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unb ihrer gern geübten ihiobliätigteit bei allen sehr beliebt Besonders gern weilte sie in unserem schön gelegenen Städtchen, wo sie seit dem 15. Februar 1910 ihren beständigen Wohnsitz ausgeschlagen hatte.
--Ortenberg, 2. Juli. Die letzte Volkszählung ergab für unser Städtchen bei 248 Haushaltungen eine Bevölkerungszahl von 1019 Einwohnern, 516 männlichen und 503 weiblichen, mithin gegen die letzte Zählung eine Zunahme von 49 Einwohnern.
Kreis Schotten.
O Schotten, 2. Juli. Ein Betriebsleiter der Schotten-Cichelsdorfer Dasaltwerke kaufte sich ein neues Motorrad. Vachdem er es am hiesigen Krcisarnt angemeldet hatte, wollte er damit nach Cichelsdorf fahren: jedoch ein Kilometer hinter Schotten fing das Kraftrad plötzlich an zu brennen und wurde gänzlich ver- nicytet. Ob ein Verschulden des Fahrers oder ein Konstruktionsfehler vorliegt, dürfte schwer festzustetlen sein. — Vach der auf den 1. Juli abgestellten Statistik hat sich der Kraftfahrzeugverkehr im Kreise Schotten vervierfacht. Diese Zunahme der Verkehrsmittel hat eine schlimme Staubplage auf das Land gebracht.
* Gedern, 2. Juli. Die hiesige Beigeordnetenwahl vollzog sich in derselben Weise wie die Durgermeisterwähl. Der seitherige Beigeordnete G r i e m e h wurde mit 624 Stimmen von 1229 Stimmberechtigten ein» stimmig wiedergewählt. Gleich nach Dekanntwerdrn des Resultates wurde der übliche Baum viersvännig mit Dorreitern und der Musikkapelle an der Spitze eingeholt. Vach einer Ansprache des Bürgermeisters, worauf der Beigeordnete dankte, blieben die Wähler noch einige Stunden in bester Stimmung in den Wirtschaften beisammen. Die einstimmige Bürgermeister- und Deigeordnetenwahl zeigt, daß in Gedern bei der sehr gemischten Bevölkerung eine schöne Einmütigkeit herrscht, die auch weiterhin zu pflegen aller Wunsch ist.
Kreis Wetzlar.
* Wetzlar, 3. Juli. Vom 4. bis 7. Juli wird hier das Gau-Schützenfest des Gaues Hessen und Nassau stattfinoen. Für das Fest sind 6 Schießstände mit 30 Scheiben vorhanden, und zwar auf 300, 175, 100, 80 und 60 Meter Entfernung. Die Scheibennummern sind verschiedenfarbig, schwarz und rot, so daß ärgerliche Verwechslungen so gut wie ausgeschlossen sind. Hervorragend und eine Sehenswürdigkeit wird der F e st z u g am Sonntag werden. Nicht nur die Schützen haben ein Uebriges getan, auch Vereine und Innungen haben sich bemüht, durch ihre Beteiligung dieser Veranstaltung ein besonderes Gepräge zu geben. Namentlich dürste die sehr stattliche Anzahl von Prunkwagen allgemeine Aufmerksamkeit erregen. So werden Bilder aus dem Schützenwesen, der allgemeinen und Wetzlarer Geschichte u. a. in folgenden Wagen zur Darstellung kommen: Wilhelm Teil; der alte Fritz: Andreas Hofer; Tile Kolup; Rokokozeit (Lotte); Aufbruch zur Jagd; Wikinger-Schiff; das deutsche Lied; Waldwanderlager usw. Die historisch getreuen Kostüme sind von einer weltbekannten Firma geliefert. Die Aufstellung des Festzuges erfolgt beim Schützengarten (Schützenstraße). Von dort aus bewegt er sich durch bzw. über Silhöferstraße, Eisenmarkt, Lahnstraße, Langgasse, Bahnhofstraße, So- phienstraße, Moritz Budgestraße, Neustadt, Lahnstraße, Krämerstraße, Buttermarkt, Schmiedgasse, Kornmarkt, Obertorstraße und Brühlsbachstraße bis zu der Kreuzung mit der Helgebachstraße, wo die Auflösung erfolgt. Weiteres ist aus der Anzeige im gestrigen „Gieß. Anz." ersichtlich.
Hessen-Nassau.
][ Marburg. 2. Juli. Die Volkszählung ergab für die Stadt Marburg eine orts- anwefende Bevölkerung von 23 504 Personen, davon waren 11178 männlichen und 12 336 weiblichen Geschlechts. — Unter großer Beteiligung der festlich gekleideten Landjugend aus den hiesigen und den umliegenden Kreisen wurde heute hier der historische Kirschenmarkt abgehalten. Die Straßen der Stadt boten das Bild eines hessischen Kindertrachtenfestes.
Im O-gug der Landstraße.
£ Es ist allgemein bekannt, daß. nachdem die Verhandlungen zwischen Giehen und Wieseck wegen der Elektrischen Straßenbahn auf dem toten Punkt angelangt waren. Wieseck sofort Schritte unternahm, wenn nun einmal keine Elektrische, so doch ein anderes Verkehrsmittel zu schaffen. Ganz naturgemäß wurde Wieseck hierbei auf das zur Zeit modernste Verkehrsmittel gewiesen: auf den Personen- Autoomnibu's. Dor kurzem fand eine Dorbesprechung einer engeren Kommission mit den Dertretern der Büssing-Werke in Mainz statt, die mit einer Besichtigung entsprechender Wagen verbunden war. Hierbei wurde seitens der Büssing-Werke die Möglichkeit betont, einen neuen Sechsrad-Autoomnibus in Wieseck vorzuführen. Döllig unerwartet traf am Dienstagabend ein Telegramm ein, das die Ankunft dä Wagens für Mittwoch vormittag ankündigte. Schnell wurde der Gemeinderat verständigt, der demi auch vollzählig zur Stelle war.
Fast eine halbe Stunde früher als angesagt, traf das Ungetüm, von Giehen her kommend, am Mittwochvormittag vor der Bürgermeisterei in Wieseck ein. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Vachricht im Orte, schnell hatte sich eine grohe Anzahl Einwohner eingefunden, die den Wagen von innen und außen einer eingehenden Musterung unterzogen, die, in entgegenkommendster Weise gestattet, allem Anschein nach zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen war, wenigstens hörte man nur anerkennende Worte.
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, a> u l e mit dem gefamie.i xicorecperionai in einer Kopfzahl von über 800 machten gestern einen R he in au S f lu g. der. begünstigt von dem schönsten Sommerwetter, einen prachtvollen Verlauf nahm und allen Teilnehmern eine bleibende Erinnerung sein wird. Mit einem Extra- Auae ging es über Hornburg nach Kastell, wo Atoei gemietete Dampfer die Reisegesellschaft auf- nahm. Die Fahrt ging bis St. Goar. Die eine Abteilung besuchte das Viederwalddenkmal. Die andere die Ruine Ehrenfels. Abends IIV2 Uhr brachte ein Extrazug die frohe Schar in der angeregtesten Stimmung zurück. — In der hiesigen Stadtkirche fand gestern abend die Hauptversammlung des S t a d t ki r che nb a nder eins unter Leitung von Kirchenrat Kleber g e r statt. Der Derein, der sich die bauliche Unterhaltung der Liebfrauenkirchezum vAcl gesetzt hat. zählt gegenwärtig 101 Mitglieder mit 113,50 Mark Beiträgen. Die Mitgliederzahl ist gegen früher sehr zurückgegangen und sollen deshalb neue Mitglieder geworben werden denn die Ziele und Aufgaben des Vereins sind durch die Wiederherstellung der Kirche noch lange nicht erschöpft, da fortwährend neue Reparaturarbeiten nDt! Dto'H'S u b a d>, 2. Juli. Am Dienstag und Mittwoch fanden hier wichtige Stadtverord- netensihungen statt, die mit der Aufstellung des Voranschlages für 1925 ausgefüllt waren. Da die Einnahmen des vorigen Rechnungsjahrs hinter den Ausgaben (die 349 000 Mk. betrugen) um 111000 Mk. zurückblieben, so wurden zur Deckung des Fehlbetrages folgende Steuern festgesetzt und zwar für je 10 0 Mark Steuerkapital bei der Gebäudesteuer mit 15 Pfennig, bei der Grundsteuer 24 Pfennig, bei Anlage- und Betriebskapital 80 Pfennig, bei der Sondersteuer 45 Pfennig. Als einzelne wichtige Posten heben wir hervor: Besoldung des neuen städtischen Bürgermeisters 7 bis 8000 Mark, für das Stadtbauamt 7600 Mark, für Straßenunterhaltung 25 000 Mark, Unterhaltung der städt. Gebäude 7900 Mark. Für Lehrmittel der Stadtschule und Llnterhaltung der Schulräume wurden 5700 Mark, zur Bestreitung der Kosten für die Fortbildungsschule 3000 Mk. in den Voranschlag eingestellt. Außerdem wurden der Stadtschule zur Beschaffung eines Projektionsapparates noch besonders 1500 Mark bewilligt Die Oberrealschule erhält einen Zuschuß von 34 000 Mk., da die Stadt die von ihr geforderten Unter- und Oberprima unterhalten muh Im ganzen wurden für Schulzwecke 62 000 Mark in Ansatz gebracht. Für allgemeine Verwaltungskosten wurden 34 000 Mk., für Ruhegehälter, für Witwen» und Waisengelder und soziale Fürsorge 22 000 Mk., für Armenpflege 20 000 Mk.. für Zinsen zur Aufwertung der städt. Obligationen 10 000 Mk. und in den Reservefonds für unvorhergesehene Fälle wurden 29 000 Mk. vorgesehen. Die städtischen Waldungen ergaben bei einer Einnahme von 26 000 Mark und einer Ausgabe von 12 000 Mk. einen Reingewinn von 14 000 Mk. Die Jagdpacht wurde auf 1200 Mk. erhöht. Das städtische Elektrizitätswerk erzielte einen Ueberschuß von 35 000 M?., welche Summe für städtische Neubauten verwandt werden soll.
Kreis Büdingen.
Nidda, 2. Juli. Ein Landwirt aus E i ch e l s d 0 r f, der, wie seinerzeit berichtet, nicht abgestempeltes Kalbfleisch hiesigen Metzgern zum Kauf anbot, wurde vom hiesigen Amtsgericht wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz zu 500 Mark Ge 1 dstrafe verurteilt. Außerdem wird das Urteil in zwei lokalen Blättern veröffentlicht und durch Aushang an der Gemeindetafel feines Heimatsortes auf die Dauer von vierzehn Tagen bekanntgegeben.
nd. Nidda, 1. Juli. Hier und im ganzen Wetterauer Teil des Kreises Büdingen sind größere Kirschenpflanzungen nicht vorhanden. Die Hausfrauen müssen deshalb die Kirschen aus dem Bezirk Altenstadt beziehen. Bekannt sind als gute Kirschenorte Nieder-Mockstadt, Rodenbach, Himbach und Enzheim. Täglich kommen jetzt die Kirschenzüch- 1er aus den genannten Orten in die hiesige Gegend und bieten ihre Kirschen an. Die Früchte sind durchweg gesund und dick. Der Preis ist allerdings mit 50—60 Pfennig für das Pfund noch recht hoch. Die Händler zahlen für das Pfund direkt vom Baum nur 25—30 Pfennig. Auch Heidelbeeren werden schon öfters angeboten. Die Verkäufer kommen aus der Rhön. Sie verlangen für ein Liter 60 Pf., für ein Pfund 50 Pf.
△ Geiß-Vidda. 2. Juli. Zur Zeit wird die Straße Dauernheim — Vidda unweit des Himmelsbachschen Sägewerkes verlegt und eine -Unterführung im Bahnkörper der Linie Dießen—Gelnhausen hergestellt.
△ Altenstadt, 2. Juli. Am Samstag fiel der 15jährige Sohn des Försters Poth im Rodenbacher Feld beim Kirschenpflücken vom Baume und zog sich schwere innere Verletzungen zu, an denen er im Düdinger Krcm- kmhause nach einer Operation verstarb.
)( Ortenberg, 2. Juli. Auf unserem Schloß weht die schwarzgelbe Stolberger Fahne aufHalb - mast Gestern früh um 9 Uhr entschlief nach langem unb schwerem Leiden Gräfin Kuno zu Stol- berg-Roßla, geb. Hedwig Prinzessin zu Psen- bura-Büdlngen. Die Berstorbene wurde am 1. Noo. 1863 zu Büdingen als Tochter des Fürsten Bruno Casimir zu Psenburg-Büdingen und seiner Gemahlin Mathilde, geb. Prinzessin zu Solrns-Hohen- solms-Lich geboren, vermählte sich am 27. Sept. 1883 mit Fürst Botho zu Stvlberg-Rvßla und nach dessen Tode (8. November 1893) mit Graf Kuno zu Ltolberg-Roßla am 31. August 1902. Gräfin Kuno nar mit hohen Gaben des Geistes unb Gemütes ausgezeichnet unb wegen ihres leutseligen Wesens
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den Wagen in schnellster Fahrt auf einer Strecke von 12 Metern zum Stehen zu bringen, und dies ohne die geringste Belästigung der Passagiere.
Die weitere Fahrt brachte die Teilnehmer durch Gießen, wo zunächst die voraussichtliche Strecke — Oftanlagc, Südanlage, Frankfur- ter Straße, Liebig st raße, Bahnhof — durchfahren wurde, während der Rückweg, um die Beweglichkeit des Wagens in engen, aber stark belebten Stadtteilen zu zeigen, durch Seltersweg, Sonnen st raße. Schul st raße, Walltor- st r a ß e genommen wurde Hochbefriedigt und überzeugt von der Ueberlegenheit dieses Sechsradwagens über alle zur Zeit eriftierenben Verkehrsmitte', verließen bie Teilnehmer ben Wagen in Wieseck, wo sich für die offiziellen Teilnehmer eine kurze Besprechung anschloß.
Die ungemein freudige Aufnahme, die das Auftauchen des Planes der Autoverbindung bei ollen Behelligten fand, steigerte sich impulsiv, als sich bei Erscheinen des Probewagens herausstellte, wie weit die Angelegenheit in so kurzer Zeit gediehen war. In allen in Betracht kommenden Ortschaften gibt es nur noch eine Stimme: Dies ist für uns das gegebene Verkehrsmittel! Verhandlungen, die sich aller Voraussicht nach schnell und glatt abwickeln werden, haben für die einzelnen Gemeinden nur die S i ch e r st e l l u n g des Anschlusses zum Ziel. In Wieseck besteht Einmütigkeit darüber, dos nun einmal begonnene Werk bis zur letzten Möglichkeit auszugestalten. Möge es ein Werk wer- ben, das befruchtend auf das öffentliche Leben aller in Betracht kommenden Gemeinden wirkt.
(Ein Mitglied imfercr Redaktion hatte Gelegenheit. an der Probefahrt dieses Autobusse- von Gießen nach Wieseck und zurück teilzunehmen. Es war festzustellen, daß der Wagen in der Tat nach jeder Richtung hin als hervorragend an- zusehen ist und seine Benutzer Dank der sehr gediegenen Einrichtung zweifellos in höchstem Maße befriedigen wird. Die guten Eigenschaften, die der vorstehende Bericht an dem Wagen mit Recht hervorhebt, verdienen alle Anerkennung.
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Limburg, 2. Juli. (TU.) Dor dem Schwurgericht in Limburg beginnt am kommenden Montag der Prozeß gegen den Massenmörder Fritz Anger st ein aus Haiger, der im Dezember vorigen Jahres seine ganze Familie und einige fremde Personen umgebracht bat. In dem Geständnis, das er abgelegt hatte, berichtete er, seine Frau habe in Köln einem Straßenbahnunfall erlitten und sich eine schwere Verletzung des Rückgrats zugezogen, die ein lebenslängliches Siechtum zur Folge hatte. In der Mordnacht sei er wieder zum deutlichen Bewußtsein ihres Leidens gekommen. Er habe seine Frau von ihren Schmerzen befreien wollen und mit einem Dolchmesser besinnungslos auf sie eingestochen. Der Anblick der toten Frau habe ihn dann derartig wahnsinnig gemacht, daß er den Beschluß faßte, alles aus dem Wege zu räumen. Am Morgen sei die Schwiegermutter in das Zimmer der Tochter gekommen und habe beim Anblick der Leiche furchtbar zu schreien begonnen. Darauf sei er auf sie zugestürzt und habe sie mit einem Veilhieb niedergemacht. Auch das Dienstmädchen, das herzueilte, wurde auf diese Weise getötet. Die Schwester seiner Frau, die morgens von einem Vergnügen heimkehrte, wurde gleichfalls mit dem Veil erschlagen. In gleicher Weise endeten die beiden Gärtnergehilfen und zwei Angestellte der Firma. Der Prozeß wird, wie schon berichtet, mindestens eine ganze Woche in Anspruch nehmen. Die Anllage wird durch Oberstaatsanwalt Dac meist er und Gerichtsassessor Dr. Hofmann vertreten. Es sind 150 Zeugen und 27 Sachverständige aufgeboten.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Llmschau".)
Samstag, 4. Juli.
12 Ubr: Vachrichtendienst. 4 Mr: Wetterbericht der Gießener Wetterdienststelle. 4 Uhr: Wirtschastsmeldungen. 4.20 Ubr: Vachrichtendienst. 4.30 bis 6 Ubr: Vachmittags-Konzert: Internationales Tanzturnier. 6 bis 6.30 ilfcr: Jugendstunde: Aus dem Roman „Unter den Geiern" von Karl May. 6.30 bis 6.45 Mr: Briefkasten. 6.45 bis 7 Mr: Aus Historie und Fantasie (Anekdoten und Rätsel). 7 bis 7.30 Ahr: Vortrag von Postinspektor Sinz: „Die Einrichtung moderner Telegraphenämter, 1". 7.30 bis 8 llbr: Vortrags-Zyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau. Vortrag von Reg.-Rat a. D. Dr. Keck: „Der gegenwärtige Stand der Steuerreform". 8 bis 8.30 Mr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung. Vortrag von Dr. Schuckmann: „Was ich bei einem Sonntagsausflug in den Taunus biologisch sehen kann". 8.30 bis 9.30 Mr: Turcrndot, Prinzessin von China. Ein tragikomisches Märchen nach Gozzi von Friedr. v. Schiller. 10 bis 11 Uljr: Die Entwicklung der Vivlin-Sonate. Ein Zyllus, zweiter Abend.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Isr. Religionsgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge (Eüdanlage). Samstag, den 4. Juli. Dorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 9.00 u. 9.4<X_______________
■j>reiU schwerfällig und maifig sieht sich der vorgeführte Wagen von außen an. Betritt man das Innere, so ist man angenehm überrascht zunächst von der soliden unb vornehmen Einrichtung. Um die Aufmerksamkeit des Wagenführers nicht abzulenken, befindet sich der Eingang am hinteren Teil. Durch einen Perron gelangt man ins Innere. Ein genügend breiter Gang in der Mitte teilt die Sitzgelegenheiten in zwei Hälften, die jede für sich immer noch breit genug sind, um zwei bis drei Personen Platz zu bieten. Man fühlt sich in einen modernen V-Zug-Wagen verseht: Schöne bequeme Sitze, die Sitzplätze und Rückenlehne mit Lederpolster, laden zum Sitzen ein — und mancher und manche, die die erste Probefahrt nicht mitmachen konnten, ließen sich wenigstens einmal mit einem gewissen Wohlbehagen in die ungewohnten Polster fallen. Diesen war das schon ein Genuß! Schöne breite Fenster nach beiden Seiten ermöglichen einen guten Umblick in die Landschaft, Vorhänge können bei Sonnenbrand zum Schutz der Passagiere vorgezogen werden. Die Dentilationsanlage ist vorzüglich angeordnet und schafft eine angenehme Temperatur im Wageninnern. Elektrische Beleuchtung und im Winter elektrische Heizung mit Hilfe des Motors sorgen weiterhin für das Wohlbehagen der Fahrgäste, die Stehplätze auf dem Hinterperron sind durch Kokosmatten gegen die Kälte von unten her geschützt, im Wageninnern hat man im Gang einen Läufer aus Gummi angebracht. Unter den Sitzplätzen ist genügend Raum zur Unterbringung von Handgepäck vorhanden. In der vorderen Wand befindet sich eine weitere Tür, die zum Führersitz führt, wodurch bei starker Besetzung ein rasches Aussteigen ermöglicht wird.
Inzwischen hatte der Gemeinderat, wozu sich eine weitere Anzahl Gäste gesellte, int Wagen Platz genommen, ein paar kurze Erläuterungen des anwesenden leitenden Beamten der Firma über die unterwegs anzustellenden Versuche, und für die Passagiere völlig unmerkbar, ohne Rucken und Stoßen, fast geräuschlos ging die Fahrt los. Vorher hatte man sich geeinigt, die Strecke Alten - Duseck — Großen - Duseck — Beuern zu befahren. Das sind die Orte, die nächst Wieseck ein besottders großes Interesse an einer Verbindung mit Gießen haben. In flotter Fahrt war Alten-Bus eck erreicht und durchfahren — von der Bürgermeisterei Wieseck bis in die Mitte Alten-Busecks wurden 6 Minuten gebraucht! —, wobei zu beachten ist, daß der Wagen von etwa 40 Personen beseht war. In Alten-Duseck wurde der streckenunkundige Führer durch recht schmale und winllige Gassen geführt, damit sich die beobachtenden Insassen von der leichten Lenkbarkeit des Wagens überzeugen konnten. Mit verblüffender Sicherheit wurden die schärfsten Kurven genommen. Wenige Minuten später war Großen-Duseck erreicht, und 15 Minuten nach dem Abfahrtsignal in Wieseck stand der Wagen vor der Bürgermeisterei in Beuern. Die immerhin beträchtlichen Steigungen zwischen Großen-Buseck und Beuern wurden spielend, ohne die Geschwindigkeit zu mindern, überwunden.
In kurzer Zeit war ganz Beuern auf den Deinen, um sich die „Beuerner Eisenbahn" anzusehen. Auch hier vollste Anerkennung über die Gediegenheit des Wagens und ermunternder Zuspruch an die Wiesecker, die Sache so schnell wie möglich zum Abschluß zu bringen, sie seien schon da, „Wenns fehlt"! (Bewegung mit Daumen und Zeigefinger.) ilnb die Hauptsache: „Fahrt bis nach Beuern, wir brauchen etwas derartiges, wie das tägliche Brot!" Einige besonders besorgte Hausmütter fanden den Aufenthalt im Wagen sogar so verführerisch, daß sie befürchteten, ihre Ehe- gesponste möchten dann den Weg nach Gießen öfter machen, als unbedingt notwendig ist. Ein besonderes Kunststück wurde in Beuern noch vollführt. als es galt, den großen Wagen für die Rückfahrt zu drehen. Dor sich eine schmale Dorf- straße, vom Omnibus fast ausgefüllt, in der Fahrtrichtung keine Seitenstraße, also gings in den nahen Wald, bis man an eine Schneisenkreuzung kam, wo mit Leichtigkeit gewendet wurde!
Schnell wurden die führenden Männer Beuerns mit aufgeladen, damit auch sie die Probefahrt mitmachen konnten. Der kurze Aufenthalt auf der Rückfahrt in Großen-Duseck wurde benutzt, um eine weitere vorzügliche Eigenart des Wagens zu zeigen. Fährt nämlich der Wagen auf der Strecke mit der einen Seite über ein Hindernis, einen besonders großen Stein und dgl., so ermöglicht es die eigenartige Anordnung der drei Achsen, daß dies für die Passagiere kaum zu merken ist. Zu diesem Zweck wurde vor das eine Hinterradpaar ein unverhältnismäßig großer Holzklotz gelegt, der etwa eine Höhe von 20 Zentimeter hatte. Der Wagen fuhr ohne jede Schwankung darüber^ das den Klotz überfahrende Rad hob sich, während die übrigen fünf Räder in ihrer Lage nicht verändert wurden. Auch hier gesellten sich zu den Fahrgästen einige Vertreter der Gemeinde mit dem Bürgermeister an der Spitze. Das Interesse der Einwohner von hier sowohl wie von dem nun erreichten Alten- Bus eck bekundete sich in begeisterten Zurufen. Man hatte unbedingt den Eindruck, daß das Erscheinen dieses, Autos in der vom Verkehr seither sehr stiefmütterlich behandelten Gegend wie eine Erlösung wirkte. In Alten-Duseck wurde die Zahl der Mitfahrenden abermals um einige Mitglieder der Gemeindeverwaltung vermehrt, und nun gings in flotter Fahrt nach Wieseck, wo abermals, um die Lenkbarkeit zu prüfen, durch das enge Unteröorf gefahren wurde. Die auf der Fahrt noch vorgenommenen Bremsproben zeigten einen weiteren Vorteil des Sechsradwagens, es gelang,
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