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ölatt
U4. Jahrgang
Donnerstag, 50. Sttober |924
GietzenerAilzeiger
General-Anzeiger für Gderhesfen
VN'» Md vrrla,: vriihl'scht UnteerRtäts-Bu*: und $teinöni<fcrel R. Lange in Sieben. Schnstleitung Md Skschästiftelle: Schnlftratzt 7.
Annahme von Mnjc.uui fflrbielagesnummtt Dis zum Nachmittag vorher ohne,e0«'fterdinblichsteit. p.-eir für I mm hoste für Anzeigen von 27 mm Breite drfiichL, aufwärts 10 Goldpsennig; für Ne» Klame Anzeigen v 70mm Breit« 35 Dvlbpsennia, Playvorschnft2v .Aufschlag. - Brrantworllich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friebr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein, für den Anzeigenteil: v>ans Beck, sämtlich in Gießen.
Das englische Wahlergebnis.
Sieg der Konservativen. — Völliger gusammenbruch der Liberalen.
' London, 30. Ott. (TU.) Um 4.30 Uhr baten die Wahlergebnisse wie folgt: Konservative 170, Arbeiter-Partei 83, Liberale 22.
Ueberrafchend ist der große Erfolg der Konservativen nicht, auffallend aber der völlige Zusammenbruch der Liberalen, die einen großen Teil ihrer Eitze an die beiden anderen Parteien verloren haben. AIS der große Besiegte deS Tage- kann mit Recht Asquith gelle», der in dem schottischen Wahlbezirk PaiSlh dem Kandidaten der Labour-Parth Mitchell Unterlegen ist. Mitchell ist mit einer Mehrheit von 2400 Stimmen gewählt worden. ES ist anzu- «ehmen, daß die politische Laufbahn AsquithS nunmehr ihr Ende erreicht hat, da seine Gattin bekanntlich vor einigen Tagen öffentlich erklärte, bah et bet politischen Laufbahn den Rücken kehren würde, falls er nicht wieder gewählt würde. Ladh Asquith ist in Plymouth mit einer Mehrheit von 5000 Stimmen wiederge wäh 11 worden. Die ersten 7 Wahlergebnisse lauteten alle zugunsten der Konservativen, die Partei hatte sich kurz nach Mitternacht bereits 25 Sitze genommen.
Den ersten Erfolg der Arbeiterpartei buchte der Innenminister Henderson, bet In Durlh gegen die Kandidaten der Liberalen und Konservativen wiedergewählt wurde. Der erste Erfolg der Liberalen war der Hauptmann EvanS. Die Wahlbeteiligung erreichte 70 Prozent. Unter den geschlagenen Sozialdemokraten befindet sich Margant Don - ftelb, daS einzige weibliche Mitglied deS Kabinetts. Im ganzen waren 1402 Kandidaten aufgestellt, die sich auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen: Konservative 531, Liberale 346, Sozialisten 510, andere Parteien 15.
Der Verlauf der Wahlschlacht.
Ungeheuere Beteiligung.
London, 29. Oft. (WTD.) Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, zeigen die in den Hauptquartieren der einzelnen Parteien ein- gcgangencn Berichte, daß der Wahlkampf überall ungewöhnlich scharf ist. Sein Hauptmerkmal ist, daß sich die Frauen in einer bisher nie dagewesenen Zahl an der Wahl beteiligen. Troy der Erbitterung, mit der der Kampf geführt wird, ist die Ordnung im allgemeinen nicht gestört worden. Die Konservative Partei zeigt grolle Zuversicht. In fonfarintircn Kreisen wird erklärt, der- Strom der Wähler sei so stark, daß er Tausende zur Wahlurne fuhr, die nicht nur im letzten Jahre ihoe Stimmen nicht abgegeben haben, sondern sich niemals vorher die Müh: genommen hätten, zur Wahl zu schreiten.
Dis in die Abendstunden hinein ist die Wahl- ffchlacht noch mit einer Heftigkeit geführt worden, wie sie die alte st en Wählerbishernicht -riebt haben. Die Partei-Hauptquartiere berichten, daß die Wahl überall wie unter einen schweren Druck ausgeübt wurde. Trotz des starken Andranges und der erregten Stimmung der De- völkerung ist es nach den bisherigen Meldungen nur an wenigen Stellen zu Ausschreitungen gekommen. So in der Gegend von Durham, wo der konservative Kandidat Hautmann Streatfield ait seiner Frau im Auto durch em Arbeiterviertel tarn, und das Auw von 100 Leuten umringt wurde. 'Frau Streatfield wurde von Frauen angegriffen. die ihr die Kleider zerfetzten, dem Manne wurden ebenfalls die Kleider vom Leibe gerissen. Das Auw wurde demoliert. Schließlich gelang es den Dedrohten, nach Durham 8u entkommen.
Die britische Presse.
Lv n d o n , 30. Oft. (WD. Funkspruch.) Der vishrrige Erfolg der Konservativen auf Konen der Arbeiterpartei, insbesondere oder ouf KoUe.r der Liberaün erregt große Sensation. Die Rieder» lage Asquiths macht tiefen Eindruck. »Daily Her alb" erklärt, bereits in de.i frühen Morgenstunden hätten alle Anseichefür einen konser- paliven -caieg bei den Wahlen bestanden. '-Lie liberale Partei ha-br eine vernichtende Niederlage erlitten. ..Dailv Rews" über chreib: ihre Aus- gäbe in Fettdruck: „Die Reaktion reiht das Land mit “ In einem Leitartikel schreiot dasselbe Blatt unter der Ueherfchrift: ..Antwort an Sinowjew . las bisherige Wah ergebnsi In T? keinen Zweifel über die Stimmung im Lande auffommex
Die Stimmenzahl der Arbeilerpar et sei sclvst dort, wo hc ihre Sitze t?'Dielten, fast überall ganz beträchtlich vermindert worden. Die Li° beraleet lm'.ten alle ihre Sitze in Westminster verloren Wenn nicht irgendeine ganz besondere Der- änderung cinirctc. so mühte von einer r* o 11 ft ä n- digen 'Niederlage der Liberalen ge- fdrockner. wo: den Die Stimmem der Frauen seien diesmal ent Heidend in die Wagschale geworfen worden. Der einer .es Dries babe seine Arbeit ge- 1m:. De. W - ich ci:e. stabile.t Regierung habe über jede andere Bewegung triumphiert. Augen- Llidud; sähe es so aus, als ob die konservative
Mehrheit im neuen Parlament nicht nur eine absolute sein werde, sondern daß fie auch stark genug sei, um die vereinigte Opposition überben Haufen z u werfen.
Ein unglücklicher gwischenfall.
London, 30. Oft. (TU.) Ein mit Kindern besetzter Frachtwagen der Konservativen brach während einer Rundfahrt durch die Stadt zusammen. Ein Kind wurde getötet und 10 verletzt, von denen 5 in das Krankenhaus gebracht werden muhten.
Einigung in der Mossulsrage.
Das Ergebnis der Brüsseler Völker' bnndsratssitzung.
Brüssel, 30. Oft. (TU.) Dor englischtürfische Konflikt ist geregelt. Am Rachmittag Hal Granting dem Dölkerbundsrat einen Bericht unterbreitet, bah die englischen und türkischen ilnter- hündler grohe Versöhnlichkeit an den Tag gelegt hätten. Beide Parteien geben zu, bah b e r l m Vertrag von Lau sänne fe st gelegte Statusquo wieberhergestellt werden müsse. Branting beabsichtigt, bafür einzutreten, bah bic Grenzlinie ein wenig nach Westen ab- geänbert und eine neutrale Zone geschaffen
wirb, um Zusammenstöhe zwischen englischen und türkischen Truppen zu vermeiden. Außerdem sotten die Vollmachten der am 30. September eingesetzten Grenzfestsetzungskommission erweitert werden. Roch in bei Rachtsihung bes Völkerbunds rat es haben sich beibc Parteien auf die Brantingsche Formel geeinigt. 3n bie Grenzfestsetzungsk>mmis- sion int Irak würben bann folgende Persönlichkeiten gewählt: ber.ehemalige ungarische Minister Graf To lock, ber ehemalige belgische Oberst Pauli unb der frühere schwedische Gesandte in Bukarest Wirsen.
Der Wahaditenausstand in Arabien.
Port Sudan 29. Oft. (WB) Ein Versuch hervorragender Bürger von Dschidda und Mekka, mit den Wahabiten zu einer Vereinbarung zu gelangen, ist gescheitert. Der Vertreter der Wahabilen in Mckfa erklärte, bah der Friede unmöglich sei, solange A1 i auf dem Thron bleibe. Dies scheint ein unüberwindliches Hindernis zu sein. Dschidda wurde jetzt in Verteidigungszustand versetzt Es werden militärisch? Do berei ungen get . ffe i, u n den drohmden Angriff ab-uwehren. Wei.ere Dcr- flärtungcn werden heute aus Akaba erwarte:. Tie Bevölkerung verläht in beträchtlicher Zahl die Stadt.
Das französisch-russische Abkommen.
Man hat in London von den drei haupt- beteiligtcn Regierungen damals gesagt, daß keine von ihnen einen Mißerfolg der Konferenz ausha l te n könnte. Macdonald muhte etwas Positives den Engländern zeigen können, um den Ansturm der Konservativen und Liberalen aushalten zu können. Her r i o t wäre beim Scheitern der Konferenz von den wiedererstar'.enden Poincaristen weggefegt worden unb das Kabinett Marx-Stresemann hätte vielleicht zunächst jubelnde Zustimmung gefunden, falls es seine Llnterschrift verweigerte, wäre aber bald über die politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Folgen gestürzt. In Deutschland und England hat inzwischen nur eine Auflösung ber V olf svertre tu ng die Kraft- probe vermeiden können, nur Herri o t sitzt vorläufig scheinbar noch unerschüttert, aber dochwot,! nur deshalb, well er durch die Vertagung des Parlaments bis zum Herbst die längste Atempause zugebittigl erhalten hatte.
Auch er steht jetzt am Scheidewege, taktisch insofern in ber günstigsten Situation, als auch er an sich nur ber Vertreter einer Minderheitsregierung ist, aber boch durch bie Unter- stützungderSozialisten solange eine sichere Mehrheit hat, als diese nicht von ihm abfallen. Da er von den nationalen Gruppen nichts zu erhoffen hat, muh er sich also nach links ein- ftehen, wenn er sich halten will, und bie Zeit von der Londoner Konferenz bis Ende Oktober hat er denn auch dazu ausgenuyt. Er hatte um ber sozialistischen Unterstützung willen bereits in den ersten Tagen seiner Regierung sehr viel Ballast an Bord nehmen müssen durch den Bruch mit dem Vatikan, den er jetzt vollzogen hat, muhte bann aber während der Konferenz, um die Lou- cheur-Gruppe nicht zu verlieren, etwas mehr nach der Mitte herüberwechseln, scheint jetzt jedoch entschlossen zu fein, ganz stramm den linken Kurs zu segeln.
Mit gutem Grande. Denn die Politik in London hat ihm doch bei den Sozialisten starke Sympathien gekostet. Er konnte verschiedentlich auf die Auffassung stoßen, bah er sich allzu sehr von Poincare nicht unterscheide und dah es deshalb eigentlich für die Sozialisten zwecklos sei, ihm die Stütze für seine Mehrheit zu liefern. Inwieweit diese Taktik richtig ist, wird jetzt in den verschieden Sitzungen der Departements entschieden. Allzu viel Sorten braucht aber § erriet deswegen kaum zu haben, die Entscheidung wird nach den bisherigen Stich- refultaten für ihn günstig ausfallen, allerdings mehr aus dem negativen Grunde, weil die Sozialisten klug genug sind, einzusehen, dah, wenn sie Herriot fallen taffen, sie unter der dann wieder erstehendem Rechts reg icrung zu vollkommener Ein- fhihlofigfeil verurteilt sind.
Zudem ist Herriot auch dabei, den Sozialisten zu zeigen, wie gut fie es bei ihm haben. Der lange ausstehende Präfektenschub, die wichtigste inncrpvlitifche Konsequenz der Beseitigung der Pvincareschen Meh'.cheit, ist jetzt erfolgt unb dürfte mancherlei persönlichen Ehrgeiz befriedigt haben, auch gleichzeitig eine starke Sicherung für vielleicht notwendige neue Wahlen bedeuten, weil jetzt der amtliche Wahlapparat in der Hand der Linksmehrheit sich befindet. Auch das große diplomatische Change- ment ist endlich durchgeführt, das Herriot von der Bevormundung ber alten Ratgeber Poinca- reö befreit. Seine Vertrauensmänner fitzen am Quai d'Orsay, sitzen überall da im Auslande, wo er enge Fühlung braucht. Herrn Peretti della Rocca, ber ihm so gerne einen Knüppel zwischen die Beine werfen wollte, hat er nach Madrid abgeschoben, wo allzu viel Schaben nicht angerichtet werden kann. Er ist also nicht mehr der Gefangene des Poincarismus unb hat bar= aus sofort die erste Folgerung gezogen, indem er die Qlncr fennuna der S v wj e t - A egie» rung ausspvach.
Auch bas ist in erster Linie eine Rotwendig- feit ber inneren Politik, bie aber boch ihre Rückwirkungen auf bie gesamte europäisch? Diplomatie in trgenbeiner Form zeigen muh. Für die ©nglänber ist es nicht gerade ein besonderes Geschenk, bah Herriot in diesem Augenblick Ruh- land gegenüber aktiv wird, wo Macdonald infolge des Sinvwjew-Briefes vermutlich den Wahlkampf verliert, wo jedenfalls die Annahme des englisch-rufiischen Vertrags durch bas -Unterhaus lehr unwahrscheinlich geworden ist. Die Russen haben dadurch ihre alte Politik befolgt, bah sie ben einen Staat gegen den an« beren ausspielen, bie Drohung ist ja zu beutlich, bah sie jetzt mit ber französischen Industrie bas Geschäft machen wollen, mit dem sie zunächst bie Engländer zu föbem hofften. Allerbings, allzu ernst wird man in Lonbon bjese Drohung nicht nehmen.
Di? russischen Vorkriegsschulden si d ein Schatten, ber bie neue russisch-französische Freundschaft trübt. Bis sie nicht in irgendeiner Form gedeckt sind, wird ber französische Kapitalmarkt kaum bereit fein, den Russen Kredite zu geben. Ohne Kredit aber ist bie russische Wirtschaft nicht wieber in Gang zu bringen. Trotzdem ist die Anerkennung Rußlands durch Frankreich gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt ein sehr geschickter Zug auf dem europäischen Schachspiel, der bie französische Stellung stärkt unb gleichzeitig auch Herriot weiterhin di? Unterstützung der Sozialisten sichert. Wenn also nicht unerwartete Einflüsse von auhen her sich gcltenb machen, barf Herriot von sich sagen, bah er bie Pause bis zum nächsten Zusammentritt des Parlaments gut genug ausgefüllt hat, um sich auf eine large Regierungszeit ein richten zu können.
Die Pariser Presse zur Anerkennung Ruhlands.
Paris. 30. Oft. (WTD.) Die Blatter beschäftigen sich ausführlich mit der Frag? ber französisch-russischen Beziehungen. Der „Temps" schreibt jetzt, da die Geste vollzogen fei und ba die de jure Anerkennung der Sowjetmacht geschehen sei, habe di? Diskufiion von Tendenz- r.rb Zweckmähigkeitsfragm nur noch theoretisches Interesse. Man steh? vor einer Tatsache aus cer man bas Beste herausholen müffe, jnb?m man sich dort ohnmächtig zeige, wo man während sieben Jahren nützlicherwerfe die Interessen Frankreichs in Rußland geschützt habe. Da bie revolutionäre Richtung sich kategorisch toetgere, die vorerst im Rn men des russischen Volkes abgeschlossenen Verb ndlichknten anzuerke men, fei die einzige Möglichkeit, Frankreichs u n - verjä hrbare Rechte zu wahren, gewesen, die Sowjets durch freiwillig ein« gegangene Verpflichtungen z u b i n- en und so zu interessieren, ihren Verpflicht ragen nachzukommen, wenn s e wirklich wollen, bah Ruhland wieder seinen Platz in der Staatengemeinschaft einnehme unb bah die zivilisierten Rationen tätig an feinem Wiederaufbau Mitarbeiten.
Das .Journal des Debats" hebt besonders hervor, bah durch bie Forme*, die Ministerpräsident Herriot in feiner Depesche an Tschitscherin gewählt hat. fcftgeftellt werde, dah die Anerkennung sich nicht auf die ehemals russischen Gebiete, die in unabhängige und von den Sowjet selbst anerkannte Staaten umgewandelt worden seien, noch auf Georgien beziehe oder auf Bessarabien, dessen Eingliederung in Rumänien offiziell von Frankreich anerkannt werde. Frankreichs Beziehungen zu Polen, Finnland. Esthland. Litauen und Rumänien würden also durch die Anerkennung in keiner Weise geändert. Im übrigen aber drückt das Blatt fein nur beschränktes Vertrauen zu den
Sowjet- auS und ist der Ansicht, bah trotz der bestehenden allgemeinen Regelung bie Lage oon dem französischen Standpunkt aus nicht sehi klar fei.
Die Pariser Bankiers gegen die Anerkennung Sowjetruhlands.
P a r iS, 30. Oft. (T. 11.) In hiestgea xinanv freifen wird die Anerkennung SoivretrEstlands fkeplisch beurteilt. Bezeichnend ist. bah btt rufsischen Werte, die gestern an bei Börse 21 70 notierten, heute 21.20 im Kurse stehen Auch in russischen @migianlcn( reifen l.xil die Anerkennung großeDestürzung :)vrr>orgciu- fen. 2Ra flat off, der 1917 alS G fanbtev i> r provisorischen russischen Regierung nach irnrrs kam. Hal im Auftrage des Ausschusses russischer (Emigranten bei dem Mimsterpräfid nien He^iot gcgci die Anerkennung der ©omjetf regle rung böte ft i e r t.
Eine Aeuherung Rykoffs.
Moskau, 29. Oft. (W)lfs.) In einer Unterredung mit einem Vertreter ber Russischen Tele- graphen-Agentur crflärte ber Profit e des Rates der Volkskommissare, Rytosf «der Rahmiger Lenins), bah er in ber Anerk ' ung der Sowjetunion durch Frarrkreich vor allen Dingen das Streben Europas nach Frieden erblicke. Die Regierung Herriots, die an die Stelle des Ministeriums Poincarö g'treten, versuche, dieses Streben zu befriedigen. Wenn in d. nächsten Zeit auch mit Japan eine Verständigung erzielt werbe, bleibe in allen Ländern, bie füi Ruf land wirtschaftlich von Bedeutung seien, ntr noch Amerika übrig, bah der Sowjetregierung bie Anerkennung versage.
Die Sabotage des Londoner Abkommens.
Fortgesetzte Unterstützuirder Separatisten durch die Bcsaüunfis- behördeu.
Kaiserslautern. 29 Oki (Wolss.) Var einiger Zeit haben in Lauterecken einige junge Leute bas Firmens child des Separa- tistentührers unb Rechtsanwalts Lang, ber sich nach fortgesetztem provozi.- enden Verhalten sehr unliebsam bemerkbar machte, nächtlichrrweise entfernt Aus Beschwerde des Lang bei ber französischen Defat- zungsbehörde erhielt SZautcreden am 6. Oktober eine marokkanische Strasbefayung. Weiterhin hat jetzt bic ftanzösisch. Oenbarmeric eine älntersuchung veranstaltet, obwohl die deutsche Staatsanwalilch,».! bic Sach? beiei's in Händen hatte unb die städtische Pol'nei in Lauterecken mit der Vernehmung de. Beschuldigten beauftragt war. Die Devölferung ist ü(xr i>as Vorgehen der ftanzöfischen Kriminalpofi,ei sehr beunruhigt, da sie berurdjtet, bah die jungen Leute vor e'n Kriegsgericht gestellt ü-erixn, obwohl ein französisches Gericht in keiner Weise für diese Angelegenheit zuständig ist Der Fall ist ein typisches Beispiel dafür, wie einige Befahltngs- deHörden immer wieder versuchen, s i ch zugunsten ihrer separatistischen Freunde in innerdeutsche Derha.tnisse einzu mischen und ihnen durch Eingrisse in du deutsch^ Staatshoheit d?i. Rücken zu stärken Die Tat der jungen Leute ist um so eher zu entschuldigen. als Lauterecken während der Scparati''ten- herrschaft auherorbentlia; schwe? unter dem Terror ber Separatisten zu (eiben hatte
Der Abbau der Regie.
Trier, 30. Oft. (TU.) 3in Eisenbahnbetrieb sind in den letzten Tagen verschiedene Aende- rungen eingetreten. Die Regie arbeitet nicht mehr für Repa rat ionskonto, sondern für Rechnung der neuen I Reichseifcnbahnqesell- schäft. Der Trierer H a u p t b r. h n h o s hat bereits einen deutschen Vorsteher. Dis zum 15. Rovernber werden von ber Eisenbahn nur Franken in Zahlung genommen, bann jedoch nur -deutsches Geld. In der Rächt vom 15. zum 16. Rovember von 12 Uhr ab toerben wieder deutsche Fahrkarten nuSgegeben.
Die Kölner gone.
Düffeldorf. 30. Oft. (TU.) Die Der- Handlungen der alliierten Mächte über die Kölle Zone sind für den 10. Dezember in Brüssel anberaumt. Die Micum will nun Düsseldorf endgültig den Rücken lehren. Sie versteigerte K' m ihren Autopark und den Restdesch ihrer üien.
Die Steuerreform.
Eine Finanzkonferenz in Berit».
Berlin, 30. Oft. (Prid^Tel. des WTD.) Wie mehrere Blätter melden, hat Reichsfinanzminister Dr. Luther die Vertreter der Länder zu einer gemeinsamen Besprechung für Freitag nach Berlin geladen. In dieser Sitzung werde der Reichsfinanzminister das Resultat der Erwägungen, die seit einiger Zeit innerhalb des Reichssinanzministeriumö über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Umformung der Steuern schweben, mitteilen. 3n der Hauptsache soll es sich bei der geplanten Reform um eine Vereinfachung b et ©teuer- erhebung handeln. Die A m s a h ft e u e r soll herabgesetzt werden. Auch d-e Umformung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden sott in der Besprechung eine Rolle spielen. Es toetb* bamit


