Nr. 251 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)8retto.g, 31. GNoder |92>
Der Panthersprung.
Mtz Tirpitzdokumente zur Marokkoaffäre.
Dor, Dr. Fritz Kern, o. Professor der Geschichte an der Universität Donn.
Tirpitz, der so manche Gestalt aus der Zeit i Wilhelms I. anhänglich verehrt, glaubt ein Ab- finken deS Persönlichteitsnwcaus in der Zeit Wil- * Helms II. beobachten zu müssen. Daß darin ein Schlüssel zu unserem Unglück liegt, wird glaubhaft, wenn man in den Dokumenten die Arbeitsweise Dethmanns und seiner Mitarbeiter kennen lernt. Etwa des Schahsekretärs Wermuth „robuste Diktatur" bis zu seinem von Tirpih lla'rge- legten, wenig rühmlichen Abgang: des Kriegs- Minister- Heeringen mangelnde Energie: seines Nachfolgers Falkenhayn zu spät bereute Fehler. Die peinlichsten Mistgrifse unserer auswärtigen Politik machen die derbe Hand K i d e r - len-Wächters sichtbar. Nachdem kürzlich die drastischen Aeuhcrungen Kiderlens, der dem Groß- admiral die Abneigung kräftig zurückgab, über Tirpitz veröffentlicht worden sind, wird man Tir- pih daS Necht zubilligen, Kiderlens Bild ohne Berschönerungen so zu zeichnen, wie er es sieht. Er erwähnt, wie 1909. als die bosnische Krisis ihrer Lösung schon nahe war, Bülow sich durch Kiderlen verleiten lieh, dem Zaren unnötig die Zaust vorS Gesicht zu halten. Er deutet an, daß Bethmanns unglückliche Berkennung von Lloyd Georges Derständigungssormel auf den Englands unkundigen Kiderlen zurückgehe. Er zeigt selbst Kiderlens eigentliches Fach, die Balkanpolitik, in bedenklichem Licht. Aber vor allem sein Haupt- ttxrf, Agadir. Nötig war im Sommer 1911, die verfahrene Marokkopolitik so zu liquidieren, dah wir uns mit Anstand gegen einige koloniale Entschädigungen aus Marokko endgültig zurückziehen konnten. Aber welche plumpe und saloppe Geschäftsführung, welche unheilvollen Folgen für unsere Stellung unter den Mächten, für das Aufwecken des französischen Chauvinismus, die Festigung der Entente, die Minderung unseres Prestiges ergaben sich aus dieser Angelegenheit. Man fragt, wie denn überhaupt Kiderlen der deutschen Politik seinen Stempel so sehr aufprägen konnte, da doch der Kanzler für sie verantwortlich zeichnete. Erklärung bietet Bülows und Deth- manns Wesensart.
Schon 1910 schreibt der kaiserliche Kabinetts- chef v. Müller an Tirpih: „Es war für mich interessant, mit dem Oberleiter und dem Leiter unserer Politik (Dethmann und Kiderlen) zusammen zu sein, aber erfreulich war es nicht. Die Beziehungen beider zu dem Monarchen sind ziemlich lau. Nun ist es zwar für das Geschäft ganz gut, wenn man sich bei dem Allerhöchsten Herrn im Zustande leichter Ungnade befindet, aber das seht doch voraus, daß man sich aus diesem Zustand nichts macht und seine Meinung so gerade heraussagt, als ob man sich alles leisten könnte. Das ist nun bei uns höchstens bei Offizieren der Fall. Bei Beamten habe ich es noch nie erlebt, und ich fürchte, dah sich der Reichskanzler schwer dazu entschliessen wird, mit Bismarckscher Brutalität (ohne die es auf die Dauer nicht geht) * 1 etwas durchzusehen. Biel eher glaube ich das von Kiderlen. Er ist ein Zyniker vom reinsten Wasser."
Tirpitz war schon von Kiderlens Amtsvorgänger Marokko betrefsend gefragt worden, ob er C r - werb von Flottenstützpunkten wünsche, und hatte daraus erwidert:
„So sehr ich auch der Ansicht bin, dah wir zur Sicherung einer Weltmachtstellung keine Gelegenheit vorübergehen lassen sollen, gute Stützpunkte für die Seekriegsführung zu erwerben, so vermag ich doch keine im französischen Besitz befindlichen Plätze zu nennen, die für sich allein als hinreichende Kompensation (für unfern Rückzug aus Marokko) angesehen werden können. Die Kompensation wird in der Hauptsache m. E. durch Forderung eines großen Teils von Französisch-Kongo zu suchen sein. Daneben würde vom Standpunkt der Marineinteressen aus der Erwerb in erster Linie von Mogador mit genügendem Hinterland, in zweiter Linie von Französisch-Ozeanien, in dritter Linie von Französisch-Somali in Frage kommen."
Durch die Entsendung des „P a n t h e r" nach Agadir wurde Tirpitz Anfang Juli im Urlaub überrascht. Einer seiner Offiziere meldete ihm am 8. August, Kiderlen, der zur Demonstration der kolonialen Kompensationsobjekt veraltete Karten mit unrichtigen Grenzangaben verwende, mache einen Neinlauten Eindruck und beschäftige sich doch sehr mit der Frage, ob England kriegslustig sei oder ob es bei einem ernstlichen deutsch-französischen Konflikt neutral bleiben werde. Am 17. August meldete Admiral Capelle: „Zur Zeit wird die Art unseres Borgehens wohl von allen verständigen Leuten verurteilt. Für den Kaiser ist die Angelegenheit das rote Tuch. Ich rate dringend, sich darüber auszuschweigen . . .
Wir sind entschlossen, es nicht zum Krieg kommen zu lassen, und daher bereit, sehr weit nachzugeben. Kiderlen bemüht sich, den Eindruck zu erwecken, daß auf unsere Plusseite noch eine Lockerung der englisch-französischen Entente käme. Tatsächlich scheint mir das Gegenteil richtig." „Im Frühjahr des Iahres," so berichtete der Admiral- stab, „war die Stimmung in England deutschfreundlicher als seit Jahren. In politischen wie in Handelskreisen gewann damals der Gedanke an Boden, daß die Ententepolitik Eduards VII. ein Fehler gewesen, mehr persönlicher Eifersucht gegen den Kaiser entsprungen sei als sachlichen Gesichtspunkten. Der Minister Winston Chur- ch i l l äußerte sich noch im Mai dahin, daß wirkliche Gründe für die Antagonie zwischen England und Deutschland nicht vorhanden seien, das Wettrüsten sei zwar für England unbequem, Churchill glaube aber, daß es trotz der Flottenbauten weder in 1 noch in 10, noch in 20 Jahren zum Krieg kommen würde. Biel eher würde sich mit der Zeit ein Arrangement finden lassen. Das Erscheinen des Panther vor Agadir hat in der englischen Regierung überrascht, insofern man eine vorherige Verständigung mit England erwartet hatte. Trotzdem blieb die Stimmung im Kabinett zunächst friedlich. Dann kamen der Pariser Botschafter Sir Francis Bertie, intimer Freund von Delcass 6 , und Cort- wright nach London und verhandelten mit Sir Arthur Nicholson. Alle drei sind ausgesprochene Deutschfeinde. Diesen drei gelang es, Sir Edward Grey und später das Gesamtkabinett zu überzeugen, dah eine Unter st ützuna Frankreichs unbedingt nötig, ein Festhalten an der Entente Ehrensache sei. Die Folge waren die Reden von Lloyd George und Asquith, eine Note nach Berlin, dah eine Festsetzung an der atlantischen Küste Marokkos Kriegsgrund fei, sowie ein fast momentanes Aufwallen der Kriegsstimmung."
Kiderlen wollte in Agadir nur den marokkanischen Streitfall durch gütlichen Kompromiß endgültig aus der Welt schassen. Aber seine Geste war unglücklich. Er verstimmte das englische Kabinett und erweckte dann den Eindruck, als ob er, der zuerst gedroht und geblufft habe, hinterher vor der englischen Warnung z u ■ rückwiche. Das drängte England und Frankreich enger aneinander und verhalf Poincare zur Macht.
Tirpih' Auffassung, dah Agadir eine schwere diplomatische Schlappe für das deutsche Ansehen geworden sei, wurde ihm von B e t h m a n n Hollweg sehr übel genommen. Beihmann klagte zwar über die Eigenmächtigkeit Kiderlens,^ war aber gegen Kritik nur um so empfindlicher. So gerieten Tirpitz und Bethmann über die Frage, wie der „Echec" von Agadir gutzumachen fei, in jenen bitteren Streit, der den Anfang der Zerklüftung der Reichsleitung bildet, die bis zu Tirpih' Abschied 1916 dauerte und einen so großen Teil an unserem Schicksal trägt.
Zwei Jahre Fafzismus.
Don unserem römischen S-Kor.<pontenten.
(Nachdruck verboten.)
Rom, Ende.Oktober.
Es war der König, der den Faszismus in den Sattel hob. In dieser Tatsache liegt vielleicht Anfang und Ende der Diktatur. Es war der König, der am 30. Oktober 1922 dem schwarten Heer die Tore Roms öffnete und damit seinen Ministerpräsidenten Facta, der sie mit Drahtverhauen und Maschinengewehren verrammeln lieh, als der Schreckensrus ertönte: Hannibal ante PortaSI — desavouierte. Es war die verfassungsmähige Monarchie, die damit dem Parlamentarismus, der freilich schon in den letzten Zügen lag, den Gnadenstoß gab und einem Rebellen huldigtet Mussolini, dem ersten der TrLuncn
Man hat seinerzeit viel darüber bebattiert. Warum schirmte die Krone den Revolutionär, warum schonte dieser die Dynastie, obwohl er doch vorher verkündet hatte, der Faszsnus sei rm Grunde republikanisch und gegen die Monarchie, weil sie ihm zu wenig nwnarchisch sei? Warum gingen beite Ringer sozusagen behutsam ancincrnder vorbei? Wer den Einmarsch der schwarzen Armee miterl-tbt hat, weiß um die Antwort. Diese hunderttausend Mann waren mit Stuhlbeinen und Trichterpistolen, mit Urvater- Hausrat bewaffnet — die Garbe einiger Maschinengewehre hätte sie niedergelegt wie Bleisoldaten. Aber- andererseits durfte ihr Führer mit einem gewissen Recht alles auf eine Karte
setzen, auf die Hoffnung, die königlichen Truppen würden nicht auf Faszisten — damals noch in der Hauptsache Kameraden aus dem groben Kriege — schießen. Durch diese Wech'elbildung löste sich fast automatisch ter Knoten, die Bür- gerfchlach' um Rom tourte vermieden.
Ietzt aber begann dafür das eigentliche Ringen Volt gegen Dolk, das beut: noch an- dauert Die Geschichte di 's er zwnjähttgei Diktatur ist nichts anderes als ein Kampf deS Faszismus um die Aufrechterhal- tungscinerMacht, um so b.wundernswcrter. was er daneben noch auf friedlichem, fozialem, innen- und außenpolitischem Gebiet zu fchasfen die Ärafl fand. Das ist es, was die Kritiker immer übersehen. Die offenkundigen Schwächen des Systtnw, die Unzulänglichkeit n fallen ihnen hi die Augen, wenn sie nicht überhaupt die Augen ganz abwenden mit der Begründung, die ganze R chlung p.afie ihnen nicht Das für italienische Be.hültn.sie Gewaltige, schier unfaßbar Reiche, w.-.s dennoch in zcvei kurzen Iahren zuwege gebrach: werden konnte, warum das nicht objektiv anerkennen? Niemals ist das Schmälen auS Paneidrktrin so kläglich gewesen.
Es erübrigt sich, im einzelnen zu schildern, welche Zustände Mussolini bei 'Antritt seiner Macht im Lande vvrfand. und wie es heute a u s s i c h t. Ieder Italienfahrer weiß darüber Bescheid. Nichts von ten pünktlich eintreffeilten Eifer bahnzügen. nichts von den tatsächlich arbeitenden Beamten — wählend vorher der Reisende Gefahr lies, mitten in ter Campagna auSge- schifft zu werden und sogar ter Herr Lehrer „weih streikte", intern er das Katheter zu einem Ltat..ensockel machte und s.ch lieber mit Papier- pse len totschießen ließ, als ein Buch aufzuschl-a- gen — n chts von den blutfreien Straßen, auf denen b.sher täglich ein paar Leichen lagen. Betrachten wir nicht die Aeußerlichkeiten. son- tem den Mechanismus tes neuen Systeme, ter dcch Dorzüge haben muß, nachte n die vor zwei Iahrcn laut gewordenen Prophezeiungen
gestrenge Herren regieren nicht lange!
in Rauch aufgegangen find. Wenn wir von ten sortgc1chi.it ttnen Kleinen Staaten, die sich eben wegen des kleineren Haushalts und damit innigeren Zi fammenhalts eine wirklich? und zum Teil nuiftcigült ge Demokratie leister können, ab eben, welches große formell Demokrat.sche Land hat ein auch nur einigermaßen so stabiles Regime aufzuweisen wie das Italien Mussolinis? Wen widert nicht an, was in den letzten Iahren beispielsweise alles in Deutschland „geleistet" warte auf der sogenannten parlamentarischen Basis? Mussolini selber hat einmal mit seiner treffsicheren Ironie gesagt, die Entente habe die phrygische Mühe als eine Art Ersah auf ten deutschen Quadratschätel gestülpt, wobei er mit dem deutsch ausgesprochenen Wort Ersah an gewisse ©cbiltc der Kriegszeit, Kunstmargarine und dergleichen dachte. Die Entente wußte eben sehe genau, was sie tat, als sie ein Giftgas in das feit Jahrhunderten an eine stramme Gewalt gewohnte Doll hineinleitete, jene böse Abart von Demokratie, hinter deren Kulissen es sich so herrlich schieben läßt. ,
Und genau so war es vor dem „Marsch auf Rom" in Italien. Es ist begreiflich, daß alle Kul sscnschicter jetzt in Opposition zum F iszismus stehen Sie mochten doch auch gerne einmal „regieren". Allein, Mussolinis „Hierarchie" kennt keine Hintertüren und Unterröcke, er hat dem anmutigen Spiel ein radikales Ente gemacht, er errichtete die nackte Diktatur, mehr, die Allem- heirschaft Was man auch sagen mag, er ist. er allein, der unumschränkte Gebieter über die Ape: ninenhalbinfI. Schon deshalb sind alle Erörterungen und Erwägungen, ob und wann er „zurücktreten" werde, müßg.
Nun wäre es freilich nicht weniger töricht, die Gefahren zu verkennen, die in unserer immerhin um Jahrhunderte feit Rienzi und Jahrtausende seit Sulla weitergegangenen Zeit eine derart reine, personifizierte Zentralgewalt bedrohen müssen. Don Zeit zu Zeit braucht es einen neuen Besen, und in Italien verbrauchen sich solche Geräte besonders rasch, das liegt schon im Temperament des Südländers Einen eisernen Besen gar können die „Intellektuellen" nicht vertragen und sie find denn auch ter eigentliche Feind des Faszismus. um so gefährlicher, weil er ungreifbar ist, nirgends und überall. Don dunklen Ecken her, die niemand sieht, aber jeder an dem bösen Luftzug spürt, verbreitet sich die Unzuf nebenher t mit dem Fc sz smus. Eine Unzufriedenheit, die nicht aus feinen Fehlern schöpft, sondern aus dem Gefühl: Basta! Er war nun lange genug oben. Warum klebt er denn so?
Der offenere Kampf setzte naturgemäß schon mit dem ersten Tag seiner Herrschaft ein. Zunächst versuchten seine Gegner, den Faszismus zu verwässern, indem sie ihm auf parlamentarischem Boden willig Gefolgschaft leisteten. Das
craricÄ sich fteiUd> bei der Schlauheit eines Mussolini alS großer Fehler, denn er lieh sich zwar bereit# am 17. November mit überwältigen ter Mehrheit ter K ainnrer (in der damals nur ein verschwindendes Häuslein von Faszisteir saß) das Dertrauen aussprechen. am 25 November diktatorisch e Doll in achten erteilen und im Hinblick auf deren Ablauf ein Wahlgesetz billigen, daS feiuer Partei die Zweidrittelmehrheit sicherte, aber di- fiel ihm nicht im Traume ein, danach ten Parlamentär smus auS seinem grotesken Selbstmord zu erwecken. 2lun blieb den Parteien nichts- anderes übrig, alS ter Regierung einfach den Nvten unter ten Füllen wegzu- ziehen. Furchtbar einfach' 3m vorigen Herbst unternahm bin bis dahin mächtige 3entrinto- partei der P opolari — b9 rote Linke lag bereits in Trümmern — den ersten Ansturm Mit dem Sc-folg. daß sie an dem harter Schädel Mussolinis in Stücke zerbrach In biefem Herbst liefen die vereinigten Liberalen an Mil dem nämliche,, Ersoig. Aus Sämtlich: oppositto- ncllen Parte den liegen nun am Boden 3b ne Ücberrcftc 6eiben s.ch auf den Aventin z irütf- qczrgen und planen die 2LifftelInng einer Art Dcgenrcgierur rg. ines Gegenparlaments Cs to.rb ich« »erlich dazu kommen. Denn Masio» lini kann es diesmal wirklich furchtbar ein- fach verhaften lassen. Er hat die Macht, gestützt auf sein: Prätorianergarde. die mit fast zweihrindertt aufenb Bajonetten am 23. Oktober, Dem Erinner ungstag an ten 'Beginn d.s Marsches auf Rom. auf ten König vereidigt warte
Damit kehren wir zum Ausgangspanit zurück. Die Augen der gesamten Opposition sind jetzt auf ten Q'uirinal gerichtet, und es entbehrt nicht einer gewissen Komik, unter diesen Sier.r- gudern vielfach tenfeltem Leuten zu begegnen, die früher für ihr: republikanisch: Heber-eugung ihr Blut ,verspritzt hatten, wie f'.c sagten Der 5. ö n i g. bad ist etwa der Getenve bei neuen Bewegung, kann den Fisjis.nus ebenso zu Fall bringen, ir>ie er ihn in te.i Sattel gehoben hat Und cs ist etwas Wad. s in dies:: Berechnung Denn die rücksichtslos: faszistifche Diktatur hat dem monc.rchisckten Gedanken, be öfters nach ten Enthüllungen der Matte otti-Afsä re. einen neuen Jmchuls gegeben. Wo te. König sich zeigt. [- .anbei ihm ter 3ub:l teS Dolles entgegen, bet Aasdi-uck seiner Macht, bas Heer, w.rd täglich mehr Auni »ergött.ric i Symbol alle, v tte. lön i- schen Tugenden, es scheint bie Inkarnat! >n tei Dollsgenuemschast gegenüber ter faszistifche" Parteitrichpe
Wie. wird Mussolini terauf reagieren ? Süll wurde g, rächtet, rächte sich furchtbar durch Prv^ skriptiontn, legte aber schließlich seine Macht nieder, 'am der Nation die Möglichkeit einer Weiter«,twicklung nicht zu rauben Aach Mussolini ist sterblich, er ist schon schwach gegen die ras. ter willst', sich hausenden Provinztyrannen, was arrb der nächste Tag bringen?
Nochmals die
Kird rensteuerveranlagung 1924. Don Rechtsanwalt W. Luleh.
D-e Ausführungen des Herrn Psaroer Bech» toUbeimer in Nr. 250 des „Gieß. Anz" veranlassen mich, folgendes festzustellen
1. Es war nicht unbedingt erforderlich, ge rate i>ie Deranlngung 1922 als Grundlage zur diesjährigen Kirch/nsteue -txraiiLaginig zu lEi-men. In Pt .-eußen wird ein Prozent'atz der laufenden Reichs einkemmensteuervorauszah.ung als Kirchensteuer erhoben Da sich dieser Satz von vornherein nutzt übersehen lieh, hat man ihn da, wo er: sich als zu nichtig erwies, erhöht. Ungleich Mäßigkeiten, wie sie in Hessen entstanden sind, sind in Preußen vermieten Worten.
I . Wenn man schon bie CBeranlagung 1922 als Ivrundlage nehmen wollte, so gab ein Blick auf toie Entwicklung ter Mark im >^ahre 1922 Dero.nlassung, in ter gleichen Weise, wie dies im Iiahre 1923 bei der ebenfalls auf ter Beran- lagwig 1922 auf gebauten Rcichsei il mmensteue.- vornuszahlung geschah, einen Multiplikator zu fchasfen der Ui den nötigen Ausgleich sorgte.
3. fein solcher Ausgleich hätte es vermieten, daß Beträge auf den Stcuerzetteln standen, b;e unmöglid) waren. Daß erf Igcllch reklamiert worden ist, ist mir bekannt, ich bin jedoch ter Meinung, dah jeder Steuer pf.ich.ige einen Anspruch daraus hat, daß von ihm von vornherein eine tragbare Steuer verlangt wird und er nicht auf bei; Weg eines Bilsigkeüserla ses verwiesen wird, gairz abgesehen von den Steuerpflichtigen, die nid>t reklamierI haben und dadurch eine üter- ma big höh: Steuerlast auf sich tehÄlen haben.
4. Ein Ausgleich durch Einführung eines Multiplikators wäre aber auch geeignet, eine 2ö- smyg der Frage mit her bei führen zu helfen, tote ter durch die Erlässe entstandene Auslall zu tecken ist. Es ist getoiß anzuerkennen, daß die
Seltsame Flitterwochen.
Roman von Arnold Fredericks.
34. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie hatte gelegenttich. ter vorhergehenden Suche sorgsam nach einem solchen Hunde gefvrsa>t. hatte ihn ater nicht gefunden. Die Erzahluirg von der flüchtigen Cobra hatte die La adieu te veranlaßt ihre Lieblinge sofort ins Haas zu ne.;« men. ahm hoffte sie. diesen Hund zu finden und durch ihn die Lage des Hauses zu entbeden, m dem sie festgehalten toorben war. Nachtec nun ja, sic würde dann ihr Bestes tun.
ES fiel ihr ein, dah sie den schwarzen Pudel nicht finden konnte. wenn sie auf ter Bank sitzen blieb; doch tonnte sie nicht Vorgehen, tetwr ter Mond hoch genug ftanb, um ihr ten Steg S» erhellen Rach etwa einer Suille zeigte sich der Rand der sllbernen Scheite hinter ten Daum- toibfeln, und etwas später wurden die grauen Schatten um sie herum nach und n«h Heller, am sich in weiße Hauschert. Hecken und andere G«' bilde verschiedener Art aufzullären.
Ein enger Weg zweigte von ter Hauptstraße ab mit Linden- unb Pappelreihen zu betten «Seiten. Längs tes Weges lagen dte Hauser tes kleinen Weilers, teils nahe daran, teils weiter
darU€ie stand auf und fparierte langsam ten Weg entlang.
Wie sie erwartet hotte, sch argen, ten Stimmen .noch zu urteilen. Hande aller Arten und Größen an, sobald sie gegen das erste Haus £em kleinen Gitter gegenüber, ragte ein Gebaute
zu kam. Ein kleiner Foxterrier rannte laut kläffend gegen das Tor eines Gartens. Das lang;etehue Geheul eines Hundes ertönte die Straße weiter aufwärts.
Ein kleiner weißer und ein schwarzer Pudel von gleicher Gröhe ranntet einem Zaun entlang, als sie vorteiging und schienen zum Spielen aufgelegt. Der Gesuchte jedoch war nirgends zu sehen.
Der Weg führte einen Hügel hinan, auf dessen höchstem Punkt ein Haus stand, mit ten Nebengebäuden etwas breiter als die anderen. Diese unb die Weiten ließen auf eine Milchwirtschaft schließen. Der Straßenseite entlang zog sich eine Rosenhecke und ein kleiner Holzzaun.
Grace horte im Dorbeigche.n scharfes Bellen jenseits tes Gitters, blieb stehen und ah hinüter. Im Schatten stand ein ichwarzer Pute : i: Lnn:e jedoch infolge ter Dunkelheit nicht erZen/.en, ob sein Schwanz das gesuchte Kennzeichn aufwies. Sie gab dem Tor einen leichten Stoß, und es ging langsam auf.
Der Hund sprang auf ten Weg heraus. Ms er einen vom Mond erleuch.e.en Fleck kreuzte, erkannte sie. dah sie am Ziele war. Dies war, dessen war sie .sicher, der Hund — unb das Haus.
Die ttächste Frage war, wie sie in das Hnus gelangen könnte. Eie luchte nach einer Ausrede, die als Grund für ihre Anwesenheit an dem abgelegenen Orte zur Nachtzeit die,.en könnte, fand jedoch keine. Dah die Bewohner tes Haases sich schon lange zur Ruhe begeben hatten, war aus ten dunklen Fenstern und ter Stille zu entnehmen die über dem ganzen Anween lag.
Sie sah sich um Gerade über dem Weg,
formlos in eine schattendunkle Baumgrupp? hinein. Sic ging hinüber und fand, daß es ein kleiner Schuppen war. Die Tür stand auf. Innen stand ein baufälliger, alter Wagen, staubbedeckt und offenbar schon lang? außer Gebrauch.
Die Unterkunft in dem Schuppen kam ihr so gelegen, als ob sie am Ziele angekommen und nicht ein suchender Wanderer in ter dunklen Nacht wäre.
Es war nichts zu tun, als das aagesllcht abzuwarten. Sie kletterte auf den ächzenden Wogen und lieh sich auf tem Sitz nieder. Er hatte eine Rückenlehne, die üxc ter Sitz mit al em, zerrissenem Sammet biogen war. Sie lehnte sich in den Schatten zurück und schloß die Augen. Ihr Spaziergang und die Nachtluft hatten sie ermüdet. In ter Ferne härte sie nach langer Zeit das Bellen eines Hundes. Sie sah nach der Uhr. Es war Mitternacht.
Das Nächste, woran sich Grace erinnerte, war das lau:e Gebell eines Huntes. St? stand auf war steif und hatte kall Der Nacken und die'linke Schulter schmerzten sie empfindlich. 5m Blick durch die offene Türe des Schuppens zetg e ihr. daß es noch Nacht war. ater es lag e.n grauer Schimmer in ter Luft — ein schwaches, bleiches Licht kündigte ten Tagesanbruch an.
Cteif kletterte sie vom Wagen und sah wiederum au' die Uhr, die auf die vierte Stunde zeigte Durch ein flaubiges Fenster auf de. Seite tes Schuppens sah sie den östlichen Himmel, von den ter Sonne voranellenten Strahlen röt* sich gestreift und klar.
Als das Licht stärker wurde, sah sie tej i Hund, ter ihren Schlaf gestört hatte, im Grq s
tn>r dem gegenüber (iegmL'e i Hau'e herumsprin- g«m. Tas Hnis schien bet Tag Glicht viel näher, als bet Nacht. Sie betrachte.e ten Hund aufmerksam. Der weihe Büschel seines Schwanzes, d er im Morgenlicht fröhlich wedelte, bewies ihr daß es ter Gesuchte war.
Sie versteckte sich im dunklen Schatten der
1 talboffenen Türe und beobachtete, tooi vor ihren ' Äugen vorging Dort zwi'che.t den m^e en Ge- I.müden rechts bewegte sich ein Matrn Sie h'Zrte ihr iprechen, konnte aber zu rächst nichts verslehe-t. Ploflich gab ihr das Brüllen von Dieh. das Rasseln eines Eimers, der an einer kreischenden Winde hochgezogen wurde, zu verstehen, dah der Mann seine Kühe besorgte.
Kaum eine halte Stunde späte: sa- sie ihn dem Hause zugehen, einen wohlge üllten Eimer in jeder Hand. Dann folgte wieder längere, völlige Ruhe Dcr gckräu'elle Rauch, der vom Kamin des Landhau?s aufftieg, mah ite an das Frühstück, und jetzt erst temerfte Grace, daß sie fröstelte und hungrig war.
Zum ersten Male in ihrem Leden wurde es ihr klar, wie wichtig das Frühstück bei Tages- beginn ist
Da erschien ter Mann wieder und ging auf ein kleines Gebäude zu, das Grace mr die Scheune hielt. Sie konnte ihr jetzt genau sehen, da die Sonne über ten Baumen sta rd und die ganze Szene glänzend bcleuchtetr Es war ein kleiner, runzeliger Mann mit weihen Ha-r: unb einem leichten Buckel. Sir war ganz sicher, daß he ihn vorher nie gesehen hatte.
(Fortsetzung folgt).


