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Die Oberwalder.

Roman von AlfredBock.

12. Fortsetzung (Rachdruck verboten.)

Lieben oder acht der angesehendsten Bauern, bi« dein Dorfoberhaupt nicht gewogen waren und hinter dem Margolf nicht zurücksteßen wollten, er­klärten dem Lehrer, sie träten bei.

Der Polenschmied, der der Debatte ein Ende gemacht wissen wollte, sprang auf den Lisch und schrie:

»Dann ihr so weiter Spektakel macht, Rehm ich mein' Plotzkrug Und sag gute Rächt!"

GS hätte de« Zurufs nicht erst bedurft, denn schon stürmten die Burschen herein und -Wangen die Männer, das Feld zu räumen. Rasch wurden Tische und Stuhle herauSgeschafft, und der Tanz­boden war frei. 3n einer Ecke fahlen die Musi­kanten Posto. Die Violine fing zu jubeln an: Lauter Freud' und Herrlichkeit!" Der Brumm­baß aber mahnte:'s wird schon kommen, 's wird schon kommen!" Das Brautpaar führte den Reigen an. dahinter drehte sich alt und jung. Der Lehrer holte die Marie herbei. Dielmal tanzten sie mit­einander: Die Weiber, die rundum auf den Bänken saßen, pisperten:Die zwei sein einig!"

Die Lust war -um Ersticken heiß. In grauen Wolken wirbelte der Staub empor. Um Mitter­nacht geleitete Weilandt die Marie ins Freie hinaus.

Der Regen hatte aufgehört. AuS zerrissenem Gewölk blinkten die Sterne hervor. Auf der Basaltkuppe lag ein seltsamer Schein. Vielleicht, daß die wilden Männer ihr Wesen trieben, viel­leicht. daß droben ein Geldfeuer brannte.

Die jungen Leute schritten den Dach entlang, der vom Regen geschwellt über die Ufer schäumte. Dom Heerhain drang der Duft der Orchideen her­über, die dort in bunter Fülle gediehen.

Weilandt erzählte, welch erfreuliche Wen- düng die Sache der Spar- und DarlehnSkasse genommen, und daß ihr Zustandekommen ge-

.schweiß. Sie haben Ihr Herz drangehangt,' sagte die Marie. ..und Horm mir« denken, wie froh Sie sein. Ich sein aber noch ein wink sorg­lich debei. Daß ein Mensch für den andern wöÄ übrig hat, das geht hier so leicht keinem in den Kopf. Windbald wird's heißen:Der Lehrer is net umsonst bei der Kass'. Der will sein Schäfchen inS Trockne bringen." Gucken Sie, wo Sie's so ehrlich meinen, tät mir daS schrecklich leid!"

Er drückte ihre Hand.

Sei ganz ruhig. Ich sorg vor. Sobald der Wagen im Rollen ist. zieh ich mich zurück. Auch wenn mir meine Behörde die Erlaubnis gäb, ich nähm kein Kassenamt an."

Sie atmete auf. Sie hatte sich schon G^ankcn gemacht, daß ihm aus seinem selbstlosen Tun Un­dank und Verdruß erwüchsen.

Lustig wie eine Bachstelze trippelte sic neben ihm her.

Gelt, du möchtst noch einmal tanzen?" fragte er.

Ia, ein' Schleifer," lachte sie.Rix für ungut. Herr Lehrer, wo haben Sie dann den auf einmal so gut gelernt T

Er legte den Arm um ihren Hals.

Das war gar nicht so einfach. Marie. Weißt du's noch? Auf der Kirmes vorm Iahr hab ich nur Polka gekonnt. Und die noch schlecht. Daß ich beim Walzer zugucken muht, war mir sehr arg. Und nahm mrr's vor. ein andermal wollt ich besser vor dir bestehen. Run lieh ich mir den Tanz­lehrer Spruck aus Lauterbach kommen. Der bracht mir den Walzer bei. Und statt seiner Geige hat er zu meinem Solo gepfiffen. Daß niemand was merkte, haben wir die Vorhänge im Schulhaus heruntergclassen. Die MatternSlene ist aber doch dahinter gekommen. Und ist ein paar Tage ganz scheu um mich herumgegangen. Ich glaub, sie hat mich für narrig gehalten."

Der- Marie hüpfte das Herz vor Freude.

Das haben Sie für mich getan?"

Ia!" sagte er warm.Und tät's gleich noch einmal."

's gedenkt mir," plauderte sie glücfTclig,wie der Schulinspektor Sie bei uns erngesühtt hat. Und wie ich Sic alSfort hab angucken müssen. Sellemal sein ich ganz verzwergelt gewest. Die SelzerSlina hat Ihnen als die Hefte hinauf­

tragen dürfen. ^5ch hält chr demwegen htc Augen auSkratzen mögen. Und mocht doch nir sagen. Und könnt mir net ander« helfen, daß ich Ihnen manchmal heimlich Blumen durchs Fenster in Ihre Etub werfen tat. Don wem die waren, das haben Sie nie net gewußt."

zog sie fester an sich.

Du Rärrchen. freilich hab ich'S gewußt. Aber ich war murremausstill. Guck. Marie, du warst noch ein halbe« Kind. Und warst mir heilig Ab­stand muht sein zwischen dir und mir. Sonst wär ich ein trauriger Lehrer gewesen. Ietzt kann ich dir'S ja sagen. Am liebsten wär ich immer vorn wo dein Platz war. stehen geblieben. Und deine Augen sind mir nach gegangen. Wie du nun gröber und größer wurd'st. hab ich bei mir ge­dacht: .Sie soil's einmal sein! Und was ich am Tag gedacht hab, hab ich nachts geträumt. Dann bist du aus der Schule gekommen . Und ich hab gemeint, wir müßten's reifen lassen. Denn was nicht reifen kann, hat keinen Bestand. Heut wissen wir. wie wir miteinander stehen. Sag selbst, war's nicht am besten so?"

Ia", wisperte sie,'s war am besten so."

Er hörte, wie daS Herz ihr pochte. Und neigte sich zu ihr. Und ihre Lippen fanden sich im ersten Kuh.

Der Himmel begann sich im Osten zu röten, als Weilandt in das Schulhaus trat. Er legte sich nicht mehr nieder, sondern wanderte in seinem Zimmer auf und ab. Der Abglanz köstlicher Stunden lag auf feinem Gesicht. Vieles hatte er mit der Marie beredet. Es war ein voller Ein­klang gewesen. Dor allem darin, daß sie fest zusammenhalten und ihr Glück verteidigen woll­ten. Dem Peter Margolf würde der arme Schul­meister als Eidam nicht passen. Darüber gaben sie sich keiner Täuschung hin. Gerade darum wollte Weilandt zeigen, daß er auf eigenen Füßen stand. Sie Regierung, hieß eS. bereitete einen Gesetz­entwurf vor, der den Volksschullehrern eine Ge­haltsaufbesserung in Aussicht stellte. Ser Vor­stand d?S Lehrervereins hatte mit den Abgeord­neten bereits Fühlung genommen. Ging, woran nicht zu zweifeln war. die Vorlage durch, konnte es Weilandt mit gutem Gewissen wagen, einen Hausstand zu gründen. Sie waren beide noch jung, und das Warten verschlug ihnen nichts.

Weilandt öffnete das Fenster. Hinter km» Geiselstein kam die Sonne herauf und überstrahlt» Heide und Wald. DaS melodische Flöten der Am­seln erfüllte die Lust, liebet dem Steinkopf kreiste ein Häherpaar.

Er umfing daS LandschaflSbild mit Auge und Seele. Hier hatte er sein Zelt aufgeschlagen, unk er gedachte es sobald nicht abzubrechen. Schal­ten und Licht hatte er unter Den Kindern bei Vogelsbergs gefunden. Mehr Schatten wie Licht- AbeV doch auch Licht. Ging nicht ein Leuchten von dem lieben Mädchen aus. dem er sich für immci verbunden? Und ruhten nicht tausend Keime in ihr, die der Blüte harrten? In ihr verkörperte sich ihm das Volk, dem er Helfer und Führer sein wollte. Ein paar Wochen weiter, und die Spar- und DarlehnSkasse wurde zur Wirklichkeit. Somit war der erste Schritt getan, die Kluft zwischen den Großen und Kleinen auszufüllen. Aber cs war noch mehr zu tun Saß Bildung und Gesittung hier oben Wurzel schlügen, durfte kein leeres Traumbild bleiben Freilich, den Aberglauben und die Unwissenheit zu bekämpfen, dazu brauchte es Geduld und Opferwilligkeit. Eine reich auSgestattete Biblio­thek. Vorträge und UnterhalttlngSabendc schweb­ten ihm vor. Ein Programm, so groß, ein Leben damit auszufüllen. Bauen wollte er, nicht nieder' reißen. Das Volk verstehen und lieben lernet daS war doch das Höchste!

vr.

Sic Gründung der Spar» und DarlehnSkassS war in einer gut besuchten Generalversammlung zum Beschluß erhoben worden. Vorstand und Aufsichtsrat wurden nach der Liste gewählt, die der Lehrer auf gestellt hatte. Rachdem die Tagest vrdnung erledigt war. sprachen die meisten sich dahin aus. daß man das Ereignis feiern müsse. Der Ritterwirt sorgte für die nötigen Getränke, und ein fröhliches Zechen Hub an. Der IöckelS- Heinrich, der als Direktor zeichnen sollte, sagte im Einverständnis mit feinen Dorstandskollegen zum Krämer stark:Du seist in Gefchäftssachen auSgeeckt. weiht, was debei im Spiel liegt, tust's ja auch net für eine faule Ruh. Mach'S. wies recht is und ruf uns net so oft zusammen. Dahezu haben wir keine Zeit."

(Fortsetzung folgt)

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Wir bitten, beim Einkauf vonSchwan im Blauband das farbig illastr. FamilienblattDie Blauband- Woche gratis zu verlangen.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 1. Iuli 1924 bis 31. Ianuar 1925 haben sich in unseren Straßenbahnwagen nachstehende Gegen­stände vorgefunden:

10 Spazierstöcke, 3 Samenschirme,

2 Herrenschirme, 1 Kragenschoner,

6 PaarHandfchuhe,4einzelneHandfchuhe, 1 Zigarettenspitze, 1 Kinderperlerine,

1 Hut, 1 Kindermühe, 1 Kneifer,

1 Handtasche, 1 Hutschachtel, 1 Schlüssel und 1 Küchenmesser.

Sie vorbezeichneten Gegenstände können bei der unterzeichneten Derwaltung Zim­mer Rr. 3 in Empfang genommen werden.

Gießen, den 2. März 1925.

Elektrizitätswerk, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen.

__________________61 o 11 e.___________2287c

Arbeitsvergebung.

Für den Reubau einer Lagerhalle auf der Margarethenhütte sollen nach, stehende Arbeiten öffentlich vergeben werden:

1. Erd» und Maurerarbeiten

2. Zimmerarbeiten

3. Dachdeckerarbeiten

4. Epenglcrarbeiten

5. Schreinerarbeiten

6. Schlofferarbeiten

7. Trägerlieferung.

Eröffnungstermin der Angebote am Donnerstag, dem 12. März 1925, bot* mittags 10 Uhr. Zuschlagsirist 3 Wochen.

Gießen, den 3. März 1925.

Stadtbauamt: Braubach. 23048

Beteiligung Suche mich mit 10-15000 Mark an fol. Unternehmen zu beteiligen. Lebensmittel, brauche bevorzugt.

Schriftliche Angebote unter Nr. 2288 D an den Gießener Anzeiger erbeten.

Donnerstag, den 12. März 1925 FafelMarkt Wie Meine-ii. MlMMkl in Butzbach mit einer Men-MW wirsebaflS- tnmmcr für die Provinz Oberbesfcn.

Grohe Prämiierung

von weiblichen Tieren der Simmentaler und Pogelobergcr Rasse (Stäbe und Rinder über 1 Jabtt. Anmeldungen zur Prä- intierung der weiblichen Tiere sind bis einschließlich 7. März an daö Landwirt- fchafisann Butzbach unter Angabe von Raffe, Alter und möglichst von Herdbuch» und Jungvieh-Nummer <u richten.

Ter Auftrieb der Tiere

findet vormittags von 78 Ubr statt.

Nachmittags 2 Uhr: 2307D Reichhaltige Verlosung Vorgesehen sind 375 Ketviune. darunter 10 Rinder, 25 Schweine. 5 Stämme Raffe» Hübner, HanSbaltungS- und Einrichtungs­gegenstände, sowie landwtrtschaftl. Geräte. Die Gewinne sind am Markttage in der Turnballe ausgestellt. Haupwerrrieb der Lose durch

8. ploch, Butzbach, Wetzlarer Str. 26.

Bekanntmachung.

Die Wahlakten über die heute erfolgte Wahl des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde Gießen liegen während dem 4., 5. und 6. März 1925 In der Woh­nung des Unterzeichneten zur Einsicht der Beteiligten offen. 2282D

Gießen, den 1. März 1925.

Der Wahlkommiffar:

Adolf Baer

Nutzhchsubmisfion.

Aus den Waldungen der Gemeinde Albach soll folgendes Holz auf dem <3ub- mifsionswege verkauft werden.

a) Eichen-Stämme:

3. Klaffe 2 Stück 2,38 Fstm.

4.10 = 5,41

5.31 = 13,26

6. 39 9,90

b) F ichten- Stämme:

3. Klaffe 1 Stück = 0,82 Fstm.

4. , 5 = 4,34

5a- 32 = 21,11

5b- 122 = 35,50

Sie Angebote sind nach Sortimenten und Klaffen getrennt bis zum Dienstag, dem 10. März, nachmittags 3 Ahr, an unkerzeichneteBürgermeisterei einzureichen, wo in Gegenwatt der anwesenden Bieter die Oeffnung erfolgt. Das Holz ist mit Rinde gerncffen und wird auf Verlangen vorgezeigt. Die Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben.

Albach. den 2. März 1925.

Hessische Bürgermeisterei Albach.

__Arnold._______22181)

Holzsubmission.

Aus den Waldungen der Gemeinde Keffelbach soll nachstehendes Rutzholz auf dem Submissionswege am Montag, dem 9. März, nachmittags 4 Ahr, ver­kauft werden.

1. Kiekern-Stämme:

3. Kl. 4 Stück mit 3,26 Fstm.

4. 17 12,34

5. 85 39,82

2. Fichten-Stämme:

2. Kl. 1 Stück mit 1,91 Fstm. (dürr)

3. 4 7,11

4. . 22 . 21,49

5a- 80 48,42

5b- 204 61,14

Keffelbach, den 3. März 1925.

Hessische Bürgermeisterei.

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Bekanntmachung.

Der durchberatene Voranschlag der Gemeinde Keffelbach für das Rj. 1925 liegt vom 4. biS einschließlich 10.1. M., zur Einsicht der Intereffenten auf hiesiger Bürgermeisterei offen, woselbst Erhebung von Einwendungen schriftlich einzureichen sind. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.

Keffelbach, den 3. März 1925. Hessische Bürgermeisterei.

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