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^Westfalen) ein KreiSkampf Sauerlank>Sieger­land in Leichtathletik und Rasensport.

Das Ausland, nämlich Paris, bringt dage­gen eine Veranstaltung großzügigsten Charakters. 3m Stadium zu Colombes treffen sich die her­vorragendsten Leichtathleten Frankreichs. Schwe­dens, Rorwegens, Finnlands, Hollands, der Schweiz, Amerikas u|nx Man darf hier, gün­stige Witterungsverhältnisse vorausgesetzt, erst­klassige Leistungen erwarten.

Auch die Turner haben nur Veranstaltungen geringerer Bedeutung; erwähnt fei, das Drei' städte-Wetturnen FrankfurtDarmstadtMann­heim um den Fritz von Opel-Wanderpreis in Darmstadt.

Schwimmen:

Die Schwimmer eröffneten ihre Winter­saison mit drei verbandsoffenen Wettschwimmen, und zwar in Berlin durch die S. AI. TleuEilln in Hildesheim durch den dortigen S. S. C. und in Pforzheim durch den 1. Badischen S. C., zu denen die besten Kräfte aus allen Teilen des Reiches ihre Meldungen abgegeben haben. Aus Anlaß eines 15jährigen Jubiläums bringt der S. C. Reptun-Aachen eine kreisoffene Veran­staltung zum Austrag.

Fechten:

3n Hannover entscheidet die Deutsche Turner­schaft ihre Fechtmeisterschaften. Zur gleichen Zeit führt der Deutsche Fechtklub Aussig die Fecht- Meisterschaften der Deutschen in der Tschecho­slowakei durch.

Motorsport:

Motorsport: Die 'Motorrad-Rennfahrer versammeln sich zu einem Bahnrennen in Han­nover, wo die deutschen Fahrer auf beste inter­nationale Klasse ft oben. Weiter kommt ein Bahn­rennen in Rordhausen und in Leipzig auf dem dortigen Sportplatz zum Austrag. Der Gau 1 Berlin-Brandenburg des A D. A. C. bringt seine Gaumeisterschaft und seine Klubmeisterschaft aus dem Buckower Dreieck zur Entscheidung. Bei Waldhof veranstaltet der M C. Mannheim ein Dreiecksrennen, während der Landesbezirk Saar ein Herbstrennen bei Blieskastel zur Abwicklung bringt.

Radsport:

Das größte Interesse im Radsport findet wohl der Große Preis von Deutschland, der auf der Sladionbahn in Köln-Müngersdorf seine Erledigung finden soll. Sieben dem deutschen Meister Oßmella werden auch bewährte auslän­dische Kräfte, wie Mazairac, Leene-Holland, Gebr. Jensen-Dänemark an den Start gehen. Deutscherseits nehmen auch Krewer, Roßbach, Steffes, Duschenhagen, Frankenstein und andere teil. Berlin sieht die Austragung im 100 Km. Mannschaftsmeisterschaft der D. R. II. und in Treptow gut besetzte Bahnrennen. Auch die Rad­rennbahnen zu Dreslau-Grüneiche, Elberfeld, Küstrin, Ludwigshafen erfreuen sich einer guten Beteiligung.

Filmzensur und Hermannslaus.

vo. Der Hermannslauf der Deut­schen Turnerschaft, der bekanntlich gefilmt worden ist, hat nicht in allen Teilen Gnade vor dem Rotstift des Zensors gefunden. Aus dem Text, der in jeder Hinsicht sachlich gehalten ist und alles vermeidet, was irgendwie Anstoß erregen und etwa als politischer Tendenzver- such ausgelegt werden könnte, ist allerhand ge­strichen tooröen. Dabei handelte er sich gar nicht um einen besonders zurechtgemachten Text für den Film, sondern für die Beschriftung sind nur die Texte der nach Detmold gebrachten .Urkun­den verwandt worden. Da ist im 1. Akt aus dem vollen Wortlaut der Urkunde der O st - »Preußenlein Schmachvertrag" herausgestri­chen. In der Urkunde von Wesel hieß es: F.,3n Wesel verbluteten Elf im Sand. Run suchen wir wieder im heimischen Land, ob Hermann, ob Schill ..." da ist der zweite Satz de,n Rotstift zum Opfer gefallen. Der Text der Ur­kunde der Pommern vom Ulanenbenkmal in Demmin, der schon etliche hundert Jahre alt ist, denn er stammt aus dem Ribelungenlied, hat gleichfalls keine volle Gnade vor dem Zensor gefunden. Die Worte:Ich will die höhnische Dämonenbrut nicht lieben. So lang sie in Ger­manien protzt, ist Hatz mein Qlmt und meine Tugend Rache" sind gestrichen worden. Wenn die beanstandeten Titel politischen Zwecken ge­dient hätten, wenn der Film überhaupt irgend

eine politische Tendenz herauszuarbeiten ver­suchen würde, so könnte man das Vorgehen der Filmzensur allenfalls verstehen, daß aber die Ur ku n den t e x t e, die entweder alten dich­terischen Kunstdenkmälern entnommen sind und vor aller Welt offen darliegen, ober gar nur den Wunsch auf Besserung des bestehenden Zustandes ausdrücken, ver­boten werden, das wird in weiten Kreisen des deutschen Volkes nur ein allgemeines Kopfschüt- teln zum mindesten erregen.

Aus der Provinz.

# Lich, 1. Okt. Zu dem ArtikelDer farbige Hausan strich" in Rr. 226 vom 26. September ist ergänzend und berichtigend nachzutragen, daß die Anregung zur farbi­gen Behandlung der Friedhofskapelle und des städtischen Hauses zu Lich von dem derzeitigen Bauleiter, Vausekretär Kalisch-Gietzen aus­gegangen ist, unter dessen Leitung auch die Ar­beiten ausgeführt wurden.

Lang-Göns, 1. Ott. Am Sonntag veranstaltete der FrauenchorWieseck" unter Leitung von Lehrer Stoll in der hie­sigen Kirche eine kirchen musikalische Feierstunde. Es wirkten mit der Posau­nenchor Lang-Göns und Stadtorganist Lehrer Heinrich Simon - Gießen. Dem Leiter der Veranstaltung war es gelungen, für die er­krankte Solosängerin Frl. Stoll. Frau Zie- piecht-Gießen zu gewinnen. Die Leistungen des Chores waren hervorragend und zeugten durch feine Aussprache, Tonfärbung und Rein­heit von einer guten Schulung. Frau Zieprecht gelang es, in den beiden Gebeten durch ihre weiche und ansprechende Stimme und besonders durch den seelischen Ausdruck ihres Vortrages die Herzen der Hörer zu erwärmen. Sowohl bei den Solovorträgen wie auch bei der Be­gleitmusik zeigte sich Herr Simon als ein Or­ganist, der seine Orgel kennt, sie in allen ihren Klangfarben und -stärken und vor allem auch technisch meistert. Der Posaunenchor unter der bewährten Leitung des Herrn Karl Doller- Lang-Göns zeichnete sich besonders durch zarten Ansatz und fein abgetönten Zusammenklang aus. Die Ruhe während des Konzertes zeugte wohl am besten davon, mit welcher Andacht die Ge­meinde den Darbietungen folgte.

Daubringen, 2. Oft. Gestern nach­mittag ereignete sich hier in der Mühle ein schwerer Llnfall. Der 20jährige Spengler Karl Ruppert aus Lollar war mit Repa­raturarbeiten beschäftigt. Dabei geriet er in das Getriebe, wobei ihm der linke Arm sehr schwer verletzt wurde. Zwei rasch herbei- gteilte Acrzw legten die ersten Verbände an und ließen den Verletzten durch die Gießener Frei­willige Sanitätslolonne mit dem Auto nach der Chirurgischen Klinik verbringen. Rach Ansicht der Aerzte hofft man, den Arm, der an vielen Stellen gebrochen ist. zu erhalten.

wa. Weickartshain, 1. Okt. Wegen Absatz­mangels hat die Gewerkschaft Louise am 30. September ihren Betrieb geschlossen und sämtliche Arbeiter entlassen. Sie hat etwa 4000 Tonnen gewaschenes Eisenerz bei ihrer Verladestelle vorrätig auf Lager Durch das anhaltende Regenwetter steht Der Wicsengrund im Seental großenteils dauernd unter Wasser. Dadurch geht viel Grummet verloren.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 1. Okt. Zu der Ab- s ch i e d s f e i c r von dem seitherigen Bürger- meister Köhler waren sämtliche Stadt­verordnete, die Mitglieder aller städttschen Aus­schüsse, die selbst nicht Stadtverordnete sind, sowie die Leiter der städtischen Bureaus als Vertreter der Beamtenschaft eingeladen worden. Die Feier sand im Rathaussaal statt und nahm einen würdigen und feierlichen Verlaus. Im Auftrag des Stadtvorstandes begrüßte Stadtv. P l o ch die Erschienenen und sprach dann dem scheidenden Bürgermeister unter ehrenden und anerkennenden Worten den Dank für alle der Stadt geleisteten treuen Dienste aus. Er über­reichte ihm als Andenken eine Photographie von einem historischen Bild, das den Marktplatz im Jahre 1824 darstellt. Hierauf sprachen na­mens der Oberrealschule Ooerstudiendirektor Dr. Bürel, namens der Stadtschule Rektor Hen- s e l, namens der städtischen Beamtenschaft Be­triebsleiter S t r i p p e l, namens des Wohl­

fahrtsausschusses Stadtv. Frau Wießler und Stadtv. L i n k m a n n ebenfalls Worte des Dankes und der Anerkennung aus. Bürger­meister Köhler dankte mit bewegten Worten für die ihm bewiesene Anerkennung und Ver­ehrung. Vor dem Rathaus hatte die Feuer­wehrkapelle Ausstellung genommen, die dem Scheidenden noch ein Ständchen brachte. Rach der offiziellen Sitzung fand imHess. Hof" noch ein gemütliches Beisammensein statt, das durch treffnche Reden, Musik- und Gesangsvorträge, sowie sonstige Darbietungen einen sehr har­monischen Verlauf nahm.

Bad-Rauheim, 1. Oft. Rach der an­strengenden Arbeit der Sommermonate, die hier alle Kräfte in Anspruch nimmt, gibt dieKir­mes", das Saisonschlußfest, Gelegenheit zpr Aus­spannung. Sie wird nach altem Brauch am näch­sten Sonntag und Montag im Mittelpunkt der Altstadt, auf dem Marktplatze, in großem Rahmen gefeiert und übt erfahrungsgemäß aus die ganze Umgebung eine starke Anziehungskraft aus. Alles steht hier schon in den Vorbereitungen für das große Volksfest. Die Ortsgruppe des Hessi - schen Iagdklubs veranstaltete als Auftakt zum Aufgang der Hasenjagd bei starker Beteili­gung ihr Herbstkugelschießen. Für die Sieger standen zahlreiche Ehrenpreise zur3er- fügung. Die beste Gesamtleistung erzielte Dickert- Bad-Rauheim. Von auswärtigen Teil­nehmern erwähnen wir Förster Textor-Lich, der beim Schießen auf die 100-Meter- Scheibe 5. und beim Schießen auf die Bock- scheibe 13. Sieger wurde.

tz Aus der Wetterau, 1. Oft. Teher­ans reichlich ist in diesem Jahre die Ruß- ernte ausgefallen, besonders in den am Tau­nusende gelegenen Gemarkungen, in denen in­folge günstigen Klimas der Walnußbaum fast in jedem Garten und auf jedem Baumstück Hei­matrecht hat. So stark wie in diesem Jahre waren die Ruhbäume feit langen Jahren nicht behangen. Wie das andere Obst, werden auch die Russe im allgemeinen leider viel zu früh geerntet, was bann ihre Haltbarkeit beeinträchtigt. 3m Preise stehen die Rüsse trotz der Refordernte noch sehr hoch. Aus den Märkten und in den Obsthand­lungen müssen 70 bis 60 Pfg. für das Pfund be­zahlt werden. Selbst der Preis von 40 bis 50 Pf., den Private nehmen, erscheint noch reich­lich hoch.

Kreis Büdingen.

?" Ridda, 1. Oft. Der Termin für das nächstjahrigeGauturnfest des Turn- gaues Hessen, das dem hiesigen Turnver- e i n übertragen wurde, ist diesmal recht frühzeitig bekanntgegeben worden, um zu verhindern, dah andere Festlichkeiten in der Provinz auf den­selben Tag verlegt werden. Es findet in den Tagen vom 3. bis 5. Juli hier statt. Man hofft, den Turn hallen Neubau soweit fördern zu können, daß er anläßlich dieser Festlichkeit ge­weiht und benutzt werden kann. Der Schlepp­motor, der in den gröberen Städten bereits häufig zu sehen ist, ist jetzt auch hier ein- geführt worden. Gestern erregte et das 3nter* esse .der Einwohnerschaft, als ec mehrere hoch- belabene Mehlwagen aus unserem Städtchen in die Umgebung schleppte. Das Droschkenpferd ist schon von dem Auto und der Elektrischen ver­drängt worden. Die Lasttiere werden folgen.

1). Ridda, 1. Ott. Die Ortsgruppe Ridda der Deutschen Doltspartei hielt eine Mitgliederversammlung ab, zu der eine größere Anzahl Herren und Damen von hier und au8 einigen Rachbarorten erschienen waren. Amts- gerichtörat Muhl, der Vorsitzende der biefigen Ortsgruppe, gedachte eingangs der groben Ver­dienste bc£ Reichspräsidenten v. Hindenburg, der am 2. Oktober seinen 7 8. Geburtstag feiert. Das Hoch auf den greifen Helden fand bei den Anwesenden begeisterten Widerhall. In län­geren Ausführungen beantwortete, dann der Pro­vinzialgeschäftsführer der deutschen Volkspartei für Ober Hessen, Weiher auS Giehen, die Frage: Was bedeutet für unS der Sicherheitspakt?" Rach einer geschichtlichen Darlegung der Ent­wicklung des Paktes ging er auf seine innen- und außenpolitische Bedeutung ein. Mit reichem Bei­fall dankten die Zuhörer dem Redner für seine interessanten Aussührimgen. Hierauf wurden die bevorstehenden Wahlen zum Kreis- und Provinzialtag erörtert und dazu Stellung genommen. Wie bereits aus anderen Bezirken des Kreises Büdingen geeignete Kandidaten für

die genannten Verwaltungskörperfchaften fest­gestellt sind, so wurden auch aus heni Bezirk Ridda einige Parteifreunde als Kandidaten in Vorschlag gebracht. Die endgültige Aufstellung der Wahlvorschläge soll bald in einer Versamm­lung der Bezirksvorstände aus dem Kreise Bü­dingen in Stockheim erfolgen. Auch für die in Kürze hier stattfindende Gemeinderats­wahl will die Partei einige ihrer Mitglieder auf die Wahlliste gesetzt sehen, obgleich Partei- interessen nicht in einer Gemeindevertretung aus­schlaggebend sein dürfen. Eine K o m m i s s i v n von fünf Mitgliedern wurde bestimmt, diese An­gelegenheit mit den Vorständen der anderen hiesigen politischen Parteien zu regeln. Schließ­lich wurden auf Antrag des Provinzialgeschäfts- sührers Weißer regelmäßige Versamm­lungen der hiesigen Ortsgruppe, die alle zwei Monate abgehalten werden sollen, einstimmig beschlossen. In denselben sollen wichtige Partei- und politische Ereignisse durch berufene Redner behandelt werden.

Kreis Schotten.

--- Schotten, 1. Okt. Mißtrauisch gemacht durch die zahlreichen vorausgegangenen Regentage, arbeitet man hier mit ganzer Kraft an dem Ein­bringen der Grummeternte. Bis die gro­ßen Wiesengründe, die zu unserer CMnatfung ge­hören, abgerntet sind, vergeht noch einige Zeit, und Sonnenschein ist sehr vonnöten, soll die Arbeit rasch zu Ende geführt sein.

Ig. Gedern, 1. Okt. (Aus dem (Se­rn ein berat) Bei der Prämiierung von Blumenfenstern wurde der Schule der erste Preis mit 20 Warf zugesprochen, die im nächsten Frühjahre zum Ankauf von Dlu- menstöcken Verwendung finden sollen. Außer­dem konnten 10 weitere AauSfassaden prämiiert werden. Die Preise bestehen in Blumenstöcken und je einem Anerkennungsschreiben der Ge­meindeverwaltung. Als Weidegeld pro Schaf soll für 1925 wieder eine Mark festgesetzt werden. Bei künftigen Markten sollen die Sähe für Karussells auf dem Wege der öf­fentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Pacht für Steinbrüche auf Gemeinde­gelände soll erhöht werden. An Stücksteinen soll für die Gemeinde ein gewisser Vorrat bereit ge­halten werden, der jederzeit greifbar ist. Die Diskussion über die Ausbildung einer zwei- ten Hebamme soll zurückgestellt werden bis zum März des nächsten Jahres und dem neu zu wählenden Gemeinderate die Beschlußfassung über diese Angelegenheit Vorbehalten bleiben. Beschlossen wird ferner das Rachpflanzen der Apfelbäume auf gemeindlichen Grund­stücken. sowie bei zugrunde gegangenen Lin­denbau me in der historischen Lindenallee am Großen See. Dem Verein zur Förderung der Blindenbildung wird eine Unterftüt$ung bewilligt, ebenso dem Tierschutzverein für Hessen. Die Beteiligung am Gemeinde- rundfunk wird abgelehnt. Das mit einem größeren Kostenaufwand hergestellte Wehr am Ried ist beschädigt worden und

4. bis 7. Oktober 1925:

802 ab Gießen an 906

832 M Nauheim A 832

840 y Friedberg M 822

912 an Frankfurt ab 736 9131ss

Der gefesselte Strom.

Roman von Hermann Stegemann.

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ich werde ja noch lange zu laborieren haben, aber feit ich sehe, daß ich wieder in den Besitz meiner Kräfte komme, fjat die ganze Welt ein anderes Gesicht. Ausgeschaltet sein ist ein­fach ein unerträgliches Gefühl. Mir fehlt der Betrieb der Arbeit, dah ich manchmal ver- sucht bin, irgendeine tolle Spekulation anzuzet­teln, nur um etwas zu tun zu haben."

Das ist ein gutes Zeichen, Herr Tylander. Genesungssieber nennt es Papa."

Ruth reichte ihm den Arm. Es kamen ein paar rohe Stufen auf dem Fußpfad, den sie durch die Weinberge hinunterstiegen.

Er zögerte, legte dann aber die Hand in ihre Ellbeuge und spürte die Rundung ihres Armes unter den Fingern, die wieder fühlen und gehorchen gelernt hatten.

Als sie der Dorfstrahe nahe waren, tagte er rasch und bestimmt:

Ich bin gewohnt, dem Arzt Vollmacht zu­zugestehen, aber ich war versucht, Professor Laß- mann den Gehorsam zu kündigen, als er mich nach Rheinau schickte. Hatte mein Levtag nichts davon gehört. Lahmann muh mein Erstaunen ge­merkt haben. Er gab mir noch Ausschluß über die Persönlichkeit Ihres Herrn Vaters, und ich dachte: Rützt es nichts, so schadet eS nichts. Lah­mann trägt die Verantwortung. Er die seine, ich die meine. Ich ging."

Wir waren daraus gefaßt, dah Sie uns nach drei Tagen wieder durchbrennen würden", entgegnete Ruth lächelnd.

Ich war drauf und dran, nur zu elend da­zu. Acht Tage später war ich zur Einsicht ge­kommen, dah Lahmann recht gehabt hatte."

Ruth errötete vor Freude.

Warum führt Ihr Vater eigentlich seinen Prosessortitel nicht, gnädiges Fräulein? Er hat doch ein Recht darauf."

Sie erblich.

Wenn Professor Laßmann Ihnen eine An­deutung gemacht hat, so wissen Sie auch, dah

Papa früher Chirurg war. Eine unglückliche Operation und was sich alles daran hing, hat ihn aus der Dahn geschleudert. Er will den Titel nicht mehr hören."

Wissen Sie, was hier am stärksten auf mich gewirkt hat, Fräulein Engelhardt?" fragte Tylander nach einer Weile.

Er war wieder stehen geblieben. Es war an einer letzten Treppenstufe . Um sie her drängten sich die schwerbeladenen Reben, über die Dächer hinweg sahen sie in den wallenden Strom. Abendkühle wehte vom Duschwald herauf.

Die Ruhe", erwiderte Ruth langsam.

Er nahm den Hut ab. Sein Gesicht war gestrafft, der entschiedene Ausdruck zurückgedräng- ter Spannung darin. Fast brutal in seiner Energie mit den niedergedrückten Brauen und dem hartgeschlossenen Mund.

..Rein, so stark die glückliche Raturheilgabe Ihres Herrn Vaters, der absolute Verzicht auf alles, was an anderes Leben und Treiben er­innert. und die idyllische Landschaft auf mich gewirkt haben, am stärksten haben Sie auf mich eingetoirft, Fräulein Engelhardt. Ich bitte um die Erlaubnis, Ihnen das sagen zu dürfen. Wie ich es meine, das überlasse ich ruhig Ihrem Gefühl."

Sie hatte abwehrend die Hand erhoben, bei­nahe erschrocken, vom Blut verlassen, das den Weg nicht mehr in ihre Wangen fand.

Da ergriff Gerhart. Tylander ihre Hand und führte sie mit einer so zarten Huldigung an die Lippen, dah die herrische Spannung in seinen Zügen Lügen gestraft wurde.

Ohne' ihren Arm zu nehmen, ging er die Stufen hinunter.

Sie wechselten kein Wort mehr, bis sie die anderen erreichten.

Ruth drängte zur Eile. Zu lange schon hatte sie den Vater allein gelassen, saß er ohne sie über dem schillernden Wein, der hellrot in den Gläsern stand.

Tylander folgte ihr gern.

Ruth war ihrer Ueberraschung Herr gewor­den, und es war von diesen Dingen nicht mehr die Rede zwischen ihnen.

Doch als Tylander Ende September nach Berlin zurückkehrte, verabschiedete er sich von

ihr nicht mit einem Lebewohl, sondern sagte ernst:

Ich darf doch hoffen, Sie in Berlin wieder­zusehen, Fräulein Engelhardt."

Ruth stand neben ihrer Schreibmaschine. Ein seiner Regen ließ das Zimmer grau erscheinen.

Wie sollte ich nach Berlin kommen, Herr Tylander?" antwortete sie lächelnd.

Run, zum Beispiel mit Ihrem Herrn Vater. Cs gibt immer Gelegenheiten, nach Berlin zu gehen."

Sie schüttelte abwehrend den Kopf.

Gut, dann sehe ich Sie also erst nächsten Sommer wieder. Vier Wochen Rachkur schlage ich auf alle Fälle noch heraus."

Er hatte rasch und laut gesprochen.

Doktor Engelhardt, der eben ins Zimmer trat, konnte jedes Wort hören.

Das geht nicht. Sie haben die See oder das Hochgebirge nötig. Rheinau war für den seßhaften Patienten. Für einen wieder beweg­lich gewordenen, bald hergestellten Menschen Ihrer Anlage wäre unsere stille Einsamkeit der Tod."

Tylander lachte. ,

Als er Ruth die Hand gab, umfing sie sein prüfender, Erinnerung suchender Blick noch einmal von den blonden Haaren und den dunk­len Augen zu den schlanken Gliedern, und sie sah seine Augensterne fick vertiefen und spürte einen festen, lange wirkenden Druck seiner Hand.

Ich glaube, ich komme doch noch einmal hierher", sagte er kurz.

Dann war Ruth allein.

Sie wußte, dah der Mann um sie warb. Vielleicht war seine Reigung ein Erzeugnis der stillen Monate und der Genesungszeit in St. Jo­seph, vielleicht vergaß er sie, sobald er wieder in der Welt lebte, in die er gehörte. Es war eine Welt der Arbeit, von atemraubenden Im­pulsen beflügelt, und Tylander selbst glich dem Motor, der dort draußen in dem großen Reise­automobil arbeitete, daß der Wagen wie von Fieber geschüttelt auf den Augenblick zu warten schien, der ihm die Freiheit gab.

Jetzt stieg er ein.

Sie stand am Fenster und nickte.

Er hob die Mütze, blickte ernst, mit einem gehaltenen Lächeln zu ihr herüber, und surrend schoß der Wagen davon. Bläuliches Gas stieg zwischen den Obstbäumen empor und wurde vom Regen aufgezehrt.

Vielleicht vergaß Gerhart Tylander sie auch nicht. Es war etwas an ihm gewesen, das nicht danach aussah. Sie setzte sich vor die Ma­schine. auf der sie für ihn so manchen Brief geschrieben hatte.

Roch vierzehn Tage und das Haus war leer, sie war wieder allein mit dem Vater, und die Welt stand still.

Hanns Ingold hatte nicht oft geschrieben.

Seine Briese waren von Bitterkeit erfüllt. Lind nur zuweilen schlug seine Leidenschaft durch und sand ein paar heiße Worte, die Ruths Blut in Glut versetzten. Er war beim Minister gewesen und kalt abgewiesen worden. Eine Ver­sammlung, die er in Mannheim gehalten hatte, war ihm mit Gleichgültigkeit begegnet, und daS hatte ihn mehr erbittert als die heftigste Geg­nerschaft. Run war er daran, eine zweite Bro­schüre zu schreiben, in der er seinen Plan ein­gehender entwickeln und vor allem die Reitta- bilität nachweisen wollte. Wenn Ruth sich nicht täuschte, war er jetzt in der Rähe, denn er fuhr und ging von Gemeinde zu Gemeinde, von einem Industrieherd zum anderen und erkundete überall die Bedürfnisse an Licht und Kraft, .stu­dierte das Bahnwesen und hatte sogar einen Cisenbahntechniker angeworben, der ihm die Be­rechnung übet die Llmwandlung der Reben­bahnen im Oberland in solche mit elektrischem Betrieb aufstellen sollte.

Ich habe niemanden, ich spreche nur zu Dir davon, Du glaubst an mich!"

Dieser Satz kehrte in drei Briefen wieder.

Ruth antwortete ihm, daß sie nie aufhören werde, an ihn zu glauben. Oft packte sie in der Stille, die jetzt im Rheintal eingekehrt war, die Sehnsucht nach dem Ruhelosen, der keinen anderen Gedanken und kein anderes Ziel mehr hatte als die Errichtung dieses Werkes am Lauffen. Sie spürte, daß der Widerstand und die Geringschätzung, die er gefunden hatte, sein Gemüt verwundet und geschädigt hatten.

(Fortsetzung folgt.)