Ausgabe 
5.10.1925
 
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u^rtskranWässe iietzen-Ztadt.

eietzlicher Bestimmung sind alle -tember 1925 fälligen Beilräge denverjicherung bis spätestens

1L Cttobtt 1925

Geschieht dies nicht, dann treten ^ept. 1925 gesetzlich bestimmten auch fürdiese Beiträge in kraft, anöesversicherungsanstalt lro(; ichens keine Berlängermi,/ bet et, wollen wir die Arbeitgeber ibuw) von Sieben nochmvls mecham machen.

ilung muß so zeitig geschehen, späteßens 14. Lktober 1925 in möen ist.

ässe ist ab 5. Oktober bis 14. £'* mommen Carnstags, von 8 bis Zahlung der BciKäge geöffnet, Oktober Marlen alten Leites zu Hecken ünb. 9246c

Ter Vorstand.

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p2men deJ Trauernden;

Ernst Kürschner,

4,Oktober 1925.

den 7. Oktober, apelle des Neuen Fried- 'statt 9307D

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fit. 255 Zweites Blatt

-Siegener Anzeiger (Generai-Anzetger für Gberheften)

Montag,©Hoher 1925

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Der Aventin zerfällt.

Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, Anfang Oktober.

Der hochpolitische Mord an M a 11 e o 11 i hatte eine derartige Erschütterung in Italien verursacht, daß die Derge selber zu wanken schienen, nicht nur der Montecitorio, ein antiker Schutthügel, auf dem das Parlamentsgebäüde steht, sondern auch Kapitol und Quirinal. Gegen den Truhturm des Faschismus brandeten die Mauerbrecher aller nichtfaschistischen Parteien, ia, in seinem Innern selber hoben doppelzüngige Rattern das Haupt und fester scharte sich Musso­linis Leibwache um den Duce. Alle Möglich­keiten standen offen.

Mit steinerner Stirne nahm Mussolini den Kampf auf. Mit ihm stand oder fiel der faschi­stische Staat. In diesem Kampf auf Leben und Tod mußte ihm jedes Mittel recht sein Rot kennt kein Gebot. Zunächst warf er, eine feind­liche Welt von seiner persönlichen Lauterkeit zu überzeugen, seine in den Mordfall verwickelten intimsten Freunde ohne Wimperzucken in den Kerker, wo sie heute noch liegen, da der Staats­anwalt noch keine Zeit gefunden hat, den Matteottiprozeß anzuberaumen. Dann bot er zweimal, dreimal der Opposition Konzessionen an, baute ihr goldene Brücken, freilich unter der Bedingung, daß die unbedingte Vorherrschaft des Faschismus nicht angetastet werde, lieh der Kritik weitesten Spielraum. Sie machte davon unter Herabsetzung der augenblicklichen Staatssorm und des Diktators in einem Umfang Gebrauch, der in keinem demokratischen Staat möglich gewesen wäre. Endlich war en alle Faschisten cegner gleich­zeitig, am eifrigsten der vom Papste selber ab­geschüttelte, hochbegabte Don Sturzo, der Führer des linken Kampfflügels der Popolari, dem Duce die Schlinge um den Hals

Mit einem Ruck ohnegleichen riß sie der titanische Mann ab und griff zum Schwert, das heißt, er hieß seine Liktoren das Beil aus dem Rutenbündel ziehen. Binnen 24 Stunden war jede freie Meinungsäußerung erstickt. Das. politische Italien des 1. Ianuar hatte nichts Geineinsames mehr mit dem weih­nachtlich aufgeregten. Cs war, als hätte man schwere Teppiche über ein Feuer geworfen. Laut­los schritt der Fuß des Siegers darüber hin. Und so ist es bis zu dieser Stunde geblieben. Unumschränkt herrscht das Liktorenbündel: in der Regierung sitzen nur noch saschistische Mi­nister, im Parlament nur noch faschisti- sche Abgeordnete. Selbst der Senat tanzt einen schattenhaften grotesken Tanz nach der Musik des Gewaltigen.

Die gesamte Opposition wanderte aus, deser­tierte, wie die Faschisten sagen, kehrte dem ent­weihten Hause der Volksvertretung den Rücken, wie sie selber es ausdrückte. Hatte nicht schon einmal das alte Rom eine solche Spaltung zwi­schen Herrschenden und Beherrschten gesehen? Ziehen also auch wir aus auf den heiligen Berg, den Mons Sacer! Rach einem kleinen Gelehrten­streit, ob es nicht heißen müsse Aventin, ließ man sich dort häuslich nieder. Mochten die faschisti­schen Abgeordneten nun ihre einseitigen Sitzungen auf dem Montecitorio abhalten, die Opposition würde solange auf dem Aventin bleiben, bis es den Faschisten zu dumm würde. Wozu auf die Barrikade steigen, wenn es lebensgefährlich ist? Hier oben hatte man eine herrliche Aus­sicht und kriegte doch seine zwanzigtausend Lire Diäten ausbezahlt, man konnte in Gemütsruhe seinepurgierte" Zeitung lesen, ohne jede Auf­regung also, oder mit der Freifahrtkarte erster Klasse mondän im Lande herumreisen. Llnd im übrigen hoffen: auf den Geist Matteottis, den König und den lieben Gott. Wenn alles fehl­schlug, arbeitete doch die Zeit für den Aventin. Lieber kurz oder lang mußte der Staatskarren im faschistischen Sumpf stecken bleiben und dann würde man rufen nach denen, die jetzt Verfol­gung litten.....

Mussolini lächelte. Die Politik des Zu­wartens fürchtete er nicht, er beantwortete sie mit der Politik des Abwartens.

Wer niöst erichien, war der Geist Matte­ottis. Ie länger die lange Bank wurde, auf die der Staatsanwalt die Akten Matteotti schob, desto vergeßlicher zeigte sich das Volk. Ein Prozeß wäre ja sehr interessant, sagten sich die Wähler, aber schließlich, warum zahlen wir einen Abgeordneten, wenn man nichts von ihm hört?

Herbstvignetten.

Von Joh. Otto Bringezu.

Mariensäden.

Als die Tage kürzer wurden und die Sonne ihre roten Strahlen mit der süßen Kraft des späten Sommers auf bie Wälder brennen ließ, daß es aussah, als ob die Welt in Flammen stünde, da­mals ging Maria über das weite Land. Sie ging in tiefem Sinnen, denn sie wpßte, daß die Welt nun bald das Jesuskind sehen würde. Und sie dachte viel darüber nach, ob der Herr ihr nicht größere Gnade gäbe, wenn er das Kind ihr ganz allein ließe, selbst wenn sie mit ihm in Sünden sterben sollte, als daß es um der Erlösung der Welt willen vor ihr den schweren Kreuzestod litte.

So war sie voll Schwermut wie die Landschaft um sie her, in der die Herden auf den kahlen Fel­dern weideten und die Hirten an schwelenden Feuern saßen und sangen, daß es weit durch die dünne Luft klang, die nach Rauch und frischer Erde roch.

Und sie weinte.

Als aber Gott den Kummer sah, den Maria um seinetwillen hatte, tat es ihm weh, daß er daran dachte, sie ihre Rot vergessen zu lassen. Und wie er gerade eine Wolke, leuchtend und weiß wie brennender Schnee, an ihm vorüber zog, hielt er sie und flockte sie in viel tausend silberzarte Fäden und flaumige Tupfen, ging in den Käferhimmel, wo auch Mücken und Fliegen, die Spinnen und vitt anderes kleines Getier wohnt, das sein Leben noch des Schöpfers Willen vollbracht hat, und ließ ein zierliches Spinnenwölkchen mit den Flocken zur Erde reisen.

Maria aber blickte auf und sah vor sich an einem harten Dorn ein hauchfeines Wölkchen schweben, das schien gegen den blauen Himmel wie gleißendes Silber. Sie wandte sich, da war die Welt voller schimmernder Fäden und Flocken, die ohne Schwere wie ein fernes Vogellied und wie irrende Sonnenstrahlen über die Felder spannen, auf denen die Hirten an ihrem Feuer fangen.

Pippo muß den Faschistc.i i e ligstens die Faust unter die Ra e halten, Bc^po hat sich im Parla­ment zu schlagen, das gehört sich! Din ich dazu da, daß er die schöne Aussicht vom Aventin genießt?

Wer nicht reagierte, war d e r K ö n i g. Er hörte zwar die aventinischen Abgesandten mit einem Schweigen an, das sich dramatisch als tiefe Bewegung oder Erschütterung auslegen ließ, aber zu einem geheimen Auflehnungsbefehl an die Armee nicht ausreichte. Ueberdies konnte man schon seil einiger Zeit bemerken, wie sich das Schwarz der Prätorianer in das Feldgrün der Königlichen einnistete, in den Kasernen und auf den Exerzierplätzen erschien, bis die saschistische Armee im Heere sah wie die Made im Speck, größer und größer wurde, mächtiger als ihre Nährmutter.

Wer dem Aventin, obwohl er die göttliche Gerechtigkeit auf seiner Seite glaubte, nicht zu Hilfe kam, war der Papst. Gewiß, hier fühlte sich der Faschismus auf schlüpfriges Terrain gezogen, dem seine Manöverierfähigkeit nicht ge­wachsen war, so daß Mussolini oft selber ein­springen und seine Getreuen zurückreißen mußte, aber das Anno Santo legte sich als Riegel zwischen Aventin und Vatikan. Zu weltlich mußte in öic-en Tagen das Vermittlungsvegehren politi­scher Leute erscheinen. Der Papst hatte Wichti­geres zu tun.

Wer endlich keine Lust hatte, sür den Oppo­sitionsblock zu arbeiten, war die Zeit. Sie be­wies, daß auch die Politik des Abwartens nur dem Stärkeren frommt. Der Faschismus war stark genug, allein zu regieren, den Berg des Schmollens einfach zu negieren. Splendid iso- lation, das Wort kam schnell auf und wurde förmlich angebetet. Kein Hindernis mehr auf dem Weg der Gesehesmaschine! In einer einzigen formellen Sitzung des Rumpfparlaments erledigte einmal Mussolini zweitausenddreihundertvierzig Gesetze, es können auch ein paar mehr sein. Widerspruchslos! 3a, sogar gegen die Opposition gerichtete Entwürfe erlangten durch die parla­mentarische Genehmigung über Rächt Gesetzes­kraft. Alles auf durchaus legitimem Wege, kraft des trefflichen parlamentarischen Systems der Mehrheit.

Ein Iahr lang und noch ein paar Monate hielt es die Opposition aus, jetzt siegte Mussolini. Siegte ohne Kampf, wie die eng­lische fleet in beeing, nur durch das bloße Dasein des mächtigeren Faschismus. Sauer genug kommt es seinen Gegnern an, vom Aventin herunter- zusteigen, und es wäre ungerecht, sie deswegen zu verspotten, weil ihre Rechnung fehlschlug. Sie haben getan, was sich in ihrer aussichtslosen Lage tun lieh und die Erkenntnis, daß in unseren Tagen nur d i e Macht des Stärkeren entscheidet, geht ja nicht bloß ihnen so spät auf. Einen Mussolini, diese charakteristische Er­scheinung unserer Epoche, fällt man nicht mit Ent­haltsamkeit vom Kampfe. Peinlich ist es freilich, wenn auch nattirlich, daß auch seine Voraussage, der Aventin werde sich in Anordnung und Streit zurückziehen, in Erfüllung zu gehen scheint. Kaum hatten sich als erste die Maximalisten losgelöst, da wachten die Gegensätze zwischen den unnatür­lichen Verbündeten in aller Schärfe auf, zwischen Monarchisten und Republikanern, Klerikalen und Freigeistern, Gemäßigten und Anversohnlichen. Es lohnt sich nicht, auf diese Erörterungen einzu­gehen, sie schmecken zu sehr nach der Streiterei eines Stammtisches. Wichtiger scheint die Frage, was nun nach dem Zerfall des Oppositions­blockes werden soll.

Die Republikaner begrüßen die be­freiende Riederlage mit kaum verhohlener Ge­nugtuung, die A n i t a r i e r sind untereinander gespalten, mehr aus theoretischen denn aus prak­tischen Erwägungen, denn von ihnen ging der Aventingedanke aus, die P o p o l a r i berat­schlagen Tag und Rächt. Ein Block der ver­fassungsmäßig en Opposition scheint sich am trüben Herbsthimmel abzeichnen zu wollen, dem die Liberalen, Popolari, Anionisten, Demosozialen, Bauern, Frontkämpfer der vom Fa­schismus abgesplitterten Assisirichtung angehören würden, insgesamt etwa 160 Abgeordnete. Dieser Gruppierung würde automatisch ein roter Block entgegentreten. Immer mehr schwindet die gute alte italienische Tradition, lieber Kopse statt Parteien vorzuschieben. Die Giolitti, Salandra und Orlando der aus Frankreich zurückgekehrt ist spielen kaum mehr eine deko-

Da vergaß Maria über der Schönheit ihren Schmerz, griff mit spielenden Händen nach den Flocken, lind wenn sie soviel wie eine Handvoll bei­sammen hatte, dachte sie sich einen Wunsch aus und sagte: er wird sich erfüllen, wenn mein Wölkchen nicht an dem Rosenstrauch hängen bleibt, der dort so rot von harten Früchten steht. Das merkten sich die kleinen Spinnenengel wohl, und sie segelten auf und weit, weit über den Dornstrauch hinweg in den selig-blauen Herbsthimmel hinein, hinein in Gottes Unendlichkeit. Maria aber sah es und freute sich von Herzen, daß alle ihre Wünsche nun sich erfüllen sollten.

Später aber, nach Jahren, erzählte sie das Wunder ihrem Jesuskinde, und das behielt es nicht für sich, sondern erzählte es nach Kinderart seiner Freundin vom Nachbarhause, mit der es meist auf seines Vaters Zimmerplatz spielt, und sie nannten die Fäden und Silberflocken seit jenem Tage Ma- rienfäben.

Herbstzeitlose.

Die Wiesen trinken den Nebel kaum, der aus den Wäldern tritt, wenn der schmale Mond seine Sichel grüßend gegen die Sonne neigt, die siebenfarbig im Tal vergeht.

Lange schon wichen die bunten Sommerblumen dem herben Atem der Nächte, die mit schweren Stimmen au sden Bergen rufen, tief und dröhnend wie Schreien des Brunsthirsches oder mit dem Bellen der Füchse, die der Jäger schreckt, der in Nebel­schatten gespenstisch geistert.

Das ist deine Stunde, Zeitlose-Blüte, Nebelkind, in der du aus deinen stillen Geheimnissen auf­steigst, ein zartes, lichtblaues Flämmchen, wie es die Berggnome tragen, wenn sie zu Tal fahren.

Du bist nicht schön wie die goldene Bergnessel oder wie die gelbäugige Manrguerite und die Mäd­chen flechten dich nicht in ihre Kränze. Sie scheuen dein müdes Lächeln, das die Vergänglichkeit ahnt, wie sie den Herbst fürchten, in dem ihr Sommer stirbt.

Du blühst nicht zur Freude, Zeitlose, Nebelkind. Du bist ernst und voller Geheimnisse wie ein Mensch, der seine Tage verborgen lebte: wenn aber über die Gefährten der Winter erste Flocken schüttet, beginnt

rative Rolle. Allen fehlt eben der Resonanz­boden, den sie brauchen, um zv wirken, während sich ein Mussolini durch eigene Tongewalt durch­zusehen weiß.

Bei Licht betrachtet, sind übrigens alle Schritte der getrennten Aventiner Theater. Sie bleiben ohnmächtig wie vorher. Werden sie in die Kammer zurückkehren oder nicht? Rehmen wir das Aeußerste an, nun, waS werden bann die Folger rein? Das Parlament wird wieder etwa- lejfca'ter und deshalb amüsanter für die Zuschauer werden. Das ist alles. Den Gang der italienischen Politik beeinflußt ein solches Gast­spiel sicher nicht.

Der französische Bagno.

Frankreich will das System der Stras- k o l o n i s a t iv n, das auf einem Gesetz von 1854 beruhtt und zuletzt durch ein Gesetz von 1885 kodifiziert wurde, reformieren. Deporta­tionskolonie ist heute nur noch Guyana. Die Ver­schickungen nach Reukaledonien wurden 1899, hauptsächlich auf englisch-australischen Druck hin, eingestellt. Die Regierung Herriot ging damit um. den Bagno gänzlich aufzuheben, doch ist der jetzige Kolonialminister Hesse davon abgekom­men, da man feinen geeigneten Ersah zur Aus­füllung der durch Aufhebung im Strafvoll­streckungssystem entstehenden Lücke gefunden hat. Die statt dessen geplanten Reformen betreffen u. a. Milderungen des Strafvollzugs, Erleich­terungen der Lage der Freigelassenen (libered). Entsprechende Gesetzentwürfe liegen bereits vor. Frankreich ist heute der einzige Staat, der noch mit Verbrechern kolonisiert. Die eng­lische Strafkolonie auf den Andamaneninseln im Indischen Ozean dient nur zur Ausnahme ein­geborener Schwerverbrecher und hat nicht den Charakter einer Siedlungskolonie.

Die Butzbach-Sicher Eisenbahn

Fahrplanbeschwcrdeu.

Aus Lich wird uns geschrieben: Die Ver­waltung der Butzbach Licher Eisen­bahn macht wieder einmal in unliebsamer Weise von sich reden. Gerüchtweise verlautete, daß von Montag, 5. Oktober, ab eine V e rschlechte- rung der Verkehrsverhältnisse da­durch eintreten soll, daß ein von den beteiligten Gemeinden dringend gewünschter Zug, Oer Samstag-Abendzug zwischen LichButz­bach einerseits und ButzbachDad-Rauheim an­dererseits, ausfallen soll. Erkundigungen an zu­ständiger Stelle führten zu einer Bestätigu n g dieses Gerüchtes, aber weder eine Bürgermei­sterei noch eines der beteiligten Kreisämter weih etwas davon. Die Gemeinden haben schon sehr oft Gelegenheit gehabt, gegen das rücksichtslose Vorgehen der Betriebsführerin der Dahn, der Firma Lenz u. Co., Klage zu führen. Diese Firma kennt die Gemeinden anscheinend nur dann, wenn sie von ihnen eine finanzielle Unterstützung erwartet. Sonst werden die berechtigten Inter­essen der Gemeinden rücksichtslos mißachtet. Der Verwaltung der Bahn konnte es nicht unbekannt bleiben, daß eine kürzlich in Butzbach tagende Versammlung der Bürgermeister der beteiligten Gemeinden sich ausdrücklich gegen j e gliche Verschlechterung des Fahr­planes aussprach. Heber bi ed ist den Gemeinden in der vorjährigen Generalversammlung von dem Vorstand das Versprechen gegeben worden, künf­tige Fahrplanänderungen nur im Ein­vernehmen mit den beteiligten Gemeinden durchzuführen. Es wurde zu diesem Zweck auch eine Fahrplankommission, bestehend aus verschiedenen Bürgermeistern, den Landtagsabge­ordneten Fenchel und Pfarrer Ries- Et­tingshausen, gewählt. Diese Kommission ist nicht gehört worden! Der Samstag- Abendzug ist für die Gemeinden von größter Wichtigkeit. Für die Orte zwischen Butzbach und Lich bietet er an Samstag-Rachmittagen die einzige Rückfahrgelegenheit für die Leute, die diesen Tag benutzen müssen, um in Gießen, Butzbach und Lich Einkäufe zu besorgen. Körperschaften müssen, mit ihren Tagungen auf den Fahrplan der Butz­bachLicher Eisenbahn Rücksicht nehmen, damit die Besucher der Versammlungen für die Heim­reise noch eine Bahnverbindung haben. Solche Tagungen würden dann künftighin an Samstag- Rachmittagen auch unmöglich. Sie Züge sind auch

er sich zu breiten und späte Blüten zu treiben. Doch seine Blüten sind sonderlicher Art, matt und blaß und fremd und ohne Duft. Als wehte sie herbstlicher Wind über den Strom her, wo auf ziehenden Nebel- streifen die Schatten wandeln, die früh vom Lichte gingen.

Zu ihren schwebenden Füßen aber, den körper­losen, blühen in matten Flammen die schlanken Kelche der ZeiUosen-Blüte, auf Wiesen, die voll Nebel sind, der müde über dem dunklen Strome braut.

Etwas vom Tanz.

Von Karl Meyer, Köln.

Der Tanz dient von alters her als überaus wich­tiges Erziehungsmittel. Jeder, der sich mit der Tanz­kunst bbeschäftigt, hat reichlich Gelegenheit, zu beobachten, welch große körperliche und seelische Wandlungen sie bei sachgemäßer Anleitung und Ausübung in kurzer Zeit hervorruft. Junge, wie ältere Leute zeichnen sich schon nach kurzem Tanz­unterricht zum nicht geringen Staunen ihrer Freunde und Bekannten durch feste, abgerundete Bewegungen aus. Je ausgeglichener die Muskeltätigkeit beim Tanze wird, desto müheloser, ungezwungener, selb­ständiger werden die Bewegungen. Der ganze Kör­per erhälte neue Schnellkraft und Elastizität, und mit Bewußtsein zuverlässiger Muskeln des gehorchenden Körpers, des Stolzes überwundener Schwierig- heilen wallt Sicherheit, Mut und frohe Wagelust im Körper empor. Da sind Freude, sittsame Lebens­lust und heiterer Ernst diese Grundbedingungen für die Erhaltung des Gesunden und Schönen.

Durch die Herausarbeitung der in Bewegung umgesetzten Lebenslust und Freude an den Rhyth­men und Klängen der Musik wird im Tanze durch den Kult des Schönen und Wegfall jeder Rekord­sucht ein hohes Maß von Wohlbefinden erreicht. Es ist an sich ganz gleichgültig, welche Art der Tanz- weisen man hierfür zugrunde legt. Durch das takt- mäßige Gehen, Biegen und Drehen im Tanz und das bald schärfere, bald sanftere Anspannen der Muskeln beim einzelnen, auf Abschwächung und

im abgclaufcnen Sommer gut beseht gewesen. Was für Gründe mitspiclen, eine derartige Maß­nahme ins Auge zu falten, ist nicht verständliche Man wundcrt sich jedenfalls über die Geduld der beteiligten Gemeinden. Wo bleiben die von den Gemeinden gewählten Auf­sicht s r a l s m i t g l i e d e r ? Oder wissen diese vicllcicht ebensowenig von der Sache, wie die unteren? ilnb letzten Endes ist die Hessisch« Regierung wohl auch noch da, als Auf­sichtsbehörde mit der Betriebssührerin ein­mal ein kräftiges Wörtchen in Bezug auf Er­füllung der lonzessions mäßigen, Verpflichtung zu rcfcrn

Die Hransilmer herdstmesie.

fpd. Frankfurt a. M., 4. Oft.

Ohne Sang uird Klang w cd. heute vormittag die 13.Internationale Frankfurter Messe" eröffnet. Die Besucherzahl war heute, trotz des gegen Mittag aufilärenden Wetters, nicht überwältigend groß: Käufer batten sich wegen der schlechten Wirtschaftslage nur in mäßiger Zahl eingefunden. Die Geschäfte, die in einzelnen Abteilungen zustande kamen, dienten vorwiegend der Deckung eines dringenden Be­dürfnisses. lieber den Preisabbau wird auch in Frankfurt mehr theoretisch und platonisch ge­sprochen, als praktisch gehandelt.

Die Messe bietet, von der Ausstellerseitel aus gesehen, ein befriedigendes Bild, wenn auch in manchen Abteilungen empfindliche Lücken klaffen. Die einzelnen regionalen Kunstgewerbe (bayerische, alpenländ.sche und badische) locken in der Kunstgewerbehalle mehr nach der sinnen­freudigen, denn nach der wirtschaftlichen Seite. Gut vertreten sind in dem Haus Werkbund zum ersten Male Hanauer Edelmetall- gegenstände und ferner, wie immer, gute Pforzheimer und Ober st einer Schmu ck- waren. Die Tabak messe darf als unzu­länglich bezeichnet werden. Was ausgestellt ist, kann man in jedem Tab.ttladrn in gleicher Güte und Auswahl befommen. Die Ausstellungen der italienischen und serbischen Monopolverwaltungen! sind bescheiden. Ausgezeichnet sind, wie stets, wieder Schuh- und Lederwaren: hier ist Frankfurt zweifellos führend. Auch dasHaus der Moden" ringt sich zu steigender Beach­tung und führender Stellung durch. Der Schuh- maschinenmarkt findet ferner starkes Inter­esse. Die übrigen Abteilungen bieten das übliche Bild, lieber den Geschäftsgang läßt sich heute am Ende des ersten Tages noch kein Urteil abgeben.

Viel klarer als sonst zeigt diesmal der ganze Aufbau der Messe, daß die Bezeichnung3nter- nationale Messe" für Frankfurt eine messelitera­rische Lizenz ist. Die Frankfurter Messe ist durch­aus kein Lokalmartt, sondern eine südwest - deutsche Regionalmesse mit ganz leicht grohdeutschem und noch weniger internationalem Einschlag, vor allem nach der Seite bin, was Aussteller und Besucher anlangt. Bedeutenden internationalen Besuch wies die Messe noch nie­mals auf. Ebensowenig darf von einer inter­nationalen Ausstellerschaft gesprochen werden. An diesem .Urteil ändern weder die italienischen und serbischen Tabakausstellungen, noch die Stände mit französischen Gemüsekonserven etwas.

Das Hauptstück der Herbstmesse ist nach der Ansicht der Messeleitung die Autvmo­bil m e s s e. Riesengroße Plakate teilen mit, daß dreißig Weltfirmen bzw. Weltmarken vertreten sind, verschweigen aber, daß unter den rund fünfzig ausgestellten Wagen kein einziges deutsches Erzeugnis vorhanden ist Man sieht nur französische, englische, belgische und italienische Wagen. Für diese der deutschen Wirt­schaft abträgliche3nternationalitat fehlt den meisten Besuchern das Verständnis, um so mehr, als man hierbei völlig außer acht läßt, daß Messen in Deutschland vor allem Instrument- des deuts chen Wiederaufbaues sind. Dem wird aber mit ausländischen Luxusautomobilen um solche handelt es sich überwiegend wirklich nicht gedient. Daß die deutsche Automobilindustrie, die gerade im Frankfurter Wirtschaftsbezirk! (Frankfurt, Mannheim, Rüsselsheim usw.) eine besondere Heimstätte besitzt, auf der Frankfurter Messe nicht vertreten ist, hat seinen ersten Grund in der schweren wirtschaftlichen Depression, unter der wir seit Monaten alle seufzen. Die heimischen

Verstärkung langsameres und schnelleres Tempo in der Musik, wird eine allseitige und ausgeglichene Ausbildung des ganzen Körpers erreicht. Die Be­herrschtheit und Gehaltenheit der Bewegung nach der Musik wird immer edle Linien, Anmut und Schönheit erzeugen. Die Mannigfaltigkeit und der ständige Wechsel der Tanzpositionen verursachen stärkere Durchblutung und befördern ausgiebig die Blutzirkulation, jene ersten Grundbedingungen zur Gesunderhaltung unseres Körpers.

Mit Recht wird der moderne Tanz von den vor­nehmen Gesellschaftskreisen gepflegt und als nutz- bringende Gesellschaftskultur betrachtet. Im Tanz ge- horcht der Körper der Musik. Mit peinlicher Ge­nauigkeit fügt er sich ihren Weisungen und setzt ihre Takte in Bewegungen um. Die kraft­volle Lust, die Anmut und Geschmeidigkeit der Glieder zu zeigeki, und der natürliche Trieb, den innersten Gefühlen und Impulsen der Seele Aus­druck zu verleihen, wohnt im Herzen aller Men­schen. Ihn müssen wir wecken, stärken und pflegen, um allmählich wieder allgemein zu der geordneten und ausdrucksvollen Tanzkunst zu gelangen.

Verfolgen wir nun den Werdegang des Gesell­schaftstanzes, so ersehen wir aus den uns zur Ver­fügung stehenden Unterlagen, daß er stets Wand­lungen unterworfen war. Es würde zu weit führen, die einzelnen Tänze aus der guten alten Zeit hier aufzuzählen. Wir stehen in der Morgenröte einer neuen Zeit. Wiederum liegt eine Umwälzung hinter uns, die neue Wege, neue Ziele, neue Geisteseinrich­tungen zur Folge hatte. Das Alte ehren, das Neue fördern ist, wie auf der hannoverschen Tanzlehrer- Fachschule erwähnt wurde, unsere Pflicht.

Trotz aller Widersacher hat der moderne Tanz im Sturm die Welt erobert. Wenn, wie bei allen Neu­erscheinungen, Auswüchse Vorkommen und die breite Masse tänzerisch verflacht, so liegt das einerseits daran, daß man den Tanz als Mittel zu billigen Zwecken betrachtete und nie sehr gut tanzte. Falsche Schrittausführungen, Bewegungen und Haltung haben den modernen Tanz diskreditiert. Trotzalledem, die neue Tanzrichtung ist und war nicht aufzuhalte» und der Grundgedanke und der Grundweg unserer Zeit und folglich auch die Tanzweife ist eine andere.