flr. 230 Erstes Blast
irq. Jahrgang
Dienstag, 30. SeptembCt |92^
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
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Die Reparationsanleih e. Londoner Vorverhandlungen. — Englische Finanzkreise machen Schwierigkeiten.
(Eigener 3nfonnattDnSlnenft.)
Berlin, 30. Sept. 3n den Berliner Re- gierungskveifen sieht man nicht ganz ohne De» forgnis den bevorstehenden Anleiheverhandlungen entgegen, die namentlich von englischer Sette auS amherordenllich e r s ch tv e r 1 werden. Es ist bekannt, dah die gesamten Londoner Abmachungen mir durch das Zustandekommen der Deutschland zu gewährenden 800 Millionen Anleihe gesichert werden können und ohne Anleihe hinfällig würden. Diesen Tlrnstand scheint sich die englische Frnanzwelt nutzbar machen zu wollen, indem sie nach wie vor bemüht ist, eine grosszügige Propaganda gegen die Anleihe zu veranstalten. Der Aeichsbankpräsi- dent Dr. Schacht, der bekarrntlich in London die Borverhandlungen geführt hat, hat der Reichsregierung berichtet, daß seiner Meinung nach der Erfolg der deutschen Anleihe in @ng*= land tatsächlich in Frage gestellt ist.
Man hält es für sehr wahrscheinlich, dah es sich vorläufig bei der englischen Propaganda gegen die deutsche Anleihe um taktische politische Manöver handelt, die den Zweck beabsichtigen, auf Deutschland einen Druck auszuüben, um es hinsichtlich der gleichzeitig laufenden deutsch-englischen Wirtschastsverhandlungen gefügig zu machen.
Wenn die englische Finanzwelt es tatsächlich fertig bringen sollte, bei der Zeichnung der Anleihe zu versagen und damit die Londoner Abmachungen überhaupt in Frage zu stellen, so würde damitt eine sehr ernste Situation für Deutschland geschaffen werden. Wir glauben zu wissen, dah die deutsche Regierung Veranlassung genommen hat, die Aufmer^amkeit der englischen Regierung auf den PropagandafeldFug gewisser englischer Kreise zu leirken, die absichtlich und bewußt den Erfolg der deutschen Anleihe in Frage stellen wollen. England gehört unmittelbar zu den Garantie- Mächten, die an der Durchführung des Dawesgutachtens Antell genommen und auf der Londoner Konferenz ihren Einfluh in entscheidender Weise zur Geltung gebracht haben.
Demnach hat es auch bi» Verpflichtung, feinen Teil zur Verwirklichung der Londoner Beschlüsse beitragen zu müssen. 3n diesem Sinne ist die Reichsregierung bestrebt, von der englischen Regierung Garantien zu erlangen, damit der englische Anteil an der Reparationsanleihe auch voll gezeichnet wird.
Dieses Moment dürste auch aus den weiteren Fortgang der deutsch-englischen Wirt- schaslsbe sprech ungen von ausfchlagg bm- d:r Ded:utung sein. Beide Fragen sind für England wie für Deutschland von gröhter Wichtigkeit und berühren die elementarsten Lebens- mtcidfcn der beiden Länder. Dr. Stresemann hat in seiner Sanas tag-Rede erklärt, es komme Deutschland barauf an, die Idee der Meistbegünstigung auf der Grundlage eines mah- vollen deutschen Zoll sch utzes durchzuführen. Diese Erklärungen des Ministers dürsten in einem gewissen Zusammenhang zu der von der Reichs- regicrung eingebrachten Schuhzollvorlage stehen, die in England grohen Ilnwillen hervorgerufen hat. Offenbar will England Deutschland zu einem Verzicht auf die Einführung von Schutzzöllen bewegen, was aber gleichbedeutend mit der Aufrollung eines grohen innerpolitischen Konfliktes in Deutschland sein würde. Die Reichsregierung wird, wie wir hören, raum sich dazu bewegen lassen, die Schuhzollvvrlage zurückzuziehen, aber sie wird bereit sein, die Zollsätze erheblich zu verringern. Da dieses Problem nach dem Wiederzusammentritt deS Reichstages eine grohe Rolle spielen wird, wird allerdings die Frage entscheidend sein, wie sich die deutschnationale Partei zu einer Herabsetzung der Zollsätze stellen wird. Rach unseren Informationen bestehen die Scutfd) nationalen auf der uneingeschränkten Durchführung der Schutzzoll- Vorlage, so dah man den Ausgang der schwebenden Erörterungen zur Zeit noch nicht vvraussehen kann.
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3n der Rede, dr2 der Attvrneh-Gene- ra[ (der erste Jurist der englischer Krone) in Wallis hielt, äuherte er sich über die auswärtige Politik. Er prophezeite dah die neue deutsche Anleihe einer dergröh- ten finanziellen Erfolge sein we de. den die Welt je gesehen habe. Seine Folge werde fein, dah Deutschland wieder auf den Weltmarkt fonun? und dem britischen Handel ein n wertvollen Antrieb geben werde. Riem als seien die Gefühle zwischen Frankreich und England so freundschaftlich und herzlich gewesen wir in d'elem Augenb.ick
Deutschland und der Völkerbund. Die Ueberrcichung des deutschen Memorandums.
Berlin, 29. Sept. (Tel.°^1n.) Am heutigen Vormittag wurd: von den deufchen Botschaftern bei den Westmächten den Mitisterpras.- denten Macdonald, Herriot usw. c u Grund ihrer Instruktionen aus Berlin gleichzeitig und überein st immenddie Ansicht
Die Finanzlage des Reiches.
Neichsfinanzminister Dr. Luther über Steuerpolitik und Preisgestaltung.
Leizig, 29. Sept. (WTB.) Reichsfinanz- Minister Dr. Luther gewährte einem Vertreter der „Leipziger Reuest. Rachr." eine Unterredung. Auf die Bemeickung des Vertreters, dah die Presse mehrfach über Anregungen von Wirtschaftskreisen berichtete, dre auf eine Ergänzung der Derbilligungsmahnahmen durch einen Steuerabbau auf der ganzen Linie hrnzielen, erwrderle der Minister, dah in der Tat erne Flut von Anregungen und Forderungen von Wirtschaftskreisen aus das Finanzministerium erndrmig. Sre seren bezerch- nend für den Ernst der Lage der Wirtschaft. Sre würden im Reichsstnanzminrsterrum sorgfältig geprüft. Es liehe sich jedoch nicht leugnen, dah vielfach unsere finan- zrelle Lage durchaus falsch beurteilt werde, was geeignet sei, in der Orffentlichkeit ein falsches Bild über die Bedingungen und Möglichkeiten eines Preisabbaues hervorzurasen. Cs überrasche ihn, dah man zum Dew.ise für den günstigen Stand der Finanzen hier und da den Rückkauf der Goldanlerhe, deren Rot- werrdrgleit nicht bezweifelt werde, in eine längst widerlegten Gestalt wieder auf bringe. Ich sagte rn meiner Deichstagsvede vom 22. August de tt- lich, dah die besonderen Leistungen, die das Reich in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1924 vollzogen hat, darunter namentlich der Rückkauf der Gvldanleihe, nicht aus den laufenden Ste rern, sondern aus den einmaligen Einnahmen der damaligen Zeit bewirkt wurden. 'Das ben hier und da anzutreffenden Hinweis aus ein dauerndes Gu thaben des Reiches in Höhe von mehreren hundert Millionen Mark in Gold bei der Reichsbank betrifft, so ist es richtig, dah das Reich vorübergehend ein fast ausschliehlich aus kirzfristigen Rentenmarkschatzwechseln bestehendes Guthaben in dieser Höhe bei der Reichsbank hatte.
Daß sich auf der Grundlage derartig kurzfristiger Kredite keine neue Reichsausgabenwirtschaft aufbauen läßt, dürste nicht bestritten werden. Wenn das Reich noch heute solche Krebste, in allerdings stark verringertem Umfang, hat, so ist das eine bittere Notwendigkeit, weil sonst der Betriebsfonds, der bekanntlich im Frieden 600 Millionen Goldmar! betrug, für die Finanzwirtschaft des Reiches fehlen würde; das Vorhandensein des Betriebsfonds ist die Voraussetzung, daß wir wieder zu einer geringeren Anzahl von Steuerzahlungsterminen zurückkehren.
Ich bin erstaunt darüber, dah man vielfach so schnell vergast, unter welchen Schwierigkeiten sich im Rovember der ääebergang in eine fta » bile Wä hrungs- und Etatswirtschaft vollzog, welcher auherordentlich harten Eingriff e der Reichsregierung es bedurfte, um eine Stabil tät herb izuführen Wenn man eine Sleuer- ermähigung grohen Stils befürwortet, so muh man der Meinung sein, dah die Stabilität des Etats sehr stark ist und das Reich für die Erfüllung, nicht nur der notwendigen, sondern auch der wünschenswerten Bedürfnisse Geld genug übrig hat. Dah das Gegenteil der Fall ist, ist aber leider Tatsache. Die Gehälter der Beamten sind noch auf einer Stase, die der breiten Masse der Beamtenschaft gerade das Existenzminimum besäht. Der Beamten- ab bau muhte mit beklagenswerter Härte durchgeführt weichen. Für eine ausreichende Entschädigung der durch den Krieg geschädi^en Dolks- Haffen konnten die Mittel nicht erübrigt werden. Die laufenden Verwaltungen des Reiches find durch eine strenge Quotisterung der ihnen zur Verfügung geflehten Gelder z u starken Einschränkungen gezwungen.
Die Wünsche der Reichstagsparteien in der Aufwertungsfrage müssen in der Finanzierungsfrage eine unüberwindliche Schranke finden.
Ich bin durchaus überzeugt, dah die Steuerlast, die von Reich, Länder und Gemeinden auf die Wirtschaft gelegt wird, so gering fein muh, wie nur irgend möglich. Dazu wird not
wendig fein, auf dem Wege weiterer Ersparnisse nicht müde zu werden, und besonders in denjenigen öffentlichen Verbänden, in denen bisher das Wort „sparen" noch immer nicht groh geschrieben wird, endlich mit einem durchgreifenden Sparen zu beginnen. Ich glaube, dah es sehr viele Deutsche gibt, die durch eine Beobachtung von öffentlichen Verbänden in ihre». Rähe die Punkte genau feststellen können, wo Erspamismahnahmen möglich und notwendig sind. Ich würde es sehr bc= grühen, wenn jeder Deutsche, der diese Möglichkeit hat, nun auch nachdrücklich in diesem Sinne arbeitet. Der Reichsfinanzminister ist durchaus nicht die geeignete Universa ladvessc für alles, was in Deutschland geschieht oder nicht geschieht; ich glaube zum Beispiel, dah meine Kollegen, die Stadtkämmerer, mir eine solche Anmahung durchaus Übelnehmen würden.
Daß die Steuern verbessert und habet mit aller Kraft tragbarer gestaltet werden müssen, darüber habe ich nie einen Zweifel gelassen. Aber alle Bestrebungen der Reichsregierung werden zu keinem befriedigenden Ergebnis führen, wenn nicht die ganze Wirtschaft von dem gleichen Geiste durchdrungen wird. Die erforderliche Wirtschafts- bereinigung auf betriebstechnischem, kaufmännischem und organisatorischem Gebiet ist noch keineswegs in dem Maße fortgeschritten, dah heute schon der Anschluß an die Weltmarktverhältnisse gesichert ist.
Ich weih sehr wohl, dah die Wirtschaft in auherordentlich schwieriger Lage sich befindet, k>ah es eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen gibt, die ihre Unkosten nicht her- auswtrtschaften können; ich weih aber auch, dah für andere Teile der Wirtschaft die Forderung nach Preisabbau durchaus berechtigt ist. Cs werden heute noch in nicht unerheblichem Mähe von Verbänden Preise vorgeschrieben, die die hohen Kosten der auf einem erweiterten Produkt ionsumsang eingestellten Er- zeugung, selbst bei weiter zurückgehendem Umfang, hereinbringen sollen, und dadurch die Ab- sahverbältnisse, statt sie zu heben, nur vollends verkümmern lassen. Ich halte durchaus an meinem Worte fest, dah, wenn sich die Tarifermähigungen, Steuerermähi- gungen usw., die jetzt eingetreten sind, nicht auf die ganze Preisgestaltung auswirken, die Folgen schwer sein werden. Ich hätte deshalb ausrichtigt begrübt, wenn die Gesichtspunkte, für die die Privatwirtschaft die volle Verantwortung trägt, neben den Forderungen auf Steuerermähigung von den betreffenden Wirtschaftskreisen eingehend gewürdigt worden wären. Vielfach stellt man es aber so dar, als wenn alles allein von den Steuern abhinge; denn dies ist eine wirlliche Täuschung für die Oeffent- lichkeit und darüber hinaus eine Enttäuschung. Ich sagte nie, dah die Umänderung der Steuern beendet sei, ich bin umgekehrt bereit, auf diesem Gebiet in planvoller Entwicklung das Meine mit aller Kraft zu tun; die Wirtschaft aber muh ich ebenso dringend bitten, das Ihre zu tun.“
Regierungsmahncchmen gegen die Teuerung.
Aendernnq der Kreditpolitik der Länder. —Umstellung derStenerpolitik.
Berlin, 30. Sept. (Drahtmeld.)
Aus Kreisen bet Verbraucher sind an die Reichsregierung unb bie Lanbesregierungen mannigfache Klagen gerichtet worben, bah die Pre i s- abbaumahnahmen bisher keinerlei Ergebnisse gezeitigt haben, vielmehr gerabe bie Preise her notwendigen Lebens- m i 11 e I in sortwährenbem Steigen begriffen ftnb. Die preußische Regierung hat barauf bei ber Reichsregierung angeregt, bemnächst in einer Be
sprechung bet beteiligten Ressorts über neue burchgreisenbe Maßnahmen gegen bie Teuerung zu beraten. Die Vorarbeiten ju biefer Besprechung sind noch nicht abges losten. Iebvch verlautet bereits aus unter . :; reisen. daß bie Reichsregierung beabs.chkigi ben fianbetn vvrzuschlagen, eine fM c nbe tu ng ihrer Krebitpolitik in bet Weise Vv'.'zunehmen, baß die ReichSbankttebite mehr als bisher denjenigen Kreisen zugewandt werden sollen, -ie in erster Linie für die E r z e u g u n g in Stage kommen. Weiterhin sind im RcichSs.nanzmini- sterlum Vorarbeiten über eine Umstellung der Steuerpolitik im Gange, die ebenfalls die Erzeugung entlasten und damit zur Erleichterung des LebcnSmittelmarkte« beitragen soll. Don preußischer Seite wird insbesondere darauf hingewiescn werden, daß es unbedingt nötig sei, dieSpannezwischen dem Erzeugerpreis und bem Äleinban- delspreiszuvermindern und Mitel ausfindig zu machen, um insbesondere der n h. st ä d t i s ch e n Bevölkerung bie notwcnd ecn Erzeugnisse unter Ausschaltung der zahlreichen Zwi- schenhanbelsgewinne zugänglich zu machen.
Der Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern, Gemeinden Auslassungen des preußischen
Ainanzmiuisters.
München, 29. Sept. (WB.) Dec preuhpche Finanzminister von Richter, der in München weilt, c.npfing heute den Leiter des Süddeutschen Korrespondenzbureaus zu einer Unterredung, in der er u. a. erklärte, es sei ün Interest e des Reiches wünschenswert, dah die beiden größten Länder des Reiches und das Reich keine gegensätzlichen Interessen hätten. Cs sei daher besonders erfreulich, dah diese beiden Länder trotz starker Bedenken das Dawes- Gutachten angenommen hätten. Aufgabe der Länder sei es nunmehr, die Durchführung nicht zu erschweren. Doch fei es zugleich Pflicht des Reiches, auch die Existenz Möglichkeit der einzelnen Länder zu berücksich- ttgen. Eine reinliche Scheidung in der Verteilung der Steuerg uellen zwischen Reich und Ländern müsse erfolgen, indem gewisse Gebiete ausschliehlich dem Reiche, andere aus- schliehlich den Ländern und Gemeinden zugewiesen werden. Die Einkommensteuer könne feiner Meinung nach nicht verschiedenartiger Behand- lung durch die Gesetzgebung der Länder unterstellt werden. Andererseits könnten Regierung unb Bevölkerung mehr als bisher bei der Durchführung der Cinkommensteuergesehgebung beteiligt werden, um bei Wahrung gleichmäßiger Gesetzgebung und Veranlagung den Interessen der einzelnen Länder mehr gerecht zu werden. Dies fei um so notwendiger, da schon jetzt 90 Prozent der Einkommensteuer den Ländern und Gemeinden zufliehen. Auch sei es notwendig, den Gemeinden das Recht auf die Erhöhung des Zuschlags zu gewähren. Doch sei hierzu erforderlich, dah vom Reich die Steuersätze nicht zu hoch seien, dah sie weitere Zuschläge unmöglich machten.
Die gewerbliche Steuerbelastung
Essen, 29. Sept. (WB) Die Bollvecsamm- lung der Bereinigung von Industrie- und Handelskammern des Rie^errhrinisch w:stjulisch-iüd- westfälischen Industriegebietes te chäftigtt si h erneut mit den Fragen der Gewerbesteuern und der Finanzgebarung der Gern in- den. Die Versammlung nahm ine Ent'-tlehung an, in der zum Ausdruck gebracht wird, d . Möglichkeit, die Wirtschaft des Westens wiede.- in Gang zu bringen, sei nur gegeben, wen i die auf ihr ruhenden Lasten w sentlich vermindert werden. Dazu bedürfe es in erster Linie einer toirEfamen Beschränkung der ge e bl chen Steuer belastung.
des Reichskabinetts zur Frage des deutschen Eintritts in den Völkerbund unterbreitet und in Form eines Memorandums schriftlich überreicht. Di? Reichsvegierung hat die beteiligten fremden Regierungen gebeten, um durch eine öffentliche Erörterung von vornherein den Gang der Besprechungen nicht zu stören, von einer Bekanntgabe der deutschen Darlegungen zunächst abzusehen Deschalb wird auch deutscherseits der Inhalt dieser Instr.ik- tivnen nicht veröftentllcht. Ministerpräsident He r r i v t wird das ^Memorandum am kommenden Donnerstag dem Ministerrat, dec unter dem M>rsitz des Präsidenten der Republik zusammentreten wird, zur Prüfung unterbreiten. Der Inhalt des Memo.andums ist heute nachmittag wähcend des Kabinettsrates den Ministern mitgeteilt worden.
Wie wir von unterrichteter auhenpolltischer Seite erfahren, hat sich Herriot be. der II.6er= reichung des Olkmoranbums bereit erklärt, in einen Meinungsaustausch mit der deutschen Regierung einzutrelen. Es werden demnach zunächst d utsch-französische Besprech-!7-ge'. statt- firden, wiih.eid die übrigen Völker: uadsmach e den Verlauf dieser Vorverhandlungen abwa.tten werden.
'Ser „Petit Parisien" glaubt über den Inhalt des deutschen Memorandums, fragendes mitteilen zu können. Das Memorandum sei nicht in der Form einer Aufzählung von Bedingungen abgefaht, die die deutsche Regierung bei ihrer Zulassung stellen werde, noch handle es sich um einen trockenen Fragebogen. Cs stelle vielmehr ein allgemeines Expose der Fragen dar, übe; die Deutschland Klarh« i twünsche, hauptsächlich über die Stellung, die der Versailler Verttag Deutschland auferlegt habe. Das Memorandum verlange in erster Linie, dah Deutschland aus dem Boden absoluter Gleichberechtigung milden Grohmächten zu- gelassen werde, das heiht, dah es einen ft ä n = big en S i h im Völkerbundsrate erhalte. Werde dieses Versprechen gemacht, werde Deutschland von den interetfierten Mächten verlangen, zu wissen, ob es hoffen könne, dah die Lösung gewisser Probleme, wie die oberschlesische Frage und die Frage des Saargebiets, und die Frage der militärischen Kontrolle bei dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund leichter durchgesührt werden könnte.
Es scheine außerdem, dah die deutsche Regierung die Versicherung haben wolle, dah Deutschlands Eintritt in den Völkerbund es nicht zwinge, evll. Mahnahmen zu ergreifen, die i m Widerspruch sieben mit den Verpflichtungen,
die Deutschland im Vertrag von Rapallo gegenüber Ruhland übernommen habe. Schliehlich drücke das Memorandum den Wunsch aus, dah auch Ruhland so bald wie möglich in ben Völkerbund ausgenommen werde. Das Memorandum enthalte ferner eine Stelle, in der die Frage aufgeworfen werde, ob Deutschland im Falle eines Konfliktes an militärischen Sanktionen teilnehmen müsse.
Die Verewigung der Militär- Kontrolle.
(Eigener Informationsdienst.,
Berlin, 30. Sept. (Drahtmeldung.- Die nunmehrige offizielle Bestätigung der Vach richten, w-onach im Völkerbundsrate die Militärkon- trolle in der Weis« geregelt trarben ist, dah Deutschland von der aktiven Teilnahme daran auch nach feinem Eintritt in den Völkerbund au sgeschlos- f e n bleibt, hat in Berliner politischen Kreisen tiefe Verstimmung erregt. Don Seiten^ der Reichs reg erung wird darauf hingewiesen dah sie schon feit langc-m einen solchen Veschluh befürchtet und sich beäb-atb in dem Memorandum übet die Frage des Eintritts von vornherein dagegen, perv-ab' » bohr, weiterhin re b 1 g-


