum Gegenstand eingehender Wür­digung gemacht worden. Dielfach wurde er in ablehnendem Sinne begutachtet. Am Schlüsse einer derartigen Kritik war kürzlich die Frage aufgeworfen, warum sich nicht auch einmal ein Freund der Gesetzesvorlage oder ein Mitarbei­ter hierzu äußere. Solange das nicht geschähe, läge die Dermutung nahe, daß es ernst zu nehmende Anhänger des neuen Gesetzes über­haupt nicht gäbe, oder daß diejenigen, die das Gesetz wünschten, leine hinreichend schlagkräfti­gen Gründe für ihre Ansichten vorzubringcn wüßten. Eine derartige Dermutung erscheint doch etwas gewagt. Denn ein Gesetzentwurf wird doch nicht veröffentlicht, damit feine Anhänger in der Oeffentlichkeit werbend für ihn eintreten, sondern um eine sachliche Kritik herauszufor­dern, die den Gesetzgeber in die Lage versehen soll. Acndcrungen, die sich auf Grund der Kri­tik als berechtigt Herausstellen, vornehmen zu fönnen. Wenn aber der Fragesteller die Gründe kennen lernen will, die die Regierung zu dem Doi-schlag über die Aenderung der Gesetzgebung bestimmt haben, so möge er die Begründung zu der Regierungsvorlage durchlescn.

Das Kunststraßengcseh aus dem Jahre 1896 hat während der Dauer feiner Gültigkeit voll­auf seine Schuldigkeit getan. Cs hat zu einer 3elt, wo alles darauf schließen ließ, daß bei steigendem Eisenbahnverkehr die Straßen als DerkehrSwege entlastet würden und 'Mur lokale Bedeutung behielten, allen gerechten Anfor­derungen standgchalten. Die Kreise, die feit bem Jahre 189d Eigentümer der Straßen und Dräger ihrer Unterhaltung geworden sind, haben die Aufgabe, die das Gesetz ihnen übertrug, vollauf erfüllt, und insbesondere dos damals übernommene Reh in einer nicht erwarteten Weise auSgebaut, so daß Oberhessen heute über das größte Straßennetz unter den drei hessischen Provinzen verfügt. Während Rheinhessen bis zum 3aßrc 1923 ein Straßennetz von 999 Kilometer, Starkenburg ein solches von 1764 Kilometer auf- weist, verfügt Oberhessen über ein solches von 2288 Kilometer. Das Straßennetz hat sich feit 1896 vergrößert in Rheinhessen um 96 Kilonreter, in Starkenburg um 185 Kilometer und in Oberhessen um 196 Kilometer. Durch die Steigerung desKraft- fahrzeugvcrkehos haben die Straßen wieder eine Bedeutung gewonnen, die früher nicht voraus- gesehen werden konnte Die Dermehrung der Kraftfahrzeuge in Deutschland betrug im letzten 3aßrc rund 80 000 Fahrzeuge, das ist etwa ebensoviel, wie der Gesamtbestand vor dem Kriege ausmachte. Wenn auch trotz der absoluten Steige­rung der Zahl der Kraftfahrzeuge der Kraft­wagenbestand Deutschlands im Bergleich zu anderen Ländern noch verhältnismäßig gering ist. indem auf die Einwohnerzahl bezogen am 1. Juli 1924 ein Personen- oder Lastkraftwagen erst auf 210 Einwohner, dagegen auf 7 Einwohner in den Bereinigten Staaten, auf 67 in Großbritannien, auf 88 in Frankreich und auf 131 in Belgien ent­fiel, so ist doch mit einer stets und rasch wachsen­den Zunahme des Kraftwagenverkehrs und damit mit einer verstärkten Inanspruchnahme der Straßen zu rechnen. Diesem Umstand will der Gesetzentwurf Rechnung tragen, der davon aus­geht, daß die Kreise Fünftig nicht in der Lage fein werden, die enormen Lasten, die die Straßen» Unterhaltung und der Straßenausbau bei der Entwicklung des Derkehrswesens erfordern wird, zu tragen. Die Landstraßen stellen heute einen 'Teil des wertvollsten und größtenteils noch er­haltenen Kapitals der deutschen Volkswirtschaft dar. Aufgabe der Staatsregierung muß es fein, dieses Kapital vor Berkümmerung zu bewahren und die Rlaßnahmen zu treffen, die hierfür in

Frage kommen. Run wird man sich in allen Kreisen, der Bevölkerung klar geworden sein, daß e». so wie seither, mit der Unterhaltung der Straßen nicht weitergehen kann. Wenn man sich über eines wundern muß. so ist es nur die große Geduld, mit der die Bevölkerung feit Jahren nunmehr einen Zustand der Straßen hin- nimint, der Erinnerungen an russische und pol­nische Straßen auf kommen läßt 5knu kommt, daß in einzelnen Kreisen ein Flicksystem Platz gegriffen hat. daS als ebenso unwirtschaftlich wie technisch falsch angefprochen werden muß. Ausgabe des Unterhaltungspersonals müßte es fein, die nach einer Walzung entstehenden kleinen Schäden am Straßenkörper sorgfältig auszubessern, denn nur eine svrglältige Pflege und Unterhaltung ist geeignet, die Hinausschiebung von Reuschüttungen au ei-möglichen, und vorsichtigste Behandlung der Landstraßen nach der Reuschüttung wiederum vermag die Haltbarkeit zu vergrößern. Das Flicken selbst erfordert eine gewisse Technik und Erfah­rung. Hierfür sind die zum Flicken erforderlichen Materialien und die Bindemittel an die Hand zu geben. Don dieser pfleglichen Behandlung oder dem Vorhandensein und der richtigen Der- toenbung dieser Materialien und Bindemittel ist jedoch meist nichts zu sehen, sondern es wird daraufhin gesündigt, daß im Herbst die Straße eine dicke Schotterauflage erhält. Es ist nicht zu leugnen, baß die Straßenunterhaltung in tech­nischer Beziehung zurückgeblieben ist. d. h. daß die Technik in dieser Hinsicht feit langen Jahren nicht vorangekommen ist. Auch der Berücksichti­gung dieser Deränderungen. die seit 1896 in der Etraßenbautechnik, in den Derkehrsverhält- nissen sowie der schon erwähnten finanziellen Leistungsfähigkeit der Derbände eingetreten sind, will der neue Entwurf Rechnung tragen. Es ist deshalb nicht ohne weiteres verständlich, was gegen diesen an und für sich berechtigten Ge­danken grundsätzliches einzuwenden wäre. Aus der seither bestandenen Organisation, wonach bei jedem Kreis eine technische Stelle für die Unter­haltung der Straßen bestand, entwickelte sich ein sehr buntscheckiges Unterhaltungssystem, da es jedem Kreis überlassen blieb, was und wie er unterhalten wollte, selbst wenn es sich um größere Derkehrsstraßen handelte, die mehrere Kreise durchzogen. Der Einfluß der Provinzen hierauf ist sehr gering und steht in keinem Ver­hältnis zu den Verpflichtungen, die das Kunst- ftraßcngefeß von 1896 ihnen auferlegt. Die Pro- venzen müssen hiernach die Hälfte der Unter­haltungskosten. die nach Abzug des staatlichen Zuschusses verbleiben, aufbringen. Daß ein der­artiges System für einen großen Verband, wie ihn die Provinzen barstellen, auf die Dauer uner­träglich ist, leuchtet ohne weiteres ein. Wenn aber die Kreise wirklich so großen Wert auf die Beibehaltung der Straßen legen sollten, bann müßte dem die Ucberlegung vorausgehen, woher sie die Mittel hierfür gewinnen wollen, wenn sie ihnen die Proviirzen nicht mehr liefern. Denn vom Standpunkt der Provinzen und der Selbst­verwaltung erscheint es doch ausgeschlossen, daß sie auf die Dauer stets wachsende Lasten über­nehmen sollen, ohne daß ihnen ein entsprechen­des Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird. Muß man hiernach zu der Ueberzeugung kommen, daß die Kreise unter den veränderten Verhält­nissen nicht mehr die geeigneten Träger der Straßenunterhaltung sind, so kann es allerdings zweifelhaft fein, auf welchen größeren Verband die Straßen zu übertragen fein mochten, ob auf den Staat oder die 3 Provinzen. Vom Stand­punkt der Proviirzen wäre es erwünscht, wenn der Staat diese Kosten übernehmen würde, denn selbst die Provinzen erscheinen heute zu schwach, um die sich aus der Straßenunlerhal- tung ergebenden Lasten, die ganz ungeheuer zu werden versprechen, selbst bei Zuschüssen des Staates zu tragen. Handelt es sich doch heute nicht darum, die feit einem Jahrzehnt vernach­lässigte Unterhaltung nachzuholen und die mehr oder minder stark abgewirtschafteten Straßen wieder herzustellen, sondern auch die neuesten tech-

Geheimer Baurat Walbe.

Zu feinem 60. Geburtstag.

In den letzten Jahren ist es Brauch gewor­den, Komponisten und Dramatiker, bereits wenn sie 50 Jahre alt werden, durch Aufführung ihrer Werke zu ehren. Die Leistungen von Vertretern der Baukunst können freilich aus diese Weise nicht einer größeren Oeffentlichkeit vorgeführt werden: sie haben es auch nicht nötig, denn sie stehen sozusagen aller Welt und jeder Zeit vor Augen. Ihr Schaffen ist darum sinnfälliger, zumeist von längerer Dauer und nicht zuletzt oftmals von allgemeinerer Bedeutung. Allen Volksschichten sind sie mit ihren äußeren Formen zugänglich: man kann sich diesen Eindrücken nicht entziehen, was bei Tondichtungen und Dra­men. wenn man sie ablehnt, viel luchter möglich ist. Die Allgemeingültigkeit der architektonischen Eindrücke hat es aber mit sich gebracht, daß der Rame ihrer Urheber oft darüber vergessen oder in weiten Kreisen überhaupt nicht genannt wird. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß die entscheidenden Wendepunkte im Leben eines Architekten lange nicht fo in der Oeffentlichkeit bekannt und gefeiert werden, wie die von Ver­tretern anderer Kunstgattungen, worauf sie jedoch dasselbe Anrecht haben.

Wenn Darmstadt, namentlich auswärts, so gern als Kunststadt bezeichnet wird, so gehört zu den hervorstechenden Merkmalen, die ihm diesen Ramen verschafft haben, auch die Bau­kunst. Von hier aus sind manche neue Ideen auf diesem Gebiete ausgegangen, auch haben ganze Generationen von Arch letten auf der Technischen Hochschule ihre Ausbildung für ihren künftigen Beruf empfangen. Mit an erster Stelle als Vorkämpfer neuer Ideen in der Baulunst, bei gleichzeitigem Festhalten an einer bewährten Tradition, und als akademischer Lehrer wirkt in Darmstadt seit mehr

als zwei Jahrzehnten Gehcinrer Baurat Pros. Heinrich Walbe, der am 6. März seinen 60. Geburtstag begeht. Ein reiches, keineswegs be­reits abgeschlossenes Wirken im Dienste der Baukunst, der akademischen Lehrtätigkeit, der Denkmalpflege und des öffentlichen Wohles recht- fertigen es. aus diesem Anlaß eine kurze Rück­schau auf sein Leben zu werfen.

Heinrich Walbe ist Schlesier von Ge­burt: er ist am 6. März 1865 in dem Städtchen Lauban geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. Der verwaiste Knabe erhielt seine Schul­bildung an einer klassischen Bildungsstätte, der Landesschule in Pfor 1 a, aus der bekanntlich eine Reihe der besten Söhne Deutschlarrds her- vorgegangen ist. wie Klopstock, Fichte und Leo­pold von Ranke. Baut sich der Lehrplan dieser Anstalt in erster Linie auf der altklassischen Philologie auf Jo hat sie ihren Schülern, die sich in den verschiedensten Lebensberufen finden, stets eine idealistische Denkweise ausgeprägt, die auch ein wesentlicher Lharakterzug in der Welt- und Lebensanschauung Waldes bildet und ihn veranlaßte, des öfteren bei verschiedenen Ge­legenheiten für das humanistische Bi l - dungsideal warmherzig einzutreten und es auch als eine wünschenswerte Grundlage für die technischen Berufe zu fordern. Seine Aus­bildung als Architekt erhielt Heinrich Walbe an der Technischen Hochschule in Aachen, dann trat er in den preußischen Staatsdienst, war hierauf einige Zeit Stadtbauinspettor und ließ sich in Halle als Privatarchitett nieder. Im Jahre 1902 wurde er als ordentlicher Professor der Baukunst an die Technische Hochschule in Darmstadt berufen, wo er seitdem eine segensreiche Tätigkeit als akademischer Lehrer entfaltete. Als solcher hat er stets das Künst­lerische im Architektenberuf betont.

Reben seiner Lehrtätigkeit ging einher die Errichtung von öffentlichen Gebäu­den und Wohnhäusern, die im Laufe

nischen Errungenschaften bei der iSrncucrung der Straßen anzuwenden, die sie befähigen sollen, die schwersten Kraftwagen ohne allzu große Be­lästigung der Fußgänger zu tragen. Daneben wird es nicht zu umgehen fein, ganz neue Der­kehrsstraßen anzulegen. Diese Aufgaben ba£ der Gesetzentwurf den Provinzen zugedacht. Der Staat lehnt die Uebcrnahmc der Straßen ab, weil sie für ihn finanziell schwer tragbar sei und den Finanzausgleich zwischen Staat. Gemeindeverbän­den und Gemeinden wesentlich verschieben müßte. Die Uebernahme nur der wichtigeren Straßen aber hätte die Schwierigkeit einer Ausscheidung dieser Straßen aus dem gesamten Retz und die unerwünschte Folge, daß wieder zwei Straßen­verwaltungen. eine staatliche und eine kommu­nale. eingcfüßrt würden, ein Zustand, der im Jahre 1896 glücklich beseitigt worden sei. Haupt­sächlich aber müßte es grundsätzlich als ein Rück­schritt in der Entwicklung der Selbstverwaltung bezeichnet werden, wenn die Straßenverwaltungen von den Selbstverwaltungskörpern auf den Staat zurückgingen. Es möchte also auch für die Folge als Grundlage der neuen Regelung festzuhalten sein, daß die Straßenverwaltung der Selbstver- walkung überlassen bleibe und daß den staatlichen Belangen dadurch Rechnung getragen würde, daß die staatliche Aufsicht in ausreichendem Umfange ausrechterhalten und andererseits staatliche Zu­schüsse gewährt würden. Hierzu ist folgendes zu sagen: Wenn der Staab die finanziellen Lasten für sich schwer tragbar hält, dar-f er sie dann anderen mit schwächeren Schultern zuinuten? Die Verschiebung des Finanzaus­gleichs kann dabei keine Rolle spielen, weil in nächster Zeit doch eine vollständige Reuregelung vorgenommen werden muß. Als einen sehr- wesentlichen Grund für die Uebcrtragung der Straßen auf die Provinzen bezeichnet es die Regierung, daß die Straßenverwaltung der Selbstverwaltung erhalten bleiben müsse. Es lohnt sich deshalb schon, sich umzutun. in welchem Maße das Gesetz diesem Grundsatz Rechnung getragen hat. In den 29 Artikeln, die sich mit den Provinzialstraßen befassen, ist nicht we­niger als 22 mal - dazu im Artikel 32 bei den Uebergangsbestimmungen noch zweimal ein Eingreifen des Ministeriums des Innern Vor­behalten. ganz abgesehen von den Derwaltungs- streitverfahren, die daneben noch in einer Reihe von Fällen vorgesehen sind. Sei es nun, daß das Ministerium seine Zustimmung zu geben hat, sei es. daß es von sich aus Anordnungen zu treff n hat. fei es. daß es auf Anruf entschei­det, wo bleibt da die Selbstverwaltung unb Selbstveranlwrrtung? Geht doch das Cingriffs- rcchi des Ministeriuins des Innern soweit, daß, obwohl ausdrücklich im Gesetz vermerkt ist:Die Provinz verwaltet die Provinzialstraßen durch die Organe ihrer Selbstverwaltung", die oberen Baubeamten und deren Vertreter vom Mini­sterium ernannt und den Provinzen zugeteilt werden, daß für das übrige von den Provinzen einzustellende technische Personal die Gehälter im Voraus vom Staat bestimmt werden, daß den Provinzen Vorschriften gemacht werden, welche Anzahl der vorhandenen mittleren tech­nischen Beamten zu übernehmen ist, daß das Ministerium sich sogar den Erlaß von Richtlinien für die Anstellungen und die Annahme des technischen Personals und sogar des Arbeits- Personals Vorbehalten hat. Aber nicht genug damit: das Ministerium will auch die allgemeinen, insbesondere die technischen Vorschriften für die Verwaltung der Provinzialstraßen erlassen. Man muß sich daraufhin wirklich fragen, warum stellt man den schönen Grundsatz:die Provinzen führen die Verwaltung der Provinzialstraßen als eine Angelegenheit ihrer Selbstverwaltung" an die Spitze des Gesetzes, wenn man die Absicht hat, die Selbstverwaltung durch alle nur denkbar einengenöen Vorschriften zu verkümmern und die Provinzen lediglich als zahlende Auftragsstel­len zu behandeln?

Roch ein weiterer Vorschlag zur Abänderung des Gesetzentwurfs fei gestattet. Rach Artikel 8

der Jahre zu einer stattlichen Zahl anwuchsen. In Darmstadt sind namentlich die Wohnhäuser, zumeist Einfamilienhäuser, vertreten: sie sind cs, die in den neueren Stadtteilen, besonders in Architektenkreisen als architektonische Leistungen hohe Anerkennung finden. Von größeren öffent­lichen Gebäuden, die den Ramen ihres Erbauers anderwärts bekannt gemacht haben, sei in erster Linie auf das Chemische Institut der Universität Frankfurt verwiesen.

Richt vergessen sei über dem Reuen, das Walbe schuf, was er in seiner Eigenschaft als Denkmalspfleger für die Erhaltung des Be­stehenden, für die Instandsetzung von Kirchen und anderen Baudenkmälern getan hat. Diese Fürsorgetätigkeit ist umso bemerkens­werter, weil sie schwer durchzuführen ist in einer materialistisch gerichteten Gegenwart und in einer Zeit der Verarmung unseres Volkes. Hier tritt wieder der Idealismus zutage: ihm sind die Zeugen der Daugesinnung und der Bautätigkeit der Vergangenheit hohe ideale Güter, die ein teueres Vermächtnis barfteilen, das es für die Gegenwart und die Zukunft zu bewahren und zu retten gilt. Ramentlich Oberhessen ist diese Fürsorge zuteil geworden. Aus dem hier bezeichneten Tätigkeitsgebiete sind auch mehrere Schriften Walbes hervorgegangen.

Seit einigen Jahren gehört Geheimrat Walbe der Darmstädter Stadtverordneten­versammlung als Fraktionsmitglied der Deutschen Volkspartei an; es ist ihm damit Ge­legenheit gegeben, noch auf eine andere Art dem öffentlichen Wohl zu dienen. Er hat des öfteren mit seinen Ratschlägen zur Verschönerung des Stadtbildes beigetragen. Darauf fei an seinem 60. Geburtstag mit Anerkennung und Dunk hin- gewiesen.

Ueber allen diesen Verdiensten sei auch das Rein men schliche nicht vergessen, das die Persönlichkeit Walbes in sich birgt und aus- strahlt. Die Studentenschaft der Technischen

des Entwurfs kann die Provinz einzelne Private ober Unternehmer, die die Straße dauernd oder vorübergehend über das gewöhnliche Maß ab­nutzen, mit besonderen Beiträgen Herangehen. Eine derartige Bestimmung, die sich in veränder­ter Form auch im Gesetz von 1896 vorfindet, ver­ursacht der Verwaltung viel Arbeit und ver­bittert den anderen Teil. Die Verwaltung muß, wenn ihr Entscheid stichhalten soll, im Einzel- fall das gewöhnliche Maß. daß doch auch einen dehnbaren Begriff barftcllt, ermitteln, die hier­über hinausgehende Abnutzung fcftfteUcn und diese in Geld veranschlagen, das der andere bezahlen soll. Ohne weiteres wird der aichere nicht einsehen, warum gerade er, weil er mit feinem Kraftwagen die Straßen einmal mehr befahren hat als ein Dritter, denn gerade in diesem einen Mal mehr kann die Ueberschrei- tung des gewöhnlichen Maßes gefunden werden, besondere Kosten auf sich nehmen soll, und wird alle Rechtsmittel gegen die besondere Heran­ziehung erschöpfen.

Wenn man bedenkt, daß es sich doch hier um recht kleine Mittelchen handelt, die zudem noch Erbitterung schaffen, sollte man von diesem Ver­fahren ganz absehen. Wichtiger und nicht zu entbehren erscheint dagegen die Heranziehung der Kraftwagen- und auch der Fuhrwerksbesitzer in Form einer Steuer. Für die Kraftfahrzeuge besteht bekanntlich jetzt schon eine steuerliche Be­lastung. Diese mühte besonders für die Lastkraft­wagen und Anhänger in einer Weise gesteigert, für die Fuhrwerke in einer Hohe festgesetzt wer­den. daß die Erträge hieraus zusammen min­destens ' . des Gesamtbedarfs der jährlichen Unterhaltung^ und 'Erneuerungskosten decken können. Allerdings setzte dies voraus, daß du Fahrzeugsteuer auch wirllich und ausschließlich für diese Zwecke Verwendung findet. Rur wenn dies gewährleistet ist. wenn also zu dem. toas» seither schon für eine normale Unterhaltung auf- gewendet worden ist, noch der volle Ertrag der Fahrzeugsteuer hinzutritt, ist es voraussichtlich möglich, die Straßen in einen Zustand zu bringen, der allen Anforderungen deS heutigen Verkehrs gerecht wird.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Senders.

(Aus derRadio°Umschau".>

Samstag, 7. März:

11.55 Uhr: Zeitangabe. 12 Uhr: Rachrichten- dienst. 12.55- 1 Uhr: Rauener Zeitzeichen. 4 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Uhr: Rachrichten­dienst. 4.30 - 6 Uhr: Kalmann-Rachmittag des Hausorchesters. Programm u. a.: Potpourri aus Esardassürstin Walzer aus Faschingsfee. 6 Uhi: Wirtschastsmeldungen. 66.30 Uhr: Die Lesestunde (2In die Jugend). Aus dem Roman Die Schatzinsel" von R. L. Steveirson. 6.30 Uhr: Der Brieflasten. 7 7.30 Uhr: Sportvortrag von Herbert Sitterding:Das Boxen". 7.308 Uhr: Funkhochschule. Professor Künzel:Aus der Ge­schichte des deutschen Unternehmertums. (Dritter Vortrag.) 8 -8.30 Uhr. Stunde des Frank­furter Bundes für Volksbildung: Vortrag von Studienrat LoreyUeber die Verschiedenheit der Crziehrmg in Deutschland und England". 8.30 Uhr: Acht Saxophone und Schlagzeug machen Tanzmusik! 9.30 Uhr: Rachrtchten. Wettermel­dung. Sportbericht. 1011 Uhr: Die Altweiber­mühle. Groteskes Singspiel in einem Akt von Alfr. Auerbach. Musik von W. H. ©immer- macher. Personen: Der Müllerknecht. Die Alte. Der junge Mann. Die junge Frau. Der alte Herr. Aussührende: Mitglieder der Frankfurter Bühnen; der Autor und der Komponist.

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Hochschule hat in ihm stets einen Führer gesehen der sich ihrer Interessen warm annahm, namenb ließ, als in der Inflationszeit die wirtschaftlich« Lage der Studierenden so überaus schwer war. Aber auch ein Führer in seelischer und vater­ländischer Rot ist Walde immer gewesen, der unermüdlich die akademische Jugend ermahnte, nicht zu verzagen, und der sie auf richtete in dem Glauben an die Zukunft Deutschlands. In Rekto­ratsreden und bei anderen Gelegenheiten erhob sich die Stimme dieses kerndeutschen Mannes, der dem Vaterland das Opfer eines im Welt­kriege gefallenen Sohnes gebracht hat, um ein lebhaftes Echo der Vaterlandsliebe in den Her« zen der akademischen Jugend zu wecken. E. B.

Frankfurter Schauspielhaus

Wenn wir Toten erwachen".

Henrik Ibsens dramatischer Epilog, das Alterswerk des 72jährigen, brachte Richard Weichert mit Robert Taube als Rubel in einer, vielleicht etwas zu sehr aufs Gespenstische gestellten Reuinszenierung heraus. Die Einfach­heit dieser Symbolik, der lebend Toten, darf nie auf die Raturalistik der handelirden Personen drücken. Wenn auch innerlich gestorben, bleiben sie doch Menschen von Fleisch und Blut. Ro­bert Taube, jetzt am Staatstheater in Berlin, ließ in seinem Aubek das Sehnen nach erlösender Auferstehung, verbunden mit der Tragik eines innerlich abgestorbenen Künstlers, in packender Eindringlichkeit erstehn. Leontine Sagans, eine vom Irrsinn umschauerte Irene, war in der äußeren Gestalt entschieden zu leichenhafl, ließ auch die Glut, welche im Unterton, dieses vom Leben verschütteten Wesens glimmt, ver­missen. Auch Aida Stukering, gab dem Jubel, der zur Freiheit erwachten Maja nicht die rechten Herzenstöne. Bleibt noch Harts Ulf- heim, er war der Därentöter. nicht mehr und nicht weniger. L. W.

Universitäts-Restaurant Vor dem

Gut gepflegte Weine - Plockstraße 5 Fernsprecher 198 kalte und warme Platten

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