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nr. 77 Zweites Blatt

Der Sektsoldat.

Man schreibt mir aus dem besetzten Ge­biet am Rhein: Wie der deutsche Rundfunk (den man hier in der französischenGefangen­schaft" trotz strengsten Verbotes ja doch ab­hört!) soeben meldete, enthält der vorläufige Reichshaushaltsplan für 1924 einen Posten: Versailler Vertrag". Cr lautet: Ausgabe 640 Millionen Goldmark. Darunter allein die De­fa tz u n g s k o st e n : 360 Millionen Mark. Dies also die finanztechnische Folge des De-- schlusseS. den die Berliner Regierung faßte, um Deutschlands guten Willen zu bekunden: Die Desatzungskosten werden weiter bezahlt! Gleichzeitig, also noch nicht einmal durch die Schrcckenszahlen deS neuen deutschen Budgets beeinflußt, übt ein Teil der englischen P r e s s e die heftigste Kritik an der Verschwen­dung des deutschen Rationalvermögens für die militärische Fremdbesatzung an Rhein und Ruhr. Die Alliierten hätten davon gar nichts, und Deutschland werde so dauernd unfähig ge­macht, überhaupt noch Reparationen zu be­zahlen. Offenbar haben auch die Engländer die Eingabe gelesen, die das Direktorium der R e n t e n b a n k an die Reichsregierung rich­tete und worin für unmöglich erklärt wurde, die Rentenmark vor einer Wiederholung der Onflation und vor Entwertung zu schützen, wenn die Zahlungen für die 'Besatzungskosten Im bisherigen Ausmaß fortgesetzt würden.

Run, die Zahlungen werden fortgesetzt. Die Ansprüche der französischen und belgischen Besatzung, statt abgebaut und vermindert zu werden, wachsen ins Ungeheuerliche. Wir können mit neuen Angaben dienen: Mon­sieur T i r a r d, der Vorsitzende der Rhein» landkoinmlssion, hat sich nicht mit der Woh­nung des Oberprälidenten in Koblenz begnügt. Cr verfügt jetzt über 17 Wohn-, Rauch-, Speisezimmer und Salons, sowie 22 Schlaf­zimmer nebst reichlichstem Zubehör an Wirt- fchastsräumen. Außerdem muß für ihn Im ersten Hob s Wiesbadens ständig e.n Absteige­quartier bereit gehalten werden, bestehend auö einem Appartement von vier Zimmern mit Daderaum. Man rechne nach, was das allein den beutfeßen Steuerzahler kostet?

Llnd wie der Herr, so das Gescherr! Der Stellvertreter des Vorsitzenden der Rhein- landkommission bewohnt eine der vornehmsten Koblenzer Villen mit 19 Zimmern und zahl­reichen Rebengelassen. Alles mußte funkel­nagelneu eingerichtet werden. Richt beschei­dener sind die Bedürfnisse der Delegierten der französischen Zone. Der 'Dezirküdelegierte hat Anspruch auf sieben Herrschaftszimmer mit Salon und Speisesaal nebst zwei Dienstboten­zimmern. Der Kreisdelegierte verlangt fünf Zimmer. Dir Adjutanten der Besahungs- gewaltigen beanspruchen für sich allein min­destens drei Zimmer nebst Dienstbotenräumen. Auch die zweiten Adjutanten sind höchst kom­fortabel untergebracht. Zufrieden ist keiner. 2n P i r m a s e n s paßte einem Kreisdelcgier- ten die für seinen Vorgänger luxuriös ein­gerichtete Wohnung in einem eigens für diesen Zweck angekauften Hotel nicht. Cr suchte sich die schönste Villa der Stadt heraus, b e - schlagnahmte sie und setzte deren Bewoh- ner innerhalb 48 Stunden a u f d i e S t r a ß e. Statt fünf Zimmer bewohnt er nun ein ganzes Haus mit neun HerrfchaftSzimmern. ZnGer - merSheim bewohnt ein Delegierter, ein Junggeselle, ein dreistöckiges, nach hinten dop- pelflügeligeS Wohnhaus mit Garage und Stallungen. Viele Franzosen haben Doppel- wohnungen, von den Immer üppiger werden­denGeschäftsräumen" gar nicht zu reden. Gehen wir herunter bis auf den einfachen Be­satzungssoldaten. Er kann nach einem Regle­ment der Rheinlandkommission verlangen: Duhescssel, Buffet, Kreteazti'ch. Ausziehtisch mit Teppich, ein kleines rundes Tischchen, Sa­latservice, Obstschale, zwei RadieSschus eln, je eine Gemüse^, Salat-, Saucen und Kompot-

Me grohe Landgräfln.

Zum 1 50. Todestage Karolincns von Hessen-Darmstadt am 3 0. März.

Von Ernst Edgar Reimördes.

(Rachdrock verboten.!

Don den hervorragendsten G.-istern ihrer Zeit bewundert, geliebt und verehrt vo r ihren Landes- kindern, gehört Karoline von Hes er-Darmstadt zu den wenigen Fürstinnen, de.xn Gedächtnis heute noch lebt, obwohl bereits 150 Jahre feit ihrem Tode vergangen sind. _ Kein Geringerer als Friedrich der Dro"re würdigte sie seiner Freundschaft, cr rannte sied'.e Zierde und die Dewunleung des Zahrhctndeets" und errüchtete ihr einen Gedenkstein, aus den er die Worte setzte:Fomina sexu, ingenio viri (Weib dem Geschlecht nach, Mann durch Geilt). W^-'n ch, der ebenso wie Goethe urvö Herder, wiederholt als Gast an ihrem H^,e woilre, m-o uj.i xu* rrline, sie müsse, wenn er einen Augenblick Herr der Schicksale wäre, die Königin vvt Europa teeren, und der Altmeister von Weimar gab ihr zuerst ten ehrenden Beinamen .Die große Land­gräfin", unter dem sie in die üln terollchtelt cln- gegangen Es müssen h'son e:c Gaben des Geistes uru> des Herzens gewesen fein, die diese Sim auszcich.eten, die nicht einmal selbst Herr­scherin, sondern nur Gattin eines klenm Fürsten war. Vielleicht wäre sie als Gewählt i eines b*'- deiitend n Her sch«'S irxm'gec hervvrgetreten und hätte nicht solche Beachtung gciu u en. Jl;: Gatte aber besaß kci -esw.'gs hervorragende Charakter- eigenschasten, seine größte Tugen) war sein echt d«itsches Wesen, der alles Welsche tief verachtete. Karoline Henriette Christiane wurde 1721 als Tcchter des Pfalzgrafen Christian III. von Zwei­brücken-Birkenfeld geboren. Aach dem frühen Tode ih es Vaters siedelte sie nett ihrer Mutier nach Bergzabern über, wo sie der Erbprinzen Ludwig von Hessen-'Z^i'mftadt fernen lernte. Der damals als Verwalter der zu Hessen gehörerrden Grafschaft Hanau-Lichtenberg im nahen Buchs­

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

schüssel, sechs gewöhnliche Gläser, sechs gute Weingläser, sechs S e k t g l ä s e r, sechs Li­körgläser, eine runde Schüssel, zwei Karaffen mit Kriftalluntersätzen usw. Da aus Scliglä- sern gewöhnlich nicht Bier, sondern Champag­ner getrunken zu werden Pflegt, so heißt das, daß der französische Soldat über dieses kost­spielige Getränk zu verfügen In der Lage ist und ein solch luxuriöses Dasein für jene Gel­der führen kann, d i e d a 6 d e u i s ch e Reich S- budgetaufzubringen hat.

Zn einer Zeit also, In der der deutsche Be­amte, der Zntellektuelle, der Mittelftändler, der Arbeiter trotz der Rcnlenmark sich vielfach kaum eine Fleischmahlzelt wöchentlich leistet, sitzt der Desatzungssoldat an Rhein und Ruhr auf seinem Ruhesessel, daskleine runde Tisch­chen" vor sich, und schlürft mit seinen Kame­raden Sekt, für den die Gläser zwangsweise zur Verfügung gestellt werden müssen. Wie lange noch sollen wir das bezahlen? Wie lange müssen wir die Blutegel dulden?

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 23. März 1924.

(Schluß des Berichts.) Extrahieb im Stadtwald

Die Sondersällung von 2000 Festmeter im Stadtwald wird einstimmig genehmigt, nachdem Sladtv. Prof. Dr. Borgmann dargelegt, daß es sich dabei nicht um einen Eingriff in die Sub­stanz des WaldeS, sondern lediglich um die durch­aus pflegliche und wirtschaftliche Nutzbarmachung von Waldüberschuß handelt, die sogar dem besse­ren Wachstum des Waldes zustatten toipmen wird.

Freie Lernmittel.

Für die Gewährung freier Lernmittel an der Volks- und Fortbildungsschule für Kinder un­bemittelter Gemeindeeinwohner im Schuljahr 1921 wird die Einkommensgrenze bei einem volts- oder sortbildungsschulpflichtigen Kinde aus jähr­lich 700 Goldmark festgesetzt. Für jedes weitere Kind unter 18 Zähren wird die Einlommens- grenze um 100 Mark erhöht. Kinder mit eigenem Einkommen über 50 Mk. jährlich bLi ,en bei der Kinderzahl unberücksichtigt. Zn einzelnen, beson- ders bedürftigen Fällen sind die Rektoren er­mächtigt, nach eingehender Prüfung auch über die festg setzte Einkommensgrenze freie Lernmittel zu bewilligen. Für die Beschaffung der Lern­mittel soll im Voranschlag für 1924 ein Kredrt von 4900 Mk. bereitgestellt werden.

Rotstandsarbeiten.

Von der Bildung einer Kommission zur Bekämpfung der A.b itslosigkeit wird abge­sehen, da solche Angelegenheiten durch die Baudeputation bereits behandelt werden.

Die Beschlußsassung Über die Bewilligung kleiner Rotstandsarbeiten, hinsichtlich deren die Stadt nicht Unternehmerin ist. wird der Depu­tation für den Arbeitsnachweis übertragen.

Te.fSiebenen Vereinen und Organisatibnen wird für Arbeiten, die von Erwerbslosen auS- gesührt werden, im Hinblick auf die Gemein­nützigkeit der Unternehmungen die Förderung aus den Mitteln der ErwerbSlosenfürsorge ge­währt.

Zum V e b a u u n g s p 1 a n an der Licher Straße.

wird beschlossen, die Straßenbreite zwischen der Oberhess. Bahn und der Zugang Zstraße zur Ka­serne von 30 auf 22,50 Mrier herabzusetzen.

Kreditbewilligungen.

Der für die Kühlwasserversorgung des Schlachthofs erforderliche Äre?it von 6000 CM nnarf wird genehmigt, ebenso e t Kie- d-it von 5410 Goldinark für die Znstzindse'ung Der Kühlmaschine nanlage imSchlacht- hof.

Für d'.e Ausführung b;r Kanäle an dem Anschlußgl.13 Margiretenhütte i 11 d?r Licher Straße w.-rdrn 7800 M'. b.-ret g fleht. (SrtocrbSl s: feilen diese A b i en a iffül) en.

Zur Herstellung einer Zeniralschaltung fürdieS' raßenbeleuchtung w.-rlen 6000 Mark bew Illg.

Die Auoteechslurg des Elek'r:-Motors im Gaswerk g gen c n - Dampfmasch ne und der hierzu crforberiUc Kredi vo i 20?0 Goldmark auS Betriebsmitteln werden genehmigt.

we'l.-r residierte und hstusg auf Besuch herüber- kam. Die lieureii-cifa, kluge, sittlich hochstehende P inzessia bitte es ihm angetan, und da auch sie ih.n ihre Reigung sch.nrkte, tim es zur Verlobung und im August 1741 zur Vennählu vg. Karo­ll :e halte keinen leichten Stand b.n ihrem Gatten, da feine Liodhibeivi für Soldaten sich zur Schwäche auswuchs und mit der Zeit alle anderen Interessen in ih n ertötete. Rach >em Dabprinz Ludwig den ersten schlesischen Kr.eg mitgemacht hotte, kam er als Regimentskvmmanl'eur nach P.enzüru. wrhin ihm feite Gemahlin nur im- e n folgte. Die Trostlosigkest des Aufenthalts ht dem f.'einen uckermärktfch^i Städtchen, die Liunen» h stigkeit ih.es Ge:wahls und der QUangcI an Verkehr mit gleichgestimmte i Seelen laste en schwer aus ihr. Ölber mutig ertrug sie alle Wüer- teärtigfeite i und suchte cm Dri'.ft'wvchle^ mit ih en Verwan''/tm und mit bedeuten en Persönlich-keitcn einen Ausgleich (Th e zahlieichen, stilistisch bc- merle -.sw rten D leie, voi b.itett ein g ost r Teil im hessisck-ei Staatsarchiv au «"».'wahrt wird g chan Kunde von ten seltene i Ehtraktercigenschas n dieser Frau, ton ih am schar,en Versta ch.-, ihrem Seist und ihrer vog-m Pl^rndas'.e. Seit 1748 lebte Karol ine mit ihrem Gnt'ei in PirmasenS. Hier tr.e'i dieser seine S.l>tte-.ilie habrrci ärger alS je zuvor. Die übelsten Snstje'te a.is aller Herren Länder wurden -.mgtwordeu und ein p?- drillt, und inmitten dieser roh.n Soldateska ent­wickelte sich ixtS Leben deS erbpriatzlichen H, ses. Wie sehr die f^einfühlerde, geistvolle Prinzessin in dieser Umgebung Litt, lässt sich denken. Es bedurfte all ihres Taktes und iher Klugheit, um das Ansehen ihres Hauses einigermaßen zu wahren und die Schroffheiten ißreS Ge.nahlZ zu miloern. Di der grösste Teil des erbpriirzlichen Einkommens für die S Idakenwirtschaf t drauf ging, nruß-te die Hofhaltung äußerst sparsam eingerichtet werden. Auch hier bewies Karoline ihre Tüch­tigkeit und Umsicht, ihr allein war es zu ver­danken, daß die Finan^n nicht völlig zerrüttet wurden. Roch schwerere Pflichten erwuchsen ihr, nachdem ihr Gemahl 1768 als Ludwig IX. den

Für die Unterkellerung deS TorhauseS R e u st a d t 66 luerben 1000 Alt. ausgeworfen.

Kleinere Vorlagen.

Mit Wirkung vorn 1. Oktober 1923 wird die gesamte Straßenbeleuchtungsanlage außerhalb des Elektrizitätswerkes aus dessen Eigentum ausgeschieden und In den Besitz der Stadtverwaltung übernommen. Als Absinduirg hierfür toerben dem Elektrizitätswerk 10000 Gm. gutgebracht.

Die durch Ueberlafsung des Stadttheaters zur Veranstaltung eines Rhein - undPfalz- t a g e s entstandenen Kostet! in Höhe von 400 Goldmark werden auf die Stadtkasse übernommen.

Der Jahresbeitrag zur Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen wird für das Geschäftsjahr 1923 auf 50 Gm. und für das Geschäftsjahr 1924 auf 100 Gm. festgesetzt.

Die Gebührenordnung für die Baupolizeibeant ten wird entsprechend den Anforderungen des Ministeriunrs abgeänbert (es handelt sich dabei um gewisse Gebührenermächtig­ungen) und gilt damit als genehmigt.

Einer Polizeiverordnung über die Benutzung der Schornsteine für Zentralheizung wird zugestimmt.

Mit der Vergebung verschiedener Arbei­ten und Lieferungen un.> mit cl ter Reihe von Daugesu che n edlärl sich das Haus ein- verstanden.

Gin Antrag zur Wohnungsbaufrage.

Die Freie Q3erci ug-mg bean v.igt, dl: Stadt möge die pdvate Biulä ig eit dadur h zu beleben versuchen, daß sie Ihr preiswer.e Bauplätze zur Verfügung stelle. Zur Begründung wird ange­führt, Die Baulust Li in wu er Kr l en der Bevöl­kerung sehr stark, das städt. Bauland sei aber zu teuer. Die Stadt möge nach dieser Richtung hin möglichst weit en gtgenlomm n. geimeister Kreuz len crHär., bieje Frage werde schon in allernächster Zeit behandelt werden.

Sod)fd)ulnad)nd)ten> Preisaufgaben der Universität Gießen für daS

Jahr 1924/25.

Für das Hahr 1924/25 werden folgende Preis­aufgaben gestellt:

Von der theologischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Der Begriff und die Be­deutung des Glaubens bei Zwingli. 2. Für den Leydhecker-Preis: Die Wisfenschast der prakti­schen Theologie In der geschichtlichen Entwicklung ihrer Stellung zur Mission.

Von der juristischen Fakultät: Die Reichsexekution nach der Wein>.irer Reicchsver- sassung, in;besondere an der Pelchsexekutlon gegen Sachsen erklärt.

Von d.r medizinischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Welche Bed-eutung hat die Alchuzcnölähmung bei Mittelohrentzündung? 2. Für den Balserpreis: Zodausscheidung nach Eingabe von Zodopyrin.

Von der veterinärmedizinischen Fakultät: Die neueren Zmmunisierungsversahren gegen Geflügeldiphtherie und Geflügelpocken sind auf ihre Wirksamkeit näher zu prüfen.

Von der philofopylfchen Fakultät: 1. Aus der alten Geschichte: Die römische Kalser- geschichte im Lactantlus, De mortibus persecu- toru n. 2. AuS der neueren Geschichte: Rapolcons Heirat mit Marie Louise. 3. Aus der Kunst- g.fchichte: Die Miniaturenhandschnflen der ©r?ßencr Universitätsbibliothek. Die zehn toert- t>ollen Bi'd.-r^aer-schrislen der ®iei;encr ilnitxrft- tätsblbliothek aus dem 11. bis zum 15. 3aßn> hundert sollen kunstgeschlchtlich beschrieben, unter­sucht und ernigev'chiet werden. 4. Als der Ratio- ra o ono iU- er uchu e . urWi tchast'pvU.ik in Hessen-Darmstadt im Zeitalter des Merkan­tilismus. 5. Aus der Physik: Der Emerganz- wlnkel einer Erdbebenwelle ist für den einfachsten Fall einer auf eine ebene Grenzfläche elnfallenden Planwelle auf theoretischem Wege abzuleiten und daS Ergebnis durchzusprechen.

Wer sich um einen Preis bewirbt, muß min­destens In einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Uniücrfttät Gießen immatrikuliert gewesen fein. Hede Te- weckbungsschrifl darf nur einen Verfasser haben. Die Bewerdungsschrift ist in der Sprache abzu­fassen, In der die Aufgabe gestellt ist. Aus dem Titel ist ein Kennwort anzubringen. Die Dewer- bungsfchrift ist vor dem 1. Apinl 1925 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem

hessischen Thron bestiegen hatte. Da dieser keine Lust verspürte, sich von Pirmaseus und fein'u geliebten S.-ldaten zu trennen und feine landes- herrlichen, Pflichten arg vernachlässigte, siedelte Karoline mit ih.e-n 7 Kindern nach Darmstadt über, um an seiner Stelle die Lasten der Regie­rung auf fich zu nehmen. Sie griff mit festen Händen zu unb vermöge ihrer cifenxcn Wlllens- k.ast, ihres schrrse.i Blickes, ihrer hohen Intel­ligenz gelang es ihr, alle Schwierigkeiten zu über» wiiü>en. Die Landgrüsin sorgte für die Ter- besse.ung ber Sintin^en und des Unterrichts, för­derte Ltndustrle und Landwirtschaft und tat un­endlich viel zur Hal'ung der stark gesunkenen Moral des Volkes.

Bei der Besetzung der Staatsäm'er zeigte sie einen sicheren Blick, für das A nt des ersten Mi­nisters gmxnrn sie In der PeZoa Mosers eine tüchtige Kraft. Ebenso gelang eS ihr, für die Landesunlversität die ge-ipd.ten Kräfte Ceran- zu ,iahen. Ihren Kindern ließ sie eine vortreffliche C z'e mrg zut ll werden, um die Kosten best oei en zu n»n, opferte sie sozar einen Teil ihres Ge- schme'des. Obwohl ihr nur äußerst geringe Mittel zur Q)e fi'gung standen, brachte sie es doch fertig, gel gentlich iwch Geld für Ideale Zwecke zu er­übrige x, so gab sie auf Ihre Kosten die Elegien u ö Oden Kl' pstocks h r ius! Da dir Töchter ie." Lamdg asm von H ssen als die bester^ogen-n ke ltschen F rstentöchter galten, fehlte es t')nei nicht an Be o -rberm. Frie neich der Gro> wählte für feinen Reffen und Thronerben, den späte en König F-r edlstch Wilhelm 11., eine der Töchter seiner Frown-dru als Gemahlin aus, wobei er auS>rücklich betonte, baß dabei einest\ un) allein die vortr sflichen GigAlschafte:^ drr Mut ec aus­schlaggebend gewesen seien. Auch Katlea ina II. von Rußland wünschte alS Gemahlin für ihren Sohn Paul eine der landgr-äslichen Töchter. Karo- li e war mit dieser Verbindung Im Anfang keines­wegs einverstanden, denn die leichte Moral der Kaiserin flößte ihr Bedenken ein. Sie beschloß deshalb, bevor sie den ..ehrenvollen Antrag" an­nahm, persönlich die Verhältnisse am russischLn

Montag, 31. März 1924

Kennwort der Arbeit versehenen Briesumschlag-, der die Ausgabe des Verfassers uub feiner Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu rießten. Beim Hahressest der Universität am l.Zuli 1925 verliest der Rektor die Urteile und ver­kündigt die Ramen der preisgekrönten Bewerber.

Gicftcncr Jugendgericht.

3n der Sitzung deS ZugendgerstchteS vvM 28. März, In der als Zug enhschöf f en Frau Kar o- line Pfeiff und Karl Voigt, beide von Wieseck, mitwirtten, standen drei Fälle zur Ver­handlung.

Der bereits fünfmal wegen Diebstahls vor­bestrafte 17 Jahre alte arbeitsscheue Za»ngszög- tl:g Ludwig F. von Gießen ist vssensichtlich un­verbesserlich. Am 13. Oktober v Z fanden auf dem Marktplatz zu Gießen aus Anlaß der Steue­rung Mas euanfammlungcn statt. Während dieser Z-eit drang F. mit drei anderen In ein Bäcker- geschäft In der Löwen iassr ein und erzwang dort von den b .'tagten D ickersl-aut^n, ohne an Bezah­lung zu de cken, die Hergabr mehrerer Laibe Brok ©eine Angabe, er habe sie noch am selben Tage bezahlt, ist unwahr. Don der Löweirgasse zogen die vier Leute nach der Bahnhofstraße, in der sie auf einen Zug fließen, der unter der Führung ite3 Zeigen Br. stand. Drv Atgeklagte L. F. rief Ex»r Menge zu,sie solle zu Bäcker K. ziehen, dort gebe es Brot". Zeuge Br. widersetzte sich ?tem Ansinnen des F. und wurde daraufhin zu Boden gew.-rfvn. Das Gericht erblickte In dem Tor'ehen des F. In der Bäckerei eine Ervresfung im 6tmtc des § 253 St G.D und in feinen an die Menge gerichteten Wo ten die Aufforlterung ziir Begehung einer strafbaeen Handlung Im Sinne der §§ 110 und 111 St G B Da er zuletzt Irenen Diebstahls Vvn der Strafkammer Gießen nstt sechs Monaten Gefängnis bestraft worden ist, die er im Sommer 1923 verbüßt hatte, wurde gc-en ihn nunmehr auf eine Gesamtgefäng­nis st r a s e von sieben Monaten e fannt. W-egen Fluchtverdachts wurde auch seine sofortige Derl-aftung angeordnri.

Can B.ickerl'.heling von Gießen wurde wegen zweier einfachen und eines schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 6Wochen ix-rurtrilt. Gr befindet sich feit längerer Zelt auf der schiefen Ebene, Sein Vater brachte ihn des­halb bei einem Bäcker in Kolbe unter. Dort stahl er au verschiedenen Zeiten einem Fahrburschen zwei Trauringe unO einem Mitarbeiter verschie­de KleiduitgZ- und Ausrüstung6ge;;enstände. In Gießen entwendete er aus einer Bauhütte einen Schraubenschlüssel u. a m. Rach der Erklärung seines Vaters wird die Fürsorge-erziehung das einzige Mittel fein, um den Zungen vor baldigen re-i n Straftaten zu bewahren. Dementsprechend h'elt das Gericht auch Grzlehungsmaßregeln für erforderlich und überließ bereu Aewrduung dem Dornrundschaftsrichter.

Aus der Strafhaft in Butzbach wird ein im txrgangcnrn Zahne von der hiesigen Strafkam­mer in ebne Gefänginlsstrase von acht Monaten verurteilter junger Meirich vorgeführt, um sich noch mögen mehrerer Diebstähle und Feldrnv Wendungen zu verantworten. Er ist in vollem Umfange geständig und scheint nunmehr unter der Einwirkung der Strafe seine Fehltritte zu be­reuen. Sein Verfüh^r und Mittäter ist der *ut Zett flüchtige, übel beleumundete K. H. von hter, £c;en welchen nach feiner Verhaftung verhandelt ererben tri.b. Urteil: G e f a in t z u f a tz st r a te r«on sechs Wochen Gefängnis und ,zeyv Tagen Hast. Die Fürsorgeel-ziel/ang des Der» ur.cilten ist schon früher angevrbnet worden.

Vermischtes.

Schweres LlnglLck beim Mctorrad-Elratzen« rennen.

Köln, 31. März. (WB.) Bei dem gefter» vom Kölner Motorradkluib 1923 teranftaltetcn Land st raßen-Renncn f üer Motorrä­der auf der Landstraße KölnGodorf ereignete sich infolge les großen Andranges einschwereS 11 n g l ü d. Der Dorjitzende des Klubs, Schmitt- Köln, der das Starteramt ausübte, wurde. alS er ein Auto aufhllten wollte, von rückwärts von dem Kölner Fahrer Berntgens mit ei tern schwere.! Motorrad in rasender Fahrt angefahren. Si-mitt tourte in weitem Bogen fortgeschleudert und blieb t o t liegen. Berntgens erlitt einen schweren Schädelbruch, während fünf Zuschauer leicht verletzt wurden. Schon vor Beginn des Fahren-

Hose keim ew,ulernen. Im Mai 1773 verließ sie mit drei Töchtern Darmstadt. Unterwegs fand sie überall eine ebenso glänzende wie herzliche Aufnahme: der Ruf von ihren seltenen Tugenden, ihrer Klugheit und Tüchtigkeit war ihr vorausgeeilt. Besond.rs freundlich gestaltete sich der Empfang in Potsdam am Hofe Friedrichs des Großen^ bei dem sie mehrere Tage veriveille. 3n Trave­münde lag n drei russische Kriegsschiffe bereit, die sie nach Püersburg bringen sollten. Bevor sie den heimatlichen Boden verließ, schrieb fi« ten russ'schen Bevollmächtigtem, sie würde liebet unver richteter Sache be mtebien, ehe sie das Glück einer ihrer Töchter gewissenlos opfere. Die trüben Crfah ungen Ihrer eigenen Ehe hntten sie miß­trauisch gemacht. Am russischen Hofe naßm man die Landgräfnl s.-hr freundlich auf, und da fle von den V rhältnissen cim.m günstigen Eindruck empfing, willigte sie in die Verbindung ihrer Trchter Wilhrimine mit dem Großfürsten Paul ein. Rach der Berrnähsung am 10. Oktober 1773 kehrte Karoline reich lesche.rkt mit ihren zwei Töchtern nach Darmstadt zurück. Die beschwerlickX! Reife, der Aufenthrlt in Petersburg mit feinen zahlreichen ss e t.'ichkeiten und den nrancherlei Auf­regungen hatte die Gesundheit der Latzdgräsln stark geschwächt, sie erkrankte schwer, und da fle ih' Ende hera.nrahen fühlte, traf sie mit Ruhe und äleberlegung ihre les'.ten Verfügungen. Aklk welcher Liebe sie trotz aller Enttäuschungen an ih em Gemahl hing, der meist fern von ihr lebte, geht aus einem Brief hervor, den fle noch an ih em Sterbetage an ihn schrien und Hessen Schluß fohltet:QUein Herz gehört Fhten." Ruhig und gefaßt schied Karoline in Gegenwart ihrer hochbetagten Mutter und ihrer Kinder am 30. März 1774 Im Alter von nur 53 Zähren aus dem Leben, aufrichtig betrauert von ihrem ganzen Volk, das sie stets geehrt und geliebt hatte. Dem Wunsche der Gntschlasenen gemäß wurde ihre sterbliche Hülle oh re jeden Prunk in einer Grotte deS Englischen Gartens zu Darmstadt bei- gesetzt.