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Dom Provinzialausschutz.

In der jüngsten öffentlichen Sitzung des Pro» o i n z i a l a u ss ch u s s c s der Provinz Oberhessen wurden folgende Angelegenheiten verhandelt:

Gesuch des Hermann S i l l m a n n in Mittel- Seemen (Kreis Schotten) um Erlaubnis zum Betriebe einer G a st w i r t s ch a f t. Dem Hermann Sillmann war, obwohl der Gemeinderat zu Mittel- Seemen mit fünf gegen vier Stimmen die Bedürf­nisfrage verneint hatte, am 11. Juli 1925 durch den Kreisausschuft des Kreises Schotten das Gesuch zum Betrieb einer Gastwirtschaft in der Gemeinde Mittel-Seemen genehmigt morden. Am 23. Juli 1925 verfolgten fünf Gemcinderatsmitglieder selb­ständig, ohne daft ein Beschluß des gesamten Ge- meinderats ordnungsmäßig zustande gekommen war, Berufung gegen den Beschluß des Kreisausschusses mit dem Antrag, den Kretsausschuhbeschluß aufzu- heben und dem Gesuchsteller die Wirtschaftskonzes- sion zu versagen. Der Provinzialausschuß wies die Berufung der fünf Gemeinderatsmitglieder als un­zulässig ab, da die Berufungskläger zur Durch­führung des Verfahrens aktiv nicht legitimiert waren.'Mit den Kosten des Verfahrens wurden die Berufungskläger belastet.

Antrag des K r e i s a m t e Gießen auf Ent­ziehung des dem Wilhelm Müller zu Gro- ßen-Linden erteilten Führerscheins. Der Kraft­wagenführer Wilhelm Müller aus Großen Linden hat am 19. November 1924 in Garbenteich einen Automobilunfall verschuldet. Hierbei durchschlug der Wagen die Mauer eines Hauses und blieb ungefähr zwei Meter tief im Hause stecken. Die Bewohner des Hauses wurden zum Teil schwer, zum Teil leicht verletzt. Das Kreisamt Gießen hat beantragt, dem Müller auf Grund des § 29 Abf. 1 der Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 15. März 1923 den am 4. August 1924 ausgestellten Führer- schein wegen Unzuverlässigkeit zu entziehen und die Wiedercrtcilung des Führerscheins non einer noch­maligen Ablegung der Führerprüfung abhängig zu machen. Müller beantragte Abweisung des Antrags des Kreisamts Gießen. Der Provinzialausschuß er­kannte zu Recht, daß dem Kraftwagenführer Wilh. Müller aus Großen-Linden der Führerschein bis zum 1. Januar 1926 entzogen und daß die Wiederertei­lung von der Ablegung einer nochmaligen Prüfung abhängig gemacht wird. Mit den Kosten des Ver­fahrens wurde Müller belastet.

Die Klage des Daniel Seegräber zu Gießen auf Aufhebung des Bescheids des Kreis­amts Gießen vom 24. Jauar 1925 wegen Versagung eines Wandergewerbeschems wurde kostenpflichtig abgewiesen.

Enteignung eines Bauplatzes im Hofgarten zu Ortenberg: hier: Beschwerde des Fürstlich Stolbergschen Rentamts in Ortenberg gegen den Bescheid des Bezirkswohnungskommissars des Kreises Büdingen vom 5. August 1925. Auf Antrag der Gemeinde Ortenberg hat der Bezirks­wohnungskommissar des Kreises Büdingen auf Grund der Verordnung zur Behebung der dringend­sten Wohnungsnot vom 19. Dezember 1919 dem Fürsten zu Stolberg-Roßla in Ortenberg 1012 Qm. Gelände aus dem Grundstück der Gemarkung Orten­berg Flur IV Rr. 6487io (sogenannter Hofgarten) zugunsten der Gemeinde Ortenberg für den Bau eines Dierfamilienhauses enteignet. Der Enteig- nungspreis wurde auf 2,20 RM. für den Quadrat­meter festgesetzt. Gegen die Festsetzung der Ent- schädigung verfolgte der Grundstückseigentümer, ver­treten durch dos Fürstlich Stolbergsche Rentamt in Ortenberg, Beschwerde mit dem Antrag, den Enteig­nungspreis auf mindestens 3,50 RM. für den Qua­dratmeter festzusetzen. Der Vertreter der Gemeinde Ortenberg bezeichnet den verlangten Preis für weit­aus übersetzt, denn das in Frage stehende Gelände sei fein Baugelände, sondern Boden einer äußerst minderwertigen Klasse. In der mündlichen Verhand­lung wurde durch Anhörung eines Sachverständigen Beweis erhoben. Der Provinzialausschuß fällte fol­gendes Urteil: Der Enteignungspreis für den Grund und Boden wird auf 2,50 RM. je Quadratmeter festgesetzt. Die Gemeinde Ortenberg wird ferner ver­pflichtet, das enteignete Gelände auf ihre Kosten gegen den verbleibenden Hofgarten durch einen wehrhaften Zaun in mindestens zwei Meter Höhe abzuqrenzen und außerdem als Entschädigung für den Minderwert des verbleibenden Hofgartens den Betrag von 200 RM. zu zahlen. Als Entschädigung für die aus dem enteigneten Gelände stehenden Bäume ist die von dem Obstbauinfpektor Metternich in Büdingen auf Kosten der Gemeinde Ortenberg zu schätzende Summe zu bezahlen. Die Kosten der Bescbwerdeinstanz sollen je zur Hälfte dem Be­schwerdeführer und der Gemeinde Ortenberg zur Last.

Die bevorstehenden Wahlen.

Der Provinzialdirektor der Provinz Ober- Hessen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündi- gungSblatt eine Bekanntmachung zu den be - vorstehenden Wahlen, ist der es u. a. heißt:

die Fülle von Aufgaben nicht so zufrieden­stellend erledigen kann, wie eine hauptamtliche Dienststelle, wenn diese nicht bureaukratisch ver­waltet wird und ihr in Gestalt eines 'Beirates die Hilfe von Sachverständigen auS der Düraer- schaft zur Seite steht. Diese Anregung sei hier nr-ce einmal wiederholt. Eine andere wichtige Aufgabe der DerkehrSfürsorge ist der Ausbau der städtischen Verkehrsmittel zum Zwecke der Verkehrs- und kommunalwirtschaftlichen Expan­sion. Leider ist die Straßenbahn nach Wieseck und weiter hinaus auf lange Zeit in das Gebiet frommer, aber vergeblicher Wünsche gerückt, sollte sie später doch noch kommen, dann wird sie, so fürchten wir, für unsere Stadt nicht billig wer­den. Heute müssen sich nun die Blicke nach anderen Richtungen wenden. Krofdorf und das dortige Hinterland drängen stark nach regelmäßiger guter Fahrgelegenheit nach Gießen. Allendorf an der Lahn, Rechtenbach, Hochelheim dürften ebenso zu den Zukunftssaktoren unterer Gießener Verkehrs- bolitif zu rechnen fein, wie schließlich auch noch das Biebertal. Hier offenbart sich eine Fülle von Aufgaben, die höchste Anforderungen an die Lei> mg unserer Stadt stellen, die aber auch weit­gehende Vorteile für unser Gemeinwesen ver­sprechen. Dringend notwendig ist ferner eine durchgreifende Erneuerung des Straßen- Pflasters in einem sehr großen Teile der Sla>.. außerordentlich wichtig die Lösung der Gaswerlfrage, überaus bedeutsam für die wirtschaftliche Zukunft Gießens die Heran­ziehung von Industrie, die Schiffbar­machung der Lahn mit gleichzeitiger Ver­wertung der Lahnwas ferkraf t zur Glektrizitätserzeugung, brennend dürfte in absehbarer Zeit auch die Verlegung der Eisenbahnstrecken an die Peripherie der Stadt werden, unter Umständen wäre damit eine Verlegung deö Bahnhofs verbunden. Aus dem Gebiete der sozialen Aufgaben heben wir hier nur die katastrophale Wohnungsnot und die Pflichten gegenüber den alten An­leihegläubigern der Stadt hervor, weiter sei an die Sringlidtfcit einer starken Pflege und Förderung der Sport­bewegung als Mittel zum Wiederaufbau unserer Volksgesundheit erinnert. Auf geistigem Gebiet wird sich die Stadt in Zukunft nicht nur der Schulen besonders annehmen müssen, sie w rd auch Bedacht darauf zu nehmen haben, der Universität, dem geistigen Mittelpunkt unserer Stadt und der ganzen Provinz, in weit­gehendem Maße helfend an die Seite zu treten. Sc länger man um sich schaut, desto umfang­reicher w-rh das Aufgabenbündel, das der Lösung Harri. Wir wollen es aber heute bei dieser kurzen Auslese bewenden lassen, denn groß genug ist sie schon, um die Haare einigermaßen zu Berge stehen zu lassen

Zur Bewältigung all dieser Probleme und damit zur guten Wegbereitung für unsere Stadt ist eine große Summe von örtlichen Er­fahrungen ein hervorragendes Betriebskapital, notwendig ist aber auch, daß unermüdlich, mit nie erlahmender Tatsreude. mit ganzer Hingabe der Person und des Könnens, von oben bis unten, von jedermann, der hier berufen ist, mit» gearbeitet wird an der Schaffung einer bes­seren Zukunft unseres Gemeinwesens. Mit ferner Stimmabgabe hat das Stadtparlament die ver­antwortliche. höchste Anforderungen heischende Führerstellung dem langjährigen Oberbürger­meister Keller erneut und auf Lebenszeit über­tragen. Auf ihn als Führer richten sich die Augen all derer, die unsere Stadt dutch Mut, stete Tatkraft und doch verantwortungsbewußtes Wägen vorwärtsgebracht wissen wollen, auf ihm als Führer ruht eine große Verantwortung nicht nur in rechtlicher, sondern auch in heimat- gtzschichtlicher Hinsicht, ihm stellen sich die schas- .senden geistigen und wirtschaftlichen Kräfte der ^Bürgerschaft gern zur Verfügung, wenn er sie jfrum vorwärtsstrebenden Arbeiten ruft. Das Ver­trauen der Bürgerschaft und ihre herzlichen Glückwünsche sind Oberbürgermeister Keller als Begleiter auf seine fernere Amtslaufbahn zur Seite gegeben worden, nun wollen wir alle, Führer und Bürge r. nur noch ein ge­meinsames Losungswort im Interesse unserer Stadt befolgen: Arbeit, nie rastende, nnm-r tatsrohe, hingehende Arbeit!

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 4. Oktober: Der Rofenkavalier. Montag, 5.: Pique Dame. Diens­tag, 6.: Die Walküre. Mittwoch, 7.: Der Frei­schütz. Donnerstag, 8.: Die Zauberflöte. Freitag, 9.: Mignon. Samstag, 10.: Intermezzo. Sonn­tag, 11.: Carmen. Schauspielhaus. Sonntag, 4. Oktober: Einer von unsere ßeut. Montag, 5.: Ein Volksfeind. Dienstag, 6.: Die drei Zwillinge. Mittwoch, 7.: Gin Volksfeind. Donnerstag, 8.: Ernst (Dunburh). Freitag, 9.: Bürger Schippel. Samstag, 10.: Wie es euch gefällt. Sonntag, 11.: Wie es euch gefällt.

Lebens abgelernt ! Sollte zu den nützlich des Lebens nicht auch die Politik und die

Diplomatie

gehören, zumal da es sich wirklich nicht mehr um die erste, sondern fast schon um die letzte Menschengesell- schaft handelt!

Max Halbe.

Zum 60. Geburtstage, am 4. Oktober.

Don Roda Roda.

Sein Werk zu würdigen, überlasse ich den Berufenen. Ich spreche von Max Halbe, dem Menschen und Rebenmenschen. Ich kenne ihn nun zwanzig Jahre so darf ich ein Wort wohl wagen.EristWestpreuße,in Güttland bei Dan­zig geboren. Doch er ist fast ebensosehr Münche­ner: 1884 bis 1887 hat er hier studiert, im Sommer 1888 den Doktorhut erworben, und seit über dreißig Jahren ist er zu München ansässig: in Tagen, wo diese Stadt man denke an die Generation unmittelbar vorher: Richard Wagner, Dförnfon und Ibsen immer noch so etwas wie ein deutsches Florenz war.

Die Zeitgenossen pflegen ihren Dichtern das Leben nicht leicht äu machen, ilnb wie Max Halbe früh den Ruhm in vollen Zügen trinken durfte nach derJugend", 1892 *-i hat man ihm den Giftbecher der Kritik kredenzen wollen zwei Jahre darauf, nach demAmerikafahrer".

Gr ließ auch die harten Urteile über sich ergehen ohne anders xu appellieren als durch neue Erfolge. Richt umsonst sind seine Ahnen Westfalen, seine Großeltern und Eltern preußische Landwirte, er selbst der Wahlheimat nach em Daher. Erstaunliche Vitalität, ein fester

11,6 Grad aufweist, an Regenmenge in Millimetern 243, an schönen Tagen 9,6, an bedeckten Tagen 8,3, an Regentagen 11,6. Das nördlichere Luzern, das Deutschland lieber als Konferenzort gewählt hätte, wurde nicht annähernd mit so günstigen Ziffern auf« warten können. Professor Dr. A. Martin, Mit­glied des Gesundheitsamtes in München, nennnt diesesNizza der Schweiz" einen wirklich gesunden Winteraufenthalt. Begeistert wie Rudolf Töpffer hat sich auch der Dichter Geora Ebers über Locarno ausgesprochen:Vielleicht ist kein Punkt am Lago Maggiore geeigneter für einen längeren Aufenthalt wie Locarno: denn weder Baoeno, noch Stresa, noch Pallanza haben so im Uebertluß Straßen und Fußpfade, die zu reizenden Spaziergängen und Fahrten einladen."

Möge die Schönheit dieser Natur auch etwas über das Resultat ausbreiten, das diele Konferenz gewiß nicht die letzte für Deutschland zeitigen wird. Denn wie sagt doch Schiller inlieber die ästhetische Erziehung des Menschen":Die Natur zeichnet uns in ihrer physischen Schöpfung den Weg vor, den man in der moralischen zu wandeln hat" und inEtwas über die erste Menschenaesell- schaft":Bei der Natur ging der erste Mensch in

ferenz niemals tagen können. Oder gegenüber das I die Schule, und ihr hat er alle nützlichen Künste des italienische Ufer mit Cannobio und Lumo nein, Lebens abgelernt' I Sollte zu den nützlichen Künsten da käme man schon allzu sehr ins Schwärmen, zu sehr in den Geist von dem hundert Jahre toten Dichter Jean Paul, der seinenTitan" hier auf der Jsola Bella der borromeischen Inseln spielen läßt; und was das Titanische anbetrifft, so haben sich die Zeiten ja sowieso etwas geändert, ganz abgesehen davon, daß man Poesie mit rauher Wirklichkeit doch nie in Einklang bringen könnte ....

Bliebe noch vom Klima Locarnos zu reden, das für den Monat Oktober als Durchschnittstemperatur

Rach den Verhandlungen im Gesetzgebungs­ausschuh des Landtags über den Gesetzentwurf, betreffend die Wahlen für Gemeinden und Gemeindeverbände wird aller Wahr­scheinlichkeit nach das Gesetz nun doch noch so zeitig verabschiedet werden, daß die bevor­stehenden Wahlen nach ihm vorgenommen werden können. Der Wahlgesetzentwurf sieht folgende wesentliche Reuerungen vor, die ich zur einstweiligen Kenntnisnahme veröffentliche:

Die Provinzialtagswahl findet, wie seither, unmittelbar und in einem Wahlgange mit den Gemeinde- und Kreistagswahlen statt. Die Pro­vinzialtagswahl bleibt als direkte Wahl; die Stimmberechtigung wird neben dem Besitz der deutschen Reichsangehörigkeit und einem Alter von 20 Jahren nunmehr einheitlich für die Gemeinde, die Kreistags- und die Provinzialtagswahl davon abhängig gemacht werden, daß der Betreffende bis zum Wahltag 6 Monate (statt bis zum Beginn der Offenlegung 3 Monate) in berf eiben G e- mefnbe oder selbständigen Gemar­kung wohnt. Das Alter für die Wählbar­keit wird von 21 aus 25 Jahre heraufgesetzt. Für jede der drei Wahlen ist ein amtlicher Stimmzettel nach Art der Stimmzettel für die Reichs- unö die Landtags­wahlen zu benützen: die Stimmzettel für die Gemeindewahlen sind von der Gemeinde, für die Kreistagswahlen vom Kreis und für die Provinzialtagswahlen von der Provinz nach noch ergehender Anweisung Herstellen zu lassen. Die Stimmabgabe wird dadurch wesentlich vereinfacht, daß alle drei Zettel zusammen in einen Umschlag z u legen find.

Als Wahltag soll der 15. Rovember 1 925, wie er in der Provinz Oberhefsen bereits bestimmt war, beibehalten werden. Allerdings sind mit Rücksicht hieraus für die bevorstehenden Wahlen Stillungen der auf die Wählerlisten unh die Wahlvorschläge bezüglichen Fristen vor­gesehen.

Amtsgericht Wetzlar.

Q Wetzlar, 2. Oft. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte sich der Zimmermann H. D. aus Volpertshausen zu verantworten. Der Angeklagte axir schon durch Strafbefehl des Amtsgerichts Wetzlar zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden, hatte aber hiergegen Ein­spruch erhoben, da er die Tat bestritt. Wie die Verhandlung ergab, war der Angeklagte mit mehreren Burschen aus Volpertshausen an einem Sonntag int Mai bei einer Tanzbelustigung in Weidenhaufen. Da die Vvlpertshäuser kein Tanz- und auch kein Eintrittsgeld bezahlen woll­ten, entstanden schon nachmittags Auseinander-' setzungen, biS schließlich dnch der verlangte Tribut entrichtet wurde. Abends entstanden wiederum Streitigkeiten, angeblich wegen der mangelhaften Tanzordnung, die schließlich in Tätlichkeiten aus­arteten. Der Angeklagte, dessen Benehmen bis dahin gerade nicht als bescheiden bezeichnet wer­den formte, benahm sich dem Wirt gegenüber recht frech und wollte sogar gegen diesen tät­lich werden, worauf der Sohn des Wirts dem Angeklagten mit einem Knüppel über den Kopf schlug, so daß dieser taumelte Hierauf griff der Angeklagte den Zeugen Sch an und trat diesem gegen dcrS linke Knie, wodurch dessen Kniescheibe verschoben wurde tmb er sechs Tage lang im Wetzlarer Krankenhaus zubrrngen mußte. Der Angeklagte behauptete dagegen, er habe den Sch nicht getreten. Während drei Zeugen eidlich bekundeten, der Angeklagte sei der Täter gewesen, wollen vier andere ebenfalls eidlich vernommene Zeugen nichts davon gesehen haben. Das Gericht sah dagegen den Angölagten wegen des Fußtritts der gefährlichen Körperverletzung für schuldig an und erkannte auf 100 Mark Geldstrafe und Auferlegung der Kosten des Verfahrens, hilfsweise 20 Tage 'Gefängnis.

Der Kaufmann Hermann K. von Wetzlar war wegen groben Unfugs und Beleidigung angeklagt. Der Angeklagte, der des nachts von einem Polizeibeamten wegen Unfugs zur Rede gestellt wurde, benahm sich gegen den Beam­ten äußerst frech und beleidigte ihn. DaS Ur­teil lautete wegen groben Unfugs auf 10 Mk, und wegen der Beleidigung auf 40 Mk. Geld­strafe, Hilfsweise für je 5 Mk. 1 Tag Haft. Auch wurden dem Angeklagten die Kosten auf» erlegt und dem Beleidigten die Befugnis zu- erlannt, den entscheidenden Teil des Urteils imWetzlarer Anzeiger" auf Kosten des An­geklagten zu veröffentlichen.

Der Müller Heinrich D. und der Bergmann Ludwig B. aus G r d a, die angeklagt waren, den Zeugen G. nachts überfallen und mißhandelt zu haben, wurden f rei g e s p ro ch e n, da die Zeugen ihre früheren, die Angellagten teilweise belastenden Aussagen heute unter Eid wider­riefen.

Glaube an sich hat ihn alle Anfeindung gemut überdauern lassen.

Man darf sich Mar Halbe beileibe nicht a!S Greis Dorfteilen. Wenn man jetzt in Danzig, in Berlin, in München seinen sechzigsten Geburts-- tag feiert, ist keine Generalprobe der De- eroigimg: Max Halbe steht in der Vollkraft des Geistes und des Körpers.

Er Pflegt täglich etliche Stunden durch die Stadt zu schreiten. 3n welchem Tempo! Ich rate keinem Jüngling, das Reimen aufzunehmen: er müßte es bald leuchend aufgeben.

Max Halbe ist seines Zunftzeichens Historiker. Ich kenne niemand, dem nicht nur der Sinn der Geschichte nein, auch ihre Ramen und Zahlen in solchem Maß und Grade gegenwärtig sind wie ihm. Man mag im Gespräch am Freundestisch die Chronik der Ereignisse in ihren fernsten An­hängen aufschlagen: Max Halbe wird um die Chaldäer ebenso genau Bescheid wissen wie um Australien in jedem Fall besser als der Fachdozent.

Gr wellt gern am Freundes tisch bei allem Ernst des Berühmten ein wohlgelaunter Gesell­schafter von kaustischem Witz. Ja, er sprüht zu guter Stunde von Witz und Frohmut. Sieht gern die Jugend um sich, teilt ihre Zuversicht und fühlt ihre Leiden mit. Ich war Zeuge, wie Halbe einst als Vorsitzender der Münchener Dramati- scheu Gesellschaft Ausschau hielt nach aufstreben­den ^Begabungen, wie er Wedekind in dessen schwersten Kämpfen stützte.

Er selbst hat sich ins Getümmel nie begeben; hat ruhig geschaffen, seine Zeit abgewartet (die für einzelne, bisher mißverstandene Werke erst kommen muß und wird). Hat zwanzigmal und öfter in dieselbe Kerbe gehauen, unverdrossen

Wegen Vergehens gegen § 138 StrGB, war der Kommissionär F. R. von Wetzlar unter Anklage. Der Angeklagte war als Zeuge zu einem Gerichtstermin geladen. Mtt der Be­gründung, er sei um diese Zeit verreist, bat ee um Verlegung des Termins auf einen späteren Tag. Dem wurde auch seitens des Gerichts ent­sprochen. Trotzdem erschien der Angeklagte an dem Terminstage in einer anderen Sache vor Gericht. Es erfolgte nun Anklage, weil der An­geklagte eine unwahre Tatsache als Entschul­digungsgrund vorgeschüht haben solle. Die heu­tige Verhandlung ergab jedoch keine strafbare Handlung des Angeklagten. Demgemäß erfolgte auch seine kostenlose Freisprechung.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Senders.

(Aus derRadio-Amschau^.)

Sonntag, 4. Oktober:

8 bis 9 Uhr Morgenfeier, veranstaltet von der Methodistengemeinde Frankfurt a. M. 12 bis 1 Uhr Mittagsständchen des Hausorchesters: Verdi. 3.45 bis 4.45 Konzert des Zitherquartetts Martin Höfler. 5 bis 6 Uhr Die Stunde der Jugend. 6.30 bis 7 Uhr Lebenskunst", 6. Vorlesung:Du sollst den Werktag heiligen" von Karl Scheffler. 7 bis T llhr Stunde des Rhein-Mainlschen Verbandes für Volksbildung: Aufgaben und Organisation der Jugendbewegung", Vortrag von Bezirksjugendpfleger Möller: Vor­lesung aus Berichten von Wanderfahrten. 8.30 bis 9.30 Uhr Mozart-Zyklus des Amar-Quartetts: Erster Abend. 10 bis 11 Uhr Liederabend Edward Lankow.

Montag, 5. Oktober:

4.30 bis 6 Uhr Nachmittaaskonzert des Haus­orchesters: Offenbach (qest. 5. Oktober 1880). 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde (Die Novelle:Colomba" von Prosper Merimse. 6.30 bis 7 Uhv Fachoortrags Die Behandlung häuslicher Feuerstätten . 7 bis 7.30 Uhr Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: Hochfrequenzmaschinen I", 22. Kursvortrag. 7.30 Uhr Uebertragung aus dem großen Saal des Saal­baues: Erstes Montagskonzert des Frankfurter Or­chestervereins.

MechNche Nachrichten.

Evangelisch« Gemeinden.

Gießen. Sonntag, 4. Oktober. 17. n. Trinitatis. Stadtkirche. 6'/,: Pft. Mahr. Beichte und heiliges Abendmahl f. d. Matthäus- u. Markusgemeinde. 11'/»: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfr. Mahr. 6: Pfarrasi. Hertel. - JohanneSkirche. 91/,: Pfarraffistent Schultheis. 11: Kinderlirche f. d. Lukasgemeinde. Pfarrasi. Schullheis. 6: Pfr. Aus­feld. Beichtd u. heiliges Abendmahl für die Lukas- und Iohannesgemeinde. Kirchberg. 10; 11 x Letzte diesjährige Christenlehre für die weibliche Jugend. - Lollar. I7a. Staufenberg. I1/,. Watzenborn - Garbenleich. Watzenborn-Steinberg: Abends 77,. Garbenteich: 9l/<: Beichte, anschl. Gottesdienst und heilig. Abendmahl der Alten. Wieseck. Evang. Gemeindesaal. Ludwigstr. 11. 9'/,. Herbstabendmahle im Rovember nach Fertigstellung der ErneuerungSarbeiten der Kirche.

Katholische Gemeinden.

Gießen. Samstag, den 3. Oktbr. 47, u. 7 Beichte. Don 47,-8 wird ein ftemder Priest er Beichte hören. Sonntag, den 4. Oktbr. 18. Sonntag nach Pfingst. Rosenkranzfest. 67, Deichte, 7 Messe, Korn. d. Männer deS Kaufmännischen Vereins u. des Gesellenvereins, 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe m. Pred., 57, Christenlehre u. Rosenkranzandacht, 8 Stiftungs­fest de< Gesellenvereins. Dienstag u. Freitag abds. 8 ist Rosenkranzandacht. Grünberg. 97, Mesie mit Predigt. - Hungen. 6 Andacht mit Predigt. Laubach. 10 Mesie mit Predigt. Lich. 71/» Messe mit Predigt.

Timmer v^ü/ülidt Im. Gebrauc/t /

Ein rolrllames WellMMitlel.ä dabei unschädliches Emiettunasmittel urteilen die Aerzte rote folgt: ,ES dürfte Sie tntereffieren, daß ich bet meiner vorigen Kur ca. 30 Pfund Ab­nahme zu verzeichnen batte . . . habe mich aber hervorragend wohl gefühlt, also keinerlei Schätzt» gung gespürt. Dr. med. 81. in W. . . Jchkonnte eine Gewichtsabnahme (in den. ersten Wachens von 4 Pfund konstatieren. Patient fühlt sich ivohler als früher. Dr. med. M. in G. ... Nach­dem sich die erste Sendung als erfolgreich gezeigt bat . . . Med.'Nat Dr. P. in L. iGuiachten sind Auszüge der Originale). Jeder Korpulente oder hierzu Veranlagte unternehme eine Kur mit den echten Toiuba-Kernen, die in den Apotheken zu haben sind. Bestandteile auf der Packung. 9188ss

und kann auf ein Lebenswerk blicken von einem Reichtum, der sich jenem der Allerbesten zur Seite stellt: ein Gebäude, auf das sich gewißlich noch Kuppeln türmen werden.

Heute noch, als Sechziger, versammelt Max Halbe allwöchentlich deutsch auch in diesem pünktlichen Eifer eine Schar von Aufstreben- oen um sich, meist Künstlern auf einer Kegel­bahnDie Unterftrömung, die freilich nichts ge­mein hat mit den landläufigen, kleinbürgerlichen Wirtshausklubs. Die Annalen derllnterftrö- mung verzeichnen Konrad Alberti als Genossen, Michael Georg Konrad, Panizza, Ludwig Scharf, Wedekind in der Liste ehemaliger Mitglieder fehlt keiner der literarischen Streiter von anno Neunzig an.

Stunden mit Max Halbe und eben die spätesten -- sind ein hoher Geimß. Der Preuße taut nicht leicht auf der Dichter muß sich Mit­teilen: gehören doch seine geheimsten Gedanken der Mit- und Rachwelt. Ich werde lebenslang an einen Morgen denken, wo QKaj Halbe einem vertrauten Kreis etwas von seiner innerlichsten kosmischen Frömmigkeit preisgab, ihn mit der Rähe Gottes überdauerte.

Mar Halbe ist deutsch nicht bloß durch Fülle der Bildung, Ruhe und Tiefe seines Geistes so deutsch tote er enrpsinden nur Menschen, die aus Grenzmarken stammen, wo man feit Jahrhun­derten zäh um Art und Sprache mit dem Rach­barn ringt. Max Halbe ist kein Chauvinist; als historisch geschulter Betrachter kann er nicht fein er überschaut Zusammenhänge. Doch eben die Hohe feiner Kultur, des Wissens um Leistun­gen und Werte erlaubt ihm ein Urteil, läßt ihn Deutschland mit wärmster Liebe umfassen.