llr. 206 Zweiter Blatt
Öietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhetzen, öoimerstag. ö. September (925
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Vie Sünden des österreichischen partikularismus.
Don Abg Dr. OB 111 er m a n n, Präsidenten deS Landtages von Niederöfterreich.
Abgeordneter Präsident Dr. QEitlermann aus Wien Hal anläßlich der von der Deutschen VolkSpartet in Darmstadt veranstalteten Groß deutschen Tagung in einer aufsehenerregenden Rede über dieAnschluhsrage gesprochen. Neuerdings hielt dieser Vorkämpfer für die Wiedervereinigung die Degrüßungs- ansprache in Wien vor den reichsdeutschen Mitgliedern des Deutsch Oester- reichlichen Volksbundes.
Die großdeutsche Bewegung in Oesterreich bedarf der Ermutigung und Kräftigung. Die iln- aunst der innerpolitischen Derhältnisse und die Entfaltung der gegnerischen Machtpolitik scheint ihren Schwung unterbunden zu haben. Aber es scheint nur so. Der tiefere Blick des geschichtlich denkenden Beurteilers erblickt untrügliche Zeichen eines neuen Ausstieges, freilich aber auch die Merkmale tragischer deutscher Schuld in der unseligen Zersplitterung der Nationalgesinnten, die in Oesterreich weit mehr als im Reiche die Kraft deS Anschlußgedankens gelähmt hat. Auch darum ist eine Aufmunterung der gr-ostdeutschen Arbeit in Oesterreich nötig, und die Deutsche Dolkspartei hat sich durch die Beranstaltung der Darrn- städter Großdeutschen Tagung auch in dieser Richtung sicherlich ein grostes Verdienst erworben.
Der großdeutsche Gedanke siebt sich in Oesterreich in eine Welt gegnerischer Strömungen bineingestellt. Während das unverkümmerte Na- tionalgefühl und die beeinflußte Stimmung der Massen für den Anschluß ist, freilich mehr triebhaft als bewustt und nicht ohne Hemmungen und Rückschläge, stellen sich manche politisch und wirtschaftlich führenden Kreise der grostde-etschen Idee entgegen. Da« ist um so gesährlicher. als die HauptvorauSsetzung des grostdeutschen Erfolges die Einheit und Geschlossenheit deS Anschluß- willenÄ Oesterreichs ist. Oesterreich muh sich den Lockungen versagen, die ihm eine eigene Nationalität. ein eigenes völkisches Dasein vortäuschen. DuS ist noch nicht mit der wünschenswerten Deutlichkeit geschehen. Der Partik ularis- in u 6 ist eifrig an der Arbeit. Bequemlichkeit. Denkträgheit und Gedächtnisschwäche sind seine besten Bundesgenossen. Seine ..Aufklärungsarbeit" weist wenig zu erzählen von der fahr- taufendalten staatsrechtlichen Derbundenheit der österreichischen Länder mit dem Reiche, die ja bis 1866 währte. Für diese« Jahr und sein geschicht- licheS Ereignis hat der österreichische Partikula- riSmus. der zugleich Separatismus ist. seine eigene LeSart und Deutung. Vo sehr er Preußen- feindlich und biSmarckgegnerisch gerichtet ist. den Konsequenzen von 1866 fühlt er sich innerlich verbunden, benn sie erst ließen jenes Oesterreicher- tum heranwachsen, das sich zuunrecht als Alt- österreichertum auSgibt. das vielmehr der alten theresianisch-josefinischen Gesamt staats ibee einen neuen, wesensfremden Inhalt gegeben hat, den Gedanken des Nationalitätenstaates, der, wie der AuSklang der österreichischen Geschichte zeigt, zu erhalten war nur durch unausgesetzte Opfer und durch stete Delbstentänßerung deS einzigen Elementes der Einheit, des DeutschösterreichertumS. Man besehe nur die Aufsätze im „Neuen Reich" des Dr Eberle, die der Entwurzelung des deutschen Staatsgedankens dienen wollen, man lese die Schrift des christlich-fozialen Frondeurs Orel: ..Kleindeutschland oder Großösterreich?" oder die Programmschrifl ^Oesterreich" von Josef Leb (Innsbruck 1921) und wird mit Staunen gewahren. wie wenig der österreichische Partikula- riSrnuS auS dem Zusammenbruch des alten Dölkerstaates oclernt hat. auS dessen Trümmern er in wirklichkeitsfremder Romantik gegen den Willen der frei geworben en Nationen ein neues HabSburgerreich aufbauen will. Daß dieses Ziel nur unter unendlichen neuen Opfern Deutschösterreichs. unter Opfern an nationalen und wirtschaftlichen Werten größten Umfange« erreichbar wäre, dafür haben unsere Partikularisten kein Organ. Es find eben Menschen aus dem Donau- Dölkerchaos. denen innere Beziehungen zum deutschen Weien völlig abzugehen scheinen, ein Mangel, her durch die Deutlchsprachlichkeit nicht behoben wird. Die neueste Geste unserer Parti- kularistischen Wortführer ist das Europäertum. Hinter dieses vieldeutige Wort flüchten sich jene, die sich zu groß dünken. Deutsche und nichts als Deutsche zu sein. Born schlechtweg deutschen Standpunkt aus kann über .europäische Lösungen" natürlich erst bann gesprochen werben, wenn das nationalstaatliche Problem eine des deutschen BolkeS würdige Lösung gefunden bat. Hier liegt die von den österreichischen Partikularisten nicht geahnte und nicht gewollte ethisch-pvMifche Grundlage des Antchluhgedankens. er ist der nationale Gedanke schlechthin, das einfache Treubekenntnis zum eigenen Volkstum, das neuzeitlichem Gedenke, baß du ein Deutscher bist!
An ber Leugnung dieser sittlichen Bindung an da« eigene Doll, an dem Mangel an sittlicher Tiefe muh der Partikularismus 'cheitern mit all seinen SpitztindiSeiten, all feinem Mystizismus von einem besonderen Oesterreichertum. das von der Vorsehung dazu bestimmt wäre, von seinem Stamm getrennt zu werden, um Tschechen. Süd- flawen und Madjaren den Boden für eine großstaatliche Existenz $u bieten, wie es z. V Labs erwähnte Programmschrift will. Mehrmals ttn Verlauf seiner Geschichte hat unser Volkstum solche Einbußen erlitten, wie ihm jetzt Herr Leb eine neue von größter Tragweite zumutet. Die Entstehung der selbständigen niederländischen, schweizeriichen und wohl auch elsässischen Nationalität gehört auf dieses Blatt von Deutschen, die politisch und staatlich keine Deutschen mehr sind und sein wollen. Wenn aber in den angeführten Fällen die übermächtige politische Entwicklung einer Zeit, die eine völlische Einstellung noch nicht kannte, zu jenen Absplitterungen geführt hat. so ist die Entfremdungs- und Abspaltungspolitik deS österreichischen PartikulariSmus von bewußtem, planmäßigem Wollen einiger ziel- sichrrer Politiker getragen, die das österreichische Problem. daS nichts andere« ist alS eine Frage des Grenzd rutscht ums. zu einer neuerlichen tchwe- ren Wunde am deutschen Körper gestalten wollen. Rur der uneingeschränkte Sieg des grohdeutlchen Gedankens in Oesterreich wird verhindern, daß die ungeheure älnsittlichkeit dieser separatistischen Po- litck de« österreichischen Partikularismus verderbliche Folgen zeitige.
Die schwarze Armee.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom, Ende August.
In der Rächt zum 25. August stach von Dar. binien aus. bas, als ftriegsbasis veraltet, weil nicht in ber Richtung ber politischen Strömung gelegen, vom Feinde im ersten Anlauf genommen und als Flottenstützpunkt gewähst werben konnte, bas Hauptgeschwadsr in See, um auch Sizilien an- zugreisen unb bort Truppen zu lanben. In diesem Augenblick ist ber Kamps in voller Entwicklung. Dank ber gut organisierten Luftaufklärung, bei ber sich ber Zeppelin „Esperia", bic frühere „Boden- fee", aufs trefflichste bewährt, weih man, bah Ab- miral Giovannini bie Dreabnoughts „Doria", „Cesare" unb „Cavour", benen ein Schwann von lorpebojägem unb Aufklärern zur Seite steht, an bie Spitze geworfen hat unb sich Trapani nähert. Die Luft hallt von platzenden Bomben unb mo« bernen Lufttorpebos. Das wirb ein heißer Empfang werben in Sizilien! Das Land weiß: Es geht ums Ganze. Der ft ö n i g unb ber Kronprinz verfolgen bas Ringen von Äorb ihrer Jacht „Savoia" aus, auch ber Senatspräsibent I i 11 o n i unb viele üöürbenträger haben sich auf einer schwimmenben Festung eingeschifft, den ftriegsbcridjterftattern wurde die „Stadt Trieft" zur Verfügung gestellt. Ihre Berichte unterliegen schärfster Zensur, aber alle sind der festen Zuversicht, baß bie Berteibigung ber Küste, die dem Herzog von Monaco anoertraut ist, ber bie Kreuzer „Dante", „Ancona", „Taranto", „Bari" unb vor allem tüchtige Unterseeboote zur Verfügung hat, siegreich ben Angriff abwehren wirb. Denn bie Abwehrflotte wirb von einer ßanbarmee unterstützt, bie keine anbere ist als — bie faszistische.
... Als ich genau um biefe Zeit vor brei Jahren von Rom aus melden konnte, in ben letzten CHobertagen werbe bie faszistische Revolution ausbrechen unb am 30. Mussolini seinen Einzug in Rom halten, war ber Erfolg biefer Voraussage im Auslanb nur mäßig. Schüttelten schon erfahrene Rebakteure ihr greises Haupt, so brachten meine wenig geneigten Leser biesen Hunbstagseinfall in bireften neckischen Zu- sammenhang mit bem guten römischen Wein. Unb bas war verzeihlich, benn aus was setzte sich ba= mals ber aktive Faszismus zusammen? Aus rauflustigen Vereinen schlagender Verbindungen, Freischärlern, Komitatschibanden unb wie immer man biefe Bünbler bezeichnen mochte. Und als prompt am 30. Oktober bas schwarze Heer ber Achtzig- tausend in Rom einzog, an zurückgeschobenen Drahtverhauen unb blinfenben Maschinengewehren vorbei. — ja, wie erstaunten ba bie guten Quinten! Diese Truppen trugen zwar schwarze Feze, au benen mit Kreide geschrieben war: Roma o la mortc. Rom ober ben Tob, in ben Fäusten aber nur Knüppel, Stuhlbeine, Zaunlatten unb urgroß väterliche Jagbslinten, bic von ben Tobgeweihten an Zuckerschnüren um bie Schuller geschlungen würben. Richt minber malerisch nahmen sich bie Trichterpistolen aus ben Abruzzen aus. Wer einen Trommelrevoloer sein eigen nannte, sah ohne weiteres nach einem Offizier aus.
Ein Jahr später erinnerte Mussolini launig an biefe Ausrüstung, inbem er von einem Balkon eines alten Mailänber Palazzo zu bem ßulbigenben Heer seiner Schwarzhemben hinunterschrie: Was hattet ihr bamals in ben J)änben? Unb was heute? Da wirbelten als Antwort Taufenbe unb Abertausenbe von .Karabinern unb Bajonetten hoch. Rittis grüne Straßenpolizei hatte verschwinben müssen, um der
‘ katorianergarbc ihren Platz einzuräumen, ihre Waffen unb Kasernen. Unb roicber ein Jahr später chob sich bie nationale Freiwilligenmiliz langsam in das königliche Heer ein, erschien auf ben Ererzierplänen. beim Scharfschießen der Artillerie, in ben Festungen. Unb heute, wieder ein Jahr päter, wird sie zum erstenmal an Stelle des )ecres bei den großen Flottenmanövern eingesetzt. Sieben Kohorten stark, gibt ie ihr Debüt: ba» erstemal, baß bie Miliz mit wirk- litten unb eigenen Funktionen ber nationalen Der- teibigung betraut wird, wie Mussolinis ..Popolo bItalla" in einem stolzgeschwellten Leitartikel fest- teilt. .Ziese Tatsache muß mit ungeheurer Beine- blgung erfüllen alle Italiener, bie in ben Schwarz- Hemden wie im Üeeere bie wunberoolle Wciicrfüh rung ber kühnen Tat unb des Ruhmes von Bittorio Veneto erblicken."
Diese Tatsache gibt allerdings zu denken. Sie ist nicht minder charakteristisch wie die gegenwärtigen Flottenmanöver selber. In den europäischen Kriegsministerien wird man nicht umhin tonnen, endlich die schwarze Armee als vollgültigen Fak- t o r in Rechnung zu stellen und zum stehenden Heer zu addieren, ohne Abzüge zu machen. Besonders in Frankreich, das ja diese Manöver zwischen Sardinien und Sizilien mit verständlichem Inter- esse verfolgen wird, muß Mussolinis „Miliz" liebe- volle Beobachter finden. Vielleicht verstummt nun auch allmählich die Frage so vieler Laien und Ita> lieniahrer, was denn eigentlich diese Prätorianer garde den ganzen Tag über tue, womit sie ihre Zeit totschlage, und wer denn das alles bezahle.
Seit zwei Jahrtausenden werden im Castro Pretoria in Rom Soldaten ausgebildet, eine Kriegergeneration folgt der anderen, aber solange auch liefe weitläufige Kaserne steht, eine derartige blitz- chnelle Entwicklung eines Privat- ober Parteiheeres iu einer ber regulären Armee über ben Kopf wach- fenben Truppe hat sie sicher noch nicht erlebt. Die faszistische Armee ist heute bei weitem stärker als das stehende Heeer, und dies nicht nur der Zahl, sondern auch dem Willen nach. Denn sie ist blindlings ihrem obersten Feldherrn ergeben, dem Duce, während sich mindestens theoretisch der Fall denken ließe, daß bas königliche Heer eines kritischen Tages dem Befehl Mussolini nicht gehorchen würbe. Aus dieser Hoffnung der an sich ohnmächtigen Opposition heraus ist ja bie systematische Verstärkung ber schwarzen Miliz entstauben, firiegsminifter wie Marineminister stürzten, als sie ihre Bedenken gegen die faszistische Heeresreform, d. h. bie Verzettelung dxr regulären Armee, ihre zentrifugale Verteilung zugunsten ber zentripetalen faszistischen Massierung nicht zu überwinden vermochten. Unb babei Han- belle es sich nicht um irgendwelche Generäle, son- bem um ben „Herzog der Abruzzen" unb ben Herzog bes Meeres", um D i a 8 unb Thaon bi Revel, bie bis bahin ben Ministerpräsidenten Mussolini sehr dekorativ in der Kammer eingerahmt hatten. Aber Mussolinis Zielsicherheit kennt keine Kompromiße. Der Staat bin i ch, lautet heute sein Wahlspruch. Alle Macht bem Faszismus! rief er kürzlich bas Programm aus.
Die schwarze Armee zählt heute schätzungsweise oierhunberttausenbMann, bie jebochnach Schweizer Muster nur zum Teil Dienst tut, wenn sie auch immer bereit sind. Eine Zahl, bie jebenfaUs noch beträchtlich aus bem Reseroebecken bet faszisti- schen Partei verstärkt werben kann. Eingestellt nach antikem Muster, in Legionen, Kohorten, Centurien, Manipel, ist biefes Heer im Heer vollkommen mobern ausgerüstet. Das gelbgrün herrscht vor, wenn auch darunter bas schwarze Hemb getragen werben muß. Die Solbaten machen, wie die anbern auch, zuweilen einen etwas saloppen Einbruck, bie Offiziere sind immer schneidig. Von dem Oberbefehlshaber (über Miliz, Heer und Italien) abgesehen, von Mussolini, über dem formell der König steht, in dessen Hände jetzt auch der faszistische Soldat den Treueid ablegt, stand bisher an der Spitze der soeben verstorbene General (9 a n b o l f o , ber erste aus ben Reihen ber königlichen Armee, nachbem sich bie Miliz bis bahin sogar von Faszisten vorwerfen lassen mußte, sie werde von Operettenfiguren lächerlich gemacht. Generalfeldmarschall während der faszistischen Krisis um die letzte Jahreswende war beispielsweise ein um ben Faszismus zwar oerbienter Mann, ber es aber im anderen Heer nur bis zum Leutnant gebracht hatte. Im Anfang mußte naturgemäß auch ein Mussolini Konzessionen machen, seine getreuen Le- gionäre belohnen, aber ber scharfe Zug, ber sich bie Hebung bes militärischen Niveaus zur Aufgabe gemacht hat, ist unverkennbar.
Im übrigen bleibt ber faszistische Soldat eng mit bem bürgerlichen Leben verbun- ben, der milite durchsetzt das ganze Volk. Wir finden ihn bei der Eisenbahn als Bahnhofpollzei, Zugkontrolleur, als immer hilfsbereite Auskunft, bei der Post, im Verkehrswesen ber Städte, bei nächtlichen Streifen, als Polizisten, Feuerwehrmann unb so fort Wo ein Branb, ein Erbbeden gewütet hat, erscheinen faszistische Wach- unb Auf- räumungsmann|d)aften, am Badestranb kennt man sie als Wächter unb Retter. Die schwarzen Soldaten finb bie Abwehrbazillen im Staatsorganismus, wo- bei sich ja freilich über ben Zuftanb, ber für ben Volkskörper am geeignetsten ist, streiten läßt. Ieben-
falls hat Muijolini mit dieser Organisation erreicht, daß der fasttstische Staat von einer beneidenswert robusten Gesundheit erscheint, und diese zu erhalten, den faszistischen Staat c. gen jeden .‘Ingnif zu schützen, bas ist bie Ausgabe der mächtigen schwarzen Armee. Der Vergleich mit Rußlands roter Armee liegt so nahe, daß sich ein Eingehen daraus erübrigt.
EinePiätorianergarde darf man also nicht mehr in der M. V R. iTliliji1 Volontärin Nationale) erblicken. Für Mussolinis persönlichen cchutz genügt seine Leibgarde, eine kleine Manipel von zwanzig Mann, die, aus den besten Familien stammend, eine hohe Ehre in ihrem freiwilligen Dienst erblicken.
Aufwertung von Darlehn.
Don Gg. Lind. Rechtsanwalt. Grünbcrg (Helsen).
Darlchn ist nach tz 637 DDB. ein Vertrag, bei dem ber Darlc.her «Gläubiger) einem andern, dem Darlehncmpsanger (Schuldner). Geld (oder andere vertretbare Sachen) wr.cv d.r Verpflichtung zu Eigentum überq b . das Ent,' > : ) *ne in Sachen gleicher Nr!. G ü t e und Menge Aurücfjucrftat* ten. Daß auch die Darlehn ausgewertcl werden müssen, darüber besteht kein Zweifel Denn der DarlchnSvertrag fehl seinem W.sen nach voraus, daß zwischen der Leistung deS Gläubigers, der Hingabe, und der Leistung des Schuldners, der Rückzahlung. Gleichwertigkeit besteht, daß die Rückzahlung in Geld gleicher Menge und Güte erfolgt. Beim Darlehnsvertrag soll dem Gläubiger die Substanz erhalten werden. Die Der» pflichtung des Schuldners geht nach der ReichS» gcrichtsentscheidung in Vd. 107 S. 91 aus Rückzahlung, des Geld 's nicht nur in gleicher Menge, sondern auch in gleicher Güte
Die Höhe der Darlehnsauswertung hängt davon ab. ob das Darleü i als Vermögen s Anlage anzusehen ist oder nicht. Ist es im Einzelfall al« Vermögenslage anzusehen. so fällt c* unter da« Nufwertungsgesetz und würde den Nufwertungsbeschränlungeii des § 63 unterliegen und genau wie die Hypotheken nur mit 25 Proz. aufzuwerten sein. Ist eS nicht al« Verrnögensanlageanzusehen, so untersteht es nicht den Beschränkungen des Qluftoer* tungSgesetzes und müßte über die 25 Proz. hinaus nach allgemeinen Grundsätzen ausgewertet werden. Denn nach § 63 2tbf. II gilt die Oluftpet» tungsbesckntänkung nicht für Ansprüche aus gegenseitigen Verträgen. Diese fallen nicht unter da« Aufwcrtungsgesetz und unterliegen auch nicht der Entscheidung der Aufwertungsstelle. Sondern hi« muß, wenn eine Einigung zwischen Gläubiger und Schuldner nicht zustande kommt, das Gericht entscheiden, und zwar nach den ..allgemeinen Dorschristen" der § 133. 157. 242 BGB. die alle Schnldverhältnisse hinsichtlich ihrer Auslegung und Erfüllung dem Grundsätze von Treu und Glauben und der Verkehrssitte unterwerfen. Zu dieser Stellungnahme mußte man sich — allerdings erst ncny langem Schwanken — aus Grund der Aequivalenztheorie durchringen, die fordert, daß Leistung und Gegenleistung sich dauernd entsprechen müssen. Diesen Standpunkt nimmt auch das Reichsgericht ein.
Warrn ein Darlehen al« Dermögensanläge anzusehen ist und wann nicht, läßt sich nicht ?eueren, sondern nur von Fall zu Fall nach den esonderen Umständen entscheiden. Es ist nicht so. daß jede« Darlehen als Vermögensanlage anzu» sehen wäre, ebensowenig kann davon die Rede sein, daß ein Darlehen niemals Vermögensanlage fein könne. Der Begriff ..Vermögenslage" ist im Gesetz nicht definiert. Man wird unter Vermög enSanlage zu verstehen haben: Ein Ver- mögenSstück. das im Interesse des Gebers einem anderen auf lange Sicht und in der Absicht, entweder durch Verzinsung oder durch gefahrlose Verwahrung Vorteile zu erringen, hingegeben worden ist. Vorwiegend werden VermögenS- anlagcn Kapitalbeträge fein, die auf längere Zeit gegen Entgelt (Verzinsung) einem anderen überlassen worden sind, um dem Geber eine — meist dauernde — Einnahmequelle zu verschaffen.
Wann im Einzelfall ein Darlehen alS Vermög enSanlage anzusehen ist und wann nicht, muß weniger nach rechtlichen, als nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden werden. Maßgebend ist. wer von der Darlehens» hingabc den überwiegenden wirtschaftlichen Vorteil hatte. Geschah die Hingabe hauptsächlich im Interesse des Gläubigers, dem eS darauf anßim, sein Kapital auf sichere Art. zu einem Zinsfuß in verkehrsüblicher Höhe auf längere Zeit anzulegen. so ist das Darlehen unbedingt als Vermögensanlage anzusehen. Als solche unterliegt das Darlehen gemäß § 63 des AufwertungS- gesehes den gesetzlichen Beschränkungen und kann nur zu dem Höchstsatz von 25 Prozent aufgewertet werden, und zwar nach § 69 durch die ordentlichen Gerichte (nicht durch die Aufwertungsstelle).
Anders liegt die Sache, wenn bei der Darlehenshingabe der wirtschaftliche Vorteil vorwiegend bei dem Darlehensempfänger, dem
Generalmusikdirektor Michael Balling f.
Mü Generalmusikdirektor Michael Balling. ber am 2. September in Darmftabt nach längerem -eiben einer Herzschwäche erlag, ist einer ber bebeu- tenbften Dirigenten ber Gegenwart bahingegangen, ber namentlich als Festspielbirigent von Bayreuth sich in ber musikalischen Well einen klangvollen Namen verschafft hatte. Sein eigentliches Wirkungsfeld war Darmftabt, bie Stabt mit einer alten Musiktrabttion, bie zu erhalten unb fort- zuführen, Böllings Hauptstreben war. Als er im März bes Jahres 1919 nach Darmftabt kam, fließ er bald auf bic benfbar schwierigsten Verhältnisse. Das Hessische fianbestßeater leitete damals Intendant Dr. Krätzer, unter dem es zu einer förmlichen Revolution der Theaterange- stellten kam, die von der Oper ausging. Generalmusikdirektor Balling hatte zu jener Zeit nicht wenig dazu beigetragen, baß, nachbem Dr. Krätzer zurücktreten mußte, ruhigere Verhältnisse eintraten. Ballings unermüdlichem Wirken ist cs vielleicht im letzten Grunde überhaupt zu verdanken, baß das HWsche Landestheater die Zett der Direktton Har- tung und bie Inflationszeit überstanden hat, ohne baß (was manchmal nahe daran war) das Theater bie Pforten schließen mußte. Die Oper mit Bal- lings xugträftigem Namen verschafften bem Theater in jenen kritischen Zeiten die Haupteinnahmen. In-
tenbant Hartung hatte zwar au Beginn seiner Tarmftäbter Tätigkeit versucht, Balling aus seiner Stellung zu nerbrängen, aber bas ließ die Darm- städter Bevölkerung nicht zu, und es kam damals in unb vor bem Theater zu machtvollen ft Umgebungen für Generalmusikbirektor Balling, wie sie auf künstlerischem Gebiete Darmftabt bis bahin noch nicht erlebt hate. In ber Folgezeit kam bann ein leibliches Zusammenarbeiten mit Hartung zustande.
Die Bedeutung Ballings für Darmftabt bestaub in seiner Pflege ber Wagners cden Musik- b r a m e n. Schon früh war er in seiner musikali- schen Laufbahn zu Bayreuth in Beziehung getreten unb er war viele Jahre bort Festspiclbirigenl. Während der drei letzten Spielzeiten in Bayreuth biri- gierte er den „Ring bes Nibelungen". Balling stammte aus bem Stabtchen Heibingsfelb bei Würzburg: er hat sich aus bescheibenen Verhältnissen heraufgearbeitet. Als Orchesterbirigent hatte er nicht die typische Kapellmeifterlaufbahn durch- schritten, sondern er war zuerst Orchestermusiker — als solcher mar er u. a. in Mainz tätig —, ist aber bann auf Grunb feiner besonderen Fähigketten Orchesterletter geworden. Karlsruhe war für ihn die Stätte, wo sein Wirken lange Zett einen größeren Kreis unb einen fruchtbaren 3oben fanb, bevor er nach Darmftabt <am. Die Leistungen Dal- lings als Dirigent beruhten in erster Lime auf seinem tiefen Erfassen des seelischen Gehaltes eines Kunstwerkes, den er bann felbftanbig gestattete, aber immer so, daß er sich der Schöpfung eines
Komponisten gegenüber als ein Dienender empfand, sich femhielt von willkürlichen Auslegungen. So hat er. ausgestattet mit einer ungewöhnlichen Gestaltungskraft, vor allem bie Werke Wagners in mustergültiger Wiebergabe geboten; fo hat er auch am Hessischen Landestheater eine Reche von beachtenswerten Opernauftührungen geleitet. Lei- ftungen ersten Ranges waren ferner feine Konzerte. Die klassische Musik in ihren verschiedenen Formen war bie Stärke feines Talentes, inbessen verschloß sich Balling keineswegs ber mobemen Musik, benn wie er in ber Oper bas Neue förderte, so hat er auch manchem modernen Komponisten ben Weg zum Konzertsaal geebnet. In Darmftabt hat Balling auch noch Bebeutenbes als Dirigent bes Musik- Vereins geleistet, unb zwar namentlich durch bie Aufsührung ber großen Oratorienwerke von Hänbel, Bach u.a., überhaupt hat er bas gesamte Musik- leben Darmstadts in mannigfaltigster Weise beeinflußt unb befruchtet, daher läßt sich fein umfassendes Wirken schwer in dem Rahmen eines Zettungs- aussatzes darstellen.
Die Wagnergemetnden werden allerorten den Tod Ballings betrauern, berat er hat viel für ein vertieftes Erfassen der musikalischen Schöpfungen des Meisters getan. Für Darmftabt unb bas Hessische Landestheater bedeutet der Tod Ballings einen außerordentlich schmerzlichen Verlust, es wird schwer halten, eine künstlerische Persönlichkeit zu fmben, bie solche Fähigkeiten aufweift, daß sie Balling er- setzen kann. E. B.
Frankfurter Theater.
Der Herbst hat ben Sommer abgelost, auch in den Jahreszeiten der Kunst hat sich bas Klima geändert, es herrscht eine andere Witterung, ein reinigender literarischer Wind fegt ben „Sommer- schwank" von ben Brettern, bie bie Welt betreuten. Das Neue Theater hat mit fast vollkommen neuem Ensemble Bernhard Shaws „Teufelsschüler" neu einftubiert lieber das Stück selbst, dessen letzter Akt am meisten von dem Geiste Shaws erfüllt, ist in seiner prachtvoll zündenden Satire, bleibt nicht mehr viel zu sagen übrig. Dieses mit Spannung unb Romantik gleich stark gelabene Spiel, aus ben Tagen ber englisch-amerikanijchen Kolonial- kämpfe, welches Menschen in scharf umriffenen Linien geistvoller Dialoge zeichnet, ist gut gewählt zur Eröffnuny ber Winterspielzeit. Leiber war bie Darstellung nicht so befriebigenb wie bie Wahl bes Werkes. Friebrich Wilhelm Kaisers Pastor Anderson unb Sascha Schönings General Bur- gcyne waren die stärksten unb künstlerisch ausgeglichensten Leistungen des Abenbs. Hans Wen- g r a f brachte für die Titelrolle zupackende Frische unb ließ es dabei bewenden, ohne die Rolle mit tieferem Erfassen lebensvoller zu gestalten. Im übrigen bleibt noch adzuwarten, welche kunstterische Ergebnisse nach festerem Fußfaffen sämtlicher Neu- verpflichteten zu verzeichnen find. L. D.


