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M. 53 swettes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 4. Marz 1925

3um Steuerüberleitungs-Gesetz. Don Hermann Will. Steuersyndikus und Leiter der Duchführungs- und Steuerberatungs- stelle der Handelskammer in Tiehen.

3n diesen Tagen beginnen allgemein die Arbeiten -um Abschluß der Geschäftsbücher zwecks Ausstellung der Bilanz für den 31. Dezember 1924. Zum erstenmal seit Jahren kann dec Kauf­mann eine Bilanz abschliehen, die ihm geigt, ob ihm daS vergangene Jahr Gewinn oder Der- lust gebracht hat. Meist ist dieses Resultat das einzige, was den Kaufmann interessiert, obgleich gerade daS Jahr 1924 kein Mahstab dafür sein kann, ob daS Geschäft an sich rentabel ist, denn daS Resultat ob Gewinn erzielt wurde oder ein Derlust eingetreten ist hängt ursächlich mit den Zahlen der Goldmark-Eröffnungsbilanz zusammen. Die Frage, ob es jedoch ratsam ist, die Bilanz endgültig aufzustellen und die Ge­schäftsbücher abzuschließen. ist nach meinem Da­fürhalten zu verneinen. Die kommenden Gesetze find erst abzuwarten. Rach dem vorliegenden BermögenSsteuer-Sntwur, soll eine Reuveran­lagung zur Vermögenssteuer erfolgen. Es toirb also der Fall eintreten, dah das Betriebsver­mögen der Bilanz umgewertet werden muh. Die Spannung zwischen dem Anfangsvermögen 1924 und dem Endvermögen 1924 ist nach dem Steuer- überleitungsgefetz für die Einkommensteuer von beachtenswerter Bedeutung.

Das Steuerüberleitungsgesetz stellt die Brücke dar zwischen der bisherigen summarischen Er­hebung der Vorauszahlungen an Einkommen- und Körperschaftssteuer auf Grund der zweiten Steuernotvervrdnung und dem endgültigen neuen Einkpmmen- und Körperschaftssteuergeseh. Es wird hier der Versuch gemacht, die Einkommen- und Körperschaftssteuer auf dem Wege der Ge­setzgebung wieder in geordnete Bahnen über­zuleiten. Aus grundsätzlichen Erwägungen wird der Referenten-Entwurf jedoch von verschiedenen Spitzenverbänden abgelehnt, so z. D. vom deut­schen Handelstag und vom Steuerausschuh des Verbandes deutscher Bücherrevisoren e. D.. Leip­zig. Rach den Ausführungen des zuletzt genann­ten Verbandes ist der Entwurf auf Gedanken aufgebaut, die mit den bewährten Grundsätzen der Steuerpolitik und der Steuergerechtigkeit im diametralen Gegensatz stehen und deren prak­tische Auswirkungen auf das ohnehin schon schwer geschädigte Wirtschaftsleben von unheilvollem Einfluß sein müssen.

Die erste regelmäßige Veranlagung für die Einkommen- und Körperschaftssteuer soll nach dem Entwurf erst in der zweiten Hälfte bzw. nach Ablauf des Jahres 1925 vorgenommen wer­den. Dem gegenüber muh nach wie vor auf der Forderung beharrt werden, dah die Veranlagung auch für das Jahr 1924 durchgeführt wird. Die Veranlagung für 1924 muh erfolgen, nicht nur weil sie dem Steuerpflichtigen versprochen wor­den ist, sondern auch weil sie aus steuerpolitischen Gründen unbedingt notwendig ist. Löst die Re­gierung ihr Versprechen nicht ein. erfolgt keine Abrechnung für 1924 mit dem einzelnen Steuer­pflichtigen. dann bleiben alle die Unbilligkeiten, Ungerechtigkeiten und Härten in Geltung, die das Dorauszahlungssystem für 1924 mit sich ge­bracht hat. Das muh sich unheilvoll auf die Steuermoral des großen Publikums auswirken, und das kann nicht, was doch wohl unbedingt notwendig ist, daS Vertrauen des Steuerpflich­tigen gegenüber dem Steuerfiskus heben. Aus diesen allgemeinen Gründen ist die nachträgliche Veranlagung für 1924 unbedingt geboten, auch wenn dmnit eine erhebliche Mehrarbeit für die Finanzbehörden verbunden sein sollte. Das, was nach dem Referenten-Entwurf als sogenannte vereinfachte Veranlagung" vorgesehen ist. ist tatsächlich keine Veranlagung, denn sie erfolgt auf Grundlage von sogenannten Merkmalen für die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen, die die Finanzbehörden in Stand sehen, die Steuer­fähigkeit des Einzelnen nach Belieben zu be­messen. Damit ist der steuerlichen Willkür Tür und Tor geöffnet, ein älebelstand, der mit einer

regelmäßigen Veranlagung nichts mehr gemein hat. Die Veranlagung muh so erfolgen, daß jeder einzelne Steuerpflichtige weiß, wreviel er zu bezahlen hatte, wieviel er demzufolge zu wenig oder zu viel bezahlt hat. Hat er yi viel bezahlt, so muß ihm £ie Differenz zuruckgezahlt oder anderweitig verrechnet werden, trabet sind alle Beträge, die der Steuerpflichtige über sein Soll hinausgezahlt hat. ihm zurückzuzahlen bzw. zu verrechnen, mit Einschluß von Zinsen in Höhe den Zinssatzes, den der Steuerfiskus in der be­treffenden Zeit gefordert hat. Hat der Steuer­pflichtige zu wenig gezahlt, dann ist es nur recht und billig, wenn er gezwungen wird, die Diffe­renz nachzuzahlen. Rur durch eine solche klare Abrechnung für 1924 kommt man zu einer festen Grundlage für die Zukunft und zu einem Maß­stab für die im Jahre 1925 zu leistenden Zah­lungen.

Richt haltbar ist die Bestimmung, wonach im allgemeinen Beträge unter 500 Rm. nicht erstattet bzw. nachzuzahlen sind. Abgesehen da­von. dah 500 Rm. heute auch für größere Be­triebe einen ansehnlichen Betrag darstellen, ist eine restlose Verrechnung und demgemäß eine Rückzahlung bzw. Rachzahlung auch tfeinerer Be­träge notwendig.

Die § 2 und 6 des E. wurfes geben dem Begriff der steuerlichen Leistungsfähigkeit einen ganz besonderen und neuartigen Inhalt. Die Merkmale, die dort für die Steuerfähigkeit bet Einkommen- und Körperschaftssteuer angegeben werden, haben mit einer Einkommensteuer absolut gar nichts mehr zu tun. Auch wenn unterstellt wird, daß auf die außerordentlichen Verhältnisse des Jahres 1924 für Staats- und Dollswir: schäft besondere Rücksicht zu nehmen ist, so ist es doch nicht angängig, für die Einkommensteuer das Vermögen, den Umfang der Dermögenserhaltung, die Lebensführung oder die Stellung im Wirt­schaftsleben mit als Grundlage dienen zu lassen. Eine Eitttornmensteuer kann sich nur nach dem tatsächlichen Einkommen richten, und zwar Ein­kommen im Sinne der Quellen-Theorie. Die sonstigen Merkmale werden bei der Steuerfähig­keit des Einzelnen hinsichtlich sonstiger Steuern zu berücksichtigen sein, sie können aber nicht als Maßstab dienen für die Einkommensteuer. Wenn schließlich im § 6 Abs. 2 festgelegt wird, daß ein Anspruch auf Herabsetzung der Ablö­sungsbeträge auch dann noch nicht gegeben wird, wenn ein Derlust für das Jahr 1924 vorhanden ist, fo liegt hier eine Bestimmung vor. die schon zur Genüge durch die BezeichnungEin­kommensteuer vom Derlust" ad absurdum geführt worden ist.

Eine kl're Rechtsgrundlage schafft der Re­ferenten-Entwurf nicht. Auch schon bei der lieber» leitung muß die Rechtsgrundlage für die Ein­kommen- und Körperschaftssteuer bestimmt und klar fein, so daß jeder einzelne Steuerpflichtige weih, welche Rechte und Pflichten er hat. Der Referenten-Entwurf ist außerordentlich unüber» sichtlich und unklar, schon allein dadurch, daß sehr oft auf andere Bestimmungen. Verordnungen und Gesetze Bezug genommen wird. Auch die Steuergesehe müssen so abgefaßt werden, daß sie vom großen Publikum verstanden werden können. Unter allen Umständen muß aber die Rechts­lage insofern klar festliegen, daß sie nicht durch Bestimmungen der Finanzbehörden irgendwie verwischt werden kann. Schon aus diesem Grunde sind die zahlreichen Bestimmungen des Gesetzes abzulehnen, in denen der Reichsfinanzminister bzw. die Finanzämter ermächtigt werden, von den durch das Gesetz feftgelegten Rormen abzu­weichen.

Schließlich muß auch bezüglich des Ueber» leitungsgesehes verlangt werden, daß wieder das regelmäßige Rechtsmittelverfahren in Kraft tritt. Cs läßt sich kein Grund einsehen, warum hier von dem regelmäßigen Rechtsmittelzug Abstand genommen und teilweise nur das Deschwerdever- fahren zugelasfen werden soll.

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

(Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw., sind zu richten in die Schach­redaktion desGießener Anzeigers".) Problem Nr. 1.

Don Georg Ehocholvus in Prag. Bearbeitet von W. O r b a ch. Don Georg ChocholouS in Prag. Wiener Gambit.

Schwarz.

8

6

5

4

7

3

2

1

a

b

8

h

8

7

6

5

4

3

2

1

c d e f Weitz.

Matt in 2 Zügen.

a b c d e f g h

Partie Nr. I.

Für die nachfolgende interessante und lehr­reiche Partie erhielt der Führer der schwarzen Steine den Schönheitspreis zuerkannt.

Gespielt im Turnier um die Meisterschaft der Stadt Frankfurt am Main.

Wiener Gambit..

Weih: Unger Schwarz: Orbach.

1. e2-e4

2. Sbl -c3

3. f2 f4

4. f4Xe5

5. Sgl -f3

6. d2d3.

6.....

1. e7-e5

2. Sg8-f6

3. d7-d5

4. Sf6xe4

5. Sc8 - c6 Besser ist an dieser Stelle d4. * I 6. Se4xc3

7. b2xc3 | 7. d5 d41

Sehr gut gespielt, hierdurch wird der Dauer

e5 isoliert.

8. c3xd4. Am besten, denn auf Lb2 würde Lc5f die schwarze Position noch verstärken.

8..... | 8. Sc6xd4

9. c2c3. Schlecht wäre hier toieber Lb2, wegen Lc5! oder

9. Sd4:. Dd4: wie leicht ersichtlich mit Dauern­gewinn.

9. . . I 9. Sd4xf34-

10. Ddlxß |10. Lc8-e6!

Ein interessantes Bauernopfer, das, tote die Folge lehrt, vollständig korrekt ist. und daS darauf hinzielt. die weihe Entwicklung zu hemmen.

11. Df3xb7 111. Le6-e=-

12. Db7-b2. Es drohte Dh4+!

12..... 112. Lf8-c7

Mit derselben Drohung.

13. Lcl-e3 1 13. Ta8-b8

14. Db2-c2 14.0-0

15 c3c4. Hierauf verliert Weih Zwangsläufig die Partie, aber auch nach anderen Zügen war die weihe Partie verloren.

15..... 115. Le7-h44-

16. Le3-f2 i 16. Dd8-g5!I

Dor diesem starken Damenzuge bekam Weih eine solche Angst, daß er den schwächsten Gegenzug fand: natürlich führte jeder andere Zug auch zum Derlust, z.B. 17. cd4: De54-, 18. De2, Dal-f-, 19. Kd2, Tb2 und gewonnen oder 17.....De5+, 18. Kd2, Dal und ge­

wonnen, oder 17. Lh4:, De5-f- K. D oder L beliebig. 18. Dal: droht immer Tb2 ober Tbl und gewonnen, oder endlich 17. Dc2, Tfe8, und Weih wird wegen der eingemauerten KönigS- stellung den Derlust nicht abwenden können.

17. Tal-dl 117. Dg5-e3 +

18. Dc2-e2 | 18. Lh4xf2T-

Eine drollige Mattstellung.

AuS der Schachtoell.

Am 7. Februar gab der frühere Schachtoell« meister Dr. Lasker im Ca rl t 0 n -H 01 e l zu Frankfurt a. M. eine Simultanvorstellung gegen 21 Gegner. Resultat: 13+. 2, 6,=. Die Vor­stellung dauerte ungefähr 7 Stunden. Dr. LaSker scheint an dem Tage, nicht ganz auf der Höhe ae wesen zu fein, sonst liehe sich das schwache Re­sultat nicht erklären. Wir werden gelegentlich eine Partie aus dieser Vorstellung bringen.

Am 5. Februar fpieltc Schachmeister Joh­ne r in der Freien Schachvereinigung Frankfurt 24 Simultanpartien: er gewinn 14 Partien, ver­lor 6 und machte 4 Partien remis.

Technik und Aesthelik der grc-phischen Künste.

Dortrag von Professor Hamann (Marburg) im Oberhesfischen Kunstverein.

Am Samstag abend sprach Professor Ha- mann- Marburg über die Technik und Aesthetik der graphischen Künste. Eingangs zeigte der Redner den technischen Unterschied zwischen Hoch- und Tiefdruck, speziell zwischen Holzschnitt und Kupferstich auf. Durch die besondere Struktur des Holzes und des Kupfers ist eine besondere Technik des Schnittes und durch diese eine be­sondere Wirkung des fertigen Bildes bedingt. Während der Holzschnitt auf einfachere Wir­kungen von Hell und Dunkel und auf gröbere Linien angewiesen bleibt, hat der Kupferstich viel weitere Möglichkeiten in der Behandlung von Licht und Schatten. So stehen strengeren Wirkungen des weichen Holzes weichere Aus­drucksmöglichkeiten des härteren Kupfers gegen­über.

Die Eindeutigkeit einer im Hochdruck her- gestellten Linie und die Variabllität des Sief- druckstriches brachte den Redner auf die Aesthe- t i k der Graphik. An Hand von wertvollem Illu­

strationsmaterial zeigte er die verschiedene An­wendung der Techniken im Buchornament, an Bildern von Holbein, Rembrandt und Sürer (neben anderen) erläuterte er das Temperament der Linie und die verschiedenartige Intensllät des Striches. Verschiedenartige Motive verlangen verschiedenartige Behandlung. ES gibt Vorlagen, die sich lediglich für den härteren Holzschnitt mit seiner geraden, sachlichen Art eignen, anher4 wieder verlangen subtilere Behandlung im Spiel des Lichtes und im Schwung der Linie, hier tritt der Kupferstich oder feine Variante, die Radie­rung in ihre Rechte.

Besonders stark herrscht die ßinle in der Karikatur. Hier ist ihre Intensität aufs höchste gespannt: mit stärkster Konzentration und Abstrahierung von allem Unwesentlichen wird ein einzelner Zug herausgestellt, der der ganzen Zeichnung ihren besonderen Charakter gibt.

Reben der Linie hat die Fläche in bet Reklamezeichnung besonderen Wert. Auch hier ist Abstraktion vom Unwesentlichen und Konzentration auf ein Wesentliches Hauptb^in» gung für die Wirkung.

Der Vortrag wurde durch den ersten Don fitzenden des Ober-hessischen Kunstvereins, Land«

400 Jahre Kokain.

Die Kokainseuche ist nach dem Welt­kriege in allen Kulturzentren, nicht nur bei uns, sondern nicht minder stark in Amerika und Frankreich, als ein Laster hervorgetreten, das die erschlafften Rerven aufpeitschen sollte. Damit lebt eine Form der Selbstvergiftung toieber auf, die vor vielen Hunderten von Jahren in der Heimat der Kokapflanze üblich war und längst abgetan schien.

Es tst fast 400 Jahre her, daß Abendländer die wundersamen Wirkungen dieses Rauschgiftes zuerst kennen lernten. Der spanische Eroberer Pizarro wurde 1532 in Südamerika mit dem Strauch Eythrokylon coca bekannt, dessen Blätter von den Eingeborenen allgemein getaut und verehrt wurden. Der Strauch wurde als ein Geschenk der Götter gepriesen, und man sagte von ihm, daß er die Hungrigen sättige, den Müden neue Kräfte verleihe unb bic Un­glücklichen ihren Kummer vergessen lasse. Mit Kota im Munde brachte man den Göttern die Opfer dar, verrichtete die Gebete, gab sie den Toten mit ins Grab unb verbrannte der Gott­heit zu Ehren die wundertätigen Blätter. Die Pflanze blieb bann lange unbeachtet, bis 1855 © ä b t e aus ihr das Kokain isolierte unb es 1860 in dem Göttin gischen Laboratorium von Wöhler rein gewonnen wurde. Alexan­der von Humboldt hatte in der Schilde­rung seiner südamerikanischen Reisen zuerst wie­der aus die Pflanze hingewiesen, und sie wurde 1864 von Lossen genauer untersucht.

Die Gefährlichkeit des Kokains war aber schon vor mehreren Jahrhunderten festge­stellt worden, und in der Heilkunde hat man es durch die weit weniger giftigen Präparate Rovokain und in neuester Zeit Tutokain und Psikain ersetzt. Der Kokaverbrauch ist noch heute in Südamerika sehr groß; in Peru unb Bolivien sollen jährlich allein etwa 16

Millionen Kilo der Blätter genossen werden. Die Folgen des Koka-Kauens zeigen sich in körperlichem Verfall, in glanzlosen Augen, in stumpfem Gesichtsausdruck, in verworrenem We­sen unb nicht selten stellt sich zuletzt Ver­blödung ein. Die durch das Kokain ausge­lösten Visionen hat Tfchudi beschrieben: sie zeigen sichin unbeschreiblich schönen unb wonnigen Gestalten, halb aber in grauenhaften Bildern". Die Verbreitung der Seuche in Europa wurde gefördert durch die Verbindung mit dem Mor­phinismus und durch die besondere Art des Genusses in derP r i s e". dem Schnuren. (Heuer- Dings hat man Kokain auch bet Rennpferden verwendet, um ihre Leistungsfähigteit dadurch vorübergehend künstlich zu steigern. Während die medizinische Verwendung des Kokains dauernd zurückgeht, ist der Verbrauch zu Genutzzwecken sehr gestiegen.

Die neuesten Modelänze.

Eine Versammlung der Tanzlehrer der Welt in Paris hat den vier neuen Tänzen, die in der nächsten Saison die Mode des Dall- saals beherrschen sollen, ans Licht der Well geholfen. Siele choreographischen Wunder, die dem sachverständigen Areopag vorgeführt wur­den und seine Zustimmung erlangten, sind der CarytiS. der Francescas, der Gallop und der M a z u r e e. Man hofft mit diesen Tänzendie nervösen Tollheiten des Iazzwah- nes" endgüllig zu vertreiben. Die Tänze sind auf den bekannten Formen der Fran^aise, des Galopps und der Mazurka aufgebaut, haben aber durch Gleitschritte, Pausierungen unb offene Tou­ren vielfache Veränderungen erfahren und sind auch in der Rhythmik moderner gestaltet. Man rühmt ihnenmehr Ausdruck, mehr Ordnung und mehr Schönhell" nach, unb sie sind unver­kennbar eine Rückkehr zu den Grundformen des Tanzes, der auf harmonischer Haltung und Be­wegung fußt

Im Übrigen wurde auf diesem Tanzlehrer­kongreß mit der heute üblichen Art des Tanzens sehr streng ins Gericht gegangen. Eine Dame, Henriette Regnier, bleit einen Vortrag, in­dem sie dasTierische" der jüngsten Tanz- mode aus der Herkunft dieser Körperbewegun­gen abzulellen suchte.Die modernen Tänze," erklärte sie,stammen von der Haltung und den Bewegungen der Tiere her, hauptsächlich des Bären, des Fuchses und des Kaninchens. Auch der Truthahn unb das Kamel finb in ihrer zweifelhaften Anmut bemüht worden. um der mangelnden Tanzphantasie des Menschen aufzuhelfen. Da aber der Tanz die Schönhell der Bewegung unb die Wissenschaft vom Gleich­gewicht verkörpern soll, dürfen wir nicht die Bewegungen der Tiere nachahmen, sondern müssen dem Menschen sein Menschentum zurück­geben! Der Tanz der letzten Jahre war nur ein Herumschlenbern. bei dem die Frau gezwungen wurde, alle möglichen lächerlichen Stellungen ein­zunehmen." So unrecht hat die Dame nicht, unb wir können mit einiger Spannung auf bie kom­menden Tänze sehen.

Jntelligenzstntiftik der Völker.

Wie derCorriera della Sera" aus ßonbon meldet, hat Der Assistent am psychologischen In­stitut der Universllät Princetown Karl Drig- h a m der Akademie der Wissenschaften in R e u -- York eine Arbeit überreicht, in der b:e einzelnen Rassen auf ihre Intelligenz hin geprüft werden. Die Arbeit basiert auf nicht weniger als 116000 Versuchen, bie Drigham während des Krieges mit Angehörigen der amerikanischen Armee unternahm, und zwar nut 81030 jungen Amerikanern. 12 000 Weißen anderer Abstam­mung unb 23 000 Regern. Auf Grund dieser Experimente hat Drigham eine Tabelle angelegt, die die Rationen nach ihrer Intelligenz ordnet.

Wenn man dieser Tabelle glauben darf, sind die Engländer das intelligenteste Volk. Dann

folgen die Schollen, die Holländer, die Deut­sch en (also an vierter Stelle), die Amerikaner, die Dänen, die Kanadier, die Schweden, bic Norweger, die Belgier, die 3rlänber. An zwölfter Stelle folgen die Oesterreicher, ihnen stehen die Türken an Intelligenz nur eine Stufe nach. Den Reigen der Rationen schließen die Griechen, die Russen, die Italiener (an drillletzter Stelle), die Polen unb schließlich die Reger in Amerika. Die Intelligenzprüfung des Gelehrten bezog sich allerdings nur auf Die natürliche Intelligenz. Auf Erziehungsresultate wurde nicht Rücksicht genommmen.

Londoner Gelehrte, Die von englischen Blät­tern gebeten wurden, zu dieser sonderbaren Rang­ordnung Stellung zu nehmen, behaupten im allgemeinen, es sei unmöglich, die Rationen als solche zu qualifizieren, ohne auf die viel« fachen Vermischungen der Völler unter« einander Rücksicht zu nehmen. Trotzdem gehe aus den Forschungen Drighams klar hervor, daß die nordische Rasse der alpinen und der mittelländischen überlegen sei.

Sven Hedins Dank.

Dr. Sven Hedin. Stockholm, hat zu seinem 60. Geburtstag am 19. Februar eine solche Flut von Glückwunschschreiben, insbesondere aui Deutschland, erhalten, Daß es ihm ganz unmöglich ist. jedem einzelnen, wie er möchte, seinen herz­lichen Dank persönlich zum Ausdruck zu bringen Auch eine große Reihe Universitäten, Geographi­scher Gesellschaften, Qllabemien und anderer Kör­perschaften haben sich mit Glückwünschen einge- funbeiL Die überraschend große Teilnahme des deutschen Dolles an der Feier seines Geburtstags hat Sven Hedin zu feiner Freude von neuem bewieien. wie hoch seine Lebensarbeit gerate in Deutschland geschätzt wird. Er hat gebeten, seinen wärmsten Dank für alle ihm zugegangener Glückwünsche unb Ehrungen nur auf diesem Weg« zum Ausbruck bringen zu Dürfen.

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