Ausgabe 
1.4.1925
 
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Protokoll unö M» anfletinbicrtc Dreimachte- bündn iS gegen Deuts chland hatten eine schwierige Situation geschaffen. Durch die deut­sche Initiative eines Sichcrheitsange-- Kotes sei ine Lage heute zweifellos ati ent­spannt an-usehen. Der Minister wies in diesem Zusammcihang auf die bedeutsamen Aeuherun- gen hin, mit denen der englische Außen - minister in der letzten Sitzung des Hinter­hauses die Idee eines Militärbündnisses gegen Deutschland abgelehnt habe und den deutschen Standpunkt bezüglich einer auf fried­lichem Lege zu erstrebenden Revision der O st g r e n z e n volle Würdigung habe zuteil wer­den lassen. Der Gegner der deutschen Anregung sei vor allen Dingen die rechtsstehende französische Presse, die wohl erkenne, daß die dauernde «Sicherung des deutschen Rheinlandes einen wesentlichen Kern­punkt der deutschen Initiative auS- inache. Die Außenpolitik die Deutschland zu führen habe, werde in der nächsten Zeit eine un­populäre sein und werde starke Anforderun­gen an die Nerven der Zeitgenosssen stellen. Aber die Zukunft werde die Menschen und Parteien nicht beurteilen nach ausgesprochenen unerfüll­baren Hoffnungen, sondern nach dem Ergeb­nis positiv geleisteter Arbeit, die uns wenn auch auf steinigem Wege, einer Konsoli dierung der Verhältnisse näher bringen werde.

Eine gemeinsameAntwort in der (Barantiefrage?

Die Rückfragen der Alliierten.

Paris, 1. April. (TU.) Nach den Morgen olättern hat der französische Botschafter in London, de Fleuriau, gestern Chamberlain über die noch immer in Vorbereitung befindliche Note auf das Memorandum vom 24. 2. ein­gehend unterrichtet. Innerhalb des englischen Ka­binetts bestehe, so schreiben die Morgenblatter, fetzt Neigung, keine getrennte Note an die Neichsregieruna zu richten. Die Note wird nach demEcho de Paris" angeblich nachstehende Punkte enthalten. Deutschland wird aufgefordert:

1 Seine Absichten für die Ausnahme in den Völkerbund unzweideutig bekanntzugeben und sich bereit zu erklären, sämtliche Ver­pflichtungen des Völkerbundes anzu­erkennen.

2. Auskunft darüber zu geben, welche Absichten es in der Grenzfrage gegenüber Polen und der Tschechoslowakei hat und ob es die Angliederung Oesterreichs plant.

3. Sich darüber zu äußern, ob in die Garantie der Deftgrenze auch Belgien und Italien einbegriffen sind.

Die deutsch-italienischen Handelsbeziehungen. Verlängerung des Provisoriums.

Nom, 31. März. (WTB.) Da der am 10. Ja­nuar zum Zwecke der vorläufigen Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Ita­lien getroffene Modus vivendi heute a b - läuft und die Verhandlungen über den Abschluß eines an die Stelle dieses provisorischen Regimes rretenden Handels- und Schifsahrtsver- ! r a g e s noch nid)t zu Ende geführt find, haben die deutsche und die italienische Regierung dk4 Verlängerung dieses vorläufigen Regimes iift die Dauer der Verhandlungen vereinbart, die voWaussichtüch innerhalb einer nicht sehr langen Frist zu einem günstigen Abschluß gelangen. Unter Berücksichtigung einiger sehr dringlicher wirtschaft­licher Notwendigkeiten vereinbarten beide Regie­rungen eine Beschränkung der Listen jener Waren, die bisher nach dem Modus vivendi vom 10. Januar von der Meistbegünstigung ausgeschlossen waren. Infolgedesien werden außer den schon bisher nach dem Grundsatz der Meistbegünstigung behandelten Warm vom i. April an in Deutschland italienische Tomaten, Tafeltrauben und Schleis- und Polier­steine, und in Italien deutsche Bolzen und Schrau­ben aus Eisen und Stahl sowie Möbeldejchlage zu meist begünstigten Zollsätzen zur Ein­fuhr zugelassen. Das Abkommen wurde heute durch einen Notenwechsel abgeschlossen, der auf italienischer Seite von Mussolini als Außen­minister und auf deutscher Seite vom Botschafter Freiherrn von Neurath unterzeichnet, wurde.

Die Unfallversicherung.

Deutsck-'r Reickstag.

Berlin, 1. April. (Prio.-Tel.) Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfes über Aenderungen in der Unfallversicherung. Staatssekretär Geib leitet die Verhandlungen ein. Es handle sich in der Hauptsache um einen Ausbau der Leistun­gen. Besonders die Sachleistungen werden in den Vordergrund gestellt, der Unfallschutz wird verstärkt, die Fürsorge ausgedehnt, die Wiederverwendung der Verletzten in die Wege geleitet, auch vorbeu­gende Maßnahmen werden getroffen. Der Entwurf beseitigt das Zulagcwesen und stellt die alten Ren­ten auf Reichsmark um. Ser Entwurf zieht es auch vor, die Aufhebung der Unfallversicherung abzuleh- nen und überweist es einem kommenden b e son­deren Entwurf, der dem Reichstag bald zu- gehen soll, diese Frage zur Entscheidung zu brin­gen. Die Vorarbeiten sind im Gange und werden dem Reichstage sobald wie möglich vorgelegt werden.

Abg. I a n s ch e k (So.z.) will den Arbeitern den vollen Schaden ersetzen. Der Entwurf biete zwar einige Verbesserungen, diese sollen aber erkauft wer­den dadurch, daß die Unfallschäden bis 20 Proz. überhaupt nicht entschädigt werden sollen. Das sei nicht Aufbau, sondern Abbau. Die Hauptsache sei die Vorbeugung von Unfällen. Die Unfall- f ü r f o r g c müsse zu einem festen Bestandteil der Unfallversicherung gemacht werden. Durch den vor­liegenden Gesetzentwurf spare die Wirtschaft jähr­lich 21 Millionen.

Abg. Andre (Ztr.) bedauert die wenig zu­stimmende Haltung seines Vorredners. Durch die öffentlich-rechtliche Unfallversicherung sei doch c i n erheblicher Fortschritt erzielt worden. Der Redner wünscht die Einbeziehung der soge- nannten oersicherungsfreien Berufe in die Unfallversicherung. Der Haupftortschritt des Ent­wurfes sei die Aufnahme der Berufsfür- sorge in das Gesetz. Die kleinen Renten mußten in ihrem früheren Umfange wiederhergestellt wer­den. Im allgemeinen sei die Vorlage eine gute Grundlage für die Verhandlungen

Abg. Dr. Molden bauer (D. Vp.) bezeich­net den Entwurf als ein Zeichen des ernsten etre-

63 Reichsrvehrsoldaten ertrunken.

Eine Standortübung bei Minden. Beim Uebersetzen der Weser

finkt eine überlastete Fahre.

Beltheim, 31. März. ($11.) Während einer großen Geländeübung der 6. Division sollte ein Bataillon deS Infanterie-Regiments Nr. 18 bei Beltheim über die Weser gesetzt werden.

Die große Jahre, auf der sich etwa 80100 Mann befanden, riß in der Mitte.

Fast die gesamte Besatzung stürzte ins Wasser. Ein Teil konnte sich schwimmend oder mit Hilfe der Pontons und Dalken ans Land retten , ein anderer Teil wurde durch hinzu- eilende Rettungsmannschaften aus dem Was­ser gezogen. Da sich die Geretteten in die Häuser der umliegenden Dörfer begaben und teilweise schon in den Revierstuben der Mindener Garnison weilen, ist die genaue F e st st e l - l u n g der Anzahl der Toten noch nicht möglich. Die Kunde von dem Massenunglück hatte sich rasch in die umliegenden Ortschaften verbreitet. Diele Bewohner aus Beltheim, Haus­berge und anderen Orten eilten herbei, um, so­weit wie möglich. Hilfe zu leisten. Eine Anzahl der geretteten Soldaten wurde von ihnen mit in die Häuser genommen und dort gepflegt. Die Ünglücksstelle bietet ein wirres Durchein­ander von Dalken, Pontons und militärischem Felddienstmaterial.

Der Leiter der Geländeübung, Oberstleut­nant p. Chochen Hausen von der zweiten Abteilung des Artillerieregiments 6 in Minden, gab beveitwilligst Auskunft. Danach ist das Re - krulcnbataillon des Infanterieregiments 18 in Detmold am schwersten in Mitleidenschaft gezogen worden Don zwei Zivilpersonen, die sich mit der Pontonfähre übersetzen lassen wollten, ist ein Kaufmann aus Dahrenholz wahrscheinlich ertrunken.

Die Fähre bestand aus sechs Pontons, die mit einem Bohlenbelag versehen waren. Nachdem die Fähre bereits zweimal die Weser mit Trup­pen an Bord überquert hatte, begannen bei der dritten Heberfahrt

mitten im Strom die Hinteren Pontons der Fähre wegzusacken

und der Bohlenbelag riß auseinander.

Nach den bisherigen Feststellungen ist das Kentern der Fähre daraus zu erklären, daß die Kuppelung eines Pontons inner- halb der pier verbundenen Kähne d u r ch ge­rissen wurde. Die sehr starke Strömung der Weser, die an der Hnglücksstcllc etwa 76 Meter breit ist, wird ihren Teil an dem Unglück haben.

160 Mann ins Wasser gestürzt.

Ein Teil der 130 Mann, die sich auf der Fähre befanden, sprang ins Wasser, wäh­rend sich die übrigen auf den noch schwimmenden Teil der Fähre retten formten. Born Ufer wurde

sofort eine Rettungsaktion mittels Pontons eingeleitet,

und es gelang, etwa 80 Mann dem Strom <zu entreißen. Die übrigen der feldmarschmäßig aus­gerüsteten Infanteristen waren von der starken Strömung stromabwärts getrieben worden.

Bis zur späten Abendstunde find fünf e r = IrunkeneReichswehrsoldaten gebor­gen worden. Nach den bisherigen Feststellungen werden

1 Offizier und 62 Mann vermißt, die aller Wahrscheinlichkeit nach ertrunken sind.

Besondere Kommandos suchen beide Fluhuser ab.

Das Rettungswerk wird Mittwoch früh fort­gesetzt werden. Man hofft, daß noch einige Ver­mißte in den benachbarten Ortschaften Unter­schlupf gefunden haben. Morgen wird noch ein Vertreter deS R e i ch s we h r Ministe­riums aus Berlin cintreffcn.

Der Reichswehrminister hat den Inspekteur des Pionierwesens. Generalmajor Ludwig, zur Untersuchung des Unglücksfalles nach Veltheim entsandt.

Beileidskundgebungen.

Reichskanzler Dr. Luther sandte Dem Reichswehrniinister Geßler folgendes Tele­gramm: . Tieferschüttert übermittele ich Ihnen das aufrichtig empfundene Beileid der Reichs- regicrung zu Dem schweren Unglücksfall an Der Weser, wodurch so zahlreiche Angehörige Der Wehrmacht in treuer Dienst- und Pflichterfüllung den Tod fanden. Ich bitte Sie, auch Den Ange­hörigen der Verunglückten Der Reichsregierung und mein aufricht ast es Mitgefühl auszusprechen.

Der preußische M i n i st e r p r ä s i d e n t Marx hat Dan Reichswehrminister folgendes Telegramm gesandt: Das furchtbare Unglück bei Den Detmolder Truppenübungen, das eine so große Anzahl blühender junger Menschenleben ge­kost t hat, wird im ganzen Lande Erschütterung uickt Trauer Hervorrufen. Im Namen des preußi­schen Staatsmi.i'teciums versichere ich Sie, Herr R ick sw h miniper, der aufricht gen Teilnahme an b\ s m Schicksalsschlag, der unsere Reichswehr bettoftcn hat.

bcns des Reichsarbeitsministeriums, den schwierigen Verhältnissen der Wirtschaft Rechnung zu tragen und in der Unfallversicherung die aus der Inflations­zeit herührenden Mängel zu beseitigen. Es werde vor allem auf die Einheitlichkeit des Heil­verfahrens Wert gelegt.

Abg. Rädel (Komm.) lehnt die Vorlage als völlig unzureichend ab.

Abg. Ziegler (Dem.) begrüßt besonders die neuen Vorschriften zur Unfallverhütung. Das Dortmunder Grubenunglück habe gezeigt, daß all die schönen Unfalloerhülungsvorschrifien unter Umständen nicht genügen. Der Wegfall der soge­nannten kleinen Rente sei nicht tragbar, sie müsse vielmehr aufgewertet werden. Bedenklich sei auch dic Differenzierung des Iahresarbeitsver- dienftes.

Die Vorlage geht an den sozialpolitischen Aus­schuß. In allen drei Lesungen angenommen wird ein von den Abg. Dr. Becker- Hessen (D. Dp.) und Dr. L e f e u n c (D.-Natl.) eingebrachtcr Gesetzent­wurf, wonach die Vorfchriften des Kapital- fluchtgesetzes und des W c i n st e u e r - ge setz es bis zur Neuregelung im Wege der ordentlichen Gesetzgebung spätestens bis zum 30.6. 1925 in Kraft bleiben. Die Anträge aller Parteien, die die Steuerung der Not der st e 1 - le n losen Junglehrer und I un g l e h re- rinnen betreffen, werden ohne Aussprache dem Bildungsausschuß überwiesen. Der Gesetzentwurf zur Aenderung des Gesetzes über die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren in Ar­me n s a ch c n wird zur nochmaligen Beratung an den Rechtsausschuß zurückverwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes betreffend den Lehrgang der G r u n d f ch u l e. Das Haus wieder­holt zunächst die Abstimmung über den sozialdemo­kratischen Antrag auf Zurückverweisung an den Ausschuß, weil sie bekanntlich in der letzten Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit nicht norgenommen werden konnte. Der Antrag wird abgelehnt. Darauf werden die Verhandlungen abgebroche Daraus werden die Verhandlungen abge­brochen. Mitlwoch 2 Uhr Grundschulgesetz, Licht- spielgesetz, kleine Vorlagen.

Die Steuergesetzgebung.

Berlin, 1. April. (WB.) Der Finanz­politische Ausschuß des vorläufigen Aeichswirtschistsausschusscs führte beute dic Be­ratung der Steuergefetze fort Däm Gesetz über die gegenseitige Besteuerung des Reiches und der Länder sowie beim Körperschaftssteuergesetz folgte der Ausschuß im wesentlichen Den Beschlüssen der Arbeitsaus­schüsse. Abgelehnt wurde, die öffentlichen Be­triebe zur Körperschaftssteuer heranzuziehen. Beim Reichsbewertungsgcsetz stellte sich der Ausschuß auf den Standpunkt, daß ein und dasselbe Vermögensobjekt nur mit einer Real­steuer, entweder mit der Grundsteuer, der Ver­mögenssteuer oder der Gewerbesteuer, belastet werden Dars. Beim Gesetz zur Aenderung der V er k eh rsst e n e r und des Verfahrens be­schloß Der Ausschl'.h die Herabsetzung Der Steuer­sätze auf 3 bzw. 11 bzw. 0,01 Prozent. Beim Einkommensteuergesetz tourDc vom Aus­schuß grunDIcgcttb festgesetzt, daß es unerläßlich sei, tn Den nächsten Iahren Steuern nur in Dem Maße zu erheben, wie cs crforder- lich ist, um die unbedingt lebensnot­wendigen Ausgaben Des Reiches, Der ßänDer und der Gemeinden zu erfüllen

Der Rothardt-Prozeß.

Magdeburg, 31. März. (TU.) Nach Er­öffnung der heutigen Sitzung stellte Rechtsanwalt L u t g c b r u n c einen Antrag, der darauf hinaus- ging, die Zeugenvernehmung über den Kreis der so» zialdcmokrati'chen Führer und Funktionäre hinaus aus)udehneu, um ein richtiges Bild über dic Haltung Der SPD. j um Januar­

streik zu gewinnen. Reichskanzler a. D. Michae- l i s und 21 Sekretäre sollen als Zeugen dafür ver­nommen werden, ferner die Damaligen Staatssekre­täre des Auswärtigen v. K ü hlmann und Hintze, der ehemalige Leiter der AbteilungAb­wehr" im stellvertretenden Generalstab, General­major Moser und fein Adjutant. Die Staatsan­waltschaft behält sich ihre Aeußerung zu diesen An­trägen vor. Darauf wurden Dic Polizeibeam - t c n vernommen, die Der Treptower Versammlung beigewohnt haben. Die Polizeibeamten sagen aus, daß Evert von Der Menge beschimpft wurde. Man rief ihmStreikbrecher!" und StreitabiDÜrger!" zu. Es wurde dann noch eine große Anzahl von Zeugen über die Vorgänge in Der Treptower Verfammlung vernom­men. Ein Arbeiter Krause, der mit Syrig zu sammengearbeitet hat, erklärte, daß Syrig zu ihm nach der Treptower Versammlung gesagt habe, Ebert habe durch seine Rede den Streik glatt abge­würgt. Syrig bestreitet bei der Gegenüberstellung eine solche Aeußerung. Auf eine Frage des Vor­sitzenden wird von der Staatsanwaltschaft erklärt, daß sie erst am Donnerstag zu den Beweisanträgen der Verteidigung Stellung nehmen könne. Die Ver­handlungen wurden dann auf Donnerstag vertagt.

Einführung des allgemeinen Wahlrechtes in Japan.

Paris, 30. Blärz. (TH.) Nach M IDungen aus Tokio haben Die be den japanischen Kammern in einer stürm'.sehen Sitzung Das allgemeine Wahlrecht angenommen. Das sich auf alle iib*r 25 Iahre alten Männer erstreckt. Die Cin- füh-ung D s Wahlrechtes in Iapan wird als das bedeutendste Ereignis Der politischen Ge­schichte des L-indes bct.rach.ei.

2lus aller Welt.

Der Par serUniversitälsKonflikt Sympathiekundgebungen Proteststreik der Studenten.

Die Suspensierung des Doyen der rechtswissenschaftlichen Fakultät Der Akademie von feinem Amte hat, wie die Llbendpresse fcslstellt, nicht nur unter Den Studenten, sondern auch unter Den Professoren eine ff aetc Erregung her- vorgerusen. Die Studenten haben bereits einen Prote st erlassen und sich zu einer Sympa­thiekundgebung für Den Doyen entschlossen. Die ' Adresse an Professor Bartholomy wollen auch sämtliche Professoren der rechtswiftenschaft- lichen Fakultät mit Ausnahme des bekannten Nationalölonomen Gaston Ieze unterzeichnen. Die Adresse hat nach einer Agenturmeldung heute nachmittag bereits 1000 Unterschriften erzielt. Um 4 Uhr ist sie Dem gemaßregelten Doyen zugestellt worDen.

Nack) DemTemps "macht sich eine Bewegung geltend zugunsten eines 24ftünbigcn Streiks Der StuDenten aller Fakultäten. Die Stu­denten der Medizin und die Schüler Der phar- mazeuthischen Hochschule seien Die ersten gewesen, Die Die Sympathiekundgebung beschlossen hätten. Vor Der Sorbonne ist eine verstärkte Po­lizeiwache ausgestellt, um Kundgebungen zu verhindern, Dic Deshalb befürchtet werden, weil Die Studenten Der rechtswissenschaftlichen Fa­kultät fortgesetzt Vcrfammlungen abhalten. In einem Bäckerladen gegenüber Der Sorbonne haben Die Studenten ein Bureau errichtet.

Schwere Explofion in einem Wasserwerk.

Aus dem K ö s l i n e r Wasserwerk ereignete sich eine schwere CxPlosionSkatastroPhe, bei der vier Mann getötet und einer schwer verletzt wurden. Wie wir hören, ist das Unglück Darauf -urückzusühren, daß «ine Spreng­kapsel, Die bei Brunnenbohrarbeiten verwendet werden sollte, versagte. Die Sprengkapsel

wurde in dem Genersweenwcrt »es IBcftcetoetM geprüft. Hierbei ereignete sich Mt Grplosis« Der Generatorraum war sofort in ein Flam­menmeer gehüllt, bas auf Den Dachstuhl de« Detriebsgebäudes Übergriff. Feuerwehr und Ret­tungswache hatten bis in die fpäten Rachmtts tagSstunden mit der Bekämpfung de« Feuer« zu tun.

Ein Todesurteil

Das Schwurgericht verurteilte Den Wagen- Wäscher Durstewitz, der im Sommer in einer Garage der Daimlerwerke einen Nachtwächter tötete, um sich in den Besitz eines Autos zu setzen, zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Der MitangeNagte Müller wurde wegen Nichtanzeigc des Mordes zu einem Iahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Opfer des Grubenunglücks bei Newcastle

In dem Bergwerk bei Newcastle find 38 Bergleute durch die eingeDrungenen Wasser eingeschlossen. Die Pumparbeiten gestalten sich immer schwieriger, so daß sehr w c-n ia. H o f f - nung auf Rettung der Cingcschlossenen be­steht. Das Unterhaus hat seine Teilnahme an Dem Unglück ausgedrückt.

Großfeuer in Amsterdam

Aus Amsterdam wird berichtet: Hier brach in der Amsterdamer Fabrik für Iukesäckc von Cleef. Hessian & Co. ein Brand aus, durch den drei Häuser und gewalttge Vorräte vernichtet wurden.

Feuergefechl mit lilauifchen Räubern.

In R u m i f ch k e n in Litauen schoß in einer Versammlung der Führer einer Räuberbande, als er von einem Polizcibearnten nach seinem Ausweis gefragt wurde, diesen nieder. Es entwickelte fick ein K a m p fi in der Nähe der Ortschaft zwischen Polizcibearnten und Mitgliedern der Bande, wobei ein Räuber erschossen und ein andere» schwer verwundet wurde. Der Führer Der Bande ergab sich, nachdem er alle Patronen verschossen hatte. Während der Verfolgung der Räuber war in dem Orte Fen er ausgebrochen, das von anderen Mitgliedern der Bande angelegt worden war, um die Aufmerksamkeit der Verfolger abzu lenken. Dic Aukomobilspritze der K v w n o c r Fen erwehr, die zur Löschung des Brandes herbeigeeilt war, stürzte auf der Heimfahrt bk steile Böschung einer Straße hinab, wobei Drei Feuerwehrleute getötet nnb zwei schwer und zwei leicht verletzt wurden.

Wettervoraussage,

Wolkig, Winde auf nördliche Richtung Drc hend, allmählich etwas kälter, nur einzelne ge­länge Niederschläge.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. April 1925.

Das Saugflugzeug.

Ohne Propeller! Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Durch Die Untersuchungen Flettners und Der Aerodynamischen Versuchsanstalt tn Göttingen hat sich herausgestellt, daß bei vom Wind ge­troffenen Segeln und dergleichen oder bei Durch Die Luft bewegten Flachen, wie Flugzeugflügeln, nicht Der auf Der WinDseite entstehende Heber- Druck, sonDern Der aus Der Rückseite uuftretenDc Unterdrück, der sog.Sog", bei weitem Das Wirk­samere ist. Diese Entdeckung eine Ausgestal­tung Der vor 70 Iahren erfolgten Erklärung Des sog. Magnusefscktes hat den Professor Dr. Flatterer in Verbindung mit seinem Assistenten Dr. Höher veranlaßt, die einschlägigen Fragen weiter zu verfolgen: sie hat Die beiden Gelehrten insbesondere dazu geführt, Versuche darüber an­zustellen, ob man nicht durch künstliche Lustver« Dünnung über Den Flügeln auch eine Vergröße­rung Des Auftriebes bei Flugzeugen erzieler- könne.

Eine einfache Rechnung zeigt, daß die ge­schilderte Einrichtung einen ganz gewaltigen Auf­trieb 6 erb di bringen muß: Ein Quadratmeter hat zehntausend Quadratzentimeter. Eine Atmosphäre Druck belastet einen QuadratzentiMeter bekanntlich mit einem Kilogramm. Wenn es also gelingt. Die Luft über Den Flügeln mir auf eine Zehntel attnosphäre zu verdünnen, so ergibt sich babc für jeden Quadratmeter Flügelfläche schon ein Austrieb von zehntausend, geteilt durch zehn ---- tausend Kilogramm. Gelingt cs, die Verdünnung noch weiter zu steigern, so steigt Damit auch der Auftrieb entsprechend.

Man hat infolge dieses gewaltigen Aus trieb es Daran gedacht. Den Flügeln eine gan^ andere Gestalt zu geben, als bei den bisheriger Flugzeugen, sie nämlich etwa quadratisch zu machen, so daß sie nicht mehr so weit au-laden Dadurch könnte das Flugzeug bedeutend leichter gebaut werden. Nur mit Rücksicht Darauf, daß jeder Motor einmal versagen kann, und daß man bann zum Gleitflug übergehen muh, hat man sich vorläufig entschlossen. Die übliche Flügelsvrm zunächst noch beizubehalten.

Ganz auffciH'nD ist es, wie ungemein leise bk Lirpaslugzeuge fliegen. Da man den Auspuff in Den nach hinken austretenbcn Ausströmungskanal eingeführt hat. Der dadurch wie ein Auspuff­topf wirkt, ohne jedoch Die Maschine zu dbosieln

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Ver­suche haben einen vollen Erfolg gezeitigt unk nun zur Gründung der Lirpa-Aktiengesellfchafl für Flugzeugbau geführt. Die Die neuen wissen schaftlichen Erkenntnisse ausbauen unD in Di< Wirklichkeit umsehen will. Dis jetzt finD in eine, Fabrikation zwei Flugzeuge entwickelt toorDcn, bei Denen Die Oberseite Der Flügel etwa Das Aussehen eines grobmaschigen Siebes hat. Sc* Flugzeugmotor treibt eine Säugpumpe, Die di« Lust aus Dem Flügelinnern aussaugt Daher Der Name Saugflugzeug, so Daß sie Durch Die Flugeloberscite einströmt und die Lust über ihnc absaugt, verdünnt, ein Gedanke übrigens, De, schon Flettner zur Absaugung Der sog. ®rcmv schicht gehabt hat.

Die abgesaugte Luft wirD beim Saugflug- zeug nach hinten ausgestoßen. DaDurch hat man gewissermaßen eine zweite Fliege mit Derselben Klappe geschlagen: Man hat so einen Vortrieb des Flugzeugs erzielt, Der Die Luftschraube, Den sog. Propeller, vollkommen über­flüssig macht. DaDurch, Daß man Die Hälfte Der Luft auch vorn ausströmen lassen kann, kann man sogar mit dem Flugzeug in Der Luft st i l l st e h e n D schweben. Das ist ein gewaltiger Fortschritt, Der mit Flugzeugen bis­heriger Art nicht erreichbar gewesen wäre.

Wie uns unmittelbar vor Redaktionsschluß telephonisch gcmelDet wird, sollen Die beiden