Samstag, 5. Januar 1925
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesfen)
ur. 2 Drittes Blatt
Italiens Abkehr vom Dreibund
Italien innerlich
Landwirtschaft und Gartenbau
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Auszeichnung des Ligen Amtes von
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Monts.
Staatssekretärs des Auswär» T s ch i r s ch k Y. (E genhändig.) Berlin, den 7. Mai 1907.
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1,1.1925. nur, haas:
Versammlung bei W-^eü Vorbenne, Darmstadter Hans.
VollKWS K' scheinen exrou* mc Dcr Porltavv.
mende Verpflichtungen auserlegt. Abgesehen hiervon entspricht es nicht dem Charalter der Italiener. Beziehungen brüsk zu lösen, die von Rutzen waren und immerhin wieder nützlich werden könnten. Weiter gibt die Zugehörigkeit zum Dreibund Italien ein gewisses Relies, cs kann den Preis für Leistungen steigern resp. sich gelegentlich zu weitgehenden Forderungen der Änglo-Franzosen entziehen. Endlich richtet man hier zu Lande nach toic vor sorgenvoll den Blick nach Wien. Es ist merkwürdig, aber für uns entschieden vorteilhaft, dah man in Rom immer noch unter der Furcht vor Oesterreich steht. Man scheint außer acht zu lassen, daß für alternde konservative Monarchien und greise Herrscher das erste Bedürfn.s das nach Ruhe ist, und dah diesem Bedürfnis alle anderen Interessen untergeordnet zu werden pflegen. Auch mit einem neuen Kaiser dürfte kaum e ne wesentliche Aenderung eintreten, denn das Mosaik der Bewohnerschaft der Donaunwnarchie und die Parolysierung der Kräfte derselben durch den Dualismus werden eine tatkräftige auswärtige Politik, unter welchem Herrscher auch immer, so ziemlich unmöglich machen.
Rachdem 3tal en nach der Thronbesteigung Viktor Emanuels III. äugens ch.Uch den Versuch machen wollte und auch gemacht h t, zwischen den Zentralmächten und dem Zwe.bund e ne Art Schaukelpolitik zu tre ben, ein Versuch, der entschieden m i ß g l ü ck t c und nach dem Ausgang der Aera Prinetti zu einer gewissen Reaktion Wien und auch Berlin gegenüber geführt hatte, bietet sich jetzt eine neue co.nbina- cione: das Pendeln zw.schen London-Paris einerseits und Berlin-Wien andererseits. Rur hat sich das Kräfteverhältnis, namentlich vom italienischen Standpunkte aus gesehen, wesentlich verschoben. Das durch Frankreich verstärkte England muh aus das zu Drei D.erteilen von, Mittelmeer umspülte Italien einen viel stärkeren Druck ausüben, als wie Zentraleuropa, das Mit D'm immer noch bestehenden Zweibuid, mit der Franzosen Unberechenbarkeit und dem liefen Haß des Slawentums gegen alles Germanische nach wie vor zu rechnen hat.
Dies, sollte man meinen, mühten die Erwägungen der italienischen Staatslenker sein, nach denen fte die Politik ihres Landes einzurichten hätten Dazu kommen noch Imponderabilien. Die ganze öffentliche Meinung des Landes hat sich in den letzten Jahren altmäblich nach Westen gedreht. Wenn wir bisher dachten, dah die monarchistische Solidarität ein starkes Bindeglied zwischen uns und dem königlichen Italien sein würde und ein Moment der Entfremdung von dem republikanischen Frankreich, so möchte ich bitten, diese Annahme jetzt aus der politischen Gleichung auszuschalten. Durch die Mon-
mlung Wei! Mittags 3 Uh, ’ A'edeselstrahe.
7 Molta- o. Mwlitf
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedor von Zobeltih.
32. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Der Umritt Hellmuts endete gewöhnlich an der Halde. Das mähliche Umsichgreifen der neuen Industrie, diese Eroberung der Erde begann ihn lebhaft zu fesseln. Bisher hatte man nur die Erde beackert und die Früchte auf der Oberfläche euv geheimst. Run stieg man auch in die Tiefe und brachte die Schätze des Innern zutage.
In der Rähe des runöen Schachtlochs, an dessen Ausbau man arbeitete, traf Hellmut auf Aeisbach. der barhäuptig umherlief, das rote Gesicht unter dem weihen Haarschopf immer in Spannung, einen fleckigen Leinenkittel über der TSJefte
„Guten Morgen, Hellmuf, rief er. „Du siehst mich in guter Laune. Die Theda hat zum ersten Male eigenhändig aus Goslar geschrieben.
„Wie geht es ihr?" , . 4 .
„Besser. Wie es scheint, sogar bedeutend besser. Das ganze Krankheitsbild muh sich verschoben haben. Ich bin glückselig."
„Gratuliere. Onkel Ernst. Auch von Gert habe ich wieder einmal einen Dries."
„So — na — und —?"
„Der Brief hat diesmal eine längere Reise gemacht. Infolge des Krieges da drüben. Er ist von Anfang Juni datiert und erwähnt noch nicht die Ermordung des Gesandten. Auch sonst steckt er voller Unklarheiten und ist nicht so heiter gefaßt, wie das sonst Gerts Art ist. Er schreibt ziemlich zuversichtlich über die Arede^ werfung des Aufstands, deutet aber zugleich an, dah er persönlichen Aerger gehabt habe, und bittet mich um die Ueberweisung einer größeren Summe an die Deutsch-Asiatische Dank nach Hongkong."
„Rach Hongkong?"
„Ja. Er wird das Geld vermutlich abheben lassen, wenn die Verbindungen in China wiederhergestellt find. Sott ich es ihm schicken?'
„Ratürlich. Er wird es brauchen."
'.'.Ob er gespielt hat?"
Geisbach zuckte mit den Schultern. „Ich weih es nicht. Er war eigentlich nie eine Ieurahe. Aber ich gestehe, ich möchte ihn bald wieder hier haben. Die Gesandtschaften sind ja befreit. War
IÄ iitunö;
archenbesuche ist Die Republik sozusagen hoffähig geworden, und in Italien hat sich, dank der überaus vorsichtigen, konstitutionellen Haltung des jungen Königs, dessen persönliches Ansehen und mit ihm die Monarchie, abstrakt gesprochen, zweifelsohne sehr gefestigt. DaS Schlußergebnis wird also sein, daß wir. wie ja auch figura zeigt, überall Italien an der Seite Derjenigen Mächte sehen werden, die unserer kommerziellen Expansion Steine in den Weg legen. Unseren Beschwerden darüber wird man hier mit mehl oder weniger Grazie und höflichen Ausflüchien beaegnen, in der Hoffnung, daß tpir den Schein für das Wahre nehmen und ein Bundesvcrhältnis forstristen werden, von dessen Pslichten sich allmählich Volk und Regierung in immer mehr lossagen.
■»Wir arlsruhe.
liTrünlanMms.
l.'. Fritz ftuoff.
fluß infolge einer Embolie feststellen konnte. An Adernverkalkung hatte er schon seit Jahren gelitten. Jedenfalls war der Tod augenblicklich erfolgt und schmerzlich gewesen.
Ein Testament fand sich nicht vor. Die Erbschaftsbestimmungen waren durch den Heiratsvertrag Gerts mit Theda geregelt. Gert weilte im Ausland, Theda im Stähleschen Sanatorium in Goslar, ihr Bevollmächtigter war der Vater. Also viel zu ordnen gab es vorläufig nicht, Hell- mut führte sowieso schon die Horaschen Geldgeschäfte — im Augenblick hatte er sich nur um die Vorbereitungen zu dem Begräbnis zu kümmern.
Dazu bedurfte er des Rates und der Mitwirkung Alexes. Er telephonierte ihr. Sie kam Ofort und fand den Bruder in einem Arbeitszimmer im Inpektorhaue. Dies alte Inpektor- haus war vor Erbauung des Schlosses das Herrenhaus gewesen: ein ziemlich weitläufiger, aber ebenerdiger Bau mit saalartigen gewölbten Zimmern. Die Räume öavüber dienten als Schüttboden. infolgedessen spielten überall die Mause umher.
Hellmut hatte sich in feiner riesigen Klosterzelle behaglich eingerichtet. Das alte Wobttlar tat seine Schuldigkeit. Eine ganze Querwand gehörte seinem Briefmarkenschrank. In der Gemeinde der Philatelisten war fein Rame bekannt wie Friedrich der Große und Rapoleon in der Geschichte. Er hatte schon als Junge mit dem Sammeln begonnen und später seine Liebhaberei zu einmr, hohen Grade der Vollkommenheit ausgebildet. Er hatte ihr auch für seine Verhältnisse erhebliche Summen geopfert, manche Seltenheit freilich nur feiner glücklichen Witterung und gelegentlichen Zufälligkeiten zu danken. So hatte er die erste Ausgabe der Mauritiusmarke zu zwei Pence blau vom Oktober 1817. eine kaum noch aufzuspürende Rarität, unter dem auch sonst ausbeutereichen Briefnachlaß eines Oheims gefunden. der als Weltenbummler gelebt hatte und als menschenscheuer Einsiedler gestorben war. Der dreiteilige Schrank barg die Sammlung auf weihen Kartons in fast wissenschaftlicher Einteilung nach Ländern. Typen. Farben. Ausgabezelten mit weitgehenden Unterscheidungen und enthielt auch die sogenannten Ganzsachen. 3m Eckichrank daneben befanden sich die Handbücher, Zeit- und Einzelschriften.
Italiens Verhältnis zu England.
Mächten gehörigen Gebiete erscheinen mögen, ist doch mit dem 3rredentismus, zumal sich der- elbc zur Zeit nur gegen einen Rachbar konzentriert, als wichtigem pol.tischen F.ktor zu rechnen. Jedenfalls hat sich derselbe stark genug erwiesen, um zeitweise die Beziehungen zwischen Rom und Wien in ernstester Weise zu trüben. Fmer hat er beide Regierungen. so sehr sie auch bestr.br sind, ein gutes nachbarliches Verhältnis zu unterhalten, zur Sicherung der beiderseitigen Grenzen veranlaßt. So sind sehr ausgesprochene Gegensätze zu dem nordöstlichen Rachbar erwachsen. während der früher vorhandene starke Antagonismus zum nordwestlichen sich immer mehr a b s ch w ä ch t e.
Gegen die oft schmerzlichst empfundene Pra- potenz der Franzosen und die Eventual tat einer Intervention der Republik zugunsten des Heiligen Stuhles, ferner um sich vor weiteren sranzös schen lieb ergr ff en im Mi11elmeer zu sichern und um dauernd ein gutes off z elles Verhältnis zu Oesterr ich-Ung rn zu crm.glichen, ging das durch die Pol t k der freien Hans vereinsamte Italien seinerzeit den Dreibund ein. Bei der damals durchaus freundlichen Haltung Englands zu den Zentralmächten schien außerdem der Dreibund eine neue Garant.« zu b eten für Aufrechterhaltung bester Beziehungen zudem Inselreich. Denn zweifelsohne muh Italien, im Besitze einer nur schwachen F otte und einer ungewöhnlich langen, fast durchweg zugänglichen Meeresküste, den größten Wert legen auf gute Beziehungen zu der auch im Mrt - telmeer maritim stärk st en Macht.
Marguis R u d i n i erzählte mir einst, der sranzös.sche Versucher habe s.ch, als er den Dreibund als Minister des Aeuhern erneuerte, an ihn herangemacht und Anlehnung an den Z w e i b u n d empsohlm. Er hätte damals erwidert, d>e französisch-russische Kombination scheine an s i ch s ch o n schwächer wie die österreichisch-deutsche. Außerdem quadriere m.t dena Dreibund Italiens Freundschaft zu England, die für sein Vaterland von allergrößter Wichtigkeit wäre. Unlängst speiste der Marquis bet mir und sagte mir nach Tisch in einem Momente der Expansion: in Berlin sähe man jetzt wohl ein, dah das italienlsch-sranzösische Verhältnis relativ harmlos ist, der Pivot der italienischen Politik wäre mehr und mehr London geworden. • ~ ,
Es scheint, als wenn dem Bestreben der Italiener, noch engere Fühlung mit England zu nehmen, von dort in bereitwilligster Weise entgegengekommen wird. Bei der absoluten Verschwiegenheit der kompetenten Stelle in Rom und wohl auch in London wird zunächst nicht zu fixieren sein, wie weit das Ein- vcrnehmen schon gediehen.... Wenn aber schon früher bei jedem wichtigeren Vorgang Italien sein Ruder nach dem von England wehenden Winde einzustellen gewohnt war, so müssen wir jetzt um so mehr mit einer englisch-italienischen Solidarität rechnen. Auch ohne schriftlichen Pakt wird in entscheidenden und wichtigen Momenten Italien nicht minder an der Seite von England zu finden sein wie der durch die entente cordiale augenfchenlich noch für laiv gere Zeit an das Inselreich geleitete Gallier. Dtc Che mit England aber ist für Italien doppelt wertvoll, da sie ein gutes Verhältnis zu Frankreich gleichsam als Morgengabe nut> bringt. Denn trotz aller Besuch', P eßartikel und Verbrüderungen s.nd zw.schm den be den lateiar- schen Mächten, allein schon wegen ihrer Rivalttat im Mittelmeer, keineswegs alle D.sserenzpunkte, die so lange für die Staatsmänner in Rom und Paris Gegenstand ernster Sorge gewesen, glatt aus der Welt geschafft. Die Italiener sind Ilug genug, dies einzusehen, sie wissen, dah der Wind an der Seine schnell Umschlagen lann, auch rechnen sie zum Teil wohl immer noch mit der Möglichkeit einer klerikalen Reaktion. Schon aus diesem Grunde empfiehlt sich das Beharren im Dreibunde, der ja Italien keinerlei ernst zu neh-
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liche Schlamm, und das ist für das Tier höchst ungesund, da dadurch die Hauttätigkeft in sehr hohem Maße beeinträchtigt wird. Aber selbst wenn man vor dem Hereinführen der Tiere i den Stall den Schmutz abwäscht und Hals, Brust und Rücken abreibt, ist damit noch nichts getan. Denn durch das allmähliche Abftteßen des immer noch im Fell verbleibenden Wassers wird fre Streu unter dem Tiere unnötig genäht, was dem Pferde nicht bekömmlich ist. Die Abreibung muß also sehr intensiv und mit allergrößter Sorg' falt vorgenommen werden. Vor allen Dangen muß das Putzen bei naßkaltem Wetter, wenn das Pferd besonders viel von Kot bespritzt toirb, möglichst oft, wenn irgend Zeit übrig bleibt, wiederholt werden. Schon, um der sehr ansteckenden Räude vorzubeugen, die feit dem Kriege durch Deutepferde, die sie aus dem Auslande mitbrachten. bei uns eine Verbreitung erlangte, die man vor dem- Kriege nicht für möglich gehalten hat.
Was für die Reinigung der Pferde gilt, das gilt auch für die Säuberung der übrigen Viehbestände. Das Rindviehpuhen wird in vielen Gegenden Deutschlands leider von dem Dienstpersonal als entwürdigend betrachtet, ilnD doch stellt es eine der wichtigsten Arbeiten im
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Alexe sah in der tiefeingebauten Fensternische.
Ich setze dir die Todesanzeige auf“, sagte sie. Das kannst du nicht. Sie verlangt gewisse stilistische Schnörkel, die dir nicht liegen. Auch die Versendungsliste werde ich ausarbeiten, Ueberlaß das alles mir. Die Anzeige muß gut gedruckt fein. Tadelloses Papier, breiter Trauerrand. Der Onkel hielt auf derlei, wir wollen es ihm auch im Tode recht zu machen suchen. Wann soll die Deiseyung ftattflnöcn?“
„Ich dachte, in drei Tagen — also am Donnerstag. In der 5-amiliengruft natürlich — unter der Sakristei der Kirche."
„Gut. Es werden auch Deputattonen kommen, vom" alten Regiment, von den Provinzialbehörden den Johannitern, den beiden Höfen. Es wird vermutlich eine große Trauerfeier. Du muht die Leute empfangen. Im Schlosse wird ein Dufett notwendig sein — für die Ausgehungerten von auswärts. Vielleicht übernachtet auch der und jener. Alles ist denkbar."
Hellmut rieb sich den Kopf. „Hilf mir. Lexe! Ich bin fein Hofmarschall, wie der Onkel war. Im versteh mich nicht auf den Rummel. Es ist mir schon greulich, alle diese Menschen empfangen zu müssen — als Angestellter, nicht als Besitzer."
„Aber als nächster Verwandter des Hau ses " Sie dachte einen Augenblick nach, und dabei durchschattete sich das ©tau ihrer Au- qen . „Willst du nicht in das Schloß übersiedeln?" fragte sie. „Es steht ja nun leer."
3 Gott bewahre," rief er, „ich denke nicht dran! Da bringen wir Theda unter, wenn sie aus Goslar zurückkehrt. Sie ist meine neue Herrin. Geisbach erzählt übrigens, daß die Krw anschlägt. Es soll ihr bedeutend besser gehen. Er will sie morgen besuchen."
Sieh da," erwiderte 2llexe, „das ist ja eine unerwartete Freude. Run, und was sagst du zu Gert —T*
Inwiefern? Seine letzte Rachricht stammt vom "dritten Juni. Da schrieb er von persönlichen Zwistigkeiten, die er gehabt habe, und bat tote gewöhnlich um Guld. „Hast du tnzwttchen noch einen Drief von ihm erhalten?"
(Fortsetzung folgt)
Das Ergebnis von Algeciras. —
Die Enttäuschung, daß das Jahr 1914 31 a = Lien nicht an der Seite Oesterreichs und Deutfch- I Lands sand, war nur in politisch nicht orientieren Kreisen aroh. Die Eingeweihten wußten schon ! fange, daß Italien gegen eine Mächtegruppe, Der das seebeherrschende England angehörte, ' nicht vorgehen würde, und daß der Haß gegen | Oesterreich im italienischen Dolle viel zu stark I war. als dah es an der Leite dieser Macht gegen , Fcanlreich gekämpft hätte. Da erhebt sich aber ! lic Frage, warum die deutschen und österreichischen Staatsmänner nicht schon längst eine Ver- - kindung gelöst hatten, die ihnen keinen R u tz e n brachte, die aber die Bedeutung und : dadurch die AnsprücheItaliens weit über : Gebühr steigerte. Die Frage, ob man den Drei- i lund nicht kündigen sollte, ist nach der Konferenz von Algeciras, auf der Italien an der ’ccite Frankreichs und E nglands gegen Deutschland und Oesterreich i »uifgctrclcn war, in den Kreisen der deutschen | Regierung erwogen worden. Der deutsche Dat- I ZHafter in Rom. Graf Monts, von dem wir hier einen Bericht, der zusammenfafsend die be- ' vimmenben Kräfte der ital enischen Politik schildert. dem Bande 21 der jetzt ersche nenden Re he ; der Großen Attenpublilation des Auswärtigen i Amtes') entnehmen, trat f ü r die Lösung des unnatürlichen Derhältn sses em. Wenn, wie das zweite hier veröffentlichte Altenstück zeigt, die Leiter der Politik der Mittelmächte sich doch für eine Aufrechterhaltung des Dreibundes aussprachen, so war dafür die Erwägung ausschlaggebend, dah durch c ne der- äctig einschneidende Veränderung des Staaten» si.stems in Europa Unruhe und Unsicherheit ge- ! schaffen würde — es war also letzten Endes der
Friedenswille der Mittelmächte, der den Dreibund in feiner alten Form bestehen lieh.
Der Botschafter in Rom Gras Monts > an den Reichskanzler Fürsten von Bülow.
Rom, den 5 .Februar 1907.
Für die Politik eines Landes und die treibeirden Kräfte derselben hat ein Fremder selbstverständlich immer nur ein bedingt richtiges Urteil. Am nächsten aber w rd der der Wahrheit kommen, welch, r. bar jeder Sent.mentalitut. ganz von eigenen Wünsch.n, to .e b ese Pol til etwa sein sollte, abstrah.ert und sich völlig in die Lage des : betreffenden Staates und Dolles zu versetzen sucht.
Italien hat nach Jahrhunderten der Zerrissenheit und Knechtung durch Fremde, freilich weniger durch eigene Kraft als durch die Gunst i der Umstände, französ.sche und deutsche Hilfe, de nationale Einheit erlangt Der neue Ein- 1 heitsstaat, sprachlich und geographisch ein geschlossenes Ganzes bildend, tturö für absehbare Zeit als das Maximum des Erreichbaren zu gelten haben. Die nördliche Grenze ist im großen und ganzen durch deaa südlich.n Abhang der Alpen markiert. Die Sprachgrenze greift freilich vielfach weiter hinaus, was den Italia- nissimi immer erneut Anlaß bietet, diese Italia irreDcnta zu reklamieren. Vorderhand richten sich die Reklamationen nur g eg enOestev- ! reich, aber außer dem Kaiserstaat zählen auch Frankreich im Departement der Seealpen, | in Korsika, in Rordafrika, die Schweiz im Kanton Tessin und England in Malta zahl- ' reiche italienisch sprechende Staatsangehörige. So i aberwitz-g bei den realen Machtverhälttußen für ! ein schwaches Land wie Italien auch Aspirationen auf Angliederung jener wett stärkeren
*) „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1870- 1914“. Sammlung der Diplomctti- : schen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärt gen Amtes herausgegeben I von Johannes Lepsius. Albrecht Mendelssohn ! Bartholdy. Friedrich Thimme. 4. Reihe: .,D.e Isolierung der Mfttelmächte". Erste Abteilung: ! Band 19 bis 21. 3m Verlage der Deutschen Verlagsgescllschaft für Pol t.k und Geschichte in •Berlin W 8.
htonii bereit
Donellr,eb
Die Reinigung der Haustiere.
(Rachdruck verboten.)
„Gut geputzt ist halb gefüttert.“ Dieser alt- erprobte Grundsatz rationeller Landwirtschaft toirb beim Putzen nicht immer so sorgfältig befolgt, wie es zu wünschen wäre. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben wird z. D. das Putzen der Pferde in der Regel nur einmal täglich vor- genommen, in den Morgenstunden, wenn die Tiere ihr ersters Futter verzehren. Schnell wird dann mit dem Striegel der gröbste Schmutz her- untergekraht, das Haar mit der Dürste glattgestrichen, und die große Arbeit ist getan. Fährt man dann aber einmal mit dem Finger gegen den Strich der Haare, so sieht man sofort, daß noch eine Unmenge Staub zwischen ihnen haften geblieben ist. v ,
Es muß ganz entschieden betont werden, daß das einmalige Putzen der Pferde nicht genügt. Höchstens bei trockenem Wetter. Haben aber die Tiere bei der Arbeit durch den Straßenkot und durch Wasserpsüyen hindurchwaten müssen, so dürfen sie, mit diesen Kotsprihern behaftet, keinesfalls bis zum nächsten Morgen stehen bleiben. Während dieser Zeit trocknet der an den Füßen. Deinen und an den übrigen Körperteilen besind-
fremden Kr»f.
. ^Wellen 7ecke b>8 500 p.
^enbau
Die Besprechungen, die der Herr Reichskanzler und ich mit dem Baron Aehrer> - thal (dem österreichischen Außenminister) während dessen hiesigem Aufenthalt hatten, haben eine völlige Liebereinstimmung in allen wichtige Fragen der Politik ergeben. Wesenttich neue Gesichtspunkte sind dabei nicht zutage getreten.
Der österreich.sch-unyar sche Minister sprach sich für eine unveränderte ‘Beibehaltung des Dreibundvertrages aus, wobei für ihn die Rücksicht aus die heimischen Zustände und seinen greifen Monarchen wesentlich mit in die Wagschale fielen. In dem Ge- spräche über diese Frage sind d.e pro et contra btc Schwäche und die manchmal divergierenden I-tt reffen-des italien schen Bundesgmoilen, die Möglichkeit, die ihm die weitere fechsjähttge Sauer des Derttagsvcrhältmsfes zur Fortführung seiner Rüstungen gegen die Donaumonarchie gewährt, einerseits, die Gefahr eines sofortigen österreichisch-italienischen Konfliktes btt Kündigung d s Vertrages und das völlige H meint reiben Italiens in die englisch-französische Kombination anderersttts - sorgfältig abg wogen worden. Doch war d.e Ansicht prävalierend, daß es besser sei. große Staate- vertrüge, die, wie der Dreibund, durch ihre lange Dauer zu einem ruhenden P o l in der europäischen Gesamtpolitik geworden. solbst dann, wenn sie sich nicht mehr völlig den veränderten Derhältn.ssen anzupasscn scheinen, ruhig auslaufen zu lass n, statt durch vorzeit ge Kündigung Beunruhigungen und Ungewißheiten zu v ranlassen.
Tsch.rschky.
ihm ein Unglück zugestotzen, so hätte uns schon das Auswärtige Amt benachrichtigt. Schreibt er Räheres über seinen persönlichen Aerger?"
„Rein. Es ist nur eine beiläufige Erwähnung. Vielleicht hat er irgendeinen Zank mit einem Kollegen gehabt, das kommt ja vor."
Heber das behäbige Gesicht Gcisbachs strich ein frohes Lächeln. „Morgen will ich nach Goslar" sagte er. „Will mich mal endlich selbst nach der Theda um tun und den Arzt sondieren. Und wenn die Besserung anhält, telegraphieren wir dem Gert. Der Krakehl da brüben wird ja bald zu Ende kommen. Dann kann er zur Rückkehr rüsten. Immer vorausgesetzt, daß die Theda gesund wird. Was ich hoffe, was ich hoffe . Inzwischen werden wir mit dem Schachtgebaude fertig fein. Willst du mal ein bissel heruntergucken? Die höchstgelegenen Telle des Lagers haben wir schon durchquert. Run streichen wir weiter. Die neuen Bohrmaschinen bewähren sich glänzend..." _ . ...
Da trat der Bote aus Groß-Ponar zwischen die beiden: ein erhitzter Knecht, die Mütze m her Hand, das Gesicht schweißüberriel'elt.
Herr Verwalter," meldete er, „der Friedrich "schickt mich, der Herr Graf ist plötzlich ge- s Hellmut schrie unwillttirlich auf. Auch Geisbach war erschreckt und bewegt. Qltan fragte den Boten aus. Doch der wußte nichts weiter als das. was Friedrich ihm aufgetragen hatte.
„Ich reite zurück, Onkel Emst", sagte Hellmut. „Herrgott, so unerwartet! Vorgestern war ich noch bei ihm im Schlosse."
„Hinter uns Siebzigern lauert immer Der Tod, lieber Junge."
„Und was wird nun?“
„Was soll denn werden? Es geht im alten Geleise weiter. Du führst die Wirtschaft wie sonst. An Gert müssen wir zu telegraphieren versuchen — das Auswärtige Amt kann uns vielleicht helfen. Er ist der Erbe. Der Tod fernes Vaters wird seine Rückkchr beschleunigen. Mein Gott, wenn doch die Theda . . ." Er unterbrach sich.....Ich komme mit nach Groß-Ponar. Hell
mut. Meinen Wagen!“ schrie er, sich rückwärts wendend. — , ,
3m Schlosse war inzwßchen Der Arz^ erschienen, der nur den Tod des Grafen durch Schlag-
Stadttheater
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Heute abend : 8 Uhr: i! ttiÄe im CiMntiM. !. KWM
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