k.(54 Zweites Blatt
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Der „Potsdamer Kronrat".
(Sine psychologische Skizze.
Von Prof. Dr. Fritz Kern.
Amerikanische Schutzformel: Copyright by Fritz Kern, Bonn
Wichtige unveröffentlichte Tagesaufzeichnungen aus dem Juli 1914, die mir zur Verfügung gestellt worden sind, ermöglichen es, die Vorgänge in Berlin und Potsdam genauer als bisher zu erfassen. Zum Verständnis der nachfolgenden Darstellung muß folgendes in Erinnerung gerufen werden. Bald nach dem Mord von Sera,ewo war der österreichisch-ungarische Minister des Aeußeren, Graf B e r ch t o l d , zu der Heber, zeugung gelangt, daß dieser neueste ,erbl,che Angriff auf die Donaumonarchie nicht hingenommen werden. sondern mit einem bewaffneten Einmarsch in Serbien beantwortet werden müsse. Jedoch der energische Einspruch des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza und die Abneigung Kaiser Franz Jo- sephs gegen jeden ernsteren Konflikt verlegten dem Grafen Berchlold den Weg zu der von ihm für notwendig gehaltenen Züchtigung Serbiens. Da Berchlold fest überzeugt war, daß ohne sie binnen kurzem der ganze Lüden der Monarchie an das angriffslustige Serbien verloren gehen werde, verfiel der Minister auf einen gewagten Plan. Er schickte seinen eingeweihtesten 23ertranten, den Grafen H o y o s mit einer Denkschrift und einem Handschreiben Kaiser Franz Josephs nach Berlin mit dem Auftrag, der deutschen Reichsleitung die Dinge so darzustellen, daß Berlin seine Einwilligung zu der Züchtigung Serbiens gebe. War das erreicht, und zwar in einer Weise, daß man Fran; Joseph und dem Grafen Tisza fälschlicherweise einreden konnte, die Initiative gehe von Deutschland aus, so hoffte Berchlold auch die Bedenken seines Kaisers und des ungarischen Ministerpräsidenten zu beschwichtigen.
Mit dieser Aufgabe von wettgefchicht- licher Tragweite betraut, reiste Hoyos am 4. Juli 1914 nach Berlin.
1. Gras Hoyos in Berlin.
Der Ferienmonat war angebrochen, worin >cit Politik, wenn irgend möglich, im stillen Liiwerständnis aller Kanzleien auszuruhen ||igt Trotz den kriegsdrohenden 2llarm- Weln Suchomlinows und trotz den Gerüch- t*n uber eine russisch-englische Marinekonven- kir erwartete die Wilhelmstraße eher einen tnihgen Sommer. An Sturmzeichen war man gwfooljnt, ein naher Ausbruch nicht in Sicht; tönt fernen Gewitter konnten sich verziehen. Mn mußte die Auswirkungen der neuen, smidlich gesinnten Kammermehrheit in Paris rsijtir lassen, die trotz Poincares Präsident- Msl über kurz oder lang zu einem Ministe- rwi Caillaux führen würde. Vor allem tuitr hoffte man auf die Früchte des wachsendem Einvernehmens zwischen Berlin und Lon- dcm Eben war das deutsch-englische Abkom- nrnti über die Bagdadbahn unter Dach gx-Älacht. Der Kaiser wird die Nordland- r.-eil?, wie alljährlich antreten. Der Reichs- k'aizler verbringt den Juli auf seinem neu- «ülkischen Landgut Hohenfinow. General- M-ches v. M o l t k e gebraucht die Kur in Äfcbab, Staatssekretär v. Tirpitz in Ta- :eQ,p. Der 51jährige Leiter des Auswärtigen itms, Gottlieb v. Jagow, befindet sich auf 'Dixiizeitsreise. Man spricht vom Neubau des !llu bärtigen Amts. Die altertümlichen Rtinne, in denen Bismarck die deutsche Frage äifh, sind zu eng geworden für die Geschäfte M«!2 Volkes, dessen wirtschaftliche Rekorde imq allen Meßzahlen fabelhaft anschwellen mm: dem stolzen deutschen Bürger verraten, )ta; <r bald, vielleicht sogar schon jetzt, der l-irWen aller Weltmächte angehört. So Mtb denn auch bald das vornehme alte Haus rau; preußischer Konigszeit einem wilhelmi- Meii Prachtbau gewichen fein, so daß das S«artige Amt auch äußerlich wieder den pirung vor der „Konkurrenz", dem gewal- ton neuen Marinedienstgebäude gewinnen rnt? Sommergedanken herrschten Ende Juni Mi in der Wilhelmstraße vor.
Der Alarm von Serajewo klang nun frei- ikich k«um irgendwo in der Welt schriller als ru Berlin. Täglich kommen widersprechende । gtimngen, was die Oesterreicher bei ihrer Wierluchung gefunden haben, was sie tun ^W nas sie unterlassen werden, was die Ser- " M drohen, klagen, was die Kroaten schwören । M llnb was werden die Folgen fein? Ist die HMeiizfrage Oesterreich-Ungarns und damit »toll auch die des Deutschen Reiches aufge- M? Es wird gewiß ein unruhiger Sommer Wien, ein neues Krisenjahr. Indes Balkan- Mim kennt man zur Genüge, es hat sich zu Wr Beilegung schon eine Art von deutsch- M-isihem Zusammenspiel ausgebildet, da MG in London und in Berlin entschlossen ist, Me s Balkans wegen zu keinem Krieg kom- n»t zu lassen, dürfte sich auch diesmal wieder itN Älllsweg finden. Die strenge Untersuchung, >i« Oeftereich fordern wird, kann Serbien iTHlh Zaum verweigern. Schon bereitet die ÄJirrung sich vor. Aus Belgrad meldet 1WÜ Gesandte, daß dort recht gedrückte Stim- iruiig herrsche und die Regierung möglichst zsviuschvoll von den Attentätern abrücke, iuis Wien lauteten die Nachrichten unbehag- M. Trotzdem glaubte der Vertreter des Mrtssekretär von Jagow, Unterstaatssekre- tä«Zimmermann, seinem Chef an den Vier- rwatJffatter See depeschieren zu können, er noöte ruhig seinen Urlaub bis zu Ende ver- bWxen.
Herr Zimmermann sah keine unmit- tM-r« Gefahr. Er arbeitete gemeinsam mit
dem deutschen Botschafter in Wien, Herrn v. T s ch i r s ch k i), an der Beilegung der Folgen des Attentats. Seit dem 30. Juni wirkte rr bei den Vertretern Rußlands, Frankreichs und Englands, wie bei Serbien selbst dahin, den berechtigten Sühneansprüchen Oesterreich-Ungarns Geltung zu verschaffen Aber er empfahl gleichzeitig dem österreichisch-ungarischen Botschafter Vorsicht. Wien habe bei dieser beispiellosen Kränkung die Sympathie der gesamten gesitteten Welt für sich, es möge sie nicht gefährden, indem es demütigende Forderungen stelle. Ein energisches Vorgehen Wiens war notwendig und möglich, nur Unbesonnenheit sollten vermieden werden. Das Verhalten eines Teils der öfefntlichn Meinung erschwerte den deutschen Diplomaten ihre heikle Aufgabe, die Energie des Bundesgenossen, zu zügeln, was überhaupt nur dayn möglich war, wenn man nach außen hin fest zu dem beleidigten Bundesgenossen in feiner schwierigen Lage stand. Statt dessen predigte ein beredter Teil . der deutschen Oeffentlichkeit geräuschvoll, was nur der Staatsmann unter vier Augen mit dem höchstem Takt hätte sagen dürfen. Am 3. Juli schrieb die „Franks. Zeitung", Oesterreich müsse z-' friedlichen Vereinbarungen bereitwillig die Hand bieten und alles vermeiden, was den Eindruck der Gereiztheit oder großer Worte machen könne. Der schulmeisternde Ton der Mäßigkeitapostel, die sich mit der deutschen Reichsleitung verwechselten, erzielte auch jetzt das Gegenteil dessen, was man erstrebte, er erschwerte es der deutschen Regierung, dieselben Ratschläge diskret zu geben und zwang sie zu verstärkter ostentativer Bekundung der Bundestreue. Immerhin schienen Tschirschkys und Zimmermanns Bemühungen Wien zu bremsen, doch Erfolg zu haben; am 4. Juli berichtete Tschirschky von ernstlichen Bemühungen Berchtolds, die leidenschaftlich gereizte öffentliche Meinung der Monarchie zu beruhigen.
Auch sollte man bald erfahren, wie die Wiener sich ihr Vorgehen dachten .Denn es hatte sich der österreichisch-ungarische Botschafter beim Kaiser angesagt. Als der Botschafter zur Kenntnis gebracht hatte, daß er ein Handschreiben Seiner Majestät zu überreichen habe, luden die Allerhöchsten Herrschaften ihn zum Frühstück ins Neue Palais. Anschließend daran wurden der Reichskanzler und Herr Zimmermann zum Vortrag nach Potsdam befohlen. Es war Sonntag, Jj. Juli, eine Woche nach dem Mord.
Bevor der Botschafter nach Potsdam fuhr, übergab Graf Hoyos ihm Handschreiben und Denkschrift und instruierte ihn. Zwei kluge Diplomaten traten sich gegenüber, der jugendliche Hoyos, beste Wiener Schule, liebenswürdig und falsch, und der 72jährige Graf S z ö g y e n y , der die Person Franz Josephs fast während Wilhelms II. ganzer Amtszeit bei ihn vertreten hatte. Obwohl dieser Botschafter jetzt am Ende seiner Amtszeit stand, hatte Graf Derchtold nach reiflicher Ueberlegung den ursprünglichen Plan, einen Sondergesandten zu schicken, verworfen und dem etwas überständigen Alten die erste Nolle in dem Drama zugewiesen. Szögyeny sah nicht, wie ein Diplomat aus und unterließ korrekte Formen, sprach ein mikoschartiges Deutsch und ließ sich, den Schein veraltend, als ungarische Spezialität belächeln, um, sehr gescheit und auf das Wesen der Sache bedacht, mit seiner treuherzigen Außenseite zu arbeiten. Sehr unterhaltend war es, zu beobachten, sagt einer seiner Mitarbeiter von ihm, wie Szögyeny mit seinem ungarischen Deutsch und unter der Maske des harmlosen Biedermanns, oft eine naive Unkenntnis vortäuschend, die Leute auszuholen verstand und aus ihnen das herauslockte, was er erfahren wollte, und sie ruhig beim Glauben ließ, sie seien ihm denn doch über.
Wer hinter die Maske sah, konnte ihn wohl für den fähigsten Diplomaten im Berliner Korps halten, mindestens für den schlauesten, der jemals in der Botschaft am Kronprinzenufer gewaltet hatte. Er hatte eine lange Meisterschaft erworben, Wilhelm II. zu behandeln, indem er sich von ihm behandeln ließ. Er wußte sehr gut die Menschen bei ihren schwachen Seiten zu fassen und hatte herausgefunden, wie man sich Kaiser Wilhelm gegenüber zu verhalten habe, gutlaunig ließ er sich als Zigeuner hänseln; seine Altersschwäche suchte er kaum zu verhehlen und ließ es gelten, daß man ihn nicht recht ernst nahm. Diesem hervorragenden Original crwickelte Hoyos, was er beim Kaiser zu erreichen habe. Szögyeny begriff und fuhr nach Potsdams zu dem Geschäft, das vermutlich sein letztes, sicher sein größtes im deutschen Kaiserschlosse sein sollte.
Zuvörderst kam es darauf an, das Vorbringen so zu leiten, daß sich keine Meinungsverschiedenheit ergab. Es war wohl ausgeschlossen, daß die so zahme diplomatische Aktion Tiszas, die im Handschreiben und Denkschrift niedergelegt war, in diesem Augenblick auf Ablehnung beim Kaiser stieß. Es war auch kaum möglich, daß sich Deutschland der Notwendigkeit einer Sühne verschloß. Darüber hinaus aber mußte so geschickt wie möglich versucht werden, von
Deutschland auch Vollmacht für eine bewaffnete Exekution gegen Serbien zu erlangen, wobei alles davon abhing, die Frage zu umgehen, was mit Serbien nach erfolgter Zwangssühne eigentlich geschehen sollte? Wenn es Berchtold nur mit Muhe halb gelungen war, Tschirschky über diesen verfänglichen Punkt Hinwegzubringen, so war das bei Kaiser Wilhelms Art wohl leichter, wenn man ihn richtig zu nehmen wußte. Für Sühne wird Deutschland ebenso gewiß zu haben fein, wie es anderseits einen Annexionskrieg gegen Serbien der Weltkriegsgefahr wegen auch jetzt, wie so häufig ichon, scharf und bestimmt ablehnen wird. Deutschland so sanft und optimistisch tv;e möglich in die Aktion hineingleiten zu lassen, das war eine Ausgabe, wie sie der Doyen das diplomatische Korps sich nur wünschen konnte.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
• Saubringen, 4. Juli Voraussichtlich findet die hiesige Bürgermeisterwahl am 12. Juli statt. Zwei Kandidaten sind ausgestellt.
ll. Beuern, 3. Juli. Nachdem nun die Ein» führung einer Autolinie Gießen — Wie- s eck — Alten-Buseck — Großen-Buseck — Beuern Wirklichkeit werden soll und die interessierten Gemeinden sich die größte Mühe geben, dieses Unternehmen zu fördern und zu stützen, hat auch Bersrod großes Interesse daran, diese moderne Verkehrsgelegenheit zu erlangen. Sie gesamte Bürgerschaft ist mobil, und die Gemeindeverwaltung hat schon Schritte wegen der Weiterführung derAutoliniebis Bersrod unternommen.
Treis a. d. L d a., 3. Juli. Sonntag, 12. Juli, findet auf einem schattigen Platz in dec „Wann" ein Waldsest des Eoang. Bundes statt, bei dem „Glaube und Heimat" aufgeführt wird.
m. Hausen, 4. Juli. Nach der Volkszählung am 16. Juni wohnen hier in 102 bewohnten Wohnhäusern — unbewohnte gibt es natürlich keine — 119 Haushaltungen iwt 570 Personen, wovon 282 männlichen und 28tF weiblichen Geschlechts sind. 102 Haushaltungen treiben Landwirtschaft, die meisten im Nebenberuf, 17 im Gewerbe.
* Steinbach, 4. Juli. Bei der hiesigen Dürgermei st erwähl kandidiert neben dem jetzigen Bürgermeister als weiterer Kandidat der Postschaffner Heinrich Kehler II.
is. Steinbach, 2. Juli. Heber gute Kräfte verfügt der hiesige Radfahrverein „W a n d e r l u st". Karl Gerhard errang in 1923, 1924, 1925 die Dundesmeisterschaft des Radfahrerbundes „Oberhessen", welche in je 3 Rennen nach Puntten ausgefahren wird. Er wurde in allen Rennen erster Sieger und brachte es jedesmal auf die höchst erreichbare Zahl von 60 Punkten. Anläßlich des diesjährigen Dundes- festes vom 27.—29. Juni in Alsfeld wurde ihm, nachdem er den Wanderpreis (Kette) der Dundesmeisterschaft für die Klasse A zum dritten Male errungen, dieser als dauerndes Eigentum überreicht. Hier fuhr er die Strecke von 105 Kilometer mit 15 Minuten Vorsprung. Als Ehrenpreis aus diesem letzten Rennen erhielt er 2 Rennmaschinen, je eine gestiftet vom festgebenden Verein, „Brabant 1900"-Alsfeld, und von seinem Verein, „Wanderlusf-Steinbach bei Gießen. In den vorhergehenden Bundes- und Gaurennen dieses Jahres erhielt er ebenfalls wertvolle Preise. Wer ihn hat fahren sehen, muß sagen, daß er gute Auszeichnungen vollauf verdient ; trotz scharfer Konkurrenz hat er in sämtlichen Rennen seine Gegner weit hinter sich gelassen. In den letzten 3 Jahren errang er nicht weniger als 19 erste Preise. Seit Einteilung des Bundes in Gaue errang er auch die Gaumeisterschaft des Gaues II in Klasse A. Auch Karl Kauh errang in Klasse A in diesem Jahre hervorragende Preise. Ferner hat der Verein tüchtige Jugendfahrer in L. Hofmann, Iran Leuning und Jakob Horn. In 1924 und 1925 errang Hofmann die Bundes- und Gau- meisterschaft der Jugendklasse. Ebenso erhielt F. Kull mann die Gaumeisterschaft in der Anfängerklafse. Laut Dundesbeschluß der letzten Generalversammlung in Groh-Felda soll durch finanzielle Unterstützung es den d esjährigen Bundes- und Gaumeistem der A-Klasse ermöglicht werden, an den deutschen Meisterschaften für Amateure in Stettin teilzunehmen.
Kreis Friedberg.
K Friedberg, 2. Juli. Seinen 7 0. G e - b u r t 5 t a g feierte unter zahlreichen Ehrungen der Rektor t. R. P h i l i p p s , der 50 Jahre im Schulamt an unserer Musterschule gestanden. Der Jubilar ist der Vater des bekannten hessischen Mundartdichters Philipps, der als Oberstudiendirektor an der hiesigen Schillerfchule wirkt.
zf Bad-Nauheim, 4. Juli. Eine öffentliche Trauerfeier für den verstorbenen Generalmusikdirektor Hofrat Prof. Hans Winderste in findet morgen Sonntag früh um ll'/e -Ahr im Konzertsaale des Kurhauses unter Mitwirkung des Kurorchesters statt. Der Eintritt ist für alle Interessenten frei. — Der große Festabend der hiesigen "Vereine zugunsten des zu errichtenden Ehrenmals für die Gefallenen hat mit einem Reinertrag von 2000 Mark nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Mehr verspricht man sich von der Abhaltung von Dlumenver- k au f s t a g e n, die es ermöglichen, auch das Scherflein der Kurgäste zu erfassen. Es sind bereits zwei solcher Dlumentage vorgesehen, und zwar am 12. Juli und am 16. August. Der Verkauf wird in der ganzen Stadt erfolgen, sich besonders aber auf die Kurhausterrasse konzentrieren. wo am erstgenannten Tage eine Militärkapelle konzertieren soll, während für den 16. Aug. der Saarbrückener Männerchor zu einem Konzert gewonnen ist. Man rechnet damit, daß die zu verkaufenden Blumen von den Gärtnern und Gar- tenbesitzern für den guten Zweck in reicher Zahl gestiftet werden. Der vorbereitende städtische Ausschuß, der schon seit Jahren stille Vorarbeit für die Errichtung eines Denkmals leistet, ist neuer- dings durch Zuziehung weiterer Vereinsvertreter noch erweitert worden. Erst dieser Tage fand wieder eine Sitzung statt, in der man sich über eins vor allem einig war: daß nämlich das Ehrenmal für unseren Weltbadeplay in künstlerischer Hin
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sicht und in monumentaler Wirkung eine vollendete Leistung werden muß. Recht schwer ist die Platzfrage, in der eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen ist.
Kreis Schotten.
Eichelsdorf, 3. Juli. 21m sogenannten „Mathildenplatz" wurde dieser Tage bon den Pächtern der Waldjagd, Frankfurter Herren, ein Wildschwein zur Strecke gebracht. Da Wildschweine in unseren Waldungen nicht mehr Vorkommen, muß man annehmen, daß cs sich um ein verirrtes Borstentier handelt, das hier eine Beute der Jäger wurde. Vielleicht entlief es den L a u b a ch c r W al- dun g e n , wo nach das Schwarzwild gehegt wird. — Das Jahr 1925 verspricht ein rechtes Beeren- j a h r werden zu wollen. Die Walderdbeeren reisen in großen Mengen. Sie werden in unserer Gegend nur vereinzelt eingesammelt, weil das Pflücken mühsam ist und die kleinen Früchte nicht rasch die Gefäße füllen. Die Himbeeren, die jetzt im Juli reifen, sind reich behangen und werden bei günstigem Reifewetler lohnende Ernte liefern. Man sammelt sie in unseren Dörfern mit großem Eifer, verwendet sie entweder im eigenen Haushalt oder verkauft sie und hat gute Tageseinnahmen. Manche Familien vermögen ein hübsches Sümmchen sich dabei zu verdienen. Aus anderen Gegenden meldet man den guten Ausfall der Heidelbeerernte. lieber die Brombeeren, des Waldes späteste Beerenfrucht, läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Aber wo alle ihre früheren Schwestern mit vollen Händen spenden, da wird auch sie nicht knickernd zur Seite stehen.
Kreis Lauterbach.
hml. Lauterbach, 2. Juli. Nach fast 27jähriger, reichgesegneter Wirksamkeit zunächst als Stadtschwester und später als Oberschwester und Leiterin des hiesigen Krankenhauses hat Diakonisse Marie Brück gestern unsere Stadt verlassen. Ihr Gesundheitszustand machte es nötig, die Leitung des in den letzten Jahren immer größer gewordenen Hauses niederzulegen und die wohlverdiente Ruhe im Mutterhause in Darmstadt zu suchen. In dieser langen Zeit ihrer hiesigen Tätigkeit hat es wohl kaum in hiesiger Stadt ein Haus gegeben, dem Oberschwester Marie nicht in Krankheits- oder Un- glüdsfäUen hilfreich und liebevoll mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Aber auch die vielen aus unserer Stadt und dem Kreise Lauterbach, die hier im Krankenhause Hilfe und Genesung suchten, haben ihr stets hilfsbereites, entgegenkommendes Wesen erfahren. Ruhig, sicher und umsichtlg hat sie die Geschäfte und den großen Haushalt geführt. Sie hat es verstanden, ihr Krankenhaus durch die schwere Kriegs- und Inflationszeit hindurchzubringen und cs zu der heutigen vorbildlichen und erstklassigen Heil- anstatt zu machen. Als eine rechte Diakonisse hat sie nie Schonung der eigenen Person gekannt. Barmherzigkeit, Liebe, Gewissenhaftigkeit und Treue waren die Triebkräfte ihrer so schweren, die Kräfte verbrauchenden Lebensarbeit. Diele, denen sie eine Helferin und Freundin geworden war, werden sie vermissen, sie werden ihrer allezeit dankbar gedenken und van Herzen wünschen, daß dieser Mutter und Freundin der Kranken und Hilfesuchenden im Mutterhause zu Darmstadt ein stiller, friedlicher Lebensabend beschieden sein möge.
Kreis Wetzlar.
xx Wetzlar, 3. Juli. Das gesamte Kulturland des Kreises Wetzlar beträgt 32 000 Hektar, hiervon sind noch nicht zusammen- gelegt 8442 Hektar oder rund 26 Prozent. Dis Erfolge der Arbeiten der Landeskutturbehörden: treten in den durchaeführten Zusammenlegun gs- flächen überall sichtbar zutage. Die früher sehr zersplitterten Grundstücke jedes einzelnen Besitzers sind in wohlgeformten wirtschaftlichen Plänen vereinigt und sämtlich durch ein planmäßiges Wegenetz aufgeschlossen.
Q Wetzlar, 3. Juli. Im hiesigen städti - ! a>en jrrantentjaus sprang nachmittags eine 26 Jahre alte Pa ti entin aus Wetzlar, die kurz vorher eingeliefert worden war, anscheinend in einem Anfälle gei [tiger Umnachtung aus dem etwa 6 Meter hoch gelegenen Fenster in den H 0 f hinunter. Die Bedauernswerte »rlag ihren schweren Verletz unger
I Krofdorf, 4. Juli. Die Straße Krofdorf-Gießen soll in unserer Gemarkung vom Ort bis an die hessische Grenze neu berge- stellt werden. Um der starken Staubentwicklung durch Autos usw. entgegenzuw rken, w'.rd die Bettung der Straße mit Grob- und Klemschlag in Verbindung mit Sand vorgenommen. Sehr zu begrüßen wäre es. wenn dem Fußsteig etwas mehr Beachtung geschenkt würde, denn die Fußgänger werden wohl noch lange diesen Weg machen müssen, bevor sie einmal mit ei"At Straßenbahn nach Gießen fahren können. — In unserer Gemarkung in der Seemühle ist ein M a s- senab st erben der Zwetschenbäume zu beobachten. Auch auf hessischer Se'te an der Straße Krofdorf—Gießen, nah? der G.nrze, sind viele Lindenbäume im 21 b ft erben. — Die Bautätigkeit nimmt hier weiteren Fortgang. Leider wird aber zum größten Teil außerhalb des Bebauungsplan s gebaut, wodurch die neuen inneren Ortsstraß n. wo nochDutzende von Häusern hingest eilt werden können, leer bleib m. Dadurch wird erftend der Ort zu sehr in die Länge gezogen und zweitens entstehen der Gemeinde auch ganz außergewöhnliche Ausgaben zur Herstellung der Wasserleitung, Strahmrinnen u. bergt Andererseits kann man den Belustigen aber nicht zumuten, ihre freigelegenen Bauplätze gegen solche innerhalb des Ortsnetzes zu tauschen, da auch dieses mit großen Kosten für die Beteiligten verbunden ist. Die Gemeinde hat in der Wiesenstraße zwei neue Bauplätze erworben und beabsichtigt, dort zwei einzelne Häuser errichten zu lassen.
und Nheinhessen.
0 Darmstadt, 3. Juli. Der Zweigausschuß Südhessen des Deutschen Jugendherbergsoerbandes wird in dem ihm zugewiesenen Kondilprenbau im Fürstenlader bei Auerbach eine Jugendherberge einrichten.
Hessrn-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M, 3. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte nach stürmischen Auseinandersetzungen gegen die Stimmen der Kommunisten und Deutsch-Völkischen den Ankauf und die wirtschaftliche Verwertung der Kronthaler Mineralquellen und in absehbarer Zeit die Errichtung eines Erholungsheimes für Kleinrentner und andere Minderbemittelte. Sie erklärte sich sodann mit der Errichtung einer pädago«


