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Samstag, 5. Dezember 1925
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 285 Zweites Blatt
Kulissenpolitik.
r Don Dr. Paul Rohrbach.
Herr Briand, gegenwärtig französischer Ministerpräsident, läßt ein Wort von sich verbreiten: Fortan werde sein Leben nur noch der Ausgabe gewidmet sein, „die Politik von Locarno weiter auszu- bauen". Allerdings hat er nicht dazu gesagt, was er unter der Politik von Locarno versteht. Für die Franzosen heißt Politik machen immer so viel, wie auf einer Buhne agieren. Man stellt eine Dekoration hin und senl sich davor in Pose. Rur darf nie- mand denken, daß mit dem Schauspiel stets auch die Handlung Hinte.' den Kulissen getroffen sei. Die kann ganz verschiedene Züge tragen, ober die Kulisse ist immer das Mittel, um politisch aufzutreten und sich jo zu zeigen, wie man gesehen wer- der möchte. Frankreich agiert jetzt die Rolle, die Briand mit „Ausbau der Politik von Locarno" überschrieben hat. Dazu gehört die Kulissenstellung der Dersöhnur.gsbereitschaft, der Friedensliebe, der „europäischen" Gesinnung. Dazu gehört aber auch Vermeiden alles Eingehens aus solche Punkte, an denen speziell in Deutschland die Ernsthaftigkeit der Reden geprüft werden könnte.
Man muh bei Frankreichs heutiger Politik die Tnebfebej-n unterscheiden, die im französischen Charakter liegen, und die Symptome, die aus dem Zwangscharakter der äußeren Lage folgen. Diese letzteren äußern sich nicht in den. Spiel aus der Szene —sondern m dem anderen hinter der Szene. Briand hat die Kabinettsbildung übernommen, nachdem die Sozialdemokraten im letzten Augenblick sich zurückgezogen hatten. Sie verlangten im Ministerium soviel Sitze, daß sie die Regierung beherrscht hätten, und sie verlangten außerdem Vollmacht, die Finanzkrisis durch rücksichtslose Besteuerung des Kapitals zu lösen. Dergleichen wird aber in Frankreich aus regulärem Wege nie geschehen können. Zwar wird das Beispiel jenes Verzichts der privilegierten Stände während der großen Revolution zitiert, wo mit einem Schlage freiwillig alle materiellen Vorrechte fielen, die Adel und Geist- Nchkeit besaßen, aber das Frankreich von damals lebt heute nicht mehr. Der jetzige französische Kapitalismus wird sich unter keinen Umständen gutwillig dazu verstehen, nachträglich die Kosten des „Sieges" zu zahlen.
Zur Zeit handelt es sich in der innern französischen Politik um die Frage: Wer wird der Zahler? Ganz verdeckt taucht auch schon der Gedanke aus, die Währung weiter fallen zu lassen und bann, bei der Stabilisierung des Franken, die innere Schuld nach dem Prinzip „Frank ist Frank" zu reduzieren. Dabei würde es sich freilich noch um den Weg handeln, der gefunden werden müßte, um bas große Kapital vor tiefgreifenden Verlusten zu bewahren. In dem Augenblick aber, wo dergleichen geschieht, werdenalle Kleinrentner Sozialisten (wenigstens, was man in Frankreich Sozialisten nennt), und die Finanzkrisis wird zur großen politischen Krise. Ohne die wird es so wie so nicht abgehen, denn die Entwicklung ist schon zu weit vorgeschritten. Bis auf weiteres aber sind alle Parteien darin einig, die Stunde der Entscheidung hinauszuschieben. Sie wird beschleunigt, wenn der Franken rasch weiter fällt, und die Beschwörungsformel, mit der es Briand dagegen versucht, ist die Proklamation der „Politik von Locarno" als „Lebensaufgabe". Diel Glück wird er damit nicht haben, weil man in London und In Washington keine Proklamationen ?u hören, sondern Maßnahmen der Abrüstung zu ehen wünscht, und weil das französische Kapital, auf dessen Angstverkäufe der Fall der Valuta ja auch zurückgeht, sich bereits mit einem so stürmischen „sauve qui pent" aus dem Franken flüchtet, daß in der ganzen Schweiz in keiner einzigen Bank noch ein einziger Tresor ober ein Schließfach zu mieten ist.
Das Unglück der Franzosen, bas in ihrem Charakter liegt, ist ihre Unfähigkeit, eine Politik Der Mäßigung unb der besonnenen Hand zu machen, wo sie machtpolitisch im Sattel zu sitzen glauben. In großem Maßstabe haben sie bas mit dem so gründlich zusammengebrochenen System des Poincarismus in Deutschland erfahren, und in
kleinerem erfahren sie es — immerhin schmerzlich genug — jetzt in Syrien, wo bie Lage immer peinlicher wird. Ein christlicher Syrier, namens Abd ul-Rahman Schabender, Doktor der Universität von Edinburg und zu den Führern der pollti,±en Eingeborenenbewegung in Syrien gehörig, hat neulich von Kairo aus über die französische Politik im Orient einen Bries geschrieben, den die amen- konische und die englische Presse verbreiten (man sicht auch daraus die jetzige angelsächsische Tendenz gegenüber Frankreich) unb ber eine lebendige Illu- ftration zur Lage hinter den Kulisien ber Pariser Bühne ist. In diesem Briefe heißt es:
„Monatelang haben mir (die eingeborenen syrischen Verständigungspolitiker) alles Mögliche getan, um den französischen Beamten im Lande, und über ihre Köpfe hinweg auch den Herren in Paris, klar zu machen, daß wenn Frankreich mit feinem Man- oat über Syrien einen Erfolg haben will, es als Mittel nicht allein brutale Gewalt anwenden darf. Alle unsere Versuche in dieser Richtung unb alle Proteste wurden aber als „Aufruhr" behandelt.
Dft arabische Geduld war erschöpft, als die französischen Militärs Schwarze aus Afrika in unsere Städte und Hütten einquartierten (also auch Syrien protestierte gegen die „schwarze Schmach" und verlangten, daß jeder Distrikt eine „Weiberquote" für sie liefern solle. Danach blieb für die Araber nur noch eine Waffe übrig: der Austtand . . .
Frankreichs Kolonialpolitik ist reine Ausbeu- tungspolitif, an ber die militärischen Stellen birekt teilneymen. General Sarrail und seine Offiziere sehen Syrien einfach als ein Felb für ihre privaten Geschäfte an. Ich habe viel versucht, um dem französischen Auswärtigen Amt die Lage klar zu mad)yi, erntete aber nur Abweisung und wurde schließlich arretiert. Nach meiner flucht wurde ein Preis auf meinen Kops geletzt, und die französischen Behörden fuhren mit ihrer Gewaltpolitik fort. Schließlich waren Tausende von Arabern im Gefängnis zusammen mit Dieben unb gemeinen Verbrechern ... Sogar bie arabischen Heiligtümer würben entweiht, unb in elf Fällen würben solche dazu benutzt, um das unterzubringen, was die Franzosen „weibliche Hilfskompagnien" nennen. Das ist ein Spezialausdruck für ein besonderes französisches System moralischer Degradation durch eine Okkupationsarmee . . .
Frankreich spielt mit dem Feuer. Durch seine barbarischen Methoden in Syrien bringt es die mu- bammedanische Welt in Wut. Es regt die Gegensätze von Rasse unb Religion aus, nicht nur in Syrien, sonbern auch in anderen Teilen der Welt. Es denkt nicht daran, daß Syrien zum Hinterland Arabien hat, und ich selbst kann als Christ nur mit Schrecken an die Folgen denken, wenn erst einmal der Fanatismus der arabischen Wüste durch die Kunde von den französischen Brutalitäten aufgeregt ist. Frankreich hat, wie es scheint, keine Vorstellung davon, daß, je brutaler es in Syrien regiert, desto brutaler auch die Endabrechnung sein wird."
Der Dr. Schahbender zeichnet ein ins Syrisch- Arabische übersetztes Abbild der verfloßenen Okkupation des Ruhrgebiets. Wir verkennen nicht die Slenberungen, die sich jetzt im Text und in der Melodie des Bühnenspiels in Paris vollziehen, unb wir nehmen gerne Kenntnis von den faktischen Erleichterungen im Rheinland. Wir wünschen auch keine Schwarzmalerei zu treiben und wollen nicht behaupten, daß Briands Spiel unehrlich ist. Wirkliches Vertrauen könnten wir aber nur haben, wenn wir uns überzeugen, daß nicht nur die Umstände, sondern auch bie Gesinnungen sich in Frank- reich geänbert haben — unb hier steht bas Frage- Zeiten.
Aus dem Amtsverküirdignnf,sblatt.
e Das AmtSverkündigungsblatt Ur. 9 4 vom 4. Dezember enthält. Die Wahlen zum Provinzialtag. — Die Kreistagswahlen. — Festsetzung der Dezembermiete. — Behandlung der Zugtiere im Winter. — Ausstellung von Wandergewerbescheinen. — ©ctuerbclegilt:; a- tionskarten. — Ernennung der Diehschäher unb Stellvertreter. — Geflügelmärkte und Ausstellungen. — Amtsveterinärarztftelle Grünberg. —
Maul- unb Klauenseuche in LangSdorf unb Allertshausen. — Äriegergtäbcrfürforge. — Versicherung der Handarbeitslehrerinnen. — Dienft- ftunben des KreiSIchulamts. — FortbildungS- chulstatistit. — Zeldbereinigungen Allendvrf a. b.
Lda., Münster bet Gießen, Trohe unb Treis a. b. Cba. — Straßensperren. — Offenhaltung bet Geschäfte. — Dienstnachrichten.
Das städtische Wohlfahrtsamt in Eietzen.
I.
Wie in jeder größeren unb mittleren Stadt, so ist auch hier das städtische Wohlfahrtsamt durch die Entwicklung der Der- höltnisie in der AachkriegSzeit eine ber wichtigsten Di.mststellen unserer Stadtverwaltung geworben. 3n den Arbeitsstuben dieses Amtes geht es um m-hr als nur um Attrn-Fas^i.el, um hin säuberlich beschriebene Dogen unb um mehr oder weniger lrngw ilige Register. Dort steht bie tatfrohe, v rantwortungsbewußte, stets hil sbereite Nächstenliebe, der Dienst am Doll uni für es, das Mühen unb Ringen um daS Schicksal ganzer Familien unb zahlloser Einzelpersonen tagaus, tag. in im Mittelpunkt alles Handelns. 3n diesen Räumen fließen gar häufig durch bittere Rot entfesselte Tränen, hört man nicht f iten herzbewegende Klagen in erregter ober in entsagungsvoller Stimme laut werden, erschüttern die leidourchfurchten Gesichter der Männer. Frauen unb Kinder, deren sehr karg bemessene Existenzgrurrdlage in dieser schweren Zeit nur noch im Wohlfahrtsamt verankert ist.
Di l.n Mitbürgern ist die große Bedeutung dies s Amtes für unsere Dürgergemeinschaft unb darüber hinaus für unser D lksleben noch recht wenig bekannt. Es genügt nicht, aus der Zeitung nur zu wissen, daß für das Wohlfahrt samt 961 400 Mark im städtischen Haushaltsplan für 1925/26 angeforbert und vom Stadtparlament bewilligt wurden. Man muß sich auch einmal vergegenwärtigen, welche Aufgaben dieses Amt zu erfüllen hat. in welchem Umfange eS ihnen entspricht, auch in finanzieller Hinsicht, und schließlich darf bie bedeutsame Tatsache nicht unbeachtet bleiben, daß die Städte durch ihre Wohlfahrtsämter zu 90 Prozent Ausgaben zu lösen haben, die ihnen durch reichSgeseh- liche Derpflichtung auferlegt sind.
lieber das weitverzweigte Arbeitsgebiet unseres Wohlfahrtsamtes fei nachstehend Einiges b-richtet, das sicherlich manchen Mitbürger zum Rachdenkm anregen, diesen oder jenen vielleicht auch zu einer Aachprüfung seines bisherigen Urteils über dieses Amt verlassen wird.
Fürsorgestelle für Kri«"i4beschädigtr unb Kriegerhin erbllrbene.
Hier standen vom 1. 3anuar bis 30. Rovember 1925 durchschnittlich in laufender Fürsorge: 150 Kriegerwitwen, 330 Halbwaisen, 50 Dollwaisen, 90 Kriegereltern, 10 sonstige Hinterbliebene, 90 Kriegsbeschädigte unb 120 Kinder von Kriegsbe- schädigten. Für diese Fürsorgeberechtigten wurden vom Reich 135 500 Marl an Zusatzrente zur (Beifügung gestellt. Für besondere Unterfbltzun- gen wurden 29 500 Mark auf gewendet; hiervon zahlte der Staat rund 13 000 Mark, so daß sich die tatsächlichen Aufwendungen aus städtischen Mitteln für die 11 Monate auf 16 500 Mark beliefen.
Svzlalrentnerfürsorge.
Durch Reichsgcsey vom 7. Dezember 1921 wurden bie Gemeinden verpflichtet, deutschen Empfängern von Renten auS ber Lknvalidenver- sicher ung unb ber Angestelltenversicherung auf Antrag eine Unterstützung zu gewähren, für bie In dem Gesetz besondere Dorfchrijten vorhanden waren. Das Gesetz trat ab 1. Oktober 1921 in Kraft, die Unterstützungen wurden von diesem Zeitpunkt ab bezahlt. Unterstützt wurden In jenen Anfängen 201 Jnvalidenrentner, 3 Altersrentenempfänger, 14 Witwen rentenempfänger,
28 Waifenrentenempfänger. Dom 1.3anuar bis 30. Rovember 1S.25 wurden unterstützt: Invalid« a- Rentenempsänger: Januar 391, Februar 341, März 353, April 341, Mai 356. Juni 331, Just 369, August 377, September 365, Oktober 369, Aov:mbec 372, insgesamt 3998 Halle: Wittven- RentenempfÜnger: 3anuar 50. Zeoruar hl. Mürz 50. Apr-il 54, Mai 57. Juni 51. Juli 57, August 56, September 54, Oktober 51. Rovember 54, insgesamt 588 SLik: Wai'en-Rentenernpsängec- Januar 65. Sebtuar 67. März 68, Avril 67. Mai 73. Sunt 71, Juli 72. August 72. September 69. Lk.ober 69. Rovember 69. inigtlamt 762 Fälle; Unfall-Rentenempfänger: August 1. September 3. Oktober 2, Rovemb^ 2. insgesamt 8 Fälle. Der Monatsdurchschnitt d.:>«r Fü:ftr-e belief sich auf 364 Invaliden-. 5t Witwen-. SS Waisen- und 1 Unfall-Rentenempfänger. Damit vergliche mein bie AnfangSziffern von 13211 Tom 1. Januar bis 30. Rovember 1925 wurden für diese Fücsor-e 151 743.54 Mark auf gewendet, im Monatsdurchschnitt also 13 795 Mark. Hiervon erb' It bie Stadt vcm L.-nffeSfürsorgeverband 33 Prozent zurückvergütet, so daß sich die Tetto« b.I.iftung unseres städtischen Haushalts für kie» s^ Tätigt.itsseld in den bisherigen elf Monaten di.s.-s Jahres auf 93 633.33 Mark, ober monatlich auf 3966,75 Mark 5?Iju L SS muh hierbei iedrch brachtet toerben, daß die 35prozentige Zuschu^- I iftung des LandeSfü sorgeverb ndes an bie Stadt nur nach Maßgabe der 3aie her Staats- sinanzen erfolgt, d. h. der Zuschuß kann verringert werden oder auch a-in, unterbleiben, wenn der Staat m int. ihn nicht tragen zu können. In diesem Falle würde also die Stadt nicht nur die Arbeit leisten, sondern auch noch die gesamten Kosten zu tragen haben.
Klelnrentnersürsorge.
Die Älcinventnerfürf Drge war im Gegensatz zur Sozialeentnerfürsorge zunächst gefehlte) nicht geregelt. Don Anfang 1922, mit Rückwirkung ab 1. Oktober 1921, an erfolgte sie nach Verfügungen rnb Richtlinien des Hess. MinisteriumA für Arb.it unb Wirtschaft. Mit 9 Kleinrentnern hat unser stadtifch.ö Wohlfahrtsamt die Kapitalrentnerfürsorge eröffnet Durch RcichSgesetz vom 4. Februar 1923 wurde die Fürsorge für die Kleinrentner im Gegensatz zur bisherigen De° Handlungsweise auf gefehlt^ G imd'cmen gestellt. Hi mach stn> dir Gemeinden bet )fUd)tet, deutsch-n Kleinrentnern t,.ui Gleichgestellten auf Antrag Fürsorge nach Maßgabe lene# G.s heS zu gewähren. Auf Grund dieser Dorschrift wurden vom 1. Januar biS 30. Rovember 19to unterstützt: im eigenen oder fremden Haushalt wohnendk Kleinrentner: Jsnuir 212. Februar 215. März 219. April 219. Mai 218. Juni 239. Just 241, August 245, September 249, Oktober 232, Rovember 230, insgesamt 2565 Falle; in Heimen oder Anstalten wohnende: Januar 13, Februar 16, März 17, April 16, Mai 17. Juni 19. Juli 23. August 23, September 23. Oktober 24. Rovember 23, insgesamt 214 Fälle: ©befraaen oder sonstige unterhaltsberechtigte Angehörige: Januar 65. Stbruav 66, Mär, 63, April 63. Mai 71, Juni 78. Juli 77. August 78. September 78. Oktober 79 Rovember 79, insgesamt 797 Fälle. Der Monatsdurchschnitt dieser Fürsorge beziffert sich auf 233 im eigenen ober fremden Haushalt wohncnoe. 19 in Heimen oder Anstalten ui'.tergebrachte Für- sorgeberechttgte, 73 Ehefrauen ober sonstige unter- haltsb:rechttgte Angehörige. Dom 1 Januar biS 30. Aovemcher 1925 waren für diese Fürsorge 131 878.86 Mark, oder monatlich 11 988.99 Murk aufzuwenden. Don diesem Detrag übernimmt der Landesfürsorgeverband als Zuschuß 35 Proz., d. h. 46 157,60 Mark für die Zeit vom I. Januar bis 30. Rovember. Die Stadt hat also aus ihren Mitteln für diese elf Monate 85 721,26 Mark, ober monatlich 7792,84 Mark aufzubringen. Aber auch hier, wie bei der Sozialrentnerfürsorge kann der Staat feinen Zuschuß verringern oder ganz cinstcNen, wenn er glaubt, daß er feine Kraft überschreite. Dann hätte die Stadt also auch in diesem Falle alle Lasten allein zu tragen.
‘.Robert Schneider.
Zum 50. Geburtstag des hessischen Munbartbichters. Don Pros. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn.
Die Darmstädter Mundortdichtung ist noch keine hundert Jahre alt. Sie beginnt im Frühjahr 1837 mit dem Werke eines Meisters, dem im ersten Entwurf in Gießen entstandenen Lustspiel Ernst Niebergalls „Des Burschen Heimkehr", das bis jetzt nur durch desselben Dichters unsterbliche Komödie „Datterich" übertroffen wurde. Seitdem haben sich viele im Dichten in der Darmstädter Mundart versucht, aber den wenigsten ist es gelungen, sie in schöpferischer Weise anzuwenden. Zu den wenigen wirklichen Dichtern unter den Darmstädter Mundartdichtern gehört der in dieser Mundart leibende und lebende Robert Schneider. Wie Niebergalls Vater aus Thüringen als Stabchoboist nach Darmstadt kam, woher feine Mutter stammte, so kam auch Schneiders Vater, der wie seine Mutter im Vogelsberg beheimatet war, als Soldat nach Darmstadt.
Mei' Ahn' war Köhler gewäse im dickste Vogelsbärch, könnt weder schreiwe noch läse, war knuwwelich wie'n Zwärch, hott in seim Wald gefasst fohraus un aach johrei' un Welt un Mensche vergässe — wie könnt 's aach annerft fei!
So schreibt Robert Schneider selbst in einem seiner neuesten Gedichtsammlung angehörenden Gedichte. Die Sehr.fucht nach der Einsamkeit des Waldes, der eigentlichen Werkstatt feiner Gedichte, mag er von diesem Vogelsberger Ahnen geerbt haben. Sein Vater, Johannes Schneider (1830—1905). war von Beruf Schmied. Aus Köddingen gebürtig, war er Ende der 40er Jahre nach Darmstadt gekommen. Seine Mutter, Elisabeth geb. Kornmann (1834 bis 1888), war aus Deckenbach gebürtig. Robert Schneider erblickte als das jüngste von neun Geschwistern am Nikolaustage (6. Dezember) 1875 in Darmstadt in dem Hause Schwanenstraße 12 das Licht der Welt. Bei öfterem Wohnungswechsel der Eltern waren die Schlohgasse, Kleine Ochsengasse, vorübergehend die Ludwigsstraße und bann wiederum der Schioßgraben unb die Obergasse der Schauplatz ferner Jugend, unb hier lernte er bie unverfälschte Munbar? der Darmstädter" nach allen Richtungen mit allen ihren Schattierungen kennen.
®is zu seiner Konfirmation besuchte Schneider die Volksschule und erlernte bann die Buch- und Steindruckerei, ein Gewerbe, bas ihm bie ausgiebig benutzte Gelegenheit zur Weiterbildung gewahtte. Er übte es bis 1912 aus, wo er es aufgab, um sich
ganz der Schriftstellerei zu widmen. Während des Krieges stand er vom ersten bis zum letzten Tage auf dem westlichen Kriegsschauplatz unter den Waffen. Nach feiner Rückkehr übernahm er ein Verwaltunasamt, worin er jetzt noch tätig ist. Das ist in großen Zügen Schneiders äußerer Lebens- oang, der sich, von den Kricgsjahren abgesehen, ohne Szenenwechsel in feiner Geburtsstadt Darmstadt abfpielt.
Seine dichterische Entwicklung beginnt mit den Geburtstagsgedichten, die der Zehnjährige Eltern und Geschwistern verfertigte. Die erste Nahrung erhielt seine Dichterphantasie späterhin durch die Werke Theodor Körners, die er im elterlichen Hause vorfand. Sie regten ihn zur Nachahmung an. Es entstanden damals Gedichte, die in schauerlichem Balladenton die gerade das Tagesgespräch bildenden Zeit- unb Stadtereignisse behandelten. Außerdem schrieb er kleine Stücke für fein Kasperl- unb Puppentheater, ber Bulgarenfürst Alexander sollte der Held eines Theaterstückes werden, das der Zwölfjährige plante. Auf den Herangewachst- nen wurden Heine und Shakefpeare, deren Werke fein Vater auf der Suche nach astronomischen Dü- d)em beim Trödler erstanden hatte, von bestimmendem Einfluß. Ebenso war cs sein Vater, der ihn auf die mundartliche Dichtung hinwies und ihn mit Niebergall, Friedrich Stolge und Johann Peter Hebel bekannt machte. Zunächst reizte ihn aber diese Art der Dichtung nicht. Erst als er seine Lehrzeit hinter sich hatte, versuchte er sich auf diesem Gebiete, unb zwar war es die „Darmstädter Fastnachtszeitung", die ihn dazu veranlaßte, und während einer längeren Reihe von Jahren begegnen wir in ihren Spalten der von ihm verfaßten „Närrischen Chronika", einer humoristischen Darstellung der Darmstädter Begebenheiten. Was ihn an der Darmstädter Mundart in erster Linie anzog, war ihre Originalität ober Ursprünglichleit. Er begann seltene ober selten gewordene Ausdrücke unb Wort- bilbungen zu sammeln, um sie in geeigneter Form cmzuwenben unb daburch vor bem Untergang zu retten. Damit hatte er bas Wesen der ,/)einer-- sprache" richtig ersaßt, die sich mehr durch ihre Wendungen als durch ihren Tonfall auszeichnet.
Die ersten Werke, womit Schneider an die Oef- fentlichkeit trat, waren bie beiden einaktigen Mund- artluftfpiele „Der verwechselte Bries" unb „Liewes- hannel". Beide erschienen 1902. Ihnen folgte im Ioh'e barauf ein Gedichtbändchen „Heinerbliit", das 1909 eine zweite Auflage erlebte, wahrend das dazugehörige zweite Bändchen erst 1908 herausgekommen war. Eine Sammlung von sieben urkomischen Erzählungen ober Humoresken. „De Wildsau un annern lustige Sachen" erschien 1910 unb
erlebte 1921 eine zweite unb 1925 eine dritte, um eine wahre Perle der Mundartdichtunsi „De Herr Rendner Breihhinkel als Latschkondtdder" vermehrte neue Auslage (Darmstadt, Verlag von L. C. Wittich, Preis 2.80 M.). Neue und alte Gedichte vereinigte er 1920 zu ber Sammlung ,Ly- rijdjcs und Lustiges". Eine einzigartige Satire auf bas neuzeitliche Theater, namentlich das damalige Darmstadter, veröffentlichte er 1921 unter dem Titel: „Pleite ober: Der Sturz von der Hühnerleiter. Eine hysterifch-mysterifch-expressionistifch°da. daistifch-hasensterncleverunruhistifche Spiel von?? Ins vürgerlicye ABC übersetzt und für den gemeinverständlichen Verstand gewöhnlicher Mitteleuro- päer bearbeitet und herausgegeben." Ebenfalls eine Satire auf die Zeitverbältniffe ist das im selben Jahre erschienene Derkcyen „Gereimdes und Unge- reimdes. Gedanke eines lachenden Fillofofen. Steierbollidifch - fillefofisch - humonstische LNsichte ohne Absichten". Durchweg neue und zum Teil zum erstenmal gedruckte Dichtungen enthält bas zu seinem 50. Geburtstage bei L. C. Wittich erschienene Bändchen „Gedichte" (Preis 2,80 M.), das bie reif’ sten unb gehaltvollsten Kinder feiner Muse enthält, wie beispielsweise die beiden Frühlingsgedichte „Der Friehling" unb „Friehlings-Erwache oder des ocrunglickte Friehlingsgedicht" und bie nicht minder köstlichen „Mein Schädel" und „Die Spritz- duhr in die Ewigkeit obberbie iwwecstanne Gribb", worin Schneider als lachender Philosoph erscheint und sein herzerquickender Humor, ber unter Tränen lachen kann, die schönsten Blüten treibt.
Robert Schneider ist, das ist nicht zuviel gefagt, eine der bekanntesten und volkstümlichsten Persönlichkeiten, die die hessische Landeshauptstadt aufweist. Außer seinen Beiträgen zur Fasmachlszeitung machten seinen Namen am bekanntesten seine „Briese aus ber Altstabt, die er seit 1906 in den „Neuen hessischen Volksblättern" unter dem Decknamen „Fritz Knippelius" veröffentlicht, und „Brie- Hinkels Sunndags-Nachmitbags-Betrachtunge", bie er von 1909—1914 für das „Darmstädter Tagblatt" schrieb unb im Jahre 1924 in Gestalt ber „Sunnbaags - Noochmidbas - Betrachtunge" von D>enche Birnbemell fortsetzte. Diese köstliche Nähterin, der ihr Bräutigam in jungen Jahren abhanden gekommen war rnb nun mit einer Zwangs- mietcrin behaftet ist, ist, obwohl nur eine freie Schöpfung von Schneiders Dichterphantasie, eines der volkstümlichsten Darmstädter Originale geworden, das bereits den Namen für einen Likör her- gegeben Hal. Ihre Betrachtungen werden von Taufenden gelesen ober, richtiaer gesagt, verschlungen und bereiten nicht nur Schneiders Mitbürgern an den Ufern des Darms, sondern auch, wie Zeitschrif
ten aus dem Auslande, ja von jenseits des großen Teiches beweisen, feinen in der Welt verstreuten Landsleuten eine unbezahlbare Freude.
In dem „Münchener Fliegenbe-Dlätter-Kalen- ber" von 1926 findet sich bas Sinngedicht-.
Der Durchschnittskopf stellt meistens luftig vor sich einen Mann mit humoristischen Gaben, er ahnt es eben nicht, der seichte Tor, wie ernst man fein muß, um Humor zu haben. Die hier zutage tretende Schilderung des Humo- riften paßt vollkommen auf Robert Schneider, dessen ernstes ruhiges Wesen, ebenso wie seine hohe Stirn und seine durchgeistigten Züge den ernsten Denker erkennen lasten.
Der Wett von Schneiders Gedichten, unter denen sich eine ganze Anzahl durchaus ernster Srt befinden, liegt gleich wie bei seinen Humoresken nicht nur in der genialen Beherrschung und Behandlung der Mundart, sondern vor allem in dem gemütvollen Humor, der ihn selbst in den härtesten Tagen des Krieges nicht verließ, wie beispielsweise die Gedichte „Asbierin^ unb „Lais" zeigen. Recht wohltuend tritt in allem, was Schneider schreibt, seine gemütvolle Persönlichkeit hervor. Er schreibt nur, wenn ihn ber Geist dazu treibt, und gibt in seinen lyrischen Gedichten als echter Dichter nur wirklich empfundene, nicht künstNch anempfunbene Gefühle wieder. Als abgeklärter Philosoph tritt er uns beispielsweise entgegen in den Gebieten „Bekenntnisse", „Friehlingsobdimismus", ,Lum Abschied". „Ich meecht faa Börsemakler fei" ft wie in den beiden schon genannten „Mein Schädel" und „Die Spritzduhr in die Ewigkeit", als Naturschwärmer in den Gedichten „Pingste", „Friehlings- Sehnsucht in der Schammpannje" und als sinnender Wanderer m den Gedichten „Der Wald" , „Am Kranichstaa". Die Waldeinsamkeit zieht er bem ge-- räuschvollen Verkehr ber Stadt vor, wie „Die Begegnung" zeigt, unb bie Ruhe unb Stille, die ehedem in Darmstadt herrschte, besang er in dem Gedichte „Fricher un setzt".
Dem Dichter werden zu seinem fünfzigsten Geburtstage noch mehr als zu seiner Mitte September gefeierten silbernen Hochzeit die ungezählten Verehrer seines Humors von nah und fern durch ihre Wünsche den Dank für viele frohe Stunden, die ihnen seine Werke bereiteten, abzuftatten suchen. Und hierin tritt bas schöne persönliche Verhältnis Schneiders zu der Gememde feiner Leser deutlich zutage, das dem eines Arztes zu seinen Patienten gleicht. Und in der Tat, Schneider ist in der trüben Gegenwart eine Art Scelcncrtt für das Volk wie jeder Humorist von Gottes Gnaden. Cr steht auf der Höhe des Lebens, und wir dürfen noch viele schöne Gaben von ihm erwarten.


