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die von ihm gebrauchten gemeinen
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Bezirks-Schöffengericht Gießen
* Gießen, 2. Dez. Der Lackierer Th. P. aus Silbe! war wegen eines Verbrechens der schweren Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug angellagt. Ihm wurde zur Last gelegt, ein für die 45. Woche des Jahres 1924 gültige Wrch-mkarte der Reichsbahn didurch verfälscht zu haben, daß er durch Einfügung von einigen Farbstrichen die Zahl 45 in 46 verwandelte, und von dieser Karle zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht zu haben. P. war am 21. November 24 an der Bahnsperre Frankfurt-West mit der beanstandeten Kitte angehalten worden. Er behauptete, am 16. November 24 in Vilbel eine Kitte gelöst zu haben, und berief sich zum Beweis auf den kriegsbeschädigtcn Dah'-bediensteten Hofmann in Vilbel. Er hgbe die Karte wahrscheinlich in seinem Sonntagsanzuge stecken lassen und sei mit der alten Karte weitergefahren. Der Z?uge Hofmann gab in der Hauptverhandlung die Möglichste zu, dem Angeklagten am 16. November eine Karte verlaust zu haben. Er habe schon öfters in der Fahrkartenausgabe ausgehelsen, habe auch an dem 16. November Dienst gehabt. Das Gutachten des Sachverständigen Popp ging dahin, daß an der b'anstandeten Karte an der Zister _5“ Tinten-, Bl ustif'.- und Tintenstiststriche festzustellen seien, und daß die Hmstäiide dafür sprechen, dah die fraglichen Striche absichtlich angebracht worden seien. Das Gericht sprach den Angeklagten mangels ausreichender Beweise frei.
Düchertisch.
— Das neueste Heft des Piper-Boten für Kunst und Literatur, das der Münchener Verlag R. Piper v. Co. soeben versendet, bietet schöne alte Weihnachtsbilder von Dürer. Cranach, G.ünew l>. Daldung, Zeichnungen von Michelangelo und Leonardo, Porträts von Dostojewski und seiner Gattin, von Christian Morgenstern, Beethoven und Friedrich dem Grasten, Städteansichten aus Deuts:';lrnd, der Schweiz und Italien. humoristische Vignetten von Richter und Busch und manches andere. Schon in diesem Bildertest spiegelt sich die Vielseitigkeit all der Bücher, die der Verlag den Freunden guten Lesestoffes dtrzubieten hat. Wem irgendwo, so ist in Deutschland der Weihnachtstisch ohne ein gutes Buch undenkbar und das ist ein Ruhmestitel des Deutschen, der auch in schweren Zeiten den geistigen Werten treu bleibt, ja dann erst recht.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum geaenvbpr roin<>*-rci Beantwortung.) Etwas von Rechnungen.
Die Geschäftsleute klagen vielfach. daß ihre Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt werden. Sie klagen zum Teil mit Recht. Die Not der Zeit läßt die Leute zögern; auch ist eine gewisse Bummelei nicht immer in Abrede zu stellen. Aber au einem guten Teil tragen auch die Geschäftsleute selber die Schuld. Da sendet mir ein Kaufmann auf meine schriftliche Bestellung Waren ins Haus, und dann eine Rechnung über 9,25 Mk. Nun besitze ich zwar Fünfmarlschelne, Zehnmarkscheine, sogar einen Fünfzigmarischein, aber keine 9,25 Mk., und sie sind auch mit Hilfe der Hausfrau, des Dienstmädchens, der getarnten Nachbarschaft nicht zusammenzubringen. Ziemlich unverschämt erklärt mir der Ueberbringer der Rechnung, et habe kein Geld zum Wechseln. Aber weshalb gibt ihm der Geschäftsmann nicht 75 Pf. mit, so dah er herausgeben kann? Die Folge ist natürlich, dah es nun eine große Weile dauert, bis ich in die Stadt komme, die Rechnung zu bezahlen, wenn sie sich nicht überhaupt unter dem Wust von Papieren verliert, die meinen Schreibtisch bedecken. Also, ihr Geschäftsleute, seid nicht eigensinnig; gebt euern Ausläufern Wechselgeld mit, Dann werden wir mit Wonne eure Rechnungen schleunigst bezahlen.
O. B.
Ausdrücke zu einer Geldstrafe von 5 0 M k., hilfsweise 10 Tagen Gefängnis, verurteilt.
Erweitertes Schöffengericht Gießen.
• Gießen, 2. Dez. Der Schweizer Heinrich Schöneck aus Lorbach wurde wegen vier Verbrechen der Blutschande in Tateinheit einmal mit Notzucht und einmal mit Kindesschändung und wegen eines Verbrechens und versuchter Blutschande in Tateinheit mit Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren zu einer Gesamtz uchthaus- strafe von 6 Jahren und 6 Monaten unter Anrechnung von 2 Monaten Unterfu- chungshast verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf 10 Jahre aberkannt.
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1, z. Dez. Die er löge fand Güterver telgerung
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3. Dez. Der ärztliche Damßadt wendet sich w "en Mibbrauch nie Es wird u. a. darin
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Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 1. Dez. Ein junger Kaufmann von hier hatte mit einer Stenotypistin aus Marburg nahezu ein Jahr lang ein Verhältnis, das schließlich aus unbekannten Gründen wieder auseinanderging. Als et sie nun Im September l. Is. im Hause feiner Eltern antraf, befürchtete er, sie wolle zu diesen gehen, und fragte sie, was sie da wolle. Aus ihre Antwort, das gehe ihn nichts an, faßte er sie am Qlrm und stieß sie die Treppe hinunter. Als sie trotzdem wieder die Treppe hinaufgehen wollte, schlug er ihr ins Gesicht und rief ihr beleidigende Ausdrücke zu. Auf die Anklage wegen Beleidigung und Mißhandlung gibt der Kaufmann den vorstehend geschilderten Sachverhalt an sich zu, behauptet jedoch, die Privatklägerin habe ihn zuerst geschimpft und geschlagen und erhebt deshalb Widerklage wegen wörtlicher und tätlicher Beleidigung gegen sie. Die Privatklägerin behauptet. sie habe gar nicht die Absicht gehabt, zu den Eltern des Angeklagten, die sie gar nicht kenne, zu gehen, sie habe vielmehr lediglich ihre in dem gleichen Hause wohiiende Schneiderin. bei der sie zu tun gehabt habe, besuchen wollen. Im übrigen stellte sie entschieden in 216- rede, den Angeklagten überhaupt beleidigt und geschlagen zu haben. Da Letzterer für seine Widerklage keinerlei Beweis erbringen konnte, wurde diese abgewiesen. Der Angeklagte wurde dagegen wegen Beleidigung und Mißhandlung der Privatklägerin, zu der keinerlei Veranlassung vorlag, mit Rücksicht hierauf
bestimmten Rollen spielen. Die Rollen im Spiel der Welt werden den noch ungeborenen Seelen in die Hände gelegt, ebenso das dazugehörige Kleid, sei es der Königspurpur oder die Lumpen des Bettlers. Sodann beginnt das Spiel und wenn die Seele auffchreit unter der Qual ihrer Rolle, sie nwß sie spielen. Der Tod ist Bühnenmeister, er ruft zum Abgang, dem kein Auftritt mehr folgt, die Spielenden von dem Welttheater. Und Schönheit und Weicheit, König und Bauer, Reicher und Bettler — alle sind Spielsiguren, aber der Meister folgt ihrem Spiel und richtet über die Seelen, was sie jeweils aus ihren Rollen zu machen wußten. Und ihre Taten, die im Laufe des Spieles geschehen, werden gezählt, dann ruft der Meffler die Spieler, die recht gut gespielt an feinen Tisch. Drum ruft der Engel ihnen zu: Tuet recht, Gott über Euch! Es ist, wie einalter Spruch an einem alten Haus besagt: „Es kreisen Schmerz und Wonne, gleich wie die Erd' und die Sonne, doch Gott befreit zu seiner Zeit!" Die Vorstellung war einheitlich sinngemäß, non starker Auswirkung, sei es der ernste Engel Schillers, die Welt (Hildegard Grethe), der König (Biberti), Reicher (Engels), Dauer (Spanier), Schönheit (Aida S t u ck e r i n g), ober Weisheit (Ellen Da u b). Die tragischste und stärkste Gestalt war der Bettler Taubes. Ludwig Siewerts Raumgestaltung in gotischer Stilisierung hatte weihevolle Linienführung. Der Beifall war überaus stark, dem künstlerisch restlos erschöpften Abend Dankbarkeit zollendd. L. W.
ergeben, daß nur bet Händler Maurer als Mörder feiner Frau und keine weitere Person in Betracht kommt Die Leiche Maurer-, die ausgegraben war, ist to oder bestattet worden. — Die gerichtliche Untersuchung des Leichenfundes bei Wald-Michelbach hat ergeben, daß der Tote, der Landwirt Jakob Oehlschläger aus Kreidach, nicht ermordet, sondern vvm Zuge überfahren worden ist
Preußen.
ttrcis Wetzlar.
3 Wetzlar. 2. Dez. Die von uns bereits mitgeteilte Zusammensetzung des neuen Kreistages (12 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, * 11 Sozialdemokraten, 2 Demokraten, 1 Zentrum und 1 Kommunist) dürfte bestehen bleiben. Hiernach ist der Wunsch der Sozialdemokratie, die Mehrheit zu erobern, nicht erfüllt worden, trotzdem sie agitatorisch äußerst rührig war. Sie hat im Gegenteil einen Sitz an die Kommunisten abgeben müssen, die ihre Stimmen gegen die letzte Wahl am 7. Dezember vermehren konnten. Die Wahlbeteiligung betrug im Durchschnitt 50 Proz., war jedoch an den einzelnen Orten äußerst verschieden. Besonders der Hüttenbera hat diesmal teilweise sehr schlecht gewählt, zum Schaden der rechtsstehenden Parteien. Hier dürsten in erster Linie Fehler bei der Auf- fteUung dec. Kandidatenliste mitgespielt haben. Bei der P r o v i n z i a l - L a n d t a g s w a h l hat die Deutsche Volkspartei wohl am besten abgeschnitten, die ihre Stimmenzahl gegen die Wahl von 1921 noch vermehren konnte, so daß ihr Kandidat Christian Kloos als gewählt gilt.. Dagegen hat die Deutschnationale Volkspartei gegen 1921 fast 45 Proz. Stimmen verloren. Ob sie unter diesen Verhältnissen einen Sitz erhält, ist noch zweifelhaft. Alles in allem gibt auch diese Wahl die Lehre, mit der Wühlerei endlich einmal Schluß z u machen, weil besonders bei dem Bürgertum eine solche Abneigung gegen die vielen Wahlen Platz gegriffen hat, daß von einer Volksmeinung bei einer solchen Art der Abstimmung überhaupt nicht mehr die Rede sein kann.
WDR. Wetzlar, 3. Dez. Der Senior der deutschen Lehrerschaft, Lehrer Steil in Dorlar, feiert anu 5. Dezember in voller körperlicher Rüstigkeit uno geistiger Frische seinen 92. Geburtstag. Er wirkte 41 Jahre in Dorlar als Lehrer und hat fast die ganze lebende Generatton unterrichtet.
Mainqan.
WSN. 5 r a n r f ur t a. M., 3. Dez. Wie wir uon zuverlässiger Seite hören, hat der Mörder bes Kriminalbeamten Sack, Anton Gens, nach- dem er bisher noch kein offenes Geständnis abgelegt hat, sich jetzt doch im großen und ganzen zur Tat bekannt. Er behauptet, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den ihm begegnenden Mann zu erschießen und zu berauben und will gewissermaßen in Putativnotwehr gehandelt haben. Die Aufgabe Cortys sollte es fein, sobald das Opfer unschädlich gemacht sei, heranzuspringen und den Ucberfallenen auszurauben. Gens zeigt bis jetzt keine Spur von Reue. — In der Frankfurter Gold- und Iuwelen-Einkaufsstelle in 6er Kaiserstraße 41, wurde am 30. November am Hellen lichten Tage in der Mittagszeit zwischen 1 und 3 Uhr, als das Geschäft geschlossen hatte, ein schwerer Einbruch verübt, wobei den Tätern Brillanten und Goldwaren im Werte von schätzungsweise 30 000 Mark in die Hände fielen. Die Einbrecher öffneten eine zum Ladengeschäft führende Tür, räumten in aller Gemütsruhe Schaufenster und Laden aus und verschwanden. Die Untersuchung ist eingeleitet.
DiNkreis.
bl. H a i g e r, 3. Dez. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung u. a. die Erhöhung der Kranken h auspfleg e- sähe von 2,50 auf 2,75 Mk. für Eingesessene und von 3.00 auf 3,25 Mk. für auswärts wohnhafte Personen.
bl. Nanzenbach, 3. Dez. Die Provin- Ai a l st r a ß ezwischen dem Di ll kreis und dem Streife Biedenkopf ist vollendet und wurde jetzt dem Verkehr übergeben. In etwa einem Jahr wurde der Bau ausgeführt: er verursachte einen Kostenaufwand von 175 000 Mk. Zwischen den Gemeinden Hartenrod und Eisen rot h wurde auf der neuen Straße mit den Walz- orbeiten begonnen. Auch hier wird in Bälde mit der Fertigstellung zu rechnen fein.
bl. Oberscheld, 3. Dez. Infolge des still - gelegten Sonntagszugverkehrs auf der Strecke Dillenburg—Gönnern hat das hiesige Hochofenwerk 3 0 Arbeitern, die an Sonntagen nicht frühzeitig genug zur Arbeit erscheinen konnten, gekündigt. Unter den betroffenen Personen herrscht große Erbitterung darüber, daß die Reichsbahn an Sonntagen keine Züge auf der Strecke fahren läßt.
Frankfurter Theater.
Hugo v. Hofmannsthal „Großes D e 111b e a t e r" brachte Intendant Weichert auf die Frankfurter Schauspielbühne zur Aufführung. Dieses Festspiel, welches unter der Regie Max Reinhardts in Salzburg zu Weltruhm gelangte, wird auch hier zum künstlerischen Ereignis. Ter Regisseur Weichert schenkte dcm Publikum einen Abend seltenen, wirklich nachhaltigen Ge- ruffes. Seine Inszenierung des von Hofmannsthal tearbeifeien Calderon wurde in ihrer wuchtigen Geschlossenheit und ihrem verinnerlichtem Ausdruck aum stellenweise aufwühlenden Erlebnis. „Das große Welttheater- ist ein religiöses Spiel, ähnlich dem ton Jedermann. „Die Welt ist die bunte Bühne, auf welcher alle Menschen die von Gott, dem Meister,
— E. v. Bonin, Die Söhne. Ganzleinen 5,50 Mk. Verlag der I. G. Eottaschen Buchhandlung Aachs., Stuttgart. Mit kräftig-sicherer Hand zeichnet die Verfasserin die Schicksale zweier Söhne aus altadligem Geschlecht, an denen sich der Widerstreit ihrer inneren Naturen, schmerzvoll und tragisch verschärft durch den unheilwirkcnden Einfluß ihrer Mutter, mit jedem Schritte des Lebens mehr offenbart, bis er im Kampfe um ein geliebtes Weib zu den leidenschaftlichsten Ausbrüchen emporflammt.
676
— Der Greif-Alma nachl92 6. (Groß- Oktav. 181 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Auf holzlreiem Papier. 3n Kartoneinband Mk. 1.20.) Ein moderner Ausläufer der klassischen Musenalmanache des Hauses Cotta ist der kleine, schmucke Greif-Almanach, den der Verlag in diesem Jahre in die Welt sendet. Gleich sein erster Beitrag „Briefe an Cotta", eine Sammlung von wertvollen Briefen, die unsere großen Dichter der Vergangenheit: Schiller, Goethe, Kleist und viele andere an ihren Verleger richteten, zeigt diesen innigen Zusammenhang des kleinen Buches mit seinen klassischen Vorgängern. 2m Anschluß an diese Dichterbriefe bringt der Almanach eine Fülle dichterischer, erzählender und wissenschaftliche Beiträge aus der Feder erster Autoren unserer Zeit, aus deren Reihe wir nur nennen: Ludwig Fulda, Johannes Haller, Rudolf Herzog, Kronprinz Wilhelm, Karl Rosner, Hermann Sudermann u. a. Dieser reiche Inhalt gibt dem kleinen Büchlein eine überraschende Vielseitigkeit und macht es zu einem dauernd wertvollen Besitz. Es sei deshalb aufs angelegentlichste empfohlen. 739
— Marie von Bülow. Hans von Bülow in Leben und Wort. In Ganzleinen 7 Mk., in Halbleder 9,50 Ml. (Verlag 2. Engelhorns Nachf. in Stuttgart.) — Die von Adolf Sv gjmn und Hugo Hoile fjemudgegebenen Musikalischen Volksbücher bringen als neuesten Band ein überaus wertvolles Buch der zweiten Gattin und Witwe des genialen Dirigenten Hans von Bülow. Die Verfasserin erzählt- den wie ein spannender Roman anmutenden herrischen Lebenslauf Bülows. Auch wer bereits wußte, ein welch umfassender Geist Bülow war, wird dennoch über die Ausbeute des zweiten Teils des Buches überrascht sein, in dem der Künstler selbst in einer Fülle ganz prachtvoller Aphorismen zu Wort kommt. 771
— Hindenburg. Ein Lebensbild, von Alfred Niemann. Mit Genehmigung des Reichspräsidenten. 2n Ganzleinen 9 Mk. (K. F. Koehler, Verlag, Berlin und Leipzig.) — Eine einzigartige lebendige Schilderung des Werdeganges des Reichspräsidenten. Alfred Niemann hat bisher unbenutztes Material verwenden dürfen, so daß er auch eine genaue Darstellung der Entwicklung des Fami.iengeschlechts und der Iugend- jahre Hindenburgs wiedergeben kann. Die mili- ■ tärische Laufbahn des Marscha.ls wird ausführlich in ihren bemerkenswerten Einzelheiten mit glänzendem Sül geschildert, die Persönlichkeit Hindenburgs wird durch originalgetreue Wiedergabe zahlreicher, bisher nicht veröfsentlichter Briefe des Feldmarschalls an seinen Sohn, seinem derzeitigen Adju anten, dem Leser nahe gebracht. Mit dem Amtsantritt des Reickspräsidenten schließt diese authentische Biographie, der etwa 70 Origina'zeichnungen nach manchen unveröffent-
Der Schreiner Franz R. aus Gießen wurde wegen deS Verbrechens der Blutschande in Tateinheit mit Notzüchtigung von Kindern, wegen Unzucht und Nötigung zu einer Gesamtzuchthausstrafe von 2 Jahren, die sich aus 1 Jahr Zuchthaus und 1 Iah>r 6 Monaten Zuchthaus zusammensetzt, verurteilt. Das Gericht rechnete auf die erkannte Strafe 1 Monat Unter- suchungsh'ft an und sprach dem Angeklagten ferner die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren ab
Gerichtssaal.
Eine saubere Dorf Verwaltung.
Höchst a. M.. 3. Dez. (WSN.) Das hiesige Amtsgericht hat den Bürgermeister von Kriftel, Greif, der in die Affäre des kürzlich wegen Unterschlagung zu 18 Monaten Gefängis verurteilten Gemeinderechners Dudeck von Kriftel verwickelt war, wegen Beihilfe zur ülnterfchlagung zu un- gunfteu der Gemcindekasse au neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Oberhesflscher Geschichts-Verein
An dem ersten Vortragsabend deS Vereins in diesem Winter sprach Geheimrat Prof. Dr. Küch, Direktor des Marburger Staatsarchivs, über „M ittelalterliche Siegel als geschichtliche Quelle". Der Vortrag war trotz des am selben Abend stattfindenden Konzerts gut besucht.
Der Vortragende behandelte zunächst den Nutzen, den die Kunstgeschichte aus dem mittelalterlichen Siegelwesen zu ziehen im Stande ist, indem die Entwicklung des Stils an genau datierbaren Stücken verfolgt und ganze Thpen- reihen, wie Marien- und Petrusdarstellungen, entwickelt werden könnten. Die Weiterbildung des Kostüms, der Rüstung, vor allem aber der heraldischen Kunst wurde an entsprechend au- fammengeftellten Bildern gezeigt. Eingehenoer wurde die Verwendung antifer Gemmen Im mittelalterlichen Siegel behandelt und Schlußfolgerungen auf die Beziehungen der Anttte zur Kunst des Mittelalters gezogen. An den Siegeln des Hersfelder Konvents wurde die Entwicklung des Stempelschnitts seit der Karolingischen Renaissance bis zur Gothik unter der Einwirkung baugeschichtlicher und geschichtlicher Vorgänge angedeutet. Baugeschichtlrche wichtige Siegel wurden vorgezeigt, u. a. die Siegel Ulrichs von Münzenberg (1245—1252), die als Handhabe für die Datierung der beiden Türme jener berühmten Ruine zu dienekk vermögen. Sodann wurden solche Siegel behandelt, die Aufschlüsse über die Ausdehnung des Königsguts in unserer Gegend, über Reichsämter und die hohen Landesämter, über den Besihwechsel unter den alten Dynastengeschlechtern und über die Patrocinien und Pfarreien geben. Dann wurden an verschiedenen Stadtsiegeln die Schlußfolgerungen angedeutet, die man aus deren Form auf gewisse historische und verfassungsgeschichtliche Vorgänge ziehen kann, und schließlich an Beispielen nachgewiesen, wie überhaupt geschichtliche Vorgänge, die anbertoeitig nicht überliefert sind, aus dem Siegelbild oder der Siegelumschrift festzustellen sind.
Lebhafter Bei'all und zahlreiche Fragen und Anregungen aus den Reihen der Zuhörer bewiesen, daß der Vortragende es gut verstanden hatte, die Anwesenden auch durch den an sich so spröden Stoff zu fesseln; die Aufmerksamkeit wurde noch besonders gesteigert durch eine Anzahl Lichtbilder, die sehr zur Anschaulichkeit und zum Verständnis beitrugen.
An den Vortrag schloß sich eine Mitgliederversammlung. in der der Antrag des Vorstandes, den Jahresbeitrag für 1926 auf 6 Mk. zu erhöhen und dafür den Mitgliedern die Heimatzeiffchrift „Volk und Scholle" zu lictern, einstimmig angenommen wurde.DieMit- glleder, die zugleich dem „Historischen Verein für Hessen" angehören und also von dort aus „Voll und Scholle" erhalten, bezahlen den Beitrag in bisheriger Höhe von 3 Mk. Der Grund, weshalb der Vorhand sich enffchloh, den oben erwähnten Antrag in der Mitglieder-Versamm- hing zu stellen, ist der. daß seit langem erwogen wurde, die Beziehungen zu den Mitgliedern, die bisher nur den 2ahres°Band der „Mitteilungen" erhielten, inniger zu gestalten. Der Plan, eine eigene Quartalsschrift herauszugeben, um dieses Ziel zu erreichen, mußte in Anbetracht 6et Kostenhöhe fallen gelassen werden. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß „Volk und Schotte" noch mehr als seither unsere Provinz berücksichtigen wird.


