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Amerika und der Wiederaufbau Europas.

Eine Rede Houghtons in London.

London, 4. Mai. (MD., Der amerifa- nische Botfchaftei: .Sjougljton hie ft heule abend bei dem ihm zu Ehren gegebenen Essen eine «Rede, in der et u. a. erklärte: Das amerifa= nische Volk stehe dem Brok.lein des Wieder" -aufbauS Europas in ähnlichen! Geiste tote die Europäer gegenüber. Wenn der materielle Fort­schritt bisher langsam vor »ich gegangen Jet, so forme man sich wenigstens doch dazu beglück­wünschen. daß cv sich mit Sicherhert v o l l- zogen habe. Der grundlegenden Notwendigkeit, daß die Dotter Europas in den Stand gefeht werden mühten, ihre Arbeit wieder' aufzu­nehmen. sei Genüge geschehen. DaS Kapit al, ohne welches eine Produktion nicht möglich sei. sei geliefert worden. Die Wechselkurse feien in weitem Umfange stabilisiert worden. England s B.mühungen, ,ium Goldsta.tdard zu- ück° zukehren, seien mit Erfolg gekrönt und die Ord­nung wieder hergestellt worden. Wenn auch die Desorganisation des Internationa len Handels und der internationalen Markte, Die eine natürliche Folge des Krieges fei, noch immer bestehe, so hab« sich doch auch hier eine entschiedene Desserung gezeigt. Immerhin fei das. was noch zu tun übrig bleibe, beinahe ebenso schwierig wie das bisher Dollbrachte

Dor allem gehöre dazu eine Aevderung der Geistesverfassung Vertrauen sei -a-ö Bindemittel, daS die Zivilisation zusammenMte.

Der Frieden könne nicht von außen, er müsse von innen kommen. Natürlich seien die Ameri- Inner der Ansicht, daß diejenigen, die so sehr unter dem Kriege gefUten haben, eine Reqelui:g suchen würden, die, soweit dies nur möglich sei, nicht Bedingungen enthalten dürfe, die direkt zum Kriege führtest Aber wir haben niemals ver­gessen, daß es Grenzen gibt, über die wir nicht hinausgehen tömrcn. Das volle Matz der amerikanischen Hilfe kann ran verlangt wer­den, w«M das amerikanische"Bott sicher ist, daß die Feit der zerstörenden Methoden in der Politik vorüber ist. und datz die Feit für einen friedlichen Aufbau ge­kommen ist. Das amerikanische Dolk fragt sich, ob diese Zeit tatsächlich gekommen ift Diese Frage kann es beute nicht beantworten. Die Antwort muh von den Dollern Europas kommen, die allein die Entscheidung treffen können. Wenn die Ant­wort auf Frieden lautet, dann können sie sicher fein, datz Amerika mit äußerster Großzügigkeit Helsen wird. (Beifall. ) Wenn aber diese Antwort weiterhin unklar und zweideutig ist, dann be­fürchte ich, daß die jetf erfolgenden Hilfsmaß­nahmen unvermeidlich aufhören müssen.

Wir können nur denen Hilfe gewähren, die sich selbst za helfen wissen.

Indem wir so sprechen, denken wir nicht an eine bestimmte Nation, sondern an die Lage, an welcher, alle in gleicher Weise beteiligt sind. Das amerikanische Dolk hat nicht den Wil­len oder Wunsch, sich im einzelnen in diese Frage einzumischen. Das amerikanische Dolk er­kennt an. daß hierbei Umstände mitwirken, die "Amerika nur indirekt berühren. Seine geogra­phische Sage befreit es davon, Erwägungen an- züstellen, mit denen sich die anderen Aationen .zu befassen haben. Amerika bietet irgendwelche Ratschläge nicht an. Aber ich kann saaen, datz xdas amerllanifche Doll hofft und inbrünstig betet, daß bald ein Friede erreicht werden möchte, rDer die moralische Unterstützung der Wenschhekt verdient, und von Bestand sein wird, weil er gerecht t|i. DaS amerikanische Doll glaubt, daß ein solcher Frieden sich auf der Annahme aufbauen müsse, daß alle, die an ihm teilnehmen, cs ehrlich meinen. Frieden schließen heißt Ver­trauen haben.

land, die L e r ei n i g t e n Staaten, die X ü r - k e i und Aegypten dem Völkerbund nicht an­gehören. Sowjetrußland hat eine Beteiligung an der Konferenz a b g e l e h n t. Die deutsche Dele­gation steht unter Leitung des Gesandten v. E ck - Hardt. Der vom Völkeroundsrat ernannte Präsi­dent der Konferenz, der frühere belgische Minifter- prüsident Larton de Wiart, begrüßte in seiner (Eröffnungsanfpradje die deutsche Delegation und dankte für ihre Mitwirkung. Wiart wies darauf hin, daß die Konferenz sich nur mit dem internationalen Waffenhandel, nicht aber mit der Kontrolle der privaten Rüstungsindustrie zu befassen habe. Da das im Jahre 1919 ausgearbeitete Uebereinkommen von St. Germain infolge der ablehnenden Haltung der Vereinigten Staaten von Amerika nicht habe in Kraft treten können, habe der Völkerbund diese neue Konferenz einberufen und ihr den Entwurf für ein neues internationales Abkommen vorgelegt.

Die Eröffnung des deutschen Museums in München.

Zu den Zeierlichtellen anlätzlich i)er_ Ein­weihung des Deutschen Mussums in München sind der Stellvertreter- des Reichspräsidenten, Dr. Simons, der Reichsminister des Innern S ch ie l e, der Reichsnttnifter des Aeußern. Dr. Stresemann, der Reichswirtfchaftsminifter Reuhaus und der Reichspostminister S t i n g l nach München abgereist. Die übrigen Mitglieder mit dem 'Reichskanzler Dr. Luther an der Spitze werden inr Flugzeug folgen.

Am Riontaa fand in M ü n ch e n unter Füh­rung von Exzellenz von Miller ehre Dor- besichtigung des Deutschen Museums statt, zu der die aus dem ganzen Deiche und dem AuSlande in München wellenden Presse­vertreter geladen waren. Die Rrichhaltig- keit der Ausf'.ellung machte auf die Besucher einen überwältigenden Eindruck, namentlich die zahlreich vertretenen Engländer hielten nicht zu­rück mit Bewunderungsausdrücken über diese ge­niale Sarfleüung deutscher Technik und Wissen­schaft. Die Pressebesichtigung dauerte von früh 10 älhr bis in die späten Rachmittagsstunden. Dur ein flüchtiger Rundgang kam in Frage, da die Wanderung durch das Deutsche Museum 13 Kilonreter lang ist. 21m Schlüsse der Führung sprach der Reichspresiechri. Ministerialdirektor Dr. K i e p im Rainen der Pressevertreter Erz. von Miller für alles Gebotene Dank aus und wünschte, datz die grandiose Ausstellung der Belehrung des deutschen Dolles dienen möge.

Als zweite Deranstaltung im Rahmen der Feierlichkeiten zur Eröffnung des Deutschen Mu­seums folgte der Museunrsb sichtig mg durch dir Pressevertret r ein Degrüßungsabend für die deutschen und ausländischen Journalisten, zu dem die bayerische Staatsregierung eingelafccn batte. An ihm nahmen u. a. Mitglieder des bayerischen Landtags und der Regierung, ferner die beiden Bürgermeister sowie hervorragende Vertreter von Politik. Kunst und Wissenschaft teil. Ministerpräsident Held begrüßte die Er­schienenen herzlich. Er bezeichnete die Eröffnung deS Deutschen Museums als ein Fest für Bayern und für Deutschland, zu dem die Presse heute den Auftakt gegeben habe. Diese müsse von München den Eindruck mitnehmen, datz ein neues mr- vergängliches Denkmal deutscher Kultur errichtet worden sei, welches in der ganzen Welt den Gedanken wachrufen müßte, daß man froh fein sollte über die deutsche Kultur, den deutschen Geist und die deutsche Tatkraft. Der Minister­präsident bat, diesen Gedanken hinauszutragen in die Well, damit an die Stelle deS Hasses der Geist gegenseitiger Achtung unb Gerechtigkeit trete. Seine Worte wurden mit lebhaftem Bei­fall aufgenonrmen. Im Auftrage deS Landes- verbandes der bayerischen Presse dankte dessen Vorsitzender, Redakteur Freund, München, und für die nichtbayerische und die ausländische Presse der Ehef der Aeichsprefsestelle. Mi.nstrial- direktor Dr. Kiep, 'Berlin.

Der Kampf in Marokko.

Französisch spanische Offensive gegen Abd el Ärim.

Paris. 5. Mai. (LU.) Aus Marokko liegen alarmierende Rachrichten über Offensiv- Letoegungax der Lifleute vor. Das französische Oberkommando hat eine Frontverlänge­rung vorgenommen. Marschall Liautey ist zur Uebernahme des Oberkommandos soeben an der. Front eingetroffen. Alle Anzeichen sprechen dafür, datz der französische Oberkommandierendc die Reukralitätszvne einbringen wird, die bereits an verschiedenen Stellen von den Stäm­men der marokkanischen Freiheitskämpfer besetzl worden ist. Der Ministerpräsident Painleve hat im 2tamen der Regierung folgendes Tele­gramm an Marschall Liautey gesandt:

..In dein Augenbllcl. wo Sie erneut einer schweren Situation gegenürertceten. wünscht die Regierung. Ihnen den Ausdruck ihres abso­luten Vertrauens zu. übermitteln. Sie grübt das Andenken der für Frankreich Gefallenen und beauftragt Sie, Ihren tapferen Truppen Glück zu ihrer Ausdauer und ihrem Mut zu wünschen."

Ein erster Dor stoß der französiscyen Truppen gegen die vor und in der ReutralitätS- zone gelagerten Stämme scheint laut offiziellem Kommunique von Erfolg gekrönt zu sein. Di' Stellung bei 2Iubur wurde nach heftigem Kampf von den Kabylen gesäubert, die 50 Tot.-, zahlreiche Gefangene und Waffen unb Munition hinterließen. Die militärischen Vorbereitungen Spaniens entlang der spanischen Prolettorats- grenze sind in vollem Gange. Die Operationen sollen Ende Mai beginnen Die Schiffe, öle die spanischen Truppen und baS Kriegsmaterial aus- riehmen sollen, liegen jetzt im Hasen von M a - T a g a. Die Rif-Lrupven. die an der fran­zösischen Grenze zufammengezogen waren, Unb jetzt auf den Melilla - Tetuan-Ad- schnitt zurückgezogen worben. Abb c l Krim befestigt zur Jett sein Hauptquartier.

Die Kontrolle des internationalen Waffenhandels.

Gens, 4. Mar. (WLB.) Heute nachmittag wurde hier die Konferenz für die Kan trolle des tnternaHona'en ni : r n und Munittonshondele erömiei üs >, inen an ihr 43 Staaten teil von denen 2 curjch.

Iahrtaufendfeier des Rheinlandes.

Die Aachener Festlichkeiten ur 3al)rtaujenbfeier des Rheinlandes wurden am Samstagabend in Gegenwart einer großen Anzahl geladener Gäste unb der Spitzen der geistlichen unb westlichen Be­hörden mit einem Festakt im städtischen Konzert­saal eröffnet. Der Spezialsorscher auf dem Gebiete des Krönungsrechts der Kaiser und Könige, Uni- versilütsprofessor Eduard Eichmann-München, hielt die Festrede über das ThemaAachen als Krönungsstadt". Am Sonntagmorgen erfolgte in An- weienheik zahlreicher Ehrengäste die feierliche Eröff­nung der Krönungsau s st ellung im Rat- Haufe. Reben den Spitzen der städtischen Behörden und Vertretern der Ministerien waren der Ober* Präsident der Rheinprovinz Fuchs, Landeshaupt' niann Dr. f) o r i o n, der Direktor des Hostnufeums in Wien, Hofrat Weichselgärtner, der den Krönungsmantel nach Aachen brachte, zahlreiche Ge­lehrte, Künstler und Pressevertreter zugegen. Die Begrüszungsaniprache hielt Oberbürgermeister Far­rn i cf. Die Ausstellung bringt den Gedanken der Zu- sammengehörigkeit von Rheinland unb Reich unb im besonderen die Beziehungen zwischen den beiden zum Ausdruck. Im Juli werden die höchsten Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden der Ausstellung ihren Besuch abstatten.

Das Eisenbahnunglücke im Korridor.

Roch immer ift die Ursache des Eisenbahn­unglücks bei Stargard nicht aufgeklärt. Die pol­nische Telegraphenagentur melbei:

»Die AlUcrsuchung d:s Eisenbahnunglücks bei Stargard bat als feststehende Ursache einen verbrecherischen Anschlag festgestellt. 3m Zu- sammenßang hiermit wurden bisher zwei Per­sonen verhaftet, die der Beteiligung an dem Verbreche« verdächtig sind."

Gegenüber dieser bestimmten Aeußerung der offiziösen Agentur muß festgestellt werden, daß die ministerielle Unterfuchungsfommijsion immer noch nm Oru des Unglücks weilt. Sie ist sich also über die Ursache der Katastrophe noch nicht schlüssig geworden. Warschnueer Blatter melden daß am Tai» oru We r -'zeuge gefunden worden seien, die von

I 'ollen. Nach Erklärungen m: Gu--eerwastc!!' sollen

die Werkzeuge Ende vorigen Monats gestohlen wor­den fein. Ferner will man ein geheimnis­volles Auto gleich nach dem Passieren des vor­hergehenden Zuges auf dem Wege neben der Eifen- bahnftrecke gesehen haben. Das Auto soll dort eine Zeitlang gestanden haben. 2U1 diese Gerüchte finb bisher von keiner amtlichen Stelle oe- (tätigt worden. An der Beseitigung dec Trümmer wird an der Unfallstelle immer noch gearbeitet Es dürfte noch einige Zeit dauern, bis daß das zerstörte Gleis freigelegt unb wieder benutzt werden kann. Von der polnischen Eisenbahnbehörbe ist die Be­lohnung für bic Aufklärung des Unglücks auf 50000 Zloty erhöht worden.

Aus aller Wett.

Das Badeu-Badener Schachturnier.

Die 14. Runde des internationalen Schach- meistertnrniers hatte folgendes Ergebnis: Der Berliner Meister Samisch (Deutschland) gewann ein Damengcmrbtt gegen Trejbal (Tschechoslowa­kei) in 46 Zügen, obgleich ihm vorher das Remis abgeschlagen worden war. Mieses (Deutschland) verlor gegen Aljechin (Frankreichj In 34 Zügen. Marshall (Amerika) gewarnt ein Damengarnbit gegen Tarrasch (Deutschland) in 49 Zügen. Ru­binstein (Polen) gewann ein Damenbauernspiel gegen Torre (D^?iko) in 47 Zügen. Roselli (Italien) gewann eine Wiener Partie gegen DateS (Englnd) in 37 Zügen. Spielmann (Oester­reich) verlor gegen Reti (Oesterreich) in 31 Zü­gen. Bogoljubow (Ukraine) getoaim ein Samen* bauernfpiel gegen Colle (Belgien) in 38 Zügen. Carl (Deutschtmid) verlor eine englische Partie gegen Riemzowitsch (Dänemark) in 33 Ziegen. Mit Remis endete die Partie Lartakower (Oesterreich) gegen Grünfeld (Oesterreich). Abge­brochen wurde die Partie Rabtnowinch (Ruß­land) g-geir Te Kokste (Holland) in günstiger Stel­lung für Rabinowitsch. Spielfrei war Thomas (England).

400 Jahre Marburger Universität.

Zur 400-Icchrfeier der Universität Marburg ift eine Iubiläumsstistung begründet, für die der Be­zirksverein für den Äeg.-Be.z. Kasiel 106000 Mark als Spende im Haushaltsplan für 1925 bereit stellte. Außerdem hat die Stadt Marburg beschlossen, einen 7000 Quobratmeter großen in der Nähe des Kollegiengebäudes gelegenen Bauplatz im Werte von 100 000 Mk. als Jubiläumsgabe zur Errichtung eines Äubiläums-Kunstinstttuts zur Verfügung zu stellen.

Grotzfruer im Walcheujeekraftwerk.

In den Bureauräumen des Walchensee- Kraftwerks brach nachts Grotzfeuer aus, das bei dem heftigen Winde rasch um sich griff. Sämtliche Baracken sind bis auf den Grund nieder« gebrannt. Alle Bureauartikel, Papiere, PL ne unb auch Gelber sind vernichtet worben. Die Familien, die tm Werk und in der Montage beschäftigt waren, find ihrer ganzen Habe beraubt worden. Die Brcmd- ursache ist noch nickst sestgestellt. Der Schaden ist sehr beträchtlich.

Schweres Explosionsunglück.

Auf der Grube Glanzenberg bei Silberg wur­den bei der Entzündung eine* Dampfkessels zwei Kefselheizer getötet, ein Maschinenheizer sckwer verletzt und zwei Arbeiterinnen, die sich in einem dem Kesselhause benachbarten Raum aufhtel- ten, leicht verletzt. Die Untersuchung über die Ur­sache des Unfalls ist im Gange.

LoudonBafel und zurück in 24 Stunden.

Am Samstag wurde durch ein Flugzeug von der britischen Gesellschaft für Lustschiffahrt ein neuer Mkord aufgestellt. Das Flugzeug flog in einem einzigen Tage von England nach der Schweiz unb zurück. Das Flugzeug stattete um 6 Uhr morgens auf dem Flugplatz Croydon mit einer Ladung Gold­barren an Bord, die für die Schweiz bestimmt war und landete um 12.18 Uhr in Bakel. SOnd) dem Löschen der Ladung trat es um 1.30 Uhr den Rück­flug <in unb landete um 7.23 Uhr wieder in Croy- hon. Em anderes Flugzeug der Gesellschaft flog eben­falls am Samstag mit einer Ladung Gold nach Bafel. Beide Maschinen brachten zufamen eine La­dung von Ü Tonnen Barrengold von London nach Basel im Werte von etwa einer Diertrimillton Pfund.

Eine kühue Segelfahrt.

In Fiumicino an der Tibermündung ist der ka­nadische Leutnant Smith in feinem Segelboot eingetroffen, mit dem er bi? Ueberfahrt nach Europa gemacht hat. Er war vom Unwetter der letzten Tage an der Riviera festgehalten worden Er hatte die 60 ^ttomerer lange Strecke von Cioita Becchra nach Fiumicino in zehn Stunden zurückgelegt.

Z. B. 3 auf den Antillen.

'R e u i) o r f, 5. Mai. (TU.) DieLos Angeles" erschien nach 33|tünbiger Fahrt über Mayagüez unb wurde eine Stunde spater verankert. Die Rückfahrt erfolgt voraussichtlich in 3 Tagen.

Sturmschaden in Ungarn.

Ein Orkan, Der in der Nacht zum Sonntag dos Platten fee gebiet heimfuchte, verursachte betrüchttichen Schaden. Bejonders betroffen wurde die Gegend von Balaton-Szt.-György, wo vrele Hauser beschädigt und insbesondere die Telephon» unb Teleginphenteirungen zerrissen wurden. Auch Menzchenleben sind zu beklagen. So fanden sechs Fischer, deren Boot während beo Sturmes fen­terte, den T o k.

Briese.

In lakonischer Kurze des Briefstils sicht Dictor Hugo und sein Verleger wohl unüber­troffen da. Kurz nach Veröffentlichung feines großen Romanes:Les Miserables wollte Victor Hugo gern wifsen, wie sich der Verkauf anlictz. Da er stark beschäftigt war. schickte er beut Ver­leger nur feine Karte mit b:ra Zeichen: ?", worauf dieser ebenso lakonisch antwortete:!

Wettervoraussage.

Heller bis wollig, vereinzelt geringer Regen, tagsüber warnt.

Liebet Qlorö'jKÜ- und Mittel-Europa liegt noch hoher Druck, der nur langsam vor den Aus­läufern der wetzlichm Depression zurückweicht. Diese haben sich b?i uns bisher nur durch Be- wol!ungs>una hm. L' m«-ribar gemacht. Die De- prcffion scheint abzufchwächcn daß ihr auf unter Wetter wahrfcheinlich gering

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. Mai 1925

Pros. Dr. Bigener f.

An einem Leiden dessen Keim er sich im Felde zuzog, ist am Samstag, wie gestern schon kurz berichtet, der ordentliche Professor für Ge­schichte an unserer Landesuniversitat, Dr. Fritz eigener, int 46. Lebensjahre verstorben. Das Leben eines ausgezeichneten Gelehrten, eines von höchstem nationalen Pflichtbewutztsein und größ­ter Opferbereitschaft für das Vaterlartd beseelten Mannes, eines geistvollen und sormgewaitdten politischen Redners hat hier eine allzu srühe Vollendung erfahren.

Fritz Vigcncr wurde am 26. Juli 1879 als Sohn des Apothekers Anton Vigener in Biebrich am Rhein geboren. Er besuchte das Gymnasium in Wiesbaden unb studierte in Heidelberg und Leipzig. In Heidelberg promovierte er int Jahre 1901 zum Doktor der Philosophie mit einer DissertationBezeichnung von Volk unb Land ber Deutschen", eine Schrift, die sehr "wichtig war für die Beftimutuug ber Zeit, wann eigentüch deutsche" Geschichte an Stelle einer fränkischen oder karollngischen Geschichte beginnt 3m Som- ntersemester 1908 begann er in Freiburg seine Lehrtätigkeit unb wurde dortselbst im Jahre 1914 zum außeretatsmaßigen außerplanmäßigen Pro­fessor ernannt Im Frühiahr 1917 erhielt er einen Ruf nach Gießen als Rachfolger für Profesfor Dr. Holtzmann unter Ernennung zum orbäntlichen Professor. Der nun Heimgegangene war ein auherorbentlich vielseitig gebttbetec Mann. Richt nur speziell historisch, sondern auch philosophisch, philologisch unb wtrtschaftlich hatte er seit seiner Studentenzeit tiefe Studien ge­trieben. Auf seinem Spezialgebiet besaß er eine umfassende Kenntnis der älteren und neueren Literatur. Seine Arbeiten offenbaren einen weit­reichenden Blick Sinn für Probleme aller Art, großes Geschick Persönlichkeiten zu charakteri­sieren, aber auch die FLhigkell zur klaren Schil­derung verwirrter und verwickelter Zustände. Qte so hohen Geistesgaben, der glanzenden Bered- sarnkett und bet dem leidenschaftlichen Tempera­ment Bigeners, das seinen objektiven Dllck aber nicht zu trüben vermochte, war cS nur natürlich daß er als akademischer Lehrer sehr fruchtbar und anregend war.

Hohe Verdienste um die hessische Geschichte, erwarb sich Vigener durch die Herausgabe der ^Regesteit der Erzbischöfe von Mainz" und mehrerer anderer Spezialarbeiten zur Geschichte des Erzbistums Mainz, besonders im 14. Jahr­hundert Sein bedeutendstes Werk, das er kurz vor seiner Erkrankung abschloß., ist die ausführ­liche Biographie des Bischofs Ketteler von Mainz gleich wichtig für die allgemeine deutsche Ge­schichte, die hessische Geschichte, die deutsche Kirchengeschichte, wie auch für die deutsche Geistes­geschichte wegen der sorgsamen Behandlung der kirchlichen Streitschriftenliteratur, der Geschichte der Gießener katholisch-theologtschen Fakultät und ähnlicher Fragen. Rach der Vollendung Kette- lers hatte der unerntudliche Geistesarbeiter sofort ein anderes Thema in Angriff genommen:Kaiser Karl IV". worüber er in 5er SammlungMeister der Politik" eine kurze Skizze bereits veröffent­lichte, in ber er in Krappcm Rahmen eine glän­zende Schilderung der Persönlichkeit des reich- begabten unb vielgeschaftigen Herrschers, form feiner umfassenden Politik gab.

Der akadernische Lehrstuhl unb die Geistes arbeit in der füllen Gelehrtenftube erschöpften bei; Betätigungsdrang Bigeners noch nicht ganz. Sein großer Sinn für alle Gegenwartsfragen unD -strömungen. die einst der Geschichte einverbribt werden, zog ihn ganz natürlicherweise auch zu dem Gebiet ber Politik hin. Er trat zwar nicht auf die große Schaubühne ber Polllik, aber tm kleineren Kreise der Gießener Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei, deren 2. Vorsitzender er war. in der engeren ober hessischen Heimat überhaupt wirkte er werbend und aufklär:nd für die von ihm vertretene Sach:. Wer Gelegen­heit hatte, ihn sprechen zu hören, mußte sich erfreuen an der Klarheit und Tiefe der Ge­danken. an der glän^enben Form der Rede und an der glühenden Liebe zum deutschen Boll und Daterlanb. die man bei Vigeners Reden stets als hervorragendstes, edelstes Merkinal feines Denkens und FühleriS fest stellen formte. Bei aller Energie, mit der er den von ihm für ridjtig erkannten Standpunkt vertrat, wurde er" auch dem politischen Gegner gegenüber nie ungerecht ober unvornehm, denn ihm war der hohe Ge­danke der Volksgemeinschaft mehr als nur rin Lippenbekenntnis. Bestimmend für seine politische Auffassung war fein geradezu leidenschaftliches nationales Pflichtbewuhtsejn, das ihn bestimmte, bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 als 35jäf>riger kriegsfreiwillig zu den Fahnen zu eilen, unb das es ihm sehr fchmerzlich machte, krcuckhettS- halber dem ersten Gang der Rrichsprafidenten- Wahl fernbleiben zu muffen, das ihn bann aber auch zu dem festen Entschluß führte, beim zwriten Gang der Reichspräsidentenwahl um jeden Preis selbst auf Kosten seines Befindens sein Wahl­recht auszuüben, eine hohe staatsbürgerliche Pflichtauffafsung, der er zu seiner Freude gerecht werben konnte und die für viele unter uns vvr- bilblich fein sollte. Möge die deutsche Heimat­erde dem gute» Patrioten leicht werden. Sein Andenken wird in unserer Bürgerschaft und tn der deutschen Wissenschaft stet- in Ehren lebendig bleiben.

^ornotizcn.

- Tageskalender für Dienstag. Manner- und Frauenvereinigung der Matthaus- gemeinte: 8 Llhr MallhäuSsaal Vortrag. Eigenheimbau-Genossenschaft: 8V, llhr Gewerbe-- haus (Kirchstrahe) außervrdenlliche Generalver­sammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Der Boy von Flandern". Aftoria-Licht­spiele: ^Hutch unb die Erbschleicher".

Manner- und Frauenverein i- gung der MatthäuSgernetnde. Heute Dienstag abend spricht Pfarrer M a h r im Mat- thäusfaal über das Thema ..Zufall oder Q3oc« fehung". Räßeres in der gestrigen Anzeige.

L. 11. Don der LandeSuniverfitäl. Dr. phll. Harald Geppert, der sich für das Fach der Mckthemalik an unserer Llnioerfttät zu haöllitieren wünscht, wird Mlltwvch, 6. Mai, abends 7 Uhr in der kleinen Aula feine öffent­liche Probevonejung halten üoer das Thema: Das verallgemeinerte Dirichletsche Prinzip".

'*<£ i n e öffentliche Stadtverordne­te n - s I tz u n g wird morgen nochmillag, 4 Uhr be­ginnend, im Stadtverordneten Sitzungssaal inr Stadthaus Beroüeoßc stattsinden. Äon befonöerer Bedeutung sind folgende Vorlagen: CErridnunn »-.. ui