vom Äatarmenftift in Wittenberg wird aber .Evangelische Diakonissenarbeit in den Städten und Urwäldern Brasiliens" berichten. — Lehrer Kaufmann von Merkenfrih wurde zum Fort- bildungsschullehrer dahier ernannt. Er wird den Fortbildungsunterricht an den Volks- und Gewerbeschulen in Ortenberg und Hirzenhain, sowie den Unterricht der landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen an den Schulen zu Bergheim und Lißberg übernehmen. Semen Wohnsitz behält er zunächst in Merkenfrih. — Die hiesige Oberförsterstelle, die längere Zeit unbeseyt war, soll dem Vernehmen nach wieder beseht werden. Herr Siepmann- Büdingen iü. wie wir hören, zum Oberförster dahier ernannt worden. — Die Aufnahmen zu der im Gang befindlichen Parzellenvermessung unserer Gemarkung sind beendet. Aach Fertigstellung der Pläne im Lauf des Winters wird im Frühjahr nächsten Jahres mit den Arbeiten für die Feldbereinigung begonnen werden. -- Die hiesige Schul st elle wurde Lehrer Richard Bechtold, dem Sohn unseres seitherigen Bürgermeisters, übertragen. Lehrer Bechtold stand bisher in Köddingen, Kreis Schotten.
I! Bellmuth, 30. Aov. Sn den nächsten Tagen feiert unsere ä l t e st e Einwohnerin, Frau Karvline Carl Ww., in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 93. Geburtstag.^
dtrcis schotten.
* Eichelsdorf, 30. Nov. Das Lutherfest s p i e l von Dr. Hans 5)errig und „Luthers H o a> z e i t s t a g" von Otto Steknbach wurden gestern in zwei gut besuchten Vorstellungen von Direktor M. Halter und seiner Truppe unserer Gemeinde dargeboten. Altbekannte Gestalten wanderten über die Bühne: die Höhepunkte im Leben des großen Reformators gewannen Leben und prägten sich tief ein. Die von heiligem Ernste ge- ttagene Darbietung hinterließ einen tiefen Eindruck. In der Abendvorstellung begleitete der hier im Vorsommer entstandene Musik verein die allgemeinen Gesänge.
.itreis Alsfclo.
Alsfeld, 30. Nov. Am 28. und 29. November fand in der neuen städtischen Festhalle auf dem Lindenplatz die 1. Allgemeine Geflügel- und Kaninchenausstellung des Kreisgeflügelzucht oe rein s Alsfeld statt. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung erfolgte am Sonntagmittag mit einer Begrüßungsansprache des Lehrers Stoll (Altenburg) namens des Kreisgcslügclzuchtvereins, in welcher der Redner aus die allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung der Geflügel -und Kleintierzucht hinwies. Zu der Eröffnung war als Vertreter des Kreisamts Regierungsrat Strack (Alsfeld) und für die Stadt Alsfeld Bürgermeister Dr. Völsing erschienen. Die Ausstellung wies eins gute Beschickung auf, besonders in Hühnern, Tauben und Kaninchen, die sehr schöne Exemplare aufwiesen. Die Stiftung zahlreicher wertvoller Ehrenpreise ermöglichte eine gute und reichliche Prämiierung. Der Besuch der Ausstellung am Samstag litt etwas unter der Ungunst der Witterung, da der reichlich gefallene Schnee manchen Besucher vom Lande abhielt.
m. M ü ck e , 30. Nov. In den Kirchen zu Flensungen und Merlau predigte Missionar I d - mann von der Baseler Mission. Nach den Gottesdiensten wurde eine Kollekte zum Besten der Baseler Mission erhoben. Konfirmanden verteilten Missionsschriften. Abends hielt Missionar I d - mann im Schulsaal zu Merlau einen Lichtbildervortrag, der auch von auswärtigen Zuhörern besucht war.
K. Nieder-Gemünden, 30. Nov. Unsere kürzlich eingeweihte neue Glocke, die wohl dem Ton nach in die Harmonie der beiden anderen, die uns nur infolge ihres hohen Alters im Weltkrieg erhalten blieben, paßt, will sich in Bezug auf Klang-
farbe den alten wenig anschmiegen. Der Sachverständige will nun die Ursache in dem Umstand sehen, daß sowohl die Klöpfel als auch die Anschlagflächen zu stark abgenutzt seien, der Anschlag also auf eine zu große Fläche erfolge. Die Glocken müßten also neue Klöpfel erhalten, ferner um einen Winkel von 90 Grad gedreht werden, um neue Anschlagflächen zu bekommen.
Ehringshausen, 30. Nov. Der ältestc Fleischbeschauer im Kreise Alsfeld ist wohl Karl Kaspar aus Nieder- Gemunden. Er steht jetzt im Alter von 84 Jahren und erfreut sich noch einer selten körperlichen und geistigen Frische. Noch jetzt legt er den mehr als einftunbigen Weg von Nieder-Gemünden bis Ehringshausen, um hier seines Amtes zu walten, zu Fuß zurück.
Starkenburg.
• Darmstadt, 30. Aov. In Wiebelsbach t O. wollte gestern ein Bahnsteigschaffner auS Höchst i. O. die Bahngeleise überschreiten. Dabei wurde er von einer Lokomotive erfaßt und schwer verletzt.
WEN. Offenbach, 29. Nov. Ein Beamter des Finanzamtes Offenbach-Land ist wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung verhaftet worden. Wie wir erfahren, handelt es sich um einen Obersekretär, der fdion lange im Amte ist und durch Fälschung von Unterschriften Gelder unterschlagen hat. Der Beamte ist in Untersuchungshaft genommen worden.
Rheinhessen.
WSA. Mainz, 30. Aov. Die hiesige Schulbehörde hatte auf dem Wege der Submission die Vergebung von Anstreicherarbeiten ausgeschrieben. Das interessante Ergebnis war, daß die niedrig ft fordernde Firma 582 Mark, die Höch st fordernde 5 7 8 5 ,85 Mk. forderte.
WSA. Worms, 30. Aov. Sn einem Hause der Speyerer Straße geriet der neben dem Ofen stehende Korb, in dem das 3jährige Kind des Chauffeurs Müller schlief, auf bisher un- bekcmnte Ursache in Brand. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald nach der Verbringung ins Krankenhaus st a r b.
Preußen.
.VifeWetzlar.
m. Braunfels, 30. Nov. Bürgermeister Ziegler vo hier ist für die Stadt Braunfels für eine fernere zwölfjährige Amts dauer zum Bürgermeister wiedergewählt und bestätigt worden.
Xx Aus dem Kreise Wetzlar, 30. Aov. Wohl kaum in einem Sahr zuvor war die Sagd auf Wildschweine im Krei e Wetzlar so ergiebig, wie diesmal. Der Sagdpächter von A l l c n d o r f, Dr. Maas aus Hamborn (Rheinland), erlegte eine Bache von ca. 15Ö Pfund, Hilfssörster Diehl, Heisterberg, schoß zwei und Jagdaufseher Anschütz, Dissenberg, sogar fünf Schwarzkittel. — Auf die Gemeindejagd Hohensolms wurde bei der jüngsten Verpachtung als Höchstgebot 820 Mk. erzielt.
XX Atzbach, 29. Aov. Am Samstagnach- mittag wurde unter reger Beteiligung der Veteran Friedrich Fabel beerdigt. Der Krieger- verein gab über dem Grabe seines treuen Mitgliedes eine Ehrensa ve ab, die Gießener Reichswehrkapelle spielte in öanl.'swerter Weise Trauermelodien.
sz. Hochelheim, 30. Nov. Bei einem Kes- feltreibenauf Hasen wurden am Samstag in unserer Gemarkung 4 1 Hasen erlegt.
h. Dornholzhausen, 30. Nov. Das Dach unseres Kirchturms wird gegenwärtig instand gesetzt. Die Ausführung der Arbeiten ist dem
Dachdeckermeister Heyd zu Butzbach übertragen. Unangenehm bemerkbar macht sich für die Dauer der Instandsetzung allerdings, daß die Kirchenglocken während dieser Zeit nicht geläutet werden können.
d. Groß-Rechtenbach, 29. Nov. Die Eheleute Wilhelm B r ü ck e l feierten im Alter von 74 und 71 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit. Brücke! ist besonders in Fuhrmannskreisen als „Hof-Wilhelm" weit über die Grenzen unseres Dorfes hinaus bekannt.
w. Münchholzhausen, 28. Aov. Die hiesige Gemeinde hat einen Teil des von dem Fürsten zu Solms-Braunfels erworbenen Grundbesitzes an hiesige Ortsein- lvohner öffentlich meistbietend verkauft.
b. '21 u 5 dem Hü ttenberg, 29. Nov. Bei der Vergebung der diesjährigen Holzsällungs- arbeiten wurden im allgemeinen höhere Preise als im Vorjahre gefordert. So betrugen im Durchschnitt die Forderungen für die Fällung von einem Festmeter Stämme und Stangen 1. und 2. Klasse 2 Mk., von einem Raummeter Derbholz 2,20 Mk., von einem Raummeter Stockholz 3,50 Mk., für Reiser 0,90 Mk., für Rückerlohn 0,20 Mk. und für Stangen 4. dis 6. Klasse 3 Mk. Die Holzakkordanten erhalten durchschnittlich 2 Proz. der Hauerkosten für ihre Mühewaltung. Mi t den Holzfällungen, bei denen in erster Lineie auch geeignete Erwerbslose zu beschäftigen sind, wird schon in diesen Tagen begonnen werden.
ftreid Marburg.
|( Marburg, 29. Nov. Die evangelischen Bahnhofsmissionen Hessens hielten hier Ende dieser Woche eine aus der ganzen Pro- oinz gutbesuchte Arbeitskonferenz ab. Nach einem vorangegangenen Werbeabend im großen Saale des Philippshauses, bei dem die Leiterin der Kasseler Bahnhofsmission, Frl. Kröger, Lichtbilder aus der Tätigkeit der Mission zeigte, die durch einen Vortrag der Generalsekretärin der deutschen Bahnhofsmission, Frl. Reinicke aus Berlin, erläutert wurden, folgte anderen Tags die Hauptversammlung im Haus Freidhof. Außer den Vertretern der Landes- und anderen Behörden hatten sich auch viele andere Interessenten eingefunden. Ansprachen hielten u. a. der Landesjugendpfarer Schmidt aus Kassel und Konsistorialrat Prof. D. Born- Häuser aus Marburg. Man besprach die wichtigsten Fragen der Bahnhofsmission und ernannte zum Schluß einen Arbeitsausschuß für Hessen und Waldeck. Nachmittags fand eine gemeinsame Be- j sichtigung der Elisabethkirche statt.
ftreitf Biedenkopf.
XX Biedenkopf, 28. Nov. Vor dem Weltkrieg betrugen die städtischen F ü r s o r ge - ausgaben pro Jahr rund 3530 Mk, mithin auf den Kopf der Bevölkerung 1,17 Mk. Vom 1. April 1925 ab beläuft sich der gesetzliche Beitrag der Stadt zu den Kosten der örtlichen Fürsorgeausgaben mit 30 Proz. auf 5000 Mk. oder pro Kopf rund 1,50 Mk. Biedenkopf zählt nach der jüngsten Zählung 3371 Bewohner gegen 3015 im Jahre 1910.
Mangau.
Frankfurt a.M,' 30. Aov. WSA. Der Täter, der den Kriminalbeamten O t to Sack in der Savignystraße erschoß, ist, wie von Anfang an vermutet wurde, in Zuhälterkreisen zu suchen. Wie wir erfahren, soll aus diesen Kreisen (es handelt sich um den bef r ten ..Zuckerverein") die Drohung gekommen sein, daß noch eine Reihe weiterer Beamten, nahezu ein halbes Dutzend, erschossen werden solle. Es ist bereits die Festnahme eines Mannes erfolgt, gegen den gewisse Verdachtsmomente vorliegen. Die weitere Untersuchung wird ergeben, inwieweit er als Täter in Frage kommt. — Sn letzter Zeit tritt hier ein Schwindler auf, welcher für eine angeblich am 2. Weihnachtsfeiertage ftatt- findcnde Weihnachtsbescherung der Kinder von Kriegsbeschädigten und Krie- gcrhintcrbliebenen der K r i e g e r k a m e i a D -
schäft Sammlungen vornimmt. Der Schwindler legimiert sich durch Vorzeigung eines qefälsch' ten Ausweises und legt dann eine Einzeichnuna»- liste vor. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei.
Kirche und Schule.
Reformationä-Crinnerungsfeicr in Alsfeld.
>■* Alsfeld, 30. Aov. Zu einer erhebenden und imposanten Kundgebung der evange- tischen Kirchengemeinde Alsfeld gestaltete sich die am gestrigen ersten Adveitts- somttage in der festlich geschmückten Walpurgis- lirche abgehaltene Feier zur Erinnerung an die 400jährige Einführung der Reformation in der Stadt Alsfeld durch Dr. Tilemann Schnabel im Sahre 1525. den ehemaligen Mönch des Alsfelder Augustinerklosters. ein naher Freund von Dr. Martin Luther. Sn dem um 10 ilbr stattgefundenen ■ Festgottesdienste hielt Pfarrer Hechler- Alsfeld die tiefempfundene Festpredigt über die Bedeutung der Einführung der Reformation für die christliche Welt, lvährend der Superintendent der Provinz Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner in einer zu Herzen gehenden Ansprache anknüpfend an den Brief an die Hebräer über die Kraft und Macht des göttlichen Glaubens sprach und die andächtig lauschende Gemeinde ermahnte, auch heute wie damals die führenden Manner der Reformation denselben Mut und dieselbe Entschlossenheit zu bewahren. Zwei Sähe aus dem von Felix Mendelssohn vertonten 42. Psalm „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" und „Was betrübst du dich, meine Seele", welche der Kirchen- , gefangnerem mit Orchester und Orgelbeglcitung unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Meinhardt aus Alsfeld in wundervoller Reinheit und Klangschönheit zu Gehör brachte, umrahmten die erhebende Feier. Das geräumige Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Abends um 8 Uhr fand noch ein evangelischer Gemeindeabend in der Walpurgiskirche statt, welche wiederum voll besetzt war. Eingeleitet wurde der Abend durch den vom Kirchengesangverein vorgetragenen Chor ..Was ist das Fest" nach dem Chorsah des bekannten hessischen Kirchenmusikers Prof. Arnold Mendelssohn aus Darmstadt. Aach einem Gemeindegesang folgte eine Ansprache des Dekans -Dr. Unverzagt-Alsfeld. worin er namens des Dekanats Alsfeld der evangelischen Gemeinde seine Grüße und Glückwünsche zu der Erinnerungsfeier darbrachte. Den Höhepunkt des Abends brachte der Dortrag des Prälaten der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl über Bilder aus der 400jährigen Vergangenheit der evangelischen Gemeinde Alsfeld. Sn überaus fesselnder, schwungvoller Weise gab der Vortragende ein anschauliches Bild über das Leben, die Äot und die Kämpfe des Reformators von Alsfeld, Dr. Tilemann Schnabel, und über die geistige Größe dieses unerschrockenen Kämpfers der neuen Lehre, der 1525 die Lehre Luthers in Alsfeld einführte und hier 30 Sahre segensreich wirkte. Der Vortrag klang in die Mahnung an die Gemeinde aus. irach dem Beispiel der tapferen Dorlämpfer der Reformation auch in der heutigen schweren Zeit unseres Volkes auszuharren im Glauben an die göttliche Vorsehung aus eine bessere Zeit. Mit dem gemeinsamen Gesang des 4. Verses des alten Lulherliedes „©in’ feste Burg" schloß die Feier, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird.________
Bei Korpulenz oder Veranlagung raten wir. In der AvoiMke 60 Gramm erbte T olnl> n -.Kerne ui kaufen tue unfdiäblirbe, dabei fehr wirksame den TVcttaniaij reduzierende Stoffe cntljalien. Bestandteile auf der Packung. 91 8ss
Srgenö etwas mutz geschehen für den armen Puppenpeter."
„Srgenö etwas muß geschehen", wiederholte Wiesenstelz wie ein Echo.
2lber was? Das war der schwierige Punkt.
Der alte Luginsland war sehr klug, ja, aber seit die Welt bestand, war Rürnberg nie der Schauplatz einer so verwickelten Geschichte gewesen. Man konnte es den Aürnbergern gar nicht ve" argen, wenn sie ihrem Unmut Ausdruck gaben. Wenn ein Spitzbube wie ein Spitzbube handelt, dann wundern sich die Leute nicht darüber, sondern lassen ruhig der Gerechtigkeit ihren Laus; wenn aber ein Mensch, den man für ehrlich hielt, sich als ein Gauner entpuppt, dann fühlen sich alle, die ihn achteten, betrogen und können ihm nicht verzeihen. Man darf daher die Nürnberger nicht verdammen, wenn sie von Anfang an so grausam mit Puppenpeter verfuhren.
Aachdern Luginsland lange Darüber nachgegrübelt hatte, wie den Aürnbergern auf die Spur der Wahrheit geholfen werden könnte, kam et zu feiner tiefen Beschämung zu dem Schluß, daß hier all feine Weisheit versage, denn die Unwissenheit der Menschen ist so groß, daß sie nicht einmal die so einfache Sprache der Störche verstehen. Srnmerhin. einiges konnte man ja versuchen. Zum Beispiel einen Spaziergang auf den Dächern, wie es Bringglück vorgeschlagen hatte, mit Luginsland an Der Spitze, Schnabel- spitz hinten unD Wiesenstelz in Der Mitte. Schnabelspitz war eine etwas schrullige Störchin, Die, Gott weiß warum, nicht mit den anderen Zugvögeln wandern wollte. Sie hatte sich ein behagliches und sicheres Heim auf einem Der vier großen runden Türme eingerichtet und nährte sich von Mäusen und allerhand Abfall- stoffen. Dazu eigensinnig und hochnäsig, war sie keine recht vornehme Gesellschaft für Luginsland und Wiesenstelz, aber im Grunde genommen hatte sie ein gutes Herz. Als sie Die Geschichte mit Der Münze erfuhr, war sie ganz starr. Sie strich hastig ihr Gefieder zurecht, putzte sich Den Schnabel unD schloß sich Dem Zuge an.
(Fortsetzung folgt.)
von
Nachdruck verboten.
4. Fortsetzung.
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Pelzmärtel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
harn ein Kunststück beibringt, Das ihn sehr befriedigt, denn sein Gesicht verzieht sich in hunDert Falten, und in jeDer nistet ein Lächeln."
„Und Dann?“ fragte Wiesenstelz klopfenDen Herzens.
„Dann übergibt Abraham Der Tante Berta schließlich einen größeren Gegenstand, etwas Rundes, das in der Sonne Feuer zu fangen scheint » glitzert es. Die abgerichlete Tante Berta Liegt wie vorher Damit nach Der gewohnten Mauerritze, kriegt aber diesmal bei der Rücklehr leine Rosinen. Abraham Schloß packt sie vielmehr bei den Beinen wie ein Huhn und schließt das Fensterchen, um sie Daran zu verhindern, Die Münze zurückzubringen, wie sie es mit Den Steinchen gemacht hatte.
Daraus verläßt er Den Taubenschlag unD verkriecht sich wieder samt seiner Amsel, seinem Papagei und Der Elster in seiner Höhle. Sch glaube, er wirb sie am Ende noch erdrosseln vor Angst, daß man sie bei ihm findet."
„Das hätte sie verdient", bemerkte Wiesen- stelz. „Hm — und Der Schrank?"
„Der Schrank steht wieder an feinem Platz und verbirgt Die bösen Streiche dieses Abraham Schloß. Sst Dir nun alles klar?"
„Sa, vollständig klar."
Sn großer Erregung ging Wiesenstelz auf um) ab, und dazwischen blieb sie sinnend bald auf Dem einen, bald auf Dem anderen Deine stehen.
„Wie schrecklich." sagte sie endlich, „daß wir den Menschen niemals begreiflich machen werden können, was Du mir eben erzählt hast."
„Richt können?" polterte Der Großvater. „Wir m ü ssen können! Vergiß nicht, daß wir Zurückgebliebenen die einzigen sind, die in diesem kritischen Augenblick das edle Volk Der Störche repräsentieren, Das gegenüber solchem Unrecht nicht gleichgültig bleiben kann. Bringglück ist in heller Aufregung, sie will trotz ihres Leidens aufstehen, über Die Dächer humpeln, sich allen Aürnbergern zeigen, um sie Darauf aufmerksam zu machen, daß es mit der Gerechtigkeit in Nürnberg nicht weit her ist. Lind Bringglück hat recht.
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Rach Dem S alienischen Der Teresah erzählt Gustav W. (Sb e r (ein.
Copyright 1925 by A. Scherl G.m.b.H., Berlin.
Luginsland erzählte Wiesenstelz nun fol- endes:
„Vor zehn Tagen ungefähr, es war herrliches Wetter, stand ich auf Dem Der Wohnung des Puppenpeters gegenüberliegenden Taubenschlag, unter Dem sich — höre mir aufmerksam zu — Die Kammer befindet, in Der Abraham Schloß wohnt. Es ist eine wahre Höhle, in Die er sich in feiner freien Zeit verkriecht, wobei ihm eine Amsel, eine Elster und ein ruppiger Papagei Gesellschaft leisten, seine Vögelchen, wie er sagt. Innen führt eine Wendeltreppe in den Taubenschlag hinauf, Deren Zugang durch einen Sch.ank verstellt ist, so daß feine Besuche, wenn er solche empfangen sollte, gar nicht auf öen Gedanken kommen, her schlechte Geselle könne durch den Taubenschlag auf das Dach gelangen. Gr muß das verstohlen tun, weil Der Taubenschlag nicht ihm gehört, sondern dem Hausherrn. Bist Du soweit nachgekommen?"
„Sa“, sagte Wiesenstelz nachdenklich. „Aber eines verstehe ich nicht: wie kannst Du Denn etwas von einer inneren Wendeltreppe und einem verdeckenden Schrank wissen?"
Der alte Luginsland plusterte sich auf, um seine Verlegenheit zu verbergen. Dann antwortete er wichtig:
Wer Augen hat, Der sieht: wer Ohren hat, der hört: unD wer Verstand hat, überlegt. And wer neugierig ist, macht sich keine Gewissensbisse, wenn cs etwas auszuspionieren gibt.
„Fahr fort", sagte Wiesenstelz. Sm ftiUeii dachte sie, daß Spionieren eigentlich eines <otorchech unwürdig sei. 'Aber sie sprach es nicht aus.
„Bedenke nun weiter," fuhr Luginsland fort: „Bon Abrahams Kammerfenster, das auf die Straße geht, kann man die Wohnung des Puppenpeters nicht sehen, wohl aber vom
Taubenschlag aus, der nach allen vier Himmelsrichtungen über Die Dächer hinwegschaut. Deutlich liegen einem das Fensterchen unD Der Sims vor Augen, wo Die kostbare Münze gefunDen wurde."
Wiesenstelz begann zu verstehen.
LuginslanD berichtete weiter: „Also, ich stehe gemütlich oben auf dem Taubenschlag, da höre ich Die Stimme Abrahams, wie er sich zärtlich mit Tante Berta unterhält. Das ist ja nun nichts Besonderes, aber ich kann nun einmal Abraham nicht leiden, vielleicht, weil mir Tante Berta so unsympathisch ist. Sch spitze die Ohren und höre zu meinem Aerger, wie er ihr fortwährend schön tut: mein Liebling, mein Zucker- schleck, mein schönes, schönes Vögelchen, und solch dummes Zeug — als ob es in Rürnberg nicht viel schönere Vögel gäbe als diese dumme Elster."
Das Storchensräulein senkte unter dem stolzen Blick, mit Dem sie Luginsland bei diesen Worten streifte, schämig den Schnabel, und es war gut. daß sie in diesem Augenblick in dem ausgescharrten Erdreich einen feisten Regenwurm entdeckte, mit Dem sie sich zu schaffen machen konnte.
„Tante Berta," fuhr Der Großvater fort, „war natürlich sehr geschmeichelt, zierte sich, reckte Den Schnabel und warf mit ihren falschen Augen herum. Die klug sein möchten unD Doch nur boshaft finD. Auf einmal, Den Hals vor- streckend. was sehe ich? Hält dieser Abraham der Tante Berta ein glitzerndes Steinchen hin unD befiehlt ihr: Los, mein Liebling, mach's gut! Tante Berta nimmt es in den Schnabel, breitet Die Flügel aus und läßt sich--was sagst Du
dazu? — auf Peters Fensterbrett nieder. Dort angekommen, versteckt sie das Ding nach ihrer Gewohnheit in einer Mauerritze unD kehrt krächzend und hüpfend zu Abraham zurück, der ihr zur Belohnung eine Handvoll Rosinen gibt. Kurz nachher fliegt sie abermals auf den Sims hinüber, nimmt das Steinchen auf. und trägt es ihrem Herrn zurück. Das wiederholt sich dreimal, Dreimal wird ein glitzerndes Steinchen von Der Tante Berta in Derselben Ritze versteckt und I toieDer herausgeholt. Sch merke, Daß ihr Abra-


