Wirtschaft.
* Ausländsanleihe der badischen Städte. Nach einer Mitteilung des Städischen Nachrichtenomtes in Mannheim ist der Vertrag über die gemeinsame Ausländsanleihe badischer Städte am Montag, 2. November, für den Betrag von •3} Millionen Dollars abgeschlossen worden. Beteiligt sind die Städte Mannheim, Pforzheim, Konstanz, Rastatt, Lörrach und eine Reihe kleinerer Städte und Gemeinden. Die Badische Girozentrale wurde durch ein Sonderabkommen der Städte und Gemeinden ermächtigt, für deren Rechnung die Anleihe abzuschließen.
* Zur Fusion in der Farbenindu- strie. Bekanntlich soll die Zentralverwaltung der I G. (Interessengemeinschaft) Farbenindustrie A. G., die mit einem Kapital von 641,6 Mill. Rm. Stammaktien und 4,4 Mill. Rm. Vorzugsaktien und 104.7 Mill. Rm. Reservefonds gegründet wird, nach Frankfurt a. M. kommen, wie der D. S). D. von Berwaltungsseite erfährt, wird man an diesem Plan infolge des ungeheuren Berwaltungsappa» rate5 bei etwa 100 000 Angestellten und Arbeitern nur bedingt festhalten können, da es nicht möglich ist, diesen Betrieb in der Hauptsache von Frankfurt a. M. zu leiten. Man hat deshalb das System der regional-dezentralisierten Geschäftsorganisation geschaffen. Es wird eine sehr kleine Zentrale lediglich als Verteilungsstelle in Frankfurt a. M. eingerichtet werden, innerhalb deren vier regional gegliederte Betriebsgemeinschaften und fünf teils regional, teils sachlich gegliederte Verkaufsgemein- schaften arbeiten sollen. Diese würden die ihnen zugeteilten Sonderausgaben ihrerseits gesondert und selbständig zur Ausführung bringen.
* Kasseler Brotfabrik und. Nahrungsmittel A. G. in Kassel. In einer Gläubigeroersammlung der unter Geschäftsaufsicht stehenden Gesellschaft wurde bei einer unter Vermeidung des Konkurs durchzuführenden Abwicklung der Schwierigkeiten eine Auszahlungsquote von 50 Proz. in Aussicht gestellt. Wie wir hören, hat es den Anschein, als ob die Zahlungsschwierigkeiten ohne Verhängung des Konkurses behoben werden können.
* Schuhfabrik Herz A. G., Frankfurt a. M. In dem Ende Juni 1925 beendeten Geschäftsjahr war die erste Jahreshälfte, in der Produktionseinschränkungen eintreten mußten, verlustbringend. Das zweite Halbjahr, das eine wesentliche Besserung aufwies, brachte einen bescheidenen Nüßen. Bei Abschreibungen von 54 700 Rm. und Verwendung von 14 802 Rm. zur Hypotheken auk- wertung wird nach Zahlung von 2400 Rm. für die bprozentige Vorzugsaktiendividende der kleine Gewinnrest von 7623 Rm. vorgetragen. Das Stammaktienkapital von 1 500 000 Rm. bleibt also ohne Dividende. Der Anfang des neuen Geschäftsjahres war bisher zufriedenstellend.
v Phoenix A. G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb, Abt. Hoerdc, Düsseldorf. Wie die Werksleitung des Hörder-Dereins bekanntgibt, wird entgegen der bisherigen Gepflogenheit, das Grobblech-Walzwerk im Monat für einige Zeit stillzulegen, in diesem Monat von dieser Stillegung Abstand genommen, da für das Werk in der letzten Zeit so viel Aufträge eingegangen sind, daß sich eine dauernde Jnbetriebhaltung ermöglicht.
* Vereinigte Königs- und Laura- Hütte A. G. Die Stillegung der Federnfabrik der Werkstättenbetriebe K ö n i g s h ü t t e ist im Zuge. Wegen Auftragsmangel arbeitet das Werk jetzt mit drei Feierschichten wöchentlich. Die Bestellungen sind in letzter Zeit immer mehr zurückgegangen.
* B i s m a r ck h ü t t e A. G. Die rumänische Lelindustrie hat der Bismarckhütte größere Auf. träge auf Bohrröhren erteilt. Infolgedessen ist das Röhrenwerk wieder gut beschäftigt.
* Stillegungen im Ruhrbergbau. Die Gelsenkirchener Bergwerks A.-G. sieht sich infolge der ungünstigen Wirtschaftslage gezwungen» Ende November die Tagesanlage der Schachtanlage Pluto bis auf die unumgänglich notwendigen Einrichtungen für die Seilfahrt- weitersührung und die Preßlufterzeugung stillzulegen. Dadurch werden etwa 250 Angestellte und Arbeiter zur Entlassung kommen.
* Russische Aufträge für den Anilin t r u st. Nach Pressemeldungen hat der russische Volkskommissar für den Außenhandel, Krassin, mit dem deutschen Anilin-Großkonzern einen Vertrag über die Lieferung von Anilinfarben und ähnlichen Produkten in Höhe von etwa 25 Millionen Mark abgeschlossen.
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Stegemann.
55. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Hanns Ingold saß in seinem Bureau und rechnete. Die Fijchtreppen waren fertig, das Turbinenhaus funbamentiert. Im nächsten Herbst konnte alles unter Dach, ein Jahr später die Einrichtung vollendet fein.
Der Lampenschein fiel auf seine angegraute Schläfe. Wie vom Pflug geferbelt lief die Falte auf feiner Stirn.
Es klopfte.
Ein Diener fragte im Auftrage Doktor Engelhardts, ob Ingold nicht hinüberkomme.
Er stand auf und sagte, er käme. Er hatte Engelhardts Einladung ganz vergessen.
Seit Ruths Heirat und dem Tode des Vaters waren sie sich näher getreten.
Langsam legte Hanns den Weg zum Kloster zurück. Es waren nur wenige hundert Schritte. Der Rebel war so dicht, daß er sich wie feuchtes Schleierwerk um Ingold legte.
Engelhardt kam ihm auf dem Flur entgegen.
„Wollen Sie ins neue Jahr hinüberarbeiten?"
fragte er vorwurfsvoll.
„Da es kein Abschnitt ist für mich, wäre das eigentlich das Richtige," entgegnete Hanns.
„Kein Abschnitt? Kommen Sie herein, wir wollen auch für Sie die Jahreswende zu einem Abschnitt machen."
Die Stube lag im sanften gelben Schein der altmodischen Lampe. Es standen mehr Möbel darin, als hineingehörten; Engelhardt wollte sie um sich haben, denn sie hielten ihn warm, wie er zu scherzen pflegte. Ein echt russischer Samowar, den ihm eine dankbare russische Patientin geschenkt hatte, stand auf einem niedrigen Tisch am Kamin. Die Holzkohlen glühten, das Messing blitzte, und ein Dust von Zigaretten war im Zimmer.
„Rauchen Sie? Das schade! Ihnen doch'?" fragte Hanns Ingold und schlug unwillkürlich seinen Befehlston an. ,
Engelhardt lachte, gab aber keine Antwort, sondern sagte:
„Jedenfalls rauchen Sie", und hielt ihm Ziga- retten und Zigarren hin.
* Konkurse und Geschästsausjich- ten in Bayern. Wie amtlich mitgeteilt wird, sind in Bayern im dritten Vierteljahr 1925 wieder 213 Konkurse eröffnet. In 59 Fällen wurde mangels Masse die Eröffnung des Konkurses abgelehni. Außerdem wurden 103 Geschäftsaufsichten ungeordnet und 23 abgelehnt. Am stärksten betroffen find Handel, Aerkebr und Industrie.
Börsenkurse.
Frankfurt a.9)?.
Berlin
Sdjhtfc- fture
SchhißH. m-ttio. jörie
ScMuT;. fiuts
Schlich«, Dlillatj bar[.
Datum:
3. 1L
4 11.|
3. 11.
4 11
5% Deutsche NcichSanletde
4% Deutsche Michsanlciye •
0 217
0 213
1.212
j 215
-
0 2805
0 2775
8Ve% Deutsche fH.’irfcoauletbe 3% Deutsche NeichSanlcihe .
(125
0.25
0,27
0.265
0.415
0.41
0,11
0.402.1
Deutsche Sparprämienanleihe
-
0.12
4% Preußische Koniols • • •
0.2 Jj
0,135
' .235
0.23
4% Hessen.........
—
—
0.215
3’/.% Hessen ........
—
0,23
0,23
3% Hessen..........
0,22
O jrj
Deutsche Wend. Dollar-Anl. bto. Doll.-Schatz-Anweisng.*)
90.25
9U,25
91,7-5
91.75
97,1
97,1
9..4
97,4
4% Zolltürken.........
5% Goldmerikaner ... .
7.4
43 75
7. >75
12 5
’J
7 5
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank
132'
04-
94*
133.6*
95*
133,5*
94 5-
Darmst. und Nanonalbank
103,5*
103.5*
103*
103.4*
Deutsche Bank.........
Deutsch. Dereinsbank ....
105*
66.5
104*
66
105,2*
104,2*
Disconto Commandit
111,7'
102.5*
102,2*
102,1*
Metallbank.........
Mitteldeutsche Eredildank. .
76
89.5*
76
89.5*
S9 75*
Oesterreichische Creditanstalt
6.75
6,75
Weltbank .......
0.03
0.03
-
_
Bochumer Guß .......
— •
__•
69*
Buderus .........
39,5
39.5
39.3
39
Taro ...........
Deutsch-Luxemburg .....
Gelsenkirchener Bergwerke. .
36’
68*
34.5*
67,5*
35.5*
0.75*
34,25*
68,5*
77*
75,5*
8*
76.5*
Harvener Berabau.....
Kaliwerke Aschersleben...»
105 5
102.2*
106
103 5*
10 ,1
101 7*
.Kaliwerk Westeregeln.....
Lamahütte . .......
108.5
34
109 5
35,75
08.5
34,75
108,5
34 9
Oberbedars ..........
Phönir Bergbau .......
Rhcinitabl...........
Niebeck Montan.......
46.5*
45, 5*
4 17,-
68,75*
67.62*
70.5*
o8*
iG*
68
55.4*
»7,5
55.75*
69 5
55.f2* 6J.5
TelluS Bergbau......
4o
45
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher LloNd
68,5*
73,75’
69*
73,9*
69.75*
75*
68.75*
73.5*
Theramischc Werke Albin . ,
—
Zementwerk Heidelberg . .
Philivv Hoümann ....
62.1
48.25
61,5
4-,5
48.5
«
Anglo-Cont--Guano ....
Badische Anilin .......
—
—
83
83
118*
118*
118.2*
Chemische Mayer Alaptn . .
—
—
Goldswiniük ....
60
60
60
OrieSi eimer Electron ....
117,1*
116,6*
116 5*
118 1*
Höchster Farbwerke......
117.7-
116,6*
118,2*
117
Holzverkohlung . .......
40
■0
-
Rütacrswcrke ........
62*
61.13*
-*
62*
^cheideanstalt .......
73
Allg. ElektnmätS-Gesellschaft
92,5*
92 ".*
92.5*
91*
Bergmann .......
72*
71 25*
73
Mamkraitwerke .......
70
68
—
Schuckert .........
67*
67*
6 75*
66*
Siemens & HalLke......
83*
83*
82*
Adlerwerke Kleyer ......
27.5
27
27.75
27.1
Daimler Motoren. ......
•'5
25 2 ,
24, 5
25,5
Heyligenstacdl . ......
Meguin. . .....
25
Ä
28,5
28
Motorenwerke Mannheim .
—
—
25
26,75
Frankfurter Armaturen . .
Konservenfabrik Braun . .
Metallgesell'chaft ftran(furt .
Pet. Union A.-G.....
27
27
—
—
94,5
55
94 5 55.5
55
55
Schuhfabrik Her; . ....
23,7
23
23 5
23,75
Sichel. . Zellstoff Waldbof......
2.5
2.5
w
79,13
79.5
79 1
79 5
Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel
53
46.5
62
46.5
54
53
46,25
Berliner Börse.
Berlin, 4 .Rov. Die Börse eröffnete bei stillem Geschäft in uneinheitlich er Haltung. Die Monatsberichte der preußischen Handelskammern, die gegenüber dem Dormonat wieder pessimistischer gestimmt sind, vermochten keine Anregung zu geben, lediglich die Hervorhebung, daß in der M o n t a n - I n d u st r i e der Tiefstand erreicht sei, verursachte einige Käufe in Montanwerten, so daß hier vereinzelt die An- fangskurfe über die gestrigen Schlußnotierungen hinausgingea. 3m übrigen dürfte die relativ feste Haltung der Montanwerte noch eine Nachwirkung der gestrigen Berichte über das nahe bevorstehende Zustandekommen des Eisentrustes fein. Demgegenüber betont heute eine neue Meldung aus Essen, daß, solange die Steuerfrage nicht geregelt sei, an ein Zustandekommen der neuen Gesellschaft nicht zu denken ist, da der Zusammenschluß auS der Notlage geboren sei und nicht von vornherein mit einer Steuerbelastung von 40—50000000 Mk. erschwert werden könne. Das Interesse für die sogenannten amerikanischen Freigabewerte hielt weiter- an. Schiffahrtswerte waren nur gering ge°
Dann drehte er den adlergekrönten Hahn und ließ den Teegrog in die Gläser laufen.
Es war still, die Zigarre spann blaue Fäden, die Holzkohlen knisterten.
Engelhardt fuhr sich in die Mähne, blickte auf die Tue, die in sein Schlafzimmer führte, räusperte sich und begann:
„Ja, Hanns Ingold, nun geht auch dieses Jahr zu Ende. Es ist kein Abschnitt, sagen Sie. Ich verstehe, Sin zählen nach Bauetappen. Sie haben Ihre eigene Rechnung."
Ingolds wildes stürmisches Drängen war einem ernsten, rastlosen Schaffen gewichen.
„Ja", antwortete er. Es klang schroff, beinahe abweisend.
Da beugte Engelhardt sich vor und legte ihm die Hand aufs Knie.
„Wir sitzen jetzt anderthalb Jahre hier allein und haben uns als Männer, die einmal hart aneinander geraten sind, vertragen. Ich könnte Ihr Vater sein — fahren Sie nicht auf —, es soll keine Anspielung fein, Ingold. Ich habe ein Mandat zu erfüllen."
„Ein Mandat!"
Mißtrauisch schnellte Ingold auf.
„Ja, halb habe ich es mir selbst genommen, halb übertrug es mir jemand, der zwischen uns sonst nie genannt wird."
„Ruth!" wollte Ingold rufen, aber er drängte den Namen zurück. Härter kantete sich fein Ge- sich fein Gesicht, trotzig hob er den Kopf.
,Ich wüßte nicht, was für eine Forderung Sie mir zu überbringen hätten, Doktor Engelhardt!"
Der Spoti gehorchte ihm nicht, es klang wie eine Drohung.
„Keine auf Säbel ober Pistolen! Ich habe nur eine Frage an Sie zu richten. Und die lautet: Wollen Sie wieder so in das neue Jahr hineingehen, soll es wirklich kein Abschnitt fein? Wollen Sie Ihrem Bruder wirklich nachtragen, was der arme Junge damals in Zorn und Schmerz gesagt hat, als er zum Begräbnis kam, mitten aus dem Examen heraus? Wollen und können Sie das, Ingold?"
Fahl wurde Hanns Ingolds hageres Gesicht. Mit einem Ruck schleuderte er die Zigarre in den Kamin und setzte sich gerade. Die Finger
beiicri, dagegen batten Baltimore und Kanada lebhaftes Geschäft, während Berliner Handel und Stöhr leicht rückgängig waren. K a I i to e r t c lagen in Nachwirkung auf die Ausführungen über die schlechten Aussichten sehr schwach. Ausländische Renten verkehrten lebhaft unter Bevorzugung von Russen und Ungarn, die teilweise höher waren. Heimische Renten waren fast gefchäftslos. Die Erleichterung am Geldmarkt machte riesige Fortschritte. Tägliches Geld notierte 8,5 bis 10,5 Prozent, Mo- natsgeld 10,5 bis 11,5 Prozent. Der französische Franken setzte infolge der französischen Regierungskrise seine Abschwächung fort. Er senkte sich gegen London auf 119,40. Nordische Devisen lagen gegen London etwas schwächer. Die Reichsmark notierte in London 20,35, Amsterdam 59,161 V
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
T elegravhsfche Auszahlun g.
Banknoten.
3 Novbr.
4 Nov r.
Amtliche (Selb
Rott rung Briet
Amtliche Notierung
Geld
Brief
WmiL-'Jtou.
168,80
169,22 1.783 19.04
168.82
169,24
Buen.-Aires
1.728
1.734
1.736
Brss.-Antw
19,(Kl
19 01
19.09
Christiania.
85 59
85.61
85.44
85.66
Kopenhagen
101,87
105,13
104 42
104.68
Stockholm -
112,21
112,49
112,25
112.53
HelsingforS
10,555
10.595
10 5f5
10.595
Italien. .
16,58
16,62
1fr 56
16.10
London - .
20.33
20,38
20.232
20.382
Aeuvork . ■
1.195
4,205
4.195
4,20
Paris. . .
17.26
17,30
16 91
■6.98
Schweiz . .
SO,82
81,02
80 835
81.035
Spanien.
60.02
60.18
59.93
60, 7
Japan . . . '»io de Jan Wien in D--
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1.757
1.751 i) 627
1,755
1.628
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1.629
Lest, obgeft
69.1
.59.27
59,13
59,27
Prag ...
12,42
12.46
12.42
12,16
Belgrad . .
7.42
7.44
7.41
1.43
Budapest. •
5,815
5,895
5.815
6,895
Bulaaricn
3,035
1.015
3,035
3.045
Lissabon
21.175
0,225
21 175
21.22-
Daniig. . Konst ntin.
80, to
8085
80 65
80.8
1,365
2,375
2, 65
2,375
Alden
5.79
5.81
5.79
5.81
Canada. .
4.197
1.207
4,197
4,207
Nruguah
4.275
4.28.'
4.275
4.285
Berlin, 4 Novbr
Geld
Briet
Amerikanische Violen .....
i.l8
4,20
Belgische Noten .......
18,1'5
19,05
Dänische Noten .......
194.11
104.63
Englische Noten........
20.28'
20.389
Franwniche Noten ......
16,92
17 00
Holländische Noten ....
168,41
169.25
Italienische Noten......
16.57
1 >.65
Norwegische Noten.....
85,21
85 61
Deuisch'Oesterr. ä ioo Kronen
>8.95
59.25
Rumänische Noten.....
-
—
Schwedische Noten.....
Ul.94
112,'0
Schwerer Noten .....
80.79
81.10
Svanische Noten ......
59.75
1 05
Tschechoslowakische Noten . .
12.: 8
12.44
Ungarische Noten
5.845
5.88)
Frankfurter Abenbbörfe.
Frankfurt a. M., 4. Nov. Die heutige Abendbörse stand wieder im Zeichen größter Geschäftsunlust. Die älmsahlosigkeit drückte auf die Kurse, die eine neue rückläufige Bewegung aufwiesen. Deutsche Anleihen geschäftslos. Im freien Derkehr wurden Reichsanleihe zu 0,212, Schuhgebietsanleihen zu 5,85 genannt. Die Abend- börse schloß still mit Steigung zu weiterem Nachgeben. Bankaktien: Commerzbank 94, Darmstädter Bank 103,50, Deutsche Bank 104, Dis- eontogefellschaft 102,50 (Medio), Dresdner Bank 100, Mitteldeutsche Creditbank 89,50, Reichsbank 132, Oesterreichische Creditattien 6,75. Schiffahrtsaktien: Nordd. Lloyd 73,87 (Medio). Montanaktien : Gelsenkirchen 75,50, Mansselber 61,25, Caro 34,50, Phönix 67,62, Rheinstahl 55,37 (Medio), Rombacher 28, Kali Aschersleben 106. Chemische Aktien: Badische Anilin 118, Elberfelder Farben 116,50, Höchster Farben 116,62, Holzverkohlung 40. Industrieaktien: Adlerwerke Kle. er 27, Aschaffenburger Zellstoff 50, Dycker- hoff 31,75, Elektrisch Licht und Kraft 92 (Medio).
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 4. Rov. Cs wurden notiert: Weizen, Wettcrauer, 23.75 bis 24, Roggen, inländischer, 17.25 bis 17.50, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 24, Ha'er, inländischer, 19 bis 21, Mais, gelb, 18.50 bis 18.75, Weizenmehl, inländisches, vpezial 0, 33 bis 38.50, Roggenmehl 24.75 bis 25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10.25 bis 10.50. Tendenz: Fester.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 4. Nov. Der Produktenmarkt schloß sich der allgemeinen Höherbewegung des
um die Armstützen des Sessels gekrampft, antwortete er hart und eintönig:
„Der Junge hat mich Mörder genannt, Doktor Engelhardt."
„Ich weiß es, Ingold, aber können Sie das nicht begreifen, nicht verzeihen? Kommt es denn darauf an, wie Sie dieser aus allen Dernunft- schranken herausgerissene, leidenschaftliche und prächtige Bursch genannt hat ober barauf, wie es ift?7'
Kaum hatte Engelharbt bie unkluge Alternative aufgestellt, da sprang Hanns Jngolb aus bie Füße. Und die Fäuste an die Schläfen pressend, schrie er in plötzlich ausbrechenbem, jahrelang unterdrücktem Schmerz:
„Das ist es ja gerabe! Ich bin es ja, er hat ja recht gehabt! Nur hätte er es mir nicht ins Gesicht werfen dürfen !Jch weiß ja, baß ich es bin! Ich haben ben alten Mann um feine Wasserweibe gebracht, ihm den Stuhl fortgezogen, ihm bie Welt umgekehrt, ihn ins Grab gestoßen! Lassen Sie mich reben, Engelharbt. Ich weiß, was ich sage. Ich bin ganz ruhig, ganz klar. Aber sehen Sie, es ist nicht anders. Ich muß mein Werk tun. Es reckt sich schon, es wächst, ich spüre es, wie es aus mir heraus ins Lebendige wächst. Das war ja alles tot hier, und ich will, ich will sie lebendig machen, die alte Heimat, sie wirb nicht geschänbet, ber Rhein nicht geschwächt, wenn hier bie Enge gesprengt wirb unb bas riesige Werk das Wasser zum Dienst zwingt. Erst wenn er gefesselt wird, ber rpilbe Strom, werden ja seine lebendigen Kräfte frei!"
Aufgepeitscht von Gewissensqualen stand er und streckte bei ben letzten Worten die Hände aus, als müßte er Zeugnis ablegen für fein Werk.
Engelharbt roanbte die Augen von ihm ab. Er spürte den Unterschied im Wesen dieses Menschen unb so vieler, bie ohne inneren Antrieb bauten unb frönten. Er achtete das Selbstbekenntnis des glücklosen Mannes unb wollte ihm Zeit gönnen, sich zu fassen.
Und er dachte an Ruch unb an ihre Liebe zu Hanns Jngolb.
Ein Geräusch ließ ihn aufblicken.
Jngolb war von ihm weg ans Fenster gegangen unb preßte bie Stirn an bie Scheide.
Draußen stiegen langsam die Nebel.
Wellmarkies an, besonders für Weizen. Roggen blieb stark angeboten, Gerste in bester Sorte gefragt, Hafer ruhig, Futterartikel still. Es notierten pro Tonne: Weizen (märt) 220 bis 223, Weizen (Dezember) 239 bis 238,50, Weizen (März) 242 bis 241,50. Weizen (Mai) 247, Roggen (mark.) 141 bis 144. Roggen (Dezember) 163 bis 162, Roggen (Mörz) 173,50 bis 173. Roggen (Mai) 180 bis 179, Gerste imärk.) 186 bis 210, Futtergerste 149 bis 161. Hafer (märt.) 161 bis 171, Hafer (Dezembers 180 vis 179, Hafer sMärz) 184; pro Doppelzentner: Weizenmehl 27 bis 31,25, Roggenmehl 20.75 bis 23. Wei.^nlleie 11,30 bis 11,50, Roggenkleie 9,10 bis 9,40. Biktoriaerbsen 26 bis 32, kleine Speise- erbfen 25 bis 27, Futtererbsen 19 bis 22, Pe-4 luschken 18 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22. Wicken 22 bis 25, Lupinen (blau) 12 bis 12,50. Rapskuchen 14,20 bis 14,40. Leinkuchen 21.30 biS 21,40, Trocken schnitzel 8,10 bis 8,20. Torfme'asse 9,40 bis 9,50. Kartoffelflocken 13 bis 13,30. Soya-Schrot 20 20 bis 20,50.
Büchertisch
— Querschnitt" (Oktoberhest. — Im Pro- pylaen-Derlag). Mit Rudolf Großmann in Paris bei Po tret: man ift amüsiert. Mit Maryse Ehaisy zu Balzac: man nickt ober schüttelt ben Kopf, je nach eigenem Querschnitt. Mit Hans Walter in bie Kölner Jahrtausendausstellung unb weiter nach Wien zu Adalbert Graf Sternberg, von dem Anton Kuh köstliche Dinge sagt. Dazu erzählt Karl Hau von einer Literaturstunde im Zuchhaus, Buddha lächelt unb die schlanken Mäbchenglicder wetteifern mit ben Orchibeenblüten an Anmut und Schönheit. Fernand Löger und daneben Fräulein Lenglen, Lovis Corinth unb G. Bracque.
— Walther Iane11, Lob bes Schauspielers ober Mime und Mimus, Lir-Verlag. Berlin. — Dem Entbecker bes Mimus Hermann Reich ist bas Buch geeignet, vom Verfasser, der kaum eigene Wege geht, jonbern Reich folgt, ihn häufig zitiert, begeistert für ihn unb sein Trauerspiel Ardalio sich einsetzt. Das Buch bringt viel vom Mimus, wenig vom Mimen, wenigstens bem unserer Tage. Es gebt bem Wissenschaftler sehr viel Interessantes; ber Laie ist ein wenig hilflos vor soviel Gelehrsamkeit.
Eberhard v. Riesenthal: „Naturdenkmäler unter den 3 agbtieren Deutschland s". Heger-Verlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau. Preis geb. 12 Mk. Der Verfasser versucht, in ansprechenden Naturfch'lde- ritngen, jedoch auf wissenschaftlicher Grundlage, die einzelnen Tierarten in ihrem Sun und Treiben und mit der ihnen ureigenen Landschaft als Hintergrund uns vor Augen zu stellen, die als „unablässig verfolgte, bzw. im Aussterben" begriffene jagdbare T'.ere dringend eines Schutzes bedürfen oder gar schon als Naturdenkmäler gewertet werden müssen und danach zu behandeln sind. So werden uns in äußerst anziehender Weise Wisent. Elch. Wildschwein, Wolf. Biber, Luchs Wildkatze, Steinadler, Seeadler, Wanderfalk, Uhu. Auerhuhn, Schwarzstorch, Kormoran in ihrer ganzen Eigenart näher gebracht. Liebe zum Walde, zur Tierwelt, zur deutschen Heimat, Wild- kenntnis und Waidgerechtigkeit sprechen aus jedem dieser Kapitel. Geschichtliche, jagdliche und wissenschaftliche Angaben vertiefen das Ganze. Das Werk scheint so recht geeignet, jedem etwas zu geben, der es zur Hand nimmt: dort, wo es not tut, das richtige Verantwortungsgefühl für Iagd und Waidwerk — das „Jägergewisfen" — zu erwecken, das den Iagdausübenden erst zum Jäger macht; daneben aber auch all denen Freude zu bereiten, die bereits Heger und Waidmänner in wahrster Bedeutung des Wortes sind. 629
— Eine japanische Butterfly bringt die Zeitschrift „Das Theater" (Berlin W 9) auf dem ersten November-Heft. Es ist die japanische Opernsängerin Nobuko Hara, die die Rolle auch auf europäischen Bühnen wiederholt schon gesungen hat. Dazu berichtet der Tokioer Korrespondent der Zeitschrift in einem reich illustrierten Aufsatz eingehend über das japanische Theaterleben. Eine ganz neue Welt erschließt sich auch in dem Aufsatz des finnischen Korrespondenten über das finnische Nationaltheater. Neben diesen Aufsätzen, an die sich eine Betrachtung des Herausgebers über die Gastspiele der Pirandello-Truppe und des Moskauer Künstlertheaters anschlieht, kommt aber auch die deutsche Dühnenkunst in zahlreichen Bildern und Artikeln zur Geltung.
Unb Doktor Engelharbt konnte nicht anbers, er mußte zu Worten formen, was an Gebanken in ihm nach Ausbruck rang. Er tat es wie im Selbstgespräch.
„Sie haben keine Wahl mehr, Hanns Jngolb. Sie finb ber Vollstrecker Ihres Werkes. Es muß Menschen geben, bie sich in einem großen Werk vollenden. Der Gedanke lag in Ihnen, ehe er in Ihr Bewußtsein schoß. Unb ihm haben Sie bas Weib geopfert wie den Vater."
„Ich habe Ruth sehr lieb gehabt", kam es leise vom Fenster her.
„Ja, aber innerlich stand Ihnen Ihr Werk immer höher als diese Liebe, und deshalb ist es gut, daß bas Möbel stark genug war. Ihnen zu entsagen."
Hanns Jngolb starrte schweigend in die auf« hellende Nacht. Licht vorn Himmel sickerte durch ben Nebel.
Nach einer Weile ermannte sich Engelhardt unb stand arf. Einen Augenblick überlegte er noch, bann ging er schwerfällig, von der Aufregung wie betrunken, zur Nebentür unb öffnete sie.
Er gab seiner Stimme einen festen Klang unb sagte laut;
„Hermann Jngolb, kommen Sie zu Ihrem Stuber!"
Ein Ruck riß ben Mann am Fenster herum. Er fühlte sich gefangen unb feines Willens beraubt, unb bas war geaen feine Natur. Schon hob er ben Fuß, um bas Haus zu verlassen. Verflogen war alle seine eiserne Stoßkraft unb sein rücksichtsloses Niederzwingen jedes Widerstandes.
Niemand hielt ihn auf. Er war schon bis in die Nähe des Kamms gekommen.
Hier stand Engelhardt.
Als Hanns Jngolb an ihm Vorbeigehen wollt«, hob er bie Hanb unb wies stumm auf bie Nebentür.
Unwillkürlich folgte Hanns bem Wink mit ben Augen.
Dort ftanb fein Bruder, schlank aufgeschossen, das schmale Gesicht von ebenmäßiger zarter Bläste, bas nachgebunkelte wellige Haar von einem bronze- farbenen Schimmer überglänzt. Er war nicht übet bie Schwelle getreten. In seinen Zügen lagen Scham, Stolz, Sehnsucht unb Trotz in einen er« gretfenben Ausdruck gegossen. (Fortsetzung fvlgt.s


