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Hr. 80 vierter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Samstag, 4. Ipril 192»

Palmsonntag in Tunis.

Bon Alexe Gräfin v. Brockdorff.

Die Glocken der großen Kathedrale von'Tunis kauten zur Palmjonntagsmesse und her französische Teil der Bevölkerung derEtadt, die fid)ber weihe Mantel des Propheten" nennt, folgt ihrem frommen Bus. Aber das ist nur ein kleiner Bruchteil. Der größereTeil der Einwohner sind Mohammedaner und diese ziehen fast vollzählig nach dem großen arabischen Friedhof, der sich am Fuße der Zita- delle hmlagert. Sie feiern heute ihr Totenfest. Die Elektrische bringt uns nach dem 'Jlnfang des süd- lühen Eingeborenenoiertels, der Vorstadt Bad Dschapira. Hier beginnt die Wanderung durch die ichmolen Gassen mit den seltsam niedrigen weißen Häusern, aus deren flachen Dächern goldgelber Klee und hochrispige wilde Reseda wuchern und ihre Blii- 'enranken tief hinabhängen lassen bis auf das eine bauchige Gitterfenster, das wie ein Zyklopenauge einsam und ruhig aus den weihen, glatten Wän­den heroorschaut auf die mit weiß-rot-grünen Säu­len eingerahmten festverschlossenen Türen, die den Eingang in die schlummerstille, geheimnisvolle Welt der orientalischen Häuslichkeit eifersüchtig vor den Augen der sehensdurstigen Fremden hüten.

Heute, am Totenfeste, haben sich die Pforten geöffnet und die hinter ihnen Lebenden mit uns zu ihren abgeschiedenen Lieben. Es ist eine bunte, sinn­verwirrende Menge. Das schmutzige Beduinenweib, dessen rotbraune Lumpen von schweren silbernen Nadeln zusammenyehalten werden, geht neben der vornehmen Maurin, die in blütenweiße, schim­mernde Seide gehüllt ist und das schwarze, in bunt­farbigem Gewebe endende Tud) mit Stöckchen steif über das Gesicht gespannt trägt. Reben ihr trippelt ein feingliebrigey schwarzäugiges Mädelchen in weißen Pumphöschen. Es trägt unter dem purpur­nen, goldgestickten Jäckchen eine blau und gelbsei­dene Schärpe und um das seine Köpfchen ein gold- durchwirktes, mattfarbiges Seidentud) gewunden. Die Kleine.darf ihre sechsjährige Schönheit noch un- verhüllt durch die Welt tragen. Schon steigt in der Ferne der grüne Hügel des Forts Manubia auf, der einen wunderschönen Hintergrund bietet für das weite Ruheseld der ewig Schlafenden. Das grau­weiß schimmernde Kirchhoftor ragt mit seinem weiten Bogen über das bunte Gewimmel der hin- unb herziehenden Massen. Das Gedränge wird dichter. Pferde, Wagen, Maultiere und Esel mischen sich unter die Fußgänger.

Und da liegt er vor uns, der von weißen Mau­ern umgürtete Garten des Todes. Sein Tor ziert der Halbmond mit dem Stern, über ihm leuchtet die Sonne am tiefblauen Himmel des Südens und um ihn wogt das bunte, heiße und sorglose Leben die­ser seltsam gemischtenRassen, deren Körperfarbe in allen Tönen vom matten Gelb dis zum glänzen­den Schwarz schimmert. Eine wunderliche Gesell­schaft, die in der blaßarünen mächtigen Eukalyp- lus-Allee hin- und hrrfluiet und ein wunderlicher Friedhof, auf die die Moslem ausruhen von der nngreifenben Tätigkeit ihres sich anscheinend nur in den Kaffeehäusern und Barbierladen abspielen- hen Halbschlummerlebens. Freilich, an einem an­dern Tage als diesem mag wohl über ihm die liefe Stille des Todes mehr liegen, als über irgendeinem her Friedhöfe des Abendlandes, die Sttlle des To­des, her Bertastenhett, Vergessenheit und Verwil­derung.

Neben der langen Eukalyptus-Mee, die den werbrusgedehnten Platz teilt, dehnt sich von beiden Setten eine grüne, üppig wuchernde Wildnis, aus der nur hier und da, zerstreut und regellos, grau; verwitterte Steinplatten und Hügel, kurze mit einem rotgrünen Steinturban gekrönte Säulen- Ichäfte und ganz vereinzett die runden, schneeweißen Kuppeln der Marabut- oder Heiligengräber auftau­chen. Dazwischen schießt das Untraut in ungebän­digter Freiheit. Große stachelige Agaven und Fei­genkakteen, blaßlila Malven, brennendroter Mohn, Disteln, Klee, zartblaue Winden und eine Art gelb­roter, flammender Schwertlilien, die eine Besonder-

Kreuzworträtsel.

8

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Ml

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Es bedeuten die Wörter von links nach rechts: 1. Männl. Dorname, 2 Turngerät, 3. Ge­würz, 4. röm. Kaiser, 5. männl. Vorname, 6. Ge­tränk, 7. Hafenstadt an der marokkanischen Küste, 8. Mädchenname, 9. Teil einer Vaumfrucht. 10. einfältiger Mensch, 11. erstarrtes Wasser, 12. Seltenheit, 13. röm. Münze, 14. Stadl in Braunschweig, 15. Stammvater einer vorisrael. Bevölkerung, 16. Nährmittel, 17. Annoncenexpe­dition, 18. gekürzter Mädcheimame. 19. jüd. Priester, 20. Name Griechenlands 21. Wein­stock. 22. Student, 23. Radiogerät, 24. Figur aus GrillparzersDes Meeres und der Liebe Wellen", 25. Abfluß eines Tiroler Sees, 26. Ha­remswächter. Von oben nach unten 27. Ver­wandte, 28. Tatkraft, 29. mit Empfindung be­gabtes Wesen, 30. Tonstufe, 31. Fischöl. 32. Farbe. 33. Schönheitsmittel, 34. engl. Fluß, 35. Wohn­ort des in Nr. 45 Genannten, 36. Salz. 37. Fläche, 38. Ankerplatz für Seeschiffe, 39. weibl. Vorname, 40. engt Doppelrad, 41. Tier, 42. Gewässer, 43. füd. Mädchenname, 44. Zahl. 45. den Lesern des Gießener Anzeigers bekannte Figur, 46. Wärmebezeichnung. 47. Gefäß, 48. begehrtes Bratenstück, 49. Amphibium. 50. Voranschlag, 51. Paß in Nordtirol, 52. Bergweide, 53. Ad­jektiv, 54. engl. Abkürzung fürNord-Ost".

Silben-Rätsel.

Aus den Silben: a ba be den beth bis chel da da de doc dorf e ei erd es cu ga gu Hag i t ke ter lei li lo mast me me mih na nal ne nes o park pe bF)rat ra - ran re ri? rup sa fa sa falt si sol per st in

hett des Landes find und in solchen Massen auf­treten, daß der von ihnen bedeckte Boden zu bren- nen scheint.

Nichts gepflanzt, nichts gepflegt. Alles schießt empor, wie Allahs Hand es schuf, als daatgeftickter, blühender Teppich für die Schläfer.

Heute, am Feste der Toten, flattern von den runden, weißen Trabkapellen, die wie ländliche Backöfen ausschauen, die rotgrünen Fahnen des Propheten. Groß und klein, frischfarbig und ver­schossen, überall lacht cs lebenslustig gegen die verzerrten Kakteen und weht über die im Bluten- schmuck prangende Wildnis. Zwischen den Steinen und Kapellen hocken die Leidtragenden, versunken in Gebete und Klagen. Bewegungslos halten sie Totenwacht an der Stätte, wo ihre Lieben ruhen. Das Weiß herrscht in der Bekleidung vor, wie bei allem im Lande, weiße Kirchen, weiße Häuser,

Rätsel-Ecke.

tan tt to vid wei west zen zuk bilde man 22 Wörter, deren Anfangs- und End­buchstaben, erstere von oben nach unten und letz­tere entgegengesetzt abzulesen sind. 1. Getreide, 2. Blume, 3. Strauß-Oper, 4. Gewebe, 5 eng­lische Königin, 6. Weinsorte, 7. Prophet, 8. Na­turereignis, 9. Ort bei Berlin, 10. Rübenerzcug- nis, 11. Kunstsprache. 12. Park in Neuvork, 13. englischer Millionär, 14. Wagnersche Düh- nensigur. 15. Männernamc, 16. asiatischer Fluh, 17. Rätselart, 18. Grohindustrieller, 19. Baum, 20. Stadt in Dalmatien, 21. Daumfrucht, 22. Ge-

BesuchSkartenRössclsprung.

Vorstehender Rösselsprung stellt die chifsi

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deutschen

vierte Besuchskarte eines Dichters dar.

Zur Erinnerung".

Hast du nicht vergessen, mein lieber Mann, daß heute, am 12345678 1 3 2 4 damaliger 8 7 5 6.

aus 8 7 5 6 3 2 4 Visite uns macht?"

Magisches Quadrat.

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Richtige Umstellung der Buchstaben ergibt in den wage- und senkrechten Reihen gleich­lautende Wörter von solgender Bedeutung: 1. bösartige Hautkrankheit, 2. Hochland in der Rheinprovinz, 3. Ackergerät. 4. Fangvorrichtung für Fische, 5. artenreiche Pflanzengruppe.

Auflösungen.

Rätsel.

Zweistlbig: Idol Odol.

Dreisilbig: Zmmen-See Immenfee.

Charade.

Weg Wetser Wegweiser.

Pyramide.

V. As. Tee. Anna, Ernst. Nessel. Stendal. Altvater, Vaterland.

Silbenrätsel.

..Elend, wer den Tod sucht, elender, wer ihn fürchtet." Heinrich V.

Erle. Liegniy. Einsegnung. Habel, Duell. Werner. Erwin, Riese, Dorothea, Emil, Rihi- lift Tennessee, Offenbad), Drücker. Stradella, Aschitze, Chateaubriand, Themse, Estrich.

Kreuzworträtsel.

Von links nach rechts: 1. Korfu, 2. Avoso. 3. Mahatma Gandhi, 4. Ob, 5. Dom, 6. Netz, 7. 2a, 8. Gibich, 9. Ataman, 10. Musketier, 11. Lotse, 12. Atlas, 13. Emser, 14. Raute. 15. Adventist. 16. Agreda. 17. Import, 18. Li. 19. Sem. 20. Bie, 21, Re, 22. Droschkengaul. 23. Osaka, 24. Timor.

Don oben nach unten: 28 Raetia, 29 Mogul, 30. Janus. 31. Olm. 32. Ak.-. 33 Ewald. 34 Edessa. 35. Rimini, 36. Eitel, 37. Giro, 38. Tibet, 39. Os

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Ei» ganz Schlauer.

Johann kommt vom Dorfe nach der Groß­stadt. Man hat ihm viel davon erzählt, wie gern die Städter die Landleute necken und daß man sehr auf der Hut sein muß. um sich nichtfür dumm verkaufen zu lassen." Er wird Verkäufer in einem Geschäft, und am ersten Tag erscheint gleich ein Herr, der etwa* Vogelsamen haben will. Johann grinst und schüttelt nur den Kopf. Der andere wiederholte sein Verlang«,. aber Johann sagt:Nee. ich laß mich nicht reinlegen 3d> weiß, was ich weih."WaS wissen Sie denn?" fragt der KundeVögel kommen auS Eiern, nicht auS Samen!"

Der Anspruchsvolle

Ser Gast vom Dorfe darf bei einem Besuch bei Freunden in der Stadt die Wunder de» Rundfunks genießen, und der Hausherr sagt zu ihm voll Stolz.Run. lann man mehr ver­langen? Da hört man schöne Vorträge, lustige Geschichten, hört Opern und Tanzmusik. Das will man mehr?"Ja." sagt der Gast etwas enttäuscht,aber ich habe doch Seiltänzer so gern."

Die Puppe als Mama

Drei Heine Mädchen unterhalten sich üb« ihre Puppen. Jede will die älteste Puppe haben. Meine Puppe wird Weihnachten acht Sabrs alt, ich hab' sie betonunen, als ich zwei Jahre alt war." Darauf die andere Kleine:Och, meine Puppe bat meine Mutti schon gehabt, die wirr zweiunddreihig Jahre alt. Die Puppe könnte meine Mutter sein."

weiße Burnusse. In der grün-bunten Wildnis des Totenackers, unter dem satten Blau des Himmels wirken diese werße Gestalten in ihrer stumpfen Re- guagslosigkeit und ruitüdidjen Anmut unbeschreib­lich malerisch. E» wäre wie ein Bild der Toten- klage, wenn in der großen Allee das Leben nicht so flutete. Hier sitzen in langen Rethen die Bett­ler, die Blinden, die Verkrüppelten, die Idioten. Aus gelben, braunen und schwarzen, vielfach von Pockennarben und Geschwüren zeristenen Gesich­tern schreit uns das Elend der Menschheit an. Lum- pen und Schmutz, wohin man blickt, und dazwischen wogt der Strom der Kommenden und Gehenden, von den Wagen immer wieder zur Seite und zwi­schen das Gras und die zusamengeworfenen Grab­steine gedrängt. Das ganze arabische Tunis ist unterwegs, um seine Toten zu besuchen. Aber nir­gends sieht man, wie bei uns, Blumen und Kränze,

um die Giober w |d)mu(fcn. Man schieb« sich selbs- blühende Orangen, Nelken oder Jamtmcidjen Gold lack unter den Turban oder Fez, aber für die Toten muß Allah sorgen.

Der Araber häuft Steine auf die Toten und gibt den Lebenden die Blumen. Bielleicht liegt bar. in eine tiefe, gütige Weisheit, von der wir lernen könnten.

Draußen hinter der weißen Friedhofmauer wird es zum Volksfest. Da fitzen die Händler mit den Spielwaren für die Kinder, die Tamburin, Ballon- und Süßigkeitsverkäufer. Die Karussells drehen sich nach lustigen Walzerklängen und bi( Schlangenbeschwörer ziehen ihr lebendiges Hand werkszeug aus den grauen Leinenschläuchen, bie buntgeputzten, lachenden Kinder beherrschen das Feld. Die Toten haben den fälligen Tribut erhal­ten: cs lebe das Leben . . .

(Nachdruck verboten.)

10. Fortsetzung.

Feuer am Nordpol

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Don Karl-August von Lassert.

,.Fragen Sie jetzt den Mann, wo er bas Pla­tinkästchen gelassen hat.'

Längere Zeit bemühte sich Stefanescu mit dem Einbrecher, dann erklärte er:Aus dem Mann ist nichts herausziibringen. Er versteht nur sehr wenig Rumänisch und behauptet, ein Russe zu sein."

Der eintretende Stratoff vernahm die letzten Worte.

,^)allo, ein Landsmann!" rief er.Ueberlaffen Sie mir de» Kerl, ich will chn schon klein kriegen/

Und er begann heftig auf ihn einzureden. Der Russe bat, flehte, weinte. Stratoff wurde immer er regier, geriet schließlich in einen Anfall von Wut, zog seinen Browning aus der Tasche, und ehe einer der Anwesenden zur Besinnung kam, lag der Russe mit durchschossener odjläfe am Boden.

Die alte Frau schrie wie eine Wahnsinnige. (So­fort wurde Stratoff völlig ruhig, steckte die Waffe ein und erklärte:

Der Schuft hat mir gestanden, den Raub voll­führt zu haben. Wollte aber nicht angeben, wo meine Kassette sich befindet. Da packte mich der Zorn, und ich schoß ihn nieder."

Das kann unangenehm für Sie auslaufen", meinte Stefanescu.Die (Berichte werden sich ein­mischen."

Der Mann ist russischer Untertan", sagte Stra­toff.In Sowjetrußland steht die Todesstrafe auf jedem Diebstahl. Ich richtete ihn nach unseren Ge­setzen."

Nun werden wir schwerlich den Anstifter des Raubes herausbekommcn", meinte Sanders.Denn ohne Helfershelfer aus dem Schlosse konnte jener Fremde niemals wißen, daß die Fürstin einen so kostbaren Gegenstand bei sich im Schlafzimmer be­wahrte."

Und es wird viel schwerer fein, den gestoh- lenen Gegenstand zu finden", sagte Stefanescu vor­wurfsvoll.

Sie haben Recht, meine Herren", erklärte Straloff.Ich handelte übereilt. Aber meine Er­regung über den diebischen Hund und über die der armen Fürstin zugefügte Aufregung waren zu groß.

Wir können immer noch hoffen, das Kästchen zu finden", meinte Sanders.Vielleicht ist es dock hier im Hause versteckt."

(Fortsetzung folgt)

Kleine Stube mit weißgekalkten Wänden. Un­zählige schwarze Flecken darauf,die Exkremente der Wanzen, die zu Tausenden den Raum bevölkerten. In der Ecke eine Holzpritsche mit hartem Maisstroh, auf der ein Mann lag, trotz der Hitze mit dem unvermeidlichen Schafpelz zugedeckt unb bas Ge­sicht mit Tüchern umschlungen. Die alte Frau am offenen Herdfeuer ein Stück Mamaliga, bie ru­mänische Maispolenta, röstenb.

Mechanisch hielt Sanbers die Rute in beiden Händen, obgleich er ihre Unwirksamkeit in bewohn­ten Räumen kannte. Die Frau antwortete un­freundlich, warnte davor, sich ihrem Manne zu nähern, der Fleckfieber habe unb boch bald sterben würde.

Gleichwohl trat Sanbers heran. Die Rute zuckte, schlug aus.

Lassen Sie ben Mann ergreifen!" rief er Stefanescu zu.Es ist der Einbrecher!"

Dieser gab bem Jäger Befehl. Doch bie Furcht vor dem verderblichen Flecktyphus, den ein einziger Stich einer Laus mit Sicherheit übertrug, ließ jenen zögern.

Da packte Sanbers zu. Mit einem Ruck zog er ben weißen Pelz herunter, ein zweiter Griff riß dem alten Mann den grauen Dollbart vom Sinn. Ein junges, angstvoll' verzerrtes Gesicht kam zum Vorschein. Der vermeintliche Kranke sprang hoch, fiel auf die Knie unb bat um Gnade. Er trug ein weißes Leinenkleid mit gewickelten Bastschuhen.

Fragen Sie ihn, wo seine Stiefel sind", sagte Sanders.

Der Mann schwor, nie Stiefel besessen zu ha­ben. Auf einen Wink otefanescu zog der Jäger feinen Hirschfänger und hieb unbarmherzig mit der flachen Klinge auf ihn ein. Er schrie unb heulte wie besessen, aber gestand nicht.

Dann muß die Frau heran", befahl Stefa­nescu.

Der Jäger ergriff bie Alte, bie sofort gellend schrie. Ader ohne sich zu besinnen, schlug er auf sie los. Hier half es. Hinter bem Herde brachte sie ein paar Stiefel hervor, schöne, neue russische Iuchten- ftiefel.

Stimmt bie von Ihnen gemessene Fährte? fragte Sanbers.

Stefanescu 30g einen Papierstreifen hervor. Es sind die gleichen Maße", bestätigte er.

Die Jagd beginnt!" rief er zurück.

Raschen Schrittes ging Sanders jetzt ,}u ber Pank, unter der Stefanescu den Schmuck der Für­stin gefunden hatte. Hier nahm er die Rute m beide Hände, blieb einen Augenblick mit gesenkten '.lugen stehen unb schritt dann langsam aber unbeirrt weiter. Er verfolgte einen Weg, der zum 5lulle I)inabging. Dor einem frisch aufgeworfenen Maul­wurfshügel stand er still.

Bitte, messen Sie genau die Länge unb Breite dieses Fußabdrucks", bat er «stefanescu, wah­rend er selber weiterschritt.

Der Park wurde dichter, der Weg verwaschener, schließlich hörte er gastz auf. Sie standen am Ufer der breiten Ialomitza.

Wir müssen hindurch", sagte Sanders.

Man brachte die Pferde, auf denen alle den nldst sehr tiefen, aber reißenden Fluß sicher durch­querten. Drüben sprang Sanders herab. Nach kur­zem Suchen hatte er die Fährte wieder. Jetzt ging es in die Ebene hinein. Stefanescu neben Sanbers. Die übrigen blieben aufgefeffen.

,Lu langsam", stöhnte der Deutsche, dem die ungewohnte Hitze den Atem benahm. Er deutete auf die entfernten Konturen eines weißbläulich schim­mernden Dorfes. Wir wollen schnell dorthin reiten, wo ich die Fährte wiederzufinden hoffe."

Ein frischer Galopp brachte sie in einer Viertel­stunde zur Stelle. Nur die beiden Jäger folgten, die anderen blieben weit zurück.

Der Deutsche sprang 00m Pferde. Doch die Rute wollte nicht spielen, so weit er auch den Ein­gang des Dorfes umschritt.

Rechts seitwärts ein einzelnes Haus. Wieder zu Pferde und im heißen Galopp dorthin. Hier zuckte die Rute.

Sagen Sie den beiden Leuten, daß sie sich schußfertig machen!" schrie Sanbers.Ich glaube, wir haben unser Wild."

Die Jäger nahmen die Büchsen von der Schul­ter und entsicherten. Die Pferde ließ man stehen. Sanders umfchritt bas Gehöft, das von einem ver­fallenen Bretterzaun umfriedigt war. Kein Mensch lieh sich blicken. Er steckie die Rute fort.

Dort drinnen sitzt er."

Die Jäger drangen.vorsichtig ein, gerade als bie übrige Gesellschaft herankam.

Fünf Minuten vergingen. Die Jäger kamen zurück und meldeten: Ein altes Bauernehepaar nur im Hause, der Mann lag krank zu Bett und konnte nicht sprechen. Die Frau wollte keinen Fremden gesehen haben. r ,

Stefanescu befahl, den kleinen verfallenen Stall zu untersuchen, besonders den großen, bort befindlichen Haufen Maisstroh.

Auch hier ohne Resultat.

Ich glaube, Herr Sanbers muß uns weiter helfen", sagte Linda.

Dieser bat, daß nur Stefanescu unb em Jager ihm folgten.____________________________

Sobald die Rute zu drehen beginnt, versinkt die Umwelt vor mir. Dann komme ich mir fast vor wie ein Spürhund. Ich glaube mit der Nase tief am Boden zu gehen. Ich rieche den dumpfen Ge- rud) angstvoll vergossenen Schweißes, denn jeder Verbrecher hat Todesangst und strömt Wolken von Ausdünstung aus. Anders ist meine Empfindung, wenn ich auf Petroleum arbeite. Dann sinke ich in die Erde hinab. Diele hundert Meter tief. Und ich schreite dahin in grauer, duftloser Ferne. Plötz­lich bringt intensiver Delgerud) in meine Nase, bie Rute zuckt und schlägt, und ich erwache aus dem Dämmerzustände um jetzt bei vollem Bewußtsein die Bewegungen meines Hilfsinsttunmentes deuten zu können."

Sie sind ein Zauderer", sagte Linda.Im Mittelalter hätte man Sie verbrannt."

Das geschieht auch jetzt.' Moralisd) versucht man noch heute, jeden Rutengänger zu steinigen oder totzumachcn. Wofür-die Wissenschaft keine ausreichende Erklärung besitzt, das feindet sie an mit fanatischem Haß. So handelt sic auch> fast allen okkulten Phänomenen gegenüber, selbst wenn greifbare Beweise der Wahrheit butzendfach erbracht sind."

Nun, haben Sie etwas Wichtiges gefunden?" ertönte Stratoffs ungeduldige Sitmme.

Sanbers griff zur Rute.

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