Ausgabe 
31.12.1924
 
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Ur. 301 Drittes Blatt

rorn

Gietzener Anzeiger (Seneral'Anzeiger für Gberveflen)

Mittwoch, 31. Dezember <92^

Ewig still steht die Vergangenheit. \

Don Marie 03 o u f f c t.

cni» Der-;

> du spät - bass ift das furchtdare Wort, AL über der Vergangenheit steh', denn imm?c ; trb der ernste Mensch beim Qiülbf.d sich sagen. ' ah er in vielen Singen gefehlt und manches versäumt habe, was er hätte tun'fcn und liwzu nun die Gelegenheit vorüber sei. Aber -Les Grübeln und reuevolle Sichversenlen Hilst 'M nicht; er kann an dem Vergangenen nichts Zidern, leine einige Stund? wieder hecaufhv'en ins der Tiefe des Geschehenen. Ewig still 'teht dieDergangenheit. Vor uns liegt iets die Wahl, liegen die hundert Möglich­sten, aber hinter uns das abgeschlossene ;r un. Don allen Wegen, die sich vor uns aus-

Das Jahr schictt sich an. sei-

-c-genzugehen Wieder ist .'n /*,cai Hoffen und in das uneinpF f.<Ta «ongen^cii ly.nabgerollt. --kc»- Mc-r »er 'l>=r

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fcir erfüllt to* ' cin b'",k5 3af>r? Haben F h*: ' <%> D0: uns nullte? Und beim

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; 1n. können wir immer nur einen einzigen wählen uiid können ihn nie wieder zurückgehen. Da cgi es sich schwer auf 'unsere Seele, wir emp­finden die ganze Tragik unseres engen Daseins, bie Eingeschlossenhe I unseres Lebens.

Und doch ist es nur eine halbe Wahrheit, die jenes Wort enthält. Wohl kehrt das Ver­gangene nie wieder, wir können am Geschehenen! nichts ändern, und ob wir alle unsere Schätze darum geben möchte,., aber darum ist die Der- qangenheil doch nicht tot. Auch die Ver­gangenheit kann gegenwärtig leben- 0'. g für die Gegenwart sein. Denken vir an die genialen Menschen, welche Träger der motzen Lebenswerte sind, an Künstler tote Veet- hooen, Goethe oder an religiöse Helden wirkt ihr Geist nicht jetzt noch fort, vielle.chi noch umfassender und lebendiger, als ba sie aus Erden wandelten? Leuchten ihre Werte nicht jetzt noch in unvergänglicher Schöneherrlich. wie am ei ft en Tag?" Aber auch der einfache Mensch kann seinem Leben dauernden Wert verleihen, wenn fr. erfüllt von dem Verantwortungsgefühl für des eigene Ich. sich hineinstellt in die große Veistesgemeinschasl derer die guten Wil­lens sind, und ernstlich bestrebt sft. diesen fluten Willen in all seinem Denken imö Tun zu befunden. Don dieser Gemeinschast gilt das schöne Dort:

,.Ein jedes Band, das noch so leise Die Geister aneinanderreiht, Wirkt fort in seiner stillen Weise 3n unberechenbare Zeit."

Wer von solcher Gesinnung erfüllt ist, der wird auch lernen, die Vergangenheit im rechten Achte äu betrachten. Er wird, sich erhebend uber alles Unvollkommene des vergangenen Lc- btnß, von alledem Besitz ergreifen, was dauern- dm, ewigen Wert darin hat, und wird dann auch die Kraft gewinnen, die Aufgaben der ^kunft mutig auf sich zu nehmen Denn das, vaS wir Vergangenheit, was wir Zukunft nennen, ift ja nur ein Teil der großen Ewigkeit Gotws, auS der alles Leben stammt, und in die alles L^en zurückkehrt. Und alles Unvollkommene und Unausgeglichene im Leben des einzelnen wie im Geschick -ganzer Völker wird einst auf- gelöft werden das ist unsere frohe Hoffnung In Licht und Harmonie.

politische Chronik 1924.

Januar: 1. Der thüringische Innenminister H.-r r in a n n wird wegen Un- egelmäh gleiten Id!en verhaftet. - 2. Die griechische Olational» Ddrfammhmg erklärt die Dynastie G.ücksburg für avaesetzt und Griechenland zur Repu- b( 11. 5. Bayern über-eicht in De''in eine

Lenksch-i t über die U ng sta u^g der Reich s- vcrsas u n g. Da^ s. ch.i ch Ka i ct He d t. - 10. Der ..Präsident bc: P.ä i che.n Repuvlic" Heinz-Orbis in Speyer e.schoisen. -- Das jopanische Kabinett K i y o u r a. 14.Olonnan

Davis, Präsident des Meme ausschusses. Das italienisch-jugoslawilche Bünd- nis. -- Der französische Franken stürzt unter die Parität mit dem Lire. 22. Rücktritt des britischen Kabinetts Baldwin, das Labvur» fabir.ett Macdonald. --. Die A g ordne.en Koch und Erkelenz Vockitzende der demo- kranschen Reichsiagsfiat' oi. -- Bericht des biick- schen General o..s..ls Clive über den Sepa atis- mus in der P.alz. Auslösung der ital enifchen Kammer. -- Der sranzösi ch tichechische Bün nis- vertrag unterz ichnek. -- Da; . gypti che Kabinett Z a g l u l - Pascha 31. Ankunft der Sach- verständigenauofchüise in Berlin. Auflö ung des japanischen Kabinetts.

Februar: 2. De. von Hocsch. deutscher Botschafter in Paris: Dvon Keller, deut­scher Gesandter i-i B ü sel. - Ryiow uim Präsidenten der rnss schen Sowjetr.publik g.wählt. - 4. Den iseloü teilt zurück. 5. Der

italienisch-russische Vertrag unter­zeichnet. - 8. Die Separat! st en räumen Trier, Koblenz und Ems. 10. Die Separa­tisten räumen Mainz. 12. Blutige Kämpfe mit Den Sonderbünd.e.n in Pirmasen.. und Kaiserslautern. 14. Gold.echnung in Rutz and.

Schaffung des Unternehmens ..Deut Ich« Reichsbahn". 16. Ende der Sepa atisten- hertjch.tft in der Pfalz. 18. Beilegung des Konflikts zw schen Bayern und dem Rech. Sikorski, polnischer K.negsminister. Rück- tritt des in d?n Petroleumskand.nl verwickelten amenkan scheu Ma-inestaatssekretär Deub y. - 20. Büge räche Regierung Leuth.user in Thü­ringen. 25. B.g nn des Hochverräter ozes, s Hitler-Luden dorff. - 2.. A : Hebung tes mil.tär schen Ausnahmezustandes. Ab­lehnung 1 des französisch-belgischen Wirtschaftsabkommens in der B ü se er Kammer, Rückt.itt des K.winettS Then is-^as,a..

28. Herabsetzung der amerikanischen Ein - wanderungsguote.

Mär): 1. Aufhebung des Verbots der Kom-- munistischen Partei sowie der Völlischen Partei in Preutzen. - - 3 Die türli che Rationa Versamm­lung befchlietzt Abschaffung desKalifats und Absetzung des Hauses Osman. - 4. Deutsch- jugoslawischer Sachlieserungsveitrag. -- Deutsch- türkücher Freundschaftsvertrag. - 10. Das neue belgische Kabinett Theunis-Hhmans. 11. Das griechilche Kabinett P a v a n a st a s i u. -- 12. Auflösung des Reichstags. 15. Kotzmann, DölkerbundSkoMwissar für das <5aar­ge b i c t. 18. Bürgerliches Kabinett Branden­stein in Mecklenburg. - 20. Bayerns Konkordat mit dem Heiligen Stuhl. - 23. Absetzung des Schahs von Persien. - 26. 211 - banien Republik. 27. Das jugoslawische Ka­binett P a s i t s ch - R i n s ch it s ch. Rücktritt des in den Petroleumstandal verwickelten ameri­kanischen Gene.a.staatsanwalts Daugherty. - 28. Poincare bildet sein Kabinett um. 31. Mi - litärtontrolinote der Botschafterkonserenz.

April: 3. Die 500-DIk -Auslandsreisegebühr. 8. Rau, würt embergi.cher Slaatsprä^ioent. Die italienischen Wahlen bringen den Faszisten 65 Prozent der Stimmen. 9. Ucber- reichung des Sachoer st ändigenberichts. 10. General Kretz von Kressen st ein, Landeslommandant von 'Bayern. 11. Annahme des Sachverständigenberichts durch die Repara- tionslommission. 13. Sozialistischer Wahlsieg in D ä n e in a r t. Kabinett Stauning. 15. Rücktritt des Reichsjustizministers Emminger. - 16. Admiral Conduriotis, erster Präsi­dent her hellenischen Republik. Unterzeichnung der neuen Micumverträge. 18. Aus­weisungen in der Pfalz, neue Knegsgerichts- urteile in Mainz. 23. Eisenbahnunglück von Bellinzona. Unterzeichnung des Memel- landablommens. 29. Das Urteil im Hitler- prozetz.

Mai: 4. Reichstagswahlen. 7. Bergarbeiter st reiks im Ruhrrevier und in Sachsen. 9. Beginn des spanischen Feld­zugs in Marokko. 10. Wahlniederlage des Kabinetts Po in rare. 14. Der deutsch» russische Konflikt. 15. Das Repräsentanten­haus nimmt das amerikanische Einwand e- rungsgeseh an. 16. Aufstand in Tur­ke st a n. 19. Vorabstimmung in Hannover gegen eine LoSlösung von Preußen. - 27. Dr. Marx mit der Kabinettsbildung beauftragt.

yai1wnufuimi j/hmi iiniir'iiwn"i\gHWMi'oiMimw«rjMTM

Die rote Kafchgar.

Roman von Fedor von l3obeleih

30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

..Gestohlen!" ries Gert. Einen Augenblick überkam ihn eine so unbändige Wut, dah seine 3äl)ne knirsch le.i. Aber sofort fand er seine De- hcrrschung zurück. .Herr Minister," begann er von neuem,ich bitte, Ihnen rückhaltlos Auf­klärung geben zu dürfen. Ich habe mit Fräulein SiDarl) schon in Berlin brechen wollen. Aoer hier verstand sie, sich mir von neuem zu nähern. Sie ist en » viel^ewan" I , sehr lluge Person und brachte mir.häufig pcltische Aachr ch'en. ir war es auch, öie nur Herrn Sho-yin zufübne )'ssen Quellen rmh wichtig genug dünkten. die Verb ndunz nicht W^lehnen. Ueo-r alles das, waZ ich durch die leiden erfahren konnte, habe " h ein Erp s' aus- 'fliarbeitet, das ich Ihnen in di sen Tazei vorzu- lt]cn gedachte. Es hätte schon frühe: .ei'-e'ien lernen, ich wostte jedoch die Frrtseyu'.rg des Tage- l)u^ Ching Shans a owa ten. I st g aubc. urch- ws im Interesse der G.'saudisch ifi und damit ynltcr Regierung gehandelt zu haom."

Der Minister knivste an s i.i.n Fnge.nägeln. schien Glauben in Ehren. Herr Graf,' aatwor- telel er,er basiert leider auf ci.iciu fundamen- tici! Irrtum. Sie haben uns tatsächlich g schadet.

will davon absehen, daß die Herren Set.c- 'e die Pfliech Haven, ihren Di nstovl egenheiten mch)Ukominen. dah ihnen aber i dwede Politik Ms cigcrte Faust verboten ist. Sonst kämen wir schiechlich in einen Wirrwarr hinein aus dem ti n sich kaum noch herausfin'ven könnte Sie sagten vorhin - es war mehr ein Ausruf in äejreiflichem A rger, Fräulein Savary habe »nen die Ausarbeckung en 3ho°yins gestohlen. 3t das das einzige, was sie Ihnen envooendet

Sie haben häufiger in meinem Auftrage ^richte «n die Regierung entwo gen. Drift? eis- 'v über die letzte Inspizierung der ch nesischen ^'nce und das strategisch: Bahnnetz zwischen 2«r Mandschurei und Rutzland. Ist Ihnen nie ^gefallen, dah Ihnen Rotizen fehlten?" .. 3ert überlegte. Oder überlegte nicht einmal. -5'm> <3cbanf?n flogen, mißtrauisch aufgestörc und Ottzeordnet. >tn und her.

'Rein," entgegnete er, .,datz ich nicht wüßte. Warum fragen der Herr Minister?"

Weil bestimmte Cinz:lh iten aus Ihren Be­richten sich in Eintragungen wiederfinden, die bei Fräulein Savary beschlagnahmt wurden."

Infam!" rief Gert. Run überstürzte ihn eine heitzbrodelnde Scham.

Richtig. Und das Infamste ist. dah Ihre Freudin nicht einmal für die eigenen Drotgeber spionierte, sondern im Sold? der Franzosen."

Gert wandte sich förmlich auf seinem Sessel. Er fühlte sich wie vernichte. Aver der Gesandte blieb bart.

Um es kurz zu machen," sagte er.als Fräulein Sanary inerte, dah o uch ihre bishe'ige gütige 'Beschützerin, t i Gräfin Kodama. sie fallen lieh, bequemte sie sich zu einer zyn schen Of'enheit. Sie lieferte der französischen Gssansttschaft aus, was sie im Hause erfuhr und auf dw javanischen Kanzlei räubern konnte. Und wi d?rum a les, was man hier aus Solidarität geheimzuhalten wünschte, übergab sie H'rrn Sho-yin. der sein Wis'en bei den Herren des Tsungii-Vame-.r ver­wertete. um f in? eigenen Schur ersten zu ver­decken. Die Fr iheit, die Fräulein Sroary bei ihrer Herrin genoh, und die gesellschast.'iche Gleichberechtigung, bi? man iw ein räumt * nutzte sie in schamloser Weise aus. Dir javansche Ge­sandtschaft Hai nicht gezögert, ihre Gnt-üllungen >en Vertretern der übrigen Mach e m tzuteilen. Sie rettete bamit ihre Ehre. Der Flecken aber blieb nicht nur auf den Franzosen, sondern auch aus uns sitzen."

Gert erhob sich. Er war lehr bläh. Seine Stimme klang blechern, doch fest.

Herr Minister." sagte er.ich sehe meine Verfe' l nw ein und bitte um meinen Abschied aus dem Reichsdienst."

Der Gesandte hob die Schultern, als wollte er anbeuten, dah er den Ratzen dieser Bitte nicht einsehe.

Ihre Verabschiedung würde den Skandal nur "verbreitern helfen, Graf Hora", erwiderte er.Wir s:nd übereing kommen, aus Rücksicht auf die "gesvannten Verhältmss' dieser Tage die 211- gelegenh.stt auf sich beruhen zu lassen. Fräulein Savary wird nach F -ankreich zurückgescdaf t we^ den. Damit ist die Sache begraben . Er strich

Juni: 1. Rücktritt des Kabinetts Poin- c a r - Attentat auf den österreichischen Bun­deskanzler Dr. Seipel. 3. Das Kabinett Warr bestätigt Bazille, murttembergi- scher Staa.spräiident. Bauernausstand in R u- mänic n. 10. Das japant-che Kabinett Kato. 13. Doumergue, Praiident der französi­schen Republik. 15. Das linksdemokratifchc Ka­binett H e r r i o t. 17. Rudolny . deutscher Botschafter in Qlngora. 22. Landtagswahlen in Anhalt. 27. Dr. Held, bayrischer Mini- sterprä ident. 30. Sturz des Kabinetts Smuks in Südafrika, Kabinett H e r h o g.

Juli. 1. General Walch. Rachfolger Roliets in der Militärlontrollkommifston. BiNigung des Sachverständigengutachtens durch die Länder - 7. 2ldols Hitler tritt von der Leitung dcv nationalsozialistischen Bewegung zurück. U n - ruhen in Albanien. Revolution in Bra­silien. 10. Militärkontrollnote der Botschasterkenserenz fordert Durchführung der restlichen fünf Punkte. 15. Beginn de'' Lon­doner Konferenz. Deut ch-österreichischer Handelsvertrag. -- 24. Norwegisches Kabinett Mowinkel. 26. Britisch.' Flotten- Parade in Spithead. 28. Serbisches Kabinett Davidowitsch. 29. Beilegung des deuts ch-russischen Konflilts. 30. Be- lagerungszustand in Rumäniev.

August: 2. Deutschland wird zur Teilnahme an der Londoner Konferenz cingcladen. 6. Spaniens Verklag mit Raisuli zur Be­kämpfung der Riskabylen. - 8. Eng i ch-cuisischer Vertrag. 17. Ende der Londoner Kon- f e r e n z: die Durchsührung des Dawesplancs be­schlossen. 18. Offenburg und Appen­weier geräumt. Die Regierung erklärt im Reichstag die allgemeine Aufwertung für unmöglich. 21. Annahme des Londoner Abkommens im Reichsrat. 23. Zustimmung des Deutschen Industrie- und Handelstags zum Londoner Llblommen. 24. Annahme des Lon­doner Abkommens in der französischen Kammer. -- 27. Zustimmung des Reichspräsidenten. 29. Annahme im Reichstag. 30. Unter-- zeichn ung in London. Fortfall der Zoll­schranke au der Ostgrenze des be'ehten Gebiets. Inkrasttreten des Lausanner Vertrags zwischen der Türkei und der Entente. Bürger­krieg in China. 31. Aufstand in Geor­gien. Schwere Kämpfe in Marokko. Eröffnung der fünften D ö lk e r b u n d S v c r- s a in m I u n g.

September: 1. Die ,,e r st e Feststellung" der Reparationstommission. Die deutsche Er­klärung zur K r i e g s s ch u l d l ü g e. 4. Frei­gabe des Personenverkehrs int besetzten Gebiet. 8. Miutärrevolte in Chile. 12. Dr. Jen, chinesischer Premierminister. 15. Der deutsche Zolltarif im besetzten Gebiet. 16. Beginn des Bürgerkriegs in China: Tschangsolin marschiert von Mulden auf Peking, das Wupeisu verteidigt. 23. Der Ministerrat berät über den EintrittDeutschlandsindenVölter- b u n ö. 24. D'e Deutsche Volkspartei fordert Aufnahme der Deutschnationalen in das Reichskavinett. - 26. Die erste deutsche Völkerbundsnote. 30. Auslösung der Marinekontrollkommission.

Oktober: 2. Das Sicherheitsproto- k o l l in der Völkerbundsversammtung angenom­men. 3. Abdankung König Husseins von Hedschas, die Wahabiten marschieren auf Mekka. 7. Das griechische Kabinett M i ch ala- ko p u l v s. 9. D':e Rcparationsanleihe unterzeichnet. Das Kabinett Rta c d o n a l d gestürzt. 10. Einstellung der spanischen Offensive in M a r o k k o. - 12. .,Z weite Fest- st e 11 u n g der Repa^ations - Kommif'.on. 13. Kapitulation der Tschetiang - L uppen vor Schanghai. Das Zentrum jür Erweiterung der Reichsrcgierung. Semif.ion des schwedi­schen Kabinetts Tryggcr. 15. Ankunft des Z. R lll. in Amerika. Rücktritt der serbischen Regierung. 16. Die Wahabitcn in Rteika eingedrungen. Auf stand gcien de Regierung von Tirana. Rein so-, a demokrati ches Kabinett in Schweden. 19. Abkommen über die Zurück­gabe der Zoll-, Forst- und Domänen-Derwal- tiingen mit der Rhe nlandlomm s ion. 20. Aus­lösung des Reichstages. - 21. Auflösung des preußischen Landtages. Mannheim von den Franzosen geräumt. 22. Dortmund, Hörde,

mit der rechten Hand durch die Lust. Es war wie ein Schlußstrich. Und nun verlor auch fein Ton an Schärfe . . .Mein lieber Graf, wir wollen uns verständigen. Ich leugn? nicht, daß man in der Politik auch auf die Auskundschaftung des Gegners angewiesen ist, und felbstverständlich glaube ich Ihnen aufs Wort, daß Sie immer nur die Interessen des Reichs im Auge hatten. Ihr Unglück war aber, daß das Weib, das Ihnen Spionendienst leistete. Ihre Geliebte war. In einem Drama könnte das zu reizvollen 'Verwick­lungen führen und zu einer interessanter Auf­türmung der Handlung. 3m Leben kommt es ge­wöhnlich so, daß im Feuer des Glücks die gesunde Klugheit verbrennt. Die Svannw?i:e kühler He» Verlegung verengt sich in der L idenschaft. Himm­lische Versprechungen führten Sie am Rarrenfeil. Sie haben sicher auch Rmgeld bezahlen müssen. Darüber werden tue sich trösten können. Sie haben ein Leichenbegängnis hinter sich, lassen Sie es sich zur Warnung bienen.

Gert stand noch blaß und regungslos neben seinem Sessel. Der wohlmeinende Ton seines Chefs schlug bei ihm nicht an. Er erhöhte nur seine Verbitterung und rief ein Trotzgefühl in ihm wach.

Ich möchte gehorfamst bitten," sagte er.bei meinem Abschiedsgesuch verbleiben zu dürfen."

Dec Gesandte wurde unruhig. Seine Stirn kräuselte sich.

Sie haben noch Zeit bis zur schriftlichen Einreichung des Gesuchs", entgegnete er.Ist es nötig, hast Sie dem Unmut des Augenblicks nach­geben?"

Es ist der letzte Anstoß Herr Minister. Ich habe das Empiinden, dah meine gante Veran­lagung sich nicht *ür die Kunst der Diplomatie eignet."

Möglich. Ich habe erst feit einigen Monaten bie Ehre. Sie zu kennen, und weih nicht, ob ich Sie richtig beurteile. Vielleicht ist Ihr Tempera­ment zu lebhaft, vielleicht ft llen Sie sich zu sehr unter den Eindruck Ihrer Stimmungen und neh­men auf Treu und Glauben hin. was Mihtrauen verdient auch umgekehrt. Ratürlich verlangt die Divlomatie eine gewissermaßen angeborene Begabung. Es ist kein Talent, das erlernt wer-

Wesel, Remscheid und Lennep freigegeben.

23. Die berg.scheu Städte und L'imbuvg gciäumL Proklamation deS ReichSsriedens in Edina durch General Feng. 28. Offizielle Anerken­nung Sowjet-Rußlands. ..Dritte Fest- ft e 11 u n g" der Reparationskommisl on. 30. Uebernahme des Bankkontos- die Entschadi- gungszahlungen durch den Genera ageitten Parker Gilbert. - Aeuwahle-i in England.

November: 4. Rücktrittsgeiuch deo englischen Z^abinetts. 5. Cool rage zum Präsidenten und Dawes zum Vizepräsidenten der. Vereinigte', Otaa.e.i gewählt Wahl des babffchcn Staats- Präsidenten (Kultusminister Pros. Hellvach^.

8. Auflösung des brauntcbtocigif<bev Landtags. 13. Aushebung der Autonomie Kroatiens und Slawoniens durch die Regierung ^nschitsch.

16. Uebergabe der Elscnbahnverwaltu.-g von der Regie an die deutschen Reichsbaynbahöin. -- 18. Wu-Pei-Tu bill'et eine unabbäiigige null lärische Regierung. 19. Aeu'oildung des öfter' reichi'chen Kabinetts. 20. Attentat auf den Oberbefehlshaber der äavptischen Armee General Sir Lee Slact. 21. Ablevnung der englischen Regierung, die mit den Sowjets abgcfchkofsenen Verträge dem Parlament zu unterbreiten. 23. General Degoutte legt die Geschäfte deS Ober­befehlshabers der Rheinarmee nieder, an feine Stelle tritt General Guilleaume. Der fiatr zöfische Gesandte in München. Dard. wird von seinem Posten abberufen. 24. Rücktritt des ägyptischen Kabinetts. Siwar Pascha wird vom König mit bei Reudildung betraut. 27. König Fuad von Aegypten gibt Befehl, das Eudangehiet zu räumen

Dezember: 1. Bolichewistenangnss aus Reval. 2. Unterzeichnung des deut.ch-engiisch' n Handels­vertrages. 4. Eröffnung der deutsch-italieni­schen Dirtschaftslonserenz. 5. Begegnung Her- riols und Ehamberlains^ Ausganaspuntt des Vertragsbruchs von Köln. 7. ReichStagowahl unh Landtagswahlen in Hessen und Preutzen. - 9. Beginn des Röthardt Prozesses in Magdeburg. Eröffnung des britischen Parlaments 15. Rücktritt des Kabinetts Mar). 2'*. Urteil ün Rothardt-Prozetz. 23. Veröffentlichung der deutschen Rote an den Völkerbund 27. Die Botschafterkonserenz bestätigt den englisch-franzö­sischen Bruch des Versailler Vertiages durch die Einwilligung in die Nichträumung der Kölner Zone zum vertragsmätzigen Termin.

Kidchliche Nachrichren,

Evangelische Gemeinden.

Gietzen. Mittwoch, 31. Dezember. Silvesterabend. Stadtkirche. 8: Pfr Becker. Iohanneskirche. 8: Pfr.Ausfelo. Lollar. 8. Wahenborn-Gar- benteich. Watzenborn-Steinberg: 8 Iahresschlutz- feier - Wiefeck. 7: Liturg. IahrcSschlutzseier. Missionar Schlaudrafs.

Donnerstag, den 1. Januar. Neujahr.

Gießen. Stadtkirche. 91 : Pfr. Mahr. bi Pfarr- ass. Hertel. Iohanneskirche. 9 Psr. Bechtols- heimer. 5: Pfarrasf. Schultheis. Kirchberg. 10 ^Koll.i. Mainzlar: 1 . - Wahenborn-Darben- te'.ch- Watzenborn-Steinberg: 1J Garbentcich: 1 iGlvckenwUhe, Schüler u. Männecchör v Kollekte für Ortsarme bezw. für den Glockenfonds». - Wiefeck. 10: Missionar Schlaudrafs. Opfer für bie kirchliche Armenpflege.

Katholische Gemeinden.

Gießen. Mittwoch, 31. Dezor. 41 , u. 7 Beichte. 51/, Predigt und Silvester-Andacht mit Tc Deum. Donnerstag, 1. Januar. Fest der Beschneidung deS Herrn. bl . Beichte. 7 Messe, 8 Kom , 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr., 5* , Andacht mit Segen, 3 Frieda von Dr. I. Faust ge-pielt von der Iung- srauen-Kongregation. Grün berg, 91/, Messe m. Predigt.

Israelitische Gemeinden.

Isr. Religionsgemeinbe. Gottesd.i. d.Synagoge. (Südanlagei. Samstag. Öen 3. Januar. Docabd. 4.30. morg. 9.00, abds. 4.50 u. 5.30.

3fr. Religionsgesellschast. Sabbatfcier, 3. Ian. Freitag abö. 4.15, Samstag Dorrn. 8.30, nachm. 3.30, Sabbatausgang 5.30, WochengotteSd. morg. 7.05, abends 4.00.

SonntaaSdientt d. Aerztc:t. Avotbeten am 1. L -J ä

Dr. SLafler. Arau Dr. 'J3b.ni. Htrschavoiheke 3abnar&t: Dr. Metz.

den kann. Es kann geweckt und ausgebildet wer­den, aber es mutz da fein."

Es fehlt mir", erwiderte Gert verbissen. Ich habe auch das Interesse für den Beruf verloren."

Der Gesandte wurde sehr ernst.Das ist etwas anderes", fegte er.Halten kann ich Sie nicht, ich kann Eie nicht festbinden. Sie werden vermutlich den Besitz Ihres S)errn Vaters über­nehmen wollen?"

Das weih ich noch nicht."

Es gebt Sie allein an. Graf Hora, Sic sind bei uns mit offenen Armen ausgenommen wor­den. Sie haben hier 'Freunde gefunden. Sie wur­den rasch pcrfona gcata. Das kann nur einer, der auch liebenswerte Eigenschaften, besitzt. Vom Menschen zum Mensch''n lassen ei' mich sagen, datz ich Sie ungern scheiden sehe. Aber Sie tun vielleicht recht damit, den Beruf zu wechseln. Ihr Herr Schwiegervater hat daheim umfang­reiche Betriebe. Ich möchte glauben datz Sie dahin gehören. Sie find eine liürm'fche Ratur befähigt, gröheie Hindernisse l.ichtcr zu über­winden als versteckte Kleinheitei. cte sind mehr Befehlshaber als Stratege. Setzen Sie Ihr Ge­such auf, dock, überlegen Sie sorgfältig die Be­gründung Selbstverständlich bin ich ohne weiteres bereit. Ihnen einen vorläufigen Urlaub zu er­teilen, falls Sie das wünschen. Aus Wieder- fehn."

Er reichte ihm freundfcha'tlich dic Hand. Gert verneigte sich und ging. Roch immer siedete es in ihm. Wut und Scham lochten in seiner Seele. Sein Mannesempfinden sträubte sich gegen den Gedanken, von einer Tnrne genasführt worden zu fein. Er hätte Clemence erdroffün formen.

Langsam schritt er, den Hut in der Hand, den Garten. Am Eingang seines Hauses tr-21 ihm Gordon Murray entgegen: nicht mehr in dem verschmutzten Touristenkostüm von gestern, son­dern schneewcitzem Tropemenzug.

sehen, ich bin wieder Xulturmensch ge­worden", rief er.Der Kaufmann Krüger hak mir zu einer Ausstattung veryolsen. in der ich mich auch vor Lady Macdonclll! zeigen kann, ohne zu erröten. Haben Sie ein Plauderstündchen für mich übria, Herr Graf?"

< Fortsetzung folgt.)