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Höfe gewährleisten würde. Verhandlungen hierüber sind im Gange.

Auch in Belgien ist nunmehr der größte Teil der deutschen Kriegerfriedhöfe durch Mit­glieder der deutschen Gesandtschaft in Brüssel besichtigt worden. Dabei ergab sich, daß der überwiegende Teil der Gräberanlagen zu wesent­lichen Ausstellungen keinen Anlab bietet. Ins­besondere sind die von deutschen Truppen im Etappengebiet angelegten schönen Friedhöfe fast durchweg unversehrt erhalten. Roch nicht befriedigend ist hauptsächlich der Zustand der im Gebiete der flandrischen Kampfzone gelegenen Grabstätten. Verhandlungen, die auf eine durchgreifende Besserung in dieser Hinsicht abzielen, sind eingeleitet.

Die KommunalWahlen in Preußen.

In ganz Preußen, mit Ausnahme von Grob- Berlin. fanden am Sonntag dw Wahlen zu den Provinzial-Landtagen und den Kreis­tagen statt. Die Wahlbeteiligung hat durchaus nicht der Bedeutung entsprochen, die diese Kör­perschaften einmal für den Gang der Verwaltung in den Provinzen und Kreisen, andererseits aber auch für die Gesetzgebung Preußens haben. Äird diese Bedeutung kann sich in Zukunft noch mehr steigern, wenn erst der vorgesehene Ausbau der Provinzialantonomie mehr in Erscheinung treten wird. Die Hauptbedeutung der Provinzialland­lage besteht jetzt vor allen Dingen darin, daß der Preußische Staatsrat aus Vertretern der Provinzen besteht, die vom Provinzialparlament gewählt werden. Da in Preußen weiter d.e Hälfte der Acichsratsvertreter durch die Provin- zialausslyüsse bestimmt werden, sind sie auch nicht von unerheblichem Einfluß auf die Zusammen­setzung des Reichsrates.

Der Versuch der Parteien, diesen Wahlen einen politischen Anstrich zu geben, hat die Wahl- nrüdigkeit selbst durch zündende Parolen nicht überwinden können. Die Wahlbeteiligung hat an feinem Ort 50 Proz. wesentlich über­schritten, in den meisten Bezirken war sie sogar vrel geringer und lag etwa bei 30 Prozent. In Trier konnten überhaupt nur 21 Proz. der Wahl­berechtigten an die Urne gebracht werden. Die bisher vorliegenden Resultate lassen im wesent­lichen schon erkennen, daß sich die Linksparteien: im allgemeinen im Rahmen der schwachen Wahl­beteiligung gehalten haben, besonders die Kom­munisten und diese scheinbar noch auf Kosten der Sozialdemokraten. Die stärkere Wahlbeteili­gung bei diesen Parteien scheint doch darauf zurückzuführen zu sein, daß es ihrer Wahl- provaganda gelungen ist, die Anhänger von der Bedeutung für die künftigen Geschicke Preußens zu überzeugen. 1

Die Wahlbeteiligung der bürgerlichen Par­teien war sehr gering, geringer als man eigent­lich nach Locarno erwartet hatte. Die Verluste dieser Parteien sind sehr erheblich, sie sind zum Teil bis auf ein Sechstel ihres bisherigen Stan­des zusammengeschmolzen. Lediglich die Wirt­schaftspartei, die Haus- und Grundbesitzer, ver- mochten sich einigermaßen zu halten. Im allge- wird man also damit rechnen können, daß viele Körperschaften über eine sozialistisch-kommunisttsche Mehrheit verfügen werden. Obwohl man kaum mit einem einheitlichen Zusammenarbeiten der beiden Linksparteien zu rechnen haben wird, werden die bürgerlichen Parteien die Interessen- -losigkeit ihrer Wähler schwer büßen müssen, wenn es nicht gelingt, alle Splitterparteien unter einen r Hut zu bringen. Ob das bet den großen Fragen, die sich auf den preußischen Staat beziehen, nun ' der Fall sein wird, dürste nach den Erfahrungen . doch recht fraglich sein.

Die Wahlergebnisse in Hessen- Nassau.

Kassel, 1. Dez. (TU.) Die Provinz Hessen- 'Nassau zerfällt in die zwei Regierungsbezirke K a \- s e l und Wiesbaden, die beide zum Kommu- nallandtag gewählt haben. Beide Kommunal­landtage bilden zusammen den Provinzial- l a n d t a g.

Regierungsbezirk Kassel: Soz. 1U6 635, Ber­einigte Rechte 109103, Zentrum 51543, Demokra­ten 18 462, Kommunisten 22 234 Stimmten.

Regierungsbezirk Wiesbaden: Soz. 93 940, Deutschnationale Bolkspartei 16547, Deutsche Dolks- partei 19 175, Zentrum 69 288, Demokraten 16 736, Kommunisten 19 556, Wirtschaftspartei 40 724, Ar­beitnehmer 6921, Kreisarbeiter 1135, Schutzverband 1145, Soz. Arbeitnehmer 853, Unabhängige 1248, Wirtschaftliche Vereinigung 1458, Arbeitsgemein­schaft 43 993.

Der Kommunallandtag im Regierungsbezirk Kassel setzt sich wie folgt zusammen: Hessen- Rassauische Arbeitsgemeinschaft 15 Sitze, Sozial- demoftalen 15. Zentrum 7, Demokraten 3, Kom­munisten 3, zusammen 43 Sitze. Bisher setzte sich der Kommunallandtag aus 20 Vertretern der Deutschna ionalen, der Deutschen Volkspartei und der Völkischen, die sich diesmal zur Arbeits­gemeinschaft zusammengeschlossen haben, ferner 19 Soz'a'demck a'.en, 7 Zentrumsleuten, 4 Demo­kraten und 1 Kommunisten zusammen.

Die Zusammensetzung des Kommunallandtags des Regierungsbezirks Wiesbaden wird wie solgt sein: Sozialdemokraten 16, Kommunisten 4, De­mokraten 3, Zentrum 12, Deutsche Volkspartei 3. Deutschna tonale 3, Hefsen-Rafsauische Arbeits­gemeinschaft 8, Wirtschaftspartei 3, zusammen 52 Abgeordnete.

Die Provinz Hefsen-Rassau deckt sich mit dem preußischen Land agswah'.k.eis Hessen - Ra sau. Bei den letzten Landtagswahlen im De­zember 1924 wurden hier abgegeben: Sozial­demokraten 366 253, Deutschnationale 214192, Zentrum 197 755, Demokra en 96 945, Kommu­nisten 63 689, Deutsche Vollspur,ei 145 001, Völ­kische 27 710, Wirtschaftspartei 26 201 Stimmen.

Der Provmzial!andtag der Rhemprovmz.

Düs s eldo rf, 30. Rov. (TU.) Bei den Wahlen zum Provinziallandtag wurden insgesamt 1,73 Millionen Stimmen abgegeben. Rach der Zahl der Wahlberechtigten, die rund 4,6 Millionen betrug, haben noch nicht ganze 50 Prozent der Wähler ihrer Wahlpflicht genügt.

Bon den rund 1,73 Millionen Stimmen ent­fielen auf das Zentrum 767 123 (1 354 367). So­zialdemokraten 251 609 (452 596), Deutsche Bocks- Partei 16.' 9.27 (307 538), Deutschnationale 173 804 (351 543), Kommunisten 192 142 (408 741), Demo­kraten 38 568 (132 386), Bund für Aufwertung 57 075 (2 628), Christlich-Soziale 16 383. Deulich- Bölkische 12189 (29 631), Polen 4 430 ( 5 923), 05au- em und Winzer 21 206 (14 215), Sparerbund

19 603, Unabhängige Sozialdemokratische Partei 2 763 (11 471), Wirtschaftspartei 55 092 (74 048).

Im neuen Provinziallandtag werden sich die Sitze etwa wie folgt verteilen: Zentrum 73 (73), Sozialdemokraten 24 (31), Deutsche Volks- parteil6 (20), Deutschnationale 16 (14), Kommu­nisten 18 (14), Demokraten 4 (5), Sparbund 2, Bauern und Winzer 2, Wirtschaftspartei 5. Die übrigen Parteien haben kein Mandat erlangt. Der letzte Provütziallandtag umfaßte 159 Sitze, während der neue 163 Abgeordnete haben wird. DerVergleichmitdenholMMmt Das Ergebnis der Vermögeusans- einaudcrsetzuttg.

Berlin, 30. Rov. (WTD. Amtlich): Die Arbeiten im preußischen Finanzministerium an dem Vergleich der Staatsregierung mit dem ehemaligen Königshaus sind abgeschlossen. Angesichts der Tatsache, daß phantastische Ziffern über diesen Vergleich im Umlauf sind und weiter angesichts der für Dienstag zu erwar­tenden Reichstags de batte seien hier die wichtigsten zahlenmäßigen Angaben des Ver­gleichs gegeben:

Rach dem vergleich soll der Staat erhalten:

Die Äronschlösser mit dem historischen Mobiliar und den Werten, die Kunstwerke in den Ber­liner Museen und die Schack-Galerie in München, die K r o n i n s i g n i e n, die Verfügung über das Hohenzollern-Museurn, die Hausbibliothek und das Hausarchio nach Maßgabe besonderer Bestimmungen ,die Theater mit dem Theaterfundus, 111 000 Morgen Land und Forst, de Hausgrundstücke in Berlin und Potsdam mit einigen Ausnahmen, ferner die Kronfideikommißrente.

Das vormalige Königshaus soll erhalten:

Einzelne Schlösser (das Palais Kaiser Wil­helms I. und das Niederländische Palais, Bellevue und Babelsberg), einzelne Hausgrundstücke, das Gebrauchsmobiliar und den Familienschmuck, den restlichen Land- und Forstbesitz (rund 290 000 Mor­gen) und 30 Millionen Reichsmark. Die 30 Mil­lionen entsprechen etwa dem Werte des dem Staate zufallenden Grundbesitzes (Güter, Forst- und Nutz­grundstücke).

Das preußisch: Finanzministerium hat sich, nachdem die Richtlinien vom Staatsmiilisterium gebilligt waren, zu diesem Vergleich entschließen müssen, weil das Reich bisher den Ländern eine Ermächtigung, die V. e ' :seinanbersetzung unter Ausschluß des Rechtsweges ge­setzlich zu regeln, nicht gegeben hat, und weil andererseits angesichts des bisherigen Verlaufs der Prozeßführung die Entscheidung über die Auseinandersetzung den ordentlichen Gerichten nicht überlassen bleiben konnte.

Der Fall Schillings.

Eine Erklärung des Intendanten.

Berlin, 1. Dez. (TU.) Herr von Schillings übergibt eine Erklärung der Oeffenttichkeit, in der es heißt:

Der Kultusminister hat einer Konferenz der Pressevertreter ein Anklagematerial oorgelegt, das schwerwiegende Anklagen, die zum Teil auch meine persönliche Ehre berühren, enthält. Es ist dasselbe Material, das der Kultusminister mir im Frühjahr dieses Jahres mündlch zur Kenntnis brachte, es aber nach langen Erwägungen fürzu leicht be- fand, um mir sein Vertrauen zu entziehen. Es ist dasselbe Material, von dem ich erklärte, es fei so schwerwiegend, daß die formlose Zurücknahme der Vorwürfe seitens des Herrn Ministers mir nicht genügen könne, sondern daß es nun Gegenstand einer regulären Untersuchung gegen mich sein müsse.

Man hat mich wissen lassen, daß man geneigt sei, den übereilten Schritt meiner'fristlosen Ent­lassung, die als unhaltbar erkannt wor­den ist, z u r ü ck z u n e h m e n unter Umständen, die für mich ehrenvoll sein sollen. Ich muh ein solches Kompromiß ab lehn en und auf vollständige Klärung aller Vor­würfe und aller mit diesen Vorwürfen und An­klagen zusammenhängenden persönlichen und sach­lichen Fragen dringen. Seit Ausbruch des Kon­fliktes bin ich Zielpunkt aufrichtiger Wünsche und Sympathiekundgebungen aus allen Teilen Deutschlands geworden. Ich würde dieses Ver­trauen nicht in der richtigen Weife lohnen, wenn ich nicht entschlossen wäre, ganz ohne Rücksicht auf mein persönliches Wohl und Wehe der Oeffentlichkeit Rechenschaft darüber zu geben, welche persönlichen und sachlichen Mißstände mich schließlich zwangen, in den Kampf um meine von mir als gut erkannte Sache einzutreten.

Wahre Kultur"!

Berlin, 30. Nov. Nach einer Meldung des Verl. Tagebl." aus Bozen ist dort eine Ver­ordnung erlassen, nach der der W a l l h e r p l a tz , auf dem das Denkmal Walthers von der Vogel­weide steht, inPlatz des Königs Viktor E ma n » e l" umbenannt wird. In der Begründung wird gesagt, es bestände fein Anlaß, in der italie­nischen Stadt Bozen einen Platz nach einem deut­schen Dichter zu benennen. Die Bewohner von Südtirol hätten allen Grund, dem König von Italien dankbar dafür zu sein, daß er ihnen Freiheit und wahre Kultur" gebracht habe.

Die Wirren in China.

Paris, 30. Rov. (WB) Havas berichtet aus Peking, Marschall Tschangtsolin sei der meuternden Truppen von Mukden wieder Herr geworden. In P e k i n g hätten die Kommu­nisten die Häuser des Polizeipräfekten und des Finanzministers, der ebenso wie der Innenminr- sler ins Diplomatenviertel geflüchtet sei, ge­plündert. Die Kantontruppen näherten sich Kuang Tscheuan. Dorthin sei ein französisches Kriegsschiff angegangen.

Rei Tsinanfu fand ein heftiges Gefecht zwi­schen den Truppen Tschangtsolins und den Truppen von Honan statt. Letztere wurden ge­schlagen.

Mine politifdje Nachrichten. _Tf. hessischen Landtag hüben die Abg. Kaul (Soz.) und Reiber (Dem) fol­gende Anfrage eingebracht: Die Pressepolemik, die sich an die Ernennung des Prof. D r. Goldstein angeknüpft tat, macht es wün- schenswert, den Sachverhalt einwandfrei aufzu­klaren. Wir fragen deshalb an: Rach welchen t Geftchtspuntten ist die Berufung Prof. Dr. Gold- I steins erfolgt? 1

In der Zeit vom 1. bis 15. Rovember 1925 ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der E r w e r b s l o s e n f ü r s o r g c von 364 000 auf 471 000, d. h. um rund 29,5 Prozent ge­stiegen. Die Steigerung ist an sich beträchtlich, doch darf nicht überfein werden, daß dieser Zu­nahme eine ungewöhnlich starke Abnahme der Erwerbslosen im Frühjahr gegenübergestanden hat. Die gegenwärtige Ziffer liegt nicht wesentlich höher als diejenige vom 15. Rovember vorigen Jahres (426 000) und entspricht fast genau der Ziffer vom 15. Oktober vorigen Jahres (472 000).

Der deutsche Reichskommissar Frei­herr Langwerth v. Simmern stattete dem Oberkommissar der Rheinlandkommission Tirard einen Besuch ab, den dieser bald darauf er­widerte. Der Reichskommissar reist jetzt nach Spanien, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Die geschäftlichen Beziehungen mit der Rheinlandkommission wird in der Zwi­schenzeit Ministerialrat Geh. Regierungsrat Graf A d e l m a n n ausüben.

ZchMre ZchkagMtiereWlosion.

Auf den ZechenanlagenL o t h r i n g en IZH in Gerthe bei Bochum hat am 30. Ro­vember, mittags am Ende der Mittags- s ch i ck) t eine Explosion stattgesunden,, durch die vier Bergleute getötet und dreizehn verwundet wurden, von denen sich fünf Mann in Lebensgefahr befinden. Die Explosion ist anschei­nend eine Schlagwetterexplosion gewesen. Die Enlzündungsursache ist noch nicht einwandfrei feflgesiellt worden. Die betreffenden Strecken waren durch Gest eins ft aubspecren gesichert. Diese Gesteinslaubstchertmg Hal ein Uebergreisen der Explosion auf den Kohlenstaub verhindert und sie nach verhällnismähig kurzem Verlauf abgelöscht. Weiters Leute sind nicht in Gefahr. Die betroffenen Baue sind wieder befahrbar. Die bergbehördliche Untersuchung ist im Gange.

Reben dem günstigen Wirken der Gesieinsstaub- sicherung ergab sich der günstige Umstand, daß die Explosionsgase durch die S ch a ch t l ü f t u n g in der fünften Sohle, in der sich das Unglück ereignete, unverzüglich nach dec vierten Sohle abzog und dort durch die Schachtlüflung ausgefühct wurden. Die Zechenarlagen vonLothringen" find modern aus- gebaute Schächte, die in den letzten Jahren feit 1912 von jeglichen Unglücksfällen verschont waren. Das leßke Unglück forderte im Jahre 1912 80 Opfer. Die Zeche fördert Fettkohle und ist in vollem Be­trieb.

Aus aller Wett.

Auf dem Meere erfroren.

Rördlich des Leuchtfeuers Augustenhof bei Rorburg an der schleswigschen Küste wurde ein Doot an Land getrieben, in welchem sich die erstarrten Körper zweier Knaben befanden. Sofort angefteHte Wieder- bekebungsvers uche waren erfolglos. Die beiden Knaben, die von der Insel Fühnen stammen, waren zum Fischfang aufs Meer hinausgefahren und dabei vom Schneesturm überrascht worden.

Durch ein notlandendes Flugzeug getötet.

Ein Sport-Flugzeug, das von Darmstadt nach Böblingen fliegen wollte, wurde durch Schnee­gestöber von der Richtung abgedrängt und muhte bei Würzburg notlanden. Dabei wurde ein Mädchen getötet und das Flugzeug zer­trümmert. Die Insassen sirrd anscheinend nicht verletzt.

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, Niederschläge.

Das englische Fallgebiet ist langsam in östlicher Richtung weiiergezogen und liegt heute über Mittel­europa. Die vorausgesehene Milderung unserer Witterung ist inzwischen cingetreten und wird mor­gen noch anhalten, um dann später bei neu ein­setzender nördlicher Luftströmung erneuter Abküh­lung zu weichen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,4 Grad Celsius, Minimum: minus 1,9 Grad Celsius. Niederschläge 4,3 Millimeter. (Schneedecke 1.2 Zenti­meter.) Heute morgen: 2,0 Grad Celsius.

Aus der ProvinMlhaupWdt.

Gießen, den 1. Dezember 1925.

Dom Tabakbau in Hessen.

Rach einer jetzt von der Zentralstelle für die Landesstatistik veröffentlichten Aufstellung hat im Jahre 1924 die Zahl der T a b a k p f l a n z e n in Hessen gegenüber dem Vorjahre ftarf abgenom­men. Die Abnahme ist darauf zurückzuführen, daß sehr viele Pflanzer, die für ihren eigenen Hausge­brauch Tabak pflanzten, den Anbau eingestellt haben und ihren Bedarf nunmehr wieder aus dem regu­lären Handel decken. Im allgemeinen wurde Pfäl­zer und in geringem Umfang auch Amersforster und Gunditabak eingebaut. Der Ausfall der Ernte war befriedigend. Soweit der gewerbsmäßig ange­baute Tabak nicht in Herstellungsbetrieben Hessens Verwendung fand, ging er hauptsächlich nach Ba­den. Die erzielten Durchschnittspreise für 100 Kilo­gramm sind: Obergut 74125 Mk., Sandblatt 80 bis 140 Mk., Grumpen 2550 Mk. Die meisten Tabatpflanzer sind in den südlichen Gebieten der Provinz Starkenburg und in der Gegend von Worms: andere Gebiete fallen nicht ins Gewicht. Die Zahl der Tabakpflanzer ist von 2342 im Jahre 1924 auf 1565 zurückgegangen. Die mit Tabak be­pflanzte Fläche umfaßte 1924 29 977 Hektar und 1923 27 983 Hektar: der Anbau hat also, trotz der Abnahme der Tabakpflanzer, zugenommcn. Die Menge des geernteten Tabaks betrug in durchreistem Zustand 522 363 Kg. (1923 468 211 Kg.). Tabater- zeugnifse und Halberzeugnisse wurden wegen des hohen Zolles nur m vereinzelten Fällen in ganz geringen Mengen, die nicht in Betracht kommen, in Hessen eingeführt. Die Ausfuhr von Tabakerzeug­nissen war sehr gering. Infolge der hohen Preise für gute Erzeugnisse und wegen der von den ein­zelnen Ländern eingeführten hohen Zölle sind deutsche Erzeugnisse auf den ausländischen Märkten nur wenig gesucht. Die Nachfrage nach Pfeifentabak hat sich verringert. Zum Teil ist eine Zunahme der Zigarettenherstellung auf Kasten der Zigarrenher- fielhmg beobachtet worden. Im Laufe des Jahres 1924 ist in Hessen eine 'Anzahl von ^Betrieben abge- melbct worden. Diese Abmeldungen wurden durch Neuanmeldungen großenteils wieder ausgeglichen. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Zigorrenher- stcllungsbetriebe von durchweg feinerem Umfange. Erweiterungen von Großbetrieben auf Kosten der mittleren und kleineren Betriebe haben nicht statt­gefunden.

Die Biererzeugung in Hessen.

Die Hessische Zentralstelle für die Landesstatistik gibt jetzt die Ziffern über die Biererzeugung und die aSierbefteuerung im Freistaat Hessen während des Jahres 1924 bekannt. Hier­nach hat die Biererzeugung gegen das Vorjahr (1923) wesentlich ju genommen. Diese Mehrerzeugung ist auf den erhöhten Verbrauch, der durch die bessere Beschaffenheit der Biere veranlaßt wurde, zurückzuführen. Es wurden nur untergärige Biere hergestellt, und zwar hauptsächlich Voll- und Starkbier und in geringem Umfange auch Schank­bier. Das letztere hatte einen Stammwürzgehalt von 89 Proz., das Vollbier 1014 und das Starkbier über 14 Proz. Zn einem Hektoliter Schankbier wurden durchschnittlich 12 Kg., zu einem Hektoliter Vollbier 18 Kg. und zu einem Hektoliter Starkbier 25 Kg. Gerstenmalz verwendet. Der Weingeistgehalt beträgt für Schankbier 2 Proz., für Vollbier 3 Proz. und für Starkbier 4 bis 5 Proz. Edlere oder beson­dere, unter einem eigenen Namen bekannte Biere wurden nicht hergestellt. Die Durchschnittspreise der Biere bei Abgabe aus der Brauerei betrugen für ein Hektoliter Schankbier 25 Mk., Vollbier 30 bis,40 Mk. und Starkbier 45 bis 60 Mk. Die Aussche^.kpreise der Wirte bewegten sich zwischen 5 und 12 Pf. für 0,1 Liter. An Braustoffen sind verwendet »orben 122 497 Doppelzentner Malz und 1938 Doppelzent­ner Reisgrieß. Am Schlüsse des Rechnungsjahres 1924 waren in Hessen 5 2 Brauereien vorhan­den (ohne Hausbrauer), und zwar in den Hauptzoll­amtsbezirken Darmstadt 17, Offenbach 10, Gießen 10, Mainz und Bingen 10, Worms 5. Es sind 804 704 Hektoliter Bier erzeugt worden, 767 918 Hektoliter wurden versteuert, 12 645 Hektoliter wur­den ausgeführt, 13 553 Hektoliter als Haustrunk ab­gegeben und 10 589 Hektoliter an französische Mili­tärkantinen abgegeben. Die Biersteuer erbrachte einen Ertrag von 4 220149 Mk. in ganz Hessen.

Geflügel- und BriefLauben- AussteAung.

zr. Der Geflügel» und Vogelzucht­verein Gießen und Umgebung 1897 hielt am Samstag und Sonntag auf der Liebigs- höhe eine Lokalschau für Geflügel und Brieftauben ab. Die Veranstaltung, nur von Gießen und Amgegend beschickt, legte Zeugnis ab von Zuchterstreben und Züchterkönnen. Sicher ist, daß ein Züchter ohne Ausstellungen gar nicht auskommen kann. Will er doch seine eigene Züch­tung bewertet wissen und am dargebotenen sonsti­gen Ausstellungsgeflügel urteilen, wie der Fort­schritt der Züchtung überhaupt ist. Die Zucht muß dauernd verbessert werden, denn nur tadurch läßt sich der Rutzwert der ©eflügelraffen heben, ilnö darauf kommt es an. Richt etwa sportlichen Interessen sollen solche Schauen dienen. Für jede Hüh-nerrasse ist ein bestimmter Standard zugrunde gelegt, eine Richtschnur, die bei jeder Rasse klar und deutlich angibt, wie die Tiere beschaffen sein sollen. Er gibt das Zuchtziel an, das erreicht werden soll. Für jede Rasse ist der Standard ein anderer. Auf der Ausstellung ist reichlich Ge­legenheit zur Prüfung und zum Llrteil gegeben.

MM itr Biimeraöen Wl!

Daß bei einer Ausstellung von über 500 Stück, eng begrenzt durch einen kleinen Aus­stellungsbezirk, nicht alles erstklassig und voll­wertig sein kann, liegt auf der Hand. Aber dennoch war das hier ausgestellte Material durchweg gut, vielfach sogar hervorragend. Es ginge zu weit, an dieser Stelle all die Rameir der Züchter anzuführen, welche mit Anerkennung und Preisen bedacht wurdem Besonders gut abgeschnitten hat das Institut für Tierzucht Hardthof-Gießen und Herr Helmold in Ban- tarn. Die Zahl der ausgestellten Hühnerrassen war reichlich. Die alten deutschen Rassen wie Rheinländer. Hambur er Italiener, heute gerne Cdelleghuhn genannt, in rebhuhnfarbig, silber- halsig und schwarz, ostfriesiscke SiWermöven waren nebst fremden, nun aber längst eingebür­gerten Rassen, wie Brahma, Wyandottes, Sussex, Rhodeländer, Plymouth Rocks. Minorka, Phönix, amerikanischem Leghorn und Bantam vertreten. Auch die noch verhältnismäßig wenig verbrei­tete Züchtung der Aeichshühner war durch die ausgestellten Tiere des Vereinsvorsihenden Funk vertreten und mit Ehrenpreis bewertet worden. Gerade die Reichshühner, die man zu Beginn des Jahrhunderts überhaupt noch nicht kannte, und erst in mühevoller Zücht ungsarbeit heranentwickelte, sind eine kräftig entwickelte, mit- telschwere Rasse, die, soweit dies überhaupt in einer Rasse möglich ist, Fleisch- uird Eierproönk- tion in sich vereinigt.

Geradezu reizend muß die muntere Schar der ausgestellten kleinen Zwerghühner genannt werden. Deren Zucht scheint gerade in der Stadt, wo es gar zu vst um den Raum zur Haltung großer .Mhnerrassen schlecht bestellt ist, Fort­schritte zu machen. Die allerliebsten kleinen Din­ger legen freilich kleine Eier, sind aber dennoch sehr wirtschaftlich. Sie sind sparsam im Futter, dennoch fleißige Leger, brauchen wenig Platz.

Wws an Wassergeflügel und Truthühnern ausgestellt war, kam leider weniger zur Geltung Die Käfige dieser Tiere standen zu ebener Erde, und so erschienen die schönen, Enten unscheinbar und selbst die Truthähne in ihrer majestätischen Pracht konnten nicht zur vollen Geltung tommeiL

An Tauben konnte man _ wiederum ganz prächtige Schläge sehen, sie füllten allein 300 RuMmerv. Da waren Brieftauben in 5 Klassen ausgestellt, je nach der Reise, die sie schon hinter sich hatten, von über 500 Kilometer bis über 100 Kilometer, und die Iungmannschaft der ungereisten Tauben, die ihre Leistungsfähigkeit im Fluge durch da3 unsichere Reich der Lüfte noch zu erbringen haben.

Wenn bei der Geflügelschau gar mancher Züchter seinen Fleiß belohnt iah und sich Lor­beeren für seine Zuchtergebnijse holte, so soll es nicht nur ihm und auch seinen weniger erfolg­reichen Mitbewerbern ein Ansporn zu neuem Tun sein. Die Ausstellung erfüllt erst dann ihren Zweck voll und ganz, wenn weitere Kreise für die Geflügelhaltung gewonnen werden. Hoffentlich Hai die Schau auch nach dieser Rich­tung hin recht anregend gewirkt.

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** D i e Reichsindexziffer für d i e Lebenshaltungskosten im November. Die Neichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten ist nach den Feststellungen des Statistifchen Reichs­amts für den Durchschnitt des Monats November mit 141,4 gegenüber dem Vormonat (143.H) um 1,5 v. H. zurückgegangen. Der Rückgang ist auf das weitere Nachgeben der meßen Lebensmittelpreise in der ersten Monatshälfte ztirückzusührcn.