Ausgabe 
3.3.1925
 
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Nr. 52 Zweiter Blatt

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dverhefsen)

Dienstag, 5. MLrz (925

Schaukelspiel zwischen Politik und Wirtschaft.

Da die Politik die Gesamtheit der Le- beitifunf honen eines Staates und Volkes behan­delt, die Wirtschaft aber nur eine allerdings sehr wichtige gebührt der Politik der Vorrang vor der Wirtschaft. Praktisch bedeutet dies, daß unter Umständen wirtschaftliche Interessen zurückgestellt werden müssen, wenn andere wichtige politische Interessen es verlangen. Darum war es richtig, daß die Reichsregierung im vorigen Ighre wirtschaftliche (nämlich finan­zielle) Opfer brachte, um die Räumung deutscher Gebietsteile zu beschleunigen und die gewalt­politischen Methoden der früheren Gegner zu stoppen. Schon während der Londoner Repa- rationskonsererrz im letzten Sommer stiegen bei vielen Deutschen berechtigte Zweifel auf, ob das wirtschaftliche Opfer wirklich die Gegenleistung der Vertragspartner sicherstelle. Die Räumung des Ruhrgebietes wurde um ein Jahr hinauS- geschoben. Seit dem 10. Januar 1925 haben sich die Zweifel an der Loyalität der Gegenseite verstärkt. Die Kölner Zone bleibt be­seht. und wenn es nach Frankreichs Willen ginge, würde die Räumung erst nach dem Ergeb­nis einer nach vielen Monaten vor^u nehmenden neuen Generalkontrolle In der Entwaff­nungsfrage ins Auge gefaßt werden.

Es sind im wesentlichen zwei große Gruppen von Mitteln, mit denen die Ententemächte ihre Politik gegen uns treiben. Sie haben sich im Ver­sailler Vertrag die Sicherheit gegen einen deutschen Angriff unblaufenbe (Snt- schädtgungszahlungen aus Reichs- Mitteln gewährleisten lassen. Die im Versailler Vertrag vorg s hene Lösung dieser beiden Fragen war unerträglich. Wir waren febr bald genötigt, um eine Milderung der betreffenden Be­stimmungen einzukommen. Der Versuch derReichs- regterung auf der Spaaer Konferenz im Juli 1924, beide Probleme gemeinsam zu losen, schlug fehl. Die Erörterung der wichtigsten wirt­schaftlichen Frage, deS Reparationspro­blems, wurdewegen Zeitmangels" verscho­ben. Seil Anfang 1921 am 29. Januar über­reichten uns die Ententeregierungen die berüch­tigten Pariser Reparations»,Vorschläge" findet ein fortgesehtes S ch a u k e l s p i e l zwischen Po­litik unb Wirtschaft statt. Die angeblich ungenü- flenbe materielle unb moralische Abrüstung Deutschlands gibt den Ententestaaten immer wie­der den Vorwand zur Erweiterung deS besetzten Gebietes bzw. zur Verschär­fung der Vesahungsmethoden und da­mit zur Erhöhung der Entschädigungs­ansprüche Deutschland kann natürlich den ge­steigerten Ansprüchen noch viel toenigcr genügen als den mäßigeren Ansprüchen und gerät mit den Zahlungen in Rückstand. DaS veranlaßt die Entente wieder zu neuenSicherungsrnanö- vern", durch die dann wieder Deutschlaichs Ent­schädigungsverpflichtung wächst.

So geht eS immer Weiteri Der deutsche Ver­such, Im Vorjahr dieser verderblichen Entwicklung Einhalt zu tun, scheint vergebens gewesen zu sein. Unsere wirtschaftlichen Zusagen vrrn August 1924 beruhen auf der festen Erwartung, daß Deutschland mit sofortiger Wirkung vom bisherigen wirtschaftlichen Druck befreit und bald auch von der militärischen Vesehung erlöst werden würde. Diese Erwartungen sind ent­täuscht worden. DaS bisher allerdings noch ziemlich geringe Interesse, das die Verei­nigten Staaten von Amerika an der jetzt so aktuell gewordenen Entwaffnungsfrage neh­men, ist aus die Erkenntnis zurückzuführen, daß die aggressive Politik Frankreichs und auch Eng- lands in der Entwaffnungsfrage über kurz oder lang für Deutschland wirtschaftliche Fol­gen haben und das in den letzten Monaten des vergangenen Jahres In Deutschland angelegte amerikanische Kapital in Mitleiden­schaft ziehen muß.

Bereits vor der Londoner Reparationskonfe- renz haben die französischen Gewaltpolitiker die Wallen geschmiedet, um Deutschland die Er- ! ung bet wirt chaftlichen finanziellen Derpflich- tungeu zu erschweren oder g aNz unmög-

Die Oberwälder.

Roman von AlfredDock.

11. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Das versteht sich," antwortete der Hannbast. Wie bei uns die Feldmäus', laufen da drunten die Löwen herum, 's sein aber auch Panther da unb RaShörner, unb wie das Getier all' heißt. Wir lagen em al vor den KaraSbergen im Biwak. Selzer," spricht mein Major,'s is eine S)unbe» kält', du kannst bir ein bißchen Bewegung machen."Jawohl, Herr Majori" sagt ich. warf meine Büchs' über den Buckel unb tat mein' Ranzen um. Man soll's net glauben, was da all hineingangen is. Ich war noch gar nel weit kommen, ba guckt ein Löb aus so einem Busch­werk eräug. Ich meine Büchs' an den Backen unb treff ihn aufs Blatt, 's war ein barbarischer Kerl! Wie ich ihn glücklich in meinem Ranzen hall, merkt ich erst, was ich zu schleppen hatt. Etz passiert ich eine Schlucht. Da äugt so ein Panther von oben erabber. Ich net faul, jag ihm zwei Spitzkugeln durch ble Brust. Das Gewitteroos tat ein* Plumps, daß einem Hören unb Sehen verging. Ich packt's in mein' Ranzen und dacht: das kann heut ein schön Lästchen werden! Der- nachert kam ich in einen großen Wald. Da pfiffen die Vögel, wie bei unS die Orgeler spielen. Und stand ein Rashorn und grunzt mich an. Ich meine Büchs' an den Backen"

Halt!" unterbrach den Helden der Kappes am Hitscheck und schlug mit seiner mächtigen Tatze auf Den Tisch.Schießen darfst du das Rashom. 's kommt mer aber net in dein' Ranzen. Dann der iS voll."

Der Afrikaner ließ sich nicht verblüffen und schwadronierte ruhig weiter.

Reben dem Bürgermeister hatte der Lehrer als Ehrengast P'atz genommen. Schräg gegenüber faß bei Margolfspeter. Der sprach mit bem Dorf- Häuptling kein Wort, denn er haßte ihn wie ben leibhaftigen Teufel. In jungen Jahren waren die beiden ein Herz und eine Seele gewesen, ja der Pfarrer hatte sie in ihrer Brüderlichkeit den Burschen als leuchtendes Beispiel h ngestellt Wie jnun der Peter zum Militär einrücken mußte,

l i ch zu machen. Wir stehen in einer Zeit, in bet bie politischen (militärischen) Mittel bie Hauptrolle spielen. Da die Reparationslosten erst allmählich auf ihre völlige Höhe steigen unb da vom Standpunkt der französischen Gewalt- Politiker aus gesehen vielleicht erst nach zwei bis drei Jahren auf Schwierigkeiten in der Ab­wicklung des Londoner Repacationsabkommens zuhoffen" ist, sollen die politisch-militärischen Methoden, die nach außen hin alsEntwaff­nungsproblem" undSicherheits- frage" firmieren, für längere Zeit gesichert werden. So muß die Art, in der Frankreich den Kontrollbericht behandelt, aufgefaßt werden.

Die Linie der von Deutschalnd zu führenden Außenpolitik ist klar gegeben: Wir müssen mit allen diplomatischen Mitteln verhindern, daß der Schlußkontrolle", die bereits vertrags­widrig und fin Hinblick auf Deutschlands no­torische Wehrlosigkeit völlig sinnlos war, noch eine neue Form unter dem TitelGene- r a l k o n t r o l l e" folgt. Gewiß ist dem ReichS- außenrnintflerium zuzustimmen, daß es untunlich ist, aus pti a eEnthü lungen" amt ich ci zugehen. Das hindert aber nicht, baß von deutscher pri­vater Seite dem Intrigenseldzug der französi­schen Chauvinisten die Stirne geboten wird. Wir dürfen es nicht geschehen lassen, daß die anti­deutsche Propaganda der Franzosen in Amerika und anderen Ländern zu einer Konser­vierung der friedenstörenden politisch-militärischen Agitationswaffen führt. Dis jetzt sind wir durch das Schaukelspiel -wissen Politik und Wirtschaft wie es auf Betreiben der Poincar6-Clique geführt worden ist immer tiefer in Ab­hängigkeit undRot hineingeraten. Die un­entbehrliche Voraussetzung dafür, daß wir dem verderblichen Schaukelsviel endlich ein Ziel setzen, ist die, daß die Massen unseres Volkes ver­stehen, worum es geht. Die nächsten Wochen werden voraussichtlich recht lehrreiches Anschau­ungsmaterial für das deutsche Volk liefern.

Aus der Provinz.

Landkreis (Kirsten.

£. Wies eck, 2. März. Dis jetzt sind drei Holzversteigerungen feilend der Ge­meinde abgehalten worden. Die Preisentwicklung hat ansteigende Tendenz. Dei der ersten Ver­steigerung, bei der es sich in der Hauptsache um hochwertiges Eichenholz handelte, das gün­stige Abfuhrmögltchkeiten hatte, wurden gezahlt: Cichenstämme 4. Kl. pro Festmeter 48 bis 50 Mk., Eichenscheiter 2 Rm. 20 bis 22 Mk., Eichenknüppel 2 Rm. 15 bis 17 Mk., Kiefernscheiter 2 Rm. 15 bis 20 Ml.. Kiefernknüppel 12 bis 16 Mk. Die dritte Versteigerung bot in der Hauptsache Bu­chenholz. Hier wurden gezahlt für je 2 Rm.: Buchenscheiter 30 bis 35 Mk Buchenknüppel 24 bis 29 Mk., Eichenscheiter 17 bis 22 Mk., Eichenknüppel 10 bis 15 Mk.

Reiskirchen, 2. März. Der DolkS- trauertag für unsere Gefallenen wurde ge­stern hier in schlichter, würdiger Weise begangen. Um 1 2I1 Uhr fanden sich der Ortsvorstand, bie Vereine, die Schulen unb eine große Zrhl Don, Leidtragenden an unserem schon geschmückten Kriegerdenkmal zusammen. Weihevolles Glocken­geläute leitete die Feier ein, In deren Mittel­punkt die Gedenkrede des Ortsgeistlichen auf Grund von Matth. 5, Vers 4 stand. Durch ein­drucksvolle Trauerchöre wurde bie Feier würdig eingerahmt.

L i ch, 1. März. In unserer Stadt wird zur Zeit die Wasserleitungs- und Kana­lisationsanlage erweitert, darum ist die Ortsdurchfahrt in der Richtung Grünberg2au- bach am Obertor gesperrt. Augenblicklich sind zahlreiche Arbeitslose mit dem Ausheben des meterbreiten Grabens und dem Verlegen der beiden Rohrstränge beschäftigt. Sehenswert und für den Geologen äußerst, i.tteressant sind die Aufschlüsse, die beim Anschneiden des Bodens zutage treten. Beim Zusammentreffen der Wall- ffraße unb des verlängertenLiebfrauenbergs", am Eck der fürstlichen Scheune und in unmittel­barer Rähe der früherenSeidenzüchterei" fin­den sich auf einer Strecke von knapp 10 Metern nicht weniger als a ch t verschiedenfarbige Tone

empfahl er seinen Schah, die SeilerSemma, dem wachsamen Auge des Busenfreunds. Richt, weil er dem Mädchen mißtraute, aber er wußte, baß ihre Eltern, ble selbst in guten Verhältnissen lebten, auf einen reichen Eidam in Maar speku­lierten. Die SellerSemma schenkte ihrem Liebsten zum Abschied ein Paar Hosenträger. Darauf stand zierlich in Perlen gestickt:

ReSmar in, D raißm inn'cht,

Dein bleib ich, bis das Herze bricht."

Ein Jahr war vergangen, ba hörte man im Backhaus vasaunern:Die Srilersemma hat einen Mehlsack gehoben, unb ble Kleie is bei sie ge­fahren!" In der Tat hatte derwachsame" Freund sie betört, unb die Hochzeit mußte be­schleunigt werden. AIS der Margolfspeter erfuhr, wie übel ihm mitaespielt worden war, kochte das Blut in seinen Adern, unb er schnaubte Rache. Indessen gelang es seinen Verwandten, ihn vor einem dummen Streich zu bewahren, unb er lernte sich in bas 11 nabwendbare schocken. Ein Menschen­alter war darüber verstrichen. Unaustilgbar glühte in bem Peter der Haß gegen ben Verräter. Dieser hatte sich mit Hilfe einer ihm ergebenen Partei zum vielbegehrten Posten des Bürger­meisters emporgeschwungen. Obwohl er nichts weniger als ein fähiger Kopf war, verstand er es dennoch, in der Person des Beigeordneten sich einen Mitarbeiter zu verschaffen, der ihn bei ber Führung der Amtsgeschäfte unterstützte. Was er der Gemeinde nun Vorschlägen mochte, immer trat ihm der Peter als Tadler entgegen, ja als ein Widersacher, ber in seinem Haß fein Beden­ken trug, seine wahre Meinung zu verleugnen. Die Dauern waren diese erbitterte Gegnerschaft feit langem gewöhnt und witzelten:Wann der Burgemeisler und der Margolfspeter emal an einem Strang ziehen, dann legen die Küh' Eier unb die Hinkel (Hühner) geben Milck." Daß die Verfeindeten sich bei mancher Gelegenheit, so auch heute in der Walkmühle, trafen, verstand sich im engen Dezirk des Dorfes von selbst.

Gegen Abend begann der eigentliche Hoch­zeitsschmaus. Deim Anblick ber leckeren Speisen verstummte das Gespräch, und bie Kauwerkzeuge begannen ihre Tätigkeit. Draußen fangen Burschen unb Mädchen das Ehest anblieb. Ein großes Faß Bier wurde aufgelegt.

nebenetnanber, meist über zitronengelb, ocker­gelb, blau, violett bis zum schönsten Pompeja- ni eßrot. Stellenweise ist Eisenstein in faustgroßen Knollen eingebettet.

ri Lich. 1. März. Ein von ber Schule ver­anstalteter Elternabend fand solchen An- llang, baß die Turnhalle überfüllt war. Rektor Erb rief die Eltern in einer Begrüßungs­ansprache zu verständnisvoller Mitarbeit des Hauses an der Erziehung unserer Jugend auf. Für bie Fülle der Aufführungen, Lieder. Gedicht- vvrträge. turnerischen Vorführungen u. dgl. ern­teten bie Lehrer unb Kinder begeisterten Beifall. Der Dolkstrauertag wurde in unserer Stadt begangen durch einen Gedächtnisgottes- dienst, an bem bie Der. ine geschlossen teilnahmen. Stiftsdechant Lenz hielt bie Predigt. Im An­schluß daran sand eine Feier am Kriegerdenkmal statt, wobei die Gesangvereine fangen und Bür­germeister Völker Worte des Gedenkens sprach.

Äreie «motten.

Laubach. 2. März. Die heutige gräf­liche Holzversteiger ung sand im Solmser Hof" statt. Es galt der Raummeter Duchenscheiter 12 Mark durchschnittlich. Duchenknüppel 1. Kl. 8 Mark durchschnitt­lich, Duchenknüppel 2. Kl. 5 bis 6 Mark durchschnittlich. Das Holz sitzt in den Revieren Freienseen, Oberseen, Jägerhaus. Für die Wiederherstellung der Straße Laubach Gonterskirchen wurde der alte Stein- bruch am Rotenberg wieder benutzt. Es ergab sich, daß dieser Bruch noch einen reich­haltigen und wertvollen Baustoff enthält. Heute von 10 bis 3 llhr war das überzäh­lige Inventar des Gräflichen Schlosses (Gebrauchs-Möbel und Antiguitäten aller Art), das morgen versteigert wird, im Festsaal und ber Orangerie ausgestellt. Kunstfreunde unb Kauf- liebhaber in großer Zahl besichtigten bie teilweise recht wertvollen Stücke.

Ruppertsberg, 1. März. Zur Förde­rung der Rindviehzucht hielt Herr Assessor Döcher vom Landwirtschaftsamt Grünberg bei Gastwirt Schlörb vor zahlreicher Versammlung einen Vortrag über Rindviehrassen. Er betonte besonders die Vorzüge des ..Vogelsberger Rin­des" gegenüber andere nRassen, namentlich dem Riederungsvieh.

X Schotten. 28. Febr. Vorigen Dienstag­abend fand im GasthausZur Krone" ein Vor­trag des Herrn Studienasse!sors Dr. Dell aus Kassel statt, in dem der Vortragende die Auf­gaben unb Ziele des Vereins für bas Deutschtum im Ausland hervorhob und die Verhältnisse des Deutschtums in den uns entrissenen Gebieten und in anderen Teilen der Welt schilderte. Herr Dr. Dell, ber mehrere ber in Betracht kommenden Länder aus eigener Anschauung kennt, ergänzte seine Ausführungen durch eine Reihe vorzüglicher Lichtbilder, die er selbst an Ort unb Stelle auf genommen hat. Im Anschluß an bie zu Herzen gehenden Worte des Redners wurde eine Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande g e - gründet, ber sofort eine Reihe von Mit­gliedern beitraten, und bie sich sicherlich in ber nächsten Zeit stark vergrößern toirü. Zahlreiche Bürger der Stabt unb Umgebung bezeugten ihre Teilnahme an den vaterländischen Au gaben des Vereins für bas Deutschtum Im Auslande durch Zeichnung freiwilliger Geldspenden. Die Gründung einer Iugendgruppe wird wohl in ben nächsten Sagen erfolgen.

Schotten, 1. März. Am 20. unb 21. Juni dieses Jahves wirb ber hiesige Krieger­verein bas. Fest seines 50jährigen Bestehens feiern. Die verschiedenen Ausschüsse, bie die Dor­bereitungen für bas Fest zu treffen haben, be­gannen bereits ihre Tätigkeit.

Unter-Schmitten, 2. Marz. Am Anfang ber vergangenen Woche machte sich in dem Eckertschen Basalt st einbruch ein starkes inneres Rauschen bemerkbar, das fast auf zwei Meter Abstand von der Felswand deutlich hörbar war. Die Hoffnung, ein neues Raturwunder erleben zu können, lockte eine Menge Reugieriger aus ber ganzen Umgegend herbei, und dieBeteiligten nährten bie kühnstem Träume. Ein Wünschelrutengänger stellte bas Vorhanden­sein größerer Wassermengen fest, unb bie Der-

Der Bürgermeister, der sich eines guten j Appetits erfreute, legte dicksatt seine Hand auf | den Arm des Lehrers unb fragte:Ro, Herr Weilandt, wie weit sein Sie denn mit Ihrer Kass'?"

Sie kommt unter Dach und Fach", gab ber Lehrer Bescheid unb nannte, die ihre Mitwirkung zugesagt hatten.

Der Bürgermeister lehnte sich breit auf seinem Stuhl zurück.

Die nix zu verlieren haben, dürfen schon was wagen."

Dom Verlieren famt keine Rede fein, ver­setzte ber Lehrer scharf,unb es ist sehr bebau er- llch, daß die Wohlhabenden im Ort einem gemein­nützigen Unternehmen gegenüber sich abseits halten."

Der Bürgermeister griff nach seinem Glas, leerte es und sprach:Ich schätz, ich kenn ein wink das Gesetz. Und ich weiß, was Haftpflicht is. 's kann geraten mit der Kass'. Das will ich gar net bestreiten. Sie kann aber auch schiebes gehen. Dann kriegt man die Mitglieder am Kragen."

"Mit der gesetzlichen Haftpflicht", erwiderte der Lehrer,hat's seine Richtigkeit. Dafür schafft sich die Kasse aus sich selbst heraus Sicherheit, und Kapitalisten und Darlehnsempfänqer kom­men zu ihrem vollen Recht. Das Wohl unb Wehe einer Genossenschaft hängt von ben leiten­den Männern ab. Unb Gott sei Dank! Wir haben hier ehrenhafte unb tüchtige Männer, bie so einer Sache vorstehen können. Die Geschäfts- führung wird ihnen noch befoirders erleichtert, weil sie die Leute aus dem Sack kennen und nicht lang za diskurieren brauchen, ob einer Kredit verdient ober nicht."

3d) geb dem Durgemeister Beifall", nahm der Bullernickel das Wort.Bei ber Haftpflicht muß der Kops herbeigetan werden. Aber da sitzt ja der künftige Herr Rechner! Der schwätzt kein ein! Der macht's wie der Ilbeshäuser Papagei und denkt sein Seil!

Set Krämerskarl war von einem Reisenden in seinem Laden über die Gebühr lang zurückge­halten worben unb hatte sich als Spätling beim HvchzeitSmahl etngefunben, Run legte er Messer

mutung lag nahe, eS könne sich um einen Sprudel handeln, ber hier zutage trete. Aber Enttäuschung lähmte bald den Fittich ber Freude. Als wieder bie Arbeller zum Bruche tarnen, stellten sic Totenstille fest. Interessant wäre es. btefe vor­übergehende Erscheinung aus klären zu können.

D. DurkharbS. 2. März. Die Feier des Dolkstrauertaaes begann unsere Ge­meinde mit einem feierlichen Gedächtnisgottes­dienst am Vormittag, an dem sich die Feldzugs- teilnehmer mit dem Kriegeroerein zahl.eich be­teiligten. Ein besonderes Gepräge erhielt der Tag durch die Gedenkfeier für die Ge­fallenen des Kirchspiels, die Pfarrer Job und Lehrer Loos am Aoend veranstalte­ten. Der Besuch der Weihestunde, in der wie am Vormittag auch der hiesige Mannergesang- vcrein mitwirkte, war so gut. daß bie geräu­mige Kirche kaum bie Teilnehmer fassen konnte. Die Kollerten des Sonntags wurden der Kriegs- ftiflung der hessischen Landeskirche zugesührl. - 21m gleichen Tage spielte sich ein trauriger Zwischenfall im Hause eines hiesigen Einwohners ab. Dort erschien plötzlich während der Zeit des Gottesdienstes der mit seiner Frau, einer Tochter des Hauses, in Ehescheidung lebende Schwiegersohn, Karl F., der sich zur Zeit bei seinen Verwandten in Ober-Seemen aufhält. Der junge Mann, ber als nervös unb leicht reizbar bezeichnet wird, schlich sich von hinten unbe­merkt ins Haus, warf bie nichtsahnende Frau zu Boden unb verletzte sie durch Messer­stiche mehrfach schwer im Gesicht. Aus das Schreien des Kindes ließ er von seiner Frau, die unter Aufbietung aller Kraft fort lief unb riß bas Kinb a wftch. um mit ihm flucht­artig das Haus zu verlassen. Passanten ries er zu, er habe den Prozeß verloren, der zwi­schen ihm unb feiner Frau schwebe, unb nun könne er sterben. Der Verdacht, er könne einen Selbstmord begehen, bestätigte sich jedoch nicht. Eine auf Anordnung des Ortsvorstandes sofort eintet} enbe Streife von Gemeindemitglie­dern in ber Gemarkung verlief erfolglos. F. war, wie eine aus Ober-Seemen spater ein- treffende Meldung besagte, dort eingetroffen. Das Kind war wohlbehalten, er selbst aber seelisch und körperlich zusammengebrochen. Die verwundete Frau war inzwischen auf Anraten des (jerbeigerufenen Arztes ms Gederner Krankenhaus überführt worden.

I Glashütten, 2. März. Im Scheib­wald, an der Straße nach Hirzenhain, findet sich ein Basalt, ber zu Pflastersteinen vor­züglich geeignet ist. Seit einigen Jahren betreibt hier eine Obe»Laiser Firma einen Steinbruch mit Pflasterstein- unb Kunststeinherstellung. Dor kurzem hat ein weiterer Ober-ßaifcr Besitzer be­gonnen, fein bortiges Grunbstück auf Basalt aus- zubeuten. Runmehr hat der Staat einen Teil das Waldes abholzen lassen, um Platz für neue Brüche zu schäften. Diese Entwicklung bet Dasaltindustrie ist sehr zu begrüßen, bietet sie doch vielen Arbeit und Brot.

I Ober-Lais, 2. März. Am Sonntag feierte der hiesige Zweigverein des Vo­gelsberger Höhen-Clubs das Fest sei­nes dreijährigen Bestehens in Gestalt eines Familienabends. Zwei flott gespielte lustige Einakter sorgten für bie nötige Erheiterung. Die Darbietungen der Wanderkapelle, bie unermüdlich ihre Weisen ertönen ließ, sowie ein von den Mädchen vorgeführter ReigenRosestock. Holder- blüt zeigten, daß in dem jungen Zweigvereiv mancherlei Arbeit bereits geleistet wurde.

Kreis Alsfeld.

0. Alsfeld, 28. Febr. Heute fand in ben Saale derErholung" hierselbst eine Ver­sammlung des Kreislehretvereins statt. Der Vorsitzende, Lehrer Kaufmann- Atzenhain, und Kreis chulrat Hufs hielten Vor­träge über pädagogische und Standesfragen. In einer nichtöffentlichen Sitzung des Alsfelder Gemeinderats wurde der seitherige Sparkassen- Kontrolleur Fritz Seipel aus Alsfeld jurn Oberstabtsekretär gewählt. 28 Bewerbun gen lagen vor.

fr* Alsfelb, 2. März. In ber Rachl auf Montag statteten Einbrecher ber hiesigen Apotheke und bem anftoßenben Gasthause Zum Schwanen" einen Besuch ab. Die

I unb Gabel beiseite unb sagte:Besser, wie ber I Herr Lehrer sich ausgebrückt hat. Farm ich's wahr­haftig nicht. Was ber gesprochen hat, unterschreib ich. Wort für Wort. Kassen haben wir in ben Stählen meinem Debunk nach schon genug gehabt. Wem haben sie Ruhen gebracht? Den Schind- Hunden, bie den Landmann bewuchert haben. Das ist das Schöne bei der Genossenschaft, daß sie selber ben Bankier macht unb nach keinem Seibel zu fragen hat. Uebrigen« ist's ja kein Muß, daß eins Mitglied wird. Wer keine Lust hat, läßt's. Ich sag, wo ein guter Wille ist, da ist auch bie Kraft. Unb das ist emal Rar: die vom am Steuer stehen, müssen treue Arbeit tun!"

Ser Bürgermeister richtete sich hoch auf und wandte sich an bie ganze Tafelrunde.

Man kann viel schwätzen, wann ber Tag lang is. Dom Wasser wirb kein Schmanb abgc- schöpft. Da muß auch gemolken fein. Ich bleib dabei, in der unbeschränkten Haftung liegt eine große Gefahr. Steckt ber Karren erst im Dreck dernachert müßt ihr den Beutel ziehen. Ich fern der Bürgermeister. Ich denk für euch all'!"

Ser Margolfspeter. der. obwohl er bem Wortgefecht seine volle Aufmerksamkeit lieh, ben Mund bis dahin nicht geöffnet hatte, erhob sich plötzlich unb rief mit dröhnender Stimme:Ich schätz, 's fein noch mehr Leut im Dorf, die net auf den Kops gefallen fein. Der Bur gern ei st er spielt den Butzemann. He is doch bei der Kass' in Lauterbach. Die schreibt sichEingetragene Ge­nossenschaft mit unbrichräntter Haftpflicht". Unb s lein auch bloß Menschen, 's is merkwürdig daß he ds kein Argwohn hat! Ich will euch sagen, wie der Has läuft. He is in Lauterbach interefTiert und fürcht die Konkurrenz von br neuen Kass'. He guimt dem Ort nit unb trägt fein Geld fort. Ich mein, bie Lauterbacher brau eßen net alles zu schlucken. Was andere können können wir auch. Herr Lehrer, ich patsch mit!"

Wid-r Erwarten ging ber Bürgermeister auf die Angrifte des Peter Margvlf gar nicht ein sondern sagte gelassen:Was mich net beiß: kratz ich net. Roch emal: bleibt ewweger von ber Kass'! Das End' trägt bie Last!"

(Fortsetzung folgt)